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Auch ich gehöre zu den Dahetm-Gebliebenen und will den Ratschlägen des (oder der) L. M. die am Dienstag hier veröffentlicht wurden, gern folgen. Ich vermisse nur eins, das Dielen Menschen und mir besonders zur Erholung un­bedingt nötig ist: das ist die gute Hausmusik. Wohl kann ich mir zu jeder Zeit, nach vollbrach­tem Tagewerke, auf meinem Klavier etwas Vorspielen, wohl können wir einige Lieder fingen; ober im Drang der Geschäfte wird das oft ver­gessen. Und wie schnell ermüdet man auch Dann, der Tag hat ja unsere ganze Kraft erfordert. Aber nun in den Ferien? Kann der Tag schöner beginnen als mit einigen Lieblingsstücken auf dem Klavier, einigen munteren Sommer- und Wanderliedern im Kreise der Familie? Und erst am Abend, wenn der Glutball der Sonne wie gut meint sie es eben! hinter den Bergen versunken ist, wie mächtig wirkt da ein schönes Lied auf uns ein. Die Lebensfreude wird durch die Musik geweckt und gefördert. In frohen Stunden und die haben wir doch in den Ferien ist sie uns die liebste Gefährtin. Wenns uns gut geht, singen wir. Unbeschwert und sorgenlos schauen wir in die Tage der Ferien. Kommt da das Lied nicht ganz von selber? Allerdings keine Schlager oder blödsinnige Gassenhauer, sondern meistens nur Volkslieder. Der ganze Zauber dieser einfachen Melodien ersaht uns niemals stärker, als in diesen Tagen des Iahres.Wenn alle 'Brünn­lein fliehen",Wie schön blüht uns der Maien", So grün als ist die Heide", oder am Abend? Stehn zwei Stern am hohen Himmel",Ver­stohlen geht der Mond auf",Es tönt des - - ~ ---- " ,Es dunkelt schon in

Aus der Provinzialhauptstadt

Gießen, den 20. Iuli 1929.

Gute Hausmusik.

Kirche und Schule.

± Ridda, 19. Iuli. Durch Oberkirchenrak Wagner (Gießen) fand dieser Tage Deka­natsvisitation statt. Mit der Visitation war eine Pfarrkonferenz verbunden, die hier am 16. Iuli in der Sakristei der Stadt­kirche gehalten wurde. Die Dekanatsgeistlichkeit war bis auf zwei beurlaubte Pfarrer erschienen. Aach Eröffnung der Versammlung mit Schrift­lesung und Gebet durch Pfarrer Weihgerber (Bingenheim) richtete Dekan S c r i b a herzliche Vegrühungsworte vornehmlich an den Super­intendenten Oberkirchenrat Wagner, der dann seinerseits in brüderlicher Weise in tiefgehender, beherzigenswerter Ansprache zu den Amtsbrü­dern sprach. Vei Erledigung des Geschäftlichen führte die Erhebung des Kirchnotgeldes sowie die gespannte Finanzlage der Landeskirche und vieler Einzelgemeinden zu einer längeren Aus­sprache. Hierbei wurde darauf hingewiesen, daß die Kirchnotgeld-Steuerzettel grundsätzlich allen Steuerpflichtigen soweit das Finanzamt nicht in Frage kommt von der örtlichen Steuerver­tretung zuzustellen sind von ganz besonderen im Gesetz gewahrten Fällen abgesehen, dah ein Erlah der Kopfsteuer aus Dilligkeitsgründen erst! auf Reklamation hin überhaupt in Frage komme. Mach Erledigung des geschäftlichen Teiles der Tagesordnung hielt Pfarrer Weihgerber Bingenheim einen Vortrag überDie Kirchs im Ringen der Gegenwart". In der kurzen Zeit, die dem Vortragenden für dies schier unerschöpf­liche Thema zur Verfügung stand, befaßte cc sich in der Hauptsache mit dem vor einigen Jahren erschienenen Werk des Berliner General­superintendenten Dibelius,Jahrhundert bet Kirche", in dem dieser geschichtliche Ueberblicke und aktuelle Aufgaben und Ziele miteinander verknüpfte. Der außerordentlich wertvolle uiü>

1 inhaltreiche Vortrag fand lebhaften Beifall.

näheren Umgebung des Theaters, z. D. in einem Papierkorbe, ausfindig gemacht. Der Experi­mentator arbeitete geschickt und sicher; ein Ver­sager war nicht zu beobachten. Die Strahen- experimente werden heute und morgen um die gleiche Zeit wiederholt; außerdem werden Ex­perimentalvorführungen anderer Art als Ein­lagen während der Vorstellungen im Lichtspiel­hause gezeigt.

