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Ur. 4 3 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Tiara, Zepter und Liktorenbündel.

Wie Iiom seinen Frieden machte mit Rom.

Don unserem römischen E-Stocrefbonbenten.

Rom, Februar 1929.

Seltsam ist daS: um die römische Frage zu lösen, das schwierigste diplomatische Rätsel un­serer Zeitgeschichte, muhte zwischen Papst und König ein Duce treten. Der war einmal, eS ist noch nicht solange her, ein unbändiger Kirchen» sturmer gewesen und geht nun mit einem Strah­lenkranz durch die katholische Geschichte.

Wißt ihr. wie das war? Später einmal, im nächsten heiligen Jahre wird man eS fragen, wie man nach einer Legende trägt. Run. ich werde dann vielleicht noch immer kein Grohpapa sein und will mich daher beeilen, sie beizeiten zu erzählen.

SS begab sich, man schrieb den Tag vor Fast­nacht und Europa glaubte an daS Hereinbrechen einer neuen Eiszeit, da sah der König auf sei­nem Throne und der Gefangene im Vatikan aus dem Stuhle Petri, als der Kardinalstaatssekretär Gosparri. der Außenminister des päpstlichen Ho­fes. vor den Statthalter Christi trat und sagte: Es ist geschehen! So wie es nach dem Konklave, wenn nach vielen schwarzen sfumate ein Weiher Rauch aufsteigt. schlicht und bestimmt heiht: II Papa e fatto! Zur gleichen Zeit fuhr ein Auto­mobil in den Hof des Palazzo Diminale ein, deS italienischen Innenministeriums, und ein Mann stieg aus. der sich an seinen Schreibtisch setzte und seine Arbeit wieder aufnahm, als sei nichts geschehen. Lieser Mann war Mussolini und er hatte nur inzwischen mal die römische Frage gelöst.

Diele vor ihm haben daS auch versucht.

Da ich nicht zu den Kirchenstaatgrundern ge­hörte, die sich dte Grenzregulierung etwas kosten liehen, hatte ich Zeit, mir die Sache anzuschauen. ES war ein regnerischer Morgen, den meisten Leuten lagen die Maskenbälle in den Gliedern, man kann nicht sagen, dah das Dolk nach dem Lateran strömte. Denn nach der mussolinischen Politik unerforschlichem Ratschluß. der Wohl seine Gründe haben wird, durste daS italienische Volk von dem grohen Ereignis nichts erfahren, nur der Rest dieser vergnügungssüchtigen Welt. Die Zeitungen der Halbinsel muhten so tun, als wür­den sie auf dem Monde gedruckt, sie hatten keine Ahnung, was in dem verlorenen Patrimonium Petri vorging. Sie hatten nur eine Entschuldi- aung: dah auch das amtliche Organ der Leo- stadt, die einzige nichtfaszistische Zeitung deS Lan­des. der Osservatore Romano in die nämliche Hchweigseli^k P verfallen war.

Trotzdem war d r Sockel des riesigen Obelisken, auf dessen H.e.oglyphen ich zusteuerte, schwarz bestrichen, eine Farbe, die sich beim Räherkommen in lauter Kollegen von der Vildberichterstattung auflöste. Maschinengewehre und Tanks standen schuhbereit, und wer es wissen wollte, erfuhr, dah das die neuesten Kurbelapparate und die allerneuesten Schallfilmaufnahmewogen seien. Wenn auch nicht bis an den Tiber, so war doch bis Amerika durchgesickert, dah die Stunde ge­kommen sei,

Sonst bemerkte mau noch Karabinerie in Toga und Dreispitz, zu Fuh, zu Rad. königliche Sol­daten und Foszisten mit schwarzem Fez und be­deutsamer Miene. Dann ahnungsvolle Semina­risten und hellhörige Leute, die wunderbarerweise begriffen hatten, um was eS ging, als Zeitungs­männer riesige Plakate mit Schlagerzeilen durch die Straßen getragen hatten. Hinweise aus den sensationellen Text ihrer angelsächsischen Dlätter, rätselhaste Inschriften' mit Worten wie Pope (im Italienischen nur Papa) oder question (statt questione) oder gar question roman. Perbacco. tonnte daS nicht questione romana heihen, rö­mische Frage? Ja, so aufgeweckte Menschen gibt es in Rom.

