Ausgabe 
23.1.1929
 
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Nr. 19 Steifes Blatt

Mittwoch, 25. Januar 1929

Eietzener Anzeiger (General-Anzeiger für (Vberheffen)

Zum Zusammeniriit des Reichstages.

Don D. Dr. Dr. Zoh. Bredt, o. ö. Professor der Rechte an der Universität Marburg, M. d. X

Noch selten ist der Reichstag unter so schwie­rigen Umständen zusammengetreten wie dieses Mal. Die Weihnachtsferien haben lange ge­dauert, in erster Linie deswegen, weil wenig Deratungsstofs vorhanden war. Unterdessen ha­ben sich eine Menge von kleinen Vorlagen ange- sammeit, die jetzt die ersten Sitzungen füllen werden. Dann kommen die großen Sachen an die Reihe, die jetzt im Mittelpunkt des Inter­esses stehen.

Der Reparationsagent Parker Gilbert hat durch seinen letzten Bericht unsere Lage gegen­über den Gläudigerstaaten außerordentlich ver­schlechtert. Seine Folgerung, daß Deutschland in der Lage sei, die gewaltigen Daweslasten zu tragen, bereitet unserer Außenpolitik die größten Schwierig.« .ten und unsere deutschen Devollmäch- tiglen werden große Mühe haben, diese Stellen des Berichts zu widerlegen. Auch der weitere Gedanke einer sogenannten Kommerzialisierung dec Reparationsschu^d führt zu den größten Be­denken. Wird die bisherige politische, nur von Staat zu Staat beruhende Schuld gewisser­maßen börsenfähig gemacht, dann ist sie unabänderlich. Wir müssen daher mit der allergrößten Borjicht an solche Pläne Heran­gehen. Wenn vollends eine Aufhebung des Transferschuhes ernstlich erwogen werden sollte, dann können wir diesem Plane nur ein entschiedenes Rein entgrgrnste.l-en. Gerade darum ist auch der Gedanker der Kommerzialisierung so gefährlich, weil er die Aufhebung des Transfer­schutzes aus rein finanztechnischen Erwägungen heraus nahelegt.

Ob der Reichstag schon bald in die Lage kom­men wird, sich m.t diesen Problemen im Plenum zu besagen, steht noch dahin. Sicherlich muß der Auswärtige Ausschuß bald zu- sammentrelen und ebenso der kleine ReparationS- ausschuß, der aus mehreren Ministern und eini­gen Abgeordneten besteht. Für das Plenum ist aber wohl eine Interpellation zu erwarten, die Gelegenheit zu einer größeren Aussprache gibt.

Bei allen diesen Fragen wird sich eine außenpolitische Einheitsfront Her­ausstellen, wie sie wohl noch selten bestanden hat. In allen Kreisen und Parteien ist man sich einig darüber, daß jetzt in der Frage der Re­vision des Dawesplanes ein ganz entschiedener Standpunkt eingenommen werden muß, und daß nicht weiter nachgegeben werden darf, als sich für alle Zeiten ernstlich verantworten läßt.

Reben dieser Frage gibt eS aber noch eine andere, die zu weitgehenden Meinungsverschieden­heiten führen wird: die Balancierung des Etatsfür 192 9. Im Hausha.tsausschuß wird schon seit einiger Zeit der Rachtragsetat für 1928 beraten, der einige unliebsame ülebercaschun- gen gebracht hat. Der Etat für 1929 ist noch nicht ganz fertiggestellt, wird aber wohl dem Reichs­tage bald nach seinem Zusammentritt zugehen. Dann werden sich Fragen ergeben, bet denen die Ansichten sehr weit auSeinandergehen. Unser Reichsetat zeigt eine immer steigende Ten­denz. Zeigte der erste Etat unter der Renten­mark 1924 in Einnahme und Ausgabe eine Summe von je rund sechs Milliarden, so sind wir heute nicht mehr weit entfernt von einer Verdoppelung dieser Summen. Die Steuer- l a st c n haben eine kaum noch tragbare Höhe erreicht und immer lauter werden die Stimmen, die unbedingt eine Herabsetzung der Lasten ver­langen. Run bringt der neue Etat wiederum erheblich steigende Lasten und ein bisher un­gedecktes Defizit von 603 Millionen Mark.

