Italien noch für Frankreich der Abstrom der italienischen Bevölkerung in französisches Gebiet eine günstige Regelung ihrer Bevölkerungsprobleme. Die vorübergehende Erleichterung seines Bevölkerungsüberdruckes will Italien nicht auf die Dauer mit einer neuen Irredenta erkaufen, aber auch für Frankreich kann, trotz seines Vevölkerungsmangels, der Zustrom von ungezählten Italienern incht erwünscht sein, wenn diese sich energisch dagegen wehren „gute Franzosen" werden zu müssen, und damit zu einer ernsten politischen Gefahr im Lande selbst heranwachsen.
Welches auch die vertraglichen Lösungen sein werden, die man für diese Probleme finden wird, eine Lösung reift heran, die keines Vertrages bedarf, wenn die Tendenz der demv- graphischen Potenz in beiden Völkern die heutige bleibt. Mussolini weih das und hat auf dieser Erkenntnis seine Devölkerungspolitik auf- gebaut. Gegen die Fruchtbarkeit eines Volkes gibt es auf die Dauer »kein anderes wirksames Mittel, als die Fruchtbarkeit des eigenen Volkes, und gerade die hat Frankreich nicht aufzuweisen.
Oberheffen.
Landkreis Gießen.
* Wieseck, 23. Aug. Das Evangelische Pfarramt Wieseck schreibt uns: Der Bericht über die Gemeinderat^ihung in Rr. 196 des „Gießener Anzeigers" veranlaßt uns zu folgenden Ausführungen: Es bleibt uns unverständlich, daß nicht sämtliche, am 3. Mai d. 3. der Bürgermeisterei zugesandten Aufstellungen über die Forderungen der Kirche auch dem Gemeinderat bei seinen Verhandlungen über den Voranschlag vorgelegt worden sind. Die vom Kirchenvorstand in seinem Voranschlag eingesetzten und gehörig begründeten Posten wurden vom Dekanat, Kreisamt und Landeskirchenamt restlos anerkannt und genehmigt. Diese Behörden teilen also den Standpunkt des Kirchenvorstandes und feine Auffassung über die Ergebnisse der am 25. März d. 3. erzielten Vereinbarung. Um die Akten über die Auseinandersetzung zwischen Kirche und Gemeinde endlich schließen zu können, verlangte das Landeskirchenamt die schriftliche Fixierung jener Vereinbarung; sie wurde am 4.3uni d. 3. vorn Bürgermeister als Vertreter der bürgerlichen Gemeinde und vom Pfarrer als Vertreter der Kirchengemeinde unterschrieben. Aus ihr geht deutlich hervor, daß der Abfindungssumme von 2250 AM. eine Aufstellung über 3040,69 RM. zugrunde lag, die Besoldungen bis zum 1. April 1929 einbegriffen waren, Baulastvorlagen aber nur bis zu dem in den 3040,69 RM. enthaltenen Betrag von 400 RM. Das damals noch nicht genau feststehende „Mehr" wurde bei den Verhandlungen auf Anfrage eines Gemeinderatsmitglieds von dem Pfarrer mit etwa 600 RM. angegeben; es ist klar, daß man bei Festsetzung einer Dergleichs- summe von einer festen Grundlage ausgehen mußte: bei 3500 AM. (3040,69 und Gehaltsanteile bis 1. April 1929) war eine solche in der Höhe von 2250 RM. annehmbar, aber nicht bei 4100 RM. Eine solche Einbuße könnte keine Vertretung und keine Behörde verantworten. Der Bericht erweckt weiter den Anschein, als ob der Kirchenvorstand zweimal je 400 RM. für Bau- und Instandsehungsarbeiten angefordert habe; er tat es nur einmal unter Beigabe eines Voranschlags der Baubehörde und hat damit auch die gesetzlichen Bestimmungen erfüllt.
