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Aus der Provinzialhauptstadt.
Dießen, den 27. Mai 1929.
Provinzialausschuß-Gihung.
Der Provinzialausschuh der Provinz Obcrhcffen beschäftigte sich in feiner am Samstag stattge- habten öffentlichen Sitzung mit nachstehenden Der- waltungsstreitsachen:
Klage des Wilhelm Rebhuth in Gießen gegen dieStadtGießen wegen Heranziehung zu den S t r a h e n b a u k o st e n der Straße „Hinter den Schiehgärten". Die Stadt Gießen hotte dem Klager eine Anforderung über 1034,64 Mark Strahenkostenbeitrag zugehen lassen, wogegen dieser Klage bei dem Provinzialausschuh erhob mit dem Antrag, Entscheidung dahin au treffen, daß der Strahenbeitrag nach den tatsäch- lichen Aufwendungen berechnet werde. Zur Begründung führte der Kläger aus, daß sein Rechts- vorgönger, ein Herr Holland, die fragliche Straße bereits früher durch Ausfüllungen u. dgl. habe herstellen lassen, und daß er (Kläger) bei dem Erwerb des Anwesens den erhöhten Preis für das Gelände bereits habe zahlen müssen. Der von der Stadt seinerzeit Herrn Holland, der die ganze Geländefläche erworben hatte, gezahlte Betrag für Aufwendungen, sei zu Unrecht geleistet worden. Die beklagte Stadt Gießen, vertreten durch Rechtsanwalt Schneider, beantragte kostenpflichtige 2ll>weisung der Klage, die unbegründet sei, zumal die Heranziehung zu den Straßenbaukosten unter genauester Beachtung der Bestimmungen des Artikel 21 der Allgemeinen Bauordnung erfolgte. Ferner seien nur die tatsächlich auf» gewendeten Kosten auf die Anlieger ausgeschlagen worden. Der Provinzialausschuh wies die Klage als unbegründet zurück und verurteilte den Kläger zu den Kosten des Verfahrens, einschließlich der durch die Vertretung der Beklagten entstandenen Kosten. Der Streitwert wurde auf 1035 Mark festgesetzt.
Klage des Bezirksfürsorgeverbands des Kreises Hersfeld gegen den Bezirksfürsorgeverband des Kreises Lauterbach wegen Erstattung von Fürsorgekosten für die Familie des Albert Fehling. Der Kläger behauptete, daß durch den längeren Aufenthalt der Familie Fehling in Schlitz (Kreis Lauterbach), wo diese mit einem Wohnwagen stand und während des strengen Winters eine Rotunterkunft in einem Gebäude in Schlitz erhielt, die entstandenen Fürsorgekosten durch den Bezirksfürsorgeverband Lauterbach zu tragen seien, zumal durch diesen Aufenthalt der gesetzlich vorgeschriebene gewöhnliche Aufent- yalt begründet sei. Die mündliche Verhandlung, zu der außer den Parteien eine Anzahl Zeugen geladen und erschienen waren, lieh jedoch einen anderen Tatbestand erkennen. Der Provinzialausschuh wies die Klage als unbegründet zurück und verurteilte den Bezirksfürsorgeverband Hersfeld in die Kosten des Verfahrens.
Gesuch des Peter Schmoll zu Wiesbaden- Bierstadt um Erlaubnis zur Erbauung einer Kadaververwertungsanstalt inHoPf- g art en, Kreis Alsfeld. Der Kreisausschuh des Kreises Schotten hatte die Einwendungen einer Anzahl Kläger gegen die geplante Errichtung einer Kada»erverwertungsanstalt in der Gemarkung Hopfgmkten als unbegründet zurückgewiesen. Hiergegen verfolgten die Beteiligten Berufung an den Provinzialausschuh, und machten nochmals in mündlicher Verhandlung geltend, dah die Bewohner der Gemeinde Hopfgarten durch die entstehenden Gerüche einer Kadaververwertungsanstalt sehr geschädigt und belästigt würden. Die eingeholten Gutachten des Kreisgesundheitsamts, Kreisveterinäramts und Gewerbeaufsichtsamts, sowie die hierzu in der Verhandlung abgegebenen mündlichen Erläuterungen liehen erkennen, dah eine erhebliche Geruchsbelästigung bei einer modernen Anlage, so wie diese errichtet werden soll, keineswegs eintretcn werde. Der Provinzialausschuh erkannte zu Recht, die Berufung unter Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils (Kreisausschuh Schotten) zurückzuweisen und die Kosten des Verfahrens den Berufungsklägern unter solidarischer Haftbarkeit zur Last zu sehen. Der Streitwert wurde auf 20 000 Mk. festgesetzt.
