nossenschaftler, u. a. deS 2. Vorsitzenden, Iustiz- ratS Dr. Weis; (Kassel), und des Geh. 3u[ty- rats Dr. Alberti (Wiesbaden) erstattete Qxr» bandsdirektor Letschert den Bericht über das verflossene Geschäftsjahr, besprach die heutige Lage mit ihrer scharfen Geld- und Kreditkrisis und daS vollständig unbegründete Mißtrauen gegen die Stabilität unser e r W ä h r u n g, die trotz der geldlichen Lage deS Reichs, trotz passiver Handels- und Zahlungsbilanz, trotz der Erwerbslosenfürsorgefrage und trotz herabgesetzter Bautätigkeit unter allen Umständen von der ReichSbank aufrechterhaltcn werde. Er erkannte dabei ausdrücklich die schwere Rotlage der Landwirtschaft an, die von ihr übernommene Zinslast zum Zwecke der Aufrechterhaltung der Betriebe und daS starke Mihverhält- nis der Preise der landwirtschaftlichen Erzeugnisse zu denen der Industrie. Der Redner forderte eine Steuersenkung und eine Minderung demoralisierender unwirtschaftlicher L a st e n, Sparsamkeit auf allen Gebieten des privaten und staatlichen Lebens. Wir ständen in Deutschland jedoch infolge der Krediteinschränkungen der Reichsbank nicht in einer neuen Inflation, sondern in einer Deflation. Krcditeinschränkung sei die Devise und ein Hauptgrundsatz der Genossenschaften, als ein ArrSfluß des Selbsterhaltungstriebes, sei der, das; Liquidität vor Rentabilität gehe. Verzinsliche Wertpapiere seien zur Zeit nur mit Verlust verkäuflich. Geschäfte ohne genossenschaftliche Ziele seien verwerflich. Fehlschläge dürften nicht beschönigt, keinesfalls aber auch verallgemeinert werden. Die Genossenschaften umfaßten alle Berufe und Erwerbsstände, in erster Linie den Mittelstand.
Genossenschaftsanwalt Prof. D r. Stein behandelte sodann von hoher Warte das Thema: Die Reparation als das deutsche wirtschastsproblem. Wenn es auch noch mehr Probleme gebe — z. D. die Fundierung aller öffentlichen Ausgaben, die Gesundung unserer Landwirtschaft — so sei doch die Liquidation des Krieges das Weltwirtschafts- Problem. Das Diktat von Versailles arbeite mit wirtschaftlichen und finanziellen Problemen: auch mit solchen könne man töten. Die Machtlagerung in Europa habe eine Llrnwälzung, die Wellst r m m u n g zu unseren Gunsten keine Besserung erfahren, die angelsächsische Presse „schweige uns tot". Die Allierten dächten nicht an die Aendcrung des Versailler Diktats. Poin- carö sei kein SonntagspredigerI Seine Forderungen seien enorm und hierbei seien auch die privaten amerikanischen Forderungen aufS stärkste beteiligt. Kein Mensch könne die Auswirkungen eines etwaigen Kompromisses in Paris voraussehen. Abdrosselung aller Ausgaben, auch der des Reichs, sei erforderlich. „2m Volksgenossen müssen wir den Mitarbeiter im Sparen finden." Eine Inflation werde nicht wiederkommen. Es sei verwerflich, mit dem Gerede von ihr andere zu beunruhigen.
Rach zwei weiteren Vorträgen juristischer und gesetzlicher Ratur, dem deS 2. Derbandsvorsitzen- den 0tabt, Bad-Rauheim, über „Erfah- rungenbeiZwangsver st eigerungen, Konkursen und Vergleichen" und das von den Genossenschaften einzuschlagende Verhalten in solchen Fällen, in denen zu bedenken ist, daß der Fall des einen Schuldners auch fast stets den Fall des anderen zur Folge hat, sowie nach dem sachkundigen Vortrag des Handwerkskammersyndikus Dr. Hartmann, Kassel, über „Die wichtigsten Bestimmungen aus der Handwcrkergcsetzgebun g", vereinigten sich die Teilnehmer der Tagung, als deren nächstjähriger Ort Homberg an der Efze bestimmt wurde, noch bei einem einfachen Mittagsmahle im Waldhotel „Tannhäuser".
