Einzelbild herunterladen

Nervosität in Warschau.

Wüiende Ausfälle gegen die deutsche Min-erheitenpolitil. - Deutschland als Brandstifter in Osteuropa.

Etat und Koalition.

Don unserer Berliner Redaktion.

Reichstag und Landtag hoben sich vom Karne­val nun soweit wieder erholt, daß sie ihre Arbeit non neuem beginnen. Man darf die stoische Ruhe, die gerade der Reichstag sich jetzt läßt, unein- qefchränkt bewundern, denn tatsächlich hätte er doch Wichtigeres zu tun gehabt, als jetzt in den Ferien zu gehen. Aber er tröstet sich damit, daß der Etat ihm noch nicht vorliegt. Ende dieser Woche will der R e i ch s r a t also soweit sein, daß er zum Etat und dem Steuergesetz Stellung nimmt. In etwa acht Tagen kann dann der Reichstag die erste Lesung beginnen, um dann aber bald wieder eine Woche Freizeit einzuschalten, weil die Sozial­demokraten ihren Parteitag abhalten. Am 23. März beginnt die Karwoche. Bleiben also wenig ,p e h r als drei Wochen für die Kommissions- beratungen und die zweite und dritte Lesung des Etats. Daß das nicht ausreicht, ist eine glatte Selbstverständlichkeit. Man hat sich deshalb auch schon ganz damit abgefunden, daß in diesem Jahre währeird btt? Sachverständigen in Paris sitzen der verfassungsmäßige Termin für den Etat nicht eingehalten wird, sondern daß wir mit mindestens einem wahrscheinlich zwei Notzwölfteln nach französischem Muster arbeiten müssen. Woran allerdings die Schuld in erster Linie der F i n anz- Minister trägt, der sich sehr viel Zeit ließ mit den neuen Steuern, die nun doch wieder vollkom­men in der Luft hängen.

Denn im Kabinett ist man sich wohl darüber klar, daß, wenn es nicht gelingt, mit dem Zentrum einig zu werden, jeder Versuch, dieses Steuerbukett durch den Reichstag zu bringen, aussichtslos ist. Ein Minderheitskabinett, dessen einzelne Par­teien auch in den Steuerfragen vollkommen aus- einanderfallen, kann eine derartige Belastung nicht tragen. Deshalb haben auch dis Steuerreferenten schon in der vergangenen Woche damit begonnen, den Etat noch einmal mit dem Rotstift durchzuar­beiten und alles herauszu st reichen, was irgendwie entbehrlich ist. Ein Loch von einigen hundert Millionen wird dann immer noch bleiben, das vorläufig offen gelassen werden muß, in der Hoffnung, daß die Steuern reichlicher fließen, und hier Ueberschüsse erzielt werden, die im Laufe des Jahres das Defizit decken. Worauf sich aber sicher wieder der Reichstag nicht einlassen wird, so daß auch diese Lösung nur, wenn überhaupt, unter gro- hen Schwierigkeiten möglich ist. Kein Wunder, wenn deshalb vor allem der Reichskanzler sehnsüchtig nach dem Zentrum Ausschau hält, ob es nicht reumütig in die Arme der Regierung zu» rückkehrt. Dazu soll Preußen mobil gemacht werden, wo unter der Hand die Zentrumsfuhrer angedeutet haben, sie wären bereit, ihren Verzicht auf das eine Ministerium, den sie nach dem be­kanntenMißverständnis" zurückgezogen hatten, erneut auszusprechen. Dann wäre in Preußen das Tor für die Große Koalition geöffnet, was dann auch wieder auf das Reich Rückwirkungen haben müßte. Aber einstweilen bleiben das alles Kombinationen, die noch keinerlei wie sagte doch Herr Kaas so hübsch? politische Realitäten sind.

Neue KoalttwnSverhandlungen?

Besprechungen zwischen Kaas und Stresemann?

