Nr. M Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Freitag, 2t. Juni 1929
Oie Meistertänzer von Europa.
In Bad-Nauheim: Deutscher Seniorenmeister. - Das Meisterpaar von Europa im modernen Gesellschaftstanz. - Reportage vom Parkett.
Von Maxel Troll.
Die Relativität des Ehrgeizes.
Der Sport geht heute über alles!
llnb jeder Sport hat seine Bezirks-, Landes-, Europa-, Weltmeisterschaft.
Schwimmen, Fußball usw.
Warum nicht auch das Tanzen?
Dem Europameister im Boxen muß auch der Europameister im Tango, Slow-Foxtrott usw. gegenüberstehen.
Sonst wäre das Leben ja schal und matt. Ziel- los für die, die in der Ausübung „ihres" Sports, dos Steckenpserdchen ihres Lebens reiten.
Was dem Politiker der Reichskanzlerposten, ist dem Tänzer aus Leidenschaft die Europameisterschaft im Tango, Englisch Waltz, Slow-Foxtrott und Quickstepp.
Oder gor die Weltmeisterschaft in diesen Bein- bcwegungen.
Höhere Ehre kann keinem Tanzenthusiasten zuteil werden.
Cs wäre ja auch schlimm, wenn alle Jünglinge Reichskanzler und alle Frauen „Frau Reichskanzler" werden wollten.
Alles ist organisiert.
In diesen Tagen richteten sich die Blicke aller Tanzfreudigen auf Bad-Rauheim, wo die ..Deutsche Seniorenmeisterschaft" im modernen Gesellschaftstanz und die „Meisterschaft von Europa der Tanzpaare aus Liebe" (zu deutsch: der Amateure) ousgetragen wurde. Hier in Bad-Rauheim erfuhr ich zum ersten Male, daß auch die Bewegungen der Deine und Beinchen sich einer guten nationalen und internationalen Organisa. tion erfreut. Unter der rituellen Aufsicht des „Reichsvcrbandes zur Pflege des Gesellschaftstanzes" ging die Europameisterschaft vor sich. Biele Borprüfungen hatten die einzelnen Paare aus London, Berlin, München, Saarbrücken, Frankfurt a. M., Bad-Rauheim zu bestehen, ehe sie für würdig genug befunden wurden, an dieser Meisterschaft teilzunehmen. Entsprechend dieser ernsten Dorbereitungen hatte auch die Hessische Bad- und Kurverwaltung den großen Tag würdig und würdevoll arrangiert. „Der Große Bühnensaal" war ringsum wie ein römischer Zirkus amphitheotralisch umbaut, damit auch dem „Außenseiter" keine Beinbewegung verloren ging. Wie kaum ein anderer, ift gerade dieser Saal zur Austragung einer Europameisterschaft des modernen Tanzes geeignet. Wände und Galerie des Raumes ziert eine Ornamentik im Stile alt- ägyptischen Basen. Pegasusse jazzen an den Wänden. Reptune foxen slow. Grünlich schillernde Faune fchauen interessiert von der Galerie- sassade zu, wie da unten auf dem spiegelglatten .Parkett elfengleich in leichten duftigen Kleidern schöne Frauen sich von starken Männern im Frack oder Smoking mit mondlichtweißen Hemdenbrüsten zum Tanze führen lassen.
Der —Bölkcrbundesrat — der Tänzer.
Die Feierlichkeit ist strengen Gesehen unterworfen.
An jeder Ecke des Quadrats der Tanzfläche sitzen an kleinen Tischen je zwei Schiedsrichter. Die unbestechlichen Zensoren, die jeden richtigen und falschen Schritt notieren. Inmitten des
Saales aber thront ein fünfköpfiges Oberschieds- aericht, das „Reichsgericht" bei der deutschen Meisterschaft oder bei einer europäischen Meisterschaft der „Bölkerbundsrat" der Professoren des modernen Gesellschaftstanzes. Erst wer erfolgreich die C- und dann die B- und dann die /V-Klasse absolviert hat, erringt die Berechtigung zur Teilnahme an der Sonderklasse, in der allein die Meisterschaft von Europa ertanzt werden kann.
Die Lieger.
Ausscheidungskämpfe finden statt und schließlich werden zu später Rachtstunde die Sieger verkündet.
