Ausgabe 
26.10.1929
 
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Gasherde

Kohlenherde

Bikern

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Besichtigung ohne Kaufzwang

Heyd & Sohn

Seltersweg 12

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-Solo-Cellist, SMo.

Phone' Klarinetten. h: S^agzeugl Gesang, Akkordion

Onzertmusik Ori- $che Tangos, Jazz-Sym- n. mm,

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stag, den 26. Oktober

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Nr. 252 Drittes Blatt

Samstag, 26. Gttoder 1929

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Ain Abend noch teilte sie dem Grafen Altberg

em

Nachdruck verboten

22 Fortsetzung.

mit, daß sie am anderen Morgen nach Turnau zu fahren gedenke, und wirklich brachte sie Auto des Grafen am nächsten Lage nach Schloß

Liebe in Ketten.

Roman von Hans Mitteweider. Copyright by Martin F uchtwanger, Halle (Saale).

Hände hoch - Kriminalpolizei!"

Was ich in 15 jährigem Kampf gegen das internationale Verbrechertum erlebte

Crfinderschicksal!" las sie und dann weiter, Wie Berndt Klausen bei dem Ausprobieren feiner Erfindung anscheinend tödlich verunglückt war.

Was an dieser Nachricht hatte Käthe Turnau so erschrecken können? .

Vergebens grübelte Isolde Kletten darüber »ach, bis sie endlich rief:

ilnb ich werde es doch erfahren. Ich werde Klausen fragen, ob er dieses Weib gekannt hat. 21nö ich werde ihn scharf beobachten, wenn, ich Len Namen in seiner Gegenwart ausspreche!'

Wieder funkelten ihre Augen, diesmal in Vor- «ousahnung künftigen Triumphes, der nur durch Lie eine Befürchtung beeinträchtigt wurde: daß Verty Altberg eintreffen könnte.

Dann wäre alles verloren gewesen.

Deshalb mußte Isolde so schnell wie möglich Handeln, und sie war dazu entschlossen.

Als der Graf sie nach einer Weile aufsuchte, lat sie ihn, sich nicht stören zu lassen. Sie wolle Lie Besitzung durchstreifen, sagte sie.

Unö wenn ich Ihren Techniker finde, werde ich" mir erklären lassen, was er hier für Sie -schaffen soll."

Es dauerte nicht lange, bis sie im älrnher- -schlendern Berndt Klausen traf.

Sie heuchelte das größte Interesse für die -Erklärungen, die er ihr auf ihre Bitte hin gab, -und erst nach einer ganzen Weile sagte sie so nebenbei: . _ .

Es ist recht merkwürdig, daß mir Ihr Name lofort so sehr bekannt vorkam, Herr Klausen. Ich habe mich bemüht, herauszufinden, ob wir -uns schon einmal an anderer Stelle begegnet sind, aber eingesehen, daß das nicht der toar-

Hnö ganz, wie sie erwartet hatte, half Berndt Klausen selbst ihr, indem er sagte:

Cie dürften meinen Namen früher in der -Zeitung gelesen haben!''

So ist es!" rief Isolde schnell. »Ich Oab mich schon darauf besonnen. Es war damals, «ls Cie bei einer Explosion schwer verunglückten. And ich besinne mich sogar noch, daß ich aus Lie betreffende Notiz durch eine gute Freundin aufmerksam gemacht wurde, eine gewisse Katye Turnau, deren Mädchenname Fernau war.

Sie beobachtete, wie sie sich vorgenommen Hatte, Berndt Klausen sehr genau, als sie diesen Namen aussprach: aber so scharf sie in sein Gesicht spähte, sie gewahrte nicht das geringste Jucken darin. Nicht durch eine Miene verriet der Mann, daß dieser Name ihm vertraut war.

Turnau.

Unterwegs wurde Isolde von Kletten sich voll­kommen klar darüber, daß sie das Spiel ge­winnen mußte, wollte sie sich nicht vollkommen unmöglich in der Gesellschaft machen. Sowohl Berty Altberg, wie Käthe Turnau mußten er­fahren, daß lie bei ihren Männern gewesen war, und Las konnte ihr, hatte sie bis dahin nicht ihr Vorhaben durchgeseht, den Hals brechen.

