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Zrestag, 22. Zebruar 1929
Eietzener Anzerzer (General-Anzeiger für Oderhessen)
Nr. <5 Drittes Blatt
Männeriurnen im Gau Hessen O. T.
Ein Lehrgangfür Turnwarre unL Coor.ULncr auf Dem Geriet Des Männer» llurnens im Gau Helsen und der vöerhes.ischen Vereine der Deutschen Tumerschaft wurde am vorigen Samstag in der Turnhalle des 2teal» gymnasiums zu Giessen eröffnet. Er umfasst 40 UccungSftunben. die sich auf vier Wochen verteilen und jedesmal am Samstag und Sonn» iag abgehallen werden.
3n einer lu.zen Ansprache wies der Leiter. Sauobcr.urnwart Wilhelm Will (Giessen), mit Bcsriedi ung auf das Interesse der Dere.nS- Ici'am^en an der Ausbildung ihrer Leirkrüfte hin und forderte zu ernster Mitarbeit auf. T-ci Fest» ft:Huna dec Te'.lnehmeelis'.e war n anto send di: Vertreter der Turnve.eine zu BrriSseld. Dur;- Gemünden. Fr nlenberGambach, Gi a.cn Mtv., Gladenbach. Grünberg, G.-üninqen. Haina (Kloster). Hartersh-u c t b. Schlitz. Hatzfeld. Her- mannfte'.n. Hcuchelhei n, Hirzenhain. Hochelh.im, Homdcr; a. d. O)m. Laubach, Lieh, Marburg T. u. S>. V. 1830. 2Iü'. zmbcr , Ri.derweisel. Ockers» hauten, Schlitz, Lr is a. d. Lda.. Usingen i. T. Lurngcme'.nde. Weifenbach b. D'.cden'osf. Wetzlar und Wetzlar-Rieder.' irmes.
Der Unterrichtsplan wird mit gaueigenen Lehrkräften zur Durchführung gebracht. Dar Gauoberturnwart behandele Ausschnitte aus dem Gebiet der Ordnungsübungen, ferner Freiübungen in grundlegenden Formen und in der Ausgestaltung, die sie für die d esjährigen Gauveranstallun en gesunden haben. Keulenschwingen. Stabübungen. Gemeinübungen am Pferd, Körperschule an den Schweaelanten und Uebungen an der Sprossenwand. Der Gauwart für das Männerturncn. Martin Textor (Mar. urg), leitet die Einführung in Reckübnngen, wie Hang mit Durchschub und Durchschwung. Waage. Stemmübungen mit Aufste nmcn i.i den Stutz. An-, Auf- und Umschwung. Reckspringen, ferner Gruppen aus der Körperschule am Barren und aus->ewählte Hebungen am langgestellten Pferd. wie Grätsche, Hocke, Schere und Kehre als Äiesenfprung. Am gleichen Gerät hat der 1. Ci;v’.rt5turnttxirt Paul Schüler (Wetzlar) Llebungen übeimommen, wie Spreiz?, Kehre, Flame und Wende, am Darren S.ützeln mit S utzhüpfen. Schwingen im Streck- und Knick- ftüh. Ein- und Ans'rung am End? das Barrens, Ccmeinüjun en, Ob.rarmhang, Ki:pe. Schwungstemme. Bolle. S'?rünge aus dem Innen- und Aussenseitstand mit an gefügten Uebungen. Am quer'estelllen Pferd unterrichtet der Kölnee Zwölslampfsieger der D. T., Karl Reuter, Tv. 1846 Gießen, in Wende, Flanke, Kehre, Hocke, Grätsche, Schere, Wo'f» und Liebsprung, Sprci» zrn aus dem Stütz, und Kreisen: am langgestellten Pferd in Fechtersprüngen, Rolle und Ueber» schlag: dazu wird er aus dem Bolrsturnen Len Lauf, Strung und Wurf behandeln. Proben aus Len weiten Gebieten d:r Dewe ungsschule und der Körperschule sind dem Gauwart für das Frauenturnen, Rudolf Paul (G'.e'en), unterstellt. Der abwechsrlungsreich grups ir.t? S.unlen» plan bringt zwischendurch nr h Hebungen an den Schaukelringen und Turnspiele.
