Nachdruck verboten
49 Forts-Lang
an den
seinem
großen
bringen!"
amt dumpfen Schlage flirrte die Türe Riegel.
Hettingen war wieder allein mit Schicksal.
Lache Waiarro !
Roman von 3- Echneider-Foerstl. llrbebei^cchtsschutz Oskar Meister. Werdau i. Sa.
«Also ist wirklich eine Frau im Sp elel — Herr- gort, lieber Baron, welches Weib hat denn d,e Ünperantworllichkeit begangen. Sie in diese fürchterliche Situation zu bringen und Sie dann einfach so jämmerlich feig im Stich zu lassen?
Leopold Richthofen nahm eines der ~ _ Wiener Abendblätter zur Hand, rückte die Ser-
»Herr Kommerzienrat, es ist mir unmöglich. Ihnen irgend etwas darüber zu sagen. — aZer- zelhen Sie mir daS. — Vielleicht ist es (Men möglich, mir die Vergünstigung zu erwirken daß ich etwas Arbeit bekomme — ich dürfte sonst den Berstend verlieren. — Es ist ganz gleich, welcher Art Beschäftigung mir zuaewiesen wird. Am schwer körperliche, sie darf so schwer
.Kurt soll mich in nichts schonend bat Hettingen. „Ich weiß, wie schwer eS ihm fein wird, nicht an meine Schuld zu glauben. Aber sagen Sie ihm. meine Hände haben sich noch nie mit dem Blute eines Menschen gerötet. eS müßte denn sein, daß sie sich über kurz oder lang mit meinem eigenen färben.“
.Ruhe, mein lieber Baron! Rur Ruhe jetzt! Ihre Rerven versagen sonst. Und Sie brauchen sie nötiger denn je." Er dämpfte seine Stimme zu leisem Flüstern- .Ich werde Ihnen einSchlas- pulver zwischen die Blätter der Z ichnungSskizzeu des Tunnels legen. DaS nehmen Sie am Abend. Es wird Ihnen sicher sechs bis acht Stunden ununterbrochener Ruhe bringen.“
Hettingens Lippen zuckten heftig, bis er sich so weit gefaßt hatte, sprechen zu können. .Ich danke Ihnen von ganzem Herzen. H^r Kommerzienrat 1 Bitte, empfehlen Sie mich Ihrer Frau Gemahlin — vorausgesetzt, daß sie noch Grüße von mir — entgegenzunehmen gewillt ist."
.Darüber seien Sie ohne Sorge. Baron! Und nun auf Wiedersehen. Meine Frau und Kurl werden die Sekunden zählen, bis ich heimkomme. Mein Sohn wird noch vor Abend die Pläne über
liebsten eine I-,--. - — — fein, daß ich abends lein Glted mehr zu rühren vermag. Dann könnte ich möglicherweise vielleicht doch eine Stunde Schlaf finden. Sonst bekommen die Richter zum DerhandlungStage einen Irrsinnigen vor die Schranken. — Das wird ihnen kaum erwünscht sein."
IankeS griff erschrocken nach den Händen, die fest ineinander verfchränkl auf Hettingens Knien lagen. .Seien Sie überzeugt. Herr Baron, daß ich alles tun werde. Ihnen jede nur mögliche Vergünstigung zu erwirken. Wie wäre es. wenn ich Ihnen die Pläne deS Tunnelbaues brächte? Dann könnten Sie mit Ruhe vielleicht auch jener eigentümlichen Rebelbildung auf die Spur kommen. von der Sie mir kürzlich sprachen."
.Wenn sich das machen ließe?“ Joachims Augen leuchteten in schwacher Freude auf. .Ich wäre Ihnen unendlicy dankbar. Ob ich nun über das oder über etwaS anderes nachgrüble, kostet schließlich nur ein und dieselbe Zeit.“
.DaS stimmt, fieber Baron! — Also ich werde eS erwirken, daß Kurt Ihnen die Pläne übergeben darf. Mein Sohn befindet sich beinahe an Derselben IrelinnSgrenze wie Sie.“
oiette auf seinen Knien zurecht und begann seine Suppe zu löffeln. Zwischenhinein glitten feine Augen über die Zeilen — starrten plötzlich auf ein paar fettgedruckte Buchstaben und fingen dann jählings zu flimmern an. Auf und nieder tanzten Zeile um Zeile, während der Löffel flirrend gegen d«-n Teller fiel und diesem eine liefe Scharte schlug.
Mord!
