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Oberheffen.

Landkreis Gießen.

00 Klein-Linden. 18.Sept. Nachdem be­reits für Dienstag, 10. September, eine Ge­mein d e r a t s f i tz u n g einberufen, diese aber wegen Mangel an Beteiligung nicht beschluß­fähig war, fand am Montagabend erneut Sitzung statt. Anwesend waren neben dem Bürgermeister und dem Beigeordneten acht Gemeinderäte (von zwölf). Zunächst wurde durch den Vorsitzenden, Bürgermeister Jung, festgestellt, daß sämtliche tm Amt stehende Gemeinderatsmitglieder ord­nungsgemäß und unter ausdrücklichem Hinweis auf Artikel 104 der Hessischen Landgemeinde- vrdnung eingeladen, und daß die für diese Sit­zung festgelegten Punkte der Tagesordnung be­reits Gegenstand der vorausgegangenen, aber nicht beschlußfähigen Sitzung waren. Die Sitzung wäre also beschlußfähig, ohne die notwendige Zweidrittelmehrheit. Für fünf freiwillig aus­geschiedene Gemeinderatsmitglieder waren die Ersatzmitglieder eingeladen, von denen jedoch nur e i n Mitglied zur Sitzung er­schienen war. Die Verpflichtung dieses Mitglie­des, Friedrich Wilhelm Weigel, wurde vor­genommen. Äe Rücktrittsgesuche zweier anderer Ersahmitglieder wurden genehmigt. Zu dem Antrag des Friedrich Weller VI., be­treffend Erlangung der Wirtschaftskonzession in der Wetzlarer Straße, wurde nach Prüfung die Bedürfnisfrage bejaht. Ein Antrag, die Unter­bringung der Obdachlosen mit Erteilung der Wirtschaftskonzession in Verbindung zu bringen, wurde abgelehnt. Der Antrag zweier Anlieger der Heeg st raße um Zuteilung von Stra­ßengelände zu ihren Hof reiten wurde eben­falls abgelehnt. Der ErbauungeinerWas- s e r l e i t u n g wurde einstimmig zuge­stimmt und der Anschluß an das Was­serwerk der Stadt Gießen mit 7 gegen 3 Stimmen gutgeheißen. Wegen Abschluß des vorliegenden Vertrages mit der Stadt Gie­ßen soll in demnächst stattfindender nichtöffent- lichrr Sitzung beraten werden. Dem vorliegenden Vertrag nach belaufen sich die Kosten für Kana­lisation und Wasser pro Monat für den Haus­halt auf 4,65 Mk. Die frei gewordene Dienst­wohnung eines Lehrers ist nach Verhandlungen mit der Schulbehörde für die Erweiterung der Dürgermeisterräume aus Widerruf freigegeben worden. Damit ist einem dringenden Bedürfnis abgeholfen, denn das seitherige Bür- ?ermeistereilokal, ein einziges Zimmer von kaum

5 Quadratmeter Größe, war völlig unzureichend als Verwaltungsraum für eine mehr als 2000 Seelen zählende Gemeinde. Allerdings soll auch für die Zukunft die Gemeindekasse in einem der freigewordenen Räume untergebracht werden. Die Küche der seitherigen Wohnung soll als Lehr­mittelzimmer für die Schule zur Verfügung stehen. Der Gemeinderat genehmigte die Summe von 800 bis 900 Mk. zur Anschaffung von Dureau- möbeln zur Ausstattung der neuen Dürger- meistereiräume. Der Gemeinderat genehmigte fer­ner die Reparatur einiger Gemeindebrunnen.

