Einzelbild herunterladen

Nr. 222 Drittes Blatt

loictes Wilhelm Reusch, der beim Zwekschen- pfLcken vom Baume fiel und nach Gießen in ti-f Klinik verbracht werden mußte, sei ergänzend mitgeteilt, daß das Befinden des Dedauems- dxrten nach wie vor sehr bedenklich ist. Cidiesen Tagen stürzte auch Landwirt Wil­helm Dergk beim Obsternten vom Daum unt> zog sich erhebliche Verletzungen zu.

' Lang-Göns, 20. Sept. Unsere Wasser­leitung ist nicht mehr in der Lage, den Wasser- fttarf unserer nahezu 2000 Einwohner zählen­dem Gemeinde zu decken. Dohrversuche im alten ÜAellengebiet waren ohne Erfolg. Der Gemeinde- rit beschloß daher, eine bereits vorhandene Quelle in den Mühlwiesen mittels Pumpwerks Ortsleitung zuzuführen. Diese Quelle liefert m3 geringer Tiefe täglich 62 Kubikmeter Wasser. So diese Menge nicht ausreichend war, wurde in der Umgebung des Ortes, etwa 400 Meter chrrholb der Mühlwiese nach Wasser gesucht. 9c8 Wasservorkommen wurde von Ingenieur Dilh. Lenz aus Frankfurt a. M. mit der Wün- Ichelrute bestätigt. In der bezeichneten Stelle yurDe sofort ein Brunnen gegraben. In 5 Meter Frefe stieß man auf eine Kiesschicht von 2,60 Meter, welche ausreichend Wasser führt, so daß tine Motorpumpe aufgestellt werden mußte. Der Brunnen liefert heute täglich bereits über 100 Kubikmeter Wasser. Der Gemeinderat bauftragte ..das Kulturbauamt Gießen mit der Bauleitung, Deiches sofort die Vorarbeiten i ft Angriff nahm,

mrmig.

r. Lang-Göns, 20. Sept. Bei der gestrigen i;nb heutigen Gemeindeobstversteige- run g wurden mittlere Preise erzielt. Im all- 1 em einen stand der Zentner guter Aepfel am 'Baum etwa 6 bis 8 Mk., Wirtschaftsäpfel waren liiKiger. Einzelne bekannte Sorten, wie Gold- .larmäne und Boskop kamen auch höher im Preis. Dirnen waren nicht sehr begehrt und sehr bi'ilig. Der Dehang der Zwetschenbäume war sehr gering, dementsprechend auch die Einnahme.

dem gemeldeten Unfall des hiesigen Land-

Oberheffen.

Landkreis Gietzen.

ck. Heuchelheim, 20. Sept. Heute fand .hier die Versteigerung des Gemeinde- o bst es statt. Cs kamen hauptsächlich Wirt­schaftsäpfel und Dirnen zum Ausgebot. Für Tafelobst wurden bis zu 14 Mark pro Zentner am Daum bezahlt. Wirtschaftsäpsel kosteten 5 bis 8 Mark, und Dirnen 3 bis 4 Mark pro Zentner.

f Trais a. d. Lda., 20. Sept. Dei den dahier ; obgehaltenen. Ob st versteigern ng en der i Pfarrei und der Gemeinde wurden in Anbetracht des reichen Obstsegens an Aepfeln und Dirnen boch recht ansehnliche Preise erzielt. Zwetschen llinb wenig vorhanden. Die hiesige Raiff - ^isen-Genossenschaft hielt gestern in An- wcsenheit des Geschäftsführers Haack von der Laiffeisenhauptstelle Gießen und des Revisors Jork (Gießen) ihre diesiährige Hauptver­sammlung ab. Nachdem der Vorsitzende Caspar Euler die Anwesenden begrüßt und die ; Tagesordnung bekanntgegeben hatte, erstattete der Rechner Kehr den Jahresbericht über das abgelaufene Geschäftsjahr und verlas den Sit­zungsbericht der- vorjährigen Generalversamm- llung. Der Gesamtumsatz in 1928 belief sich auf 161000 Mk., die Spareinlagen 6000 Mk., im ganzen bisher 26 000 Mk. Der Reservefonds be­trägt 2100 Mk., Mobilien und Geschäftsanteile 800 Mk. Das Vereinsvermögen beträgt 3000 Mk. Ser Reingewinn des Jahres 1928 wurde dem Reservefonds zugeschrieben. Rach Erledigung einiger geschäftlichen Angelc-genheiten berichtete Herr Jork über die Bilanz 1928, die einen vorzüglichen Stand aufwies. Herr Haack hielt bann einen eingehenden Vortrag über genossen­schaftliche Arbeit. Vorstand und Rechner wurde Entlastung erteilt und ihnen, sowie dem Lager­halter Grau und dem Vereinsdiener Preis ber Dank des Vereins für ihre treue und ge­wissenhafte Arbeit ausgesprochen.