Sieger blieb das englische Paar W. M. Heath und Fräulein Grace Williams, das seinen Konkurrenten um eine gute Klasse überlegen war. Zweiter in der Europameisterschaft war das Berliner Paar Heinz Reumann-Hertha Grünewald. Dritter das Frankfurter Paar Firehill- Röltner. Trompetenstöße, Saxophonblasen begrüßte die neuen Meister. Blitzlicht hielt auf Photoplatten das welterschütternde Ereignis für die Rachwelt und für die illustrierten Zeitungen fest. Dann wanderte man still nach seinem Hotel in dem „stolzen Bewußtsein, einen schönen Abend verlebt zu haben!" wie es in den Dereinsberich- ten des Kegelklubs „Alle Reun" so schön zu lesen steht, wenn dieser sein zehntes Stiftungsfest nicht umhin konnte zu feiern.
Die Erkrankungen des Herzens
nnd der moderne Gesellschaftstanz.
Bad-Rauheim ist balneologisch gesprochen das Weltbad für Herzkranke.
Da mich die Kurverwaltung freundlich einlud, um als Reporter an diesem großen sportlichen Ereignis des feierlichen Austrags der Europameisterschaft des modernen Gesellschaftstanzes teilzunehmen, fand ich dies paradox.
Denn, so sagte ich mir, ist ein Mensch herzkrank, so verbietet ihm der Arzt neben starkem Kaffee, hochprozentigem Bier, Wein, Schnaps und sonstigem Alkohol vor ollem auch übermäßig viel Bewegung und verordnet Ruhe unter allen Umständen.
Tanzen aber ist doch sicherlich nicht gut für Herzkranke.
Meine doch immerhin berechtigten Zweifel wußte ein freundliches Mitglied der Kurverwaltung mit leichtem Spott rasch zu zerstreuen:
Wir sind das Weltbad für Herzkranke. Richtig! Aber wir von der Kurverwaltung als alte „Praktiker für Herzkrankheiten" unterscheiden zwei Hauptkategorien von Herzkranken.
Die erste Kategorie nimmt unsere trefflichen Bäder und steht in ärztlicher Behandlung.
Für die andere Kategorie der „Herzkranken" nützen leider, und ich muß das als objektiver Mensch offen einstehen, weder unsere Bäder noch die ärztliche Behandlung. Da aber wir von Bad- Rauheim alle Herzkrankheiten heilen wollen, pflegen wir mit besonderer „Liebe" den modernen Gesellschaftstanz, der sich auf Grund langjähriger Erfahrung als die beste Kur für die Erkrankun- ren des Herzens der zweiten Kategorie erwiesen at. Wir haben daher in Bad-Rauheim von allen Bädern der Welt den besten Prozentsatz von Heilerfolgen bei Erkrankungen der zweiten Kategorie aufzuweisen. Beweis: Die von Jahr
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Roman von Edgar Wallace.
7. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„In seinen Kleidern war genug Wasser, um das Papier völlig damit zu sättigen, es ist beinahe so aufnahmefähig wie Löschpapier", sagte Larry. „Wir haben also bis jetzt folgendes festgestellt: Gordon Stuart ist ertränkt worden, und nach seinem gewaltsamen Tode haben ein oder mehrere Personen sich mit seinem Körper zu schaffen gemacht, von denen eine die Botschaft in seine Tasche gesteckt hat. Diese Person war entweder ein Blinder oder jemanden, der annahm—" Er starrte sie an. „Alle Wetter!" Ein Gedanke war ihm durch den Kopf geschossen.
„Was wollten Sie sagen?" fragte sie.
„Kann das möglich sein —“ Er runzelte die Stirn. Die Idee war absurd, und doch —. Wer auch immer die Botschaft in den Taschen des Toten gelassen hatte, erwartete, daß Diana Ward sie lesen würde.
Sie hatte keine amtliche Stellung im Vard. Daß sie Larry Holt als Sekretärin zugeteilt wurde, war ein rein zufälliger Umstand, der von niemand vorausgesehen werden konnte. Aber ein eiliger Anruf bei dem Personalchef im Präsidium ergab, daß im Augenblick kein Braille- Expert in Scotland Pard existierte. Der einzige Mann, dem die Blindenschrift bekannt war, hatte einen sechsmonatlichen Krankheitsurlaub angetreten.
