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Samstag, 19. Zanuar 1929

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Obrrheften)

Nr. W viertes Blatt

Geschichten aus aller Welt

plott, angezettelt VON Pol

» von Tage

Wirtschaft

wenden gewesen, vielleicht als Anfang zu einem Ehrenmal für die im Weltkrieg gefallenen Söhne der Gemeinde. 3. H.

derer rettete ihn aus seiner schlimmen Lage. Da der Alebersallene über zugerichtet war und ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen muhte, er­folgte Anzeige und anschliehend Anklage gegen die Wihmarer Burschen wegen gefährlicher Kör­perverletzung. Die Angeklagten wollen durch den Der.etzten mit der Schuhwaffe bedroht worden sein und in Rotwehr gehandelt haben. Letzteres bestritt der Verletzte, auch ergab es sich kurz nach der Tat, dah es sich um eine sog. Scheintod- Pistole handelte, wovon aber die Angeklagten bei der Tat nichts wühlen. Das Gericht war der Ueberzeugung. dah die Angeklagten doch zu weit gegangen waren. Da für den Verletzten nach­teilige Folgen nicht entstanden waren, wurden den Angel agten mildernd« Umstände zugebilligt. Sie erhielten jeder eine Geldstraf 30 Mark, hilf sweis« je sechs Gefängnis.

Amtsgericht Wetzlar.

Q Drei junge Burschen aus Wißmar be­kamen eines Sonntags nachrS mit einem aus­wärtigen Burschen, als letzterer ein Wihmarer Mädchen heimbegleitete. Streit. Letzterer lieh sich nicht einschüchtern, sondern drohte, denjenigen, der ihn angreife, zu erstechen. Che der Orts­fremde er war auö Daubringen sich ver­sah, lag er am Boden. Die Waffe war ihm rasch entwunden und es hagelte nun von den dreien Hiebe auf den am Boden Liegenden, der schließ­lich seine Peiniger bat, gegen Zahlung von 20 Mk. von ihm abzulassen. Hierauf gingen diese aber nicht ein. Erst das Dazwischentreten an-

Widerstand gegen die Staatsgewalt und öffent­liche Beleidigung legte die Anklage zwei jungen Burschen aus Launsbach zur Last. Wie dis Beweisaufnahme ergab, waren die Angeklagten eines Sonntags nachts nach beendigtem Taiiz- kränzchen auf dem Sjeüntoege. Da sie auf der Straße sehr laut waren, wurden sie von einem Polizeibcamten zur Ruhe ermahnt und aufge- fordert, heimzugehen. Dieser Aufforderung glaub­ten sie nicht Folge leisten zu müssen und brachten dies auch zum Ausdruck, worauf der Beamte Ge­walt anwandte. Mt Hilfe eines Einwohners, der der Cemrindevertretung angrhörte, gelang es schließlich die Widerspenstigen auf ihr väterliches Gehöft abzutransportieren. Da die Angeklagten

solche bewertet werben könnten. Der Senat je­doch billigte dies nicht und hat die Höhe der Häuser auf zwanzig Meter normiert. Den Ruhm, den Wolkenkratzer-Rekord im Altertum erreicht zu haben, kann aber Konstantinopel für sich be­anspruchen: zur Zeit des Oströmischen (Bhzan- rinischen) Kaiserreiches gegen 400 n. Ehr. gehörten hier 14- bis löstöckig« Tauten nicht Au den Seltenheiten. Da in Byzanz überdies äußerst schmale Straßen vorherrschten, erweckten diese Häuser einen doppelt so großen Eindruck. Professor Patterno hat also wieder einmal ein- wandfrei bewiesen, dah es in der Tat nichts ReueS unter der Sonne gibt ...

Betrogene Betrüger.

(b) Sofia.