Und so kam es. dah sich die Gaffer immerhin zum Teil auch aus Einheimischen rekrutierten.

Man sperrte ab. ein Spalier bildete sich und der nach einem ungeschriebenen Gesetz für solche

Fälle vorgesehene Foxterrier raste entsetzt hin­durch. Wer da glaubt, der Romer würde die grohen historischen Momente mit steifleinener Feierlichkeit begleiten, der kennt das heitere Völl» chen der Quirlten schlecht. An solche Dinge ist es gewöhnt. Cs empfindet den Moment als das, was er ist als einen Augenblick. Wenn ein Papst im Sterben liegt und die Christenheit auberhalb der ewigen Stadt auf den Knien, dann setzt man sich gelassen in die Sonne vor den Kolonnaden Dernints. in das unvergäng'iche Le­ben. und wenn der neue Papst gewählt ist. dann läßt man Luftballone auf, liegen, möglichst bunte, möglichst viele . . .

Ecco daS wohlbekannte Auto des Kardi­nals Gasparri! Wer sitzt denn bloß neben ihm? Wo nur der Duce bleibt?

Eccolo! Evviva il Duce! Der Wagen, ein funtelneucr Typ aus dem römischen Salon, saust vorüber. Ich sehe auf die Uhr: 11.35 auf die Minute die gleiche Zeit, da vor sieben Jahren aus dem Vauemsohne von Desio. aus dem Kar­dinal Ratti Papst Pius XI. geworden war, da der Papa italianissimo mit der fünfzigjährigen Tradition des unfruchtbaren Grollens brach, die äußere Loggia der Peterskirche aufschliehen lieh und hinauStrat vor die rasende Menge, die atem­los verstummende Menge und die Arme hob ge­gen Rom. gegen Italien, den groben Segen aus­sprach urbi et orbi, zum Zeichen, das; er gewillt sei, das zu tun, was sich nun, sieben Jahre fpäter, erfüllte.

Wenn man daS Atrium durchschritten hat, ein Tonnengewölbe. In dem christliche Sarkophage ein grabesstummeS Spalier bilden, kommt man in den Saal der Konzilien, der auch der Saal der Päpste heibt. nach den vielen Pontiferbildern an den Wänden. Als Mussolini die Schwelle überschreitet, kommt ihm der Mittler des Papstes, Gasparri, entgegen. Zwei Rassenköpfe: ein- sarischer. ein päpstlicher. Ein Händedruck. Alles ist bereit

Auf dem langen Tische brennt in einem gol­denen Kandelaber eine einzige lange Kerze. Zu beiden Seiten ein künstlerisches Tintenfaß. eine goldene Feder. Der Zeiger der Uhr da draußen auf dem Platze rückt mit jener Selbstverständlich­keit, die in solchen Augenblicken immer wieder erschüttert, auf die zwölfte Stunde.

Alle stehen aufrecht, nur der Kardinal wird von Wustolini zum Sitzen genötigt Rechts die Vertreter und Zeugen des heiligen Stuhles. Monsignore Vorgoncini Duca. Monsignore- Piz- zardo und der päpslliche Hosjurist Pacelli, der Vruder des Berliner Runtius. Links vom Duce der Siegelbewahrer Justizminister Roc:o, dann Unterstaatssekretär Giunla. Mussolinis rechte Hand, und der Unterstaatssekretär des Aeuhe- ren. ©raubt.

Ohne Zögern beginnt der Mittler deS Königs, mit skandierender Stimme die Beglaubigungsvoll­machten zu verlesen und in dieser Sekunde, da die Uhr zum Schlage aushebt, weiß man: das ist und wird fein der eiserne Kanzler Italiens.

