Nervosität in Warschau.
Wüiende Ausfälle gegen die deutsche Min-erheitenpolitil. - Deutschland als Brandstifter in Osteuropa.
Etat und Koalition.
Don unserer Berliner Redaktion.
Reichstag und Landtag hoben sich vom Karneval nun soweit wieder erholt, daß sie ihre Arbeit non neuem beginnen. Man darf die stoische Ruhe, die gerade der Reichstag sich jetzt läßt, unein- qefchränkt bewundern, denn tatsächlich hätte er doch Wichtigeres zu tun gehabt, als jetzt in den Ferien zu gehen. Aber er tröstet sich damit, daß der Etat ihm noch nicht vorliegt. Ende dieser Woche will der R e i ch s r a t also soweit sein, daß er zum Etat und dem Steuergesetz Stellung nimmt. In etwa acht Tagen kann dann der Reichstag die erste Lesung beginnen, um dann aber bald wieder eine Woche Freizeit einzuschalten, weil die Sozialdemokraten ihren Parteitag abhalten. Am 23. März beginnt die Karwoche. Bleiben also wenig ,p e h r als drei Wochen für die Kommissions- beratungen und die zweite und dritte Lesung des Etats. Daß das nicht ausreicht, ist eine glatte Selbstverständlichkeit. Man hat sich deshalb auch schon ganz damit abgefunden, daß in diesem Jahre — währeird btt? Sachverständigen in Paris sitzen — der verfassungsmäßige Termin für den Etat nicht eingehalten wird, sondern daß wir mit mindestens einem — wahrscheinlich zwei — Notzwölfteln nach französischem Muster arbeiten müssen. Woran allerdings die Schuld in erster Linie der F i n anz- Minister trägt, der sich sehr viel Zeit ließ mit den neuen Steuern, die nun doch wieder vollkommen in der Luft hängen.
Denn im Kabinett ist man sich wohl darüber klar, daß, wenn es nicht gelingt, mit dem Zentrum einig zu werden, jeder Versuch, dieses Steuerbukett durch den Reichstag zu bringen, aussichtslos ist. Ein Minderheitskabinett, dessen einzelne Parteien auch in den Steuerfragen vollkommen aus- einanderfallen, kann eine derartige Belastung nicht tragen. Deshalb haben auch dis Steuerreferenten schon in der vergangenen Woche damit begonnen, den Etat noch einmal mit dem Rotstift durchzuarbeiten und alles herauszu st reichen, was irgendwie entbehrlich ist. Ein Loch von einigen hundert Millionen wird dann immer noch bleiben, das vorläufig offen gelassen werden muß, in der Hoffnung, daß die Steuern reichlicher fließen, und hier Ueberschüsse erzielt werden, die im Laufe des Jahres das Defizit decken. Worauf sich aber sicher wieder der Reichstag nicht einlassen wird, so daß auch diese Lösung nur, wenn überhaupt, unter gro- hen Schwierigkeiten möglich ist. Kein Wunder, wenn deshalb vor allem der Reichskanzler sehnsüchtig nach dem Zentrum Ausschau hält, ob es nicht reumütig in die Arme der Regierung zu» rückkehrt. Dazu soll Preußen mobil gemacht werden, wo unter der Hand die Zentrumsfuhrer angedeutet haben, sie wären bereit, ihren Verzicht auf das eine Ministerium, den sie nach dem bekannten „Mißverständnis" zurückgezogen hatten, erneut auszusprechen. Dann wäre in Preußen das Tor für die Große Koalition geöffnet, was dann auch wieder auf das Reich Rückwirkungen haben müßte. Aber einstweilen bleiben das alles Kombinationen, die noch keinerlei — wie sagte doch Herr Kaas so hübsch? — politische Realitäten sind.
Neue KoalttwnSverhandlungen?
Besprechungen zwischen Kaas und Stresemann?