Klage des Wilhelm Rahn zu Altenhain gegen den Polizeibefehl des Kreisamts Schot- t e n vom 28. Oanuar 1929 wegen Fällung eines Rutzbcmmes. Dem Kläger war durch Polizeibefehl des Kreisamts Lotten aufgegeben worden, einen verkehrsstörenden Ruhbaum in seiner Hofreite zu entfernen. Gegen Polizeibefehl erhob Rahn Klage, hielt jedoch die zur Einreichung vorgeschriebene Rotfrist von einer Woche nicht ein. Der Provinzialausschuh ließ unterm 6. April 1929 Bescheid ergehen, wonach die Klage kostenpflichtig abgewiesen wurde. 3n der von Rahn beantragten mündlichen Verhandlung nahm dieser die Klage zurück.
Bornotizen.
— Tageskalender für Montag: D.L.R.G.: Jahreshauptversammlung um 21 Alfjr im Hotel Köhler. Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „3n den Alpen", 2. Teil, nebst Beiprogramm.
— Stadttheater Gießen. Aus dem Stadt« theaterbureau wird uns geschrieben: Morgen Dienstag, 28. Mai, findet die erste Wiederholung von Slobodas Lustspiel „Am Teetisch" statt. Ein wirk« lich „freundlicher und wohlgelungener Abschluß des Theaterwinters" schreibt die Strilit zur Erstaufführung dieses Lustspiels. Das Stadttheater schließt auch am Freitag, 31. Mai, mit diesem Stück die Winterspielzeit ab. — Am Donnerstag, 30. Mai, wird zum letztenmal, auf besonderen Wunsch „Groß« stadtluft" (Schwank von Blumenthal und Kabel- bürg) im Mittwoch-Abonnement gegeben. Rudolf Goll, dessen Abschiedsvorstellung ausverkauft war, gibt dadurch vielen, die bei seiner Benefizvor« stellung keine Karten mehr bekommen konnten, Gelegenheit, ihn nochmals als Crusius zu sehen. Mit dem 31. Mai scheidet Goll aus dem Ensemble des Stadttheaters Gießen aus.
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** Von der Landes-^lniversi- t ä t. Dr. jur. Karl E n g i s ch , der sich für das Fach der Rechtsphilosophie, des Strafrechts, des Straf- und des Zivilprozchrechts an unserer LIniversität zu habilitieren wünscht, wird Dienstag, 28. Mai, 17 Llhr, im Großen Hörsaal seine öffentliche Probevorlesung halten über das Thema: „Schuld und Gefährlichkeit."
** Sonntagskarten werden bei der Reichsbahn am Donnerstag, 30. Mai, als am Fron- leichnamstag, wie Sonntags ausgegeben. Sie gelten von Mittwoch 12 llfjr bis zum Freitag 9 AIßr. Die Rückreise mutz spätestens bis Freitag 9 Ahr angetreten sein.
Eine Schlägerei mit ernsten Folgen ereignete sich in dem Wohnviertel bei der Margarethenhütte in der Rächt zum Sonntag gegen 11 Ahr. Dort kamen zwei Einwohner in heftigen Wortwechsel, in dessen Verlauf schließlich der eine Mann ein Lattenstück ergriff und seinem Gegner damit an den Kopf schlug. Hierbei wurde das linke Auge am Ober- und Unter- Hb sehr schwer verletzt. Der bedauernswerte Mann wurde von der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz sofort der Augenklinik zugeführt. Ob das Auge erhalten bleiben kann, war heute vormittag noch ungewiß.
** Tagung des Alice-Frauenver- eins in Dad-Rauheim. Am nächsten Mittwoch hält der Alice-Frauenverein (Hessischer Landes-Frauenverein vom Roten Kreuz) seine 28. ordentliche Mitgliederversammlung in Dad- Rauheim ab. Die Tagesordnung der Versammlung, die vormittags im Kurhaus stattfindet, verzeichnet neben Berichten über die Entwicklung und Tätigkeit des Vereins und seiner Abteilungen, sowie außer der Beratung und Beschlußfassung über vorliegende Anträge einen Vortrag des Chefarztes des Rauheimer Krankenhauses, Dr. Häberlin, über „Leib und Seele in der Klinik".