Sprechstunden der Redaktion.
11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. ______________________
6. Fortsetzung.
Tiefhängende graue Wolken zogen an diesem Abend über Rcutzork, träge fiel der Regen und machte die von sausenden Autopneus geglättete Straße zu einem blanken Spiegel.
Gin riesiger roter Baldachin spannte sich über die Straße vor dem Eingang der Metropolitan- Opera, wo sich eine dreifache Wagenreihe zitternd und stampfend staute.
Die „upper five hundred“ von ganz Amerika gaben sich heute abend hier ein Rendezvous.
Eilfertige Kameraleute filmten die Ankommenden, grelles Iupitcrlicht schnitt wie Messer in die Augen, eilige Worte wurden in ein Megaphon gesprochen.
Was einen Ramen im Reich des Dollar hatte, versammelte sich heute abend zu einer glänzenden Parade, um zu sehen und gesehen zu werden.
Man ehrte an diesem Abend Richard Wagner. Der Amerikaner liebt Wagnerschc Musik mit ihren oft lauten klanglichen Effekten.
Eintrittskarten wurden von Händlern noch im letzten Augenblick zu Schwindelpreisen losgeschlagen, Zeitungsjungen bellten den Ramen ihrer Blätter heiser in die regenfeuchte Luft.
llcbcrall kochte, dampfte, brodelte Reuhork wie ein Riesenkessel.
Lichtreklamen flammten auf und tauchten die Straßen in Tageshcllc, am Himmel brummten Flugzeuge mit beleuchteten Inschriften, Auto- hupcn riefen unaufhörlich, dazwischen donnerten die Wagen der Hochbahnzüge regelmäßig über die eisernen Viadukte, die sich wie vieldeutige Ungeheuer über die Straßenzüye spannten. Unaufhörlich stampften Motore ihre aufreizenden Rhythmen in die Luft.
Reuhork lebte und fieberte!
In dein vornehmsten Theater der Riesenstadt sahen diejenigen, die die Welt „die Glücklichen" nannte.
Der Ring des ersten Ranges, der sich in voluminösem Bogen über dem Parkett wölbte, trug wohl die kostbarste Last, die jemals ein Theaterrang getragen hatte. Die einzelnen Logen, die sich wie kleine Schwalbennester dem Rang anschlosscn, glichen kleinen Iuwelenkästcn.
Hier saßen die Mächtigsten des Landes, die die Welt von ihren Bureaus aus regierten, die ihre Arme über Ozeane reckten, die ihre Truppen überall hin verschickten.
ilnh diese Truppen in Form von blanken Deilarstücken kämpften für ihre Herren.
elllauf um Lllmor.
Roman von Genta Recket.
Copyright bei Greiner & Co., Berlin NW 6.
Nachdruck verboten.
VII.
Laninvirtschastliche GeuoffeuschastÄaguugeu in Damfladi.
Generalversammlung
der Landesgenossenschastsbank.
WSR. Darmstadt, 24. Mai. Die diesjährige Tagung der hessischen landwirtschaftlichen Genossenschaften begann heute mit der 16. ordentlichen Generalversammlung der Landesgenossenschaftsbank im überfüllten Saalbau. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Altbürgermeister Molkeretdirektor Schmidt, Echzell, begrüßte die 669 stimmberechtigten und die zahlreichen übrigen Genos- senschoftsvertreter, insbesondere die Ehrengäste Ministerialrat Bauer vom Ministerium für Arbeit und Wirtschaft, 2lbteilung Landwirtschaft, die Vertreter der Preußenkasse Frankfurt a.M, der Reichsbank, den Präsidenten der Landwirt- schaftskammer Hensel, deren Generaldirektor Dr. Hamann, Derbandsdirektor Berg usw. Er gedachte sodann des wegen seines Gesundheitszustandes ausgeschiedenen Vorstandsinitglie- dcs Direktor Mager, dem er für seine langjährige verdienstvolle Tätigkeit Dank aussprach.
