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Loyalität als vereinbar Halle, wenn er sich rnif einer Beschwerde an eine fremde Reg.ie- tung wende. Der Angeklagte erklärte ganz entschieden, daß er sich niemals an eine fremde Regierung in Mmderhettssachen gewandt habe. Gr wurde das auch nie hm da ja der Weg unmittelbar nach Genf gegeben sei. Auf eine weitere Frage bezüglich der Dialucha sagte Alitz, daß er diesen Ra men zum er st en Male gehört habe, als der Auslieferungsantrag an den schlesischen Sejm gekommen sei.

Der Vorsitzende stellte an Alitz dann die Frage, ob nicht irgendein Angestellter des Bu­reaus die Bescheinigung vom 15. Juni 1925 aus­gestellt haben konnte, die die Mitteilung ent­hielt, Dialucha sei Mitglied des Deutschen Dolks- bundes und müsse, da er in Polen rnilitärpfltch» tig sei, nach Deutschland fliehen. Alitz ver­neinte dies. Er verwies u. a. darauf, daß in dem Dokument statt des WortesHier" das WortBier" zu lesen sei und daß außerdem in dem Passus, der die Unterschrift enthält, und in dem es heißt,Der Vorstand" das Wortder" statt groß, klein geschrieben ser. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob er die Unter­schrift als gefälscht betrachte, antwortete Ulih mit einem lautenI a". Auf die weitere Frage, ob er einen Verdacht habe, wer die Unterschrift gefälscht haben könnte, erklärte Ulih, daß er frü­her angenommen habe, daß Dialucha selbst der Fälscher sei. Er sei aber jetzt anderer Auffassung geworden und werde im Laufe der Deweisauf- nahme nochmals auf diese Frage zurückkommen. Ulih wies auch ausdrücklich darauf hin, daß der bei der Abfassung der Urkunde verwandte Stem­pel nicht derjenige sei, den er zu verwenden pflegte.

Rach der Vernehmung des Angeklagten wurde in die Beweisaufnahme eingetreten.

Oer Haupibelastungszeuge Hauptmann Cychon vom Generalkommissariat in Danzig erklärte, im Jahre 1925 sei der Rachrichtenabteilung zur Kenntnis gekommen, daß vom Dolksbund ausgestellte Bescheinigungen von deutschen Be­hörden als Pässe angesehen würden. Da die Vermutung bestand, daß dadurch die Hee­re s f l u ch t begünstigt werden könne, seien Schritte unternommen worden, um derartige Be­scheinigungen in die Hand zu bekommen. Zu diesem Zweck seien sowohl beim Deutschen Generalkonsulat in Kattowitz, wie auch beim Deutschen Volksbund 4 Spitzel angestellt worden, die dem Rachrichtendienst Mitteilungen zur Verfügung stellen sollten.

Das gelieferte Material sei photographiert und die Akten sodann wieder zurückgegeben worden.

Alitz fragte den Zeugen, ob die Akten beim photographieren auseinandergenommen worden seien, worauf Hauptmann C y ch o n erklärte, daß es ein Apparat neuester Konstruktion gewesen sei, der es ermöglicht habe, verschiedene Akten auf einmal aufzunehmen. »Das müßte allerdings der neueste Apparat sein", warf Alitz ein, der auch darauf hinwies, daß zwei Dokumente zu­sammen photographiert worden seien, die über­haupt nicht zusammengehörten: die Akten müßten also auseinandergenommen worden sein.

Im weiteren Verlauf seiner Vernehmung sagte der Zeuge C h ch o n aus, daß die Post des Deutschen Dolksbundes immer über das deutsche Generalkonsulat gegangen sei. Alitz bestreitet das mit Entschiedenheit und stellte den Antrag, den Chaufseur Primus, der sich zur Zeit in Bra­silien aufhalt, als Zeugen dafür zu laden, daß d^r Deutsche Dolksbund niemals Postsachen durch Vermittlung des Deutschen Generalkonsulats er­halten habe.