Baron Joachim Hettingen, der Sohn des verstorbenen Bankiers Artur Hettingen, wurde heute morgen in das LandgerichtS-
gesängniS in'Bellinzona eingeliefert. Sr steht un Verdachte, eine junge Dame, deren Rame bis jetzt noch nicht feststeht, in seiner Wohnung ermordet zu haben. Da er jede Auskunft verweigert, liegt vorläufig noch ein unergründliches Dunkel über der ganzen entsetzlichen Affäre. Doch beiißl das Gericht. trotz der Kürze der Zeit, derartig lückenlose Beweise seiner Schuld, daß kaum ein anderer als Baron Hettingen in Frage kommen dürfte.
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.Fraanzl!" — — Richthofens EmporfPrinzen vom Stuhle riß das weiße Damasttuch zu Boden, daß der Inhalt des Tellers sich mit der roten Flut des Portweins mengte und auf den fein* gemusterten Perser zu einer häßlichen Lache in* ineinanderfloß.
Kalkweiß im Gesicht, sah er dem alten Diener entgegen, der hereingestürzt kam. .Gnädiger Herr----"
. Ankurbln!" Für Richthofen waren schon diese beiden Silben zu viel. Gr rang nach Luft.
.Ich hab mir s scho denkt, gnädiger Herr! — Der Wagen steht schon untn. Den Mantel hab ich hineinglegt. Es dürfte kühl werden!"
Leopold hörte es nicht mehr. Gr eilte schon die Treppe hinunter, der Diener Holle ihn ein und blieb an seiner Seile, bis er in den Fond sprang. .Ich fahr zuerst in die Ringstraßn zu Dr. Feßmann. Hausnummer 45 — — — dann nach dem Schwarzenbergerplatz zu Ieska---
wann ein Telegramm von meiner Schwester ein» treffn sollt, machn Sie's auf. Franz, und tele- foniem S' mir an einen von die zwei Platz hin. Irgendwo werd ich schon fein! Din ich grab zufällig aufm Weg, dann soll's der Feßmann oder dte Kammersängerin abnehmrn."
.Jawohl, gnädiger Herr! Wird alles besorgt!"
Der Wagen schoß schon dahin, den Weg nach der Ringstraße nehmend. Richlhofen sah nichts von dem Leben und Treiben ringsum Immer geradeaus sah et, mit weit in den Polstern vorgebeugtem Oberkörper. — Der arme Mensch! — Wann's dte Mizzl erfährt, kommt f ins
Irrenhaus! — Gr vermochte nicht mehr weiterzudenken Alles und jedes kollerte in seinem Gehirn durcheinander. Rur jetzt erst beim Feßmann sein! Beim Feßmann! Möglich, daß der die Sache mit mehr Ruhe ins Auge faßte.
„Fahrn S' schneller. Dreittneier," rief er durchs Sprachrohr dem Chauffeur zu. obwohl dieser die im Slabtinnern erlaubte Geschwindigkeit längst überschritten hatte.
Endlich ßielten die Rädervaare.
Kaum hatte Richthosen den Fuß in FeßmannS Haus gesetzt, kam dieser ihm schon die Treppe herab entgegen. „Du weißt. Leopold? — Es ist so gräßlich, daß es geradesogut einem Schauermärchen entnommen sein könnte. Eben berate ich mit meiner Frau, wie ich am besten reife: Mit dem Schnellzug oder mit meinem Daimler. 3m ersteren Falle komme ich morgen früh gegen neun llhr nach Bellinzona — wenn ich die Abschlüsse erreiche. Wenn nicht, kann es vier llhr nachmittags werden. Das Warten wenigsten- bleibt mir mit dem Wagen erspart... Eine oder zwei Pannen mitgerechnet, bin ich spätestens um sechs oder sieben llhr bort — Weiß deine Schwester?"
Richlhofen zuckte die Achseln. Ich hoff nicht! Sie ist vor drei Wochen nach Villach weggsahm zu einer Tante. Bloß eine einzige Karte hat s' gschriebn in der ganzn Zeit. — — Wann f* das mit dem Joachim zu lesn kriegt, verliert f* den Verstand."
Frau Hilde kam mit verweinten Augen und meldete, der kleine Koffer wäre gepackt, ob sie auch etwas Wein hineinverftauen solle. Feßmann verneinte. So nervös und zerfahren hatte Richthofen den Freund noch nie gesehen. „Wann dir's recht ist, komm ich mit, Hans! — Ich fahr bann über Villach unb hol die Wiz^l ab.“
Der Doktor wehrte erregt. „Das ist ein Umweg I CS ist besser, wenn wir nicht alle auf einmal kommen. Er braucht wieder jemand. Dann kannst du fahren. Poldi! Ich kann mir das noch gar nicht vorstellen: den Joachim in einer Zelle als Gefangenen! Wenn ich ihn nicht bald zu sehen kriege — schnappe ich über." (Forts, folri.j
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