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Mittwoch. 20. März 1929

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Nr. 67 Zweites Blatt

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Gießener Konzertverein.

Das Wcndling-Luartctt.

Es gibt kein geeigneteres Cingangstor, die Wesensart des Schaffens und die Eigentümlich­keit des Stiles eines ..absoluten" Musikers zu er­kennen. als das Streichquartett. 3n ihm erhalt nur das Wesentliche Form und klangliche Dar­stellung. unverfälscht durch die den Hörer irre* führenden Klangfarben und Effekte. Die durch­sichtige Struktur des Streichquartett-Satzes laßt keine Täuschung zu; der musikalische Vorgang liegt hier klar in markanten Zügen ausgebrei- tet da.

Zeiten, die den Höhepunkt der absoluten Musik bedeuten, führten das Streichquartett der Vollen­dung zu; nachkommende Zeitalter versuchten das Wesentliche der klassischen Quartettform mehr in deni Fornialen zu erkennen, anstatt zu bedenken, daß das Wesen der Forni wiederum durch einen organischen musikalischen Vorgang bedingt ist. Vollwertige Streichquartette wer­den wohl kaum als Erstlingswerke eines Schaffen- den dastehen, vielmehr bilden sie den Nieder- schlag einer Schaffensersahrung. die in chrer Ge- läutertheit den musikalischen Gedanken auch die letzte treffendste Formung hinzuführen vermag.

Es ist daher kein bloßer Zufall, daß Mo­zarts Quartettkunst ihren Höhepunkt m den sechs Zoleph Haydn gewidmeten Quartett«, er- reicht hat. die, wie er selbst bezeugt, eine gru^t langer, angestrengter Arbeit gelesen sind ®ie Wendung zu einem persönlichen <5al un Streich­quartett erschien den Zeitgenossen Mozarts un- gewohnt, weil seine Quartette eben mehr bedeu­teten. als eine Art der Unterhaltungsmusik. Die vorjährige Aufführung des Wendling-Quartettes hatte dem L-Dur-Quartett mit seiner proble­matischen Einleitung das Wort gegeben. Dl^mal erlebten wir das Quartett in O-Dur. das in seinem Andante cantabile mit gu Den schönsten Eingebungen der Quartettkunst gehört, und das in seinem Finale der Kontrapunktik, bei aller Spannung unD Gestrafftheit. eine Selbst­verständlichkeit, die im Heiteren mündet, zu ver­leihen vermag.

Zumal für Beethoven bedeutet das Quar- tettschafsen die ""'ammenfassung und letzte Aus­wertung der Schaff-nserfahrungen. Aach der Neunten (5i)mLyo.,.e, nach der Missa und nach Öen letzten Klaviersonaten findet fein Werk die Krönung in den letzten Streichquartetten. Daß

diplomatischen Beziehungen wieder ausgenommen haben. Auch der gefährliche Konflikt zwischen Bolivien und Paraguay, der im c - aufflammte, schließt trotz der Vermittelung der panamerikanischen Schlichtungskommission noch viele Gefahren in sich. Auch die Arbeiter- unruhen in Kolumbien und die Gärung unter den3 n b i o ß in Bolivien, Kolum­bien und Peru können von folgenschwerer sozialpolitischer Bedeutung sein. Das Erwachen der zum großen Teil nur halbzivilisierten india­nischen Eingeborenen zu modernen Lebensforde­rungen, das Verlangen derPeone" nach erträg­lichen Arbeitsbedingungen und nach höheren Löh­nen kann auf die Dauer nicht unerfüllt bleiben. In Südamerika besteht bisher weder Arbeiter­schuh noch Arbciterversicherung. Selbstverständlich kann man die südamerikanischen Verhältnisse nicht mit den europäischen vergleichen. 3n manchen Provinzen, selbst der der Zivilisation sonst ganz erschlossenen Staaten, wie z. D. in Argentinien und namentlich in den Urwäldern Brasiliens, schleichen die Indianer noch mit Giftpfeilen im Köcher herum; es gibt viele Gebiete, die der Fuß eines Weißen niemals betreten hat und die auf der Landkarte einen leeren Fleck aufweisen. Keine europäischen Gesetze lassen sich dort zur Erschließung jener Strecken anwenden, aber diese Gebiete kommen heute für die 3nteressen Europas auch wenig in Betracht.