ck. Heuchelheim, 17. Sept. Der Turn­verein Heuchelheim hielt am Sonntag sein diesjähriges Abtur«en ab. Die Veran­staltung, die hervorragend organisiert war, ging unter der vorzüglichen Leitung des Frauenturn- warts Rinn flott und reibungslos vonstatten. Vormittags 8 alhr traten 90 Turner, 49 männ­liche und 41 weibliche, in verschiedenen Alters­stufen zum Wettkampf an. Bald herrschte in der weithin bekannten geräumigen Turnhalle und aus dem Sportplatz reges turnerisches Treiben, welches von schönem Wetter begünstigt war. Rachmittags bewegte sich ein imposanter Festzug durch die Ortsstraßen. Rach Rückkehr in die Turnhalle begrüßte dort der 1. Vorsitzende L. Schmidt die Turner und die sehr zahlreich erschienenen Gäste. Er betonte in seiner Ansprache den propagandistischen Wert der Veranstaltung und forderte besonders die noch abseits stehende Zugend auf, im deutschen Turnen Körper und Geist für den harten Lebenskampf zu stählen. An­schließend legten verschiedene Vorführungen von Zugendturnern und Turnerinnen beredtes Zeug-

ms von der Kleinarbeit ab, die innerhalb des Vereins geleistet werden muß, um zu derartigen Leistungen zu befähigen. Zwischendurch spielte die Kapelle Weller zum Tanz auf, der, um­rahmt von weiteren turnerischen Vorfühsrungen, bis in die späte Rachtstunde andauerte. Bei der Preisverteilung wurden folgende Turne­rinnen und Turner ausgezeichnet. Turnerin­nen, Zugen d, Oberstufe: Zehnkampf: 1. Preis Lina 2 ober 162 Punkte: 2. Zohanna Pusch 156; 3. Gretchen Kehr 152; 4. Clise Hof­mann 146. Turnerinnen, Zugend, Un­ter ft u f e: Achtkampf: 1. Preis Zette Pusch 121 Punkte; 2. Marie Volkmann 119; 3. Hilde Rinn 94; 4. Anna Rinn 88. Schülerinnen, Ober stufe, Achtkampf: 1. Preis Emma Fink 131 Punkte; 2. Elise Wämser 128; 3. Gretel Keil 127; 4. Else Sack 125. Schüle­rinnen, Unterstufe, Vierkampf: l.Pr. Erna S a ck 77 Punkte; 2. Gretel Kreiling 74; 3. Anna Sack 70; 4. Emmie Steinmüller 67. Turner, Zugen d, Oberstufe, Elf­kampf: 1. Preis Willy Engelhardt und Erwin Reuschling 183 Punkte; 2. Arthur Kehr 179; 3. Otto Reidel 177; 4. Waldemar Schmidt 172. Turner, Zugend, Unterstufe, Elf­kampf: 1. Preis Ernst Resseldreher 168 Punkte; 2. Otto Kröck 166; 3. Fritz Hofmann 164; 4. Willy Hofmann 161. Schüler, Ober­stufe, Fünfkampf: 1. Preis Albert Krei­ling 90 Punkte; 2. Arthur Metzler 82; 3. Erich Kröck 81; 4. Karl Rinn, Willy Rinn und Hans Ebe 78. Schüler, Unter st ufe, Vier­kampf: 1. Preis Erich Schmidt 68 Punkte; 2. Heinrich Unger 66; 3. Aodls Christ 62; 4. Werner Schmidt 53. Die aktiven Turnerinnen trugen in dem Uebungen Laufen 75 Meter, Weit­sprung, Kugelstoßen und Hochsprung einen Ver­einsmeisterschaftskampf mit folgendem Ergebnis aus: Laufen 75 Meter: llVs Sek. Käthe Bath; Weitsprung: 4,10 Meter Emilie Rinn; Kugel­stoßen: 7,85 Meter Marie Sack; Hochsprung (Seil): 1,40 Meter Käthe Bath.