Berlin, 19. Febr. (SH.) Zu Gerüchten, daß für Dienstag eine Fühlungnahme atot- ichen Dr. Stresemann und Dr. Kaas vorgesehen ist, schreibt dieGermania", es sei bemerkenswert, daß Dr. Stresemann am Montag eine Sitzung der volkspartcilichen Landtagsfrak- tion besucht habe und dort in längeren Ausfüh­rungen za der koalitionspolitischen Lage im Reich und in Preußen Stellung genommen habe. Was nun im Hinblick auf diese Vorgänge die Haltung des Zentrums betreffe, so habe es keinerlei Neigung. irgendwie die Initiative zu neuen Koalitionsbesprechungen zu ergreifen. Wenn aus der andern Seite das Bedürf­nis nach einer Fühlungnahme vorhanden sein sollte, so würde sich das Zentrum Anfragen nicht verschließen. Falls es in den näch­sten Tagen zu einer Fühlungnahme maßgebender Persönlichkeiten kommen sollte, die sicher nicht vom Zentrum ausgehe, so würde es jedoch falsch sein, in ihr neue Verhandlungen zu er­blicken. Don Verhandlungen könne erst dann die Rede sein, wenn die Zentrumssraltion des Reichs­tages, deren Haltung bekannt sei. einen dahin­gehenden Beschluß gefaßt haben werde. Rach derVoss. Ztg." haben bisher nur unver­bindliche Besprechungen zwischen Breitscheid und Dr. Kaas stattgefunden.

Die Forderungen des Zentrums.

Der ehemalige Reichskanzler Marx zur Koalilionsfrage.

Hamburg. 18. Febr. (WB) In einer Ver­sammlung der Zentrumspartei sprach Reichs­kanzler a.D. Dr. Marx. Das Zentrum lehne die Verantwortung über den Etat ab, wenn die Koalition nicht gebildet werde. Die Große Koalition müsse kommen, sie sei aber nur dann wirksam, wenn die Parteien Vertrauen zueinander hätten. Man werfe dem Zen­trum nun vor. daß es drei Ministersitze beanspruche. Reichsminister Severing habe vor einigen Tagen erklärt, die Sozialdemokratie wolle vohl die Verantwortung für die schwere Lage kragen, sie verlange aber eine entspre­chende Vertretung in der Regierung. Dus sei auch die Forderung des Zentrums. Diejenigen, die da wähnten, das Zentrum sei innerlich zermürbt, würden sich wundern. In dieser Frage stehe die Partei wie ein Mann geschlossen da. Sie werde nicht, wie anscheinend noch immer gehofft werde, mit dem Bemühen her- vortreten, die Parteien wieder zusammenzubrin­gen. Diese Imitative überlasse sie der Reichs­regierung. Wenn aber die Forderungen des Zentrums anerkannt würden, dann werde es ^ruch wieder di« Hand zu gemeinsamer Arbeit reichen.

Preußen wünscht -en end­gültigen Finanzausgleich.

Berlin. 19. Febr. (Driv.-Tel.) Wie von gut- «mterrichteter Seite verlautet, liegt dem Reichs- rat aus Anlaß der Etatsberatungen ein Antrag Preußens vor, der im wesentlichen daraus ab- stelt, daß schon jetzt so bald wie irgend möglich die Frage desFinanzausqleichs einer endgültigen Lösung zugesührt wird. In zuständigen Kreisen hat dieser Wunsch PrMhens Aussehen erregt, da man bisher annahm, daß

W a r s ch a u, IS. Febr. (TU.)ABE" beschäf­tigt sich in einem Leitartikel sehr eingehend mit der angeblichen Absicht Dr. Stresemanns. den Völkerbund in «in« Aussprache über die Ahnge> taltung derjenigen Staaten, die nationale Min- derheiten aufweisen, hineinzuziehen. Was Polen anbelang«, so würde das die Autonomie für die Ukrainer und Weißrussen und viel­leicht sogar für di« Deutschen. Litauer und Juden bedeuten. Tatsächlich wisse Dr. Stresemann jedoch sebr gut, daß sich der Völker­bund gar nicht in die inneren Ver­hältnisse eines Landes «inmischen und noch viel weniger ihm die Staatsform vot- d)reiben könne. Seinem Plane liege «ineschuv- kische Idee zugrunde. Es gehe ihm darum, in die Minderheitenbevölkerung d:r an Deutsch­land angrenzenden Staaten eine Gärung hinein­zutragen, separatistische Bestrebungen -ervorzurufen und zu fördern, sowie m der Be­völkerung den Glauben zu erwecken, daß Deutsch­land der einzige wahr« Verteidiger ihrer Recht« «i. Wie sich die Sowjetregierung Des Schlag­wortes von der Diktatur des Proletariats be­dien«, um die Arbeiterschaft fremder Staaten gegen ihre Obrigkeit aufzuputschen, so versuche Deutschland ausderMinderheitenfrage ein« Waffe zu schmieden, mit der in Gens auf diplomatischem und in anderen Ländern auf revolutionärem Wege «in DernichtungSkamps gekämpft werden solle. Da sich aber die krie­gerischen Pläne deS imperialisti- chen Deutschlands gegen den Osten richteten, so wolle man Die Minderheitenfrage in erster Linie gegen Polen und die Tschechoslowakei ausnützen. Stresemann brauche für die Märztagung des Völkerbundes Ma­terial gegen Polen und werde sich zweifellos auf die staatsfeindlichen Ieremiaden und Erklärungen der ukrainischen Abgeordneten im polnischen Sejm be­rufen. Das Vorgehen der Ukrainer sei aber von Berlin aus bestellt worden. Zum Glück sei

