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gelähmt, jetzt sollten fte zusammen als Sturmbock gegen Oesterreich bienen. Ihr müht euch mit Bulgarien und Montenegro verständigen, sagte Istoolsli dem serbischen Gesandten in einer ilnter- redung. in der er ihn aus die Zukunst vertröstet^ Zugleich suchte er ihm begreiflich zu machen, daß Serbiens Gröhe nicht von der Erwerbung maze­donischer Provinzen, wo die Dalkanstaaten ein­ander gegenüberständen, sondern von der Erlan­gung österreichischer Provinzen abhinge, Uiw in demselben Sinne bearbeitete er Bulgarien: bcioc Länder vereint, lieh er in Sofia vorst:llen, wür­den eine halbe Million Soldaten stellen können und zu kräfligem Auftreten fähig sein.

Menn diese Haltung der Pet rsbur er Politiker schon im allgemeinen bekannt war, so fällt viel helleres Licht auf die Haltung der Bund , sgenossen Rußlairds in dieser Zeit. England hat sich schon damals wie im 3ult 1914 in den Dienst der sriedenstörenden russischen Politik gestellt, so viel auch Locd Grey in feinen Denkwürdig­keiten von feiner Friedensliebe spricht. Reinen Augenblick war die englische Regierung über den wahren Charakter der russisch-serbischen Politik im Zweifel. Rundheraus erklärte der serbische Minister deS Auswärtigen in einer Zusammen­kunft mit Grey: .Mir müssen den Krieg vor­bereiten, der in naher Zukunft unvermeidlich ist, wenn man uns eine Entschädigung für die Qln» nefion Bosniens verweigert" (OEt. 1908). Trotz dieser Kriegsdrohung hat Grey die Bildung des Balkanbundes, der doch zur Förderung der ser­bischen Politik bestimmt war. unterstützt; Bul­garien und Serbien mühten, lieh er in Sofia und Belgrad wiederholt erklären, eine Entente noch englisch-französischem Muster abschliehen, und fein älnterstaatssekretär Hardinae sagte dnn serbischen Gesandten, nachdem er ihm die Rotto-mdigkott eines solchen Bundes empfohlen hatte, die von Oesterreich geschaffene Rechtslage sei nicht unver­änderlich, ja. er fügte hinzu:0lur zwei Jahre soll der Frieden am Balkan herrschen, es sollen nur die gegenseitigen äleberfälle und Treibereien endlich einmal aufhören, dann wird sich vieles ereignen, und man wird vieles wieder gutmachen können." Es war eine deutliche Ermutigung zur aggressiven Politik, und gleichzeitig rieten er und Grey dringend, alles zu vermeiden, was in der Türkei Verdacht vor einem Angriff erregen und sie zum Anschluß an Oesterreich treiben könne. Also Isolierung der Staaten, die von der Offen- sivpolitik der Dalkanstaaten betroffen werden muhten.

Dah die französische Regierung ganz im russi­schen Fahrwasser segelte, überrascht nicht. Auch sie sah, wie dem serbischen Gesandten in Paris erklärt wurde, die russische Zustimmung zur Annexion nur als vorläufig, als durch seine augenblickliche Schwäche erzwungen an und er­wartete, ,dah seine Miederaufrichtung und Kräf­tigung die Frage eines sehr kurzen Zeitraumes sei, dah der Kampf daher nur aufgeschoben, und zwar nicht für lange aufgeschvben sei", äleber die aggressiven Absichten des Balkanbundes war die Pariser Regierung selbstverständlich unter­richtet. Serbien wünsche, wurde ihr nach mancher­lei allgemeinen Mitteilungen erklärt (Ott. 1911). ein äleoereinkommen mit Bulgarien abzuschließen, zum Schutze sowohl gemeinsamer, alS auch allge­meiner Dalkaniniereßen für Kriegseventualitäten. die sich binnen kurzem etnstellen könnten". An­gesichts dieser Mitteilungen wirkt es geradezu damisch, wenn Poincars In seinen Reden und Denkwürdigkeiten einmal erzählt, man habe in Frankreich überhaupt keine Kenntnis von den serbisch-bulgarischen Verhandlungen gehabt, und ein andermal, er habe biS zum August 1912 nichts von kriegerischen Absichten der Dalkanstaaten ge­ahnt! Hinter den Ententemächten stand der un­getreue Dreibundgenosse Italien weder an Feind­schaft gegen Ocstcrrcich-Ungarn noch an Kriegs- treibercl zurück. König Viktor Emanuel und der Ministerpräsident Giolitti sagten im Februar und März 1909 dem serbischen Gesandten. Serbien müUe für eine bewassnete Aktion gegen Oesterreich einen großen Balkanbund hinter sich haben; es möge wie seinerzeit Italien, einstweilen Geduld haben, günstigere Gelegenheiten abwarten und sich auf diese hoffentlich nicht ferne günstigere Zeit militärisch und durch Bündnisse vorbereiten. Aehnlich äußerte sich der Minister des Auswär­tigen. Tittoni, kurz daraus, so dah der serbische Gesandte als seinen Gesamteindruck aus Rom nach Hause schrieb, nach der Meinung Italiens müsse sich Serbien ernstlich vorbereiten und die unbedingt eintretenden Ereignisse, d. h. einen Bruch zwischen den Mittelmächten und der Entente, in Zuversicht abwarten.