Berlin, 19. Febr. (SH.) Zu Gerüchten, daß für Dienstag eine Fühlungnahme atot- ichen Dr. Stresemann und Dr. Kaas vorgesehen ist, schreibt die „Germania", es sei bemerkenswert, daß Dr. Stresemann am Montag eine Sitzung der volkspartcilichen Landtagsfrak- tion besucht habe und dort in längeren Ausführungen za der koalitionspolitischen Lage im Reich und in Preußen Stellung genommen habe. Was nun im Hinblick auf diese Vorgänge die Haltung des Zentrums betreffe, so habe es keinerlei Neigung. irgendwie die Initiative zu neuen Koalitionsbesprechungen zu ergreifen. Wenn aus der andern Seite das Bedürfnis nach einer Fühlungnahme vorhanden sein sollte, so würde sich das Zentrum Anfragen nicht verschließen. Falls es in den nächsten Tagen zu einer Fühlungnahme maßgebender Persönlichkeiten kommen sollte, die sicher nicht vom Zentrum ausgehe, so würde es jedoch falsch sein, in ihr neue Verhandlungen zu erblicken. Don Verhandlungen könne erst dann die Rede sein, wenn die Zentrumssraltion des Reichstages, deren Haltung bekannt sei. einen dahingehenden Beschluß gefaßt haben werde. — Rach der „Voss. Ztg." haben bisher nur unverbindliche Besprechungen zwischen Breitscheid und Dr. Kaas stattgefunden.
Die Forderungen des Zentrums.
Der ehemalige Reichskanzler Marx zur Koalilionsfrage.
Hamburg. 18. Febr. (WB) In einer Versammlung der Zentrumspartei sprach Reichskanzler a.D. Dr. Marx. Das Zentrum lehne die Verantwortung über den Etat ab, wenn die Koalition nicht gebildet werde. Die Große Koalition müsse kommen, sie sei aber nur dann wirksam, wenn die Parteien Vertrauen zueinander hätten. Man werfe dem Zentrum nun vor. daß es drei Ministersitze beanspruche. Reichsminister Severing habe vor einigen Tagen erklärt, die Sozialdemokratie wolle vohl die Verantwortung für die schwere Lage kragen, sie verlange aber eine entsprechende Vertretung in der Regierung. Dus sei auch die Forderung des Zentrums. Diejenigen, die da wähnten, das Zentrum sei innerlich zermürbt, würden sich wundern. In dieser Frage stehe die Partei wie ein Mann geschlossen da. Sie werde nicht, wie anscheinend noch immer gehofft werde, mit dem Bemühen her- vortreten, die Parteien wieder zusammenzubringen. Diese Imitative überlasse sie der Reichsregierung. Wenn aber die Forderungen des Zentrums anerkannt würden, dann werde es ^ruch wieder di« Hand zu gemeinsamer Arbeit reichen.
Preußen wünscht -en endgültigen Finanzausgleich.
Berlin. 19. Febr. (Driv.-Tel.) Wie von gut- «mterrichteter Seite verlautet, liegt dem Reichs- rat aus Anlaß der Etatsberatungen ein Antrag Preußens vor, der im wesentlichen daraus ab- stelt, daß schon jetzt so bald wie irgend möglich die Frage desFinanzausqleichs einer endgültigen Lösung zugesührt wird. In zuständigen Kreisen hat dieser Wunsch PrMhens Aussehen erregt, da man bisher annahm, daß
W a r s ch a u, IS. Febr. (TU.) „ABE" beschäftigt sich in einem Leitartikel sehr eingehend mit der angeblichen Absicht Dr. Stresemanns. den Völkerbund in «in« Aussprache über die Ahnge> taltung derjenigen Staaten, die nationale Min- derheiten aufweisen, hineinzuziehen. Was Polen anbelang«, so würde das die Autonomie für die Ukrainer und Weißrussen und vielleicht sogar für di« Deutschen. Litauer und Juden bedeuten. Tatsächlich wisse Dr. Stresemann jedoch sebr gut, daß sich der Völkerbund gar nicht in die inneren Verhältnisse eines Landes «inmischen und noch viel weniger ihm die Staatsform vot- d)reiben könne. Seinem Plane liege «ineschuv- kische Idee zugrunde. Es gehe ihm darum, in die Minderheitenbevölkerung d:r an Deutschland angrenzenden Staaten eine Gärung hineinzutragen, separatistische Bestrebungen -ervorzurufen und zu fördern, sowie m der Bevölkerung den Glauben