An Borträgen sind vorgesehen ein solcher von Llnivcrsitäts'aroscssor Dr. Huntemüller und z nei Borträge des Gauoberturnwartes über Einrichtungen der Deutschen Tumerschaft. insbesondere auch über Haftpflicht und Unfall.
..............mm ihm
Das große Grauen.
Vornan von H. A. von Byern.
Urheber-Rcchtsschuy d ress Berlag Oskar Meister.
Werdau.
14 Fortsetzung. Nachdruck verboten
D Sopherl — natürlich, die war jetzt das um und auf des Diwgenz von Andrem — wenn das w weiter ging, Halle er nächstens überhaupt leinen e.genen Willen mehr! Aber gut war's schon, dass ihm jemand die Schrullen austrieb, und wenn erst durch die jungen Perneggs mehr Berlehr in die Rachbarschaft tarn, würde auch die Ein am leit und Weltabgeschiedenheit nicht mehr fö fühlbar sein.
Eine Wegbiegung — vor uns lag Schloss Trro- sa. im vollen Glanz der Morgensonne. Gleich g.itzernLem Gold rann es über , das graue ®> mauer, wie we.sse Watteftöckchen standen winzige, an Len Rändern rosenrot überhauchte Zirruswolken am Firmament. Lind überall verstreut, wie eine weidende Herde um den Hirt-rn, lagen die Emödhöse. einstbchig, über ausgemauertem Grund sa.netbraunes Fachwerk, dessen Sparren und Schindeln silberig glänzten. 3m Morgenwind zerslatterten die über dem Wildachsec lagernde.i Rebelschwaden. gleich einem köstlichen Aguamarin lag der mattblaue Spiegel einge» bet.et in smaragdenem Grün, über ihm aber ragten die Zinnen Und Zinken, zackig ausgerissenen Hörner und schneeoedrck.en G.psrl der Tiroler Hochalpen.
Ein dünner, blecherner Klang schwebte herüber, der Vinzenz nahm den Iagdfilz ab und bekreuzte sich, richtig, die Frühmesse ... Die G.ocke war verstummt, mein Freund schrttt toei'cr.
..Weisst d'. A'terle. den Höh' muasst dir aus» stopsen lassen, i schick 'n heunt nach München eini, is doch dei' erster Terosaier, a Erinnerung ha t, gib schon her, i verpack 'n glei ..
Der Sand Les Parkwegeö flimmerte wie Silberstaub, ich trat in die Ha.le, prallte fast mit dem alten Lnndbr'esträger zuammen, der durch den nach Len Küchenräumen führenden Windfang trat.
«Halen Sie Post für mich?" fragte ich und na nie meinen Ramen.
JXaa, Herr, war eh' nur oa Brief für d' gnädig' Frau Baronin, und walt mvaQ er Hers'komm' fein, so ane g'ipass'ge Warkn war d'^auf, den Stempel hab' i nct derkennen können."
^„Go, so. na ein andermal." Langsam ging ich über Den Flur, hm, eigentlich fonnlc ich gleich mal yachsehen, ob sich im Gewehrschrank des Vinzenz passendes Pmtzzeug fand, die Büchse wollte ich doch lieber sofort durchziehen, sonst
Turnen, Sport und Spiel.
Der Lehrgang wird mit Prüfungen über die Fähigkeit, Riegen als Vorturner zu leiten, abschliessen.
Schwimmen
im Miitelrheinkreis der O. T.
