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19.2.1929
 
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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)

Nr. 42 Zweiter Blatt

Dienstag, (9. Februar (929

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Amerika und die deutsche Einwanderung.

GS ist für Denjenigen, Der Die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse Amerikas auS eige­ner Anschauung genauer kennt, recht unerfreu­lich, beobachten -u müssen, wie wenig man eigentlich in Deutschland Darüber Bescheid werft, wie in Amerika Gesetze zustande kommen und wie gering im allgemeinen das Interesse an Dingen ist, die unS sehr stark angehen. Seit geraumer Zeit wird im Amerikanischen Kon­gretz und in der Oessentlichkeit ein heftiger Kampf zwischen den fremdenfeindlichen Elementen und den Befürwortern einer verständigen Einwands- rungspolitik auSgefochten, ohne dah man sich bei unS viel darum gekümmert hat. Erst ein neue« Zwischenstadium, daS in Den letzten Tagen entstanden ist, hat einige Aufmerksamkeit erregt.

Die Sachlage ist die folgende: Aoch unter der Kriegspsychose war im Jahre 1924 ein neues SinwanderungSgesetz angenommen wor­den, daS Die Quoten Verteilung für die verschiedenen Nationalitäten auf eine an­dere Grundlage stellte. Bisher hatte der Anteil der verschiedenen Nationalitäten an der Zusammensetzung des amerikanischen Döllerge- mischS nach Maßgabe der letzten Volkszählung gegolten^ Die Volkszählun­gen finden alle 10 Jahre am Ende eines De- zemiiumS statt. ES war also Anfang dieses Dezenniums eine Neuverteilung der Quoten auf Grund der Volkszählung von 1920 fällig. Nun wurde statt dessen der Grundsatz ausgestellt, es solle nicht der in der Volkszählung festgestellte Wtteil einer bestimmten Nationalität, also der Prozentsatz der noch im Ausland geborenen Männer und Frauen, sondern die Gesamt­zahl der Gingewanderten einer be- stinunten Nationalität matzgebend sein. Nun weist die Sinwanderungsgeschichte der Vereinig­ten Staaten eine sehr starke englische Einwanderung für längere Zeit auf, Da ja die ursttünglichen Kolonien zum größten Teil von Engländern gegründet waren. Außerdem war man gewohnt, die i r i s ch e Einwanderung als englisch sprechend auch der cnal. Nationalität zu- zuzäblen. Im Lauf der Zett jedoch lieh die englische Einwanderung nach, und sie wurde an Starke zunächst abgelöst von der deut­schen und skandinavischen. Neben die­ser standen in zweiter Linie Einwanderer ro­manischer Herkunft, auherdem Griechen. Die letzte starke Einwanderungswelle kam auS den slawischen Ländern, unter einer sehr staken Beimischung jüdischer Elemente. So­lange die germanische Einwanderung über­wog, war auch die Gewähr vorhanden, dah der sich bildende Volkscharakter im Grunde germanisch sein werde, wobei sich bereits starke Änterschiede gegen den rein englischen abhoben.

Nun gab einmal die sich immer stärker regende Antipathie gegen romanische und slawische Ein­wanderung. dann aber auch der Haß gegen alles Deutsche den Anstoh zum Erlaß jenes Gesetzes von 1924, durch das die englische Ein- wanderungSquote stark heraufgesetzt, die deutsche dagegen um die Hälfte vermindert wurde. Bald erkannten die Politiker, einen wie schweren Fehler sie damit begangen hatten, und eS wurde zunächst durch eine gemeinschaftliche Resolution deS Kongresses das Inkrafttreten des Gesetzes um ein Jahr verschoben, um eS entsprechend ändern zu können. Die Aenderung blieb auS. weil sich niemand an die heikle Arbeit herantraute, und so wurde immer wieder Verschiebung um ein Jahr beschlossen. Das sollte auch in diesem Jahre der Fall sein, aber un­erwarteterweise haben die Gegner der Einwande­rung überhaupt die vorgerückte Zeit unmittelbar vor Schluß des Kongresses zu einem neuen Vor­stoß bmurtzt, und zunächst im Senatsausschuh die abermalige Annahme der Resolution verhindert.