Felix von Turnau war von Isoldes Besuch äußerst unangenehm überrascht: aber er war Kavalier genug, die einstige Freundin liebens­würdig aufzunehmen. Es konnte ja nicht falsch aufgefaßt werden, wenn er als verheirateter Mann das Mädchen, mit dem ihn so viele Iugenderinnerungen verknüpften, einige Tage be­herbergte.

Isolde ritt mit ihm, durchstreifte mit ihm die Felder und ließ sich seine Pläne für Turnau erklären.

Sie heuchelte warmes Interesse für Käthe, und Turnau erzählte ihr immer wieder von der ge­liebten Frau.

Allmählich aber fing Isolde an, leise Bos­heiten über Käthe in das Gespräch zu streuen, und Felix hatte ihr schon einige Male eine heftige Antwort darauf erteilt,

Isolde ließ nicht locker, und eines Tages sagte sie: , ,

Felix, es tut mir leid: aber ich muh Ihnen etwas mitteilen, was Ihnen sehr unangenehm sein wird."

Cie müssen? Was veranlaßt Sie dazu? fragte Felix mit beginnendem ilntoillen.

Die Sorge um Cie, die Befürchtung, daß der Name Turnau mit unauslöschlicher Schmach be­deckt werden könnte!" stieß Isolde hervor, die entschlossen war, nun das äußerste zu wagen, auch vor einer Lüge nicht zurückzuschrecken.

Wollen Sie diese Sorge nicht mir überlassen?" entgegnete Felix sehr kühl.

Ich könnte es wohl, ich müßte es sogar, wenn ja, wenn Sie nicht absichtlich blind wären, Felix!"

Ich verstehe Sie nicht und wiederhole, es wäre sicher angebracht, wenn wir dieses Gespräch abbrächen."

Eie können es. Sie brauchen mir nur zu befehlen, daß ich schweige. Ich werde sofort ge­horchen, dann jedoch werde ich zu Ihrer Frau Mutter fahren und ihr sagen, was Sie nicht hören wollen. Ich bin überzeugt, sie wird die Ehre Ihres Namens zu verteidigen wissen.

Da konnte Felix Turnau sogar lächeln.

Sie sehen Gespenster, Isolde!" erwiderte er. Doch meinetwegen sprechen Sie aus, was Sie

die Bazillen jedoch zu alt waren, versagte ihre Wirkung. Hops trieb seine Frechheit sogar so weit, sich bei der Lieferfirma über die älnbraud)- barkeit dieser Bazillen energisch zu beschweren. Aus Veranlassung ihrer Eltern hatte dann diese Zweite Frau, die in daumder Angst vor Hopf lebte, ihre Scheidung eingeleitet und auch durch­geseht. Besonders merkwürdig erschienen die Um­stände, unter denen die erste Frau gestorben war. Während ihrer Krankheit entstand das Gerücht, daß ihr Ehemann sie vergiftet habe. Hopf wohnte damals in Niederhöchstadt am Taunus, und dieses Gerücht machte bald hier und in den umliegenden Orten die Runde. Hopf be­klagte sich bei dem die Frau behandelnden Arzt über diese Klatschereien der Leute. Der Arzt be­ruhigte ihn und empfahl ihm, sich um solches Weibergewäsch nicht weiter zu kümmern. Hops ging nun, und dies alles noch während der Er­krankung der Frau, sogar gegen die Urheber und Verbreiter der Gerüchte gerichtlich vor und erwirkte in allen Fällen Strafurteile. Dagegen wurde später dos von den Nachbarn gegen Hopf beantragte Ermittlungsverfahren als aussichtslos obgelehnt, da der Arzt der inzwischen verstorbe­nen ersten Frau nie einen Verdacht gegen Hopf gehegt und die Krankheitsdiagnose auf Tuber­kulose gelautet hatte.

