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Nr. 42 Drittes Blatt

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)

Oer Frostschaden in Oberheffen.

Wafferrohrbrüche. - Erfrorene Kartoffeln. - Sterbende Vögel. Oie Grippe. Geschloffene Schulen.

Landkreis Gießen.

M Lollar, 18. Febr. Die st a r k e n Gert ran- fangen unter dec Schuljugend machten heute die Schließung der Schule notwendig. In manchen Klassen, insbesonDere bei drn jüngeren Jahrgängen, blieben zuletzt die Halste und mehr der Schüler vom Unterricht fern. Der starke Frost bewirkt auch hier viele Schäden an der Wasserleitung. 11. a. ist der südliche Teil unseres Dorfes ohne Wasser. Das in diesem Ort8tcil liegende Dampssägewerk Nuhn mußte daher den 'Betrieb einstellen. Die Bewohner müssen in weiter gelegenen Häusern ober auch am Weiherbrunnen am Lollarer Kopf daS Wasser holen.

gck. Großen-Buseck. 18. Febr. Seit heute ist die hiesige Schule auf einige Tage ge­schlossen. Heben einigen Lehrkräften muhten auS allen Klassen 50 bis 75 Prozent aller Kinder toegen Erkältungskrankheiten dem Unterricht fern- bleiben. Auch in unserer Gemeinde sieht man allenthalben Leute unterwegs, die das in ihren Haushaltungen benötigte Wasser oft von weither herbeischleppen, oder auf Handschlitten heranfahren. Seit mehreren Tagen vermag unsere Wasserleitung, die auch in den trockensten Jahren bei zweckmäßiger Regelung nicht versagte, den Ansorderungen nicht mehr ge­recht zu werden. Hochgelegene Zapfstellen sind oft ganz ohne Wasser. Aach Instandsetzung einiger Rohrbrücke, an denen sogar nachts­über gearbeitet wurde, sind die Zustände zwar besser geworden, doch macht sich noch weiterhin Mangel an Druck bemerkbar. Heber die Ursachen gehen die Meinungen auseinander.

4- Gründern, 18. Febr. Nachdem hier am Donnerstag, verursacht durch die strenge Kälte, der erste Bruck eines Hydranten sich ereignete, kamen im Lause des Sonntags nicht weniger als drei derartige Brüche vor. Der eine war in der Rosengasse, dicht vor dem Anwesen des Weinhänd­lers Stammler. Sofort nach dem Vorüberfahren eines Autos ergoß sich ein Wasserstrahl aus der Bruchstelle, und die Wasiermasien drangen in den anliegenden Weinkeller, dessen Besitzer alsbald die Weinoorräte in Sicherheit bringen mußte. Der zweite Bruch ist in der Marktgasse vor der Robert- schen Druckerei, und der dritte in der Bahnhofstraße; in beiden letzteren suchte sich das Wasser oberirdisch feinen Abfluß. Die Wiederherstellungsarbeiten wer­den bei den Bewohnern der von den Bruchstellen betroffenen Straßen schwierige Wasserbeschaffung verursachen, besonders trifft dies die in der Bahn­hofstraße gelegene Weberei Allmendinger, die zur Durchführung ihres Betriebes das Wasser für ihren Dampfkessel herbeifahren muh.

aL Allendors a. d. L ahn, 18. Febr. Der anhaltende starke Frost hat in unserem Dorfe erheblichen Schaden angerichtet. Durch zwei Rohrbrüche im Hauptstrcrng der hiesigen Wasserleitung ist die Gemeinde schon seit Mittwoch von der Wasserzufuhr ab­geschnitten. An der Auffindung der Bruch­stellen wird eifrig gearbeitet. Die 3nstandsehungs- arbetten gestalten sich äußerst schwierig, da der Boden 80 bis 90 Zentimeter tief gefroren ift Der Frost bringt auch in die Keller ein. Zahl­reiche Hauswasserleitun^en sind eingefroren. Um die Kartoffeln, Dickwurz und sonstigen Borrate vor dem Erfrieren zu schützen, heizen dieDe- wohner die Keller Tag und Rächt mit einem mäßig brennenden Holzkohlenfeuer. Man