t Treis a. Lda., Am Sonntag hielt der hiesige TurnvereinGut Heil" sein dies­jähriges Abturnen ab. Das Programm wickelte sich vor zahlreichen Zuschauern glatt ab, die mit sichtbarer Freude und Begeisterung den vortrefflichen Vorführungen folgten. Am W e t t u r n e n beteiligten sich Zöglinge, Schüler und Schülerinnen. QUle Vorführungen zeigten, das die turnerische Leitung des Vereins in sehr guten Händen liegt. Zm Geräteturnen wie auch in den volkstümlichen Uebungen wurden vor­zügliche Leistungen erzielt. Rach Abwicklung des Wetturnen folgte nach einer kurzen Pause das Schauturnen, bei dem besonders die äl­teren Turner durch schwierige Uebungen den Zu­schauern zeigten, welche Arbeit im Verein ge- leistt wird. Der Turner Seth, Großen-Linden, der als Gast hier weilte, zeigte Gipfelleistungen an den Geräten. Eine besondere Rote gab dem Ganzen noch die Gegenwart des beliebten Turncrführers Dezirksturnwart Schüler. Der Vorsitzende des Vereins, Lehrer Walter, be­grüßte in einer kurzen Ansprache die beiden Vorgenannten und gab der Freude der Turner über den Besuch lebhaften Ausdruck. Seine Aus- führungen waren angelegt auf die Beantwor­tung der drei Fragen: 1. Haben wir im Verein gearbeitet? 2. Wie haben wir gearbeitet? 3. Ha­ben wir auch die rechten Erfolge zu verzeich­nen? Reichen Beifall fand der vorgeführte Volkstanz der Schülerinnen.

cf Allendors a. d. Lda., 18. Sept. Zum zwei­ten Male feit der Renovierung im Jahre 1911 hat sich der Schwamm an der nördlichen Seite im SchiffunsererKirche bemerkbar gemacht. Vor kurzem hat man aus diesem Grunde wieder einige Frauenstühle entfernen müssen. Die Baubehörde hat nun, um den Herd dieses schädlichen Pilzes endgültig vernichten zu können, einen Teil der äußeren Kirchenmauer herausbrechen lassen. Hoffentlich wird das Unheil hierdurch ein für alle­mal beseitigt. Nachdem sich bei dem letzten gro­ßen Brande im Mai d. I. herausgestellt hat, daß die Löschgeräte unserer Stadt für einen ausgedehn­ten Brand nicht ausreichend sind, hat der Gemeinde­rat die Anschaffung einer Motorfeuer-

Nie Millionen der Astors.

Der Prozeß einer Krankenschwester.

Von Inquit.

Wenn derjenige ein Betrüger genannt werden darf, der sechsmal wegen Betruges vorbestraft worden ist, so muh die Angeklagte Bertha Kirschner sich gefallen lassen, eine Betrügerin zu heißen. Aber dann gehört sie zu jener Art von Menschen, die sozusagen nichts dafür können, daß sie betrügen, erstens weil sie die Rolle eines bunteren oder höheren oder begüterteren Le­bens aus innerem Zwange und mit voller Ueber- zeugung spielen, zweitens weil die Mitmenschen ihnen das Betrügen so unglaublich leicht machen.

Bertha Kirschner nennt sich Krankenschwester, trug in der Freiheit immer Schwesterntracht und hat viele Stellungen als Schwester vom Roten Kreuz innegehabt. Allerdings vom ameri­kanischen Roten Kreuz. Ob sie wirklich Kranken­schwester ist, das steht nicht ganz fest. Dafür aber sind die Patienten ihr dankbar, hängen an ihr und wollen sich nicht von ihr trennen. Immer schlägt der Fluß des Lebens um sie lustige Wirbel, immerfort gibt es anregende Bekanntschaften, fröhliches Beisammensein in Weinlokalen, immerfort treten Herren auf, die sie heiraten wollen, und ihr inzwischen mit Geld aushelfen, und als Widersacher lauern im Hinter­gründe nur die Ehefrauen dieser Männer. Mit solchem fröhlichen Treiben, wie gesagt, hat Schwe­ster Bertha sich sechs Vorstrafen geholt, aber sie ist auch rings um die Welt gefahren und wäre aus Amerika ausgewiesen worden, wenn nicht ihre Staatenlosigkeit sie vor diesem Schicksal ge­rettet hätte. Zetzt steht sie vor dem Erweiterten Schöffengericht Charlottenburg, und es werden ihr neu sieben Fälle von Betrug, ein Fall von Diebstahl und ein« Fall von Unterschlagung vor­geworfen. Schön * kann man sie nicht nennen, kaum hübsch, ihre Stirn ist klar und hoch, die Rase groß und unregelmäßig, das Profil fast männlich, die Augen hell und offen. Sie spricht wortgewandt, klug, sachlich. Und bei alledem ent­behrt sie nicht den Reiz der Liebenswürdigkeit und mütterlichen Fraulichkeit, der Vertrauen for­dert und Liebe zu wecken vermag.