Es wird nun die große Frage austauchen, wie­weit man den Massenkonsum belasten und wieweit man den Besitz wiederum heranziehen will. Hier werden große Kämpfe entbrennen, weil hier die Interessengegensätze sich in voller Schärfe geltend machen. Die Frage hat aber nicht nur für die unmittelbar Betroffenen, son­dern auch für die gesamte Wirtschaft ein großes

Gong.

Don Peter Klamm.

i.

Detth hat Geburtstag. Drei Räume ihrer Wohnung stehn voll Menschen. Boll Kuchen, Tee und Brötchen. Schauspieler, Schauspielerin­nen, Dramaturgen, Dichter, Kritiker, Verleger. Da haben sie Blumen in Händen (Feuerlilien und Rosen) und Wünsche im Herzen (wir wollen öfter hier eingeladen sein, der Kuchen ist gut, die Frau noch besser, der Boden für Anknüpfung, Abknüpfung, Fortkommen, Rah kommen am be­sten). Wahrhaftig, diese Betty, moderne Rome, knüpft und wirrt lachrnd, gut und kräftig die Fäden durcheinander: es ist gut. daß sie geboren ist, gut, daß sie lebt, damit auch andere leben.

II.

Ramen, Ramen, alles Ramcn. Auch ein Ad­miral ist dabei: es soll der Dichter mit den Exzellenzen geh'n.

Blumen, Blumen, alles Blumen. Da ftdjn sie in Töpfen, in Wannen, Gläsern und Schalen. Da ist nun ein betörender Duft von Pflanzen­grün, Dlütenrot zwischen braunem Kaffee, Ku­chen, Parfüm, Zigaretten, Zigarren. Wenn sie weggegangen, die Menschen, wird Betty allein zwischen allen Blumen steh'n und allen leeren Schüsseln. Und nichts mehr wissen. Die Schalen leer, ihr Hirn leer, alles, lind nur schlafen, well man müde ist und am liebsten, weinen möchte, müde aller Blumen, aller Gespräche, aller Liebe, aller Intrigue. Müde, müde, müde.

IV.

Zwei Tage sind vergangen, Betty sitzt mit einem Redakteur und seiner sechzehnjährigen Tochter beim Tee. Walter ist klug, hat gute braune forschende Augen, Rase in einer Linie zur Stirn: ein Freund, gut. Auch der Admiral: denn ja, nun klingelt es, und herein kommt er, lächelnd, voll Üleberraschung, ein ungeheures Paket auf den Armen. Blumen? Wan vergißt, welche von wem. Aber dies? Ülnvergehbar.

Was denn? Ein Gong? 2a, ein Gong. Ein kleiner Tischgong? Rein, ein ganz großer, einer für Riesen, wenn sie sich die Rase schnauben, und niemand soll es hören.

Interesse. Es kommt für uns heute hauptsäch­lich darauf an, daß wir in Deutschland wieder kapitalkräftig werden. Der Aufbau un­serer Wirtschaft nach dem Kriege ist in erster Linie mit auswärtigem Kapital bewerkstelligt worden. Wollen wir aber das eigene Kapital wieder stärken und verwendbar machen, bann darf unter keinen ilmftänben die Bildung von Ka­pital durch übermäßige Steuern abgedrosselt wer­den. Kapital wird erspart und der Sparsinn hat im deutschen Volke einen starken Stoß erlit­ten durch die Inflation. Wird nun jetzt durch neue übermäßige Steuern das wenige ersparte Kapital wiederum in seinem Ertrage durch Steuern zum Teil konfisziert, dann besteht ine große Gefahr, daß wir niemals auf genü­gendes inländisches Kapital werden zurückgreifen können. Diese Frage wird vermutlich die Par­teien in erheblichem Maße beschäftigen.