zu erwecken, daß Deutschland der einzige wahr« Verteidiger ihrer Recht« «i. Wie sich die Sowjetregierung Des Schlagwortes von der Diktatur des Proletariats bedien«, um die Arbeiterschaft fremder Staaten gegen ihre Obrigkeit aufzuputschen, so versuche Deutschland ausderMinderheitenfrage ein« Waffe zu schmieden, mit der in Gens auf diplomatischem und in anderen Ländern auf revolutionärem Wege «in DernichtungSkamps gekämpft werden solle. Da sich aber die kriegerischen Pläne deS imperialisti- chen Deutschlands gegen den Osten richteten, so wolle man Die Minderheitenfrage in erster Linie gegen Polen und die Tschechoslowakei ausnützen. Stresemann brauche für die Märztagung des Völkerbundes Material gegen Polen und werde sich zweifellos auf die staatsfeindlichen Ieremiaden und Erklärungen der ukrainischen Abgeordneten im polnischen Sejm berufen. Das Vorgehen der Ukrainer sei aber von Berlin aus bestellt worden. Zum Glück sei
Preußen ein« endgültige Regelung deS Finanzausgleichs erst im engen Zusammenhang mit der Verwaltungs - und Verfassungsreform anstreben würde. Dies scheint aber nicht der Fall zu sein, und damit dürften auch die auffallend skeptischen Aeußerungen des preußischen Ministerpräsidenten Braun zur Reichsreform im Hauptausschuh des Landtages eine besondere Bedeutung erhalten. Das preußische Verlangen nach Beschleunigung des endgültigen Finanzausgleiches zwischen Reich und Ländern betrifft aber in keiner Weise die durch den neuen Etat notwendig gewordene Verlängerung des provisorischen Finanzausgleiches zum 31. März um ein weiteres Jahr. Selbstverständlich würden, auch wenn die preußischen Bestrebungen durchdringen, auf alle Fälle zunächst die Ergebnisse der Reparationsverhandlungen abgewartet werden. Die Förderung der Versassungs» und Derwal- tungSreform, die sich ja erst in ihrem Anfangsstadium befindet, sieht man allerdings durch eine vorgestrige Festlegung deS endgültigen Finanzausgleiches als f«f)t erschwert an.
Bayern und Reich.
Ministerpräsident Held erörtert den Konflikt mit Preuße«.
Forchheim, 18. Febr. lWTB.) In einer Rede auf einer Dauern Versammlung kam der bayerische Ministerpräsident Dr. Held auch ausführlich auf die Vorgeschichte und die Entwicklung des Streites um die Abfindung für die bayerische Eisenbahn und Post zu sprechen und erklärte u. a., es werde versucht, ob die Staaten noch aus eigener Krast leben könnten oder nicht. WaS man nicht mit Zwang und äußerer Gewalt durchführen könne, erstrebe man mit Aushöhlungspolitik dadurch, daß man Bayern den sinanziellen Brotkorb höher hänge und es auszuhungern versuche, und das sei nach seinem Dafürhalten der Grund, daß Dayenrs Forderungen aus der Dahn, der Post und der Biersteuer nicht erfüllt würden. Bayerns Ideal sei ein Reich, ausgebaut aus starken gesunden Ländern, in denen die Einzelwirtschaft gehegt und gepflegt und Besonderheiten Der Kultur herausgestellt würden. Wenn bei den Auseinandersetzungen durch die Presse vor allem das eine oder ander« lleine Llnheil angericht«t worden sei, so lehne er dafür die Verantung durchaus ab. Er müsse mit der KoalitionSpresse auch einmal vertrauliche Gespräche führen können. Wenn es dann aber eine Presse gäbe, die sich nicht an die Grenzen dessen gebunden glaube, waS sonst von der gesamten Presse als Grenze erkannt wird, so trage er dafür die Berantwortung nicht, llnl) wenn er es bedauere, daß ein solcher Vorfall überhaupt möglich gewesen sei, daß die Presse vertrauliche Besprechungen, die als solche gekennzeichnet wären, zum Teil veröffentlichte, so liege darin keine Entschuldigung der bayerischen Staatsregierung.
Sozialdemokratie und Wehrmacht.
Reichstagspräsidcnt Löbe über den Schutz der vstgrenze.