Für den verhinderten Wirtschastsminister K o - rell überbrachte Ministerialrat Bauer dessen Glückwünsche.
Zu dem Bericht über das 16. Geschäftsjahr gab Direktor Rahnemann noch einige Einzelheiten. Am Tage der Generalversammlung gehören der Landesgenossenschaftsbank 495 Mitglieder mit 656 Geschäftsanteilen, 2 568 000 Mk. Geschäftsguthaben und 25 680 000 Mk. Gesamthaftssumme an. Davon entfallen auf Oberhessen 180 Mitglieder, auf Starkenburg 165 und auf Rheinhessen 150. Gegenüber dem Vorjahr hat sich der Umsatz um 52 Millionen auf 888 Mill. Mk. erhöht, die Aktiva um 697 000 auf 14,314 Mill. Mark. Der in Anspruch genommene Kredit einschließlich Wechselvcrbindlich- keiten hat sich dagegen um 760 000 auf 18,214 Mill. Mk. verringert. Derwaltungskosten und Erträgnisse an Zinsen und Provisionen sind gegenüber dem Vorjahr fast unverändert. Am 1. Januar 1929 waren den angcschlossenen Genossenschaften m. b. H. rund 69 000 Mitglieder zugehörig. welche 69 Mill. Mk. Haftsumme übernommen haben. 37 Genossenschaften mit unbeschränkter Haftung hatten 4764 Mitglieder. Gegenüber dem Vorjahr ist eine Mitgliedersteigerung von rund 900 zu verzeichnen. Aus dem Reingewinn sollen 36 045 Mk. den Reserven überwiesen und 144 180 Mk. zur Ausschüttung einer 6prozentigen Dividende auf das Ende 1927 eingezahlte Geschästsguthaben verwendet werden. In diesem Falle betragen die Reserven zusammen 804 414 Mk., davon Reservefonds 380 112 Mk., Detriebsrücklage 380 113 Mk., Rückstellungen 44 189 Mark. Der LImsatz im neuen Jahre sei erfolgversprechend und betrage bis Mai 323 Mill. Mk. (i. Dj. 311 Mill. Mk.).
Derbandsdirektor Berg erstattete sodann ausführlich Bericht über die gesetzlichen Revisionen der Dank und fand den lebhaften Beifall der Dersammlung. In seinem Gesamtergebnis kam er zu der Auffassung, daß angesichts der Restriktionen der Reichsbank und der Preußenkasse und der dadurch notwendig werdenden stärkeren Rückzahlungsverpflichtungen der Zentralbank der Fluß der Einnahmen geringer werden würde. Rotwcndig sei eine Einschränkung der Linkosten, besonders der persönlichen, Prüfung der Möglichkeit, auf die Einlagen der Mitglieder eine Dividende auszuschütten, 2Ibschrcibungen von 200 bis 250 000 Mk. zweifelhafter Forderungen auf die Reserven des laufenden Geschäftsjahres, wobei allerdings möglich sei, gewisse Beträge her- einzuholcn, Beschränkung deS Geschäftsbetriebes
allein auf die angeschlossenen Genossenschaften, sowie schließlich Rationalisierung im Zentralbankgeschäft.
Rach sehr angeregter Aussprache wurde die Iahresrechnung nebst Bilanz einstimmig genehmigt unter Abschreibung des Betrages von 200 000 bis 250 000 Mk. dubioser Forderungen an den Reserven des laufenden Icchres. Die Ausschüttung einer Dividende von 6 Prozent fand keinen Widerspruch.
Lieber die Entlastung des Dorstandes und Aufsichtsrats entspann sich eine sehr lebhafte Debatte. Gegen wenige Stimmen wurde dann die Entlastung erteilt.
In den A u f s i ch t s r a t wurden Strub (Rier- stein), Göttmann (Höchst i. O.) und Schmidt (Echzell, Oberhessen) wiedergewählt.