Reben dieser Frage der Deckung des Defizits steht die weitere Frage der fogcnannten Steuervereinheitlichung. Die Grund­steuer und die Gewerbesteuer sollen in neue Ge­setzesbestimmungen gefaßt und damit vereinfacht werden. Auch ba5 wird nicht ohne große Kämpfe abgehen, denn hinter der Vereinheitlichung wird sich der Gedanke der Erhöhung selbstverständlich in irgendeiner Weise verbergen. Vermutlich wer­den diese Gesetzentwürse das Plenum bald be­schäftigen, damit fie dem Ausschuß überwiesen werden können.

Run kommt bei alledem hinzu, daß wir noch gar keine feste Regierung haben. Die heute in der Regierung befindlichen Parteien bezeichnen sich als Regierungsgemeinschaft, aber

nicht als Koalition. Diese soll erst in der kom­menden Session geschaffen werden. Selbstverständ­lich wird sich das nicht durchführen lassen, ohne eine gewisse Verteilung der Ministerposten und auch das wieder wird vermutlich Schwierigkeiten bereiten. Es kann hier nicht die Aufgabe fein, das Für und Wider solcher Koalitionsverhand­lungen zu erörtern. Es kann hier nur dem Be­dauern Ausdruck gegeben werden, daß gerade in dieser so schweren Zeit der Reichstag in seinen Arbeiten gehemmt wird durch das Fehlen einer festen Regierung. Die Koalitionsverhand­lungen werden selbstverständlich ein glattes Ar­beiten verzögern, weil erst die nötigen Unter­lagen geschaffen werden müssen, ehe in die sach­lichen Verhandlungen eingetreten werden kann.

Es ist also im ganzen kein erfreuliches Bild, das wir sehen, und wir haben alle Ur­sache. mit Sorgen in die kommenden Zeiten zu sehen. Es ist hoch bedauerlich, daß es überhaupt zu solcher Zuspitzung der Lage kommen mutzte, denn im Grunde konnte man das alles kommen sehen, was uns jetzt Sorge macht. Unsere Fi- nanzwirlschast im Innern ist zweifellos über­spannt worden, und wir haben heute unter einem zu großen Optimismus zu leiden. Wir selbst haben uns in immer größere Ausgaben hineingesteigert, ohne an die Frage der end­lichen Deckung zu denken. Unsere Gegner aber haben wiederum daraus die Folgerung einer Zahlungsfähigkeit Deutschlands gezogen. So stehen wir heute vor Problemen der äußeren und der inneren Politik, die beide gleich schwer sind. Es ist daher keine leichte Bürde, die der Reichs­tag jetzt zu tragen hat.

Oie Krisis der Heilsarmee.

William Booth und sein Werk - Ein verbureaukraiisieries Geschästsuniemehmen. Los von England. Die Emanzipation der Amerikaner.

DerKöln. Zeitung" wird aus London berichtet:

Die Heilsarmee ist ein angelsächsisches Erzeugnis. Ohne Kenntnis der angelsächsischen Denkweise und Weltanschauung wird man ihr Wesen schwer ver­stehen. Die Heilsarmee wird in den englisch spre­chenden Ländern als eine feststehende Ein- richtung angesehen, die ebenso da ist wie der Trafalgar Square oder die Fisih Avenue. Dor fast einem Dierteljahrhundert hat sich Shaw mit ihr in seinem DramaMajorin Barbara" beschäftigt, und wenn man vor allem das umfangreiche Vor­wort Shaws nachliest, kann man feftstellen, daß er, der sich sonst so leicht keine Gelegenheit zum Spott entgehen läßt, seine Kritik durchaus ernst hält. Die Wurzeln der Heilsarmee liegen in dem stark aus­geprägten Sinn der Engländer für Wohltätig- feit, der ursprünglich auf der den Puritanern hei­ligen neuteftamentlichen Lehre der Nächstenliebe be­ruht und der durch das Fehlen einer den wirklichen Dedürsnissen entsprechenden staatlichen Ar­menpflege bis heute erhalten blieb. Die engli­schen Hospitäler werden z. B. noch heute fast aus- schließlich von privaten Unterstützungen erhalten. Zum andern verdankt die Heilsarmee ihren Erfolg einer militärischen Organisation mit entsprechender Rangstufung, zu der sich eine geschickte Ge- chäftsführung gesellt. In England und be- onders in Amerika, wo das Sektenwesen tets in Blüte stand, war man schnell bereit, die Heilsarmee ä la suite der bestehenden Religions­gesellschaften zu setzen. Das ganze Drum und Dran ging natürlich vielen gegen den Strich, aber man nahm es in Kauf, wie man in diesen Ländern jede Art Reklame für gut hält, die zum Erfolg führt und nicht gegen das Strafgesetz verstößt. Shaw sagte damals der Heilsarmee ihr Schicksal voraus. Sie baue, schrieb er, einen Geschäftsbetrieb auf, der dahin führen müsse, daß die enthusiastischen Kom­mandeure von einer Bureaukratie von Geschäfts­leuten abgelöft würden, die nicht besser sein wür­den als die Bischöfe der Kirche von England und noch ein gutes Teil weniger skrupellos. Die Heils­armee sei noch mehr als die englische Kirche von reichen Leuten abhängig, und diese wür-

den ihr sofort die Gelder sperren, wenn sie etwa einen Aufstand gegen die Reichen predigen wollte. Shaw hat Damit das angedeutet, was der Heilsarmee tatsächlich erhebliche Gelder einbrachte und noch einbringt. Aus dem Gefühl heraus, daß ihre Mitglieder, um es einmal drastisch auszudrücken, in die Armut geradezu verliebt seien, befürchten Geldgeber wie Rockefeller, der noch gestern der Heilsarmee eine Stiftung von einer Mil­lion Dollar machte, von dieser Organisation keine Aufreizung zu sozialen Kämpfen.

Am 10. April werden es hundert Jahre her fein, feit William Sooft), der Gründer der Heils­armee, geboren wurde. Sie war ganz sein Werk. Weil er ein Autokrat war und dem feinen Erfolg verdankte, glaubte er die Einrichtung der Einzel- führerschaft auch für die Zukunft beibehalten zu sol­len. Er legte sie deshalb satzungsmäßig fest. Die Macht des Generals ist ganz außerordentlich. Sein stärkstes Machtmittel ist das alleinige Der- fügungsrecht über das riesige Der­rn ö g e n der Heilsarmee. Er ist der eigent­liche Herr der vielen Heime, Schulen, Kranken­häuser, Fabriken, Banken, Dersicherungsgesellschaf» ten, Farmen usw., die im Laufe der Jahre aus die- ser merkwürdigen Einrichtung entstanden sind und insgesamt ein Vermögen von etwa 400 Millionen Mark darstellen sollen. Wie Shaw es richtig vor- ausaesagt hat, ist die Heilsarmee infolge aller die­ser Unternehmungen heute völlig oerbureau- frati fiert. Don dem Schwung, der trotz allem in dem 1890 geführten großen Werbcfeldzug des alten Booth durch England lag, nachdem er das Land durch sein nach Stanleys Werk ,Im dunkel­sten Afrika" benanntes BuchIm dunkelsten Eng­land und der Ausweg" aufgerüttelt hatte, ist heute nur noch wenig zu spüren. Mit den riesigen Geld­summen, die ihm damals zuflossen, konnte William Booth sein Werk im größten Maßstab ausbauen. Die Heilsarmee ist heute im Grunde nur noch ein Unternehmen. Daß es gedeiht, liegt vor allem an der guten Organisation und einer geschickten Verwaltung. Die Zahl der sogenannten Offiziere und der Angestellten beträgt über 135 000. Gegen­über Auslassungen in der Presse über hohe G e -

Betty macht ein Gesicht wie ein verwundetes Reh.