Zeuge C y ch o n bekundete, er habe in Erfah­rung gebracht, daß Alitz mit R e d a k t i o'n s - Mitgliedern der »Kattowitzer Zei­tung" geheime Konferenzen abgehalten hätte. Der Angeklagte Alitz stellte den Antrag, die Redaktionsmitglicder derKattowitzer Zeitung" in diesem Zusammenhang zu fragen, ob es sich bei den Konferenzen um staatsge führ- liche Angelegenheiten gehandelt habe. Seitens der Verteidigung, wie auch seitens des Ange­klagten selbst wurde ferner erklärt, daß diese Konferenzen lediglich den Zweck hatten, die Kattowitzer Zeitung" zu veranlassen, sich auf eine mehr staatsbejahende Politik in bezug auf Polen einzustellen. Der militä­rische Sachverständige bekundete demgegenüber, man sei in polnischen Kreisen hierüber gegen­teiliger Meinrmg gewesen.

Zu Beginn der Nachmittagssitzung kam es zu­nächst zu einer Kontroverse zwischen dem Vorsitzenden, dem Staatsanwalt und der Verteidigung, einmal weil nach Ansicht der Verteidigung der Staatsanwalt eine von dem früheren Sejmmarschall W o l l n y zu machende Aussage vorweggenommen habe, und dann über die Frage, ob Wollny nach seiner Vernehmung der Verhandlung weiter beiwohnen müßte. Diese letztere Frage wurde dahin entschieden, daß ein Bleiben des Zeugen nicht notwendig sei.

Hierauf wurde als erster Entlastungszeuge der frühere

Sejmmarschall Wollny

vernommen. Der Zeuge verneinte die Frage des Vorsitzenden, ob er die Bescheinigung, die Ulitz zugeschoben, seinerzeit vom Sejm aber als nicht echt erkannt wurde, für echt halte. Die Frage des Staatsanwalts, ob er diese Meinung gegen­über einem eventuellen gegenteiligen Gutachten der Sachverständigen aufrecht erhalten werde, b e - j a h te der Zeuge.

Heber die Loyalität des Angeklagten im schle­sischen Sejm befragt, erklärte der Zeuge, daß Ulih immer objektiv gewesen sei.

Bei seinen Entscheidungen habe er sich immer ou: die Rechtsgrundlage gestützt. Auf die Frage eines der beiden militärischen Sachverständigen, ob er wisse, warum Ulitz für das Militärdienstpflichtgesetz gestimmt habe, antwortet der Zeuge, daß er dar­über keine genaue Auskunft geben könne. Er wisse nur, daß der deutsche Sejmabgeordnete Dr. P a n t sich für das Militärdienstpflichtgesetz eingesetzt habe. Als nächster Zeuge wurde dann

Hauptmann Lies

vernommen, der im wesentlichen die Aussagen des am Vormittag vernommenen Hauptmanns C z y - ch o n bestätigte. Neu in seiner Aussage war nur, daß der deutsche Nachrichtendienst nach seinen Feststellungen versucht habe, die als Zeugin geladene frühere Angestellte des Deutschen Volks- dundes Wuzik für seine Zwecke zu beeinflussen. Als diese das ablehnte, habe der deutsche Nachrich­tendienst die Wuzik kompromittiert, indem er ver-

WeitererZündstoff im Fernen Osten

Doch Kampfmaßnahmen?

Paris, 23. Juli. (WD.) Die Agentur Jndo- Pacrfique meldet aus Schanghai, daß die S o w j e t st r e i t k r ä f t e am 19. Juli um 8 Ahr am Siae Suifengho-Fluß, den die ostchinesische Eisenbahn überquert, angegriffen haben. Russische Flugzeuge sollen Suifengho überflogen haben. Außerdem sollen die Sowjets im Dezirk von Wladiwostok alle Männer zwi- chen 17 und 32 Jahren mobilisiert haben.

Die Agentur Jndo-Pacifique meldet aus Pe­king , daß 21 russische Flugzeuge die Stadt L a h a s s u s u in der Gegend von Po» granitschnaya bombardiertt und unter der chinesischen Bevölkerung eine P a n i t hervorge­rufen haben sollen.