= Interessant ist eine Zusammenstellung, die A G a u l a n d, Mitglied desSchwimmausschusses der D. T., im Schwimmerblatt der D. T. über die Leistungen der Turnerschwimmer seit dem Deutschen Turnfest in München (12/23) bringt. Er betrachtet die Schwimmseste der D. T. in München (1923). Frankfurt a. M. (1925), Düsseldorf (1926), Berlin (1927), Köln (1928). Der interessanle „Slreifzug durch die S eg erlist en von München bis Köln' zu st den Mittelrhein» kreis an vorderster Stelle. Es sind 15 Turner, 7 Turnerinnen und 4 Altersturr.er, die seit München zwei» und mehreremal Sieger auf Meisterschaften im Schwimmen der D. T. waren, außerdem zwei Kreisstafseln und mehrere Tee» einssiaffeln. Wir nennen hier nur de auf geführt en Ramen aus dem Turngau Hessen: Wilh. Schäfer, Tgm. Friedberg: Berlin: 3. Rang Tauchen, Köln: 6. Rang Mehrkampf, Köln: 1. Rang Tauchen: Hans Geismar, Tv. 1843 Giessen: Berlin: 4. Rang Mehrkampf, Köln: 5. Rang Mehrkampf: Tilly Arndt. Tv. 18-43 Giessen: Köln: 1. Ran) Lagenschwimmen. Köln: 2. Ranz Brustschwimmen. Von den erfolg» reichen Bereinsstafseln des Kreises ist zu ne men vom Turngau Hessen: Turnerinnen Tv. 1846 Giessen (Brustschwimmen): Frankfurt a. M.: 2. Rang, Köln: 2. Rang.
5. Bezirk im Turngau Hessen. (O. T.)
Der Vorstand des 5. Bezirks im Turngau Hessen hielt unter dem Vor ätz von Studienrat Thierolf gestern abend in Friedberg eine dringende Sitzung ab, um zu den diesjährigen Bezirk' Veranstaltungen Stellang zu nehmen. Auf Wunsch mehrerer Dezirksvereir.e, die bei der strengen Kälte den Turnbetrieb nicht ausrecht erhalten und sich deshalb für den Wettkampf nicht vorbcrciten konnten, wurde i)a3 Wintergeräteturnen in Butzbach vom 3. März auf den 2 1. April verlegt. Als Termin für daS volkstümliche Bezirkst u. rufest wurde der 9. Juni bestimmt.
Kußbatl-Lokalireffen.
ö. Spielvereinigung 1 9 0 0 und Ver- ein für Bewegungsspiele Giessen stehen am kommenden Sonntag auf dem 1900- Svortplah an der Liebigshöhe im Meister» schaftsrücksviel gege.iü e:. Der Degegrmng der Ligamannschast voraus geht das Spiel der Ligareservcmannscha'ten.
Der Plahverein 1900 verfügt über eine Anzahl sehr gut veranlagter Spieler. Die erste Els spielt ein recht gutes Spiel, auch in technischer Beziehung wenn die Mannschast komplett zur Stelle ist. Den jungen Leuten mangelt es aber noch an Wcttspielersahrung und Durchschlagskraft. Aller Vora'.rssicht nach dürste der vierte Platz, den die Mannschast zur Zeit innehat, gehalten, wenn nicht sogar noch verbessert werden. Damit wäre die Zugehörigkeit zur nächstjährigen ersten De- zirkSklasse erkämpst.
Die erste Mannschaft des D. f. B. ist in diesem Jahre in ihren Leistungen und Erfolgen im Gau Giessen-Wehlar unerreicht. Allerdings verfügt diese Elf über durchweg ältere Spieler mit grösse-
sehle das scharfe Rlteopulver womöglich Rost an. Leise öffnete ich die Tür.
„Ah! Schön guten Morgen, gnädige Frau! Auch schon auf?“ Die junge Frau kauerte aus einem Hocker vor dem Kam.nfeuer und stocherte mit einer langen Feuerzange zwischen den gleiten» den Duchscheiten herum, nun schreckte sie empor ...
„Guten Morgen, ich ... ich ... verzeihen Sie nur ... und ... haben Sie denn Weidmanns» hell gehabt?"
„Jawohl, einen starken Hahn, den alten Herrn vom „Langen Grund", Vinzenz meint, ich solle ihn präparieren la.sen, er will ihn gleich eigenhändig verpacken."
„So . . ." Frau Sophy schien gar nicht zuzuhören, ihre Blicke waren starr, wie erloschen auf das Kaminseuer gerichtet, zwischen dessen züngelnden. gelbroten Flammen sich grauschwarze Ascheteilchen krümmten.