Hopf mußte sich bei späteren Vernehmungen aber doch zu dem Geständnis bequemen, genau wie der dritten Frau auch der zweiten und der ersten Gattin arsenhaltigen Sekt verabreicht zu haben. Allerdings habe er, so sagte Hopf, ge­glaubt, doli ein solch' kleines Quantum Arsen den franfe Frau n nur zuträglich sein könnte.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt a. M. ord­nete die Ausgrabung aller Opfer an. Hopf wurde von zwei Kriminalbeamten mittels Droschke aus dem Untersuchungsgefängnis abgeholt und auf den Friedhof gebracht, um den Ausgrabungen persönlich beizuwohnen. Zunächst wurde die Leiche des am 19. April 1895 verstorbenen Vaters aus­gegraben. Der Sarg war bereits verfallen, die einzelnen Leichenüberreste wurden herausgehoben und mit Erdproben zwecks Untersuchung dem Laboratorium zugeführt. Dann schritt man zur Exhumierung der Leiche der im April 1911 ver­storbenen zweiten Frau Hopfs, die ihre Scheidung von Hopf nicht lange überlebt hatte. Auch diese wurde dem Laboratorium zugesührt. Tags dar­auf wurde, ebenfalls in Anwesenheit Hopfs, auch die Leiche der ersten Frau ausgegraben. Als der Sargdeckel des Grabes gehoben war und die Leichenteile sichtbar wurden, belebten sich seine bis dahin gleichgültigen Gesichtszüge, und neu­gierig blickte er ins Grab. Von der Leiche war nur noch der Kopf gut erhalten, von den Weich­teilen dagegen nichts mehr zu sehen. Die Ueber- reste wurden in einen bereitstehenden Sarg ge­bettet und nach dem Sektionsraum der Leichen­halle gebracht. Gerichtschemiker Dr. Popp, der die chemische Untersuchung vorzunehmen hatte, nahm auch hier Proben von der Erde über dem Sarg, unterhalb und zu beiden Seiten d s Sarges. Auch von den Leichen wurden einzelne Teile, Knochen und Haare zu Untersuchungszwecken mit­genommen. Dr. Popp wies von vornherein darauf hin, daß der Lehmboden auf dem Frankfurter Friedhof selbst kleine Mengen Arsen enthalte, 0,0125 Prozent, und zwar in Form von arsen-

H.

Sic Blumensträuße des Slfimörders Sops.

Die interessanteste Kapitolasfäre der damaligen Zeit war die Giftmordsache Hops. Hopf wurde nm Jahre 1863 in Frankfurt a. M. geboren und Dar, nachdem er das Gymnasium bis zur Ober- Ictunba besucht hatte, zunächst bei einem Dro- fisten in die Lehre getreten. Nah Ableistung eines Dienstjahres als Einjährig-Freiwilliger leim Infanterieregiment 81 in Frankfurt a. M. Latte sich Hopf zunächst auf Wanderschaft begeben vind im Auslande, besonders in England und Nordasrika, Anstellungen in Drogerien gefunden. Nach mehrjähriger Abwesenheit von Deutschland Dar er 1891 nach Frankfurt a. M. zurückgekehrt iinb hatte in einem Vororte der Stadt ein Dro- Wenaeschäft übernommen. Mit ganz besonderer chassion wandte er sich hier der Hundezucht zu, Lie ihm auch speziell die Entdeckung einiger Staupe-Dekämpfungsmittel verdankt. Zur Fabri­kation dieser Etaupe-Dekämpfungsmittel und zu Experimenten benötigte Hopf die verschiedensten Arten von Gift: Arsenik, Strychnin, Sublimat, Morphium, Opium, Tollkirschenextrakt, Zyankali, alle diese Gifte konnte er sich deshalb bequem verschossen. Von einem Wiener Institut besorgte er sich unter einem Vorwande, Chemiker zu sein und das Angeforderte zu wissenschaftlichen Ex­perimenten zu benötigen, sogar Cholera- und Typhusbazillen, die auf seinen ausdrücklichen Hinweis hin ganz frisch von den Balkan-Kriegs­schauplätzen bezogen werden mutzten. Hopf blieb aber seinem Drogistenberufe nicht lange treu, s ondern bildete sich als Degenfechter und Kunst- schütze aus und trat dann in großen deutschen und ausländischen Varietes auf. Mit besonderer Ge­schicklichkeit verstand er es hier, einen auf dem Nacken seiner Ehefrau liegenden Aepfel mit einem einzigen Schlage seines scharfen Eugens so zu teilen, daß die beiden Hälften zu Boden fielen, ohne die Frau zu verletzen. Im Zirkus Schumann, Frankfurt a. M., und in anderen größeren Varie­tes Süddeutschlands konnte man seine Geschick­lichkeit einige Jahre hindurch bewundern. Als ihm auch diese Sache über wurde, ließ er sich als Masseur ausbilden und eröffnete in Frankfurt M. ein Massageinstitut, das allerdings bald einen eigenartigen, sittlich nicht ganz einwand- freien Betrieb aufwies. Nebenbei setzte er aber feine bakteriologischen und chemischen Studien fort und gewann hier in der Toxikologie und Bakterio­logie ganz unerhörte Kenntnisse.