Krähentod.

Don Otto Ehrhart, Dachau.

Wo die Amper durch das Rohrland geht, zwischen Binsen und den weißblühenden Aehren deS Schills, sägt das Gis. Die Luft rüttelt förm­lich vor Kälte.

Wenn einer so warm angezogen ist, wie ich, satt zu essen, zu trinken, zu rauchen und daheim eine gute geheizte Stube hat, müßte er eigent- lich zufrieden sein. Aber so gern ich sonst mit dem Winter raufe, heut werd' ich nicht froh. Der Himmel ist bis zum Rand mit Traurigkeit erfüllt. Hinter allem spürt man die Not.

Vorhin sah ich ein paar Vagabunden aus der Landstraße tippeln, der eine hatte halbe Schuhe und der andere keinen Mantel an. Dabei haben wir fünfundzwanzig Grad Kälte. Man kann ja nicht jedem helfen, man tut was man kann, aber Helf uns Gott! es laufen zu viel auf den harten Straßen herum. Menschen Brüder, für die der Himmel grauer ist wie für mich. Wir wollen gar nicht weiter darüber reden...

Hinter dem Amperwald bei den Brüchen mit den Kümmererlen und den frostumsponnenen Rotweiden, die wie große, weihe Korallen sind, beginnt das Moor. Abends, toerm die Sonne untergeht, schimmern sie rot, und ringsum dampft dann das Moor wie Blut.

Wer will eS noch glauben, daß dort im Som­mer eine hohe, grelle Sonne stand, unter der sichs tausendfältig regte ? Wo sind die blauen Tage $tn? Ich weiß um einen Goldmorgen, da stand das Gebirge so nah, dah man im Wetterstein und im Karwendel jede Felswand sah. Seit Wochen sind die Berge wie versunken. Aber wenn einer die Macht hätte, dort hinten die grauen, dicken Schleier zu heben, läge es da tiefblau, sonnig und strahlend. Wie ein Mär­chen . , .

So trüb verrinnt jetzt jeder Tag. Wan geht und denkt und sinnt, man geht den Tag zu Ende. Wie eben jetzt. Genau so.

Was haben die DirLen bloß für Laub geschla­gen? Hunderte von schwarzen Vögeln müssen dtp schwachen Zweige leidem Steif und stumm, mit aufgeplusterten Federn erwarten die müden KrAhen die Nacht.

Fallaub ist das. Ich weiß eS ja. Sie tragen nicht umsonst die Auwe des Tvde?.

Heute morasn fand ich yjele Krähen im Schnee. Der Frost hatte ihre ruppigen Mäntel mit Orna­menten befttckt, so schön, tote sie fein Bischof hat.

Schon Präsident Tvolidge hat sich mehrfach für eine gründliche Aenderung des Gesetzes ausgesprochen, und sein Nachfolger hat daS bei Annahme feiner Präsidenllchastskandidatur gaiu besonders wiederholt. Infolgedessen wird jetzt ein neuer Versuch gemacht, den Fehler auSzu- bessern, und man darf annehmen, daß sich Hoo­ver, der so wie so in diesen Tagen nach Wa- Än zurücSehrt, um sein Kabinett zusammen- n, mehr um die Angelegenheit kümmern wird. Wenn es ihm nicht gelingt, seinen Ein­fluß hn Senat entsprechend geltend zu machen, dann bleiben ihm drei Wege übrig: Die neue Quotenziffer muß vom Präsidenten vor dem L April verkündet werden, und eS ist völlig nebensächlich, ob das durch Coolidge oder Hoover geschieht. Die radikalste Maßnahme wäre eine sosortige Einberufung einer Extrasession des

neuen Kongresses unmittelbar nach dem 4. März, waS jedoch Präsident Hoover schwerlich tun wird. Ferner könnte er in seiner Red« bei seiner Amts­einführung am 4. März die Wichtigkeit einer verständigen Regelung der Einwanderung be­tonen, und die Erfüllung seines Wahlverspre­chens in Aussicht stellen. Das gleiche würde er bei seiner ersten Jahresbotschaft an den Kongreß, bei dessen regelmäßigem Zusammentritt am ersten Montag im Dezember wiederholen, und dann hätte er Zeit und Mittel, seinen Willen durch- Ä. Das ist der wahrscheinlichste Weg. Wir also, wenn nicht Hoover jetzt noch im Bunde mit Eoolidge einen sehr starken Druck ausübt, damit rechnen müssen, daß für ein Jahr die für unS ungünstige Einwanderungsquote vom 1. Juli ab Geltung haben wird, hossentlich und wahrscheinlich aber nur für ein Jahr.