„Fühlen Sie sich nicht frisch, gnädige Frau?"
Mit einer müden Handbewegung strich sie sich über die Stirn. Es ist nichts weiter, nur ein bisserl Migräne . . ."
„Ohl Das tut mir leid, dann will ich ja. nicht stören, Migräne ist scheußlich, ich wollte bloss meine Düchse reinigen.“
„Lessas, Sopherl. bist auch schon munter?" Hinter mir polterte der Vinzenz von Andrian ins Zimmer. „3a, aber Schätzer!, wia schaugst denn aus?! Ganz blass, und Kringel unter die Guckerl, geh', leg' di nur wieder hin!"
„Rein, nein, so schlimm ist es nit, nur a Wenger! Kopfweh."
„Du arm 8 Hascher!! Weisst d', trink a Tass' ganz stark'n Mokka, dös hilst, und nacha geb' i dir a paar Pyramidontabletten, san ganz unschädlich."
Auf dem Tisch lagen zwei Zeitungen, der „Deutsche Jäger" und das „Bregenzer Tagblatt". Mein Freund trat heran.
„Weiter nix?"
„Rein, gar nichts, es war die einzige Post..." älnwi'llürlich zuckte ich zusammen.
„Aber . .
Doch, da nickte mir Frau Sophy zu. ging rasch auf den Flur. Ein paar Augenblicke stand ich sprachlos, während der Vinzenz im „Deutschen Jäger" blätterte. Was . . . was war das eben gewesen?! Hatte denn die junge Frau den Dries nicht erhalten oder ... ooer . . . und plötzlich fand ich den Zusammenhang . . . natürlich, verbrannt hatte sie den Dries, i.n Kamin, und mein Freund sollte es nicht wissen . . . deshalb die Lüge!
Ganz wirr war mir im Kops, als ich mechanisch an den Gewehrschrank herantrat, den Kipplausverschluß der Büchse öffnete. Eine Lüge . . . und weshalb?! Sie häite ja schweigen können . . . Hing vielleicht die angebllche Migräne mit
rem Stehvermögen. Rur die Spitzenvereine. Wetzlarer Sportverein und Gießen 1900 (neuerdings auch Wehlar-Riedergirmes), konnten den Leuten vom Waldsportplay gefährlich werden: Riedergirmes nahm V. f. D. sogar den einzigen Derlustpunlt, ein Zeichen, daß auch die grün» weiße Elf nicht ganz frei von Schwächen ist. Immerhin verstand diese es. durch ausgezeichnetes Kombinationsspiel, gegen die Mehrheit der Verbandsspielgegner zum Teil Bomlensi ge herauszuholen. was auf Durchschlagskraft und Schuhsicherheit der Stürmerreihe schliessen läßt. D. f. B. ist schon jetzt, obwohl noch drei Spiele auszutragen sind, aus Grund seines grossen Punltvor» svrunges Gruppenmeister im Gau Giehen- Wetzlar.
Die Spielleitung hat man Herrn Busch» Butzbach (Sp.B. Riederweifel) übertragen.
1900 wird sich sehr anstrengen müssen, um die zwei Punkte zu erringen, die es nötig hat zur Festigung seiner Labellenstellung. Jedoch muss man die Grünweissen als Favoriten betrachten an-efichts ihrer seitherigen besseren Leistungen.
Auch das Spiel der Reserven entbehrt nicht der Wichtigkeit. Wird doch der Sieger aus diesem Spiel die zweite Stelle in der Spielwertungstabelle ziemlich sicher erhalten. Die beidersei'iien Anstrengungen werden daher auch hier zu einem interessanten Spie! führen, bei dem der Sieger richt vorauszusagen ist. Als Spielleiter fungiert Herr Beinecke (B. f. B. Asslar).
Spiclvercinigung 1900 Gießen.
ö. Das am vorigen Sonntag ausgefallene Spiel 1900 III. — Cid) II. findet nunmehr am kommenden Sonntag statt, wobei man dem Platzverein die grösseren Siegeschancen gibt.