ch Aus dem mittleren Lumdatal, 20. Sept. Die Kartoffelernte ist in allen Dörfern unserer Gegend in vollem Gange. Die _ Ernteergebnisse sind in Anbetracht der lange Wochen hindurch mangelnden Feuchtigkeit zu- sriedenstellend. Je nach der Sorte der Kartoffeln und Lage der Felder sind die Erträge mitunter sogar recht gut. Die Qualität ist hervorragend. Dir Dickwurzfelder zeigen keinen schönen 6tand. Die Rüben sind bis jetzt infolge fehlender Riederschläge dünn geblieben. Die Futternot steigert sich immer mehr. Die Kleeäcker sind fahl und liefern keinerlei Erträge mehr. Heber all beginnt man neben dem Kartoffelausmachen auch mit der Obsternte. Der Dehang des Kernobstes ist 4 gut, dagegen derjenige des Steinobstes gering.

Hl Saasen, 20.6 ept. Die Kirche aus dem -Deitsberg wird zur Zeit unter der Leitung von Oberbaurat Derth (Gießen) im Innern viederhergestellt. Die Erbauungszeit dieses Kirch­leins ist noch nicht sicher festgestellt. Die im Innern angebrachte Jahreszahl 1007 stammt aus 0 neuerer Zeit und ist sehr zweifelhaft. Die altere .Kirche stand mitten im Dorfe Saasen. Der an- Meßende Friedhof war noch vor wenigen Iahr- jehnten von einer massiven Dasaltmauer um­schlossen. Sie wird urkundlich im Jahre 1193 genannt, wo Erzbischof Konrad von Mainz ihr Lynodalfreiheit gewährte. Im Jahre 1726 wa- ' ren nach Mitteilung des damaligen Pfarrers zu Wirberg noch einige Mauern dieser alten Kirche in Saasen sichtbar.

i - Lich, 21. Sept. Die Bausparkasse der : Gemeinschaft d e r Freunde in Wüsten, rot veranstaltet am kommenden Dienstagabend im Löwen" einen öffentlichen Vortrag. Dr. Wiede­mann aus Frankfurt a.M. wird über die Bestre­bungen dieser Baugenossenschaft sprechen, die sich bisher schon um die Förderung des Kleinwohnungs- baues nach ihrem System der gegenseitigen Ge­nossenschaftshilfe bemüht hat. Man beachte die heu- ligc Anzeige. , _

T Obbornhofen, 20. Sept. Bei der Ver­steigerung des Gemeindeobstes tour« ben recht unterschiedliche Preise erzielt. Während bis Preise für Aepfel als normal angesprochen werden müssen, es kam der Zentner am Daum ans 3 bis 5 Mark für Wirtschaftsobst und 4 bis i Mark für Tafelobst waren die Wirtschafts- ürnen nahezu unverkäuflich. Gut behangene Bcume mit mehreren Zentnern Ertrag waren jllüT 30 bis 80 Pfennig zu haben. Zwetschen kam ber Strich (etwa 4 bis 6 Däume) auf 5 bis 5 Mark. Der Dehang der Zwetschenbäume ist biinn und mehr als die Hälfte der Ernte ist

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)

so daß bereits Samstag, 28. Sept., die Ver­gebung der Arbeiten stattfindet. Ingenieur Lenz ist ein geborener Klein-Lindener und war lange Jahre im Ausland als Wünschelrutengänger tätig, insbesondere zuletzt bei der argentinischen Regierung in Südamerika.