Ihre verkrampften Füße starrten gen Himmel, und eine hatte sich eine feine, weiße Blüte ge­pflückt. Eine seltsame Totenblume, die sie wie be­wundernd weit von sich hielt, Als etwas wunder- feines!

Hunger!" dachte ich.Die weihe Not!" Ab« wie ich dann drüben am Waldrand die frisch­gestreuten Dunghaufen mit dem Rinderblut da­zwischen sah, wußte ich, was es war:Gift!"

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Aus Den Abendnebeln des Flusses steigen Drei Krähen. Schwer schlagen die Schwingen Die Luft. Es ist sicher nicht leicht, Durch die zähen, eisigen Nebel zu fliegen.

Sie streichen ohne Hast über mir Hin, aber balD bleibt eine zurück, taumelt unb stürzt Dann jäh in Den auf staubenden Schnee hinab.

Arrh arrh!" Die andern fliegen weiter, als hätten sie nichts gehört.

Sine Weile hockt der Vogel still im Schnee. Er versteht nicht, was mit ihm los ist. Wieder lüftet er Die Schwingen, schlägt und schlägt und schlägt, daß die Schneekristalle fliegen. Aber er ist kaum ein paar Meter weit gekommen.

Krähen sind merkwürdige Geschöpfe. Wesen zwischen uns und unerforfchtichen Tiertiefen, deren Klugheit mir oft unbegreiflich ist. Ihr Denken gleicht Dem Der Menschen. Die da sinnend über ihren Leiden sitzt, hat plötzllch die ganze Tragik ihres Schicksals ersaht:Gift!"

Fort von hier! Nicht sterben!" Die Füße trommeln in tollem Takt, Die Schwingen brausen, wie ein Lappen vor dem Sturm fegt sie uncher. Umsonst?

Endlich begibt sich das qualvolle Kreisen. Mit ausgebreiteten Flügeln stürzt sie in Den Schnee. Den Kopf aber hat sie steil erhoben erd- ent rückt, als fühlte sie schon den schweren Zug Der Erde.

Es ist Dünner geworden. Eis bellt. Lichter zucken am Rande Der Weite

Da Schwingenschlagl Hoch im Nebel ziehen Krähen. Die Scharfhömge wirft sich auf, stößt Den Schnabel vor und ruft:Arrh arrrh! Freunde! Brüder!"

SchwingenschLag und Schattenflucht.

Freunde! Brüder!"

Leer ist Der Nebel...

Reglos wie ein Mersch, der'S nicht fassen kann, hockt/sie Da. Jetzt sinkt der schwere Schnabel gyf Die Brust. Weich wehen Die Flügel. Sie fällt auf den Rucken. Füße zucken. Augen löschen aus.

Die Dacht steht Da.

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Ein Bankier vom alten Schlag.

Gart Zürstenbergs Ausscheiden aus der Berliner Handelsgesellschast.

Don Herbert Ruland.

Die Gerüchte über Das Ausscheiden Carl Fürstenbergs aus Dem Vorstand Der Ber­liner Handelsgesellschaft, Die er seit Dem Jahre 1883 geleitet hat, find nun offiziell be­stätigt worden. Fürstenverg wird im 23er- roaltungsrat Der Bank Den Platz einnehmen, Der durch Den Tod von Felix Deutsch frei­geworden ist.