Einstimmig wurden dann Satzungsänderungen beschlossen, nach denen der Vorstand sich aus zwei vom Aufsichtsrat zu bestellenden gefchäftsfichrenden Direktoren und vier von der Generalversammlung zu wählenden ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern zusammensetzt. Ein ehrenamtliches Mitglied soll von der Zentralgenossen- schaft nominiert werden. Zu ehrenamtlichen Mitgliedern wurden einstimmig gewählt: Direktor Strasburger (Zentralgenossenschaft), Maus (Griesheim bei Darmstadt), Enders (Weisenau) und nach langen Verhandlungen unter den oberhessischen Vertretern Seum (Ridda) durch das Loö.
Als Höch st grenze für Kreditgewährungen wurde ein Petrag von 5 Mill. Mk. festgesetzt.
Landwirischastliche Zentralgcnoffenschast.
Am Rachmittag fand die Generalversammlung der landwirtschaftlichen Zentralgenossenschaft statt, deren Geschäftsbericht wir im wesentlichen vor einigen Tagen veröffentlicht haben. Verbandsdirektor Berg erstattete ben Geschäftsbericht und gab eine Erläuterung über das Ergebnis der gesetzlichen Verwaltungsrevision. Direktor Strasburger referierte eingehend über wichtige Tagesfragen im genossenschaftlichen Warenverkehr. Er behandelte namentlich die Frage des Saatkartoffelbezuges aus Rorddeutschland, der Düngemittelversorgung, bei denen voraussichtlich keine Preisermäßigung zu erwarten sei, und die künftige Gestaltung des Getreidemarktes in Deutschland. Er wies dabei auf die Bestrebungen bei der Schaffung einer Ausgleichsgebühr für ausländisches Getreide hin. Ohne Aussprache wurden schließlich Geschäftsbericht, Iahresrechnung und Bilanz genehmigt und Vorstand und Aufsichtsrat entlastet. An Stelle des verstorbenen Vorstandsmitgliedes Bürgermeister Keim (Monsheim) wurde einstimmig Oekonomierat Dettweiler (Laubenheim) gewählt. Die durch Ablauf der Wahlperiode ausscheidenden Aufsichtsratsmitglieder Jäger (Ober-Hörgern), Kopp (Reinheim), K e i p p (Wallenrod) und Gutsbesitzer Beyer (Bechtheim) wurden einstimmig wiedergewählt und neu hinzugewählt Gutsbesitzer ßatoall (Erbesbüdesheim). Rach Erledigung verschiedener kleiner Anfragen und Wünsche aus den Kreisen der Dersammlung wurden die Verhandlungen geschlossen.
Daten für Montag, 27. Mai.
Sonnenaufgang 3.53 Uhr, Sonnenuntergang 20 Uhr. — Monduntergang 6.16 Uhr.
1564: Johannes Calvin in Genf gestorben (geboren 1509); 1676: der Liederdichter Paul Gerhardt in Lübben gestorben (geboren 1607); 1840: der Gei-
Sie schlugen Holz in den endlosen Wäldern Kanadas, zogen als Herden von Büffeln über die Steppen Südamerikas, schürften Gold in Klondike, oder gruben nach Silber im Llral, bohrten Petroleum oder verwandelten sich am laufenden Band in Automobile, kauften Weizen in Rußland, hämmerten Stahl in Europa, sammelten Diamanten in Südafrika.
Lind immer wieder warfen sich diese tapferen Truppen in den aufreibenden Kampf, immer wieder, ohne sich Ruhe zu gönnen, wurden sie von unerbittlicher Hand rund um den Erdball gejagt.
Manche kehrten nicht wieder zurück aus der Schlacht, manche wurden verwundet, die meisten aber kamen heim als Sieger, verdoppelt, verzehnfacht — vertausendfacht!
Rur selten fanden die Dollarfürsten Zeit, einen Abend sich von ihren Geschäften frei zu machen und auszugehen, und wenn sie es taten, dann faßten sie dies nicht etwa als ein Dergnügen auf, sondern als Frage des Prestiges, man gehörte eben dazu, man wollte so eingeschätzt werden.
Während die Wellen der Musik sie umspülten, | saßen sie ungerührt wie ein Fels in der Brandung, und das Gehirn rechnete mechanisch mit Dollars und achtete nicht auf seine Umgebung, aber auf allen Gesichtern stand dasselbe eingefrorene Lächeln, das den Menschen von seinem Mitmenschen abschlieht und ihn in einen undurchdringlichen Panzer hüllt.