Paris, 23. Juli. (WB.) Havas meldet aus P e p i n g , daß in Mukden offiziell angekün-- digt werde, daß 50 000 Mann Rordtrup- pen mit 90 schweren Geschützen in Mandschuli Hinten. Eine weitere Havasmeldung aus Pe- ping berichtet, daß zwei chinesische Han­delsschiffe von einem russischen Kriegsschiff auf dem Amur 30 Kilometer von Dlagowestschensk aufgebracht worden seien.

London, 24. Juli. (WTB. Funkspruch.) Einer Exchangemeldung aus Washington zufolge, hat der amerikanische Generalkonsul in Charbin dem Staatsdepartement mitgeteilt, daß sich unter den Passagieren des chinesischen Handels­chiffesI l l a n", das von den Russen auf dem Amur mit Beschlag belegt worden sei, auch drei Amerikaner befänden. Die Russen hätten versprochen, die Amerikaner rücksichtsvoll zu behandeln. Das Staatsdepartement hat keine Schritte unternommen.

Amerika erbiiiei Deutschlands Unterstützung.

W a s hi n g t o n , 24. Juli. (WTB. Funkspr.) Staatssekretär ©tim f on verständigte gestern die deutsche Botschaft von dem im Inter­esse der Verhütung eines Krieges unternomme­nen Schritte und erbat Deutschlands An - te r st ü h u n g hierbei. Der Staatssekretär sagte, Kellogg habe ihn auf den hervorragenden An- teil der deutschen Regierung bei dem Zustande­kommen des Kelloggpaktes aufmerksam gemacht.

Er habe deshalb alsbald auch die deutsche Regierung um ihre Mithilfe ersucht. Er freue sich, daß nunmehr alle Großmächte an diesem Friedenswerk beteiligt seien.

Massenverhastnngen von Russen in China.

Charbin, 24. Juli. (WTB. Funkspr. Reu­ter meldet: Heber 3 00 Sowjetange st eilte der chinesischen Ostbahn sind unter der Anschul­digung, ihre Landsleute gegen die chinesi­schen Behörden aufgereizt zu ha­ben, verhaftet Worten. 42 andere, darunter 8 Frauen, die in Pogranichnaha angestellt wa­ren. sind ins Gefängnis in Charbin einge­liefert Worten.

Japan sperrt die südmandschurische Zahn. London, 23. Juli. (WD.) Wie Reuter an zu­ständiger Stelle in Tokio erfahren haben will, hat ter Befehlshaber ter japanischen Desatzungs­truppen in ter Mandschurei die südmanschu- rische Eisenbahngesellschaft angewie­sen, den Transport chinesischer Trup­pen und Munition abzulehnen und keine bewaffneten chinesischen Truppen ohne Ge­nehmigung ter örtlichen japanischen Komman­danten durch die Eisenbahnzone passieren zu lassen.

Briand gab nur Ratschläge zur Mäßigung.

Paris, 23. Juli. (WTB.) Zu dem Telegramm, daß die Sowjetregierung die Vermitt­lung Frankreichs im chinesisch - russischen Streitfall a b g e l e h n t habe, wird in einer halb­amtlichen Erklärung des Außenministeriums festge­stellt, daß diese Nachricht den tatsächlichen Ereig­nissen nicht entspreche. Briand habe nicht vermittelt, sondern den Vertretern der beiden in Frage kommenden Ländern nur Ratschläge zur Mäßigung erteilt und dabei hervorge­hoben, daß jede militärische Handlung den inter­nationalen Verpflichtungen zuwiderlaufen würde, die die Länder untereinander verbinde, insbesondere dem Kelloggpakt.

Ger Sieg derBremen".

3m Besitze desBlauen Bandes" des Ozeans.

Hindenburgs Glückwunsch.