Die Glocken läuten, die Urkunden gleiten unter die goldene Feder, e

Draußen, während der Kardinal dem einstigen Kirchenstürmer die goldene Feder als Geschenk überreicht und die Mappe aus rotem Damast mit goldenen Fransen, in der nun. verbrieft und versiegelt, die Lösung der römischen Frage ruht, draußen lassen sich Die Seminaristen nicht mehr halten. Stimmen ein Tedeum an. Kaum ist es verhallt, ruft einer von den Feinden von gestern: Für den Duce: Eja, eja, alalä! Und alle Faszisten fallen dreimal ein.

Für unfereinen ist das weniger einfach. Jetzt beginnt der Faustkampf um die wenigen Exem­plare deramtlichen Mitteilung'. Heil oder nicht, wer eines erobert hat. stürzt Hals über Kops durch die dummen Gaffer und hetzt und hetzt ach ja, lieber ßefer. du weißt nicht, wie schwer

Ich fliege Sturz.

Don Crista Halvany'Winsloe.

Telephon: »Hier Udet, Sie wollen doch mal stiegen?"Ha, gerne.Gut, ich hole Sie um 2.30 Uhr ab. Eingehängt.

Wie mir um 2.15 Uhr zumute war? Ich prä­parierte die Möglichkeit, mich von meinem Magen blamiert zu sehen.

Im kleinen, rotgrauen Amillar rast Übet mich rach Schleihheim: 80. 93, 100 Kilometer. Ich lallte wohl einen Begriff bekommen, was bas ist: eine Maschine, wenn er sie in der Hand hat. Abels überlebensgroßer Dulll auf meinem Schob blinzelt mich von der Seite an. als wollte er lagen:Das ist noch gar nichts, meine Liebel"

Herr Kem. Udets Flamingoflügelabjutant. be­handelt mich mit Sorgfall wie ein hilfloses Kind. Er schubst mich auf den Seitenflügel des Flug­zeugs hinauf in den Passagiersitz vor dem Pi­loten. Er schnallt mich fest und entnimmt meinen Taschen Gegenstände, die beim Purzelbaum- !ch agen etwa hinausfliegen könnten.Also. Sie vollen ein bißchen Akrobatik machen?" höre ich hinter mir Uder sagen. Will ich? Akrobatik ist ein scheußliches Wort. Die Vorstellung, ein Muste.artist nähme mich unter den Arm. mich einladend, feine Luftsprünge von Reck zu Reck iait3ufliegen. läßt mich nicht los.

Herr Kern steht vor dem Apparat und reiht Iben Propeller an:Kontaktfrei antwortet -übet. Der Motor schweigt noch,frei ruft es Ton unten,fertig antwortet es von oben, unb ier Motor spingt an. Ach. gut bekannte Stimme, -s ist wie ein Wiedersehn Grüß' Gott, Fla» -lingo! Schau, diesmal bin ich dein Gast, steh eicht unten und sperr' den Mund auf vor (Stau­nen! Och sitze hier schrecklich zufrieden unb voller Erwartung. Habe ich Herzklopfen, meinst du? Vielleicht vor Aufregung wie lange habe ich mir biesen Moment nicht gewünscht! Flamingo hebt sich und trägt uns. wir steigen. Der Flug­platz sinkt herab. Schlob Schleihheim sieht ben allen Stichen gleich, die seinen Grunbrih bar- stellen. Der Park mit ben Tepp ich beeten liegt