Preußen ein« endgültige Regelung deS Finanz­ausgleichs erst im engen Zusammenhang mit der Verwaltungs - und Verfassungs­reform anstreben würde. Dies scheint aber nicht der Fall zu sein, und damit dürften auch die auffallend skeptischen Aeußerungen des preußi­schen Ministerpräsidenten Braun zur Reichs­reform im Hauptausschuh des Landtages eine besondere Bedeutung erhalten. Das preußische Verlangen nach Beschleunigung des endgültigen Finanzausgleiches zwischen Reich und Ländern betrifft aber in keiner Weise die durch den neuen Etat notwendig gewordene Verlängerung des provisorischen Finanzausglei­ches zum 31. März um ein weiteres Jahr. Selbstverständlich würden, auch wenn die preußi­schen Bestrebungen durchdringen, auf alle Fälle zunächst die Ergebnisse der Repara­tionsverhandlungen abgewartet werden. Die Förderung der Versassungs» und Derwal- tungSreform, die sich ja erst in ihrem Anfangs­stadium befindet, sieht man allerdings durch eine vorgestrige Festlegung deS endgültigen Finanz­ausgleiches als f«f)t erschwert an.

Bayern und Reich.

Ministerpräsident Held erörtert den Konflikt mit Preuße«.

Forchheim, 18. Febr. lWTB.) In einer Rede auf einer Dauern Versammlung kam der bayerische Ministerpräsident Dr. Held auch aus­führlich auf die Vorgeschichte und die Entwicklung des Streites um die Abfindung für die bayerische Eisenbahn und Post zu sprechen und erklärte u. a., es werde versucht, ob die Staaten noch aus eigener Krast leben könnten oder nicht. WaS man nicht mit Zwang und äußerer Gewalt durchführen könne, erstrebe man mit Aushöhlungspolitik dadurch, daß man Bayern den sinanziellen Brotkorb höher hänge und es auszuhungern versuche, und das sei nach seinem Dafürhalten der Grund, daß Dayenrs Forderungen aus der Dahn, der Post und der Biersteuer nicht erfüllt würden. Bayerns Ideal sei ein Reich, ausgebaut aus starken gesunden Ländern, in denen die Einzelwirtschaft gehegt und gepflegt und Beson­derheiten Der Kultur herausgestellt würden. Wenn bei den Auseinandersetzungen durch die Presse vor allem das eine oder ander« lleine Llnheil angericht«t worden sei, so lehne er dafür die Verantung durchaus ab. Er müsse mit der KoalitionSpresse auch einmal ver­trauliche Gespräche führen können. Wenn es dann aber eine Presse gäbe, die sich nicht an die Grenzen dessen gebunden glaube, waS sonst von der gesamten Presse als Grenze erkannt wird, so trage er dafür die Berantwortung nicht, llnl) wenn er es bedauere, daß ein solcher Vorfall überhaupt möglich gewesen sei, daß die Presse vertrauliche Besprechungen, die als solche gekennzeichnet wären, zum Teil ver­öffentlichte, so liege darin keine Entschuldi­gung der bayerischen Staatsregierung.

Sozialdemokratie und Wehrmacht.

Reichstagspräsidcnt Löbe über den Schutz der vstgrenze.