befürchtet auch großen Frostschaden an den im Felde vielfach in Mieten eingevrachten Dickwurz, weil die etwa 50 Zentimeter hohe Erddecke der außergewöhnliche Kälte nicht widerstehen kann. Trotzdem hier die Bogel fleißig gefüttert werden, findet man doch hier und da tote Bogel. Sie fallen der Kälte zum Opfer. Tote Hasen hat man auch schon gefunden; ihnen ist eS nicht mög­lich, etwas Grünes unter der harten Schneedecke hervorzuscharren. Soweit die Hasen die Rinde der Bäume erreichen Formen, haben sie sie vollständig abgenagt.

r. Lang-Göns, 18. Febr. Auch in un­serer Gemeinde hat der starke Frost allerlei Unheil angericht.t. Seit einigen Tagen sind die hoher gelegenen Ortsteile f a ft ganz ohne Wasser. 3n einer Nebenstraße brach das Rohr der Hauptleitung, so daß das Wasser in die angrenzenden Scheunen eindrang. Auch an andern Stellen scheinen Rohrbrüche zu sein. Der Frost hat in den Kellern ebenfalls, besonders bei den Kartoffelvorraten, ziemlichen Schaden angerichtet. Die oberen Schichten der Knollen sind meistens hauptsächlich an den äußeren Mauern erfroren. Manche Land­wirte versuchen durch Aufstellen von Koksöfen die Temperatur wieder zu heben. Hier und da werden auch elektrische Heizsonnen in Betrieb genommen, doch ist der Stromverbrauch zu groß. /$He Grippe tritt hier sehr start auf. Fast in jedem Hause liegen mehrere Personen krank darnieder.

U Rodheim a. d. H 0 r10 ff, 18. Febr. Recht beträchtlicher Schaden an der Wasserlei­tung unseres Ortes ist durch den Frost hervor­gerufen worden. Schon seit Wochen ist der untere Straßenteil der Obergasse infolge eines kleineren Rohrbruches der Wasserleitung mit einer etwa 30 bis 40 Zentimeter dicken Eisschicht überzogen. Ein zweiter Bruch ist in der H a u p t l e i t u n g der ilntergaffe eingetre en. An mehreren Stellen kam das Wasser in großer Stärke aus Erde und Mauerwerk. Nachdem Die Leitung aögesteltt worden ist, müssen die Anwohner der llntergasse ihr Wasser wieder aus Brunnen und Pumpen, die glücklicherweise in unserem Orte noch in grö­ßerer Zahl vorhanden sind, holen.

s. Aus dem Horlofftal, 18. Febr. Immer mehr häufen sich die Schäden, die durch das anhaltende strenge Frost Wetter verurfachi sind. Täglich mehrmals hört man die Ortsschelle in den Dörfern das Abstellen der Wasser­leitung verkünden, da Rohrbrüche aus­gebessert werden müssen. 3n den meisten Häusern ist <ts ohnedies nur möglich, noch im Keller an der Leerlaufvorrichtung Wasser zu entnehmen. In vielen Haushaltungen ist selbst die Keller­leitung eingefroren, so daß man sich bei Nach­barn mit Wasser versehen muh. Fast noch lä­stiger ist das eimerweise Wegschaffen des Schmuh- wassers, wo die Abflüsse zugefroren sind. Es gibt kaum einen Landwirt, der nicht über Erfrieren der Kartoffeln in selbst gut gesicherten Kellern klagt. Ganz katastro­phal gestaltet sich die Sachlage bei den Feld- mieten für Dickwurz und Kartoffeln, wo der Frost 60 bis 70 Zentimeter eingedrungen ist. Manche Bauern haben Notfeuerungen im Keller eingerichtet. Unter den hungernden Hü­geln sieht man mehr und mehr den Sperling vorherrschen. Buchfinken werden zahlreich tot aufgefunden. Dem Schreiber dieser Zeilen wurde

Das große Grauen.