'Berlin, 23. Juli. (WTB.) Der Rord- deutsche Lloyd hat an den Herrn Reichs­präsidenten folgendes Telegramm gerichtet: Eurer Exzellenz habe ich die Ehre zu melden, daß nach hier vorliegenden Kabelnachrichten Eurer Exzellenz Patenschiff Llvydschnelldampfer Bremen" auf ter ersten Reise die Strecke Cherbourg-Ambrose Feuerschiff in vier Tagen 18 Stunden zurückgelegt und sich auch sonst in jeder Beziehung bewährt hat.

gez.: Stimming."

Der Herr Reichspräsident hat hierauf wie folgt geantwortet:Dem Rordteutschen Lloyd spreche ich zu dem schönen Erfolg, den sein neuer SchnelldampferBremen" errungen hat, meine herzlich st en Glückwünsche aus. In un­serem schweren Kampf um die Wiedererlangung der Gleichberechtigung in Weltwirt­schaft und Seeverkehr ist die Leistung, die Sie durch die Schaffung dieses Schiffes er­zielt haben, ein be s anderer Schritt vor­wärts.

gez.: v. Hindenburg, Reichspräsident."

Bremens Stolz und Glückwunsch.

Bremen, 23. Juli. (WB.) Anläßlich ter An­kunft des LloyddampfersBremen" in Reuhork hat der Senat folgende Schreiben gesandt:

An die Deutsche Schiffs- und Wa­sch i n e n b a u - A.-G.: Im Besitze des Blau­en Bandes" ist der LloyddampferB r e - m e n nach glücklicher Fahrt in Reuyork ein­getroffen. Er hat die Hoffnungen und Erwar­tungen, die an ihn geknüpft waren, erfüllt. Daß dieses stolze Schiff, das Bremens Ramen von neuem durch das Weltmeer trägt, seine welt­wirtschaftliche Mittlertätigkeit aufzeigt und a u f einer bremischen Werft aus bremi­schem Gei st und bremische m Gewerbe­fleiß entstanden ist, erfüllt unsere Brust mit hoher Genugtuung. Der Deutschen Schiffs- und Maschinenbau-A.-G. zu diesem hervorragenden Werke die aufrichtigsten Glückwünsche auszu­sprechen ist dem Senat ein herzliches Bedürfnis. Der Senat der Freien Hansestadt Bremen.

(gez.) D oe me r s.

An den Norddeutschen Lloyd: In glück­licher Fahrt hat dieBremen" auf ihrer ersten Ausreise Neuyork erreicht und dasBlaue Band" erworben. Bei diesem freudigen An­laß ist es dem Senat ein Bedürfnis, dem Nord­deutschen Lloyd, im Rückblick auf zehn Jahre des Wiederaufbaues seiner Flotte, die h e r z l i ch st e n Glückwünsche auszusprechen. Gewaltig und

schwer stand nach dem Zusammenbruch des Vater­landes die Aufgabe des Aufbaues vor dem Nord­deutschen Lloyd und fern schien das Ziel. Uner­schütterlich im Glauben an Bremens Zukunft und beseelt von tatkräftigem Mut ist der Norddeutsche Lloyd an diese Arbeit ge­gangen. Ein Ziel ist erreicht. Möge die erste Fahrt der Bremen das glückhafte Symbol sein für die Zukunft des Norddeutschen Lloyds und für unsere Vaterstadt Bremen. Der Senat der Freien Hansestadt Bremen.

Glückwünsche Ghurmans.

Freudenstadt, 23Juli. (WB.) Der hier zur Erholung weilende amerikanische Botschafter in Berlin, S h u r m a n , sandte an den Norddeut­schen Lloyd ein Glückwunschtelegramm, worin er der Freude über die siegreiche Rekord­fahrt derBremen" Ausdruck gibt und die auf« richtigsten und herzlich st en Glück­wünsche ausspricht mit dem Hinzufügen, daß die Fahrt derBremen" Deutschland und Ame­rika einander nähergebracht habe.

Die Cnnard-Linie gratuliert.