[t] Lollar, 23. Aug. Aus der gestrigen öffentlichen Gerneinderaitssihung ist zu berichten: Die vom Gemeinderechner verlesene Rechnung aus dem Rechnungsjahre 1 9 2 7 schließt ab in Einnahme mit 182 689,44 Mark, in Ausgabe mit 174 598,90 Mk. Der rechnerische Ueberschuh beträgt 8090,54 Mk. Hiervon sind in bar 6820,56 Mk. vorhanden, während der restliche Betrag mit 1269,98 Mk. auf Rückstände entfällt. Von diesem rückständigen Betrage gehen 996,91 Mk. zu Lasten eines Einwohners und bekommt die Gemeinde gemäß eines Pfändungsbeschlusses, die in dessen Gebäude aufkommende Miete mit monatlich rund 40 Mk. durch die Mieter gezahlt. 3m übrigen war eine Beitreibung nicht möglich. Einwendungen wurden nicht erhoben. Der Bürgermeister brachte sodann den Voranschlag für das Rechnungsjahr 1 92 9 zur Vorlage. Die Gesamtsumme aller Einnahmen und Ausgaben beträgt 209 127 Mk.; davon entfallen auf die Betriebsrechnung 160 747 Mk., auf die Vermögensrechnung 48 380 Mk. Das Gesamtbild ist im allgemeinen dasselbe wie in den Vorjahren. 3m einzelnen ist u. a. folgendes bemerkenswert: Als Rechnungsrest erscheinen 2655 Mk. in Einnahme und 5000 Mk. in Ausgabe. Die Einnahme aus Gebäuden und Grundstücken beträgt 4152 Mk., denen 6820 Mk. in Ausgabe gegenüberstehen. 3n dem Ausgabebetrag befinden sich 5000 Mk. für den Erwerb des Gebäudes der Apotheke als Teilbetrag. Die Einnahme aus dem Gemeindewald beträgt 13 730 Mk., ihr stehen Ausgaben von 4404 Mk. gegenüber. Aus der Gemeindejagd wurden 800 Mk. gelöst. Die Einnahme an Wassergeld beziffert sich auf 12 150 Mk., in Ausgabe stehen 11072 Mk. Die Zahlen für Licht - und Kraftversorgung sind 18 715 Mk. in Einnahme und 18 810 Mk. in Ausgabe. Die Heberschreitung der Einnahmen und das starke Anwachsen des Ausgabebetrages gegenüber den Vorjahren sind hier bedingt durch Reuanlagen und erforderlich gewordener Auswechslung von Aluminiumleitungen durch Kupfer- leitungen. Die Ausgabe für die allgemeine Verwaltung beträgt unter Absetzung der Einnahmeposten 14927 Mk., für die öffentliche Sicherheit 2880 Mk. Für die öffentliche Gesundheitspflege sind 4800 Mk. angefordert. Für das Feuerlöschwesen werden 947 Mk. benötigt. Die allgemeine Armenpflege erfordert 7000 Mk. Die Schulkosten betragen 6350 Mk. Für die Unterhaltung des Friedhofes sind 2156 Mk. eingesetzt, während für gleiche Rubrik 556 Mk. in Einnahme stehen. Die Ausgabe für Straßenunterhaltung ist auf 4500 Mk. berechnet. 3n der Rubrik Kanäle erscheinen 505 Mk. in Einnahme und 11250 Mk. in Ausgabe, darunter als Anlage ein Betrag von 10 000 Mk. für die für das 3ahr 1930 vorgesehene Kanalisation. Die Ausgaben für landwirtschaftliche Zwecke belaufen sich auf 6330 Mk. (nach Abzug von 970 Mk. in Einnahme). Zur Unterhaltung der Bäche und Gräben sind 1900 Mk. erforderlich. Unter s o - ziale Fürsorge erscheinen 6000 Mk. in Einnahme und 13 100 Mk. in Ausgabe. An Sondersteuern finden wir in Einnahme 1800 Mark. Dis zur Ueberweisung kommenden Reichs steuern sind mit 36 900 Mk., die von
Oie innere Wiederherstellung der allen Liebfrauenkirche zu Schotten.