Der Bauersche Gesangverein ver­anstaltete anläßlich des Zweiten Hessischen Sän­gerbundesfestes in Darmstadt am Samstag, 13. Juli, abends, in der Otto-Berndt-Halle Reu- Aula der Technischen Hochschule in Darmstadt ein Konzert, in dem, wie man uns mitteilt, Volkslieder neuerer Bearbeitungen zum Vor­trag kamen, und zwar: Ehöre von R. Langs, PH. Wolfram, F. Hanemann, G. Wohlgemuth, A. v. Othegraven und W. Moldenhauer. Der Besuch des Konzerts war sehr gut, der Beifall nach den einzelnen Darbietungen überaus stark. Hab' mein' Wagen voll geladen" von Hane­mann,Bon den zwei Hasen" undDer Jäger aus Kurpfalz" von Othegraven, sowieSchwä­bisches Tanzlied" von W. Moldenhauer muhten auf stürmisches Verlangen der Konzertbesucher wiederholt werden.

Dritte volkstümlicheRheinfahrt. Das Hapag-Reisebureau Gießen veranstaltet am Sonntag, 4. August, seine dritte volkstümliche Rheintour. Die Abfahrt mit Sonderzug erfolgt 6 Uhr 32 Min. früh ab Gießen mit Haltestellen in Grohen-Linden, Lang-Göns, Butzbach, Bad- Aauheim und Friedberg. Ankunft in Mainz- Kastell 8 Uhr 27 Min. Ab Mainz mit Sonder- Salondampfer, begleitet von zwei Musikkapellen, nach Rüdesheim und Ahmannshausen. An beiden Orten ein Aufenthalt von je über zwei Stunden zur bequemen Besichtigung des Aiederwalddenk- mals. Besuch der Winzerstuben usw. Aach aber­maliger 21/2ftünbiger Dampferfahrt wird Koblenz erreicht, woselbst weitere zwei Stunden zur Be­sichtigung der Sehenswürdigkeiten und dem Be­suche des Weindorfes in Koblenz den Teilneh­mern zur Verfügung stehen. Die Heimfahrt er­folgt 19 Uhr 54 Min. ab Koblenz, Ankunft in Gießen 22 Uhr 8 Min., so daß alle auswärtigen Teilnehmer rechtzeitig ihre Anschlußzüge er­reichen. (Aäheres im heutigen Anzeigenteil.)

Die wirtschaftliche Bedeutung eines regen Fremdenverkehrs in unserer Stadt ist von uns schon wiederholt bargelegt worden. Alle Zweige der heimischen Wirtschaft werden auf direktem oder indirektem Wege durch den mit dem Fremdenverkehr verbundenen Geldzu­strom von außen her befruchtet. Mit Anerken­nung muh bei einer Betrachtung über diese An­gelegenheit vermerkt werden, dah der Gieße­ner Verkehrsverein und das städtische Verkehrsamt auf dem Gebiete der Fremden­werbung auherordentlich rege tätig sind. Ebenso verdient lobend hervorgehoben zu werden, dah der Volkshalle-Verein alle Bestrebun­gen, mit Hilfe der Dolkshalle durch Veranstal­tungen die Besucherzahl in unserer Stadt zu er­höhen, verständnisvoll unterstützt, und dah auch durch die Arbeit der Vereine, sowie durch die sorgsame Pslege unserer Märkte seitens der Stadtverwaltung alles getan wird, um der Ge­schäftswelt und allen Wirtschaftskreisen durch Fremdenverkehrswerbung neue, starke Antriebe zu geben. t

Wie nützlich die Arbeit auf diesem Gebiete bisher war, kann man aus einer statistischen Aufstellung über den Fremdenver­kehr in Gießen in der Zeit vom 1. April 1 927 bis 31. März 1 929 er­sehen. In diesen zwei Iahren wurden in den Hotels und Gasthäusern unserer Stadt insge­samt 68 891 Fremde mit insgesamt 99116 Ueber- nachtungen gezählt. Davon waren 64 997 Fremde mit 82 699 Uebernachtungen für die Dauer von 13 Tagen und 3894 Fremde mit 16 417 Ueber­nachtungen für die Dauer von mehr als 3 Tagen. Im einzelnen entfallen auf die Zeit vom 1. April bis 3 0. September 1 927 ins­gesamt 17 395 Fremde mit zusammen 24 368 Uebernachtungen (davon 16 532 Fremde mit 21 384 Uebernachtungen bis zu 3 Tagen und 863 Fremde mit 2984 Uebernachtungen mit

andere Mal ein Sol.