Hopf war dreimal verheiratet. Seine erste Frau trar gestorben, und die zweite hatte sich von ihm scheiden lassen. Die Anklage machte ihm später zum Vorwurf, seinen Vater, feine Mutter, sein voreheliches Kind und seine erste Frau ermordet unb Giftmordversuche an der zweiten und dritten Frau begangen zu haben. Der Zweck seiner Ver­brechen war die Beerbung seiner Opfer. Zu diesem Zwecke hatte er seine Frauen einige Monate vorher möglichst hoch in Lebensver- s icherungen eingekauft, ihn jeden Argwohn zu vermeiden, hatte er auch fich, allerdings zu einem ganz bedeutend niedrigerem Satze versichern taffen. Die dritte Frau halte Hopf bei einem jährlichen Prämiensahe von 4000 Mark mit 80 000 Mark versichert, seine Derrn ögensverhältnisse

Enttäuscht nagte Isolde an der ilnterlippe, gab aber längst nocy nicht die letzte Hoffnung auf.

Inzwischen sagte Berndt Klausen mit einer Stimme, der nicht die leiseste Erregung anzu» merken war:

Ich wurde doch wiederher gestellt und fühle mich wieder vollkommen wohl, wie Gnädigste sich ja überzeugen können."

Ja, ja, ich sehe es. Sie scheinen eine sehr starke Natur zu besitzen, Herr Klausen. Jeden­falls fürchtete damals meine Freundin für Ihr Leben. Ich konnte sie mit Mühe beruhigen."

Wieder ruhten ihre Blicke unverwandt auf feinem Gesicht: wieder aber konnte sie keinerlei Veränderung an seinen Zügen wahrnehmen.

Sollte sie wieder eine Enttäuschung erfahren müssen?

So gleichmütig wie vorher, sagte Berndt Klausen: .

Das wundert mich um so mehr, als ich keine Dame mit dem Vornamen Käthe kenne."

Isolde war vollkommen ratlos und hatte Mühe, ihre Bestürzung zu verbergen.

Hatte sie damals doch nicht richtig beobachtet? Hatte Käthe Turnau eine andere Notiz aus der Zeitung gerissen? Es konnte nicht sein.

Sie beschloß, noch einmal das Blatt zu stu­dieren, vorläufig aber lenkte sie ab unb ließ sich wieder von den Plänen des Grafen erzählen, unb als Klausen erwähnte, baß er später auch auf Turnau arbeiten würde, da sagte sie schnell:

Dort werden Sie sicher meine Freundin Käthe treffen, und dann wird sich ja auch aufklären, warum sie so sehr über das älnglück erschrocken ist, von dem Sie betroffen wurden."

Wenn ich das Vergnügen hätte unb öie Sache bis dahin nicht wieder vergessen haben sollte, werde ich mir eine solche Frage vielleicht er­lauben. Ich glaube aber kaum, daß ich die Dame sehen werde, denn der Baron teilte mir nut, daß er seine Gattin erst nach Surnau bringen würde wenn d e Arbeit vollendet ist."