Deutschlands Einfuhr nach Südamerika und die Ausfuhr der dortigen Landesprodukte ist in ständigem Steigen begriffen. Namentlich an Che­mikalien und Farbstoffen nimmt Deutschland «beim 3mport nach Südamerika oft die erste Stelle ein. Um nur ein Beispiel anzuführen: Deutschland war an der Gesamteinfuhr von Arsen nach Argentinien von 439 980 Kilo mit 269 830 Kilo, von Magnesiumsulsat von gesamt 513 250 Kilo mit 503100 Kilo beteiligt. 3n manchen anderen Produkten liegt das Verhältnis für Deutschland allerdings viel ungünstiger. 3n Uruguay haben die Vereinigten Staaten den Vorrang, auch in Kolumbien und Equador steht der deutsche Import an Chemikalien und Drogen noch hinter dem andere? Länder zurück. 3n der Belieferung Boliviens mit Sprengstoffen für die Minen­industrie teilt sich Deutschland mit E n g l a n d, aber bei einiger Anstrengung wird es möglich fein, den deutschen Anteil am Gesamthandel zu

Deutschland und Südamerika

Von E. von Ungenr-Steniberg.

Trotzdem der Aequator und der Ozean das Deutsche Reich von Südamerika trennen, hat Deutschland doch dort im fernen Erdteil bessere Freunde, als in manchen nahen, kulturverwandte­ren Ländern. Südamerika ist für den deutschen Handel, für die Kolonisation und nicht zuletzt für den deutschen Einfluß ein Gebiet von un­berechenbaren Entwickelungsmog- lichkeiten. Es ist nun eine bemerkenswerte Erscheinung, daß bei den im Aufschwung begrif­fenen Ländern der Neuen Welt der wirtschaftliche Schwerpunkt nicht sestliegt, sondern daß er sich unter dem Einfluß fortschreitender Zivilisation und mancher anderen Faktoren bedeutend ver­schiebt. Die Verkehrszentren im nördlichen Süd« einer la, die das Erbe des al ea Inkarcihes über­nommen hatten, Quito, Bogota usw.. mußten von ihrer Bedeutung schrittweise zugunsten der auf­strebenden Küstenstädte zurücktreten, und haupt­sächlich auf die großen Republiken am Atlan­tischen und am Stillen Ozean richtet sich heute das Augenmerk Deutschlands.

Cs ist fast ein historischer Vorblick, daß be­reits in früheren Jahrhunderten an eine deutsche Kolonisation Südamerikas gedacht wurde. Nachdem die kolonialen Unternehmungen der Fugger und Welser im 16. Jahrhundert ge­scheitert waren, schlossen einige Reichsfürsten, namentlich die von Bayern und Hessen-Nassau mit der Holländischen Kompagnie Verträge über die Ueberlassung von Guayana ab, aber auch diese sogenanntenwohlmögenden Negotiationen" konnten natürlich keinen Erfolg haben. Die locken­den Berichte jedoch, die damals veröffentlicht wurden, trugen aber die Schuld daran, daß sich in den sechziger Jahren des 18. Jahrhunderts etwa 12 000 Deutsche durch sranzösische Ver­sprechungen verleiten ließen, in jene fieberver­seuchten Gebiete überzusiedeln, um dort elendig­lich zugrunde zu gehen. Damals war Südamerika noch unter feinen spanischen und portugiefifdjen Vizekönigen ein Märchenland für europäische Vor­stellungen. Heute arbeiten alle Staaten zielbewuht daran, ihren Einfluß in den reichen Republiken Südamerikas zu stärken und um dort Absatz­gebiete für ihre Produkte zu finden. Ein Blick auf die politischen Verhältnisse jener Länder be- weist, daß sie sich fast alle in steigender Aufwärtsentwickelung befinden und daß es gilt, keine Zeit zu verlieren, um rechtzeitig an der Stelle zu sein.