wie auf gezeichnet am Boden. Der Sternmotor. Flamingos phantastischer Stachelkopf, hebt sich plötzlich Ier engerabe vor mir zum Himmel hinan einen Moment lang liege ich mit dem Rücken an ben Sitz gepreßt unb schon zeigt ber Motorlopf wieder stell zur Erde, fängt sich und wir liegen wagrecht auf dem Wind. So scheint es mir wenigstens. Ach, herrlich! Bitte noch mal, Flamingo. Ich hebe meine Hand unb winke ilbet zu, der sich durch einen freundschaftlichen Puff auf meinen Hinterkopf erkundigt, wie mir das erstelooplng" bekam. Jetzt wieder: es reißt hinauf, die Erdkugel dreht sich ein wenig, wir laufen wieder hinab unb liegen toieber richtig, als fei weiter nichts geschehen. Scekrank zu wer­ben vergaß ich. Roch, bitte nochmal! Zu Fla­mingos G.ück ist die Konversation einigermaßen beschränll. Aber was geschieht jetzt? Flamingo ist ernst unb zielbewußt geworden. Er will zur Stadt.' Da lieg/ ber Häu>erhaufen mit den zwei grün'm Kügelchen, die Frauenkirche. Wir halten auf Schwabing aha, wir werden mein Haus besuchen da liegt es: kleines rosa Häuschen im grünen Hafen. In steiler Kurve umkreisen wir cs. Eine kleine helle Gestalt im ©arten, das Fischbassin, alles Spielzeug. Udet gibt einem Neubau eine kleine Vorstellung. Wir fliegen ziem.ich tief. Ich sehe von oben herab in drolliger Perspektive den Bauch des dunkel bekleideten Bauleiters, der seine Füße unter sich verdeckt Die Leute winken. Ahnen sie, wie selig einem da oben zumute ist? Es gab eine Zeit, wo Autos zugewinkt wurde, das ist lange her, unb Autos machten sich seither reichlich unbeliebt Kann es so einem herrlichen Vogel auch passie­ren? Ich wünsche bir, lieber Flamingo, ein glückliches Schicksal dich soll man grüßen dein Leben lang!

Jetzt steigen wir wieder hoch, nochmal hoch, noch höher da stelll Udet den Motor ab. Der Propelkr vor mir rotiert lang,am:r. bis er stillsteht Ich halle diese elegante Schraube ganz vergessen. Diese zwei Luftruder lassen ewvrn durch ihre leichte Wellenform an ausgewaschen- Ufersteine oder vom Wind gewehte Sandsurchen denken. Sie packen den Wind mit seiner eigerem Hand.

eS manchmal ist, deinen Frühstückstisch aktuell zu garnieren.

Der historische Moment ist vorüber. Run fällt auch das Schweigegebot für die llalienische Presse. Die Extraausgaben überkugeln sich. Der Osser­vatore Romano strahlt über die ganze erste Seite.

Vielleicht ist es wahr, daß die Journalisten nachtsüber doch auf dem Maskenball gewesen sind, am nächsten Morgen sah man sie aber je­denfalls vollzählig wie beim Appell in ber Pe­terskirche. Krönungsseier. Wie damals vor sie­ben Jahren. Der Papst auf dem Throne, bleich und still, sein eigenes Marmorbilbn.s. Draußen strömen!): r R. gen ü.er einem Meer von Schirmen.

Ein k ein wenig Aschennittwochstimmung. Kein Kirchenstaat! Die stolz zurückgewiesene Entschä­digungssumme nun doch angenommen!

Aber ber Pa st tritt an das Fenster seiner nun eigenen äußeren Loggia unb erteilt ben großen Segen, urbi et orbi, über Stadt unb Erdkreis...

Luftballone waren nicht da. aber auch die Re­genschirme stiegen vor Begeisterung hoch, wie Möwen flatterten die Taschentücher . . . Evviva, Evviva i! papa! Evviiiiiii va!