Kußball in Heuchelheim.
Nächsten Sonntag haben die Heuchelheimer den F. C. iliieder-Weisel zu Gast. Dao Dorspiel gewann Heuchelheim 3:1. Nieder-Weisel hat sich in der letzten Zeit stark verbessert, die Mannschaft darf nicht unterschätzt werden. Bei komplettem Antreten sollten die Heuchelheimer aber doch sicherer Sieger werden.
ArSeiter-Turn- und Gportbund.
Dezirkö-Kußballtag.
Am vorigen Sonn.ag trafen sich in Gießen die De.eg.e^ten der Fu,)ballvereine und »aLtailun- gen zum diesjährigen ordenllichen Bezirks- F u h b a l l t a g.
Der Geschäftsbericht zeigte auch vom be-f."o,fe.;e.r Jahre eine Vocwärtscr.tn>icklung brr Bewegung. Die slnsailstatistik wirs eine erfreuliche Be.serung aus. Als Bezirk-meister wurden ermittelt: in der ersten Klass'e Wicseck, in der zweiten Klasse Grossen-Linden, in der Jugendklasse Giessen. Auch der Kassenbericht zeigte einen günstigen Stand drr Ka.fenverhältniste. Die Berichte des Technikers und des Schieds» richterobmanncs liessen manchen Wunsch offen. In einer gründlichen Aussprache wurde die Arbeit der TestrkSleitung anerkannt und mancher p a .i chr Wink für die Zukun.t der Te^irlsieitung mit auf den Wcg gegeben.
Der Vortrag des technischen Leiters des 9. Kreises über Fragen der Spielkultur wurde mit lebhaftem Interesse ausgenommen und sand ungeteilten Beifall.
Ein Antrag Gießens, die Bezirksleitung zentral nach Gießen zu legen, wurde abgelehnt. Jedoch soll eine regelmässige Sprechstunde der Dezirksleitung in Giessen sta.tfinden.
dem Inhalt des Schreibens zusammen? „So a g'spaßige Mark n war d'raus," hatte der Postbote gesagt, also wohl ein Brief aus Ungarn — vom Franz Josef Ritter von Molnar oder einer Freundin? Rein! Dann hätte gewiß kein Grund Vorgelegen, um die Unwahrheit zu sagen!
Und plötzlich, ohne dass ich hätte sagen kbnnen warum, fiel mir das Gespräch ein, welches ich damals in der Rächt nach dem Polterabend in Keresz-Erdö belauscht hatte. Lag da vielleicht des Rätsets Lösung? Sollte Frau Sopherl am Ende doch nicht das schneeweiße Unschuldslamperl fein? Und hatte sie, noch ehe der Vinzenz kam. eine Amourschast gehabt, einen Roman, ganz harmlos natürlich, aber in den Augen eines Eheherrn, der eifersüchtig wie ein Grasstücke war, doch ein Kapitalverbrechen? Mög ich war das schon, die Ungarinnen sind heißblütig, Gelegenheit findet sich überall — lieber einen Sack voller Flöh hüten als ein Maderl, Wenns einmal verliebte Muck'n im Kopf hat!
„Ro, is d' Bix no net bald fauoer?“ Mein Freund sah lächelnd zu mir herüber, und ich stellte den Wischstock wieder in den Schrank, sah durch die spicgelnden Läuse und gab noch einen Tropfen Oel auss Schloss.