Kreis Büdingen.

Ortenberg, 20. Sept. Infolge mangeln­der Aufträge liegt der Steinbruch in dem benachbarten Dellmuth schon seit einigen Wochen still. Die gesamte Delegschaft, an 60 Ar­beiter, mußte entlassen werden. Da nur der

Geologisch-Heimatkundlicher Kursus.

Der geologisch-heimatkundliche Kursus am Geologischen Institut der Landes- universität, über dessen Eröffnung und Zweck wir schon berichtet haben, nahm in allen feinen Veranstaltungen einen wohlgelungenen, erfolg­reichen Verlauf. In trefflichem methodischem Auf­bau führte, wie uns ein Teilnehmer berichtet, der Lehrgang in die Beschäftigung mit der geo­logischen Heimatkunde ein, dabei wertvolle An­regungen für die Hnterrichtstätigkeit gebend.

Am ersten Tag führte zunächst Studienrat Dr. F l ö r k e (Gießen) in die Grundelemente ein. Er sprach über die Baustoffe unserer Heimat und machte dabei mit den wichtigsten Gesteinen unserer Landschaft bekannt, mit den Basalten, Sandsteinen und devonischen Kalken, aber auch mit den Hilfsmitteln, die zu ihrer Bestimmung notwendig sind. Die sich anschließenden gesteins- kundlichen Hebungen im Geologischen Institut gaben Gelegenheit zur praktischen Anwendung der Hilfsmittel und leiteten zu eigenen Beob­achtungen an. Hniversitätsprofessor Dr. Har­ra s s o w i h (Gießen) veranschaulichte Wesen und Bedeutung der geologischen Karten und machte mit ihrer Anlage und Verwendung ver­traut. Man lernte auch die Arbeit der hessischen geologischen Landesanstalt kennen, die vorn Vo­gelsberggebiet schon eine Reihe neuer Aufnah­men. 1:25 000, herausgebracht hat. Leider ist das Blatt Gießen schon seit längerer Zeit vergrif­fen. Die Exkursion des Rachmittags gab Gelegen­heit zu praktischen Hebungen im Gelände. Das Studium der Lohnschotter an der Witz- marer Brück e und des alten Lahnlaufs an der Kiesgrube (Marburger Straße) war äußerst lohnend. Auch die W i e s e ck e r Sandgruben ermöglichten zahlreiche inter­essante Einzelbeobachtungen. Es handelt sich hier um tertiäre Sande, die von diluvialen Schottern überlagert sind. Besonderer Aufmerksamkeit be­gegneten die Derwersungen, die sich hier beob­achten lassen.

Am zweiten Tage gab Dr. Flörke in einem gründlichen Vortrag ein klares Bild von dem geologischen Aufbau unserer Hei­mat von den Zeiten des Erdaltertums bis in die neueste Zeit, während Prof. Dr. H a r r a s s o- witz die heutige Landschaft in ihrer geologischen Bedingtheit schilderte. Die fesselnden Ausführungen zeigten zunächst die ty­pischen Züge des heimischen Landschaftsbildes (das alte Gebirge = rheinische Masse, den Vo­gelsberg, die Wetterau und das hessische Derg- land), um dann die heutigen Oberflächenformen aus ihrem geologischen Werden zu erklären.

Treffliches Karten- und Anschauungsmaterial veranschaulichten die beiden grundlegenden Vor­träge. Am Rachmittag gab eine Exkursion nach Friedeihausen (hessische Buntsandstein- tafel) wieder Gelegenheit zu zahlreichen Hebun­gen und Beobachtungen im Gelände.

Ein besonders arbeitsreicher Tag war der dritte Tag. Eine Tagesexkursion, die schon in frühester Morgenstunde von Gießen aus ihren Ausgang nahm, führte zu zahlreichen Aufschlüs­sen in der Provinz und gab in ihrer feindurch­dachten Zusammenstellung einen vorzüglichen H oberblick über die geologischen Verhältnisse Oberhessens, besonders des Vogelsbergs.