Vornan von H. A. von Byern.

Urheber-Rechtsschutz durch Berlag Oskar Meister. Werdau.

11 Fortsetzung. Nachdruck verboten

,Du darfst es nicht tun, ich ich habe dein

Woril" ,

TJtcin Wort? 3m Scherz gegeben, als Scherz aufgefaßt."

«Das ist eine Luge!

Ein halb unterdrückter Ausruf:

«Du! Laß mich los!--- Dann ein Fluch,

jagende Schritte, ein elastischer Sprung wie von einem Raubtier, für eines Herzschlags Dauer der Schimmer eines weihen Gewandes unter einem Umschlagetuch flimmerndes Goldhaar mit hartem Schnappen fiel die Tür ins Schloß, kreischend drehte sich der Schlüssel.

Beim ersten Laut hatte ich das Fenster schfie- ßen wollen, die Rolle des unberufenen Zeugen widerstrebte mir, aber nun stand ich regungslos, wie erstarrt-- fieber Gott diese

Stimme!--Das--daS war doch--

Gräfin Sophy!--

Und dann geschah etwas Merkwürdiges: mitten m dem grellgeloen Lichtkegel des einzigen noch erleuchteten Zimmersensters stand plötzlich eine seltsame Gestalt, stand da wie hingezaubert: schlank, sehnig.---die nachtschwarzen Augen

unter den starken, an der Wurzel zusammen- gewachsenen Brauen hatten einen Harten, spötti­schen Ausdruck, die scharfgebogene Nase und das eckige Kinn verfielen Willenskraft, und um den fest geschloßenen, bartlosen Mund lag ein bru­taler Zug.

Hubertus Silvester!" Unwillkürlich hatte ich es ganz laut gerufen, beugte mich vor, ----

aber da war die Erscheinung auch schon ver­schwunden, als hätten die Schatten der Nacht sie aufgesogen.

Neben mir flirrte ein Fenster, gleich daraus pochte es kurz und hart an meine Tür.

Wer ist da?" fragte ich.

Geb Dinzenz!"

Nasch schaltete ich den Lichthebel em und öffnete:

Was ist beim nur ------?

Mein Freund stand auf der Schwelle, aschfahl, mit hängenden Armen, die Blicke wie erloschen.

Qlber Binzenz!"

Er schloß die Tür, zog mich ins Zimmer:

.Ich---ich---habe ihn gesehen

Wen denn?"

.Den den Hubertus Silvester, grab* unter meinem Fenster, ich wollt' die Dorhänge zu­ziehen, schaute zufällig hinaus---"

Unfirni! So, jetzt seh' dich erst mal." ich drückte meinen Freund in einen der Sessel: »Deine Nerven haben dir einfach einen Streich gespielt oder der Sekt.---

Nein, nein, an Eid kann t draus ablegen! Ha schon, meinetwegen, dann war's eben eine zufällige Aehnlichkeit. Die Herren Magyaren haben alle so etwas vom Typ des wilden 3ägers war denn der Mann allein?"

Dos woah i not, hab' ihn eh' nur a halbe Sekunden geseh'n.---

3ch atmete auf, so, nun hatte ich Ober­wasser!

Aber Dinzenz eine halbe Sekunde, da kann auch die flüchtigste Aehnlichkeit täuschen, noch dazu bei der ungewissen Beleuchtung! Geh', sei gescheit, leg' dich zu Bett, du bist abgespannt, siehst Gespenster."--

Er lächelte, fein findgutes, ein wenig unbe­holfenes Lächeln:

Hast am End' recht, Alterle, a Narr bin i, no war heul' an anstrengender Tag."

Eben, und morgen darfst du nicht schlapp machen, tu's mir zuliebe, und versuche ein paar Stunden zu schlafen."