Cs ist nicht verwunderlich, daß bei dieser eif­rigen Mitarbeit der Entente die ferbi'chen Wünsche in Erfüllung gingen und ein scrbisch- bulgarisches Bündnis (März 1312), dem sich bald Griechenland und Montenegro näherten, zu- standekam. Aber weiter reicht die Kraft der Entcnte nicht. Rach ihrem Willen sollte das Bündnis als Sturmbock gegen Oesterreich dienen, wenn Rußland die Zeit zum Bruch gekommen glaubte, aber sobald die Verständigung zwischen Den beiden bisherigen Rivalen gesunden war. machte sich das bulgarische Rationa'.empfindcn mit unwiderstehlicher Wucht geltend und zerriß das feine Gcwe'e der Petersburger Diplomatie. Den Bulgaren lag nichts an der Bekämpfung Oesterreichs, aber alles an der Eroberung Make­doniens, sie wollten desha'b nicht warten, vis Rußland da- ö.gnal zum Kampfe gab, sondern forderten stürmisch einen gemeinfamen Angriff aus die Pforte, zumal da Italien mit ihr Im Herbst 1911 wegen der Wegnahme von Tri­polis in Krieg geraten war. Wie schon früher einmal ausgesührt (©. 21. vom 23. August 1926', sparte die russische Reg erung kein: Mille. Bulgarien zur Ruhe zu mahnen, weil sie sich zu einem Weltkriege, der auS dem Balkan- konflikt hervorgehen tonnte, noch nicht stark genug fühlte und weil sie sich den Kampsbeginn nicht von den kleinen Staaten vorschretben lassen wollte. Aber alle Mühe war umsonst. Die Serben die an sich lieber die russische Mahnung befolgt und die Spitze deS Dündnif.es gegen Oesterreich gerichtet hätten, mußten den Bulgaren wohl oder übel folgen, wenn fte die Allianz nicht in Frage stellen wollten, fie l.eßen fich schlieVich nicht ungern auf die Offensive gegen die Türlei ein, weil sie erwarteten, daß darau Z ein Bruch mit Oesterreich entstehen und Bulgarien dann ihnen zur Seite fte ^en werde. Du gar en war gern bereit dazu: 350 003 Mann versprach es, in diesem Falle gegen Oesterreich marschieren zu lassen (März 1.412).

Aus der ser'.i ch-bu'gar schen K r.cs >oille -z können wir je ;t die politische Taktll der Dundes- ?enosfen viel deutlicher als früher er.enncn. Man egri s bald, daß zwar die russische Regierung den Krieg nicht wünschte, daß a'eer d e öffent* liche Mctnung die antitürlischen Bestrebungen

Das oLerhessische Zugendherbergswerk im Jahre 1928.

Don Dr. W. Flörke.