•• Der Sich tvermerk für Auswanderer nach Kanada. Wie uns die hiesige Vertretung der Hamburg-Amerika-Linie, das Reisebureau Loeb, Gießen, mitteilt, wird der Sichtvermerk für Auswanderer nach Kanada unentgeltlich erteilt. Zur Erlangung des Sichtvermerks müssen vorgelegt werden: 1. Ein in Deutschland ausgestellter deutscher Reisepaß, der bei Antritt der Reife nicht älter als ein Jahr fein darf, oder vor höchstens einem Jahre in Deutschland selbst verlängert worden ist. 2. Ein polizeiliches Führungszeugnis. 3. Landwirte benötigen außerdem eine behördlich beglaubigte Bescheinigung über ihre Tätigkeit in der Landwirtschaft. 4. Ehefrauen mit Kindern, die zu ihrem in Kanada bereits ansässigen Mann reifen, benötigen eine Heiratsurkunde, je einen Geburtsschein der Kinder und Briefe ihres Mannes aus Kanada, möglichst mit dem in Kanada abgestempelten Briefumschlag. 5. Alleinreisende junge Leute unter 18 Jahren müssen eine behördlich beglaubigte Bescheinigung beibringen, daß die Eltern bzw. der Vormund mit der Auswanderung einverstanden sind. Richt in Begleitung der Eltern reisende deutsche Mädchen unter 18 Jahren müssen außer dieser schriftlichen Erklärung der Eltern bzw. des Vormunds noch eine Erlaubnisbescheinigung des Vormundschaftsgerichts vor- legen.
Auftrieb zum heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: 71 Bullen, 279 Ochsen, 597 Kühe, 398 Färsen, 728 Kälber, 13 Schafe, 5262 Schweine.
Oer Eniomologen-Kongreß in Gießen.
Der dritte lag der 3. Wanderversammlung Deutscher Entomologen brachte folgende wissenschaftliche Dorträge: Prof. Dr. W. I. Schmidt (Gießen): „Submikroskopischer Bau und Färbung des Chitins". Prof. Dr. E. Mar - k e r (Gießen): „Pigmentwanderung im Netzauae von Insekten, hervorgerufen durch ultraviolettes Licht". Dr. h. c. Wasmann (Aachen): „Die Bernstein- paussiden". I. B. Corporaal (Amsterdam): „Demonstration des amerikanischen „Unit"-Systems zur Einrichtung von Jnsektensammlungcn". Oberregierungsrat Dr. C. Börner (Naumburg): „Sind die
ANZEIGEN
für die Tagesnummer des Gießener Anzeigers werden zweckmäßig am Nachmittag vorher aufgegeben. Nach 9 Uhr vormittags kann die Aufnahme der Anzeigen auch in Ausnahmefällen nicht gewährleistet werden!
VERLA6 DES GIESSENER ANZEIGERS
Thysanopteren Verwandte der Orthopteren oder Rhynchoten". Dr. F. van Emden (Dresden): „lieber die geographische Verbreitung der Sanbaiiben". I. Hubrich (München): „Bau unb Vorräte ber argentinischen Ernte — Ameisen". H. o o n Oettingen (Grünhos bei Stolzenburg): „Die Rispengrasgallmücke, ein bisher unbekannter Schübling". F. (Stell (München): „lieber mechanische unb thermische Entwicklungsstörungen bei Acheron- tia atropos unb Herse convohmu". Reg.-Rat Dr. Zacher: „lieber bie insektizibe Wirkung der Kup- feroerbinbungen". Auf fast alle Vorträge folgte eine angeregte Aussprache.
Aus bem kurzen Geschäftsbericht bes Ständigen Sekretärs erfuhr man bann einige statistische Angaben. Die Mitglieberzahl war im Laust ber Tage auf 231 gestiegen, welche aus 63 Städten zusammengeströmt waren. Im ganzen waren sieben Länder vertreten; der angewandten (Entomologie gehörten 28 Vertreter an.
lieber den Sitz der nächsten Tagung konnte noch keine endgültige Entscheidung gefällt werden. Der Verhandlungsbericht wird im Laufe des Jahres erscheinen.