Die Herstellung von Falschgeld erfordert auher erheblichen Geldmitteln auch besondere Kennt­nisse. AuS diesem Grunde kam eine Gruppe geschäftstüchtiger Leute in Sofia auf den Ge­danken, sich nur die Mittel zu verschaffen, die Fälschungen aber gar nicht auszuführen. Sie seltsamen Fälscher, die zumeist alte Bekannte der bulgarischen Polizei waren, opferten einen Tansendlewafchein, von dem sie durch verschie­dene Manipulationen mit Chemikalien einen ein­fachen Abdruck herftellten. Mit diesem Abdruck in der Hand suchten sie ihre Opfer auf, meist Handwerker, Ladenbesiher. die über einiges Ka­pital verfügten, und erklärten ihnen, eine Ge­sellschaft von auS dem Ausland heimgckehrten Spezialisten habe sich aus die Herstellung von bulgarischem Falschgeld verlegt. Die Vorarbeiten seien erfreulich weit gediehen. Beweis: der Ab­druck des Tausendlewascheines. Hm das Klischee vervollkommnen und marktfähige Abzüge Her­stellen zu können, sei noch etwaS Betriebskapital nötig, etwa 4050 000 Lewa, welcher Betrag nach Ablaus eines Monats mit 500 Prozent Zin­sen zurückgezahlt werde. ES fanden sich nicht wenig Dumme, die. mit der Hoffnung auf mühe­losen Verdienst, ihr Vermögen opferten. Wenn nach Ablauf geraumer Zeit die versprochene Ver­zinsung ausblieb und die Geschädigten Ansprüche stellten, wurden ihnen von den Gaunern zwei Möglichkeiten gewiesen: entweder Zuhilfenahme der Gerichte ... ein Weg, der sich natürlich von selbst verbot, oder aber: die Geschädigten mögen sich ihrerseits bemühen, andere Dumme zu finden, um sich an deren Einlagen schadlos zu halten. Auf diese Weise erweiterte sich der Kreis derAktionäre" der Fälschergesellschast solange, bis es der Polizei gelang, das blü- hend« Unternehmen auszuheben.

Noch ein Wellkricgsopfer.

(r) Brüssel.

2llS ein sehr verspätetes Opfer des Welt­krieges hat sich in H a m o n t, einem kleinen Grenzstädtchen in der belgischen Provinz Lim­burg. die 42 Jahre alte Haushälterin Mari« MaeS auf den Operationstisch legen lassen müssen, um sich den Blinddarm entfernen zu lassen. So ohne weiteres allerdings läßt sich ein Zusammenhang zwischen diesem chirurgischen Ein­griff und dem vor zehn Jahren beendeten Welt­kriege nicht herauSfinden: wenn man aber er­fährt. wodurch der Blinddarm der Marie MaeS erkrankt war, wird einem dieser Zusammenhang llar:

Eine winzig«, nur einige Millimeter große Drahtklammer war vom Magen der Frau in den Darm geraten und war schließlich in den Wurmfortsatz gelangt. Dies« Drahtklammer hatte im September 1917 dazu gedient, zwei sog. pH s", eng mit Epionagenachrich ten be- schriekene Blättchen Papiers, zusammenzuhalten, die Marie Maes, die im Dienste des feindlichen Rachrichtenwesens stand, einem Vertrauensmann an der holländischen ©reu e zutragen wollte. Kurz vor dem Ziel glaubte sie sich fälschlicher­weise von deutschen Grenzschutztruppen ent­deckte und verschluckte einfach die für Ne so gefährlichen Papiere, deren Entdeckung durch die Deutschen vielleicht den standrechtlichen Tod für sie bedeutet hätte, liebet zehn Jahre ist die kleine Metallllammer im Leibe der früheren Spionin geblieben, um jetzt wieder zum Vorschein zu kommen. Es braucht natürllch kaum hinzugefügt zu werden, daß Marie Maes auf Staats­kosten operiert worden ist. ...

Oer Stand der Produktion.

Dem Wochenbericht deS Instituts für Kon­junkturforschung zufolge hat sich der wirt­schaftliche Tätigkeitsgrad während der letzten Monate des verflossenen Jahres in den ProduktionSmittel-Jndustrien stark vermindert, während in den Derbrauchs- güter - Industrien eine Verlangsamung im Rückgang, teilweise sogar eine leichte Belebung der Produktion, einsehte. Diese Verschiedenartig­keit in der Produktionstätigkeit der beiden großen Wirtscha tsgruppen rodu.tionsmittel- und Ver- brauchsgüter-Indust r. en) wird durch die neuesten Produktions^ahlen bestätigt.

Die Roheisen - und Walzwerkspro­duktion hatte sick im Rovember durch die Aussperrung gegenüber Oktober um rund 75 Pro­zent vermindert. Aber auch nach der Wieder­aufnahme der Arbeit im Dezember wurde in diesen Industriezweigen daS Produktionsvolumen der Monate vor der Aussperrung nicht wieder erreicht Die Verschlechterung auf dem SN en - markt ist für die gegenwärtige Konjunkturlage um so beachtenswerter, alS dadurch zum Aus­druck kommt, daß die Investitionstätigkeit der Wi.tschast weiterhin zurückgeaangen ist. Dafür spricht auch die weitere Abnahme deS Auftrags­eingangs in der M a s ch i n e n i n d u st r i e.