Der letzte Tag des Lehrgangs führte die Teil­nehmer von hier nach Bad-Rauheim, wo zunächst die technischen Betriebe des Bades be­sichtigt wurden. Vom Johannisberg aus erläu­terte Prof. Dr. Harrassowitz die Morpho­logie der Landschaft und anschließend die Ent­stehung der Bad-Rauheimer Quellen. In einem der Badehäuser fand dann der Schlußvortrag von Prof. Dr. Harrassowitz über die Bedeutung der geologisch - heimatkundlichen Forschung statt. Der Redner führte in trefflichen Gedankengängen zunächst aus, was die Heimat­forschung im allgemeinen für Schule und Volk bedeute, zeigte dann an einleuchtenden Beispielen die Abhängigkeit des Menschen von der Scholle, um anschließend die besondere Rolle der Geo­logie bei der Heimaterkundung zu schildern. Die geologische Forschung ist auf die Beobachtung gegründet. Die wichtigste Ausgabe, die die geo­logische Heimatforschung zu leisten hat, ist die Materialsammlung. Die Sichtung und Verar­beitung des Materials zu einem Gesamtbilde ist das zu erstrebende Endziel. Die geologische Heimatsammlung für jeden Schulort ist zu for­dern. Die Schlußbesprechung, an der sich die Kursisten lebhaft mit Wünschen und An­regungen beteiligten, ergab einmütige Zustim­mung zu dem Verlauf des Kursus. Allgemein kam zum Ausdruck, daß weitere Kurse veran­staltet werden möchten, auch solche von mehr lo­kaler Art. Auch die Frage des Raturschuhes wurde eingehend erörtert und ein Ausschuß be­stimmt, der Vorbereitungen zu einer Organi­sation der Raturschuhbestrebungen in Oberhessen treffen soll. Prof. Dr. Har­ra s s o w i h , Studienrat Dr. Flörke und Dr. Kregerle (Assistent am Geologischen Institut) wurde im Auftrage der Kursisten durch Lehrer Porth herzlicher, aufrichtiger Dank unter leb­haftem Beifall vermittelt.

Geschichten ans aller Welt.

Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.

Der beste Schauspieler.

Paris.

Vor einer Reihe von Jahren, noch vor dem Kriege, suchte Rothschild nach einem Meißner Kaffeeservice. Von allen Angeboten, die schrift­lich eingelaufen waren, erregte nur ein einziges sein Interesse, und er ließ den Inhaber persön­lich zu sich kommen. Dieser kam denn auch in das Bureau des großen Finanzmannes und brachte ein Probestück mit: Es war eine der schönsten Arbeiten, die Rothschild jemals ge­sehen hatte, und er wollte gern die ganze Gar­nitur kaufen. Der Inhaber, ein gewisser Tour- nah, seines Zeichens angeblich stellungsloser Schauspieler, machte aber eine recht komische Be­dingung : er erklärte klipp und klar, das Service für einen festen Preis keineswegs abzugeben und verlangte vielmehr eine lebenslängliche Monats­rente in Höhe von fünfzehn Pfund, gleich drei­hundert Mark. Da Toumah ein altes, gebrech­liches Männlein war, der nach Ansicht von Roth­schild sowieso nicht mehr übermäßig lange leben konnte, wurde man handelseinig. Das geschah vor etwa anderthalb Jahrzehnten. Seit dieser Zeit wurden Tournah im Sinne des Kaufver­trages am ersten eines jeden Monats die ihm zustehenden fünfzehn Pfund ausbezahlt. Wenn­gleich diese verhältnismäßig kleine Summe dem märchenhaften Rothschildschen Vermögen keines­wegs Abbruch getan hatte, stand dec Käufer der Meißner Garnitur vor einem Rätsel: seiner Berechnung nach war es unnatürlich, daß Tour- nah noch immer nicht das Zeitliche segnete. Wo er doch schon 1914 den Eindruck eines lebens­müden Greises erweckte... So nahm sich Roth­schild die Mühe, am letzten Ultimo selbst im Kassenraum seines Bureaus zu erscheinen und lauerte Tournay auf. Rach einigem Warten mel­dete sich ein vor Gesundheit strotzender Mann in den besten Jahren um die fällige Monatsrente. Aus die Frage, wo denn Mister Tournah sei, antwortete er erstaunt, er heiße selbst so. Wann ist Ihr Vater gestorben?", fragte Roth­schild.Vor dreißig Jahren", lautete die Antwort.Wer hat mir denn das Meißner Service verkauft?", erkundigte sich nun Rothschild verständnislos.Ich selbst, verehrter Herr Baron", gab Tournay lächelnd Auskunft. Sie sahen doch vor fünfzehn Jahren älter und schwächer aus als heute", stutzte Rothschild. Sie haben mich mit meiner Maske ver­wechselt", gab der schlaue Tournah des Rätsels Lösung preis.