Zum Schluß dankte der Vorsitzende der Wander- Dcrfammlung, Prof. Dr. M. D i n g l e r noch einmal den zur Tagung erschienenen Vertretern von Reich, Staat, Staat und Universität, sowie allen er- schienenen Teilnehmern, die durch ihre rege Mitarbeit der hiesigen Tagung zu einem großen Erfolg verhalfen haben, und schloß damit den offiziellen Teil der Tagung.
Am Nachmittag sand unter regster Teilnahme eine Besichtigung des Forstinstitutes unter Führung von Prof. Dr. Borgmann statt. Bei dieser Ge- kegenheit wurden von Prof. Dr. Dingtet inter- essante Bilder vom letzten Internationalen Entomologenkongreß, Ithaka, N. P. August 1928 vorgeführt.
Der Abend vereinigte noch eine erhebliche Anzahl der Teilnehmer zu einem gemütlichen Zusammensein in der Bergschenke.
Evangelisch-Sozialer Kongreß.
WSR. Frankfurt a.M,23.Mai. Die Verhandlungen des zweiten und letzten Tages der 36. Sitzung des Evangelisch-Sozialen Kongresses begannen mit einem Vortrag des Vorsitzenden des Holzarbeiterverbandes, Fritz Tarnow, Berlin, über
die Berufsethlk des Arbeitnehmers.
Rach der Meinung des Redners ist heute nicht mehr, wie in früheren Jahrhunderten, das De- russethos entscheidend von der Religion her bestimmt, weil die breiten Massen der Arbeitnehmer kein unmittelbares Verhältnis zur religiösen Welt mehr hätten. »Ihre persönliche Einstellung zur Arbeit ist daher auch nicht mehr dadurch bedingt, daß sie sie im lutherschen Sinne als ein Gebiet der Gehorsamsübung gegen Gottes Willen betrachten, sondern dadurch, daß ihnen die Arbeit ein Mittel zur Erreichung des Glückes ist. Run vermag aber im Regelsalle die Arbeit selbst ihrer Wesensart nach kein reines Glück zu bieten. Ilm so mehr mutz daher daraus geachtet werden, daß der Arbeitnehmer außerhalb seiner eigentlichen Arbeitszeit Raum für den Genuß des Lebens hat. Denn in Wahrheit kann näch der Meinung des Redners auch in vergangenen Jahrhunderten nicht eigentlich von einem Arbeitsethos, sondern höchstens von einem sozialen Ethos gesprochen werden. Die kapitalistische Wirtschaftsform aber hat mit der alten Beruss- gemeinschast zugleich auch die sozialen Genossenschaften der früheren Berufsstände aufgelöst. Sie hat die persönliche Freiheit des Handelns auf ökonomischem und sozialem Gebiete proklamiert. Damit ist aber die Kraft der Arbeiter zum Wert einer Marktware heruntergesunken. Es hat sich eine proletarische Klasse der Lohnarbeiter gebildet, und aus den sozial-menschlichen Beziehungen der früheren Berufsstände ist ein ökonomisch- sachliches Verhältnis zwischen Käufer und Verkäufer von Arbeitskraft entstanden. Erst dann sei das Problem des Derufsethos für die Arbeitnehmer zu lösen, wenn die Wirtschaft wieder auf ihren natürlichen Sinn zurückgeführt und in ein solches Verhältnis zum gesellschaftlichen
Leben gebracht werde, daß nicht mehr die Men- schen um der Wirtschaft, sondern die Wirtschaft um der Mensähen willen da sei."