Ein Jahr Iugendherbergsarbeit ist wiederum verflossen, äleberschauen wir es rück­blickend, so können wir sagen, dah eS ein Jahr reger Arbeit gewesen ist, daS mancherlei Ersolge gebracht hat. 3m Ganzen ist unser oberhessisches HerbergSwerk, dessen stetiger Fortentwicklung die Arbeit der letzten Jahre gewidmet war, wieder ein schönes Stück Dorangetommen. Cs ist dies auch notwendig, da das Iugendwandern, wie uns die Ziffern für die Uebernachtungen zeigen, in ständiger Zu­nahme begriffen ist. 3m Jahre 1927 über­nachteten in allen oberhessischen Herbergen zu­sammen 9460 Wanderer, in 1923 stieg diese Zahl aus 11 051. (Für die Jahre 1926 und 1923 sind die Zahlen 5963 bzw. 3651.)

Don den Herbergen, die 1927 in Betrieb waren, mußte Büdingen im 3 ah re 1928 wegsatten. Dies war besonders zu bedauern deshalb, well gerade durch Büdingen wichtige Wanderlinien führen. Leider konnten die Vorarbeiten für eine Reuschöpsung nicht soweit gefördert werden, daß noch in dem Berichtsjahr mit der Ausführung der Pläne begonnen werden konnte.

3m zeitigen Frühjahr 1928 konnte die mit Hilfe der Gemeinde völlig neuhergerichtete Her­berge L a u b a ch der Benutzung übergeben werden.

3n Schotten wurde etwa um dieselbe Zeit eine neue Herberge eingeweiht. Stadt und DHC. Schotten haben hier Vorbildliches geleistet.

Die Gießener Herberge konnte einen weite­ren Schlasraum erhalten und durch ein Führer» zimmerchen, das neben dem großen Schlasraum liegt, ergänzt werden, so daß der Führer feine Gruppe doch unter ständiger Aufsicht hat. Be­sonders die mit ihren Klassen wandernden Leh­rer. die ja vielfach schon im höheren Alter stehen, werden diese Annehmlichkeit zu schätzen wissen. Die Einrichtung gewährleistet auch, dah der grundsätzlichen Forderung des Iugendherbergs- verbandes. daß der Führer bei feiner Gruppe schlafen soll, genügt werden kann, ohne daß daraus Schwierigkeiten entstehen. Weiterhin konn­ten der Herberge durch das städtische Wohl­fahrtsamt eine ganze Reihe von wertvollen Cin- richtungsgegenständen, wie- und Kochgeschirr, Stühle und dgl. überlassen werden.

Im Laufe des Sommers wurden die Vorarbei­ten für einen 3ugendherbergsneubau in Ge­dern erledigt, mit dessen Einrichtung noch im Herbst begonnen werden konnte. Der Rohbau ist vollendet und soll im Frühjahr fertiggestellt werden. Bei diesem Reubau ist darauf Bedacht

genommen, mit möglichst geringen Mitteln Gutes und Gediegenes zu schaffen und die finanzielle Grundlage des Herbergswerks nicht zu stark zu belasten.

Die Mittel, die zum Ausbau der Herbergen erlangt werden können, sind leider klein, und so muß mancher berechtigte Wunsch zurückgestellt werden, bis einmal der erste Ausbau des Retzes in dem unbedingt nötigen Ausmaß erfolgt ift. Diese Ausgabe wird aber, soweit sich biS jetzt übersehen läßt, noch einige 3ahre in Anspruch nehmen. Bei dieser Gelegenheit muh ich vor Reugründungen, so gut sie gemeint sein können, warnen, wenn nicht ganz besonders dringliche Verhältnisse voriiegen. liniere ganze Kraft ge­hört zunächst dem Ausbau des vorhande­nen Herbergsnehes. Bei den Behörden fanden wir immer großes Verständnis für unsere Arbeit. Insbesondere sind hier zu erwähnen die Zentralstelle für Vollsvildung und Jugendpflege in Darmstadt, die Provinzialdirek.ton Oberhessen, der Kreis Schotten und die Städte Giehen, ßau- bach, Schotten und Gedern.

In Gießen warb im März ein Iugend» herbergstag, dessen Ausgestaltung öie Gie­ßener Jugend übernommen hatte, für den Ge­danken der Jugendherberge. Damit war ver­bunden eine Besichtigung der Gießener Herberge. Mehrere Tausend unserer Mitbürger haben die Gelegenheit benutzt und sich durch Augenschein von der Beschaffenheit einer Jugendherberge überzeugt.