Und gerade sie, völlig unwayrscheiillicherweise, stößt ohne ihr Zutun auf eine Erbschafts-Affäre, die in ihrer Phantastik von einer Hochstaplerin erfunden zu sein scheint

Ein gewisser Gmmerich aus Schwaben oder daherum wandert zur Zeit Friedrichs des Großen

nach Amerika aus und kommt zu Vermögen, und zwar mit Hilfe eines gewissen A st o r, der un­gefähr ebendaher stammt. Er setzt diesen Astor zu seinem Erbe ein. Inzwischen ist daraus die große amerikanische Multi-Millionärs-Familie Astor hervorgegangen. Zetzt wird von den Rach­folgern des Emmerich behauptet, die Ueber- tragung der Erbschaft auf Astor sei nur für 90 Zahre erfolgt, und das Vermögen gehöre eigentlich den Emmerichs. Ueberall in der Welt, wo es Emmerichs gibt, werden Erbvereinigungen gegründet, so auch in Baden, mit dem Sih in Karlsruhe.

Unter den glücklichen Zufallsbekanntschaften, die den Lebensweg der Schwester Bertha ver­schönten. befand sich auch ein Gendarmerieober­wachtmeister aus Karlsruhe, Witwer und Vater zweier erwachsener Söhne. Er verliebt sich in sie, denkt an Heirat, erzählt ihr von jener merkwürdigen Erbgemeinschaft, deren Mitglied er durch seine verstorbene Frau ist. Es kommt zwi­schen ihnen der Gedanke zur Sprache, daß sie mit ihren Kenntnissen der amerikanischen Ver­hältnisse, mit ihrer Weltgewandtheit und mit ihren Beziehungen geeignet wäre, die Sache der Erben gegen das Haus Astor zu führen. Sie zweifelt, verlangt Unterlagen und wird zu dem Vorsitzenden des Erbvereins geführt. Der ist früherer Hauptmann, jetzt Viehhändler, von Geburt aber, wie er bei seiner Vernehmung unfreiwillig verrät, Dereinsvorsitzender, mit voll und ganz" undnach wie vor". Man sieht ihn ordentlich inmitten der 110 Vereins­mitglieder seine pathetischen Reden schwingen, in denen er seiner Ueberzeugung von der Recht­mäßigkeit der Ansprüche und von der Verrucht­heit der Familie Astor Ausdruck gibt. Und unter seiner Mitwirkung wird dann, erst vom Vor­stand, dann von der Vollversammlung, die Krankenschwester Bertha Kirschner schriftlich be­vollmächtigt, auf ihre eigenen Kosten die Sache der Erben in Amerika zu vertreten, gegen einen Gewinnanteil von 3 Prozent. Rebenbei bemerkt bedeutete das, wenn die Erbschaft in vollem Maße ausgezahlt werden würde, die Summe von 21 Millionen Mark. Was eine Betrügerin sich wünschen könnte und was sie zum Zwecke von Betrügereien sich erfinden müßte, das wird ihr hier auf ehrlichem Wege zuteil. Um übrigens diese Erbvereinigung und ihren wohlredenden Vorsitzenden zu kennzeichnen: bisher wußten sie ihre Angelegenheit nicht zu fördern; jetzt abeir beauftragen sie erstens die Krankenschwester, zweitens aber die Regierung des Deutschen Reichs mit der Durchfechtung ihrer AnsprücheI

sp r i tz e beschlossen. Auf ein Ausschreiben sind etwa 20 Offerten verschiedener Firmen eingelaufen. Eine Sachverständigenkommission ist jetzt mit der Sich­tung des Materials beschäftigt. Der Ankauf der Spritze dürste in aller Kürze stattfinden. Vor kurzem hat sich hier eine Freiwillige Feuer­wehr gegründet, der schon einige zwanzig Mitglie­der angehören.