Berlin, 18. Febr. (TU.) 3n Breslau hielt ReichstagspräsiLent Lobe ein Referat, das sich vor allem mit den Wehrfragen beschäftigte. Innerhalb der sozialdemolrat.schen Partei herrsche Einmütigkeit über die grundsätzliche Förderung deS Schlichtungsgedankens zwilchen den Völkern. Die Gegensätze der Auffassungen zeigten sich bei der Frage, ob die Reichswehr aufzulösen, ob Deutschland allein abrüsten oder die Abrüstung wechselseitig unter den Staaten zu erkämpfen sei, ob wir also gegen die Reichswehr oder um die Reichswehr kämpfen sollen. Löbe bekennt sich zu denen, die um die Reichswehr zu fämbfen gewillt sind. Selbstverständlich zwinge uns das Gebot der Sparsamkeit. unS aus Grenz- 'chutz und NeutralitatÄchutz zu beschränken, wobei es durchaus nicht notwendig sei. alle Rustungs- möglichkeiten des Versailler Vertrages auszu­nutzen.Ich folge nicht." erklärte Lobe,den. Ge­dankengängen Des Reichswehrminifters tu feiner

es nicht schwer, das perfide Spiel Deutsch­lands zu enthüllen, da die Tatsachen und Zahlen für Polen sprächen. Die Deutschen in Polen hätten alles erhalten, was der Staat ihnen geben könne, während die polnische Minderheit in Deutschland nach wie vor dem Terror der preußischen Behörden ausgeliefert sei. Schließlich sei es leicht nachzuweifen, welche Rolle die mit deut­schem Geld ausgestatteten deutschen und ukrainischen Verbände in Polen spielten. Für die Entlarvung des gegen Polen gerichteten perfiden und unehr­lichen Spiels der deutschen sozialdemokratischen Re- rung sei somit genügend Material vorhanden. Man müsse es nur richtig anwenden und fid) nicht nur verteidigen, sondern zum Angriff über­geh e n, um der Welt über dis Rolle der deutschen Brandstifter im Offen Europas die Augen zu öffnen.

pariser Freundlichkeiten.

Paris, 18. Febr. (TU.) Die französische Presse widmet den Vorgängen in Polnisch-Oberschlesien weiter ihre Aufmerksamkeit. DieLiber ts" meint, man hätte nach der Teilung Oberschlesiens durch ein Urteil, das eines Salomo würdig ge­wesen sei, glauben sollen, daß in dieser Gegend alles geregelt sei. Offensichtlich fei aber feine Verständigung möglich, wenn die Deutfchen nicht die Tatsache anerkennten, daß die polnische Ration für ihren Bestand ihre Gebiete wiederfinden müsse. Das Blatt wiederholt dis bereits oft zurückgewiesene An- §abe, daß auf deutschem Gebiet mehr polnische Minderheiten lebten, als deutsche Minderheiten auf polnischem Boden. Mit dem Schutz der Minder­heiten habe Deutschland ein Agitationsmit­tel gefunden, dessen sich die mazedonischen Frei­schärler schon vor ihm bedient hätten. Die Verhaf­tung des Vorsitzenden des Deutschen Dolksbundes, Ulitz, werde das Aktenbündel Stresemanns vermeh- ren. Der Fall Ulitz gleich« den Fällen Ricklin und Rosts.

Denkschrift über bi« polnische Frag«. Aber ich seh« doch, daß Polen sich durcheinenGe- waltstreichin den Besitz Der litauischen Haupt­stadt Wilna gesetzt hat. daß Angrifse aus Ostpreußen und Oberschlesien denkbar wären, deren Abwehr man nicht als unberechtigt hinstellen kann. Otto Dauer sagt in einem Gut­achten zur deutschen Wehrfrage, daß bi« Möglich­keit eines Konfliktes Polens mit Rußlanb bei englisch-französischer Waffenhilfe baS Problem Des Reutralitätsschutzes für Deutschland aktuell werben laste, wenn es bamit die Erhal­tung einer Abwehrmöglichkeit zum Schuhe der Neutralität erwerbe." Zu b«n AuSeinander- setzungen in feinet Partei bemerkte Löbe, dbr Ablehnung der Reichswehr bebeute Ablehnung bet Regierungsteilnahme. Er selbst habe sich ost unter ben Gegnern ber Regierungstrilnahme sunben. Aber es gebe doch Situationen, in benen man sich bet Regierungsbeteiligung nicht entziehen fdnn«.