Die Belange des oberhessischen Iugendher- bergswesens werden im Auftrage des Gaues Main-Rhein-Lahn-Fulda _ von der Ortsgruppe Gießen des Verbands für deutfche Jugendherbergen wahrgenommen. Diese Orts­gruppe hat die Hoherodskopfherberge geschaffen und für die Ausgestaltung der Gieße­ner Herberge gearbeitet. Dazu ist dann später die Sorge um weitere oberhessische Jugendher­bergen gekommen, wie die in Laubach und Ge­dern. In gleicher Richtung sind tätig Ortsgrup­pen in AlSfeld. Friedberg und Schlitz. Auch der Vogelsberger Höhenllub hat selbständig mitge- holfen am Werk in Herchenhain und Schotten.

Die folgende Tabelle gibt einen Heberblid über die Benutzung der oberhessischen Herbergen im Jahr 1928. Eie weist auch nach, welchen Le­bensaltern und Bildungslreisen die Benutzer ent­stammen. Auffällig ist dabei, dah die Zahl der weiblichen Wanderer noch sehr stark hinter der der männlichen zurücksteht, sie macht noch nicht ein Drittel dieser aus.

Herberge

Volks- schülcr

Schüler höh Schul. U-Hochsch.

sonstige Iugendl. unter 20 I.

Wanderer über

20 Jahr«

Mithin

Zulammen Gesamtzahl () 1927

m.

to.

m.

to.

m.

to.

m.

to.

m.

to.

Alsseld

-

106

29

39

5

69

9

214

43

257

(364)

Dodenrod

*

8

-

8

8

(11

Butzbach Friedberg Gedern

32

19

261

30

238

15

81

240

4

26

319

533

19

75

338

608

(243 (302

66

20

86

7

179

179

(217

Gießen

47

23

475

100

447

121

580

70

1549

814

1863

(1537^

Herbstein

88

470

8

7

2

28

1

593

11

604

(-

Herchenhain

1369

254

915

895

410

295

521

269

3215

1713

4928

(4971

Hoherodvkopf

115

95

428

107

164

43

63

17

770

262

1032

(1044)

Laubach

58

5

94

15

84

12

236

32

268

(?

Lauterbach

85

69

33

2

137

2

139

(148

Bad Salzhausen

12

43

18

4

1

12

71

19

90

(56

Schlitz

259

3

73

25

61

16

393

44

437

(259)

Schotten

36

26

80

37

74

9

36

12

226

84

310

(-

1765

417 3150 1232 1713

531

1815

438

8443

2618 11061

(9460)

der Balkanstaaten lebhaft begrüßte, eS war also ein Konflikt zwischen R:g erung und öffentlicher Meinung in Rußland zu erwarten. Dieser Kon­flikt konnte aber nachhaltige ungünstige Folgen für das Zarenreich haben da die Wahlen zur Duma im Herbst abgehalten werden mußten. Die Bundesgenossen beschlosen, so viel Rücksicht auf den großen slawischen Bruder zu nehmen, daß sie den Ausbruch des K.ieges bis zum Herbst verschoben, damit die Wahlen nicht unter dem Eindruck der kriegerischen Erregung ständen. Im Herbst hoffte man mit Italien gemein a.ne Sache gegen die Pforte und im Rotfalle gegen Oester­reich, wenn es etwa die Türkei schuhen wollte, zu machen. Damit sich aber mittlerweile nicht die Lage durch einen Friedensschluß zwischen Ita'icn und der Türkei oder durch ernsthaste militä­rische Rüstungen der Türken zuungunsten der Verbündeten änbere, wurde die Pforte mit fried­lichen Versicherungen überschü'tet; um e ne fried­liche Politik vorzutäuschen, g ng der K >nig von Bulgarien wiederholt ins Ausland, der bulga- Minister des Auswärtigen auf Urlaub, Preh- angtiffe auf die Türkei wurden offiziell ge­tadelt. und was dergleichen Mittel mehr waren. Gleichzeilig wurde die Pforte bearbeitet, ja keinen Frieden mit Italien zu schließen. Die Abtretung von Tripolis, stellten die bulgarischen und serbi­schen Diplomaten den türkischen vor werde in Konftcn.inopel eine neue Revolution Hervorrufen und die Abfallsgelüste in den Provinzen ver­stärken.