4- Rüddingshausen, 18.Sept. Seit Anfang dieser Woche geht man auch hier daran, die Kar­toffeln zu ernten. Die Erträge sind gegenüber dem vorigen Jahre weit zurückgeblieben und geben noch nicht eine gute Mittelernte. Einigermaßen gut gediehen sind die roten (Vater Rhein) und blauen (Odenwälder Blaue) Kartoffeln, sehr schlecht die gelben und weißen.

C Garbenteich, 18. Sept. Schon seit Zäh­ren beschäftigt die beiden Gemeinden Garben- t e i ch und Hausen die Pfarrhausfrage. Die derzeitige Pfarrerwohnung ist in so schlechtem Zustand, daß auf die Dauer niemand zugemutet werden kann, darin zu wohnen. Das Haus ist gänzlich baufällig, was im Keller bereits bedenk­liche Formen annimmt. An Decken und Wänden hält kein Verputz mehr. Das schlimmste ist, daß der Schwammpilz in dem ganzen Gebäude derart überhand genommen hat, daß eine Reno­vierung nicht mehr in Frage kommt, was auch in den Gutachten der amtlichen Sachverständigen zum Ausdruck gebracht wird. Deshalb war ein Reubau geplant. Die Kirchenbehörde will dazu aber nur einen so geringen Teil der Kosten zur Verfügung stellen, daß es den beiden Ge­meinden zur Zeit unmöglich ist, die erforder­lichen Summen aufzubringen. So konnte bis jetzt noch keine Lösung der Reubaufrage herbeigeführt werden. Wie verlautet, sieht sich unser Geist­licher aus diesen Gründen gezwungen, in Kürze von unseren Gemeinden seinen Abschied zu nehmen. Das hat in unserem Kirchspiel das leb­hafteste Bedauern ausgelöst, und man will es nicht einfach hinnehmen, daß man eine Persönlich­keit, die sich so der allgemeinen Beliebtheit er­freut, aus Gründen, die nach unserem Dafür­halten von der Kirchenbehorde beseitigt werden konnten, verlieren soll. Vergangene Woche hatte sich deshalb in Garbenteich eine Kommission ge­bildet, die sich an die Kirchenbehörde zwecks Regelung der Angelegenheit wenden und bei abschlägigem Bescheid sogar einen Kirchenstreik herbeiführen wollte. Aus dringendes Bitten des Geistlichen, dem dies zu Ohren gekommen war, wurde davon Abstand genommen. Da aber die hiesige Bevölkerung endlich die Frage geregelt haben will, wollen die Gemeindevertretungen eine Abordnung an die Kirchen- befjöröe in Darmstadt senden. Man hofft, dort zu erreichen, daß die Hessische Landeskirche eine angemessene Summe bereitstellt. Hausen hat besonders durch die Vervollständigung seiner Wasserleitung eine große Schuldenlast auf sich genommen, und in Garbenteich sinnt man auf Mittel und Wege, die hier geplante Wasser­leitung zu finanzieren. Man hofft, daß man sich dem in Darmstadt nicht länger verschließen und in Anbetracht dieser Tatsachen den beiden Ge­meinden die erforderliche finanzielle Unter­stützung nicht versagen wird.