Will's probieren." Er stand auf, schwer­fällig. den massigen Körper leicht geneigt. Und plötzlich legte er die Arme um meinen Hals, sah mir ganz fest in die Augen:

Du guter Kerl, i dank' dir!" Dann ging er rasch zur Tür, Uinlte sie zu. ohne sich noch ein­mal umzusehen.--

3eber Nerv in mir fieberte. Da lieh ich nun meinen besten Freund gehen, lieh ihn gehen, ohne zu sprechen.

Aber was wußte ich Denn eigentlich. Konnte ich Darauf schworen, dah es die Gräfin d'Haraneourt gewesen war?! Es gab unter den Gästen eine ganze Wenge blonde, junge Damen, möglicher­weise war es auch ein Stubenmädel, eine Zofe gewesen. Die sich hier mit ihrem Liebsten ein Stelldichein gab . . . Nur, daß die beiden deutsch gesprochen hatten . . . Ach was, das taten fast alle Ungarn, und dann . . . eigentlich hatte ich ja gar nichts gehört, das irgendwie belastend gewesen wäre, die Dame oder das Mädel wies einen Zudringlichen zurück . . . nein, ich würde mich mit meinem Verdacht nur lächerlich machen! Und Dann rief ich mir das Bild der Gräfin Sophy ins Gedächtnis eine unbesonnene, lei­denschaftliche, aus 3agdpasslon begangene Tor­heit konnte man ihr vielleicht zutrauen, eine heimliche Liebschaft . . .? Unsinn! Alles andere eher! 3n diesen dunklen Augensternen schlum­merte nur eines: Jagdleidenschaft, die keine Schranken kannte, die stärker war selbst als die Liebe . . . Ich atmete auf, meine Menschenkennt­nis hatte mich noch niemals im Stich gelassen, und ich glaubte auch Die Frauen zu kennen, besser zu kennen, als andere Männer dies Der­

löget eine verhungerte Schleiereule ge­bracht, obwohl Raubvogel sehr lange hungern können. Die sonntäglichen Gottesdienste werden allerorts in Konfirmandensälen oder Schulen ab­gehalten, da Die Kirchenheizungen nicht ausreichen.

Kreis Friedberg.

2$. Bad-Nauheim, 18. Febr. Die hiesige B 0 l k s s ch u l c mußte auf Anordnung des Kreisgesundheitsamtes Friedberg im Laufe des heutigen Bormittctgs den Unterrichtsbe­trieb in allen Klassen c i n ft e 11 c n . obwohl nur die unteren Schuljahre einen außergewöhn­lich hohen Prozentsatz von Erkrankungen unter den Schülern aufweisen. Durchschnittlich fehlen 30 bis 40 Prozent der Schulfinder in den unteren und mittleren Klassen. Es handelt sich zumeist um Grippeerkrankungen und Keuchhu­sten mit durchweg leichterem Charakter. Nur vereinzelte ernstere Grippefälle werden von Den Aerzten gemeldet. Ein hoffnungsvoller Schüler der Crnst-Ludwig-Schule, der vor dem Abi- turium stand, ist nach kurzem Krankenlager der Grippe erlegen. Tie Grippeferien der Volksschule dauern bis Ende der Woche.

Kreis Schotten.

k. Schotten. 18. Febr. Die Grippeepi­demie herrscht auch sehr stark in unserer Stadt. Ganze Familien liegen darnieder. Glücklicher- weise tritt sie milde auf. Die Schulen mußten wegen Der großen Zahl grippekranker Kinder geschlossen werden. Infolge des strengen Frostes find sehr viele Wasserleitungen eingefroren. Die Leitung ist während einiger Stunden abgefteltt, um Die vielen Reparatur m vornehmen zu können.