Demgegenüber betonte Verbands - Sekretär Springer, Ludwigsburg, dah die praktisch« evangelische Berufsethik von dem Versuch ausgehen müsse, die ewige göttliche Forderung auf das Wirtschaftsleben anzuwenden. Diese Ethik sei ihrem Wesen nach weder mit dem Glücks-, noch mit dem Erfolgsgedanken verbunden; da nun aber die Wirtschaft im Lause der Jahrzehnte sich zu einer autonomen, absoluten Lebensgröße entwickelt habe, so sei es die Aufgabe des ethischen Menschen, die sittlichen Gebiete mit zähem Willen wieder zurückzuerobern. Die Arbeiterschaft könne für eine sittliche Einstellung zu ihrem Berufe aber nur gewonnen werden, wenn ihr die Freiheit der sittlichen Entscheidung, d. h. die Möglichkeit, der Gemeinschaft zu dienen oder sich ihr zu versagen, gegeben werde. Eben diese Freiheit aber» habe der einzelne Arbeiter heute in vielen Fällen nicht mehr. Es sei daher die Ausgabe der Gewerkschaften, den Arbeitnehmern den notwendigen Spielraum zur Entfaltung ihres freien Willens, ihres Könnens und ihrer Verantwortung zu schaffen, darüber hinaus aber sie in strammer gewerkschaftlicher Zucht zur Derufs- treue auch im Kleinen zu erziehen. So entspräche also die Verantwortung der Arbeiterschaft gegenüber der organisierten Gesellschaft der Verantwortung der Gesellschaft, die dazu verpflichtet fei, der Arbeiterschaft die notwendige Freiheit zur sittlichen Erfüllung ihres Berufslebens zu geben.
An die beiden Vorträge schloß sich eine lebhafte Aussprache an.
In einem Volksabend im Großen Saal des Saalbaues, der sehr gut besucht war, wies Oberpräsident Dr. Schwander, Kassel, auf die schwierige Aufgabe des Evangelisch-Sozialen Kongresses hin, der sich darum bemühe, die wider- streitenden wirtschaftlichen und sozialen Interessen zu überbrücken. Professor Martin Rade, Marburg, fand herzliche Worte der Erinnerung an Friedrich Raumann, den großen wegweisenden Dorckämpser der christlich-sozialen Arbeit. Stadtrat Ernst May, Frankfurt, hielt dann einen Lichtbildervortrag über moderne Siedlungsformen und die Bemühungen zur äleberwindung des Wohnungselends.
Schwerer Motorradunfall bei Homburg
WSR. Bad Homburg, 25. Mai. In der vergangenen Rächt gegen 11 Ufjr ist auf der Fahrt von Ufingen nach Hausen ein Homburger Motorradfahrer schwer verunglückt. In der Dunkelheit stieß er in voller Fahrt auf ein mitten auf der Chaussee ohne Aufsicht stehendes Motorrad, dessen Besitzer sich in der Rähe mit einem jungen Mädchen unterhielt. Während sein So- Aius mit leichten Verletzungen davonkam, erlitt Der Motorradfahrer selbst einen schweren Schädelbruch und mußte nach Homburg ins Krankenhaus eingeliefert werden. Der Besitzer des alleinstehenden Motorrades wurde von dem sich überschlagenden Motorrad des Homburger Fahrers so schwer am Dein getroffen, daß er mit einem schweren Beinbruch nach Frankfurt geschafft werden muhte.
Kunst und Wissenschaft.
Verleihung der Liebig-Denkmünze.
Dom Verein Deutscher Chemiker ist dem Professor der organischen Chemie an der Münchener Technischen Hochschule, Geh. Regierungsrat Dr. phil. et med. Hans Fischer die Liebig- Denkmünze für feine meisterhaften Forschungen über Blut- und Gallenfarbstosfe verliehen worden. Durch die Arbeiten von Fischer wurde Licht in die Beziehungen zwischen Blattgrün und Blutfarbstoffen gebracht, und diese Arbeiten wurden dann noch gekrönt durch den künstlichen chemischen Ausbau des Hämins. Geheimrat Fischer, der aus Höchst a. M. gebürtige Chemiker, erhielt 1912 die venia legendi für innere Medizin in München, später ebenda für das Fach der Physiologie und 1915 die Ernennung zum außerordentlichen Professor. 2m Jahre 1916 kam Fischer als Ordinarius für angewandte und medizinische Chemie nach Innsbruck, später nach Wien und Ostern 1921 an die Technische Hochschule in München als Rachfolger von Professor H. Wieland.
Berliner Börse.
Berlin, 27. Mai. (WTB. Funkspr.) Da weder anregende noch verstimmende Momente vorliegen, hat sich im heutigen Vormittagsverkehr eine ausgesprochene Tendenz noch nicht entwickeln können. Das Geschäft ist' bis jetzt gleich Rull. Es ist mit der Möglichkeit zu rechnen, daß an der Börse noch verschiedene Werte herauskommen werden. Kurse sind noch nicht zu hören. Am Devisenmarkt nennt man London—Kabel 484,97V,; London—Madrid 34,20; London—Berlin 20,35; Kabel—Berlin 4,1945.
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