Durch diese rücksichtslose und doppelzüngige Politik gelang es in der Tat, die Pforte hinzu­halten und im Oktober 1912 fast ungerüstet zu überfallen. Die leiten russischen Mahnungen zur Ruhe wurden brüsk abgewiesen und mit der Dro­hung erwidert, die Verbündeten konnten sich auch mit Oesterreich verständig n wenn die bis­herigen Freunde ihnen in den Weg treten woll­ten. Man baute in Sofia und Belgrad fest daraus, daß die panslawistische russische öffent­liche Meinung der Regierung nicht gestatten werde, den Krieg ernstlich zu verbieten. Der Präsident der Duma bestätigte dem serbischen Gesandten die Richtigfeit der Rechnung:Mar- tchiert vorwärts", sagte er unmittelbar vor Kriegsbeginn .und kümmert euch nicht um un er Ministerium des Auswärtigen, das nur für sich erklären kann, daß es keinen Krieg will, nicht aber für Rußland". Und Dom Zaren wurden Aeußerungen ko'porticrt. aus denen d e Dattan- rcgictungcn schließen mußten, daß er e n Ein­schreiten Oesterreichs g g:n Serbien und Bul­garien nicht Aulafien werde.

Die Riedcrlage der Türkei, die binnen wenigen Wochen offenbar war. führte sogleich zu der Frage, ob die Großmächte den Balfanftaaten die Verteilung der Deute allein überlassen oder

ein entscheidendes Wort mitfprechen sollten. Oesterreich forderte B.grenzunz der serbischen Ansprüche in Albanien und sezte sie schließlich auch gegen Rußlands Oppo. Ilion durch, da Deutschland und England einen Konflikt unter den Großmächten nicht wün'chten. und auch Ita­lien die Serben nicht an die Adria Vordringen lassen wollte. Hierüber erfährt man auS den vorliegenden Akten nichts Reues, aber bestätigt wird, daß Rußland und Frankreich den Serben das Rachgeben durch Vertröstung auf einen Krieg gegen Oesterreich in naher Zukunft zu erleichtern suchten. Serbien möge, sag ei russische und sran-bsische Diplomaten e.rtem serbischen im Rovember 1912, fich kräftigen,um möglichst vorbereitet die wichtigen Ereignisse abzuwar en. die unter dm Großmächten eintreten müßen." Roch deutlicher sagte Sassonow, der russische Minister deS Auswärtigen, dem serbischen Ge­sandten einige Wochen später. Serbien sei nach seinen großen Erfolgen gegen die Psorte dazu bestimmt, Oesterreich zu erschüttern. Cs möge das jetzt Erreichte als Etappe betrachten, denn die Zukunft gehöre ihm, es werde viel Land von Oesterreich erhalten. Serbien möge sich or­ganisieren, am dann später, wenn d.e Zeit ge­kommen fein wird, das österreichisch ungarische Geschwür anzuschnciden, we'ches hmte noch nicht so reif ist wie daS türkische.' Aehnliche Er- mutigungm kamen aus Paris: man wolle je"t Frieden halten, sagteeine kompetente Persön­lichkeit", um den Balkanverbündeten Gelegen­heit zur Erholung undVorbereitung für Even­tualitäten. die in einer nicht fernen Zukunft eintrcten könnten, zu gewähren".

Wenn Sassonow den Serben deutlich das Ziel ihrer Politik zeigte, so zugleich die Mittele er emp'ahl aufs neue c nm Bund der Balkan floaten gegen Oesterreich, für den insbesondere Rumänien mit der Aussicht. Siebenbürgen zu erobern, zu gewinnen sei. Kurz, Serbien hatte Grund zu der Zuversicht, mit russischer HilfeBosnien und andere Länder Oesterreichs zu bekommet".