Für Deutschland ist es nicht unwichtig, daß die meisten Staatshäupter der großen südamerikani­schen Länder aus ihrer Freundschaft für Deutsch- land kein Hehl machen. Der Präsident von Argen­tinien, der greise Don Hipolyte Irigoyen. war auch während des Weltkrieges Staatspräsi­dent und hauptsächlich seinem persönlichen Ein­fluß war es zu verdanken, daß Argentinien dem Drängen der Entente standhielt und neutral blieb. Das deutsche Element in Argentinien spielt heute eine hervorragende Rolle. Auch der Präsident von Chile, General 3 b a n e x, ist als Deutschen­freund bekannt. Ebenso wie Chile läßt auch der Präsident von Bolivien, S i l e s, das Militär nach deutschem Muster ausbilden und die boli­vianischen Flugzeuge sind fast ausschließlich deut­schen Ursprungs. Der Präsident von Paraguay, Dr. G u g g i o r i, beherrscht die deutsche Sprache und fördert in jeder Beziehung die deutsche Kolonisat'.on. Alle diese Länder schicken v.ele ihrer jungen Leute zur Vervollkommnung ihresWisiens an deutsche Universitäten; sie kehren dann als Freunde Deutschlands und als Herolde deutscher Kultur in ihre Heimat zurück.

In innenpolitischer Beziehung und in Der Re­gelung des Verhältnisses der südamerikanischen Staaten untereinander gilt es. noch manche schwere Aufgabe zu lösen. Noch immer ist der Konflikt zwischen Chile und Peru wegen Tacna und Arica nicht gelöst, wenn auch beide Staaten nach langer Unterbrechung die

Beethoven in der Missa bis an die Grenzen der Leistungsfähigkeit der menschlichen Stimme gegan­gen war. wurde schon gelegentlich betont. Der einzige Klangkörper, der seiner Phantasie in ihrer Abgelöstheit vom realen Klange völligen Aus­druck zu geben imstande war, blieb für ihn das Streichquartett. Hier standen ihm vier souverän selbständige Stimmen als markante Klangvertreter zur Verfügung. Hier konnte er seine musikali­schen Ideen bis zur letzten Konsequenz durch­denken, ohne Hindernissen in der Ausführbarkeit zu begegnen. Trugen auch die Streichinstrumente das gesangliche Element in sich, gab auch das Streichquartett Gelegenheit zur Entfaltung or­chestralen Klanges, so bedeutete doch andererseits der Streichquartettklang in seiner Gleichförmig­keit ein Aufgeben der klanglichen Farbe, ein Her» vorkehren Der Differenzierung des Dynamischen, und damit gewann Beethoven als letztes Ziel die klangliche Abstraktion, die seinen musikalisch metaphysischen Gedankengängen das konformste Ausdrucksmittel wurde. So stehen seine letzten Quartette im Gegensatz zu seinen Symphonien, wie etwa graphische Meisterwerke mit letzter Konsequenz der Griffelführung zu monumentalen Gemälden.

Diese letzte Quartettschafsenszeit wird durch das große Es-®ur-Quartett, op. 127, er­öffnet. Vielleicht mag eine Anfrage des in Pe­tersburg lebenden Fürsten Nikolaus Galihin der äußere Anlaß gewesen fein, sich wieder der Quar­tett-Komposition zuzuwenden; innerlich war der Boden dafür durch Die ooraugegangenen Schaf­fensereignisse geebnet worden. Daß der Inhalt bei Beethoven die einzige Instanz für die Be­stimmung der Form wurde, bestätigt der Kopf- fatz dieses Quartettes. Hier wurden die einleiten­den Maestoso-Takte durch ihre jeweilige Tonart bei ihrer Wiederkehr (Es--Dur, Q-Dur, C-Dur) bestimmend für die sich ihnen jedesmal anschlie­ßende musikalische Entwicklung. Den Abstraktions- stil Beethovens in letzter Konsequenz mit seiner Beschrän^ing auf das Allernotwendigste, Wesent­lichste im Gebrauch klanglicher Mittel bedeutet das Adagio mit feinem Herauswachsen der Va­riationen aus dem Eingangssatze. Stellenweise möchte man hier geneigt sein, letzte Anklänge an das Benedictus der Missa zu vernehmen. Das Scherzo erhebt sich nach einleitenden Pizzicato- Akkorden in allmählicher stimmlicher Steigerung. Nach einem klanglichen Versinken des Satzes, in dessen Verlauf zwei von Cello und Bratsche ein­geführte Episoden schon Einhalt geboten, zieht ein Trio (Presto) geisternd vorüber, die Wieder­

steigern. .