Berlin, 18. Febr. (TU.) 3n Breslau hielt ReichstagspräsiLent Lobe ein Referat, das sich vor allem mit den Wehrfragen beschäftigte. Innerhalb der sozialdemolrat.schen Partei herrsche Einmütigkeit über die grundsätzliche Förderung deS Schlichtungsgedankens zwilchen den Völkern. Die Gegensätze der Auffassungen zeigten sich bei der Frage, ob die Reichswehr aufzulösen, ob Deutschland allein abrüsten oder die Abrüstung wechselseitig unter den Staaten zu erkämpfen sei, ob wir also gegen die Reichswehr oder um die Reichswehr kämpfen sollen. Löbe bekennt sich zu denen, die um die Reichswehr zu fämbfen gewillt sind. Selbstverständlich zwinge uns das Gebot der Sparsamkeit. unS aus Grenz- 'chutz und NeutralitatÄchutz zu beschränken, wobei es durchaus nicht notwendig sei. alle Rustungs- möglichkeiten des Versailler Vertrages auszunutzen. „Ich folge nicht." erklärte Lobe, „den. Gedankengängen Des Reichswehrminifters tu feiner
es nicht schwer, das perfide Spiel Deutschlands zu enthüllen, da die Tatsachen und Zahlen für Polen sprächen. Die Deutschen in Polen hätten alles erhalten, was der Staat ihnen geben könne, während die polnische Minderheit in Deutschland nach wie vor dem Terror der preußischen Behörden ausgeliefert sei. Schließlich sei es leicht nachzuweifen, welche Rolle die mit deutschem Geld ausgestatteten deutschen und ukrainischen Verbände in Polen spielten. Für die Entlarvung des gegen Polen gerichteten perfiden und unehrlichen Spiels der deutschen sozialdemokratischen Re- rung sei somit genügend Material vorhanden. Man müsse es nur richtig anwenden und fid) nicht nur verteidigen, sondern zum Angriff übergeh e n, um der Welt über dis Rolle der deutschen Brandstifter im Offen Europas die Augen zu öffnen.
pariser Freundlichkeiten.
Paris, 18. Febr. (TU.) Die französische Presse widmet den Vorgängen in Polnisch-Oberschlesien weiter ihre Aufmerksamkeit. Die „Liber ts" meint, man hätte nach der Teilung Oberschlesiens durch ein Urteil, das eines Salomo würdig gewesen sei, glauben sollen, daß in dieser Gegend alles geregelt sei. Offensichtlich fei aber feine Verständigung möglich, wenn die Deutfchen nicht die Tatsache anerkennten, daß die polnische Ration für ihren Bestand ihre Gebiete wiederfinden müsse. Das Blatt wiederholt dis bereits oft zurückgewiesene An- §abe, daß auf deutschem Gebiet mehr polnische Minderheiten lebten, als deutsche Minderheiten auf polnischem Boden. Mit dem Schutz der Minderheiten habe Deutschland ein Agitationsmittel gefunden, dessen sich die mazedonischen Freischärler schon vor ihm bedient hätten. Die Verhaftung des Vorsitzenden des Deutschen Dolksbundes, Ulitz, werde das Aktenbündel Stresemanns vermeh- ren. Der Fall Ulitz gleich« den Fällen Ricklin und Rosts.
Denkschrift über bi« polnische Frag«. Aber ich seh« doch, daß Polen sich durcheinenGe- waltstreichin den Besitz Der litauischen Hauptstadt Wilna gesetzt hat. daß Angrifse aus Ostpreußen und Oberschlesien denkbar wären, deren Abwehr man nicht als unberechtigt hinstellen kann. Otto Dauer sagt in einem Gutachten zur deutschen Wehrfrage, daß bi« Möglichkeit eines Konfliktes Polens mit Rußlanb bei englisch-französischer Waffenhilfe baS Problem Des Reutralitätsschutzes für Deutschland aktuell werben laste, wenn es bamit die Erhaltung einer Abwehrmöglichkeit zum Schuhe der Neutralität erwerbe." Zu b«n AuSeinander- setzungen in feinet Partei bemerkte Löbe, dbr Ablehnung der Reichswehr bebeute Ablehnung bet Regierungsteilnahme. Er selbst habe sich ost unter ben Gegnern ber Regierungstrilnahme sunben. Aber es gebe doch Situationen, in benen man sich bet Regierungsbeteiligung nicht entziehen fdnn«.