Auch die Breslauer Sozialdemokraten hatten ge­nau fo wie zahlreiche andere Ortsgruppen der So­zialdemokratie zum Magdeburger Parteitag ein reichlich radikales Wehrorogramm ausge- arbeitet, der Reichstagsprösident Löbe steht gewiß nicht auf dem rechten Flügel der Sozialdemokratie, das radikale Programm der Breslauer Partei­freunde gefiel ihm aber deswegen nicht, weil feine Vorlegung in Magdeburg nur die Schwierigkeiten der Parteileitung, namentlich aber des Kanzlers und feiner Ministerkollegen vermehrt hätte. Es lie­gen ja ohnehin schon zahlreiche Anträge der ehe­maligen Unabhängigen vor, die es den gemäßigten Elementen nicht leicht machen werden, den Partei­tag vor Ueberftürgungen und unheilvollen Be­schlüssen zu bewahren. Herr Löbe, der ein alter und erfahrener Taktiker ist, hat es verstanden, das Ge­sicht zu wahren; er hat zwar aus etwaige uns von Polen her drohende Gefahren aufmerksam gemacht, hauptsächlich jedoch den Gedanken in den Vorder­grund geschoben, daß die Partei nicht gegen, son­dern um die Reichswehr kämpfen müsse. In der Tat wäre den Sozialdemokraten nichts ange- nehmet, als eine Reichswehr, die, etwa wie die preußische Polizei, ihnen restlos ausgeliefert ist und sich nur aus Sozialdemokraten g u lam­me n f e fo t. Gegen derartige Pläne kann man nicht frühgeitig genug Front machen. Die Reichswehr ist ein über den Parteien stehendes I n ° strument des Staates, sie dient der Allge­meinheit und nicht den einzelnen Parteien, sie darf infolgedessen nicht der Parieipolitik ausgeliefert und parteipolitisch durchsetzt werden.

Oer Reichspräsident auf einem Empfang des hessischen Gesandten.

Berlin, 18. Febr. (WB.) Amtlich. Anläß­lich der Anwesenheit des hessischen Staats­präsidenten und der hessischen Minister in Berlin gaben der hessisch« Gesandte und feine Gemahlin heute abend einen Empfang in der hessischen Gesandtschaft. Der Reichspräsi­dent war mit seinem Sohn, Oberstleutnant v. Hindenburg, erschienen. Ferner nahmen u. a. teil: Reichskanzler Müller und Gemahlin, der Apostolische Runtius Pacelli, fast sämtliche Reichsministet mit ihren Damen, Staatssekretär Dr. Meißner und Gemahlin sowie verschiedene Staatssekretäre mit ihren Damen und die stimm­führenden Bevollmächtigten der Länder im Reichsrat mit ihren Damen.

Aus aller Wett.

Vie Lebensmittel-

unb Sohlenverforgung auch weitet fichergeflellt.

Das Nachlassen deS starken Frostes hat eS, wie uns aus Kreisen bei EinzelhandelSgemeinschast unb des KoblenhändletverbandS berichtet wirb, mit sich gebracht, bah das Stocken der Le­bensrnittel- unb Kohlenzufuht nach den Stäbten zum Stillstand gekommen ist. Bereits am SamS- tag und Sonntag konnten die Zufuhren, ins­besondere in Nord-, Wittel- unb Westdeutsch- lanb auf ihre alte Höhe gebracht wer­ben. Aus ben mitteldeutschen und ostdeutschen Braunkohlenrevieren durfte bereits yeute Di« Arbeit, die infolge bet Kälte zum Teil zum

Stillstand gekommen wat, In vollem Um­fange wieder auf genommen werden. Es macht sich im Augenblick lediglich noch ein QU an­gel in der Kartoffelversorgung be­merkbar, der voraussichtlich auch noch infolge der großen Frostschäden auf dem Laride einige Zeit anhalten Dürfte. Wie aber bereits GnDe Der vergangenen Woche von den großen Lebens- Mittelhändlerorganisationen «rllätt worden ist, können die Ausfälle in der Kartoffelversorgung durch die reichlichen Zufuhren anderer Lebens­mittel ausgeglichen werden, ohne Daß eine Verteuerung einzelner Lebensrnittel zu be­furchten seü

Die Folgen der KäUe in Westdeutschland.

Der Sonntag brachte Tausende von Ausflug- lern nach den'ern des Oberrheins und der Mosel, die sich das seltene Schauspiel der Ver­eisung ansehen wollten. In den Orten an bot* Mosel und bei Ahmannshausen veransta'trten die Wirte Gissest«. Zahlreiche Rheinschisfe IjaJen beim Abschleppen schwere Beschädigungen er­litten. Bei Engers und bei St. Goarshausen brachen zwei mit Eisen beladene Schiffe mitten durch unb versanken. Besonders hart von der Kälte finb die Großstädte im Wupper- t a l betroffen. Infolge des Bruches von zahl« reichen Wasserrohren wurde die Versorgung mit Wasser aus den Talsperren erheblich beeinträch- tigt. Der Wassermangel war in einem Vorort von Barmen so groß, daß die Bewohner den Schnee auftauen mußten, um den Haushalt mit Wasser zu versorgen. Besonders stark leidet Elberfeld am Wassermangel. Man befürch­tet, daß Elberfeld, wenn die Kälte anhält, in den nächsten Tagen von jeder Wasserzufuhr ab- geschnitten sein wird. Die Stadtverwaltung hat deshalb angekündigt, daß sie bei weitetet Dauer der Kälte das Wasser rationieren wird.