!* Aus Dem Vogelsberg. 18. Febr. Die ungewöhnliche Strenge des diesjährigen Win­ters hat unsere Dogelwelt in einer Weise mitgenommen, wie man es seit Menschrngedenken hier kaum erlebt hat. Es fiel zu Beginn des Winters auf, daß die Ro tkehlchen in großer Zahl bei uns geblieben waren, was wir nur durch die seitherigen milden Winter erflären können. Noch vor einigen Wochen kamen sie zahlreich auf die Futter?lähe. Jeden Tag' aber wurden sie matter, und heute Dürften Die meisten des Winters Raub geworden fein. Bei den Amse ln haben wir die gleichen Erfahrungen gemacht. So sahen wir kürzlich ein Männchen dieser Art morgens tot vor dem Fenster liegen, wo es seit Wochen gefüttert wurde. In vielen Scheunen wurden Schleiereulen tot aufge­funden. Die Untersuchung ergab, daß sie zum Skelett abgemagert waren, Da sie schon seit Wochen keine Mäuse erhalten können. Die Mäusebussarde, diese wr wollen Freunde des Landwirts, sterben ebenfalls dahin. Wir sahen einen am Raine kraftlos hocken, den die Raben zerrissen. Ein anderer fiel mitten in einem Dorfe tot herab. Da eben die Gebirgs­bäche zugefroren sind, die seit Menschengedenken niemals Eis trugen, geraten auch die Wasser- Vögel in bittere Not. Uns tourjen voll­kommen abgezehrte Teichhühner ge­bracht, die auf dem Eise sitzend den Tod erwar­teten. Noch nie sahen wir die Meisen in so ge­ringer Zahl wie in diesem Winter. Vögel, Die nie des Menschen Stätten sonst besuch "en, drängen sich heute bis vor Die Haustüren. Erschütternde Tragödien, von Denen der Mensch nicht viel s ieht, spielen sich eben in der freien Natur ab. Wenn Der verhungerte Vogel das Ende nahen fühlt, dann setzt er sich still in einen Winkel und stirbt dahin ohne Klage und Geschrei, aber der Mensch weih nicht, wieviele dieser lieblichen Geschöpfe eben täglich der Untergang ereilt. Wenn jemals, dann sind es Die jetzigen Tage, Da jeder­mann den armen Vögeln helfen sollte, soviel er nur irgend kann. Biele ver­

mögen; denn ich stand ihnen kühl gegenüber, ließ mich nicht so leicht täuschen und betören durch Die tausend kleinen Künste.

Aber ein Rest von Verstimmung blieb, irgend etwas Uneingestandenes, ein Gefühl, über das ich mir selbst keine klare Rechenschaft geben konnte. Erst viel, viel später kam ich zu der Er­kenntnis, daß es seelische Dorahnungen gibt, psychische Unterströmungen, die sich in keine Schablone pressen lassen, die für Augenblicke den Schleier lüften, der uns die Zukunft verhüllt.

Ich warf den Rest meiner Zigarette in Den Schnee, wo er leise aufzischend verlöschte, und schloß das Fenster.

Ping!"Ping!"

Ein rascher Blick nach der kleinen Douleuhr auf dem Kaminsims . . . lieber Himmel, schon um zwei Uhr, und morgen würde ein anstren­gender Tag werden!

Wenige Minuten später lag das Zimmer in tiefem Dunkel, nur die funkensprühenden Buchen­schelte im Kamin warfen einen zitternden, blut­roten Widerschein auf das bunte Muster des Teppichs.

Dann trat auch wieder der Mond hinter Den Wolken hervor, geisterte mit bleichem Licht durch Die kühlen Kronen der Parkbäume, wanderte seine urewige Dahn, und irgendwo tönte das schrilleKuuwlk! KuuWik!" eines Käuz­chens, mit langgezogenem, greinendem Heulen gab eine Ohreule Antwort es waren Die Stunden der Nacht, in Denen Die Mächte Der Finsternis ihr Spiel treiben . . .