Das Schwarz der Fracks bildete einen stilvollen Rahmen zu den schimmernden Seidentoiletten der Frauen, diesen wahren Gedichten der Pariser haute couture die extra für diesen Abend angefertigt worden waren.
Wochenlang vorher hatten Modejournale und Zeitungen in spaltenlangen Berichten beschrieben. welche Kleider an diesem Abend getragen wurden, und die Frauen und Töchter der Dvllar- fürsten nahmen chre Modesachen genau so wichtig wie chre (Satten und Brüder ihre geschäftlichen Angelegenheiten.
Der alte Mac Hall, der Stahlkönig, dessen Stahl und Eisen in unübersehbaren Eisenbahnschienen sich wie ein Reh über die ganze Welt spannte, war mit seiner einzigen Tochter Maud da. die in ihrem altgoldenen Stilkleid mit echten Spitzen und einem passenden Goldkäppchen mit halblangem Schleier, wie ein Gemälde von Delasquez wirkte.
Da waren die Smiths, deren gewaltige Flotte die Handelsflagge des Hauses bis in die entferntesten Erdterle trug, die Stones, die ihr Milliardenvermögen in ihren Standardwaren- Häusern in Zehn- und Fünfcentstücken berbienten, der alte Wight, von dessen grandiosen Dörsen- coups ganz Wallstreet sprach, und Holger Droth- well, der Sohn des Autokönigs, der sich vor
einem Monat mit einer schwedischen Prinzessin verheiratet hatte. Da waren noch viele, deren Ramen man mit Ehrfurcht nannte.
Die Köpfe wandten sich nach den Logen der Film- und Bühnenstars, erhaschten einen Moment lang das Gesicht Charlie Chaplins, der im Frack sonderbar fremd und doch unendlich vertraut aussah, freuten sich an der rassigen Schönheit Dolores del RioS und begrüßten mit leisem Ricken das Licblingsfilmkind Mary Pickford, wmztg klein und zerbrechlich an der Seite ihres schönen Gatten Fairbanks.
Da war Al Johnson, der Iazzsänger, Ethel Randor, die Düse Amerikas, deren dunkle Altstimme selbst die eingetrocknetsten Börsenftihen zu Tränen rühren konnte, da war der berühmte Rechtsanwalt B., der den Ehescheidungsprozeß der jungen Danderbildts geführt hatte, und wie sie alle hießen.
Sie alle saßen an der Seite ihrer Frauen, Töchter und Söhne, und dachten nicht mehr daran, daß ihre Eltern und Großeltern vielleicht irgendwo im alten Europa saßen und den Be- gnff Milliarde nur vom Hörensagen kannten.
Der kleine schwarze Dirigent schüttelte die Hände wie in wilder Ekstase, das Orchester brauste auf in wundervollem Finale und schloß mit einem langgezogenen, süßen Ton.
Licht flammte auf, verfing sich tausendfach an sprühenden und glitzernden Edelsteinen.
In einer kleinen Loge saß in einem tadellos gearbeiteten Frack ein junger Mann.
Keiner kannte ihn. Man wandte den Kopf gleichgültig fort. Was ging einen der Fremde an?
Rur einer betrachtete diesen jungen Mann im Frack sehr genau, er ließ ihn nicht einen Moment aus den Olugen, und im Laufe des Abends verklärte sich das Gesicht dieses einen zu einem wohlgefälligen Grinsen. Smith, der Reporter Jules Smith. in seinem schlecht sitzenden Frack mit dem zerknitterten Kragen war der Einzige, der an diesem Abend wußte, wer der freinde junge Mann in der Loge war, aber er verriet es keinem Menschen, er wollte den Triumph ganz alleine auskosten.
Der kleine Smith rollte das Programmheft zu einer Röhre zusammen und schielte mit listigen Augen zu der Loge hinauf, ganz leise, so daß es niemand hören konnte, flüsterte er:
„Ausgespielt Mac Stanley, total ausgespielt, und in weniger als zehn Tagen!"