Das' war Isolde neu und traf sie wie em zweiter Schlag. , . ,

Jetzt bedauerte sie, daß fie sich jeder Möglich­keit beraubt halte, Zeuge des Zusammentreffens dieser beiden Menschen zu werden.

Käthe Turnau würde sie nie mehr in ihrer Nähe dulden.

Ober ließ sich das nicht doch erzwingen? Wenn sie Felix für sich gewann?

Bald darauf verabschiedete sie sich von Berndt Klausen und ritt heim.

Im Schlosse angekommen, holte Isolde noch­mals das Zeitungsblatt unb rief sich in bie Er­innerung zurück, was sie damals gesehen hatte: doch sie konnte sich auf nichts anderes besinnen.

Da beschloß sie, die günstige Gelegenheit zu benutzen unb Felix aufzusuchen. Sie lächelte selt­sam, als sie diesen Entschluß faßte.

Von Kriminalkommissar Ernst Engelbrecht.

Copyright by Greiner & Co., Berlin NW 6. waren mit einer solch hohen Versicherungsprämie aber niemals in Einklang zu bringen.

Die Frau kränkelte schon tun nach der Ehe­schließung, ohne daß von den behandelnden Aerz- len irgendeine besondere Krankheitsursache fest­gestellt werden konnte. Sie wurde ins Kranken­haus übergeführt und dort einer eingehenden Beobachtung unterzogen. Hier schöpfte der bie Frau behandelnbe Arzt Argwohn gegen den Ehemann und machte dem derzeitigen Leiter der Kriminalabteilung, dem schon früher erwähnten Kriminalinspektor von Salomon, davon Mittei­lung. Die Kriminalpolizei stellte nähere Ermitte­lungen an, die den Verdacht gegen Hopf erheblich verstärkten. Cs wurde festgestellt, daß auch seine erste Frau unter ähnlichen DergistungSerschei- nungen gestorben war und daß auch die zweite von ihm inzwischen geschiedene Frau ständig gegen ihn einen diesbezüglichen Verdacht gehegt hatte Hops spielte seiner jetzt im Krankenhaus liegenden Frau gegenüber die Rolle des be­sorgten Gatten und erfreute sie an ihrem Kran­kenbette mit den herrlichsten Blumensträußen. Diese Blumensträuße waren aber ein Danaer­geschenk, denn Hops hatte fie vorher mit Typhus- bazillen infiziert. Die ahnungslose Frau atmete die Bazillen ein, so daß sich ihr Gesundheits­zustand trotz sorgfältigster Behandlung immer mehr verschlimmerte, und erst nach eingehender Untersuchung der Hopfschen Blumensträuße tour- den diese als Träger der Typhusbazillen fest­gestellt. Jetzt konnte man zur Verhaftung des Hopf schreiten. Hops war ein Mann von un­gemein kräftiger Statur, der nach Angaben seiner Ehefrau stets Zyankali und sogar einige Glas- rohrchen mit Typhus- oder Cholerabazillen bei sich führen sollte. Es war bei seiner Festnahme also die größtmögliche Vorsicht geboten. Als Hopf nach einem Besuche seiner Frau das Kran­kenhaus verließ, warsen sich einige kräftige Kri­minalbeamte auf ihn und fesselten ihn mit starken Stricken.

Bei der Vernehmung stritt Hopf empört jede Schuld ab und klagte jammernd darüber, baß man ihn festgenommen habe, wo hoch gerabe die kranke Frau seiner dringend bedürfe. Er wies dann zunächst auch alle Beschuldigungen von sich und gab erst nach mehrtägigen Vernehmungen zu, seiner Frau Gift verabreicht zu haben, aller­dings, so entschuldigte er sich, sei dies nur aus Versehen geschehen. Erst bei einem späteren Ver­hör bequemte er sich bann zu einem weiteren Geständnis und gab zu, absichtlich seiner Frau das Gift, und zwar Digitalis unb Arsen, gegeben zu haben. Auch den Grund hierfür gab Hopf schließlich unumwunden zu. Er gestand, seine dritte Frau nur geheiratet zu haben, um sie zu­nächst möglichst hoch in die Versicherung ein­zukaufen und dann durch Gift zu beseitigen. Diese Angaben blieben zunächst die einzigen Geständ­nisse Hopfs. Der fieberhaften Tätigkeit des Unter» suchungsrichters und der Kriminalpolizei gelang es aber bald, weitere Aufklärung zu schaffen. Es wurde festgestellt, daß Hopf auch feine zweite Frau, die inzwischen ebenfalls gestorben war, mit 30 000 Mark versichert und dieser sogar ver­boten hatte, über bie Versicherung mit ihren Eltern zu sprechen. Auch dieser zweiten Frau hatte Hops Gift und Cholerabazillen in allen möglichen Speisen unb Getränken verabreicht. Da