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Auch die Breslauer Sozialdemokraten hatten genau fo wie zahlreiche andere Ortsgruppen der Sozialdemokratie zum Magdeburger Parteitag ein reichlich radikales Wehrorogramm ausge- arbeitet, der Reichstagsprösident Löbe steht gewiß nicht auf dem rechten Flügel der Sozialdemokratie, das radikale Programm der Breslauer Parteifreunde gefiel ihm aber deswegen nicht, weil feine Vorlegung in Magdeburg nur die Schwierigkeiten der Parteileitung, namentlich aber des Kanzlers und feiner Ministerkollegen vermehrt hätte. Es liegen ja ohnehin schon zahlreiche Anträge der ehemaligen Unabhängigen vor, die es den gemäßigten Elementen nicht leicht machen werden, den Parteitag vor Ueberftürgungen und unheilvollen Beschlüssen zu bewahren. Herr Löbe, der ein alter und erfahrener Taktiker ist, hat es verstanden, das Gesicht zu wahren; er hat zwar aus etwaige uns von Polen her drohende Gefahren aufmerksam gemacht, hauptsächlich jedoch den Gedanken in den Vordergrund geschoben, daß die Partei nicht gegen, sondern um die Reichswehr kämpfen müsse. In der Tat wäre den Sozialdemokraten nichts ange- nehmet, als eine Reichswehr, die, etwa wie die preußische Polizei, ihnen restlos ausgeliefert ist und sich nur aus Sozialdemokraten g u lamme n f e fo t. Gegen derartige Pläne kann man nicht frühgeitig genug Front machen. Die Reichswehr ist ein über den Parteien stehendes I n ° strument des Staates, sie dient der Allgemeinheit und nicht den einzelnen Parteien, sie darf infolgedessen nicht der Parieipolitik ausgeliefert und parteipolitisch durchsetzt werden.
Oer Reichspräsident auf einem Empfang des hessischen Gesandten.
Berlin, 18. Febr. (WB.) Amtlich. Anläßlich der Anwesenheit des hessischen Staatspräsidenten und der hessischen Minister in Berlin gaben der hessisch« Gesandte und feine Gemahlin heute abend einen Empfang in der hessischen Gesandtschaft. Der Reichspräsident war mit seinem Sohn, Oberstleutnant v. Hindenburg, erschienen. Ferner nahmen u. a. teil: Reichskanzler Müller und Gemahlin, der Apostolische Runtius Pacelli, fast sämtliche Reichsministet mit ihren Damen, Staatssekretär Dr. Meißner und Gemahlin sowie verschiedene Staatssekretäre mit ihren Damen und die stimmführenden Bevollmächtigten der Länder im Reichsrat mit ihren Damen.
Aus aller Wett.
Vie Lebensmittel-
unb Sohlenverforgung auch weitet fichergeflellt.
Das Nachlassen deS starken Frostes hat eS, wie uns aus Kreisen bei EinzelhandelSgemeinschast unb des KoblenhändletverbandS berichtet wirb, mit sich gebracht, bah das Stocken der Lebensrnittel- unb Kohlenzufuht nach den Stäbten zum Stillstand gekommen ist. Bereits am SamS- tag und Sonntag konnten die Zufuhren, insbesondere in Nord-, Wittel- unb Westdeutsch- lanb auf ihre alte Höhe gebracht werben. Aus ben mitteldeutschen und ostdeutschen Braunkohlenrevieren durfte bereits yeute Di« Arbeit, die infolge bet Kälte zum Teil zum
Stillstand gekommen wat, In vollem Umfange wieder auf genommen werden. Es macht sich im Augenblick lediglich noch ein QU angel in der Kartoffelversorgung bemerkbar, der voraussichtlich auch noch infolge der großen Frostschäden auf dem Laride einige Zeit anhalten Dürfte. Wie aber bereits GnDe Der vergangenen Woche von den großen Lebens- Mittelhändlerorganisationen «rllätt worden ist, können die Ausfälle in der Kartoffelversorgung durch die reichlichen Zufuhren anderer Lebensmittel ausgeglichen werden, ohne Daß eine Verteuerung einzelner Lebensrnittel zu befurchten seü
Die Folgen der KäUe in Westdeutschland.