Zur Diskussion sprachen Professor Schmidt und Professor Küster, welche zu bedenken ga­ben, daß es sich bei der Differenzierung von Chro­matin und Zellkerngrundsubstanz auch teilweise um osmotische Vorgänge handeln könnte. Dr. F. K.

Daten für Sonntag, 21. Juli.

Sonnenaufgang 4.07. Sonnenuntergang 20.04. Mondaufgang 20.35. Monduntergang 3.02 Uhr.

1816: D erDichter Iulius Sturm in Kostriz geb. 1858: Der Maler Lovis Corinth in Tapiau geb.

Daten für Montag, 22. Juli.

Sonnenaufgang 4.09. Sonnenuntergang 20.03. Mondaufgang 21.02. Monduntergang 4.08.

1872: Der Staatsmann Karl Helfferich in Aeu- stadt a. d. H. geb. 1909: Der Dichter Detlev v. ßiliencron in Alt-Rahlstedt bei Hamburg gest.

Gießener Wochrnmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 190 bis 200 Pfennig, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 25 bis 30, Weihkraut 25 bis 30. Spinat 30, Römischkohl 15 bis 20 Bohnen (grüne) 25 bis 30, (gelbe) 25 bis 35, (dicke) 20 bis 25, Erbsen 25 bis 30, Mischgemüse 10 bis 15, Tomaten 30 bis 50, Zwiebeln 10 bis 25, Rhabarber 10 bis 15, Kartoffeln (alte) 5.5, (neue) 7 bis 8, (pro Zent­ner, alte. 4,50 Mk., neue, 7 Mk.), Frühäpfel 40 bis 45. Aepfel (ausl.) 45 bis 70, 'Birnen 20 bis 40. Dörrobst 35 bis 40, Kirschen 45 bis 70, Sauerkirschen 45 bis 50, Heidelbeeren 40 bis 50, Stachelbeeren 20 bis 25, Johannisbeeren 25 bis 30, Erdbeeren 80 bis 100, Walderdbeeren (Schop­pen) 50 bis 55, Himbeeren 70 bis 80, Aprikosen 55 bis 60. Pfirsiche 75 bis 80. Mirabellen 65 bis 70, Pflaumen 70 bis 75, Honig 40 bis 50, junge Hähne 120 bis 130, Suppenhühner 100 bis 120 pro Pfund; Tauben 70 bis 90. Eier 13 bis 14, Blumenkohl 30 bis 90, Salat 10 bis 15 Salatgurken 25 bis 50, Cinmachgurken 5 bis 8, Oberkohlrabi 10 bis 15, Lauch 10 bis 15, Rettich 20 bis 30. Sellerie 10 bis 15 pro Stück; gelbe Rüben 20 bis 25. rote Rüben 20 bis 25, Radieschen 10 bis 15 Pfennig pro Bund.

Bornotizen.

Tageskalender für Samstag. OrtsvereinThpographia" im Verband der Deutschen Buchdrucker: Johannisfest, 19.30 Uhr, auf der Karlsruh. Gießener Ruder-Gesell- schäft 1877 e. V.: Generalversammlung, 20.30 Uhr, im Bootshaus. Lichtspielhaus Bahnhof­straße:Verirrte Jugend",Man soll kein Ka­valier sein!" undDer Farmerlehrling".

Tageskalender für Sonntag. Ge­sellschaft Liebig-Museum: Hauptversammlung, vormittags 11.15 Uhr. Lichtspielhaus Bahn­hofstraße:Verirrte Jugend",Man soll kein Kavalier fein! undDer Farmerlehrling".