= Grünina en, 18. Sept. Bei der gestrigen Gemeindeob st Versteigerung wurden verhältnismäßig hohe Preise gezahlt. Obwohl die Apfelernte die vorjährige bei weitem über­traf, wurden in diesem Zahr weit höhere Preise erzielt. Es kostete schätzungsweise der Zentner Aepsel 5 bis 15 Mk., vereinzelt sogar bis 20 Mk. Dirnen kamen durchschnittlich aus 3 bis 6 Pf. das Pfund, Zwetschen wurden in guten Lagen mit 6 dis 7 ,Mk. für den Zentner gekauft. Letzteres ist ein Preis, den selbst Händler zur Zeit nicht an Privatleute zahlen. Die hohen Preise für Aepfe! und Zwetschen sind auf die Anwesenheit von Händlern zurückzuführen.

U Rodheim a. d. Horloff, 17. Sept. Zn Gegenwart einer außerordentlich großen Men­schenmenge aus unserem Orte und den Rachbar- dörfern wurde am Sonntag unser vor kurzem fertiggestelltes Gefallenendenkmal einge- weiht. Gegen 3 älhr bewegte sich ein stattlicher Zug, bestehend aus den Schulkindern, den An-

Glaubt Schwester Bertha selbst an die Erb­schaft? Wie sollte sie nicht, so gut wie ihr Ver­lobter, der Gendarmerieoberwachtmeister, und wie der Vereinsvorsihende, der Hauptmann a. D.? Sie hat die Aktion auf eigene Kosten über­nommen. Aber über Geld verfügt sie nicht. Gleichzeitig unterschätzt sie begreiflicherweise die Kosten eines Prozesses, der in Amerika durch­gefochten werden mühte. Zhrer Gewandtheit er­scheint es vielmehr als ein Kinderspiel, soviel Geld unter der Hand aufzutreiben, wie zur Los­lösung von Deutschland und zur lleberfahrt not­wendig ist. Dabei stattet sie aus eigenem die Söhne des Oberwachtmeisters aus, von denen der älteste als eine Art Kontrolle sie begleiten soll. Außerdem schließt sich ihr noch ein Mann an, der gar nichts mit der Erbschaft zu tun hat, der sie nur belastet, der aber zu denen gehört, die sich in sie verliebt haben. Dessen Frau schlägt Alarm, aus Sorge um ihren Mann, erstattet Anzeige, und Schwester Bertha wird in Ham­burg festgenommen. Die Polizei forscht bei ihren Bekannten nach, und mit einem Male fühlt jeder, der ihr Geld geborgt oder geschenkt hat oder der sonst irgendwie mit ihr in Beziehungen getreten ist, sich betrogen.

Mag Schwester Bertha auch oft geschwindelt haben: mit der Astorschen Erbschaft ist es ihr ernst gewesen. Und wenn ihr die Provision von 21 Millionen Mark in die Hände gefallen wäre, so hätte sie davon wahrscheinlich einen besseren Gebrauch gemacht als alle Mitglieder der Erb­gemeinschaft zusammen.

Zn dem Prozeß gegen die Krankenschwester Bertha Kirschner ließ der Staatsanwalt die An­klage in acht Detrugsfällen fallen und beantragte für zwei Betrugsfälle eine Gesamtstrafe von einem Zahr und sechs Monaten Gefängnis. Das Gericht verurteilte die Angeklagte in zwei Fällen zu zehn Monaten Gefängnis und sprach in den übrigen Fällen, dem Antrag des Staats­anwalts entsprechend, frei. Fünf Monate der Strafe sind durch die Untersuchungshaft ver­büßt. Auf Antrag des Verteidigers wurde die Angeklagte aus der Haft entlassen.

Zauberkunststücke indischer Gaukler.