Die Kohlenproduktion stand in den letz­ten Monaten im Zeichen der üblichen jahreszeit­lichen Steigerung. Dabei ist bemerkenswert, daß die Steinkohlenförderung, die in hohem G.ad auch von dem Koh'enverbrauch der Industrie beein­flußt wird, gegenwärtig geringer ist, als vor Jahresfrist. während die Braunkohlenförderung auch gegenüber den gleichen Monaten des Jahres 1927 nicht unbeträchtlich zugenommen hat. Die Koksproduktion zeigt im Rovember einen starken Rückgang infolge der Aussperrung in der Eisenindüstr«. Im Dezember wurde hier, wie bei der Eisenproduktion, der Umfang von Ok­tober nicht wieder erreicht.

Die Produktion in den Derbrauchsaüter-Jndu- strien ist dagegen teilweise wieder leicht ff?ftügm. Jedenfalls hat die arbeitstägliche Te ? t11 - Produktion von Oktober auf Rovember zu­genommen. Offenbar handelt es sich dabei aber nur um eine vorübergehende Reaktion auf den starken Rückgang der Produktion in den voraus­gegangenen Monaten, der bewirkte, dah in dieser Branche die Versorgung des Handels zeitweise hinter dem Verbrauch zurückblieb, während sich nunmehr ein gewisser Angleich der Pro­duktion an den Verbrauch vollzieht. Im De em der haben sich Auftragseingang und Be­schäftigung nach den vorliegenden Berichten in wichtigen Zweigen der Textilindustrie bereits wie­der verschlechtert.

Ter Erzbergbau im Dezember 1928.

Siegerland. Von den Siegerländer Gru­ben befand sich im Dezember etwa die Hälft« außer Betrieb. Die Förderung, welche im Ro­vember auf 50 Prozent der normalen Förder- rung gesunken war. ging im Dezember noch weiter, nämlich auf 40 Prozent zurück. Der aus dem Lohnkonsli.t an der Ruhr te n Siegerländer Berg­bau entstandene Schaden ist ungleich größer, als anfangs angenommen wurde. Eine Steigerung des Absatzes an rheinisch-westfälische Hütten in den nächsten Moraten hängt davon ab. ob bzw. in welchem Umfange die Dom Bergbau bean­tragte Reichs- und Staatshilse gewährt wird.

Lahn-Dillgebiet einschl. Ober- Hessen. Trotz Beendigung der Aussperrung im Industriegebiet konnten von den stillgelegten Eisensteingruben vorerst nur zwei wieder in Be­trieb genommen werden, da der Abruf der Erze sehr zurückhaltend einsehte und die Halden­bestände bereits vor der Stillegung erheblich an» gewach en waren. Es ist zu befürchten, daß der Ver'andausiall durch die Aussperrung nachteilige Folgen auf die Auswirkungen deS AuLnahme- tarifs 7i hat. so daß die zu erwartenden, Rück­vergütungen keinen Ausgleich mehr für die Frachterhöhungen ab 1. Oktober bieten werden. Statt der erwarteten Hilfsmaßnahmen wird also ein Einnahmeaussall ein treten, welcher die Exi» stenzfähigkeit der Werke immer ungünstiger ge­staltet.

Generalversammlung Fried. Krupp A.-G.

Die gestrige Generalversammlung ter Friedr. Krupp A.-D. genehmigte den bereits veröffent­lichten Abschluß für 1927 28.

Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Dr. Krupp v. Dohlen und Halbach, gab einen zusarn-

sich weiterhin rabiat gebärdeten u. a. wurden auch harmlose Zuschauer in Mitleidenschaft ge­zogen und der Polizeibeamte und der Racht­wächter öfsentllch beleidigt, erfolgte schliehlich Unterbringung beider Angeklagten in Pollzei- gewahrsam, auS welchem der eine Angeklagte sich durch einen Sprung aus dem etwa 5 bis 6 Meter hohem Fenster befreite. Vor Gericht versuchten beide Angeklagte die ganze Sache als ein Stomx politisch Andersdenkenden,