Stadttheater Giehen. Man schreibt uns:Rotlandung eines amerikanischen Flug­zeuges in Rew Jersey, bei dem das Dach eines Hauses durchschlagen wurde." Die sensationelle Meldung, zugleich illustriert, konnte man vor kurzem im ausländischen Bilderdienst desGie­ßener Anzeigers" sehen. Wie aktuell der neue SchwankHallo, wir fliegen" ist, den unsere

mehr als 3 Tagen). In der Zeit vom 1. Ok­tober 1 927 bis 31. März 1 928 kehrten 18111 Fremde mit insgesamt 23 667 Uebernach­tungen hier ein (davon waren 17163 Fremde mit 19 807 Uebernachtungen von 13 Tagen und 948 Fremde mit 3860 Uebernachtungen von mehr als 3 Tagen). Vom 1. April b i s 3 0. September 1 928 zählte man insgesamt 17 193 Fremde mit 26 015 Uebernachtungen (da­von waren 16 078 Fremde mit 22 022 Uebernach­tungen bis zu 3 Tagen und 1115 Fremde mit 3993 Uebernachtungen von mehr als 3 Ta­gen). Das Halbjahr vom 1. Oktober 1928 b i s 31. März 1 92 9 brachte 16192 Fremde mit insgesamt 25 066 Uebernachtungen hierher (davon waren 15 224 Fremde mit 19 486 Ueber­nachtungen bis zu 3 Tagen und 968 Fremde mit 5580 Uebernachtungen von mehr als drei Tagen). Wenn auch, rein ziffernmäßig gewertet, die F rem- den z i f f e r in der Berichtszeit einen gewissen Rückgang aufweist, so steht dieser Erscheinung als bedeutsames Gegengewicht jedoch gegenüber, daß die Gesamtziffer der Uebernachtungen eine nach oben gerichtete Tendenz zeigt, eine Tatsache, die in wirtschaftlicher Hinsicht von großer Be­deutung ist.

Von der Gesamtziffer der in den letzten zwei Iahren in unserer Stadt eingekehrten 68 891 Fremden entfallen im einzelnen auf: Hessen 13 901, Hessen-Aassau 11 742, Rheinland-Westfalen 10 401. das übrige Preußen 11032, Baden 3314, Rhein­pfalz 2875, übriges Bayern 3026, Württemberg 2206, Sachsen 2672, das übrige Deutschland 6468, das Ausland 1254 Personen.

Jedenfalls geht aus diesen verkehrsstatistischen Ermittlungen hervor, dah die Werbearbeit des Verkehrsverein, des städtischen Verkehrsamtes, der Marktverwaltung und die Mithilfe durch die verschiedensten Vereine unserer Stadt vorteilhaft für unser Gemeinwesen ist und mit Aachdruck fortgeführt werden muß.

Wenn man tagsüber gewandert ist und die Schönheiten der Natur in sich aufgenommen hat, wenn man am murmelnden Bächlein entlang nach Blumen und Faltern geschaut hat, kann da über­haupt noch ein Gassenhauer über unsere Lippen kommen? Keinen schöneren Tagesabschluß gibt es für uns, als wenn sich die Familie am Abend um das Klavier sammelt und ein Lied nach dem andern aus frohem Herzen strömt.

Wir haben zwar Rundfunk und können so viel Musik hören, wie wir wollen, aber was bedeutet bas gegenüber der Freude und dem Stolz, die wir empfinden, wenn wir nach gehöriger Hebung ein Stück felbft meistern, wenn wir so einbrin­gen in die eigentlichen Schönheiten des Musik­stückes? Das ist doch ganz anders, als wenn wir nur genießen. Wir müssen die Musik als unser innerstes Eigentum betrachten, das wir nicht mühelos finden, sondern uns erarbeiten. Dann wird uns das Musikstück erst zum Erlebnis.