Unter den vielen Geschichten, die man sich von Dem großen Bankier und Wirtschaftsführer Carl Fürstenberg, erzählt, gibt es eine Anekdote, die wahr fein kann, aber dennoch auf Die über­ragende Persönlichkeit ein falsches Licht wirft: Auf Dem Weg in Die Bank wurde Fürstenberg» eines Tages in der Berliner Friedrichstraße von einem Platzregen überrascht: er trat deshalb rasch in Castons Panoptikum, das es damals noch gab, und besah sich Die Wachsfiguren. Neben ihm ftanD ein Mann, besten Aeußeres wenig Vertrauen einflößte, unD der ihn fragte, wie spät es sei.Bemühen Sie sich nid)t/ meinte Fürstenberg freundlich,ich bin ja selb st Bauernfänge r . Man kann dem Leiter der Berliner Handelsgesellschaft diese Ant­wort zutrauen, muß ihn aber gegen diese Selbst- kritik nachdrücklich in Schutz nehmen. Denn der geistreiche Mann, der stets ein treffendes Para- doxon zur Kennzeichnung einer Person ober einer Situation gefunden hat, ist sein ganzes Leben ein Bankier mit reiner Weste, ein durch und durch an­ständiger Kaufmann gewesen, also das Gegen­teil eines Bauernfängers. Die Börse liebt ihn nicht nur wegen seiner zahllosen witzigen Be­merkungen, unter Denen man sich auch heute noch gern des Satzes erinnert:Die Dividende ist Der Teil des Gewinns, Der sich beim besten Willen nicht mehr verstecken läßt." Die Börse hat auch stets ein fast unbegrenztes Vertrauen zu seinen Geschäften gehabt und dadurch mancher Emission, die die Ber­liner Handelsgesellschaft ohne Zusammenarbeit mit den Großbanken durchgeführt hat, zu einem über- raschenden Erfolg verhalfen.

Wenn Der Achtundsiebzigsährige sich jetzt zur Ruhe setzen wird, so verliert Die Bankwelt nicht nur ihren witzigsten Kopf, Der einmal als stets wirksames Rezept gegen Langeweile empfohlen hat:Man unterzeichnet einen recht großen Dreimonatswechsel, und man wird sich wundern, wie schnell die Zeit vergeht." Es verschwindet mit ihm auch bet letzte Bankier vom alten Schlag, die Hührerpersön- l i ch k e i t, Deren Individualität am ausgepräg­teren war, Der Mann, dessen Geschäfte nie ins Breite gingen und Fusionen zum Ziel hatte, son­dern Der in enger Zusammenarbeit mit einzelnen industriellen Persönlichkeiten vorn Format Emll Rathenaus Freund und Berater gewesen ist. Aus kleinsten Anfängen hat er sich selbst diese über­ragende Stellung erarbeitet Er wurde am

28. August 1850 in Danzig geboren; man erzählt, daß er das erste gewinnbringende Geschäft mit seinen Ellern abschloß, indem er seinen Vater um zehn Pfennig für ein Heft bat Dafür kaufte er sei­ner Mutter eine Apfelsine, die nach seiner Behaup­tung vonerspartem Geld" erstanden sein sollte, u-id erhielt von Der gerührten Frau eine Mark ge­schenkt: Ueberschuß 90 Vfennia oder 900 Prozent! Diese guten kaufmännischen Anlagen wurden in einem Bankgeschäft seiner Heimatstadt weiter aus­gebildet Mit 21 Jahren kam Der junge Mann nach Berlin und trat in Das Bankhaus S. Bleich- röder ein, wo Der alte Gerson von Bleichröder, Bismarcks Berater in finanziellen Angelegenheiten, fein Lehrmeister rourDe. Heber ein Jahrzehnt ist Fürstenberg in dem Bankhaus Unter den Linden tätig gewesen, bis man dem Dreiunddreißigjährigen Die Reorganisation Der in große Schwierigkeiten geratenen Berliner Handelsgesellschaft anoertraute.