Sie müssen dagegen schlagen." sagt der Ad- miral:So!"

Um Gottes willen." erschrickt Betty, aber schon ist das Mädchen da und Bettys Mann aber es ist nichts, sie können alle wieder ruhig an ihre Arbeit geh'n, es ist ein wunderschönes Geschenk, vielen Dank.

V.

Er hat wohl an sein Kriegsschiff gedacht." sagt Walter endlich weinerlich nach einer Pause der Erstarrung, lange nachdem jener sich wieder verabschiedet.

Und nun sitzen drei Menschen schweigend und beklommen, ab und zu nur klirren gläsern die Löffel durch die beengende Stille.

VI.

Ich habe einen Einfall," sagt endlich Walter, auf feiner schrägen Stirn zeichnet sich rittlings eine große blaue Ader.

Hoffentlich keinen ähnlichen wie die Exzel­lenz," fürchtet Detth, aber Walter, ohne sich irren zu lassen, sagt angestrengt:

Wir müssen herausbekommen, wo er es ge­kauft hat, man könnte es dann vielleicht Um­tauschen. Sie rufen Exzellenz an, sagen, meine Tochter sei so begeistert von dem aparten Klang, daß Sie ihr gern auch so ein Angebinde schen­ken möchten. Wo man es kaufen kann?"

Hurrah!"

VII.

Detth hängt jubelnd schon am Telephon.

Die Susi? Mag so ein Ding? Er wird schon machen."

Wie?

Abgehängt.

VIII.

Wie Walter nach Hause kommt, beklommen und aber Susi hat schon fieberhaft die Strip­pen gelöst und paukt und hämmert hier UeberfaH!

IX.

Seitdem ist Feindschaft. Zwischen Walter und Detth.

Aber Exzellenz strahlt.

X.

Wie leicht es doch ist, Freude zu schaffens

Vom Algol.

Don Professor Dr. Küstermann.

Nachdruck verboten.

Dem flüchtigen Dlick erscheint abgesehen von Helligkeitsunterschieden ein Stern wie der andere. Aber schon ein klein wenig Beobachtung zeigt, daß die Sterne in Wirklichkeit gar ver­schieden aussehen. Richt nur ändert sich ihr An­blick mit dem Wetter, und nicht nur erscheinen alle Sterne, die in der Rähe des Horizontes stehen, in mehr oder weniger rötlichem Licht, wie dies ja von der Sonne allgemein bekannt ist, sondern die Sterne -eigen auch untereinander Unterschiede, beispielsweise in ihrer Farbe und auch darin, daß manche von ihnen veränderlich sind.

Einer der allermerkwürdigsten Gesellen ist der Stern, von dem wir hier sprechen wollen, näm­lich der Algol, zu DeutschTcufelsstern", im Sternbild des Perseus. Man findet ihn leicht auf folgende Weise: Man denke sich die fünf Hauptsteme der Kassiopeia zu einem W ver­bunden und lege durch den 5., 3. und 2. Stern deS W einen Bogen. Verlängert man diesen, so kommt man über den Bogen des Perseus, der etwa doppelt so groß ist wie das Sternbild der Kassiopeia, zu den leicht erkennbaren Sternhaufen der Plejaden. Etwas rechts von der Mitte des Perseusbogens stehen nun einige Sterne, deren hellster eben der Algol ist.