„Schon erledigt!" Dann trat ich an den Kamin und hockte mich auf den Schemel, als wollte ich mir die Hände wärmen. Die grauschwargen Aschc- teilchen waren längst zerstoben, aber da ... da lag auf dem eisernen Vorsatz noch ein winziges, Weisses Papierschnitzel. rasch hob ich eS auf, drehte es herum — ein Teil des Umschlags mit einer halb durchgerissenen ungarischen Marke „Magyar" — der Stempel fehlte — schadet Meine Vermutung schien also zu stimmen
Rein, ein Treubruch war wohl das letzte, was ich Frau Sophy zutraute! Was aber früher gewesen war — ja, darüber konnte man verschieden denken. Ich habe es niemals so recht verstehen können, weshalb der Mann allein ein Recht dar- auf haben soll, sich auszuleben, schrankenlos zu genießen, ohne dass jemand ihm daraus einen Vorwurf macht. Und schließlech. der Vinzenz hatte ja auch seine Erfassrungen gesammelt, et konnte sich, ehe er das entscheidende Wort sprach, genau erkundigen, musste wissen, dass ein junges, bildhübsches Mädel schwerlich ausgerechnet auf ihn gewartet hatte. Aber darum handelte es sich ja jetzt auch nicht. In ein kritisches Stadium trat der Fall erst bann, wenn sich alte Beziehurgen nach der Hochzeit weiterspannen oder neu t'.üpf- tcn. Dafür hatte ich nicht den Schallen eines Beweises. Sollte ich vielleicht mit der jungen Frau sprechen? Ich kannte sie kaum, setzte mich mit meinem Verdacht einer scharfen Zurückweisung oder noch Schlimmerem aus. Den ungebetenen Warner zu spielen, lst immer ein: mißliche Sache. Außerdem . . . Frau Sophy sah mir gar nicht danach aus, als bedürfe sie eines
Die DorstandSwahl ergab die Wiederwahl der seitherigcn Leitung, mit Ausnahme der Beisitzer, für welche Strack, Giessen, Stein- müllet, Kinzenbach, und H a n k e l, Gtoßen- Linden, gewählt wurden.
Der Beginn der diesjährigen Serie wurde auf den 7. April festgelegt.
Rach fünfstündiger Beratung fand die Tagung ihr Ende.
Bezirks-Turnstun-e.
Zur ersten Bezirksturnstunde kamen am Sonntagoormiltag die (Übungsleiter der Bereine in Wieseck zuiammen. Die Hebungen zum dies- jähr.gen Bezirksturnfest wurden an den einzelnen Geraten durchgeturnl und für gut befunden. Längere Zeit nahm die Einübung der Freiübungen zum Bundes- und Bezirksturnfcst, die nach Musik geübt und erläutert wurden, in Anspruch. Hier zeigte es sich, daß gerade diese im einfachen Aufbau gehaltenen Hebungen eine ungeahnte Wirkung auf den Körper besitzen.
Am Nachmittag übten die Leiter der Frauenabteilungen ihre Geräte- und Freiübungen Auch hier konnte man die in feiner Rhythmik gehaltenen Freiübungen in ihrer Wirkung auf den Körper bewundern. Den Abschluß bildeten einige Volkstänze.
Bezirls-Turniag.
Am nächsten Samstagnachmittag kommen in Heuchelheim die Delegierten der Turnvereine zum oröentlidjen Bezirksturntag zusammen. Hier sollen die Belange der Turnsparte in ausgiebiger Weise zur Erörterung kommen Ganz besonders wird das kommende Bundesfest im Vordergrund der Tagung stehen.
Am kommenden Sonntag werden die Delegierten aller Dezirksvereine zum ordentlichen Bezirkstaa ebenfalls in Heuchelheim zusammentreten. Nach Entgegennahme der Jahresberichte wird ein Vortrag des Kreisjugendleiters über „Treiben wir Jugendpflege" im Vordergründe der Tagung stehen. Unter „Anträge" werden die Wünsche der Bezirksvereine ihre Erledigung finden. Die Punkte „Wahlen" und „Allgemeines" werden den Schluß der Tagung bringen.
Reim Weltrekord Arne Jorgs.
Der schwedische Weltrekordschwimmer Arne Borg, der noch immer in Australien Weill, konnte in Brisbane in dem 50 Meter langen Stadtbad einen neuen Weltrekord über 1000 Bords mit 11:55,4 Min. aufstellen. Borg unterbot damit die von ihm am 3. September 1924 aufgestellte Welthöchstleistung um nicht weniger als 21,4 Sek.
Daten für Samstag, 23 Februar.
Sonnenaufgang 6,59 Uhr. Sonnenuntergang 17,29 Uhr. — Mondaufgang 16.57 Uhr, Mond- untergang 7.27 Uhr (Vollmond).