saurem Eisenoxhb, daS in Wasser unlöslich fei. Die Vergiftung ber Frauen war also nur dann zu beweisen, wenn bei der ausaegrabenen Erde und in den Knochenresten ein höherer Prozentsatz von Arsen gefunden wurde. Die chemische Unter­suchung der Leichenreste aller ausgegrabenen Per­sonen stellte aber Arsen in größeren Mengen fest. Hierfür hatte Hopf eine Erklärung. Er be­hauptete nämlich, daß sein Vater und feine Frauen viel Dilbeler und Offenbacher Mineral - wasser getrunken hätten, die ja bekanntlich arsen­haltig seien.

Das Gericht hielt Hopf des Mordes an der ersten und der Mordversuche an der zweiten und dritten Frau für überführt und erkannte dem­gemäß auf Todesstrafe. Hopf selbst war während der tagelangen Verhandlung völlig ruhig, ja, er wagte sogar einige unangebrachte Scherze unb erst, als ber Dorsihenbe bes Schwurgerichts das Todesurteil gegen ihn aussprach, verlor er feine Ruhe, wurde totenblaß unb sank zitternd auf die Dank. Von der Schwurgerichtssihung au$ wurde Hopf noch am selben Abend durch die das Gerichtsgebäude umlagernde johlende Menge zum Gefängnis Preungesheim gebracht und dort inhaftiert. Einige Monate später, es toa-" schon Sommer geworden, meldeten dann die roten Zettel an den Litfaßsäulen der Stadt Frankfurt a. M., daß dem Gesetze Genüge ge­schehen und an Hopf die Todesstrafe vollstreckt sei.

(Fortsetzung folgt.)

Kirche unv Schule.

Dckanatskonfcrcnz Hungen.

)( Trais-Horlvss, 25. OIL Auf Einladung des OrtsgeistlicherO tagte die Konferenz der evangelischen Geistlichen des Deka­nats Hungen unter dem Vorsitz von Dekan Engel, Obbornhofen, und in Anwesenheit des Superintendenten von Oberhessen, Oberkirchenrat Wagner, Gießen, im schonen, neuen Pfarrhaus unserer Gemeinde. Die Konferenz wurde durch Pfarrer Gerich, Vellersheim mit Schristlesung und Gebet eröffnet. Der Vorsitzende gedachte dann der beiden Amtsbrüder, Pfarrer Clotz. Wolfersheim, und Weber, Orüningen, die 27 bzw. 16 Jahre dem Dekanat angehört und in­folge Pensionierung bzw. Ausscheiden aus ber Hessischen Landeskirche das Dekanat verlassen haben. Sodann hielt Pfarrer Bock, Hungen, aus gründlichem Wissen und reicher praktischer Erfahrung heraus einen mit großem Beifall auf­genommenen Vortrag über das ThemaReli­gionsunterricht und Arbeitsschule". Eine rege Aussprache schloß sich dem Vortrag an. Rach der Konferenz besichtigten die Teilnehmer mit großem Interesse die Baggeranlagen des Schwel­werkes.

Großer Zuwelendiebstahl in Frankfurt.