Japan, das Filmdorado der Welt

(a) Tokio.

Wie eine Statistik beweist, ist es ein Irr­tum, anzunehmen, daß Amerika das wahre Filmparadies sei. Diese Rolle wird Japan Vorbehalten. Laut der genauen Aufstellung wur­den im Jahre 1928 in Japan 800 Großfilme gedreht. Im Vorjahre sogar 950. Sechzehn Grvh- fabrifen versorgen die japanischen Kinopaläste mit neuen Filmen; wöchentlich dreimal werden Filmuraufführungen abgehalten. Das größte Hn- ternehmen ist wohl die Rikatschu-Fabrik, die sich außer der Filmproduktion auch mit Filmverleih

befaßt und ihre eigenen Kinos besitzt. Die klein­sten Spielfilme werden mit nur vier- bis fünf­hundert Dollar durchschnittlichen Spesen gedreht. Doch bringt die Rikatschu-Gesellschaft, die be­sonders kapitalstark ist, jeden Monat zwei grö­ßere Filme heraus, deren Herstellungskosten sich auf zwölf- bis fünfzehntausend Dollars ver­schlingt, werden mit besonderer Sorgfalt verfer­tigt. Dabei scheint das Filmgeschäft in Japan sehr einträglich zu sein, denn im Jahre 1927 wurden nicht weniger als 164 Millionen Kino­karten verkauft zu dem Durchschnittspreis von 15 Cents (etwa 80 Pfennig).

Cs i!st bei der Entwicklung der Filmkultur erstaunlich, daß Japan keine Filmtauschgeschäfte' mit dem Ausland erstrebt. Trotz des Geschäfts­geistes der Gelben scheinen eben die kulturellen Gegensätze noch immer unüberbrückbar zu sein.

Die schlaflosen Nächte des Kaffccwelt- meisters.

(a) Neuyork.

Nun sitzt er in der Patsche, der Kaffeeweltmeister, ein gewisser Gemsok in Cleoeland, der auf eine bisher kaum übliche Weise dieUnsterblichkeit" erlangen wollte, indem er sich gegen Eintrittsgeld als Kaffee­großkonsument bewundern ließ, der in knappen sechs Stunden nicht weniger als 62 große Tassen Mokka verzehrte. Als dann ein zweiter leidenschaftlicher Koffeinliebhaber aus Texas feinen Rekord gefähr­dete, stellte Gemsok ohne besondere Anstrengung einen neuen Weltrekord mit genau 85 Tassen auf. Somit waren dienur" 71 Tassen des Konkurrenten aus Texas ein für allemal geschlagen, und Gemsok konnte sich als Champion behaupten. Während aber andere Weltmeister süß auf ihren Lorbeeren zu schlummern pflegen, genießt der arme Gemsok nebst Ruhm nur noch schlaflose Nächte. Sein Organis­mus hat sich nämlich restlos an Kaffee gewöhnt, er verschlingt Tag für Tag Unmengen des starken Ge­tränks und kann so gut wie gar nicht schlafen. Dies dürfte feit Menschengedenken der erste Fall fein, wo einem Weltmeister fein Rekord schlaflose Nächte verursacht! ...

Rudyard Kiplings amerikanischer Besuch.

(f) London.

Der bekannte englische Schriftsteller, dessen Werke sich auch in Deutschland einer großen Beliebtheit erfreuen, lebt in seinem Heim zu Sussex ganz zurück­gezogen und empfängt grundsätzlich keine Besucher.

Dor kurzem wurde erüberrumpelt", und er er­zählt den originellen Fall selbst in einer englischen Zeitschrift:

Er saß eines Morgens an feinem Schreibtisch, als auf einmal mit heftigem Krach die Tür aufgeriffen wurde. Eine große Hand schob den Diener energisch zur Seite, und ein hünenhafter Amerikaner erschien auf der Schwelle mit feinen zwei Jungens.