In den Dezemberlagen des Vor-ayres wurde der Fernsprechverkehr zwischen Deutsch­land und Buenos-Aires eröffnet. Bei der feier- lichen Eröffnung wurden aus dem winterkalten Berlin nach Buenos-Aires und aus dem Hoch­sommer Südamerikas zu uns Glückwünsche her­über- und hinübergesprochen, in denen betont wurde, daß zwei Weltstädte, zwei Länder und Nationen sich über tausende von Kilometern in Freundschaft verbunden hätten, um kulturelle Werte zu übermitteln und um Verständnis von Land und Volk zu wecken. Heute kostet ein Dreiminutengespräch zwischen Berlin und Buenos Aires noch 180 Mark, aber dennoch haben die Aetherwellen den riesigen Abgrund überbrückt und die beiden Weltteile sind sich nähergekommen. Deutschland und Südamerika haben durch diesenRadiohändedruck" zu gegen« fettigem Gedeih ihre freundschaftlichen Beziehun­gen für die Zukunft gefestigt.

DienstenÜaffung eines kommunistisä en Lehrers.

WSN. D a r m ft a ö t. 18. März. Nach 3tägigcr nichtöffentlicher Verhandlung vor dem Hessi - fchen Verwaltungsgerichtshof als Disziplinargericht erging heute abend da? Urteil gegen den wegen mangelnder Diszi­plin geaen seine vorgesetzte Schulbehörde und wegen mangelnderUnterrichlsbiszi- plin angeklagten 46jährigen Leyrer Heinrich Weber aus Offenbach. Es ist unseres Wissens das erstemal. daß in Hessen aus einem Verstoß gegen den Geist der Simultanschule ein Diszi-

plinarverfahren gegen einen Lehrer eingeleitet wurde. Weber ist feit 1926 vom Amt suspendiert. Das Verfahren war nicht nur von der Geist­lichkeit. die ursprünglich aus konfessionellen Gründen gegen Webers Tätigkeit Einspruch er­hob, fondern auch von dem freidenkenden Rektor und vor allem aus der Eltern- s ch a-f t anhängig gemacht worden. Weber hatte im Unterricht die Kinder zum Aus­tritt aus der Kirche aufgefordert, ihnen gedruckte Austrittsformulare mitgegeben und so zwischen neun- und zwölfjährigen Kin­dern und ihrem Elternhaus Konflikte hervorge- rufen. Aach der Anklageschrift betrieb er außer­

dem offen kommunistische Propaganda und scheint namentlich von einer Aufklärungswut besessen getoefen zu sein, wobei er in taktlosester Weise die Kinder über die Abstammung des Menschen, seine Geburt usw. aufklärte. Der Ge­richtshof kam nach eingehender Beratung zu fol­gendem Urteil: Der Angeklagte hat die Pflich­ten verletzt, die ihm sein Amt auferlegt, und wird zu der Strafe der Dienstentlassung ver­urteilt. Dem Angeklagten werden für Die ersten Drei Jahre 75 Prozent, für Die beiden folgenden Jahre 50 Prozent feines gesetzlichen Ruhegehalts belasten.

weiblichen

also mehr

weibl.

1251

1236

1216

1141

insgef. 11163 11296 11578 12 433

133

282

855 Arbeit«

männl.

9912

10 006

10 362

11292 der

1141 Personen.

lieber Die einzelnen Berufsgruppen ist im Be­richtsmonat wie folgt zu berichten:

In der Landwirtschaft war die Aach- frage nach Arbeitskräften infolge der winter­lichen Witterung noch verhältnismäßig gering. Knechte und vor allem Melkmädchen wurden verlangt. Die Forsten fchritten infolge der

21.2.-27.2.29

Die Gesamtzahl

waren im Arbeitsamtsbezirk Giessen im Februar 1929 arbeitslos.

Augenblicksbesserung handelt, soll dahingestellt bleiben. . .