hinzustellen und demgeomäß ihr Verhalten zu beschönigen. Mehrere Zeugenaussagen hingegen ergaben, dah die Angeklagten alles andere als zart veranlagt gelten. Das Gericht sah sie als überführt an und verurteilte beide wegen Wider­standes zu Geldstrafen von je 30 Mark und wegen öffentlicher Beleidigung zur Geld­strafen von je 2 0 Mark, an deren Stelle im Richtbeitreibungsfalle für je 5 Mk. eine Er­satzfreiheitsstrafe von einem Tage tritt. Den Beleidigten wurde die Befugnis zuerkannt, das Urteil bezüglich der Beleidigung durch Aushang an der Gemeindetafel zu veröffentlichen.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten I s Der Lordkanzler mit dem Schnurrbart.

(f) London.

Dvr kurzem starb in London ein Mitglied der Regierung, der Lordkanzler DiSrount Cave. Der Verstorbene war em ganz vorzüglicher Jurist und in den Kabinetten Donar Law . sowie Baldwin gleichzeitig Lordkanzler und Oberstaatsanwalt. Dor seiner Ernennung de­battierten die englischen Zeitungen über die welt­erschütternde Frage, ob es zulässig sei einen Mann .mit Schnurrbart" zum Vor,itzenden des Oberhauses zu ernennen. Selbst den Krnig al'er Briten beschäftigte dieses .Problem", alS man ihm Eave vorschlug Der Premier soll seinen Herrscher mit sagenden Wor en beruh gt haben: Majestät, die englischen Ge.eye w.ssei nichts davon, dah der Lordkanzler g'att rasiert sein muß I" So wurde Discount Cave der Tradition ungeachtet Lordkanzler deS Britischen Reiches, sehr gegen den Willen der konservativ Len­kenden. welche diese .Relorm" nicht gerade freu­dig begrüßten. Zugegeben sei's. dah der, Schnurr­bart nicht besonders gut zu der Perücke paßt, die der Lordkanzler als Leiter der Sitzungen deS Oberhauses tragen muh. Aus diesem Grunde Nimmt es auch nicht weiter wunder, dah uet jetzt Verstorbene seit Mcn ch enge senken erst der zweit«beldmurrbartete" Lordkanzler AlbionS war. Der erste wurde 1617 ernannt; man verzieh ihm seinen .plebejischen" Mundschmuck lediglich, well er kein geringerer alS Bacon war...

Haben Höhlenbären den Zahnschmerz gekannt?

(a) Reuhork.

Haben die Höhlenbären an Zahnschmerz ge­litten? Diese hochwichtige Frage, für deren Ak­tualität insbesondere len« von unseren Mit­menschen volles Verständnis aufor.ngen Durften. Me sich zu Weihnachten an Rüssen und Kon.ekt di« Zahne verdorben haben, ist soeben von nam- basten Zoologen und Paläontologen des Mu­seums von LoS Angeles be.aht worden. Jawohl, die Höhlenbären, die gefährlichsten Feinde des diluvialen Menschen haben eoenso wie diese selbst an Zahn- und K.eferschmerzen gelitten, und angesichts der gewaltigen Aus­maße ihrer Beiß- und Kauwerkzeuge müssen diese Schmerzen nicht gerade klein gewesen sein. Rund tausend Gebi.se und Gebihteile dieser vor- sintflutlichen Ungeheuer besitzt das gmannte Museum, darunter auch die wahrhaft amehn° sichen Gebisse von Höhlent gern, und an dreißig von ihnen sind eingehende zahnärztliche Unter­suchungen vorgenommen worden. Eine ganze An­zahl dieser Bestien hat ein unvollständiges Ge­biß; die temperamentvollsten von ihnen haben ihr« mächtigen Hauer In der zähen Asphalterde von Rancho la Drea. einem Hauptsundort für Fossilien, liegen lassen, lediglich ein halbes Dutzend Höhlcntiger verfügte noch über eine vollständige Garnitur von Zähnen. Aber von diesen ist ein großer Teil hohl, und Untersuchun­gen mit Ronigenlicht haben das Vorhanden ein schwerer Fisteln und Abzess« nachgewiesen. Zahnschmerzen sind daher nicht, tote oft an­genommen wird eine Errungenschaft der neueren Kulturepochen. Und daS ist wenigstens ein Heiner Trost!

An den Unrechten geraten.

(n) Moskau.