DieAeichsbahn als Sludieiwbjelt

Die Werkstätten, Betriebe und Verwaltungen der Reichsbahn-Gesellschaft sind in den letzten Jahren in steig nbem Maß von Auslän­dern zu Studien zwecken besucht wor­ben, bie die vielen Fortschritte der Reichs­bahn für ihr Land zu nutzen suchten. In den letzten drei Jahren ist die Zahl der ausländischen Besucher von 300 auf 741 und im letzten Jahre auf rund 1500 gestiegen. Man rechnet sogar noch mit einer weiteren Steigerung bet Ziffer im kom­menden Jahre. Die meisten 'Besucher hallen sich zu eingehendem Studium sogar mehrere Wochen auf. Besonders stark ist ber Besuch aus Englanb. Von bort kamen im letzten Jahre allein 183 Besucher, bie Schweiz entsandte 163 Besucher, bie Vereinigten Staaten 140, Ruß­land 136, Ungarn 106, Oesterreich 101 unb Frank­reich 88. Sogar aus Japan, China unb Indien wurde bie Deutsche ReichZbahn-Gesell- schast studienhalber besucht. Auch auslän­dische Studenten besuckten die Reichsbahn. Aus der Schweiz kamen z. D. 60 Studenten zum Studium des elektrischen Zugbetriebes in Berlin, Schlesien unb Bayern. Das größte Interesse findet bei den Ausländern bie Rationali­sierung in den Ausbesserungswerk- ftätten, bie in Deutschland vorbildlich burchge- führt ist. Die Werkstätten werben meist fehr gründlich studiert Zum Studium des Betriebes ist das rheinisch-westfälifche Jndu- st r i e g e b i e t das besuchteste Ziel. Mit einer ganzen Reihe von Staaten hat bie Deutsche ReichSbahn-Gescl.schast ci/.en regelrechten De - amtenaustausch eingerichtet 3m Rahmen biefer Organisation entsandte bie Reichsbahn mehrere Beamte zu mehrjährigem Aufenthall nach Nordamerika, England. Bra ilien. Holland, Rußland und Schweden, während sie in ihren Betrieben gegenwärtig Brasilianer. Engländer, Holländer, Russen und Schweden beschäftigt

Neuer Kommunalkonflikt in Wehlar.

WER. Wetzlar, 19. Febr. Mit dem Prü­fungsergebnis der Finanz age der Stadt Wetzlar durch die Regierungskommis­sion. über das schon berichtet wurde, herrscht hei den Stadtverordneten lebhafter Unwillen, zumal die Regierungslommisf.on nicht, wie dies in dem fraglichen Antrag aus- gedrückt war, den Stadtverordneten Be­richt erstattet hat. sondern zunächst dem Re­gierungspräsidenten. Diefer hat der Stadtverwaltung e nen längeren Bericht zur schriftlichen Aeußerung zurückge­reicht. der bereits auszugsweise mitgeteilt wurde. 3n der Veröffentlichung des Berichts im Wetzlarer Anzeiger', und zwar bevor die Stadtverordneten von dem Bericht Kenntnis hatten, erb.iden sämtliche 'S lad t- verordnetenfrak ionen eine Uebergehung. Sie haben einen von den Vorsitzenden ber Stadt- Derorbnctenfrcf ionen unterzeichneten Protest imWetzlarer Anzeiger" veröffentlicht, in dem sie erklären bie ganze Angelegenheit hätte zu-

3etzt erst werde ich gewahr, daß wir ruhig weiterglellen ja wieso denn ohne Motor, ohne Propeller? 3eht fliegen wir eigentlich erst wirk.ich, ein wenig hinab, ein wenig hinauf. Die zerschnittene Lust s.ngt in den Dräh.en. Von mir aus hätte bas noch eine ganze Weile so weitergehen können aber mein Pilot fand wohl, dah toieber etwas geschehen müsse Gott weih durch welch geheimnisvolles Manöver, hinter meinem Rücken senkt sich plötzlich der Motorkopf pfeilgrab in die Tiefe wir sausen ab. In den Drähten schreit es: Unheimliche Sturm- sirenen. Udet fängt sich wieder bie Erde ist noch weit unten wir hätten ruhig noch Liefer fallen können.Schauen Sie her", rust's von rückwärts. Udet schnalll sich die Schultt-rriemen ab, steht vom Sih aus, hebt erst die Arme in die Lull, bann schaukelt er, als packe er Fla­mingo an betten Flügeln, auf unb ab. wie über­mütige Kinber einen Kahn ins Wanken bringen. Das Ganze begleitet er mit lautem 3nbianer# gelang. 3etzt liegen wir auf der Seite, parallel mit meinem linken Oberarm liegt die Flugwiefe, mein rechter E.kbogen zeigt in die Wollen, ilbet demonstriert, wie bequem man bei dieser Lage des Appa.a es seekrank werden kann, man braucht nur den Kopf etwas nach links zu wenden und senkrecht fällt zur Erde, was von der Erde kam meint er. 3ch war leider noch nicht so weit, um von biefer günstigen Gelegenheit Gebrauch zu machen, aber mein Magen schickte doch eine bescheidene Anfrage nach oben: Wird bas noch lange bauern? Nachdem wir einmal nach links hinunter unb nochmal nach rechts hinunter aörutchten, frag'.« übet:Wo soll ich lanben? Millen auf dem grünen Rasen ist ein kleines weißes Zeichen, genau bort fetzt sich Flamingo nieder.