London, 23. Juli. (WTB.) Die Cunard- Linie in Liverpool, ter ter bisher schnellste PassagierdampferMauretania" gehört, hat an den Norddeutschen Lloyd in Bremen folgendes Telegramm gesandt:Herzliche Glück­wünsche zur glänzenden Leistung Ihres wunderbaren Dampfers."

Die Taufe des Postflugzeuges derBremen".

Reuhork, 23. Juli. (WD.) Unter großer Beteiligung vollzog heute Bürgermeister Wal­ker auf dem Sonnendeck des Lloyd-Dampfers die Taufe des Postflugzeuges der Bremen" auf den RamenReuyork''. An­ter den Anwesenden befand sich auch General­konsul Lewinski. Dem Taufakt ging ein Früh­stück zu Ehren des Bürgermeisters vorauf, wo­bei Präsident Heineken ter Stadt Reuyork für den großartigen Empfang derBremen" dankte und das Glückwunschtelegramm des ameri­kanischen Botschafters in Berlin Shurmann verlas. Bürgermeister Walker führte diese Ge­dankengänge in seiner anschließenden Ansprache weiter -aus. Heute fand auch die erste öffent­liche Besichtigung terBremen" statt, zu ter die städtischen Behörden, die Handelskreise und die Presse geladen waren.

breitet habe, daß sie sowohl für den polnischen, wie für den deutschen Nachrichtendienst arbeite.

Im weiteren Verlauf ter Rachmittagsverhand- lung wurden die

Belastungszeugen pielawski und Wuzik vernommen, die beide jedoch zugeben mußten, daß sie die Alitz zur Last gelegte Bescheini­gung niemals im Volksbunde ge­sehen haben und auch nicht sagen können, daß Alitz eine solche ausgestellt habe. In der weiteren Verhandlung ergab sich schließlich, daß der Zeuge P i e l a w s k i wegen Arkuntenfäl» schung vorbestraft ist. Er hatte seine Schulzeit um zwei Gymnasialjahre erhöht, um auf diese Weise in den Offi^ersdienst eintreten zu können. Auf Grund der 'Verurteilung wurde er jedoch zum Unteroffizier degradiert. Der Angeklagte Alitz stellte fest, daher einen Mann, ter bereits einmal wegen Arkuntenfälschung verurteilt fei, nicht für glaubwürdig halten könne.

Die darauf vernommene Zeugin Wuzik bc» fluntete, daß sie die Alitz Kur Last gelegten Descheinigungen niemals gesehen und der­artige Bescheinigungen nie herausgegeben habe. Sie habe nur im Bureau des Volksbuntes von der Existenz derartiger Bescheinigungen ge­hört. Daß Alitz selbst solche herausgegeben habe, Vnne sie nicht behaupten. Aus der weiteren Vernehmung ergab sich, daß die Zeugin über die innere Organisation des Volksbundes über­haupt nicht im Klaren war, da sie den Unter» schied zwischen ter Bezirksvereinigung Kattowitz des Deutschen Volksbuntes und ter Zentrallei» tung nicht kannte. Pielawski will sie keine Brief­bogen mit Ausdruck gegeben haben, obwohl der­artige Bogen ohne große Schwierigkeiten zu er­langen gewesen wären.

Die letzte Zeugin des ersten Derhandlungs- tages, Hedwig Knebel, eine frühere An­gestellte des deutschen Generalkonsulats, sagte aus, daß vielfach Personen sich im Generalkonsu­

lat dnfantert und erklärten, sie seien deutsch gesinnt, aber in Polen militärpflich- t i g und möchten, um der Militärpflicht nicht ge­nügen zu müssen, nach Deutschland. Man habe ihnen dann geraten, sich an den Deutschen Volks­bund zu wenden, wo sie toeifer beraten werden würden. Weiter habe man ihnen vorgeschlagen, sich in Deutschland Wohnung und Arbeit zu ver­schaffen, wozu ihnen der Deutsche Volksbund ebenfalls behilflich sein werde. Weiteres We­sentliche wußte die Zeugin nicht auszusagen.

Die Verhandlung wurde dann auf morgen vor­mittag V-9 Ahr vertagt.

Das Befinden des Reichskanzlers.