Sind Sie dieser Mister Kipling?" fuhr er in herrischem Tone den Herrn des Hauses an.

Kipling nickte mit dem Kopfe, worauf sich der Besucher" mit dem Lächeln eines siegreichen Feld­herrn zu seinen Buben wandte:

Na, also, Jungens, nun habt Ihr ihn in Lebens­größe gesehen!"

Dann brüllte der Pankee dem etwas verdutzten Dichter einGood bye zu und verschwand ...

Samstag, 2s. September 1929

kleinste Teil Gelegenheit hatte, in ähnlichen De- trieben unterzukommen, sind in den angrenzend den Dörfern zahlreiche Arbeitslose vorhanden.

* Echzell, 20. Sept. Bei dem Gauwe ti­sch ie ße n der Kleinkaliberschühen- v er eine der Bezirke Hessen, Hessen-Rassau und Waldeck in Gelnhausen errang Rudolf Ostheim von hier mit neun Schuh die Gau­me i st e r s ch a s t. Auch im Vorjahre erwarb er sich diesen Ehrentitel. Im Gruppenschießen kam der hiesige Schühenverein an dritter Stelle.

Kreis Schotten.

x Schotten, 19. Sept. Aus dem Ge­mein d e r a t: Die Steuerausschlagsähc. die der Gemeinderat bestimmt hatte, waren vom Ministerium beanstandet worden, da die Land­wirtschaft durch sie zu stark belastet worden war; das Gewerbe sollte höher herangezogen werden. Rach längeren Verhandlungen wurde ein Der- mittlungsvorschlag des Bürgermeisters ange­nommen. Die Stadt erhebt nunmehr von Ge­bäuden 21 Pf. pro 100 Mk. Steuerwerk, vom landwirtschaftlichen Grundbesitz 38 Pf., vom ge­werblichen Anlage- und Betriebskapital 65 Pf., vom Gewerbeertrag 2,40 Mk., Sondergebäude- steuer 34,93 Pf. Der Marktplatz soll er­weitert werden. Zu diesem Zweck sollen noch mehrere Grundstücke durch Kauf bzw. Hmtausch gegen anderes städtisches Gelände erworben wer­den. Die Hauptdurchfahrtsstraße ist stellenweise etwas eng. Zwecks Erweiterung müß­ten einige Häuser angekauft und niedergelegt werden. Der hohen Kosten halber hat der Ee- meinderat diese Angelegenheit nochmals zurück- gestellt. Das neue Deamtenhaus für Beamte des Finanzamts, das die Stadt errichtet hat, ist fertiggestellt. Ein Zugangsweg, Fußsteig mit Randsteinen, Straßenbeleuchtung wurde be­schlossen. Aus einer Stiftung des verstorbenen Dr. K i tz n e r fällt der Stadt ein Grundst ü ck neben diesem Deamtenhaus zu, auch ein größerer Tarbetrag. Die Stiftung wird für Zwecke des Krankenhauses verwendet. Für die Rönt­genabteilung des neuen städtischen Krankenhauses wurde die Anschaffung eines neuen Zusahapparates Buckiblende (etwa 3000 Mark) genehmigt. Die Röntgenräume des Hauses sind erweitert worden, die Abteilung ist er- klalsig eingerichtet, sie wird auch sehr viel be­nutzt, besonders auch für die Tiefentherapie, Innenbestrahlung. Auch eine Schreibmaschine wird für das Haus angeschafft. Die Einrich­tung einer neuen modernen elektrischen Wasch­anlage mit Zentrifuge, Desinfektion wurde be­schlossen. Eine Besichtigung derartiger Anlagen soll durch eine Kommission stattfinden. Dem hiesigen Kindergarten wurden 600 Mk. If. Zu­schuß bewilligt.