Was die indischen Gaukler durch ihre Geschick­lichkeit fertig bringen, grenzt oft an das Heber- sinnliche. An ton L ü b k e erzählt davon in einem Reisebrief aus Zndien. den die LeipzigerZltu­st r i e r t e Zeitung" mit einer Reihe von Bil­dern veröffentlicht, einige bezeichnende Beispiele.

gehörigen der Gefallenen, den Vereinen und der Gemeindevertretung unter Vorantritt des Rup- pertsburger Posaunenchores durch die Dors- stratzen zu dem Ehrenmal, das sich westlich un­serer schönen Dergkirche und des sie umgebenden Friedhofs auf recht geeignetem Platz erhebt. Der Denkstein hergestellt von der Firma Schmiedeknecht (Londorf), der die Worte: Wer mutig für sein Vaterland gefallen, der baut sich selbst ein ewig Monument tm Herzen seiner Landesbrüder: Lind dies Gebäude stürzt kein Sturmwind nieder" (Korner) als Znschrift trägt, ist ein 5 Meter hoher Obelisk, der in seiner wuchtigen Wirkung zu der dahinterliegen­den mächtigen Kirche sehr gut abgestimmt ist. Eine Mauer mit eingelassenen Tafeln, auf denen die Ramen der Toten ausgezeichnet sind, umgibt die Säule. Der Weiheakt wurde eingeleitet durch einen gut von einer Schülerin vorgetragenen Prolog. Ein in feiner Weise durch den hiesigen GesangvereinSängerkranz" zu Gehör gebrachter Männerchvr und weitere gefühlvolle Gedicht- Vorträge von Schulkindern leiteten über zur Weiherede, gehalten durch den Ortsgeistlichen, Pfarrer Kornmann, der in ergreifenden ünd zugleich erhebenden Worten Grüße entbot der deutschen äugend, den deutschen Müttern und dem deutschen Vaterland mit seinen gefallenen Söhnen, deren Treue und Opferfreudigkeit der Redner wunderbar zu schildern verstand. Bei präsentiertem Gewehr einer Kriegervereinsgruppe fiel Hann die Hülle des Denkmals. Hierauf sprachen Regierungsrat Dr. Braun namens des Kreisamts Gießen und Regierungsbaurat Kuhlmann (Gießen), nach dessen Entwurf die Denkmalsanlage hergerichtet wurde. Dem Lied Morgenrot" des Gesangvereins und zwei Schü­lerdeklamationen folgte die Ehrensalve des Krie­gervereins. Rachdem namens der Vereine (Ge­sangvereinSängerkranz", Kriegerverein und Kleinkaliberschützenverein) durch deren Vorsitzende Kränze niedergelegt worden waren, übernahm zum Schluß Bürgermeister Hofmann das Denk­mal in den Schuh der Gemeinde und dankte allen, die am Zustandekommen des schönen Werkes mitgeholfen hatten.

T Steinheim, 17. Sept. Der hiesige Ob st­und Gartenbauverein veranstaltet in Ge­meinschaft mit unserer landwirt schäft- lichen Fortbildungsschule am 27. Oft. in der neuen Schule seine erste Obstaus st el- l un g mit Preisbewertung. Erst in diesem Früh»- jahr gegründet, erfreut sich der junge Verein so­wohl bei den Obstzüchtern, als auch bei der ver­ständnisvollen Gemeindeverwaltung bester Llnter- stühung. Der Landwirtschaftskammerausschuh für die Provinz Oberhessen und der Kreis-Obst- und Gartenbauverein Gießen haben je einen Zuschuß zu der Ausstellung bewilligt, womit die Ausgaben für die Prämiierung bestritten werden sollen. Reben der üblichen Ausstellung in Sam­mel- und Ginzelklassen soll auch die Verpackung des Obstes in die Einheitskiste des Reichsver­bandes des deutschen Gartenbaus gezeigt und bewertet werden, da es von der allgemeinen Durchführung dieser neueren Maßnahmen ab­hängt, ob der deutsche Obstbau wettbewerbsfähig gegenüber dem Auslandobst ist. Für den Winter ist vorgesehen, eine Bespritzung möglichst aller Obstbäume der Gemarkung mit Obstbaumkarboli- neum mittels der neuen Motorbaumsprihe der Landwirtschaftskammer durchzuführen.