Sieben Kinder in das Lis des Maines eingebtochen.

In Miltenberg war eine große Kinderschar auf dem Main und fand ihre Freude darin, auf dem kaum zugefrorenen Main in großen Gruppen von einem Ufer zum andern zu schreiten. Zahlreiche Erwachsene standen am linken Mainufer und sahen dem frohen Treiben der Kinder zu. Plötz­lich krachte in der Mitte des Flusses die Eisdecks unb sieben Mädchen im Alter von 10 bis 12 Jahren versanken plötzlich in den kalten Fluten. Unter lauten Hilferufen versuchten die eingebrochenen Kin­der an den Rand des Eises zu kommen, um sich dort zu halten. Aber immer wieder brach das Eis. Die am Ufer Stehenden versuchten sofort Hilfe zu bringen. Mit vielen Stangen unb Leitern näherten sich beherzte Männer der Bruchstelle und brachten sechs ber Opfer, die bereits steifgefroren waren, ans Land. Die zwölfjährige Tochter Marianns des Kaufmanns Paul Liebreich versank vor ben Augen ihrer Mutter unter bem Eise unb konnte bi» jetzt nicht gefunden werben.

Aus der Suche nach den Berliner Tresor knacket«.

Das Sonderbezernat für Gelbschrankeinbrüche b«£ der Berliner Kriminalpolizei, bas unermüdlich au der Aufklärung des sensationellen Bankeinbruches am Wittenberg-Platz arbeitet hat drei Drüber in ben Kreis ihrer Untersuchungen gezogen, gegen bie eine Reche von Verbachtsmomenten vorliegt. Es finb bies die Brüber Mar. Erich unb Franz Saß, von benen Max feit Ende v. I. ein Z i g a r r en­ge schäft betreibt, während feine beiden Brüder schon seit ungefähr fünf Jahren ohne jeglichen reellenErwerb sind, aber trotzdem über reich­liche Geldmittel verfügen. Bei den Verhören machten oll« drei über den Ursprung ihres Besitzes die wi­dersprechendsten Angaben. Haussuchungen förderten zahlreiche Schmucksachen sowie Ein bruchswerkzeuge zütage, an denen man Spuren eines kürAichen Gebrauches wahrncihm. Außerdem fand man einen Zettel, auf dem die Worte standen:Suche Unterstellraum für einen ......- Es handelt sich bei den Verdächtigen um junge Leute im Alter von 23 bis 26 Jahren.

Oie Wetterlage.

UTörünF

3

Q

rtonlaa d.18TeD.1929 j*aMS.

^5 C

rtayen -V .....

3/ o nw

gwrxcumi gwro. <> nfl» wetax. 9 oeaecii «eiew

W Schm al'jooein. "<6<l K 'z1e

«Ketr* Qsi nasiige» todiuoweii turmiitnef nordwest rt »ttu« fliegen mn dem wmde. 0>e eecen Stationen itencnden Zett­en gexn die Temperatur en v>s Unten eerDmden Orte dut gleicht!» I n-treiaiveau teftdreea

Wettervoraussage.

Wettervoraussage für Mittwoch: Vielfach nebelig-wolkig, auch zeitweise aufhei- lernd, Frost noch gleichbleibend, bei nächtlichem Aufklaren sich wieder verschärfend, Vereinzelle, leichte Schneefälle.

WitterungSausfichten für Don­nerstag: Immer noch Frostwetter.

ßufttemperatuTen am 18. Februar: mittags 4,6 Grad EelsiuS, abends 9,0 Grad Eelsius; am 19. Februar, morgens6,6 Grad EelsiuS, Maximum 5,0 Grad EelsiuS, Minimunz 15.0 Grad EelsiuS. Erdtemperatuten in 10 Zenti­meter Tiefe. am 18. Februar: abends 5,1 Grad Celsius, am 19. Februar: morgens 5.2 Grab EelsiuS. Sonnenscheindauer: 7 Stunden.