Gar mancher hat schon, mit dem Wunsche und Willen der gesamten Familie, auf eine oder mehrere Sommerreisen verzichtet, um sich mit dem ersparten Gelbe ein Klavier, oder, wie Freund Heinrich, sogar einen Flügel anzuschaffen. Ja, Freund Heinrich hat sogar gebaut, und das größte und schönste Zimmer gab das Musikzim­mer. Er ist ja auch durch und durch musikalisch. Ihm ist Musik das Leben. So traf ich ihn vor kurzem in der Frühe in seinem Musikzimmer. Die Kaffeetasse stand neben chm auf einem Stuhl, in der linken Hand hielt er ein Brötchen. Kauend saß er an seinem Flügel und griff mit der Rech­ten Akkorde und suchte irgendeine Melodie. Ganz versunken sah er da, dann steckte er den Rest des Brötchens in den Mund, und mit beiden Händen griff er zu. In perlenden Läufen lieh er seine fünfen Finger über die Tasten gleiten, dann leitete er langsam über zu demFreischütz", seiner Lieblingsoper. Ja, ich muh gestehen, dah Heinrichs Flügel unser Klavier an Tonfülle und Klangschönheit übertrifft, aber auch unser In­strument ist uns lieb und wert. Gerade jetzt in der Erholungszeit ist es unser bester Freund. Man hat ja sonst immer nicht genügend Zeit, um sich ihm ganz zu widmen, und mit ihm Zwie­sprache zu halten. Zwiesprache und Genuß zu­gleich. Die Kinder, die während der Schulzeit manchmal ungern an das Klavier gingen, kommen jetzt von selber. Sogar die Kleinsten tippen mit einem Finger irgendeine kleine Melodie.

So ist das Klavier auch im Sommer unser Hausfreund, ein Freund, auf den man sich ver­lassen kann. W.

Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde.

In der letzten Sitzung der Oberhessischen Gesellschaft für Aatur- und Heil­kunde. (Naturwissenschaftliche Abteilung, gab Diplom-Bergingenieur R. Rieder einen kurzen Bericht über seine Untersuchungen in den Rot- eifenfteingruben der mittleren Lahnmulde. In zusammenfassender Form legte er dar, dah alle Gruben eine mehr oder weniger starke anchimeta- morphe Umwandlung erfahren haben. In­sonderheit tritt dies in dem Mineralbestand der Erzlager durch die Aeubildung von Magnetit und Schwefelkies in Erscheinung. Diese beiden Mine­ralien sind erst nach der Deformation der Erz­lager entstanden, steslen also keine primären Bildungen dar. wie man früher annahm. Aur Roteisen bzw. Eisenglanz ist prätektonischer Ent­stehung. Im Aebengestein gibt sich die tektonische Beanspruchung durch schiefriges Gefüge, stellen­weife Mylonitisierung und durch Reubildungen von Quarz. Kalkspat und Serizit zu erkennen.

Zur Diskussion sprachen Prof. Henneberg und Dr. Richter, welche Auskunft wünschten über die Genese des Erzes und des Hebens gesteines der Erzlager. Der Vortragende lehnte eine Diskussion dieser nach der Ansicht der Diskussionsredner prinzipiell wichtigsten Frage ab.

Darauf hielt Dr. Siegfried Strugger einen längeren Portrag über die Kolloidchemie des pflanzlichen Zellkerne». Zunächst schilderte der Dor- tragende in kurzen Zügen die Entwicklung der Kernforschung, welche sich in drei große Perioden aliebert, die durch die Methoden und die Problem­stellung charakterisierbar sind. In den letzten 20 Jahren trat insbesondere die Untersuchung des Zellkernes im lebenden Zustande in den Vorder­grund. Durch diese Arbeiten wurde eine Verbin­dung der Kernforschung mit der Kolloidchemie her- gestellt. Wenn die frühere Forschung rein statisch eingestellt war, so wurden immer mehr Stimmen laut, daß der Kernpunkt aller Probleme des Zell- lebens in der dynamischen Betrachtungsweise zu suchen ist. Diese Richtung blieb jedoch nur in ben Anfangsstadien stecken, ba alle gebräuchlichen Me­thoden (UltraMikroskopie u. a.) bei der bisher üb- Üchen Kernforschung versagten. In diesem Punkte

ftnbung winziger, vom Publikum in g: Anzahl wahllos versteckter Papierstückch Hilfe von Gedankenübertragung, wobei jeweils der. welcher einen Zettel versteckt hatte, den Führer spielte. Zur festgesetzten Zeit hatte sich ein zahlreiches Publikum, das allerdings großenteils aus Jugendlichen und neugierigen Passanten bestand, vor dem Lichtspielhause in der Bahnhofstraße eingefunden, um den Experi­menten beizuwohnen. Cs wurden im ganzen drei Versuche gemacht, die alle überraschend schnell zum Erfolg führten. Dreidunkle Punkte" wurden von Herrn Andrussen alsbald in der

Intendanz für die Sommerspielzeit erworben hat, kann man daraus erkennen, daß dieser gewiß nicht alltägliche Vorfall genau in derselben Art sich im zweiten Akt des tollen Stückes ereignet. Die Spielleitung hat der neuverpflichtete Ko­miker Heinrich Hub. der zugleich die Hauptrolle spielt.