Diese Uebcrlüllc von Zeugnissen für die aggres­sive und cToberung3!uftige Politik der Entente und ihrer tatfächlichen Balkanbundesgeno'sen steht kein einz ges gegenüber, das d.m eiben Vorwurf gegen die Mittelmächte enthielte. Im Gegmteil. Die serbischen Diplomaten betonen wiederholt, daß der Deutsche Kaiser am Fr eben unb Ver­mittlung bemüht sei, unb selbst der Wiener Re­gierung. die natürlich stets gehässig beurteilt wird, wird eine Pol.tik der Eroberung nicht vorgeworfen Mehrfach tritt sogar die Die nung auf, daß Kaiser Franz Joses jeden kricg.rischen Zusammenstoß grundsätzlich zu verme d m wünsch« eine Annahme, die vermutiich viel zu b:r provo­katorischen Politik Serbiens gegen den großen Rachbar beigetragen hat.

Preußen.

Kreistag in Wetzlar.

A Wetzlar, 25. Ian. Der Kreistag trat gefieni im neuen ö>rd.'hau)e zu feiner ersten diesjährigen Sitzung zusammen. Die Rechnung der Krel-ikommunal.asfe für das Rechnungsjahr 1927 wurde in Einnahme auf 3 499 269.70 Mk., .bie Ausgaben auf 3 466 687.17 Mll, und der Bestand auf 32 532.53 Mk. festgestettt. Tie Son- derrechnuna schloß mit 207 578.78 Mk. ab. Fer­ner beschloß der Kreistag u. a. dir Ausdeh­nung der öffentlichen Fürsorge auf Krüppe l und Geschlechtskranke. Der 3cprozentige Anteil der Gemeinden an diesen Fürsorgeausgaben soll ohne Verpflichtung des Kreises von diesen freiwillig übernommen werden.

Kreis Wetzlar.

WSR. Wetzlar. 25. Jan. Ein mit Möbeln und Hausgerät schwer beladener Last­kraftwagen des Unternehmers Bonn aus Groß-Rechtenbach (Kreis Wtzfar) konnte in bet Aähe dcS Ortes Weidenhaufen die ©lei«* gung in einer Kurve infolge vereister Fahr­bahn nicht bezwingen, fvndern rutschte mit an» gezogenen Bremsen nach rückwärts in immer rascherem Tempo ab. Bon den Mitfahrenden versuchte der Obergerichtkvoll- zieher Göbel au3 Wetzlar abjuf,ringen. Dabei geriet er unglücklicherweise unter Die Rä­der und wurde schwer verletzt. Der Arzt stellte einen Oberschenkelbruch und innere Ver­letzungen fest. Der Vrrungtückte wurde ins Wetz­larer Krankenhaus eingeliefert. Der Wagen konnte im übrigen zum Stehen gebracht wer­den. Weitere Personen wurden nicht verletzt.

O Hochelheim, 25. Ian. Der Landwirt! und Maurer Heinrich Rolshaufen von hier war nachmittags in seiner Scheune damit beschäftigt. Stroh von einem Gerüst herunter» zuhvlen. Hierbei stürzte er ab und fiel auf den Heuboden, wobei er den rechten Arm brach. Dr. med. Grler (Hörnsheim) leistete die erste Hilfe und ordnete die Ueberführung des Verletzten in die Chirurgische Klinik zu Giehen an. *

O Dornholzhausen, 25. Ian. Rach» dem die Arbeiten an der wirtschaftlichen ilmlegüng der Grundstücke der hiesigen Gemarkung beendet sind, fand dieser Tage unter dem Vorsitz des Kulturamtsvorstehers zu Wetz­lar und in Anwesenheit dcr Mitglieder der hie­sigen Gemeindevertretung, sowie eines Vertre­ters des Bürgermeisteramts zu Groß-Rechtenbach die Ucbcrgabe des im Der.ahren auSgebautcn Wege- und Grabennetzes an die Zivil» gemeinde zum Zwecke der Unterhaltung durch diese stall. Vorher wurden verschiedene Anlagen einer Besichtigung an Ort und Stelle unterzogen, die zu nennenswerten Bcanstandun-en keine V.r- anlaffung gab. Verschiedene kleinere Mängel sollen durch die Beteiligtengesamtheit In dcr Um* legung-sache noch abgestcl'.t werden. Von den in Verbindung mit der Umlegung.fache ausge.ühc- ten größeren Arbeiten sind zu erwähnen: di« Ausführung von fünf Kleebachdurchstichen, der Bau einet neuen Dcrbindungsstraße nach Lang» GönS, der Bau von zwei neuen Dctonbrücken über den Kleebach, die Geradclegung deZStrauch- bacheS, die Anlage eines neuen Friedhöfe- am Dorsausgange nach Hochelheim zu und die Er­schließung von Baugelände am Dorf ausgang« nach Riederkleen.