1685: der Komponist Georg Friedrich Händel in Halle geboren (gestorben 1759); — 1834: der Reisende Gustav Rachtigal in Eichstedt geboren (gestorben 1835); — 1353: der Mathematiker und Astronom Karl Friedrich Gauss in Göttingen gestorben (geboren 1777); — 1853: der Maler Franz v. Stuck in Tettenweis geboren.
Sprechstunden der stledaktion
12 bi» 1 Uhr mittags, 5 bl« 7 Uhr nachmittags Samstag nachmittag geschlossen
Anzeigenaufträge sind lediglich an die Geschäftsstelle \u eichten.
^TvrgTTgrain ..............
Ratgebers, wenn es darauf ankam, sich Menschen oder Dinge fernzuhalten, mit denen sie nicht in Berührung kommen wollte. Schweigen, daS war das einzige, was ich tun konnte . . . Der Dries konnte ja auch einen ganz unverfänglichen Inhalt gehabt haben, eine Rechnung etwa, die den Etat überschritt und zu gelegnerer Stunde gebeichtet wurde, die Mittellung einer Freundin — irgendein ärgerliches qui pro quo, womit der Vinzenz nicht erst belästigt werden sollte. Je länger ich nachdachte, desto wahrscheinlicher erschienen mir diese Annahmen — natürlich, so würde es fein, ich hatte nur wieder einmal Gespenster gesehen...
„Wie is. Alterle. hast d' foan Hunger nct?" Mein Freund stand auf und hakte mich unter. „Stell' nur dei Bix derweil in mein’ Gewehrschrank. komm', jatzt woll'n ma amal schaug'n. wo d' Sopherl eigentlich steckt."
Die Gnädige hantierte drüben am Kaffeetisch.
„Is mir schon wieder viel besser z' Mut', aber erzählen S’ einmal. Iessas, und i hab' Ihnen noch gar n’.t Weidmannsheil g'wunschen!"
War das wirklich dieselbe Frau Sophy von vorhin? Dli^schnell schoss mir der Gedanke durch den Kopf: entweder besitzt sie ein ungewöhnliches Maß von Willenskraft, oder sie ist eine treffliche Schauspielerin. Aber nein — so konnte sich kein Mensch verstellen, und im stillen bat ich ihr den hässlichen Verdacht ab.
Der Vinzenz wollte nach der Kafsetasse greisen.
»Seift Seift ganz schwoaßige Dratz'n hab' i. muaß ml dengerst a bissel waschen, fangt nux derweil immer an.“ Er stand auf und ging aus dem Zimmer. Die junge Frau legte mir ein mit Butter und Wabenhonig bestrichenes Kaiserbrötchen vor.
„Bitt' schon, arg hungrig werden S' sein." Und nach einer feinen Pause: ..Wiss'n S' eigentlich, dass mir mein Onkel Kis-Erdö als Hochzeit-, g'schenk hat überschreiben lassen?"
„Ja. der Poldl Pürkstein hat mir's damals erzählt . . ."
„So. na schauen Sie. da is nämlich a z'wid're G'fchicht' passiert, große Unterschlagungen, der Administrator schrieb mir. I will gl.ich Len Onkel Franz bitten, dass er nach dem Rechten schaut, man hat eben allweil sein G'srett mit den Beamten. wenn man nct selbst auf lassen kann."
„Oh. daS tut mir ab:r lei), gnädige Frau, was meint denn der Vi.-.zenz dazu?"
„Dem sag' i gar nix. Sie willen ja. er nimmt alles so schwer, mit solchen Sachen sek.ier' ich ihn nit erst — pst!" Frau So'cherl legte den Finger an Lie Lippen: „Reh nen S' keinen Rahm? Aber Zucker, gell?" Mein Freund trat ein:
„Du. Alterle, d r Post'bot hat den Höh' gleich mitg'nomm n. — Schätzer!, geh. streich mir an Wechn, schmeckt halt no amal so guatl“ Und er tätschelte ihre kleine, weihe Hand.
(Fortsetzung folgt.)