Laubach, 20. Sept. Wie wir kürzlich meldeten, beabsichtigt das hiesige Baugeschäft Friedrich Rühl am sog. Eulengraben die Anlage eines Steinbruchs zur Gewin­nung von Pflastersteinen und von Steingrus. An dieser Stätte haben Schürfungen einen treff­lichen Baustoff ergeben. Ter Gemeinderat und der Bauunternehmer hielten nun dieser Tage einen Augenscheinstermin ab, um die Entschädigung für das abzutretende Gelände festzustellen. Dieses ist mit 4 bis 5 Meter hohen Fichtenbäumen bestanden. Die hiesige Oberförsterei soll um ein Gutachten in dieser Angelegenheit ersucht werden. Die Kartoffelernte, die jetzt in vollem Gange ist, ergibt im ganzen einen guten Ertrag. Die Knollen sind nicht besonders stark, haben jedoch den Vorzug besserer Gesundheit; faule Stücke findet man kaum. Sehr gut bewähren sich in diesem Jahre die SortenIndustrie" und Ella", weniger dieBlaue Odenwälder", die im vorigen Jahre reiche Erträge brachte. Die D i ck- wurz stehen im ganzen recht gut; infolge dev Futternot mußten sie sehr entblättert werden. Schlecht steht das Gemüse. Die Erdflöhe haben schwer geschädigt, und jetzt treten die Raupen der Kohlweißlinge ungemein stark auf. Gut wird aller Voraussicht nach die Zwetschenernts werden, noch besser der Ertrag an Birnen. Die Aepfel werden eine Mittelernte bringen. Die Gemeinde hat ihre Ob st Versteigerung auf die kommende Woche verschoben, da die Früchte nod) nicht genügend gereift sind.

Kreis Alsfeld.

Ost Alsfeld, 20. Sept. Stadtvor - standssihung: In der am Donnerstag ab- gehaltenen Sitzung gab der Vorsitzende über die Angelegenheit der Wohnungsverhält- nisse des zweiten Geistlichen eine aus­führliche Darstellung der seither geführten Ver­handlungen. Die Landeskirchenregierung hat bet der Stadt beantragt, die schon seit Jahren schwe­bende Angelegenheit der Beschaffung eines zwei­ten Pfarrhauses nunmehr durch Ankauf eines geeigneten Hauses zur Erledigung zu bringen. Der Stadtvorstand vermochte sich jedoch dieser Auffassung nicht anzuschließen. Es wurde viel­mehr folgender Beschluß gefaßt:Nachdem sich die Möglichkeit ergeben hat, für den zweiten Geistlichen in dem städtischen Hause am Bahnhof eine ausreichende Wohnung zur Verfügung zu stellen, wird der von dem Landeskirchenamt an­geregte Ankauf des Derckschen Hauses als Pfarr­haus in Anbetracht der allgemeinen schwierigen wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnisse der Stadt bis auf weiteres zurückgestellt. Für die Instandsetzung des unteren Stockes der Wohnung des zweiten Geistlichen im früheren Egnerschen Hause wird ein Betrag bis zu 320 Mk. bewilligt." Von dem Landesarbeitsamt werden rücktoir- kend die Beiträge der Gemeindebe- amtenund Bedien st etenzur Arbeits­losenversicherung von der Stadt ver­langt, soweit die Beamten der Krankenversiche­rungspflicht unterworfen sind. Der Vorsitzende gab dazu eine ausführliche Darstellung über die Rechtslage, die für die Gemeinden wenig günstig sei. Es wurde beschlossen:mit Rücksicht Darauf, daß über Die fragliche Angelegenheit zur Zeit in anDeren Gemeinden Derwaltungsstreit- verfahren Durchgeführt toerDen, soll Die Stellung­nahme ausgesetzt toerDen bis zur ErleDigung Der schwebenDen Streitverfahren". Gießener StuDentenhilfe: Für Den Neubau Des Gie­ßener StuDentenhauses wurde auf Vorschlag Des VorsihenDen, Der Die große wirtschaftliche Be- Deutung Der Gießener StuDentenhilfe für Die Hniversität Gießen hervorhob, ein Beitrag von 100 Mk. bewilligt. Heber Die Neuanlage Des LuDwigsplahes, Die im Zusammen­hang mit Der Erbauung Des neuen Postgebäudes notwenDig geworden ist, entspann sich eine Ian» gere Aussprache, In welcher Die Ansichten übet