In Der ersten Hälfte Des vorigen Jahrhunderts machte die preußische Regierung von ihrem Recht, Die Konzessionserteilung für eine Aktienbank abzu­lehnen, ausgiebigen Gebrauch. Da verfiel Hanse- mann auf den Ausweg, die Disconto-Ge- f e 11 f d) a f t als eineKommanditgesell­schaft auf Aktien" zu gründen und auf diese Weise eine Lücke im Gesetz auszunuhen, die vorher niemand bemerkt hatte. Die Regierung beschloß, in Zukunft eine solche Gesetzes-Umgehung zu verhin­dern; aber ehe entsprechende Maßnahmen getroffen werden konnten, wurde am 2. Juli 1856 Die erste preußische Bank, Die sich nur mit Dem Effekten­geschäft befaßte, Die Berliner Handels- gesells cha ft. Zweimal stand dieses Unterneh­men nahe vor einer Katastrophe: zum erstenmal, als sie mehr als ein Drittel ihres Kapitals in Die Muldenthalbahn steckte, und Dabei im Jahve 1878 über sechs Millionen Mark einbüßte; das zweite- mal, als im Jahre 1882 Der Geschäftsinhaber Schwieger große Spekulationsoerluste erlitt. Schwieger hatte russische Roten gekauft und sein Engagement belief sich schließlich auf fünfzig Mil­lionen Mark. Diese verlustreichen Geschäfte mach­ten Die Berliner Handelsgesellschaft eigentlich fusions- reif; es hätte nicht viel gefehlt, so wäre sie in Die Hände der Dresdner Bank iibergegangen. Schließ­lich entschloß man sich aber zur Reorganisation und vertraute das Unternehmen einem Direktorium von Drei Männern an, von denen Carl Fürsten- b e r g Der wichtigste war. Im Jahre 1902 übernahm Fürstenberg Dann allein Die Leitung Des Unter­nehmens.

Roch Der gelungenen Reorganisation begann Die Aufbauarbeit, Die Carl Fürstenberg Gelegenheit gab, zu zeigen, welche Fähigkeiten in ihm steckten. Aks alle Well DemPhantasten" Emil R a -

Ein dunkler Fleck im hellen Schnee, hier wieder einer und Dort ein anderer, ein dritter, vierter zehn hundert, wenn du suchst, Tausende im ganzen Land.

Ich weiß schon, dah sie schädlich sind. Sie fressen die Fischbrut, die Saat und schädigen Den Jäger. Man muß s'.e kurz hallen. Ja.

Aber stellt euch das vor Freunde, Brüder! wenn sie ganz unerwartet dicht über euch hinwegflögen: Hunderte, taufende von Krähen! Eine ungeheure, dichte, schwarz wirbelnde, le­bendige Wolke in der Soft!

Baltische Wintersilhouetten.

Don X Kau!lh-7riet>eck.

Reval, im Februar.

Spaßig anzusehen war immer diese schneereiche Winterstadt, wenn viele hundert Schlitten mit Schellengeläut durch viel zu enge, gewundene Gassen sausten. Das Herunterpurzeln von diesen lehnenlosen, hohen, schmalen Schlitten war eine bloße Selbstverständlichkeit. Rur ein schlanker Mensch fand Darauf Platz, doch hier im Lande preßte sich eine ganze Gesellschaft hinein und saß schoßweise, während Der Fuhrmann in mächtig wattiertem ruffifdjem Kittelmantel Dort noch Sitz- gelegenheit suchte, wo eigentlich keine war. Auf tollster Fahtt ging oft ein Einzelfahrgaft verloren und war er aus seiner Schneehöhle am Wegrande auferftanben. Dann sausten Schlitten und Führer schon um Die zweite ober dritte Straßenbiegung. Man sah sie nie wieder.

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Mit Jahresbeginn sind plötzllch alle Schlitten aus Den Straßen verschwunden schade! Und Autos quälen sich über eisglatte Fahrdämme, Autos, die in Der ganzen Welt auf Inventuraus­verkäufen ober alsgut erhalten" auf gekauft zu fein scheinen... Schneeabfuhr gabs Tag unb Nacht in Reval, weil Die weiße Himmelspende gar zu reich­lich hernieDer kam, unb mancher Hauseianer mußte glatt Die ganze Jahresmiete Dafür bingeben, oft so­gar noch mehr.