Von Bürgermeister Mengel, Schotten.
Das bei weitem wertvollste Baudenkmal der Stadt Schotten ist seine, innen wie außen gleich bedeutende, herrliche evangelif ch e Pfarrkirche, eine mächtige Hallenkirche mit gleichhvhem Mittel-, zwei Seitenschiffen und einem Chor, zur Zeit der Gotik entstanden. Die Stadt ist stolz auf diesen ehrwürdigen Zeugen einer alten Kunstepoche und hat für die Erhaltung des Bauwerks allezeit freudig größte Opfer gebracht. Eine größere Renovierung fand in den Iahren 1858 bis 1860 mit einem Kostenaufwand von über 50 000 Mark statt. Die äußere Verwitterung der Kirche war indes weiter fortgeschritten, so daß in den Iahren 1911 bis 1912 eine Wiederherstellung von Grund auf nötig wurde. Etwa 200 000 Mark Kosten wurden hierfür verwendet. Die Renovierung des Kircheninneren war damals ebenfalls vorgesehen; Krieg und Rachkriegszeit verzögerten damals die Ausführung. Der Wunsch der Bevölkerung, auch im Inneren ein zur Andacht und Weihe mahnendes Gotteshaus zu erhalten, wurde immer lebhafter, bis Kirchenvorstand und Kirchenvertretung die baldige Inangriffnahme der Wiederherstellungsarbeiten beschlossen. Am 4. Februar l. 3. wurden die Arbeiten begonnen, jetzt sind sie beendet; morgen, am 25. August 1929, wird in einem Festgot- tesdienst die weihevolle Uebergabe an d ie Gemeinde erfolgen. Der derzeitige 3n- haber der ersten Pfarrstelle, Pfarrer Dornscheuer, wird die Feier abhalten unter Zugrundelegung der Bibelworte, die auch seiner Zeit, 1860, nach der Renovierung vom damaligen Pfarrer Lehr, gewählt waren: „Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnet."
Die innere Wiederherstellung erfolgte unter Leitung des Hochbauamtes Schotten unter Zuziehung des Denkmalpflegers, Geh. Rat W a l b e (Darmstadt); die Kirchenmalerei ist von dem bekannten Kirchenmaler D e l t e ausgeführt worden, einheimische Handwerksmeister und Arbeiter förderten das Werk. Die Kosten werden sich auf etwa 17 000 Mark belaufen. Dank der Opferfreudigkeit der Kirchengemeinde ist ein großer Betrag im Lauf der Zeit durch Sammlungen und Kollekten zusammengekommen, auch die Stadt hat eine größere Summe beigesteuert.
Betritt man jetzt durch das Westportal und durch den neugeschaffenen Windfang das 3nnere, so ist man ergriffen von der Gesamtwirkung, die die Kirche jetzt hat. Der alte, schmutzige Verputz, die frühere häßliche, blaue Decke sind verschwunden. Die mächtigen Säulen, in grauer Farbe gehalten, mit rotgoldnen Kapitellen, streben wuchtig nach oben, die helle Kirchendecke mit den prächtig gemalten Schlußsteinen läßt das 3imere hoch aufragen, alles strebt nach oben, dem Himmel, dem Lichte zu. Um die vorderen Säulen prangen in Goldschrift die Worte des Iohannes-Evangeliums: „3m Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort!"