" Die Müllverbrennung. Im An­schluß an das Eingesandt in unserem gestrigen Blatte betr. Klagen von Anwohnern des Schiffenberger Weges über die Verbrennung von Müll in der Sandkaute am Schiffenberger Weg haben wir Erkundigungen an maßgebender Stelle eingezogen und dabei erfahren, dah seitens des städtischen Tiefbauamtes eine Müllverbrennung überhaupt nicht stattfindet. Die mit der Mull­abfuhr betrauten Arbeiter habmt den Müll in der Sandkaute lediglich abzuladen. Cs ist aber schon wiederholt bemerkt worden, daß nach Feier­abend von unbefugten Personen Müll auf den Ablagerungsplatz geschafft worden ist und daß dabei auch vielfach Abfälle von den betreffenden Personen angebrannt worden sind. Bisher gelang es nicht, solcher Personen habhaft zu werden, da sie jedesmal rechtzeitig flüchtig gingen. Ver­schiedentlich ist auch durch Ablagerung von glü­hender Asche Feuer entstanden, das aber von den Arbeitern des Tiefbauamtes stets nach Ent­deckung gelöscht worden ist. Man erflärt mit Aachdruck. daß Beschwerden über eine städtische Müllverbrennung völlig unbegrün­det sind, da wie oben gesagt von städtischen Organen keinerlei Müllverbrennung vorgenom­men wird, die Arbeiter vielmehr den Auftrag haben, etwa durch glühende Asche in Brand geratenen Müll sofort zu überdecken und das Feuer zu ersticken.

** Rindermarkt in Gießen. Der nächste Rindvieh- (Rutzvieh-) Markt findet hier am Dienstag, 23. Juli, statt. Sämtliches Vieh wird gegen Maul- und Klauenseuche schuhgeimpft. Der nächste Schweinemarkt wird am 7. August ab­gehalten (vgl. die heutige Bekanntmachung).

** Oberhessisches Schwurgericht.Das Schwurgericht der Provinz Oberhessen wird am Montag und Dienstag nächster Woche zusammen­treten. An beiden Tagen handelt es sich um Pro­zesse wegen Abtreibung. In der Sitzung vom Montag stehen fünf Angeklagte vor Gericht, davon drei aus Gießen, eine aus Friedberg und eine aus Inheiden. Die Anklage vertritt Ober­staatsanwalt Dr. Brill, die Verteidigung der Angeklagten wird von fünf Rechtsanwälten ge­führt. Am zweiten Verhandlungstage stehen drei Angeklagte, sämtlich aus Bad-Rauheim, vor dem Gerichtshof, wobei Staatsanwalt Justizrat Wei­tz e m a n n die Anklage vertritt und drei Rechts­anwälte als Verteidiger tätig sind.

** Die Museen sind am morgigen Sonntag von 11 bis 13 Uhr geöffnet.

** Zu dem Bericht über das Gustav- Adolf - Fest in Worms wird unseren Lesern wissenswert fein, daß die erste Gustav-Adolf-Pre­digt im Wormser Dom, am Sonntag Kantate 1632, von einem Gießener gehalten worden ist. Es war Johann Adolf Rühl, Feldprediger im schwedischen Regiment Haubold. Joh. Adolf Rühl, ein Sohn des Fürstlich Hessischen Amts- kellers Melchior Rühl, wurde geboren im Juni 1602 zu Gießen in einem in der Burggasse, zwi­schen dem Alten Schloß (Burg) und dem Pfarr- Haus gelegenen Hause, das Melchior Rühl am 9. April 1594 von dem Landgrafen Ludwig IV. gekauft hatte. Joh. Adolf Rühl war von 1632 bis 1634 Feldprediger, hierauf Informator des Land­grafen Ludwigs IV. und von 1635 bis zu seinem Tode 1681 Pfarrer und Metropolitan zu Reinheim im Odenwald. Von seinen Kindern wurden drei Söhne Pfarrer; drei Töchter waren mit Pfarrern verheiratet. W. K.