WDR. Frankfurt a. M., 25. Olt. Gestern wurde in einem größeren Frankfurter Hotel ein Iuwelend iebstahl ausgeführt. Dem noch unbekannten Täter fielen Werte in Höhe von 35 000 bis 40 000 Mark in die Hände. 5. a. handelt es sich um eine Perlenkette mit 314 echten Perlen, ein Armband mit 49 Brillan­ten, ein Perlenarmband mit Otzixknöpfen, einen goldenen Damenring mit zwei Perlen unb einem Diamant, einen Herrenring mit einem Brillant und zwei Perlen usw. Die Schmucksachen befan­den sich in einem braunen, glanzledemenSchmuck­köfferchen mit Patentverschluß. Der Diebstahl wurde in der Zeit von 11 bis 13 ilßr ausgeführt, als das Ehepaar, das das Hotelzimmer bewohnte, sich in der Stadt befand.

Furchtbares wissen. Ich toeroe Sie nicht wieder unterbrechen."

Er sah den tückischen Dli.ck nicht, der ihn aus den Augen feiner Begleiterin traf. Diese sagte leise, daß er sie kaum verstand:

Noch mißtrauen Sie mir Felix, und baS könnte mir fast den Mut nehmen, Ihnen alles zu offenbaren; aber ich weiß, baß Sie mir schließ­lich doch dankbar sein werden, unb deshalb will ich vorläufig Ihre Verachtung tragen. Ich muß von Ihrer Gattin sprechen, und Sie werden nicht bestreiten, baß fie Kellnerin war: wir beide sahen sie ja in jenem Caf6. Sie war dort zusammen mit Der jetzigen Gräfin Altberg.

Ich will Ihnen durchaus nicht verhehlen, daß ich bei ber Besitzerin bes Cafes Erkundigungen naf) den beiden eUngezogen habe. Ich tat dies, weil mich von Anfang an ein Mihtraue.i gegen dieses Mädchen gepackt hatte, das so plötzlich in die Gesellschaft hereinschneite. Selbstverständlich wagte ich nicht, den geringsten Zweifel in die Behauptung zu sehen, daß es bie Nichte der hochgeachteten Admiralin Dottrup war. Das Wort dieser Dame bürgte mir vollkommen; aber ich sagte mir, daß auch Frau Dottrup vielleicht ge­täuscht worden sein könnte, nicht betreffs der Person selbst denn es ist sicher einwandfrei erwiesen, Daß Ihre Gattin die Nichte der Ad­miralin iH, doch sie war schon siebzehn Jahre alt; sie hatte gewiß durch ihre Schönheit die Augen der Männer auf sich gezogen, und da sie eine Waise war, nur von einer alten Frau behütet, so war doch durchaus nicht ausgeschlossen, daß sie die L ebe schon kennengelernt hatte natürlich in allen Ehren, Felix! Fahren Sie nicht wieder auf! Ich will Ihre Gattin nicht verleum­den. Ja also, daß sie die Liebe schon kennen­gelernt hatte, sagte ich, und ich scheute mich nicht, Erkundigungen einzu,ziehen. Da hörte ich in der Tat, daß das junge Mädchen eine Herren­bekanntschaft gehabt hatte."

Felix vermochte nicht länger an sich zu halten. Schweigen Sie, Isolde! Ich beseh le es Ihnen! Oder soll ich Sie zwingen, Ihre Anschuldigungen im Gegenwart meiner Frau zu wiederholen?"

Dazu wäre ich ohne'weiteres bereit; doch ich meine, das würde nur eine unnütze Aufregung für beide Teile bedeuten, und ich wiederhole, Felix, daß ich nur in Ihrem Interesse re? e. Cs steht Ihnen jederzeit frei, nachzuprüfen, ob ich die Wahrheit gesprochen habe. Lassen Sie mich zu Ende kommen, und ich bürge Ihnen mit meinem Worte dafür, daß Sie mir bann zage­st ehen werden, daß ich Ihr Bestes gewollt habe.

Das klang so ehrlich, daß er sich wieder über­reden ließ und schweigend anhörte, was Isolde weiter sagte.

Diese hatte sich einen Plan zurechtgelegt, den sie nun durchführen wollte, ganz gleich, was daraus entstehen würde. (Fortsetzung folgt.)