So. jetzt habe ich die Reisebeschrieben", aber was ich eigentlich erlebte: bie Freude an der Bewegung, bie Lust am Tanz im Blau, das Vertrauen zum Unglaublichen unb Unverstan­den «t. ach Gott, übet hat recht: üeber baJ Fliegen kann man nicht schreiben es ist viel zu schönl

Mittwoch, 2D. Zebruar 1929

nächst diskret behandelt werden müssen. Wenn die Stadtverwa Ling solche diskreten Angelegen­heiten ohne vorherige Fühlungnahme mit den Stadtverordneten Der Oef.entlich'eit übergebe, so dürfe fie anderseits von den Stadtverordn< n nicht ©ebeimfa.tung gewisser städtischer Ange­legenheiten verlangen.

Oberheffen.

Landkreis Gictzen.

* Klein-Linden. 19. Fe^r. Reiseschwester Lydia vorn Nonneweier Mutterhaus toJUe dm Sonntag in unserer Gemeinde unb sprach am Nachmittag vor Mäbchen unb am Abend vor den MitgliLdern des hiesigen Frauenver­eins über Erlebnisse unb Eindrücke im Reise- dienst des Mutterhaufes. Die am Nachmittag und am Abend ein gegangenen Kollekten kommen dem Mutterhaus No.ineweler zugute.

V Mainzlar. 19. gebt. 3n der jüngsten Gerneinderatssihung wurde dem An­trag der seitherigen Hebamme auf Erhöhung ihres Ruhegehaltes stattgegeben. Der Preis, für den Sand aus der Gemeinde-Sandgrube, der in den Vorlriegljahren einem hiesigen Unternehmet für 5 Pfennig pro Zentner abgegeben wurde, wurde im vorigen Jahre auf 8 Pfennig Abgabe pro Zentner erhöht. Dem Unternehmer ist dieser Abgabepreis zu hoch, unb er ersuchte um Er­mäßigung. Der ©emeinberat beschloß demgemäß, den Sand zum Preise von 6 Pfennig pro Zentner für die Folge abzugeben. In einer Eingabe baten bie Holzhauer, ben Arbeitnehmeranteil der so­zialen Lasten auf bie Gemeinde zu übernehmen. Die Abstimmung über dieses Er'uchen wurde vorerst ausgesetzt unb ber Bürgermeister um Mit­teilung ber Höhe bes in Betracht kommenden Betrages ersucht. Daß ber feit Wochen schon anhaltende strenge Frost ziemlich tief in die Erde eingebrungen ist. zeigt sich an dem Orts­netz unserer Wallerleltung. wo an einigen Stellen bas Wasser in den Dohreninder Erde eingefroren ist. Um tu Aullauungsarbciten zu beschleunigen, wird dar Wasser tägllch von 9 Uhr bis V25 Uhr nachmittags abgestellt.

t S r e i 8 a. C b a.. 19. Febr. Der Krieger- VereinGermania" hiell am Sonntagabend bei Kamerad Nickel seine Hauptversamm­lung ab. bie gut besucht war. Nach dem Rechcn- schaftsbe icht des Vorsitzenden, K mereben Bing, hat der Verein im fetzten 3ahr um drei Mit­glieder zugenommen, eins ist verstorben, dessen Gedächtnis in ber üblichen Weise geehrt wurde. Die von Kamerad F r i ö erstattete Abrechnung konnte von einem stattlichen Ueberschuß berich­ten, der zum Teil zur Unterstützung bedürftiger Kameraden verwandt werben soll. Der für bie- fen Winter geplante Familienabenb wird nach einstimmigem Beschluß ber Versammlung mit Rücksicht auf bie schweren wirtschaftlichen Zeit­verhältnisse ausfallen. Für bas im Sommer abzuhaltende Vereins- und Preisschießen wird ein praktischer Schießstand, auch für bie Klein- kaliberfchühen, errichtet werden. Zum Schluß wurde eine vom Vorsitzenden verlesene Protest­erklärung gegen bie Kriegsschulblüge einftimtr.ig angenommen. Die Eisdecke ber L u m d a ist in der Nähe der Wilchlings-Durg 60 Zenti­meter dick. An ber Wasserleitung hat der starke Frost verschiedenen Schaden getan: mehrere Rohrbrüche machen es nötig, das Wasser täglich nur zu einer bestimmten Zett laufen zu lassen: auch ber Inh all von einigen Kartoffeln- und Dickwur zke llern ist durch Rohrbrüche sehr in Mttleidenfchaft ge­zogen worden.