Ein Wintertag voll Licht und Glanz, voll flu­tendem Soimengold und strahlender Bläue. Durch Die traumhafte Stille schwebten Glockenklänge, und ein langer Zug bewegte sich hinüber nach Der Dorskirche, hindurch unter Ehrenbogen aus grünen Tannenreisern und leuchtend roten Eber­eschenbeeren. Man mußte es Dem Ritter von Molnar lassen, geknausert wurde wahrhaftig nicht in Keresz-Erdo! Und wie weit die Be­ziehungen des Leiters des magyarischen Zucker­rübenkonzerns reichten, zeigte deutlich genug Die Tatsache, dah fast der gesamte ungarische Hoch­adel vertreten war: Fürst Esterhazy, Fürst Fe­stetics, daneben die Hünengestalt des Grasen Dionys Wenkheim, Der alte Graf Erdödy. Die Andrassys und Schönborns, Herr von Bottazzi und der Ritter von Landau Da sah man weih- gefleiDcte Malteserritter des Maria-Theresia- ordens und des Grohkreuzes dex Eisernen Krone, Toiletten, für deren Schöpfung irgend eures der weltberühmten SchneiDerateliers auf Der rue de fa parx verantwortlich zeichnete. Schmuck im Werte von ungezählten Millionen Kronen . . . Ueber» all waren Teppiche und Mallen gelegt, Kopf an Kopf standen Die Zuschauer, begrüßten das Braut­paar mitEljen!"-Rusen . . .

Dienstag, 19. Zebruar 1929

gessen bei Den zahlreichen Schäden der Kälte nur zu leicht die hungernden Geschöpfe um uns her.

Mrcte Alsfeld.

L Ober-Ohmen. 16. Febr. Der Wasser- rohrbruch in unserer Gemeinde Hai sich fol­genschwerer ausgewirkt, als anfangs ange­nommen wurde. Die Anwe en des am Kirchberg gelegenen Unterdorfes, sowie Der Dvrfieil an der Ohm strafe, sind ohne Wasser. Nur wäh­rend einer Stunde täglich, vormittags von 9 bis 10 Uhr, können Die Bewohner Der durch Den Wasserrohrbruch betroffenen Ortsteile ihr Was'er in Der Dorfmitte holen, wenn sie es nicht Der Ohm entnehmen wollen. Die allerdings auch größtenteils fest 51tgefroren ist. Dir Grippe scheint auch hier ijrcn Einzug hatten zu wollen. In einer Reihe von Häusern liegt Die ganze Familie erkrankt danieder. Oesters ist d'.e Grippe mit Lungenentzündung verbunden. 3m allgemeinen scheint sie einen ziemlich schweren Verlaus zu nehmen. Der Schule müssen rund ein Diertel der Schüler durch Grippe- erlranlung sernbleiben. Nachdem schon vor vierzehn Tagen zwei Fischreiher in der Kreuzwiese zwischen hier und Ruppertenrod be­obachtet wurden, tauchten sie neuerdings wieder auf. Die Tiere, die die Gestalt und nahezu auch die Große des Storches haben, schlugen ihr Jagdrevier auf Der Müllerwiese auf, wo sie eifrig in dem nicht zugesrorenen Bach Dem Fisch­fang obliegen. Unsere Schulfparkasse macht recht erfreuliche Fortschritte. Seit Herbst 1925 legten Die Schüler über 3000 Mk. ein. Seit 1. April 1928 allein wurden über 1200 Mk. ge­spart.

-v Nieder-Gemünden. 18. Febr. Der starke Frost verursacht empfindliche Schäden. An verschiedenen Stellen sind Rohrbrüche der Wasserleitung in Erscheinung getreten, so daß sich Wasserknappheit bemerkbar machte. Die Leitung wird deshalb von abends 7 Uhr bis vormittags 7 Uhr a b g c ft e 11L

*!* Ruppertenrod, 18. Febr. Noch niemals war die Ohm in solcher Ausdehnung wie eben zugefroren. Selbst Stellen, die fließendes Quellwasser führen, sind mit dicker Eisschicht be­deckt. Die Hauptleitungen unserer Wasser­leitung sind vollkommen unversehrt, aber die Hausleitungen sind vielfach schwer mitgenommen.