„Ich glaube, Sie können die Annahme, daß die Botschaft für mich bestimmt sein follte, ruhig als ausgeschlossen betrachten", sagte das junge Mädchen lächelnd. „Rein, sie ist von einem blinden Menschen aufgesetzt worden, anderenfalls wäre sie ja auch viel besser geschrieben worden. Jemand, der seine Augen gebrauchen kann, oder —"
»Aber wenn er nun im Dunkeln geschrieben hat?" sagte Larry, als er die Schale wegstellte und den Schrank abschloß.
„Wenn er nicht blind wäre, würde er wahrscheinlich nicht im Besitz des Instrumentes sein, um diese Zeichen zu machen", sagte sie kopfschüttelnd, und Larry mußte ihr beipflichten. Die beiden nächsten Stunden wurden mit Erledigung der Briefe an die verschiedenen amtlichen Stellen ausgefüllt. Um elf Uhr stand Larry auf. nahm Mantel und Hut und sagte:
„Wir fahren jetzt spazieren."
„Wir?" fragte sie erstaunt.
„Ich möchte, daß Sie mitkommen." Larrys Ton war amtlich, und sie gehorchte stillschweigend.
Ein Auto erwartete sie am Eingang des Präsidiums. Der Chauffeur hatte augenscheinlich schon seine Instruktionen erhalten.
„Wir fahren nach Beverley Manor — das kleine Rest, das Stuart so regelmäßig ausgesucht hat", erklärte er. „Es liegt mir viel daran, herauszufinden, welche Anziehungskraft die alte Saxonenkirche für den unglücklichen Mann gehabt hat. Er war kein Archäologe, und so wird wohl die Tatsache, daß die Fundamente der Kirche ungefähr tausend Jahre alt sind, kein großes Interesse für ihn gehabt haben."
Es war ein wundervoller Frühlingstag, dessen köstliche Frische rosige Farben auf ihre jungen, gesunden Gesichter brachte. Die Hecken waren von zarten, grünen Blättern bedeckt, die Grasstreifen am Wege gelb von Schlüsselblumen. Schweigend sahen die beiden nebeneinander, die das Schicksal unter so eigenartigen Umständen zusammengebracht hatte, genossen den goldenen Tag mit dankbarem Herzen, mit der Freude am Leben und der auferstehenden, göttlichen Ratur. Zwitschernde Vögel waren emsig beim Restbauen und sangen die alte — ewige junge Hymne des Werdens, flüchtige Schatten huschten über die Straße und blickten aus ihren Erdlöchern auf die Dorüberfahrenden. In einem geschützten altmodischen Garten blühten weiße Lilien.
Beverley Manor war ein kleines, unbedeutendes Dörfchen am Fuße des Kentish Rag, das außer feiner alten Kirche wenig Anziehungspunkte für Besucher hatte. Abseits von der großen Kentchaussee lag es, ein kleines, vergessenes Plätzchen im ländlichen England, wo das Leben still und ungetrübt seinen Lauf nimmt.
Eie fuhren zum Gasthof und machten sich dann, als Larry das Mittagessen bestellt hatte, zu Fuß auf den Weg nach der Kirche, die ungefähr eine Diertelmeile entfernt am Rande eines weißen, freundlichen Weges lag. Die Kirche war nicht hübsch, ihr viereckiger Turm war niedrig und finster. Generationen und Generationen hatten versucht, die im Beginn einfachen Linien des Gebäudes zu verschönen und hatten ein architektonisches Mischmasch hervorgebracht, in dem romanistischer, gotischer und normännischer Baustil miteinander kämpften.
„Das .schreit doch beinah zum Himmel", sagte Larry ünehrerbietig als sie durch das altertümliche Tor in den Kirchhof traten.
Das Portal der Kirche stand offen, aber niemand war zu sehen. Wie störend auch das ungefällige Aeuhere des Gebäudes sein mochte, das einfache Innere atmete Ruhe und stillen Frieden.
Larry hatte gehofft, Erinnerungstafeln an den Wänden der Kirche zu finden, die ihm irgendeinen Fingerzeig über die Deranlassung zu
zu Jahr stetig anwachsende Zahl der Verlobungen und Heiraten unserer Kurgäste, die das städtische Standesamt und unsere Kurliste getreulich und gewissenhaft registrieren.