Auf einem goldroten Läufer treten wir näher in das 3nnete durch den neugeschaffenen Mittel- gang, immer tiefer bringt die Wucht des erhabenen Bauwerks auf uns ein. Um die Einrichtung dieses Mittelganges spielten sich anfangs einige Kämpfe ab, man befürchtete, die besten Plätze zu verlieren, heute möchte niemand diese Reue- rung missen, für die Festgottesdienste, für Konfirmation und Hochzeit ist nunmehr ein würde
voller Zugang zum Altar geschaffen worden. Das Gestühl (eine Schnitzerei weist 1519 als Zeit der Anfertigung auf) ist mit einem schwarzbraunen Anstrich versehen und wirkt außerordentlich vornehm. Durch geschickte Anbringung neuer Bänke sind die durch den Mittelgang vorlorenen Plätze längst erseht und noch etwa 70 neue Plätze gewonnen worden. Auch sind Klappstühle beschafft worden, die bei großem Andrang Verwendung finden. Das gesamte Holzwerk weist einen vornehmen, dunklen, warmen Ton auf. Ganz besonders vorteilhaft hat sich die Senkung der Emporen ausgewirkt. Sie sind sämtlich gesenkt worden, besonders die Empore auf der Westseite, die heute weit niedriger als früher auf angepaßten, schönen Eichensäulen ruht. Die Kirche hat durch diese Senkung außerordentlich an Helligkeit gewonnen, eine größere Lichtfülle dringt letzt in das 3nnere. Die früheren, offenen vorderen Brüstungen an allen Emporen sind verschwunden, geschlossene Brüstungen sind an ihre Stelle getreten, die in Felder eingeteilt und mit Verzierungen und sinnvollen Sprüchen aus der Bibel versehen wurden. Besonders schön ist die Wiederherstellung der alten Orgel gelungen. Auch eine neue Stimmung der Orgel und der Einbau zweier weiterer Register ist vorgenommen worden; die Orgel hat elektrisches Gebläse erhalten. Ein schönes Gitterwerk hat man am Sitz des Organisten angebracht. Ein sehr altes, wertvolles Kruzifix wurde auf dem CBoben aufgefunden, man hat es künstlerisch Herrichten lassen und auf der linken Seite des Chors ausgehängt. Der Chor selbst wirkt besonders eindrucksvoll, er ist vorwiegend rot gehalten, mit schöner Kuppel. Der mächtige Flügelaltar, das allerwertvollste Stück der Kirche, beherrscht den Chor. Die im Chor befindliche Kriegerehrung (die Ramen der Gefallenen sind in Sandsteinplatten eingehauen und in acht Rischen aufgestellt) ist aufgefrischt worden. 3n goldnen Farben auf schwarzem Hintergrund prangen die Ramen unserer Hewen zum ewigen Gedächtnis.
3n einer seitlichen Rische des Chors erblicken wir die kunstvolle Pieta, zu beiden Seiten an den Wänden zwei auf Holz gemalte Epitaphien, die Kreuzigung und Himmelfahrt Christi, darstellend. Der Altar ist vollkommen verändert, auf den fünf Feldern des Altars sind Christus und die vier Evangelisten von Künstlerhand gemalt worden. Prächtig gelangt nunmehr die alte, künstlerisch so außerordentlich wertvolle, in Holz geschnitzte Kreuzigungsgruppe zur Geltung, die wir zur Linken beim Eintritt durchs Westportal erblicken. 3n der Mitte der Gekreuzigte, das Haupt geneigt, das Antlitz voll göttlicher Hoheit und Würde. Links Maria, mit schmerzerfülltem Angesicht, voll Trauer um den toten Sohn, rechts Iohannes, ein Buch, das Symbol des Evangelisten, in der Hand. Daneben in der Ecke fällt der wuchtige, gotische Taufstein aus Sandstein in die Augen. Ein kleinerer Taufstein ist im Chor aufgestellt. Als weiteres Schmuckstück sei der prächtige Sakristeischrank am Südpvrtal erwähnt. Auch Dem Inneren der Sakristei hat man einen neuen Anstrich gegeben.