Kreis Lauterbach.

la. Maar, 16. Febr. Unabsehbaren S ch a d e n hat die große Kälte an unserer Was­serleitung angerichtet. 3m Lause der kalten Tage sind eine ganze Anzahl Rohr- d r ü ch e entstanden, und das Wasser wurde knapp. Arn Donnerstagmorgen war der ganze Ort ohne Wasser. Die Leitung ist 1901 ge­baut worden und hat Freilauf. Ueber Nacht war ein großer Rohrbruch entstanden, und die Was- serkammer war vollständig leer. Da die Leitung schon nahezu 30 3ahre besteit, sind die Brunnen zum Teil zugeschüttet worden, zum Teil auch nicht in Ordnung. So standen am 14. morgens sämtliche Häuser ohne Wasser da. 3n den Stäl­len stand das Dieh und wollte getränkt sein. 3n der Not wurden Die Iauchefässer auf Den Wagen gebracht und am zugefrorenen Dach ge­füllt. Schwieriger war Das Wasser für Die Küche zu beschaffen. Dazu mußten Die wenigen Brun­nen, Die sich noch in brauchbarem Zustank) be- fanDen, herhalten. Ehe Der Frost aufgehört hat. ist an eine vollständige Ausbesserung Der Schä­den natürlich nicht zu denken.

Sprechstunden der Redaktion

12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen.

Dinzenz von Andrian blickte geradeaus. 3n seinem straffen, hageren Gesicht zuckte keine Muskel, wie aus Erz gemeißelt waren die Züge, fest umschloß die Hand den Korb des schweren Dragonerpallaschs. Und neben ihm Die Braut in schimmernder weißer Seide, die Flut des Goldhaars umkränzt von grünender Myrte, um­wogt von hauchfeinen, spinnwebzarten Schlei­ern . . .

Eljen!"Elfen!"

Ueber Treibhausblumen schritt der Fuß, Böller­schüsse krachten . . . dann Stille. Dämmerkühl war es Drinnen in dem Gotteshaus, durch dessen hohe, spitzbogige Fenster gedämpftes Sonnenlicht fiel, Weihrauchwollen schwebten empor, und über­all Blumen Blumen . . .

Mit traumhaft leisen Aklorden begann die Orgel das Dorspiel, nun fielen ein weicher Mezzo­sopran, ein wundervoller Alt und ein klingender Bartton ein, das Engelterzett aus DemElias". Hebe Deine Augen auf zu Den Bergen, von welchen Dir Hilfe kommt . . ."

Am Altar kniete das Brautpaar, Hand in Hand, die Ringe wurden gewechselt, unö Dann sprack der Geistliche die Worte Der Heiligen Schrift:Wo Du hingehst, da will auch ich hin- gehen.' Dein Gott sei mein Gott, und nur der Tod soll uns scheiden!"

Wieder Langen und schwangen Die Glocken, wieder brauste die Flut Der Töne durch das Schiff der Kirche:

So nimm Denn meine Hände

Und führe mich

Bis an mein lelig Ende Und ewiglich.

Ich mag ohn dich nicht gehen. Richt einen Schritt.

Wo du wirst gehn unö stehen.

Da nimm mich mit!

Hochaufgerichtet schritt mein Freund an mir vorüber, nick.e mir zu, seine dunklen Auaen strahlten, um Den Mund lag ein glückliches Lächeln ...

Weih heut' noch nicht, wie cs kam, aber das Herz war mir dama.s sattsam schwer, schweigend bot ich der Brautjungfer Den Arm. Wehende Wimpel, flattern De Fahnen, schmetternder Hift- hornk.ang. Dor Dem Schloß hatte die 3ägerei Ausstellung genommen, in Galauniform, den Hischsänger an Der Seite. An jeden einzelnen trat Die- junge Frau heran, gab ihm Die Hand, sprach ein paar freunDliche Worte. Sann hoben sich Die Hörner noch einmal, ein langgezogenes, wehmütiges Signal:3agD vorbei ..."

Drinnen imweißen Saal" war em Büfett ausgestellt, Schaumwein, goldtopasfarbener To- toben kalter Aufschnitt.

(Fortsetzung folgt)