Aus diesem wohlerwogenen Grunde scheute auch die Kurverwaltung keine Mühe und keine Kosten, um den Austrag der „Meisterschaft von
Europa" im modernen Gesellschaftstanz für unseren Kurort für Herzkranke zu sichern.
Rach dieser klugen Erklärung waren alle meine Zweifel beseitigt und mit dem Lob für die all« weise und menschenfreundliche Kurverwaltung im Herzen verließ ich diesen Ort wahrer Menschenliebe.
Tumen, Sport und Spiel.
Oer Fußballkampf Oeutschland — Schweden.
Am kommenden Sonntag findet in K ö l n der achte Fußballkampf zwischen Deutschland und Schweden statt. Diese Begegnung hat um so größere Bedeutung, weil die Schweden unter den nordischen Staaten als die spielstarkste Nation gelten und diese Tatsache erst wieder in den letzten zwei Wochen durch drei Siege gegen Holland (6:2), Finnland (3:1) und Dänemark (3:2) unter Beweis gestellt haben. Die fußballsportlichen Beziehungen jju Schweden nahm Deutschland erst 1911 auf, also drei Jahre nach Beginn der Länderkämpfe mit puderen Nationen. Die Schweden waren damals in ihrer Spielstärke recht primitiv, haben sich aber seitdem enorm entwickelt. In erster Linie ist dieser Umstand aus die Spiele gegen die englischen Profis zurückzuführen. Die erste Begegnung gewann Deutschland mit 4:2. Es sollte aber der einzige Sieg in den bisherigen sieben Begegnungen mit Schweden bleiben.
Deutschlands Mannschaft für den bevorstehenden Kampf ist nicht als stärkste deutsche Vertretung anzusprechen. Durch die Einlegung des Kampfes gegen Schottland mußten für den vierten Länderkampf des Jahres die Spieler des stärksten deutschen Vereins, des 1. FC. Nürnberg, freigestellt werden. Vor allem fehlt Stuhlfauth im Tor, der unbestritten Deutschlands bester Torwart ist. Für ihn hütet Kreß (Frankfurt) das Mal, und gerade diese Tatsache ist es, die an einen Erfolg gegen Schweden nicht recht glauben läßt. Die Verteidigung mit Weber (Kassel) und Schütz (Frankfurt) sollte ihrer Aufgabe gerecht werden. Beide Verteidiger sind technisch gut, schlagsicher und spielerfahren. Auch die Läuferreihe ist trotz des Fehlens von Kalb, den der D. F. B. wegen der Amsterdamer Vorgänge noch immer nicht zu seinen Länderspielen heranzieht, als stark anzusprechen. Geiger (Nürnberg), Leinberger (Fürth), und Knöpfle (Frankfurt) haben gegen Italien den großen 2:1-Sieg erringen helfen und werden auch dieses Mal ihren Mann stehen. In Hamburg ist die Aufstellung von Horn (Hamburg) in der Sturminitte ein Experiment. Auch Hofmann (Dresden) steht halbrechts auf einem ungewohnten Posten, was aber für diesen begabten Stürmer kein allzu großes Handicap ist. Wie Frank (Fürth) verfügt er über einen gesunden Schuß, so daß der deutsche Angriff als recht durchschlagskräftig bezeichnet werden muß. Albrecht (Düsseldorf) rechts und Hofmann (München) links sind Außenstürmer, die nicht zum ersten Male in der deutschen Elf stehen und bisher noch nicht enttäuscht haben. — Schwedens Mannschaft ist nach den Erfahrungen der letzten Länderspiele aufgestellt. Sie ist stärker als die Mannschaften, die zuletzt gegen Deutschland angetreten sind. Ramentlich der Jnnensturm mit Rudell, Kaufeldt und Albin Dahl ist allerbeste Marke. K r o o k und Andersson als Verteidiger sind große kräftige Gestalten, beide schlagsicher und unerschrocken. 'L i n d b e r g-im Tor ist der beste Vertreter seines Faches in Schweden. Lediglich der Mittelläufer ist ein unbeschriebenes Blatt: nachdem Schwedens großer Könner Friberg abgetreten ist, hat das
Stuarts Fahrten geben könnten. Aber außer einer Bronzetafel, die die Tugenden eines früheren Vikars pries, und dem Grabmal eines alten Bischofs von Rochester, waren keinerlei Gedenktafeln zu sehen.