Juch der Polizist ist ein Privatmensch, und im Privatleben vielleicht auch Sportsmann. Ja im neuen Rußland steht gerade der Po.izeisport in höchster Blüte. Man kann daher mit Po.i- aiften in Moskau die überraschenditen Dinge erleben. Selbst dieProfessionels" sind vor ihren Rivalen mit dem Gummiknüppel nicht mehr sicher, wie der folgende Befall bewci t, der sich vor ei-iger Zeil in Moskau abspielte.

Der beste Sprinter der Sotojetunim. nebenbei Sportredakteur der .IswestijaDoris G r o mos. ist es. der auf unfreiwillige Weis« aus der Moskauer Straße einen neuen Landesrekord gelaufen hat. Gromos hatte es gewagt, von der fahrenden Straßenbahn abzuspringen. Dos ist ein schwerer Verstoß gegen die Mostauer oftent- liche Derkehrsocdnung und wird mit einem so­fort zu erlegenden Rubel beftia t. Gin Pvli llt sah Gromof abspringen und setzte ihm sofort nach. Und Gromos rannt«, was das Zeug halten wollte, weniger um den Rubel zu sparen als darum, weil Ihn echter Sv orige ist trieb. Aber, o Wun­der. der Polizist blieb ihm dicht auf den Fersen. Nachdem er so einige Straßen durchrast hatte, den Ann des Gesetzes" stets dicht hitter sei­nem Rücken, blieb Gromof endlich, schnaubend und nach Atem ringend, stehen.

Wifsen Sie auch. Genosse, wer ich bin7 fragte er den ebenfalls höllisch außer Atem ge­ratenen Polizi ten. Ich bin Doris Gromof, der rullische Sprinterm Her, und ich bin blo.j des­halb stehen geblieben, um zu sehen, wer so lau­fen kann, daß er mir immer dicht auf den Hacken

mensassenden Rückblick über die Erfolge der bis­herigen Rationalisierungsarbeit. In technischer Hinsicht hatten die Betriebe eine wesentliche Stei­gerung der Intensität ihrer Erzeugung zu ver­zeichnen. Die Wirtschasllichen Ergebnisse ent­sprechen ledoch in feiner Weise den Erwartun­gen. da der Mehrerlös aus der Rationalisierung völlig in weiter gesteigerte Lasten und Löhne zer­fließt. Steuern und soziale Abgaben der Friedr. Krupp A.-G. und ihrer Tochtergesellschaften sind gegen das Vorjahr um 5,8 Mill. Mk. auf 30,2 Mill. Mk. gestiegen. Rechnet man hierzu noch die freiwilligen Wohlfahrtsabgaben, so beläuft sich die steuerliche und soziale Gesamtbelastung der Produktion aus rund 36 Mill. Mk. oder auf rund 120 000 Mk. für den Arbeitstag. Die Stei­gerung der Durchschnittslöhne betrug seit 1924 für die Kruppschen Bergbaubetriebe 84 Prozent- für die Eisenwerke 78 Prozent. Schon seit längere* Zett haben die Löhne den Friedensreallohn über­schritten. Außerdem hat auch die Verkürzung der ArbettSzeit zu einer neuen Steigerung der Selbst­kosten erheblich beigetragen.

Ein Gewerbezweig, dellen Erträgnisse dauernd zurückbleiben hinter den Zinsen, die daS in Spar­kassen und Pfandbriefen risikoloS angelegte Ka­pital bringt, vermag für weitere Kapitalinve­stitionen keinen Anreiz zu bieten und ist daher «um Verkümmern verurteilt. Dieser Zustand ent­spricht auch keineswegs den Interessen der Ar­beitnehmer; denn eine Verkümmerung der In­dustrie bedeutet Einschrumpfung der Arbeits- möglichkeit, wie sie im Bergbau bereits In wei­tem Umfange eingetreten ist.

Ein Blick auf die Stellung der deutschen Mon­tanindustrie auf dem Weltmarkt zeigt am klar­sten, wohin uns das Abirren von den grund­legenden Gesetzen der Wirtschaft geführt hat. Die steigenden Selbstkosten der deutschen Industrie sind von Jahr zu Jahr Über die ihrer aus­ländischen Konkurrenz hinausgewachsen. Unsere einstmals starke Stellung auf dem Weltmarkt ist sowohl in Eisen wie in Kohle schwer erschüttert. Die deutsche Montanindustrie kann und darf je­doch ihren Charakter als Exportindustrie nicht verlleren, wenn sie der deutschen Arbeiterschaft weiterhin die Arbeitsmöglichkeit auf deutschem Boden gewährleisten und ferner dazu beitragen Toll, durch die Ausfuhr ihrer Erzeugnisse mit- zuwirken an der Aufbringung der Reparations­lasten, die selbst nach ihrer etwaigen Konsoli­dierung eine schwer tragbare Last bedeuten werden.