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Aus Dem Finnischen Meerbusen fegen keuchende WinDe über Die Stadt. Es braust und winsell aus allen Sttaßen, unb Die Windstöße stehlen ben Atem. Ich kenne keine Stabt, Die von Listigeren" Winden bedacht ist als Rsyal. I« Hauchstrümpfen, kniefrei, aber tn PelzscrHe ober -mantel ftteren die Damtzn. Eichhörnch erstell ist letzte Mode. Nne trau­rige Mode. 5m halben Lande ist Das muntere Eich­hörnchen ausgestsrben. Sei letzter» Rest fangen Me­

ißen au noch mißtrauisch gegen üb erstand, brachte Fürftenberg Diesem genialen Mann volles Ver­ständnis und Vertrauen entgegen, half ihm über oie ersten Schwierigkeiten und erwarb sich Damit das Recht beim Aufbau des mächtigen A. E> G.- Konzerns, ein entscheidendes Wort mitzusprechen. Die Berliner Handelsgesellschaft arbeitete mit Schwartzkopff, Der Dessauer Gasgesellschaft, dem Stetiner Vulkan, der Harpener Bergbaugesellschaft. Dem Bochumer Verein, mit Rheinstahl, Riedcck Montan der Bismarckhütte, Dem Konzern des Fürsten Hok)en- lohe, war an den Emissionen von Staateanletben beteiligt unb hatte auf Dem Gebiet Der Eisenbahn- anleih^n eine führende Stellung. Als Fürst Hohen­lohe sich in zweifelhafte Geschäfte einließ, zögerte Fürstenberg nicht, sich sofort non ihm zu trennen, und die Ereigmsse bewiesen, daß er bamü feiner Bank einen großen Dienst erwiesen hatte. Wie be- deutend fein Einfluß auf Die deutlche Industrie ge­wesen ist, geht aus dem Umstand hervor, daß er nicht nur den Vorsitz im Aufsichtsrat der A. E. G- und acht anderer großer Aktiengesellschaften führte, stellvertretender Vorsitzender in weiteren acht be­deutenden Unternehmungsn mar, sondern außerdem Dem Aufsichtsrat von 32 und Dem Derwaltungsrat von acht Akttengefellschaften angehörte. Sein Sohn Hans Fürftenberg mußte sich Damit begnügen, Mit­glied Des Aufsichtsrats Der Derwaltungsrats von 14 großen Unternehmungen zu fein. Dabei führte Carl Fürftenberg ftreng den Grundsatz durch, daß alle Einkünfte aus diesen Aufsichtsratsposten Der Bank unb nicht etwa ihm oder feinem Sohn privat zuflossen.

Die Direktoren tvr Großbanken lächelten oft her­über, daß Carl Fürstenberg abfällig über das Fi­lialsystem Der Depositenbanken und über ihren um gezügelten Ausdehnungsdrang sprach. Sie imißien aber anerkennen, daß die Berliner Handel-Gesell^ schäft besser als alle anderen Bankunternehmungen Die Inflation überstanden unb auf ihre besondere Weise Hervorragendes geleistet hat. Zu dürftenbera konnten Die unabhängigen Bankiers aus dem Reich ohne die Sorge kommen, in einer nicht voraus- zusehenden Notlage einmal von Der Berliner Han­delsgesellschaft verschluckt zu merDen, eine Gefahr, Die tatsächlich bei Geschästsverbindungen mit Den übrigen Großbanken bestand, wie Die Bankgeschichte bewiesen hat. So wenig Fürstenberg Die Absicht hatte, fremde Unternehmen auszusaugen, so sehr kämpfte er um feine Unabhängigkeit, Die nur ein­mal bedroht gewesen ist. Das war im Jahre 1982. als Der rumänische Börsianer Cyprut ziemlich unbemerkt ein Drittel der Aktien Der Berliner Han- Delsgesellschaft auftaufte und Das Paket Dann Fürftenberg anbot, um einen lieber preis zu er­zielen. Fürstenberg lehnte ab, weil er nicht wollte. Daß Die Spekulation glücke, aber S t i n n c s er­warb die Aktien, unt> zog nun in Den Aufsichtsrat der Berliner Handelsgesellschaft ein. Fürftenberg hat Sünnes in doppeltem Sinne überlebt, ob sich das Unternehmen gegen Fusionsvorschläge, die ge­rade in der letzten Zeit oft gemacht worden sind, auch nach bem Ausscheiden seines leitenden Mannes lang sperren können wird, ist freilich zweifelhaft.