Ganz langsam, als ob sie Blei in den Knochen hätte, erhob sich Ellinor in ihrer Loge.
Der steife Kragen des Frackhemdes drückte sie, doch ihrem marmorblassen Gesicht sah man keine Regung an.
Run war alles zu Ende,
George liebte sie nicht. George hatte sie nicht verstanden, er hatte ihren Kuß als ein kleines,
genkunstler Niccolo Paganlnl in Nizza gestorben (geboren 1782); 1910: der Bakteriologe Robert Koch In Baden-Baden gestorben (geboren 1843).
Daten für Dienstag, 28. Mai.
Sonnenaufgang 3,53 Llhr, Sonnenuntergang 20,2 Llhr. — Mondaufgang 0,0 Llhr, Monduntergang 7,18 Llhr.
1759: der englische Staatsmann William Pitt der Jüngere in Hayes geboren; — 1779: der Dichter Thomas Moore in Dublin geboren.
Oberheffen.
Oer Voranschlag des Kreises Alsfeld.
CO Alsfeld, 25.Mai. In der unter dem Borsitz von Kreisdirektor Dr. SNrmmler abgehaltenen Kreistagssitzung wurde der Boranschlag des Kreises Alsfeld für bas Rechnungsjahr 1929 verabschiedet. Er wurde ohne nennenswerte Abänderung in der vom Kreisaus- schuß durchberatenen Form angenommen. An dem baren Betriebskapital wurden 5000 Mark abge- strichen und dieses auf 10 000 Mark festgesetzt. Der Boranschlag schließt in der Betrievsrechnung mit 349 080 Mk. in Einnahme und Ausgabe ab. Die Kreisumlagen wurden gemäß dem vor- hin erwähnten Abstrich von 5000 Mk. von 160 000 Mark auf 155 000 Mark festgesetzt. Die Ansätze in den einzelnen Kapiteln weisen im Vergleich zum vorjährigen Boranschlage keine wesentlichen Abwei- chungen auf. Der Voranschlag des Kreiskran- kenhaufes beträgt in Einnahme 23 700 Mark, in Ausgabe 34 200 Mark. Die Mehrausgabe von 10 500 Mark, im Vorjahr 8700 Mark, trägt der Kreis. An Kapitalaufnahme zur Leistung des Zuschusses an den Unternehmer P. Schmoll in Bierstadt zum Bau und Betrieb einer Kadauer-Derwertungsan st alt sind 25 000 Mk. im Voranschlag vorgesehen. Die Erbauung dieser Anstalt soll im Laufe dieses Jahres erfolgen.
Landkreis Gießen.
X Klein-Linden, 27. Mai. Gestern gegen 18 Llhr ereignete sich in der unteren Frankfurter Straße ein Motorradunfall, der leicbt sehr ernste Folgen hätte haben können. Der Führer eines aus der Richtung Frankfurt nach Gießen fahrenden Motorrades, das mit Beiwagen versehen und mit 3 Personen besetzt war, verlor aus bis jetzt noch unbekannter Llrsache die Gewalt über das Fahrzeug, welches rechts auf den Weg für Fußgänger rannte. Ein in diesem Augenblick aus dem Hofe des Phil. Bernhard kommendes Ehepaar mit Kinderwagen geriet hierbei in große Gefahr, da das Motorrad direkt auf die Leute zurannte. Rur der Llrnstand, daß die Maschine durch einen Haufen Sand etwas auf gehalten wurde, verhinderte das Lieberfahren der Familie. Der Mann wurde jedoch von dem Rade angerannt und verletzt, so daß seine LlebersüH- rung in die Chirurgische Klinik nötig wurde. Die übrigen Familienmitglieder und die Radfahrer kamen mit dem Schrecken davon.
tz> Aus demDuseckerTal, 25. Mai. Dos am Donnerstagnachmittag hier niebergegangenc schwere Hagelwetter hat erfreulicherweise nicht den anfangs befürchteten Schaden angerich- tet. Wenn auch in den Gärten die jungen Pflanz zen und Blumenbeete sichtbare Spuren der ans sie niedergerasselten Hagelkörner auf weisen, so hat glücklicherweise der in diesem Jahre überaus reiche Dlütenbehang der Obstbäume das Lin- Wetter glücklich überstanden. Es bleiben darum nicht nur die Aussichten auf eine gute Obsternte weiter bestehen, sondern auch der Ertrag der Heuernte und die Entwicklung der Feld- gewächse dürften durch die ergiebigen Regenfäll« günstig beeinflußt werden.