Larry begann dann eine systematische Tknter- suchung der Gräber. Die meisten waren sehr alt und ihre Inschriften kaum zu entziffern.
Schließlich kamen sie an das Ende des Kirchhofes, wo ein halbes Dutzend Arbeiter einen in Sackleinewand verpackten Grabstein herbeischleppten. Schweigend standen sie Seite an Seite und sahen zu, wie die Arbeiter ihre Last an einem gut gepflegten Grabe niederlietzen.
„Ich fürchte, wir haben unsere Reise umsonst gemacht," sagte Larry. „Wir wollen noch versuchen, im Dorf etwas zu erfahren und fahren dann nach London zurück."
Er war gerade im Begriff zu gehen, als einer der Männer anfing, die Leinewand von dem Grabstein zr^ entfernen.
„Wir können schließlich auch sehen, wer das hier ist," sagte Larry und trat zu den Arbeitern heran, die ihm Platz machten. Mit Verblüffung las er:
+
Zur Erinnerung an Margaret Stuart Ehefrau von Gordon Stuart (Calgary Can.) Gest. 4. Mai 1899 und ihrer einzigen Tochter Jeane, Geb. 10. Juni 1898
Gest. 1. Mai 1899
Das junge Mädchen stand jetzt neben ihm, und beide starrten sie auf den Grabstein.
„Seine einzige Tochter!" sagte Larry im Tone tiefsten Erstaunens. „Seine einzige Tochter! Ums Himmels willen, wer ist denn da Clarissa?"
9.
Ein Besuch beim Amtsvorsteher ergab auch kein befriedigendes Resultat. Margaret Stuart war auf einer Farm drei Meilen außerhalb Beverley Manor gestorben, und feit ihrem Tode hatte die Farm zweimal ihren Besitzer gewechselt.
„Dor zwanzig Jahren?" sagte der Farmer, den Larry aufsuchte. „Dor zwanzig Jahren war das Haus hier so eine Art Genesungsheim. Es wurde von einer Frau geleitet, die kranke Leute aufnahm."
Wo die Frau geblieben war, konnte er nicht sagen. Aus dem Dorf war sie nicht, und er glaubte gehört zu haben, daß sie gestorben wäre.
Land feinen überragenden Mittelläufer auf zu ° weisen. Das Können der Läuferreihen sollte das Spiel entscheiden. Im übrigen ist die Mannschaft nach den siegreich verlaufenen Spielen gegen Holland und Dänemark unverändert gelassen. Der Kampf steht unter der Leitung des Wiener Schiedsrichters Braun.
Ein Sieg Deutschlands würde die guten Erfolge gegen die Schweiz, Italien und Schottland unterstreichen und viel zur Hebung des deutschen Ansehens im internationalen Fußballsport beitragen. Aber auch die Schweden haben nach ihren diesjährigen Erfolgen in den Länderkämpfen das gleiche Streben. So sollte es einen harten Kampf geben.
Leichtathletik der Sp.-Dg. 1900.
ö. Mit einem größeren Aufgebot von Wettkämpfern .wird die Spielvcreinigung 1900 am kommenden Sonntag die leichtathletischen (5. nationalen) Wettkämpfe des Sportvereins „Hessen" 1911 Franienberg besuchen. Die 1900er werden dort t; i starke, insbesondere westdeutsche Konkurrenz stoßen. In den Einzel- kämpsen wird man, da verschiedene Spihenleute nicht starten können, nicht allzuviel Lorbeeren ernten können. Bei den Staffeln (3 mal 1000 Meter, 4 mal 400 Meter und 4 mal 100 Meter) sind die Aussichten etwas günstiger. Ob es allerdings dazu reichen wird, mit ersatzgeschwächter Mannschaft den Wanderpreis in der letztgenannten Staffel erfolgreich zu verteidigen, erscheint fraglich. Außer den Aktiven sind noch einige talentierte Jugendliche mit von der Partie. Es steht zu erwarten, daß sich auch der Rachwuchs ebenso rühmlich schlägt, wie in den Dor- jahren.
V.f. B. Leichtathletik.