Linier fremder Flagge.

Deutsche Krieasschisfc bei der Entente. Schießscheiben und Bombenziele.

Unter fremDer Flagge fahren heute noch eine ganze Reihe deutscher Kriegsschiffe, dir mit 6cm unglückseligen Ende des Krieges an Die Entente­mächte abgeliefert werden mußten. Das Gros der Flotte ist zwar in Scapa Flow versenkt tooröen, aber immerhin kam noch eine Reihe wertvoller Schiffe der alten deutschen Kriegsmarine zur Ver­teilung an die anderen Mächte. Aber wenige tragen heute noch die Flagge, die nach der Ab­lieferung bei ihnen hoch ging. Die Vereinigten Staaten haben das LinienschiffOstfries- land" als Zielscheibe für Luftbombenanariffe verwendet und zerstört, während das gleiche Schicksal den an England abgelieferten Linie- schiffenHelgoland" undPose n" beschicden

gestraft die Schlingensteller. Der Baschlik ist von Den Herren neu entdeckt worden. Ein (teibe des Schals ziehen sie über den Kopf, tragen die Mütze Darüber und winden den Rest um die untere Cte° fichtshäkfte unb ben Hals, bis er endlich als Brust- warmer unter dem Mantel verschwindet. Etwas all- weibisch sehen die Männerköpfe Darm ans a(m- die Mode tft praktisch.

Kaffee- unb Bierstuben sind in Reval sehr spär­lich anzutreften, unb Die vorhandenen stöbert metff nur der Einheimische auf, da nicht selten die Schü> Der unkenntlich sind. Kaffeedurst und Kälte hatten mich von der eisigen Gaste zu einer gläsernen La denttir getrieben, an Der eine golDene Brezel ver­blassen wollte. Einige Tischchen standen im Raum, nicht sehr sauber gedeckt, teils mit Familien gut be legt Auf einem Klapptisch neben einem Brotkorb säuselte es aus einer kochenden Kaffeemaschine. Ich si^te mich unb fragte ein kopftuchtragenöens Wsfen, ob ich eine Taste Kaffee unb etwas Backwerk be­kommen könne. Die Entgegnung auf diese höfliche Bestellung fiel zögernd und etwasprivat" aus; Auf ein Glas Kaffee kam es bei dieser Rordpoft kälte nicht an. Doch eine Kaffeestube befindet sich am Ausgang der Straße.

Die russische Kathedrale rntt allen ihren schnec- flirnmernden Kuppeln und Kreuzen, um die alte Raben ziehen, steht vielleicht in Ihrem letzten präch- Hgen Winterkleide. Von estnischer Seite ist beschloi sen worden, sie abzutragen. Eine Riesenarbeit, eine Riefenausgabe... Neuer Schneeflockentanz unu die alte Stadt; es wird kälter unb kälter. Die Holz­häuser in Den verschneiten Höfen und Gärten ver-, schwinden fast vollständig im weißen Tage, Dom Meer herauf wimmern Hilfssignale. Eisbrecher und Bergungsdampfer haben harte 2frbeü.

Reichsdeutsche Bühnenkünstler unb Musiter haben es in diesem Winter endlich eingestellt, Esttand zu bereisen, Da sie fast immer teere Säle und leere Kassen erlebten. Dafür finden sich jetzt vorttagende Frauen ein; sie hinterlassen oft Enttäuschung, weil sie den Glauben mitbrachten, daß den Frauen hier oben die einfachsten Wissensgebiete fremd geblieben seien. Ein Irrtum. Die Deutsch-Battin kauft nacft weislich mehr gute Bücher als die Durchfchnttts- beutsche. Sie ist Mitglied von Lesevereinen und hAt deutsche Zeitschriften. Rur Onganisationsbetzabung hat sie noch nicht. Es kann geschehen, daß eine be­kannte ausländische Vortragende in einen leeren, ungeheizten Saal tritt, weil die Dvrstanbsdamen es einfach nicht verstanden haben, den Bortrag anHü- zeigen und das Lokal oorzubereitsr.