So ist unser altehrwürdiges Gotteshaus in neuer Pracht erstanden. Möge ein frommes, gottesfürchtiges Geschlecht in diesem Heiligtum wahre Andacht. Erbauung, Trost und Kraft für den Lebenskampf finden.
der Gemeinde zu leistenden Steuerzahlungen mit 2610 Mk. angenommen. Der Reservefonds beträgt 6340 Mk., der Ausgleichfonds 2300 Mk. Unter der Rubrik „Umlage" erscheinen in Einnahme 43 600 Mk., während 4350 Mk. in Ausgabe stehen. 3n der Aussprache wurde demgemäß beschlossen, daß die Erhebung der Gemeindesteuer für 1929 vorläufig nach den gleichen Sätzen wie im 3ahre 1928 erfolgen soll. Man will dadurch ein Zusammendrckngen der Steuerziele auf den letzten Iahreszeitraum vermeiden. Der Ausgleich erfolgt nach Erscheinen der endgültigen Anforderungen für 1929. Der gesteigerte Wasserverbrauch läßt eine Heranziehung der Autobesiher notwendig erscheinen und wird beschlossen, für jeden Wagen jährlich 6 Mk. zu erheben. Die Beträge für die von der Gemeinde gekauften Bauplätze sind laut Kaufvertrag mit 5 Proz. in den ersten drei 3ahren zu verzinsen. Der Gemeinderat hält es nicht für angängig, über diesen Zeitraum hinaus diesen Zinsfuß beizubehalten, da die Gemeinde für das aufgenommene Kapital selbst einen bedeutend höheren Zinsfuß zahlen muß. Die Käufer sollen hiervon in Kenntnis gesetzt werden.
V Londorf, 23. Aug. Sattlermeister Börger verkaufte sein an der Wißnerschen Schneiderei und Zimmerplatz gelegenes Haus an Zimmermeister W i ß n e r. Dessen Haus mit Scheuer und Stall erwarb der Forstwart Ludwig Wißner, von hier.
' Lang-Göns, 23. Aug. 3n den letzten Tagen fand auf dem Rathaus die diesjährige Generalversammlung der Spar - und Leih lasse statt. Direktor Artz erstattete den 3ahresbericht für 1928. Daraus war zu entnehmen, daß die Spareinlagen im verflossenen 3ahr von 35 000 auf 70 000 Mk. gestiegen sind. Wenn auch nicht alle Kreditbedürfnisse befriedigt werden konnten, so waren doch am Iahres- ende 20 000 Mk. gegen Hypotheken und 40 000 Mark gegen Schuldscheine ausgeliehen. Rechner Merkel ergänzte den Bericht und konnte für das erste Halbjahr 1929 einen erfreulichen Fortschritt feststellen. Voraussichtlich werden die Spareinlagen im laufenden 3ahr die Zahl von 100 000 Mark überschreiten. Die früheren Spareinlagen, die V». Million Mk. betrugen, sollen eine acht- prozentige Aufwertung erfahren. Da nach Verteilung Der dazu nötigen Summe noch ein Rest bleibt, kann dieser Sah später nach Wzug aller Unkosten wahrscheinlich noch etwas erhöht werden. Es wurde beschlossen, an alte und bedürftige Sparer jetzt schon Beträge bis zu 100 Mk. auszuzahlen, soweit es die laufenden Einnahmen gestatten. 3n seiner Schlußrede betonte der Direktor, daß die Kasse eine Rotwendigkeit für die Gemeinde sei. Wenn auch die Mitgliederzahl 100 bald erreicht sei, so sei das für eine große Gemeinde viel zu wenig. Denn je großer die Beteiligung. desto größer der Segen, den die Kasse stiften wolle und könne.
* Lang-Göns, 23. Aug. Am Sonntag, 25. d. M. hält der Oberhessische Sängerbund,
Bezirk 5 des Hessischen und Deutschen Sängerbundes, in der Turnhalle zu Lang-Göns seinen diesjährigen Lieder tag ab. Es gehören dem Bunde elf erstklassige Vereine an; es sind daher besonders gute Vortragsleistungen zu erwarten.