J Groß. Rechtenbach, 26. Ian. Gestern nachmittag sand hier die zweite d.esjähriga Amtsversammlung statt, die sich in der Hauptsache mit der Verwaltung der durch den Tod des Bürgermeisters Schneider erledigten Bürgermeister stelle des Amtes Rechten­bach befaßte. Bei dieser Beratung nahm fdlcnS der Auis.chtsbchörde der Landrat des KreiieS Wetzlar an der Sitzung teil. Die Amtsversamm­lung hob ihren Beschluß vom 8. Januar, wo­nach s:e sich gegen die kommissarisch« Besetzung der Stelle ausgesprochen und deren öffentliche Ausschreibung beschloßen bät e, auf und schlug dem Oberpräsidenlen den Volkswirt Dr. Reu­mann aus Wetzlar als kommissarischen Bürgermeister für das Amt Rechtenbach vor. Ferner beschloß die Amis.e.sammlung die Abnahme der Rechnung des Ämter Rechtenbach für das Rechnungsjahr 1927. Die Rechnung wurde in Einnahme und Ausgabe auf je 136 115,08 Mark festgestettt. Die Sonderrechnung betrug 570,75 Mark. Die Einführung der Schulzahnpflege wurde abgeiehnt. Den Erlaß von Ortsstatuten zum Schutze der Ge­meinden gegen Verunstaltungen durch Reklame- fchilder hielt die Amsverfammlung nicht für nötig.

O Riederkleen, 25. Ian. Wenn im Win­ter die größeren Flüffe. wie die Lahn und der­gleichen, zugefrvren sind, stellt sich an den Ge- wäs.ern des Kleebachtales (Ovlcebach. dcsscnReben» bächen unö den Mühlgräben) als seltener Gast die Wildente ein. An den Gewäsfern in der hiesigen Gemarkung ist sie befonöers anzutreffen. Dies hängt damit zusammen, daß die betresferiden Wasferläufe selbst bd stärkerem Frost an vielen Stellen nicht zufrieren, ferner auch, daß die Wild­ente, die bekanntlich sehr scheu ist, hier einen ver­hältnismäßig ruhigen und ungestörten Ausemchalt. hat. Tie Jäger nehmen natürlich die seilen sich bietende Gelegenheit wahr, die Jagd auf Will^ enten auszuüoen. So tourten auch von den Pächtern cer hiesigen Gemcindefagd in dcr letzten Zeil eine Anzahl geschaffen

Lützellinden, 25. Ian. Die Dahlzett deS Vorstandes der Önt- und Betoässe- rungsgenossenschaftA l l e n o ö c f e r - 21 u" ist in diesem Monat abgetanen Bei der Reutoahl touroen durch di« Genos.enschaftsmit- glieoer gewählt bzw. toiedergewähli: Zum Ge- nosfenschastsvorsteher der Landwirt Ioha.rnes Lenz, zu Vorstandsmitgliedern die Landwirte Karl Schmidt und Heinrich Bork, zu stell» vertretenden Vorstandsmitgliedern die Landwirte Johannes Bork, Johannes Krombach und Georg Schäfer.

Lützellinden. 25. Jan In der Gene­ralversammlung des hiesigen Krieger­vereins. die dieser Tage in der Wirtschaft 3una ftattfand. gedachte man zunächst in üblicher Weise deS verstorbenen Ehren- und Vorstands- mitglieies 3oh. 3 u n g. Bei der Vorstairdstoahl wurde Schmiedemeister Z ö r b neu in den Vor­stand gewählt, im übrigen wurden die bisherigen Vorstandsmitglieder erneut in ihren Aemtern be­stätigt. 3n den Verein ausgenommen wurden fünf neue Mitglieder. Damit ist die Mitglie»

I derzahl auf 33 angewachsen.