Für gewöhnlich ist dieser Algol ungefähr so hell wie die hellsten Sterne des Perseus, mit­unter aber erreicht sein Glanz nur den der schwächeren Sterne dieses Sternbildes. Beobach­tet man diesen Helligkeitswechsel genauer, so kann man feftftelfen, dah der Rückgang alle 68/* Stunden eintritt. In einem Monat kön­nen durchschnittlich etwa 3 dieser Vorgänge am Abend wahrgenommen werden, so beispielsweise im Januar dieses Jahres am 18. vor Mitter­nacht, am 21. um 20/*, am 24. um 17Vs älhr und im Februar am 10. um 22Ve Uhr und am 13. um 19V* Uhr. Das Rachlassen der Helligkeit ist vollkommen gleichmäßig-, etwa 3>/r Stunden lang wird das Licht des Sterne- schwächer und schwächer, und genau ebensolange dauert die Aufhellung.

h ä 11 e r bei den Offizieren der Heilsarmee wird mitgeteilt, daß in England ein Comissioner zwischen 140 und 160 Mark die Woche verdient und, wie auch jeder andere Offizier der Heilsarmee, eine freie Wohnung hat. Ein Oberst bekommt 80 Mark in der Woche und eine ,Lriegszulage" von nicht aanz 20 Mark. Ein Feldleutnant, Der den untersten Offi­ziersrang bekleidet, erhält 31,50 Mark in der Woche. In anderen Ländern sollen die Gehälter ziemlich ähnlich fein.

Die Heilsarmee, die im vorigen August 50 Jahre bestand, ist ein Erzeugnis ihrer Zeit. Heute, wo in fast allen Ländern außer Amerika eine mehr oder weniger ausgebaute Sozialversicherung besteht, wo die Hilfe für diejenige Armut, die die Heilsarmee erfaßt, meist in den Verwaltungsbereich des Staa­tes fällt, kann diese Einrichtung naturgemäß nicht mehr die Rolle spielen, die sie unzweifelhaft noch vor 25 Jahren gespielt hat. Auch in England hat sich die Heilsarmee überlebt. Die Zahlen in den Bilanzen, die von Jahr zu Jahr größer werden, können darüber nicht hinwegtäufchen.

Das Schwergewicht der Heilsarmee liegt zurzeit in Amerika. Ihr amerikanischer Zweig ist bei weitem der reichste. Sie hat dort seit dem Krieg fast dreißig Millionen Mark für wohltätige Zwecke ausgegeben. Jeder Staat in den Vereinigten Staa­ten besitzt eine eigene Organisation der Heilsarmee in Form einer Aktiengesellschaft, deren Vorsitzender der Kommandeur des amerikanischen Gesamtzweigs, und deren gesetzlich vorgeschriebener Sekretär der Staatsorganisation der Armee ist. Diese Sekretäre sind nur Inhaber Der für ihren Posten vorgefchrie- benen Zahl von Aktien. Alle andern Aktien find in Neuyork eingeschrieben auf den Namen des inter­nationalen Hauptes Der Armee, des Generals ® r a m mell Booth. Die Gefamtverwaltung Des Vermögens liegt in ßonDon, von wo aus jeDes unD alles, was in Der Heilsarmee getan wer­den soll, bestimmt wird. Dieses System mußte auf die Dauer bei Den Amerikanern eine gewisse Un- zufrieDenheit Hervorrufen. Die KommanDeurin in Amerika, Eoangeline Booth, eine Tochter Des GrünDers der Armee, besitzt Die amerikanische Staatsangehörigkeit, was ihrem BruDer und seiner Gruppe in ßonDon mißfiel, und ist eine volkstüm­liche Erscheinung in Amerika. Da sie mit ihrem Bruder, dem General der Heilsarmee, und mit dessen Frau auf gespanntem Fuß lebt, stellte sie sich an Die Spitze Der Bewegung, Die eine demo­kratische Verfassung Der Armee verlangt und Damit dem amerikanischen Zweig eine größere Selbständigkeit erringen will. Die Zeit Drängte, weil Der 72jährige General sehr krank ist unD Die Wahrscheinlichkeit oorliegt, daß er feine Frau testamentarisch zu feinem Nachfolger als General Der Heilsarmee bestimmt hat. Der Hol-e Rat der Armee, der in Sunbury an Der Themse tagte, hat sich auf Die Seite Der Amerikaner gestellt, unD in einer Entschließung Dem General nafjegelegt, von seinem Poften zurückzutreten. Nachdem sich Der General gemeigtert hat, dieser Aufforderung zu folgen, ist eine Spaltung innerhalb der Armee sehr wahrscheinlich, da die Amerikaner fest entschlossen sind, ihre Unabhängigkeit zu erwirken.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Dießen, den 23. Januar 1929.