* Lang-Göns, 23. Aug. Der Gesangverein „Frohsinn" kann im Iahre 1930 das Fest seines 75jährigen Bestehens feiern. Aus diesem Anlaß findet am 12., 13. und 14. Iuli 1930 hier ein großer nationaler Gesangswettstreit statt. Der Gesangverein „Frohsinn" ist Mitglied des Deutschen, Hessischen und Lahn- talsängerbundes. Er steht unter der bewährten Leitung des Reallehrers Blaß (Gießen).
Kreis Büdingen.
!! Büdingen, 23. Aug. Als erster Punkt der Tagesordnung in der jüngsten G e me i n b e r a t s- sitzung lag die im Mai d. 9. beschlossene außerordentliche Holzfällung im Wirtschaftsjahr 1930 vor. Der Erlös soll zur Tilgung von Darlehen verwendet werden. Zur Klärung der Angelegenheit wurde das Forftamt Büdingen tim Ausarbeitung eines Gutachtens durch die Aufsichtsbehörde gebeten. Das Forftamt stellt sich auf den Standpunkt, daß die Rentabilität des Waldes verbessert werden könnte, wenn durch die Losholz- berechtigten außer den Werbungskosten, Holzhaulöhne, auch noch die übrigen Unkosten getragen würden. Nach seiner Berechnung handelt es sich um einen Betrag von 7800 Mk., welchen die Losholzempfänger zu dem seitherigen Hauerlohn noch zu zahlen hätten. Der Gemeinderat sieht sich jedoch nicht veranlaßt, von dem seither gebrauchten Modus, nach dem lediglich der Hauerlohn für das Ortsbüroerholz zurückerhoben wird, abzugehen. Einer Aufhebung der Losholzbelieferung sei es auch gegen entsprechende Entschädigung, kann der Gemeinderat nicht zustimmen. 3m übrigen hält der Gemeinderat die Gelegenheit für gegeben, auf die gegenüber der Vorkriegszeit außerordentlich an- gewachsenen Forstverwöltungskosten und Steuern hinzuweisen, die die Rentabilität des Waldes ungleich höher beeinflussen, als es der Verzicht auf die Erhebung dieses Zuschlages bedeutet. — 3n einem früheren Beschlüsse wurde bereits der Volksbank Büdingen die Befestigung des Bachufers an ihrem Anwesen seitens der Stadt Büdingen zugestanden. Da sich nach genaueren Untersuchungen herausstellte, daß das Objekt einen Kostenbetrag von zirka 500 Mark erfordert, sah sich der Gemeinderat veranlaßt, von der geplanten Ausbetonierung Abstand zu nehmen. — Die Besetzung der zur Zeit provisorisch verwalteten Gas - me i st e r st e l l e war zur Neubesetzung ausgeschrieben. Es Haden sich 8 Bewerber gemeldet. 3n die engere Wahl kam ein Zivilanwärter, W. Bettzüge aus Bugen in Baden. Der Gemein- berat macht jedoch die definitive Einstellung von einem noch einzuholenden Gutachten bei der derzeitigen Behörde des Bewerbers, abhängig. — Ein Antrag des Landeskirchenamts Darmstadt, bezüglich der Aufwertung einer Dorkriegs
anleihe wird dahingehend erledigt, daß der (9e< meinberat entgegen ber Ansicht ber antragfteUen« den Behörbe bie Auswertung im Rahmen Der gesetzlichen Bestimmung anerkannt. — Dem Antrag des Vereins für Rasenspiele um Erlaß der Pacht für Benutzung des Sportplatzes konnte der Gemeinderat nicht entsprechen. Gntgegentom- menderweise soll die Pacht von 80 auf 50 Mark herabgesetzt werden, wenn der Verein bereit ist, die Spieltore für die Schüler des Gymnasiums und der Volksschule unentgeltlich ,}ur Verfügung zu stellen. — Nach einem Vertrag vom 12. März des Jahres 1914, die (Strom beliefcrung der Stadt betreffend, war der Stadt Büdingen seitens des Ueberlandwerks Oberhessen ein Stromkostenzuschlag in Höhe von 5 Pf. pro Kilowatt zugestanden worden. 3n Abänderung dieses Vertrags erklärt sich die Stadt damit einverstanden, daß alljährlich statt des Zuschlages eine Pauschalsumme von 5000 Mark an die Stadtkasse überwiesen wird.