* Motorradunfall. Gestern nachmittag fuhr ein von Klein-Altensteden kommender Mo­torradfahrer zwischen Heuchelheim und Gießen eine Frau an. Die Frau blieb unverletzt, wäh­rend der Motorradler vom Rad stürzte und sich eine Gehirnerschütterung und beträcht­liche Verletzungen an Kopf und Händen zuzog. Er wurde von der Freiwilligen Sanitäts­kolonne auf die Wache gebracht. Dort erholte er sich innerhalb einiger Zeit leidlich und konnte mit der Dahn wieder nach Hause fahren.

3 m Lichtspielhaus Bahnhof­straße gibt zur Zeit der Züricher Gedanken­leser Dree-Andrussen ein Gastspiel, das gestern abend durch einige in aller Öffentlich­keit vorgeführte Straßenexperimente eingeleitet wurde. Wie in einer Dornotiz bereits mitgeteilt wurde, handelte es sich hierbei um die Auf-

Abendglöckleins Schlag", der Heide",In stiller sie nicht, und wer liebt sie nicht?

Erweitertes

Schöffengericht Gießen.

* Gießen, 17. Juli. Der heutige Sitzungstaa wurde durch eine einzige Strafsache in Anspruch Senommen. Ein Kaufmann war der Untreue bzw.

nterschlagung und der Urkundenfälschung in einer ganzen Reihe von Fällen beschuldigt. Zur Ver­handlung war ein Buchsachverständiger zugezogen.

Die Beweisaufnahme ergab, daß der Angeklagte in den letzten Jahren bei einer Firma, bei der er Verkauf, Inkasso und Buchhaltung zu besorgen hatte, in vielen Einzelfällen vereinnahmte Geldbe­träge veruntreut hat. Um diese Unterschlagungen, bei denen es sich meist um geringfügige Beträge handelte, zu verdecken, nahm er falsche Buchungen vor. Er unterließ teils die Buchung eingegnngener Oelber ganz, teils buchte er geringere Beträge als eingegangen. Er hat aber auch in den Büchern falsche Summen gezogen, öfters vorläufig mit Blei­stift; manchmal nahm er auch noch nachträglich Einträge in die Bücher vor, wenn die betreffenden Seiten schon addiert waren. Dazu gesellten sich Streichungen, Rasuren und nachträgliche Berich­tigungen und Abänderungen. Durch eine eingehende Prüfung der Bücher durch den Sachverständigen wurden die Manipulationen ans Licht gebracht. Da der Sachverständige erklärte, er halte in den Fällen, wo die Buchungen unterlassen waren, eine Unterschlaguna für nicht nachweisbar, schied eine Anzahl der Änklagepunkte aus.

Nach längeren Ausführungen des Staatsanwalts, der zwischen Veruntreuungen mit Urkunden­fälschungen und ohne solche unterschieden wissen wollte, und des Verteidigers verurteilte das Ge­richt den Angeklagten zu einer Gesamtstrafe von 7 Monaten Gefängnis und in die Kosten des Verfahrens, von der beantragten Geldstrafe wurde abgesehen.

konnte nun der Vortragende mit seinen neuen Untersuchungen mit Erfolg einsetzen, indem er eine neue Betrachtungsweise und Methode in die Kernforschung einführte. Das Wesentliche dieser neuen Methode besteht in der experimentellen Un- tersuchung von Zellkernen, welche im überlebenden Zustande aus der Zelle isoliert wurden. Solche noch lebende Zellkerne sind allen Untersuchungsmetho­den zugänglich. Es wurden experimentelle Urtier- fuchungen geschildert, wo es gelang, beliebig, je nach Der Konzentration des Kaliumions, den kolloiden Bau des Zellkernes zu verändern. Es konnte die Tatsache festgestellt werden, daß die Flockungs- kurve derjenigen Phase des Kernes, welche die chromatische Substanz darstellt, bet den heterogen- sten Pflanzen zahlenmäßig gleich verläuft. Zum Abschluß brachte der Vortragende noch einige Kon­sequenzen, weche bezüglich der Struktur des Ruhe- kemes aus feinen Untersuchungen gezogen werden müssen. Wir können keine einheitliche statische Kern­struktur mehr annehmen, sondern je nach den in­neren und äußeren Bedingungen ist auch die Struk- besser gesagt der kolloide Bau, des Ruheker» einer fortwährenden Veränderung unterwor­fen, womit der Vortragende auch nicht sagen wollte, daß Strukturen, wie sie für fixierte Kerne beschrie- wurden, im Leben niemals Vorkommen könn- So ist der Kern das eine Mal ein Gel, das

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