Heidelbe rg, 23. Juli. (WB.) Rach unseren neuesten Erkundigungen von 7 Ahr abends ist das Befinden des Reichskanzlers zufriedenstel­lend. Die Temperatur des Patienten ist etwas zurückgegange n.

P a ri s, 23. -Juli. (WB.) Havas meldet aus Berlin, daß der französische Botschafter, te Mar. gerie, sich heute im Ramen des Außenministers Briand nach dem Befinden des Reichskanzlers Müller erkundigt habe.

Die Amerikafahrt desGraf Zeppelin".

Die letzten Vorbereitungen.

Friedrichshafen, 23. Juli. (WTB.) Das LuftschiffGras Zeppelin", das nach einer Ankündigung Dr. Eckeners am 1. oder 2. August nach Amerika starten wird und dann die große Reise um die Welt unter­nimmt, wird jetzt fafjrtbereit gemacht. Augenblicklich werden nach dem befriedigenden Ergebnis der Probeläufe mit den neuen Kupp­lungen die Motoren wieder eingebaut In den nächsten Tagen wird das Luftschiff zu einer Werkstättenfahrt über den Boden­see aufsteigen.

Moorbrand in Oldenburg.

Eine Torfstreufabrik und 8 Arbeiterhäuser cingeäschert.

Emden, 24. Juli. (WTB. Funkspruch.) Ge­stern nachmittag gegen 2 Ahr geriet das Jp- weger Moor nördlich von Oldenburg in Brand. Infolge des heftigen Westwindes verbreitete sich das Feuer mit großer Schnelligkeit und hatte gegen 5 Ahr die große Torfstreufabrik Strück­hausen erreicht. Die Fabrik wurde mit sämt­lichen Maschinen und sämtlichen Torf beständen! ein Raub ter Flammen. Im letzten Augenblick gelang es noch, einige mit geretteten Möbeln beladene Wagen aus ter Gefahrenzone zu ent­fernen.

Inzwischen war das Feuer auf einer Breite von 300 bis 500 Meter vier Kilometer vorgerückt und hatte den Eisenbahn- dämm Oldenburg Brake erreicht. Sämt­liche Feuerwehren der Umgebung waren schon nach­mittags alarmiert worden, konnten jedoch wenig ausrichten, da fast fein Wasser vorhanden war und das Feuer in den trockenen Torf- beständen immer neue Nahrung fand. Nachmittags gegen 5 Uhr wurden alle Reserven der Oldenburger Ordnungspolizei und zwei Kom­pagnien der Reichswehr eingesetzt. Erst nachdem Gräben aufgelegt worden waren, bekam man Ge­walt über das Feuer.

Außer ter Torfstreufabrik sind 8 Arbeiter­häuser niedergebrannt. 70 bis 80 Leute sind obdachlos geworden. Sie haben die Rächt zum Teil im Freien verbracht. Das Feuer dau­erte in den späten Abendstunden noch an. Es war einige Kilometer weit zu sehen. Das Bahn­gleis OldenburgBrake toat an beiden Seiten von Feuer umgeben, so daß der Rachtzug Drake- Oldenburg umgeleitet werden mußte. Der ent­standene Schaden ist vorläufig noch nicht zu über­sehen.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Das Hochdruckgebiet hat sich erheblich abge­schwächt, während die skandinavische Störung sich vertieft hat und somit Einfluß auf unsere Wet­terlage gewinnt. Auf ihrer Rückseite werten kühle ozeanische Luftmassen bis in unseren Be­zirk vorgeschoben, die unbeständiges, wechselnd wolkiges Wetter verursachen. Die vorgelager­ten kontinentalen Marmluftmassen werten etwas verdrängt, wobei noch vereinzelt Regenschauer, teils gcwitterhafter Art, auftreten. Die Tem­peraturen erfahren einen geringen Rückgang.

Wettervoraussage für Donners­tag: Meist wolkiges Wetter, späterhin zeit­weise wieder aufheiternd, etwas kühler, ver­einzelte Regenfälle.

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