!! Büdingen, 23. Aug. Ein erbitterter Ron- kurrenzkampf wird zur Zeit im Büdinger Bäckergewerbe ausgefochten. Ein auswärtiger Bäcker hat in der Neustadt dicht neben einem alten Büdinger Geschäft eine Verkaufstelle eingerichtet und gibt vier Pfund Brot für 60 Pf., Brötchen für 3 Pf. ab. Der Büdinger Brotpreis betrug seither 85 Pf., die Brötchen kosteten 5 Pf. Die Büdinger Bäcker setzten deshalb vor einigen Tagen zur Freude der Bevölkerung ihre Preise ebenfalls auf 60 Pf. herab. 3n der Voraussicht, daß dieser Brotpreis nicht lange bestehen bleiben wird, versuchen nunmehr besonders vorsichtige Hausfrauen, Brot zu hamstern. So ist cs gekommen, daß sich die Bäckermeister erst die Brotkäufer daraufhin ansehen müssen, ob sie zur Kundschaft gehören. Unwillkürlich wird man an bie Zeiten ber Zwangswirtschaft erinnert.
A Bübingen, 23. Aug. Nächste Woche beginnen die Vorführungen des Kreislehrkinos an den einzelnen Stationen. Es werden vorgeführt ein neuer Ufafilm „Die Schweiz, das Paradies Europas", sowie ein Film für die Kleinen. Das Schul-Wanderkino besteht seit November 1925.
Q] Nidda, 23. Aug. 3n ber letzten Gemeine deratssitzung mürben folgenbe Beschlüsse get faßt: An bem von Der Bürgermeisterei ausge- arbeiteten Voranschlag für bas 3 ahr 1929, ber eine Umlage auf Grunbbesitz unb Gewerbe von 90 000 Mk. vorsah, würben 10 000 Mk. gestrichen Unb damit die Umlage auf 80 000 Mark reduziert. Dieser Betrag soll wie folgt aufgebracht' werden: 40 Pf. auf je 100 Mk Steuerwerk ber Gebäube unb Bauplätze, 50 Pf. auf je 100 Mk. Steuerwert des lanb- unb forstrpirtschaftlich genutzten Grunbbesitzes, 110 Pf. auf je 100 Mk. Steuermert bes gewerblichen Anlage- unb Betriebskapitals, je 500 Pf. auf 100 Mk. Steuerwerk vom Gewerbeertrag unb 34,93 Pf. auf je 100 Mk. Steuerwerk bes staatlichen Sonbergcbäubefteuer- solls. Das Gewerbesteueraufkommen für bas 3ahr 1928 auf Grund ber vorläufigen Gewerbesteuerveranlagung (60 Pf. vom Anlage- unb Betriebskapital unb 1,50 Mk. vom Ertrag) beträgt 30 540 Mark. Um biese vorläufige Gewerbesteuer in endgültige Steuer umzuwanbeln, müssen vom Anlage- unb Betriebskapital sowohl als auch vom Gewerbeertrag bie gleichen Ausschlagssätze (110 unb 500 Pf.) erhoben werden, wie sie für 1929 vorgesehen sind. Es findet also trotz ber Erhöhung ber Umlage gegenüber 1928 von runb 10 000 Mk. eine Erhöhung ber Ausschlagssätze in Ansehung bes gewerblichen Anlage- unb Betriebskapitals unb bes Gewerbeertrags nicht statt. Den Löwenanteil an ber Umlageerhöhung sollen bie Gebäube tragen, bei denen der Ausschlagssatz von 22 auf 40 Pf. erhöht worben ist. Die Erhöhung ist im Gemeinberat bamit begründet worben, baß bie Häuser im allgemeinen Erträge bringen unb außer- bem auf bem Gebiete ber Sonbergebäubesteuer Erleichterungen erfahren