Der Sonntag brachte Tausende von Ausflug- lern nach den Tä'ern des Oberrheins und der Mosel, die sich das seltene Schauspiel der Vereisung ansehen wollten. In den Orten an bot* Mosel und bei Ahmannshausen veransta'trten die Wirte Gissest«. Zahlreiche Rheinschisfe IjaJen beim Abschleppen schwere Beschädigungen erlitten. Bei Engers und bei St. Goarshausen brachen zwei mit Eisen beladene Schiffe mitten durch unb versanken. Besonders hart von der Kälte finb die Großstädte im Wupper- t a l betroffen. Infolge des Bruches von zahl« reichen Wasserrohren wurde die Versorgung mit Wasser aus den Talsperren erheblich beeinträch- tigt. Der Wassermangel war in einem Vorort von Barmen so groß, daß die Bewohner den Schnee auftauen mußten, um den Haushalt mit Wasser zu versorgen. Besonders stark leidet Elberfeld am Wassermangel. Man befürchtet, daß Elberfeld, wenn die Kälte anhält, in den nächsten Tagen von jeder Wasserzufuhr ab- geschnitten sein wird. Die Stadtverwaltung hat deshalb angekündigt, daß sie bei weitetet Dauer der Kälte das Wasser rationieren wird.
Sieben Kinder in das Lis des Maines eingebtochen.
In Miltenberg war eine große Kinderschar auf dem Main und fand ihre Freude darin, auf dem kaum zugefrorenen Main in großen Gruppen von einem Ufer zum andern zu schreiten. Zahlreiche Erwachsene standen am linken Mainufer und sahen dem frohen Treiben der Kinder zu. Plötzlich krachte in der Mitte des Flusses die Eisdecks unb sieben Mädchen im Alter von 10 bis 12 Jahren versanken plötzlich in den kalten Fluten. Unter lauten Hilferufen versuchten die eingebrochenen Kinder an den Rand des Eises zu kommen, um sich dort zu halten. Aber immer wieder brach das Eis. Die am Ufer Stehenden versuchten sofort Hilfe zu bringen. Mit vielen Stangen unb Leitern näherten sich beherzte Männer der Bruchstelle und brachten sechs ber Opfer, die bereits steifgefroren waren, ans Land. Die zwölfjährige Tochter Marianns des Kaufmanns Paul Liebreich versank vor ben Augen ihrer Mutter unter bem Eise unb konnte bi» jetzt nicht gefunden werben.
Aus der Suche nach den Berliner Tresor knacket«.
Das Sonderbezernat für Gelbschrankeinbrüche b«£ der Berliner Kriminalpolizei, bas unermüdlich au der Aufklärung des sensationellen Bankeinbruches am Wittenberg-Platz arbeitet hat drei Drüber in ben Kreis ihrer Untersuchungen gezogen, gegen bie eine Reche von Verbachtsmomenten vorliegt. Es finb bies die Brüber Mar. Erich unb Franz Saß, von benen Max feit Ende v. I. ein Z i g a r r enge schäft betreibt, während feine beiden Brüder schon seit ungefähr fünf Jahren ohne jeglichen reellenErwerb sind, aber trotzdem über reichliche Geldmittel verfügen. Bei den Verhören machten oll« drei über den Ursprung ihres Besitzes die widersprechendsten Angaben. Haussuchungen förderten zahlreiche Schmucksachen sowie Ein bruchswerkzeuge zütage, an denen man Spuren eines kürAichen Gebrauches wahrncihm. Außerdem fand man einen Zettel, auf dem die Worte standen: „Suche Unterstellraum für einen ......- Es handelt sich bei den Verdächtigen um junge Leute im Alter von 23 bis 26 Jahren.
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Wettervoraussage.
Wettervoraussage für Mittwoch: Vielfach nebelig-wolkig, auch zeitweise aufhei- lernd, Frost noch gleichbleibend, bei nächtlichem Aufklaren sich wieder verschärfend, Vereinzelle, leichte Schneefälle.
WitterungSausfichten für Donnerstag: Immer noch Frostwetter.
ßufttemperatuTen am 18. Februar: mittags — 4,6 Grad EelsiuS, abends — 9,0 Grad Eelsius; am 19. Februar, morgens —6,6 Grad EelsiuS, Maximum —■ 5,0 Grad EelsiuS, Minimunz — 15.0 Grad EelsiuS. — Erdtemperatuten in 10 Zentimeter Tiefe. am 18. Februar: abends — 5,1 Grad Celsius, am 19. Februar: morgens — 5.2 Grab EelsiuS. — Sonnenscheindauer: 7 Stunden.