Aus ber Rabenau, 19. Febr. In allen Gemeinden unsres Bezirkes tritt gegenwärig die Grippe in so starkem Maße auf. daß mit­unter ganze Familien bagieberliegen. Erfreu^ licherweise verläuft sie bisher in leichteren, un­gefährlichen Formen. Durch den anhaltenden har­ten Frost sind auch in sämtlichen Dörfern teil­weise recht bettächtliche Schäden unb Brüche an ben Wasserleitungen zu verzeichnen. Kariof ieln und Dickwurz sind meist schwer in Mit" leidenfchaft gezogen toorbm.

ö Beltershain. 19. Febr. Heute fand hier die erste Holzversteigerung aus b?r. För­sterei Rainhardshain statt. Es hatte sich eine große Menge 3n'ere'fen'~n cingefunben. Die

Eine Zauderscherbe aus Aegypten.

In Dehnasa. dem alten Oxhrhynchos, dem Aus- grabungsort so vieler Papyri, fand man eine Topfscherbe, bie wohl in 'Ermangelung einer Dleiplatte ober eines Paptzrus'ilatteZ von einem liebenden Zeitgenos.en d.'s zweiten vorchristlichen Jahrhunderts mit einem Text bekritzelt wurde. Ihr Jnhall ist eine Kombination von Entzwei- ungs- unb Liebeszauber. Der wie immer bei solchen Praktiken ungenannte Schreiber, der Sprache nach ein Grieche, bedeckte bie Außenseite des Scherbens mit 21 Zeilen, Zauberworten und Vokalreihen, bie bie Planetengott:r zu Hilfe rufen sollen, und mit dem Text:Brenne, ent­flamme die S:ele ber Allus, ihr n weiblichen Körper, ihre Glieder, bis fie verläßt das Haus des Apollonios. Mach krank die Allus mit Fie­ber, mit dauernder Krankheit von Hunger und Sinnlosigkeit.'' Der Befehl richtet sich an ben Totengeist des Grabes, in dem die Sch.rbe unter bestimmten Zeremonien verst ckt war, will er­reichen. daß bie genannte Frau ihren Mann verläßt unb zu dem Zaubernden übergeht. Das Gleiche besagt der inseitige Ttxt:Entfremde die Allus ihrem Mann Apollonios: gib ihr ein Stolz, Haß, Unlust, bis sie das Haus des Apol­lonios verläßt, jetzt gleich." Die meisten der be­kannten Zaubereien aus diesem © biet sind auf Dlelläfelchen niedergeschrieben: die wenigen auf Scherben erhaltenen toerben durch dieses kurze Dolumeirt der Universität Oslo um einen wert­vollen Zuwachs vermehrt. Dr. V.

Hochschulnachrichten.

Die Ernennung des o. Professors Dr. Phllipp Funk von der Staallichen Akademie zu Braunsberg vom 1. April 1929 zum ordent­lichen Professor der Geschichte an der Universi­tät Freiburg L D. als Nachfolger des Geh. Rats H. Finke wird amtlich beftätigL Dem ordentlrchen Professor für Handels- und Wechsel­recht an der deutschen Universität In Prag Dr. Wilhelm Ludewig ist zum Somrnersew.e- ster 1929 ein juristisches Ordinariat an ber Han­delshochschule in Mannheim angebolen wor­den.