haben. — Für bie Weiter- führung der Wasserleitung nach ber Bunbes» straße unb oberen Schillerstraße werben bie Graben- unb Rohrverlegungsarbelten ben Herren H. Drott unb H. Re11berg übertragen. Mußerbent wirb bie Weiterführung ber Wasserleitung nach ben Neubauten bes Heinrich Ebelmann unb Gustav Rings hausen beschlossen. — Für Großabnehmer wirb das Wasser gelb mit Wirkung vom 1.3uli 1929 auf 40 Pf. pro Kubikmeter festgesetzt. — Der Pauline Wiesner Ww. wirb ein Bauplatz in ber Abellstraße zum Preise von 1,50 Mk« pro Quabratmeter überlassen. — Die Durchführung bes vorliegenden Kanalisationsprojektes muß wegen der ungünstigen Finanzlage der Stadt bis auf weiteres zurückgestellt werden. Aus dem gleichen Grunde muß die Anschaffung einer neuen Motorspritze für die Feuerwehr Nidda zurückgestellt werden. 2(ud) der Errichtung einer Haushaltungsschule kann man aus den gleichen Gründen zurzeit nicht nähertreten. — Der Stammholzanfall im Fahre 1930 soll ebenso wie in früheren 3ahren an 3ntereffenten aus Nidda und Umgebung zur Versteigerung kommen. — Zur Verbilligung ber Straßenbeleuchtung soll bie Derwenbung von Glühbirnen von geringerer Kerzenstärke ins Auge gefaßt werben.
th. L e i d h e ck e n , 23. Aug. Gelegentlich eines Umbaues in einem Wohnhaus fand ein hiesiger Einwohner in einer Lehmwand zwei Goldmünzen in der Größe eines früheren Zweimark, stückes. Die eine trägt die Fahreszahl 1610, dazu auf der einen Seite das Bildnis eines Fürsten. Wie bie Umschrift ergibt, ist es GEOR. RUD. ERD. Unter dem Bildnis stehen die Abkürzungen: SL. LIG, ET B. REX. Auf der anderen Seite ist ebenfalls ‘eia Fürstenbildnis zu sehen; die Umschrift lautet} JOHANN CHR. ET . MO AUREA. D. G. Die andere Münze zeigt auf der Vorderseite bas Bilbnis anscheinend eines Mainzer Erzbischofs namens Anselmus Casimirus. Soweit die weiteren Schriftzeichen zu entziffern sind, lauten sie: D. G. ARCHIEP. MOG. Das Wappen auf der Rückseite zeigt zweimal das bekannte Mainzer Rad und in zwei Feldern je fünf kleine Pyramiden. Die Umschrift ist kaum zu entziffern. Es ist geplant, bie sicher wertvollen Stücke dem Friedberger Museum zur Begutachtung vorzulegen.
rl. Vleichenbach, 23. Qlug. Rachdem an der diesigen Schule unter Leitung von Lehrer Schnier le vom 15. April bis 1. August ein Anfängerkursus in der deutschen Einhei ts^ kurz schrist statkgefunden hatte, an dem mehr als dreißig junge Leute aus Dleichenbach und Umgegend teilnahmen, bildete sich nunmehr ein Verein für Kurzschrift, dem bisher 22 Mitglieder beitraten. Er veranstaltet jetzt einen Fortbildungs-- und einen zweiten AnfängerkursuS.
Kreis Schotten.
wg. Schotten, 23. Aug. Unter dem Vorsitz von Dekan Widmann (Gedern) fand hier dis 5. diesjährige Konferenz der Geistlichen des Evangelischen Dekanats Schott