Daten für Donnerstag. 24. Januar.

41 n. Ehr.: Caligula, römischer Kaiser, in Rom gestorben; 76 n. Ehr.: Hadrianu» Publius Melius, römischer Kaiser, in Rom geboren; 1712: Fried­rich der Große in Berlin geboren; 1776: der Dichter E. Th. A. Hoffmann in Königsberg geboren; 1798: Der Dichter Karl von Holtet in Breslau geboren.

-HubertuS". Verein weidgerech­ter Jäger. Sih Gießen. Am Sonntag hielt der Verein unter Leitung des 2. Vorsitzen­den. Dr. v. Bentheim, feine Iahreshaupt- versammlung ab. Bei Eintritt in die Tagesord­nung gedachte der Vorsitzende der verstorbenen Mitglieder, Bauunternehmer Deibel, Aniv.- Forstgartenverwalter Dörmer und Forstrat Mettenheimer und erstattete alsdann den von dem erkrankten 1. Vorsitzenden verfaßten

Schon lange vermutete man, daß der Grund der Vorübergang eines dunklen Begleiters sei, also ein ähnlicher Vorgang wie eine Sonnen­finsternis. Kein anderer Vorgang weift nämlich eine solche Regelmäßigkeit auf wie die Bewe­gungsvorgänge. Allerdings erschien es ausfallend, daß ein so gewaltiger Himmelskörper, wie es dieser Begleitstern ganz unbedingt sein muhte, einen so schnellen Umlauf ausführen sollte, denn der schnellste Begleiter der Sonne, der Merkur, braucht zu seinem Umlauf 88 Tage, und selbst ein so winziges Himmelskörperchen wie unser Erd­mond benötigt dazu immerhin 27i/s Tag. Tat­sächlich wissen wir aber nun mit unbedingter Sicherheit, daß die Vermutung richtig war; der Beweis ist dadurch erbracht, dah im Lichte des Algol gewisse regelmäßige Veränderungen vor sich gehen, die dem Höher- und Tieferwerden des Tones bei Annäherung oder Entfernung einer Tonquelle entsprechen. Der Algol nähert sich uns und entfernt sich von uns regelmäßig alle 68'* St"nden. und dies ist nach unseren physikalischen Gr ndsatzen ganz unmöglich, wenn eben nicht nocy ein zweiter Stern Da ist. um den der Algol kreist wie dieser um ihn.

Selbstverständlich ist diese Erscheinung auch auf das genaueste durchgerechnet, und wenn auch verschiedene Rechnungen nicht ganz genau über- einftimmen, so ist doch ziemlich sicher, dah beide Sterne ungefähr gleich groh sind und höchstens um vier ihrer Durchmesser voneinander entfernt sind, während der Abstand der Sonne von der Erde mehr als 100 ihrer Durchmesser beträgt Von einem der beiden Sterne aus betrachtet er­scheint der Durchmesser des anderen mehr als 25 mal so groh wie uns der Sonnendurchmesser, und seine Scheibe größer als uns 600 Sonnen- scheiben. Solche Sterne bilden durchaus keine Ausnahme. Der Algol ist vielmehr ein Ver­treter einer großen nach ihm benannten Gruppe veränderlicher Sterne, die alle dieselben oder ähnliche Eigentümlichkeiten zeigen.

Hochschulnachrichien.

Der Geheime Konsistorialrat Profi D. Wilhelm Qütgcrt In Halle hat Den Ruf auf den Lehrstuhl der systematischen Theologie an der Universität Berlin als Rachfolger von Ge­heimrat Reinhold Seeberg angenommen.