Kreis Friedberg.
WSR. D a d - R a u h e i m, 26. Mai. Am Frei - tagnachmittag ereignete sich auf der Frankfurter Landstraße in der Rähe der Schwalheimer Oth
arn üf an teS Abenteuer hkngenommen, vielleicht ein pikantes Abenteuer, aber irgendeine banale Sache, die man schnell vergißt.
Roch heute abend hatte sie an ihn gealaubk, auch als Chung Li ohne eine Botschaft für fic zurückgekommen war.
George konnte zu dieser Stunde vielleicht irgendwie verhindert gewesen fein, vielleicht hatte ihn irgend etwas ganz Dringendes aufgchalte«, eine Verkehrsstockung, oder sonst irgend etwas und sie hatte Chung extra befohlen, nicht lanjc zu warten. Tausend Gründe hatte sie sich aus- gedacht, tausend Gründe für möglich gehalten.
Solange sie nicht wußte, hatte sie geglaubt hatte sie sich mit dieser unendlichen Seligke I eines liebenden Menschen an das Llnwahrschei»- lichste geklammert, aber gegen Tatsachen konnte sie nicht an.
Ihre eigenen Augen betrogen sie nicht, uni wenn sich das Herz auch tausendmal sagte: es kann ja nicht wahr sein, so ließen sich die Auge» nicht belügen.
Da drüben im Rang saß George und nebc» ihm eine schöne dunkle 5rau in einem prach- vollen Hermelincape. Lind George hatte sich M dieser Frau geneigt und sprach hastig auf R ein und bann lachten die beiden.
Jawohl, sie lachten. Sie lachten gewiß Üb« die Frau, die sich aus irgendeinem SensationS' gefühl heraus zur Reklamepuppe machen liH die ihren Ramen an die Litfaßsäulen kleben lic? die sich zum Allgemeingut aller machte und H wirklich zu dumm war, zu glauben, daß ein am ständiger Mann sie lieben könne. Die beiden lachten, weil sie wußten, daß diese berrütfrr Ellinor mit ihnen im selben Raum sah, W beiden lachten, weil sie glücklich waren. Ellinor stand allein, ernüchtert, zurückgestoh^
Auf einmal kam ihr ihre ganze Verkleid^ widerlich vor, der ganze Trick, der ihr fov« Spaß gemacht hatte, kam ihr vor wie ein kenkostüm, das einem zu eng geworden ist. man durch tolle Stunden hindurch getragen h ■ um sich in einem vernünftigen Moment auf einmal in den Spiegel zu schauen und zu erkenn^. Gott, wie entsetzlich dumm und albern ist bi* alles!
Ellinor stiegen die Tränen in die Augen.
Was hatte sie denn getan?
Warum hatte George ihr nicht geglaubt"
Ach. warum nachdenken und grübeln, nun trsr alles egal.
Mit seltsam steifen Schritten ging Ellinor ihrer Loge. Sie wollte nicht mehr sehen.
Die Pause war zu Ende.
Das Foyer des Theaters war wie auft*" storben.
(Fortsetzung folgt.)
gliche - § Krank'
Balte weiter^
rcitungen ntn, s°
allerbiM ys bei tfjriffiw per allem kmmung ,Mit sie Hbars h' «a-Det rcchtstvvd nähme markt c aber nid die Dei< wie vor bei dies Äestriktic gtgtnloäk Sa« Fest tivnspolil mit bi allein dem intet ergeben deutschen Dirtscha (ine Ei beten Fi len wir! auf der stärkte junflurl bank bi nommen
Ob b läge i erfahren kürzlich Huna it bei oem Ärebite SoHarh
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