Die Zahl der Arbeitsuchenden ist im Berichtsmonat auf 12 434 Personen gestiegen. Es wurden uns gemeldet:

suchenden hat sich im Berichtsmonat zum ersten Male ein wenig (um 110) verringert auf

eine Belebung des Arbeitsmarktes in der Metall­industrie zu verzeichnen. Die günstige Arbeits- marktlage in Der chemischen Industrie hat sich auch im Berichtsmonat nicht verändert. In der Lederindustrie machte sich eine leichte Entlastung bemerkbar. 3m Nahrungs­mittel- und Genutzmittelgewerbe hat fich die Arbeitsmarktlage gegenüber dem Vor­monat teilweise verschlechtert. Die saifonmähige Belebung der Lage im Bekleidungsge­werbe schreitet ausfallend langsam vorwärts. Durch die herrschende Grippe wurde Kranken- perfonal noch verschiedentlich. aber nicht mehr so stark wie im Anfang des Monats verlangt. Die strenge Kälte verschlechterte den Arbeits­markt im Baugewerbe derart, daß sogar die letzten Stammarbeiter, die sonst im Winter durchgehalten haben, entlassen wurden. 3m Gast- und Schankwi rtschaftsgewerbe war im allgemeinen durch die Fastnachtsver­anstaltungen eine rege Nachfrage nach Aushilfs­kräften zu verzeichnen. Diese Nachfrage nach Aushilfskräften erreichte an Fastnachtsdienstag

in der Zeit vom

31.1. 6. 2.29

7. 2.-13. 2.29

14. 2.20. 2. 29

kehr des ersten Satzes läßt am Schluß das Trio­thema noch einmal anllinaen. das rüstig dahin» fchreitende Finale löst sich in seinem Schluhteil von alter klanglicher Schwere. Ein Allegro com- modo offenbart transzendente Klänge, die von einer Schau in eine andere Welt künden.

Hatte sich die Wendlingsche Vereinigung im vorigen Jahr für Respighis Quartetto dorico ein­gesetzt, so brach es diesmal die Lanze für Mau­rice Ravels Streichquartett in F - Dur, das diesem französischen Neuerer im Jahre 1904 die entscheidende Anerkennung verschaffte. Ravel seht die künstlerischen Maßnahmen, die für die sranzösische impressionistische Malerei bestim­mend wurden, in das Musikalische um. Wie dort steht auch bei ihm das artistische Moment mehr als das rein musikalische im Angelpunkt feines Schaffens. Die wechselnden Stimmungen in seinem Werke bedeuten nicht die Gefühlsaus- strahlungen von Erlebnissen, wie wir gemein­hin diesen Begriff zu falten gewohnt sind, son­dern eine raffinierte Charakterisierung klanglicher Erscheinungen unter der Ausnützung instrumen­taler. harmonischer und rhythmischer Mittel bis zu letzter Sublimiertheit. Das Motiv ist bei ihm weniger die mit Lebenskraft geladene Keimzelle, die die Kraft zum organischen Auswachsen größ­ter klanglicher Gebilde in sich birgt, sondern viel­mehr eine Art Baustein, durch dessen Wieder­kehr kaleidoskopartige Klangwirkungen erstehen. Es liegt etwas Faszinierendes in der Art. wie er das Eingangsmotiv des ersten Satzes in den wei­teren Sätzen wiederiehren läßt; wie er ihm im Brechungslicht kühnster Harmonik neue, über­raschende Wirkungen abzwingt und durch seine Umformung vom viertakligen in den dreitaktigen Rhythmus ein anderes Ansehen zu verleihen^ ver­mag. Der Gedanke an eine Art Variierung könnte nabe liegen; jedoch im Vergleich zu dem Variieren Beethovens wird es sich zeigen, daß bei Beetho­ven eine innere organische Entwicklung des mu- fikalischen Grundgeschehens und eine Entfaltung schlummernder Kräfte damit verbunden ist. bei ihm dagegen handelt es sich mehr um die Ge­winnung immer anderer musikalischer Erschei­nungsformen aus dem Material heraus. Zu be­wundern ist die geniale Beherrschung der satz- technischen Mittel; die thematische Ueberbauung zweier Themen des zweiten Satzes läßt ebenso kontrapunkiisches Können wie auch die geniale Disposition des Formarchitekten erkennen.

Die vielen klanglichen Möglichkeiten, die in die­sem Quartett ruhen, wurden restlos mit einer staunenswerten Sensibilität durch das Wend­

ling-Quartett ausgeschöpft, und Der nach Diesem Quartett gezollte Beifall mochte vielleicht mehr noch als dem Werk dem ausführenden Klang­körper gelten.