# Aus dem Horloff tal, 18. Sept. Die Obstversteigerungen haben ihren Anfang genommen. Sehr gesucht sind die Zatschen. Der Behang war an sich schon unter mittet, und durch die anhaltende Dürre ist ein großer Teil davon vorzeitig unreif abgefajlen. Auch ist ein außer­gewöhnlich hoher Prozentsatz in diesem Zahre wurmig. Der Zentner stellt sich am Baume durchschnittlich auf 6 bis 8 Mark. Rormale Preise werden bei den Aepfeln erzielt. Ze nach Sorte und Qualität schwankt der Preis zwischen 5 bis 10 Mark; einzelne Bäume mit haltbarem Win­terobst (Doskoop, Goldrenette von Blenheim) erzielten Preise, die weit über dem Durchschnitt liegen. Mostobst war nicht besonders begehrt. Fast in allen Dörfern liegen die Birnen auf der Straße, wie man landläufig zu sagen pflegt, d. h. es ist keinerlei Rachfrage vorhanden, so

Zn Agra kam einmal ein Zauberer ins Hotel, um die Gäste zu unterhalten. Geldstücke ließ er verschwinden ober durch unsichtbare Kräfte sich auf der Hand vorwärts bewegen. Sine Karte lieh er in kleine Fetzen zerreißen, legte die Stücks unter einen Messingdeckel und zeigte später die­selbe Karte zusammengesetzt, nur mit einer feh­lenden Ecke, die der, der die Karte zerrissen hatte, in der Hand behalten hatte. Oder er hieß die Zuschauer eine Karte aus einem Kartenblock hinter feinem Rücken wählen, gab den Block einer Dame in die Hand, schlug ruefartig darauf, so daß die Karten auf die Erde fielen, während die gewählte Karte in der Hand der Dame zu« rückblieb. Andere gewählte Karten zauberte et in verschlossene Bilderrahmen oder auch einen Ring, der in ein Tuch eingebunden war, auf einen Stock, den man an beiden Enden festhielt. Drei Spielkarten verwandelte er auf verblüffende Weise in immer kleinere Karten, bis die lehteni so Flein waren wie Erbsen. Sein Triumph aber bestand darin, daß er aus einem Kasten, in den unendlich viele, immer kleinere Kästchen ge­schachtelt waren, fiinfzehn Zwergkanarienvögel zauberte, die ihrem Meister auf das CJSort ge­horchten. Zn Ceylon kamen öfter ein Mann und eine Frau in den Pensionsgarten. Die Frau legte sich gefesselt in einen Korb, der ihren Körper dicht umschloß. Darauf nahm der Mann ein langes Messer und stach tote wild auf den verschlossenen Korb ein, so daß die Zuschauer ein Gruseln überlief. Lachend ehtftieg aber die Frau später, ohne Schaden genommen zu haben, und frei von Fesseln, dem Korb.

Meistens find diese Kunststücke Sinnestäuschun­gen, Geschwindigkeiten oder Suggestionen, in denen die indischen Gaukler und Zauberer wahre Meister find. Einer besonderen Beliebtheit er­freuen sich bei solchen Vorführungen aber auch die Vogeldressuren. Zn Delhr zeigte ein Mann drei Kanarienvögel, mit denen er die erstaun­lichsten Kunststücke ausführte. Die Tierchen flo­gen auf Kommando zum nächsten Baum und brachten von dort ein Blatt mit, sie holten auf Kommando von der Stirn des Zuschauers das bunte Hinduzeichen herunter, steckten ihrem Meister Watte in die Ohren ober Zigaretten in den Mund, sie rollten ein kleines Wasser- eimerchen auf einem Stock hoch, sie balancier­ten, ein Stöckchen im Schnabel, im Kreise herum, fingen im Fluge ihnen zugeworfene Ringe und Rahrung, tanzten nach einer Melodie, schlugen Purzelbäume und als Höchstleistung fä­delten sie mit einer Radel sechs auf einem Tuch liegende Perlen kunstgerecht ein.

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