Am kommenden Sonntag findet auf dem Waldsportplatz zum erstenmal ein leichtathletischer Jugendklubzweikampf, V. f. B. Gießen gegen D. f. L. Wetzlar, statt. Dor drei Wochen muhte die D. f. B.-Jugend die Ueberlegenheit der von Paulus trainierten Wetzlarer mit 59:91 Punkten anerkennen. Wenn auch der Plahverein sich kaum Hoffnungen auf einen Sieg machen darf, so ist doch auf Grund der diesmaligen besseren Besetzung ein etwas günstigeres Abschneiden zu erwarten. Die Der- anstaltung sieht Lauf-, Wurf- und Sprungkonkurrenzen der Jahrgänge 1911 bis 1917 und jünger vor.
Handball in Gießen.
Kommenden Samstag trägt die Studenten- e I f ihr Rückspiel gegen die Stadtmannschaft aus. Das Dorspiel mußte nach Halbzeit wegen Regens abgebrochen werden. Ein richtiger Kräftevergleich der beiden Mannschaften war so nicht möglich, da die Universität außerdem sechs neue Spieler eingestellt hatte, die sich erst einfinden mußten. Auf Grund der gezeigten Einzelleistungen sollte diesmal ein Sieg der Studenten möglich fein, jedoch gibt die. auf Erfolg eingestellte Spielweise des Gegners diesem auch Siegeschancen.
„Ich habe mir schon den Kopf zerbrochen," fuhr er fort, „um auf ihren Rarnen zu kommen. Ich habe erst gestern einem Herrn gesagt, daß er sich am besten in Somerset House erkundigen könnte und —"
»Ein Herr?" unterbrach Larry schnell. „Hat sich denn jemand nach ihr erkundigt?"
„Ja, Sir, ein Herr aus London," war die Antwort. „Er war im Automobil von London gekommen und hat mir fünfzig Pfund angeboten, wenn ich ihm den Ramen der Frau verschaffen könnte, die das Genesungsheim hier geleitet hat, und sogar hundert Pfund, wenn ich ihm irgend etwas über eine Dame mitteilen könnte, die hier vor zweiundzwanzig Jahren gestorben ist. Ihr Rarne war Stuart.
„Wirklich?" fragte Larry, jetzt völlig bei der Sache. Er wußte ganz genau, daß niemand vom Präsidium diese Erkundigungen eingezogen haben konnte. „Wie sah denn der Herr aus?"
„Er war ziemlich groß, sein Gesicht konnte man aber nicht deutlich sehen, weil er seinen Mantel bis über das Kinn hinauf zugeknöpft hatte. Es fiel mir aber auf, daß ihm der kleine Finger der linken Hand fehlte."
Den Rachhauseweg legten beide, Larry und Diana, schweigend und in Gedanken verfunken zurück. Der Wagen suchte sich schon seinen Weg durch den lebhaften Derkehr auf der Westminster Bridge Road, als er auf ihren Besuch in Beverley Manor zurückkam.
„Wer hat es so eilig, Informationen über die Stuarts zu erhalten, daß er sogar fünfzig Pfund dafür bezahlen will? Wer ist seine Tochter Clarissa, und wie kann er überhaupt eine Tochter Clarissa haben, wenn seine einzige Tochter in Beverley Manor begraben liegt?“
„Sie erkundigten sich doch bei dem Steinsetzmeister, als wir nach Beverley Manor kamen. Konnte der Ihnen denn keine Auskunft geben?" fragte das junge Mädchen.
Er nickte.
„Der Gedenkstein ist von Stuart bestellt worden, der die Gewohnheit hatte, täglich nach dem Kirchhof zu kommen und am Grabe zu sitzen. Er hatte den Stein vor zwei Monaten bestellt und war erst in vergangener Woche dort, um ihn vor dem Aufstellen zu sehen."
Gedankenvoll nagte er an seiner Unterlippe.
„3n dem Zeitraum zwischen seinem Besuch in Beverley Manor und der Rächt seines Todes muß Stuart entdeckt haben, daß er noch ein zweites Kind hatte." Er schüttelte den Kopf. „So was gibt's heutzutage nicht mehr," sagte er bestimmt, „wenigstens nicht im wirklichen Leben."
(Fortsetzung folgt.)