Wie das konzertgebende Quartett zu unfern Klassikern steht, dafür haben die Aufführungen der vergangenen 3ahre die trefflichste Bestäti­gung gegeben. Auch diesmal war es ein völliges Aufgehen im Werk, das den kleinsten Zug. manche leicht zu übersetzende Wendung als sinnvolles Moment in den großzügigen Aufbau des Ganzen einzuordnen verstand und bis an die letzten Grunde musikalischen Geschehens heranführte. Die klanglichen Schattierungen, die feine Differenziert­heit des Spieles, die satte, weiche, orgelhaft volle Klanggebung mit Der Möglichkeit der Aufsteige- rung zum größten tonlichen Ausmaß bestätigten aufs neue den wohl begründeten Ruf dieser über­all gern gesehenen Vereinigung. Für den Ab­schluß einer an musikalischen Gewinnen so reichen Konzertsaison konnte es keinen würdigeren Schluß­stein geben als diese Aufführung mit ihrem Höhepunkt in Beethovens Es=5>ur-Quartett

Heidelberger Festspiele 1929.

3n einer unter Vorsitz von Dr. Rudolph K. Goldschmidt abgehaltenen Sitzung des Aus­schusses der Festspielgemeinde wurde beschlossen. Die bisherigen Heidelberger Festspiele in Der Zeit vom 20. Juli bis 15. August unter Der künst­lerischen Leitung von Gustav Hartung ab- zuhalien. 3m Schloßhof werben gegeben: Agnes Dernauer", von Hebbel, in neuer für Den Schloßhof eingerichteter Dramaturgischer Bearbeitung;Sommernachtstraum" von Shakespeare, in neuer Besetzung und neuer 3n- szenierung. 3m Dandhaus: GoethesUr- f a u ft. Die Festspiele werben am Samstag. 20. Juli, mit ber festlichen Aufführung DerAgnes Bemauer" eröffnet. Nachmittags geht in der Aula Der Universität ein Festakt voraus. Die Aufführung Des Florian Geher tourDc für Das nächste Jahr verschoben. 3n Der Ausschußsihung machte Der VorsitzenDe Mittei­lung davon, baß den Festspielen in Anerken­nung chrer kulturellen Bebeutung Mittel zur Verfügung gestellt worden seien, die es ermög­lichen, lebende Dramatiker mit eigens für den Schloßhof und Das Dandhaus geschriebenen Dramen für Die Festspiele zu gewinnen. Auf diese Weise wird es möglich sein, im nächsten und übernächsten 3ahre besonders Die lebcnDc junge Dramatik zu unterstützen und zu förDetn.

Die Arbeilsmarkilage in Oberheffen.

. Februarbericht des Arbeitsamts Gießen.

Durch den ungewöhnlich strengen und anhalten­den Winter dürfte der Höhepunkt Der winterlichen Arbeitslosigkeit nahezu erreicht fein, wenn auch bas Abgleiten Des Deschäftigungs- grobes im Derichtsrnonat noch immer nicht zum Stillstand gekommen ist. Die Arbeitslosig­keit in den Saisonberusen stieg weiter an, zugleich war in einigen Derufsgruppen, z. D. im Metallgewerbe, eine leichte Auswärtsbewegung zu verzeichnen. Ob es sich hierbei nur um eine

anhaltenden langen Kälte zu Entlassungen. 3n Gärtnereibetrieben boten sich feine Be- schäftigungsmcg'.ich'eitcn. Die Verschlechterung der Arbeitsmarktlage hat sich auch für Die 3ndu- ftrie der Steine und Erden auSgewirkt. Betriebe, die in früheren Fahren regelmäßig durcharbeiteten, stellten infolge Der WitterungS» verhältniffe die Arbeit ein. Der Beschäftigungs­grad in Der Metallindustrie war im hohen Grade uneinheitlich. 3m allgemeinen ist jedoch

BERUFSANGEHÖRIGEN

GESAMTZAHLEN DER

DIE ARBEITSLOSIGKEIT DER ARBEITER UND ANGESTELLTEN

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Zimmerer

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Schreiner

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Schlosser

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Bergbau!

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Schuh­macher

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Schneider

2 0/0

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