Sie öffentlich-rechtlichem? nsverslchenmg im Zahre 1928.

Die öffentlich-rechtliche Lebensversicherung ist im verflossenen Jahr« trotz der schwierigsten wirtschaftlichen Verhältnisse wiederum ein recht beträchtliches Stück vorwärts gekommen, und sie hat Erfolge erzielt, die beweisen, dah der öffeni- lich-rechttiche Versicherungsgedanke immer mehr an Boden gewinnt. Der Gesamtantrags­zugang bei den im Verbände öffentlicher Lebensversicherungsanstalten in Deutschland zu- sammengeschlossenen Anstalten ist feit der Sta­bilisierung der deutschen Währung Ende 1923 auf rund 1800 Millionen Mark angewachsen. Der Abgang hat sich auch im letzten Jahre trotz der schwankenden Wirtschaftslage in durch­aus mäßigen Grenzen gehalten, so daß der Ge- samtabschluh ein recht günstiges Bild ergeben wird. Besonders erwähnenswert erscheint, dah die Landwirtschaft ungeachtet ihrer schwierigen Lage sich auch wieder für die Lebensversicherung zugänglicher zeigte. Die Äachfrage nach Hy­potheken war naturgemäß sehr groß. Bei. der Bewilligung seitens der einzelnen Anstalten wurde besonders darauf geachtet, dah nicht ein­zelne Gegenden oder Bevölkerungsschichten be­sonders beDoisugt wurden, sondern dah gemäß den Grundsätzen der öffentlich-rechtlichen Lebens­versicherung die Kapitalien in weitestem Um­fange wieder den Kreisen und Bevölferungs- schichten zur Verfügung gestellt wurden, aus denen sie in Form-von Versicherungsprämien ge­flossen sind.

Durch ihre Beitrags- und Dividen­de n p o l i t i k, die es ablehnt. Prämien teile zu erheben, die nicht dauernd als unbedingt nötig erachtet werden, um sie später in Form von Dividenden zurückzugeben, haben die öffentlichen Anstalten in besonderem Mähe den augenblid- lich herrschenden schwierigen Wirtschaftsverhält- niffen Rechnung getragen, denn durch den ge­währten möglichst billigen Versicherungsschutz ist

bleibt!"

Ra", antwortete der flinke Polizist und wan sich stolz in die Brust, .ich Wäre Ihnm noch stundenlang auf dm Hacken geblieben; ich bin Stefan Stefanowitsch Iwanow, der Meister- sprinter der Moskauer Polizei!"

Man kann sich vorstellen, waZ für ein Gesicht Gromos nach dieser Erö fnung gemacht bat Aber wenige Mieten darauf sah man die beiden Sportrivale i ti freundscha tlichem Gespräch, Arm in Arm. zurückkehl en. Ob er aber den Strafrubcl bezahlt hat. verschweigt Gromof, der diese Epi­sode selbst in derJöwestija" erzählte.

Wolkenkratzer im Altertum.

(g) Rom.

Professor Giulio Patterno, der bekannte italienische Altertumsforscher, entdeckte, daß das Symbol" der heutigen Zeit, der Wolkenkratzer, durchaus keine neue Erscheinung sei. Bereits im allen Carthago gab es Häuser, die 810 Stock­werke hoch waren. Wenn man bedenkt, dah Carthago 146 Jahre vor Christi Geburt ver­nichtet worden ist, muh man den dortigen Ar­chitekten eine grenzenlose Hochachtung zollen; ihre Leistung kam dem heutigen Bau eines etwa hundertstöckigen Wolkenkratzers gleich, den vor­läufig noch kein Zeitgenossen fertig gekriegt hat. Wich im clltssn Rom baute man mit Vorliebe Hochhäuser, die auch im heutigen Sinne als

Bahnhofsbeschwerden Grohen-Linden Leihgestern.

2luS Leihgestern wird uns unter obiger Ueberschrist ge chrieben:

In Rr.2 Ihres Blattes ist von Großen- Linden ein Arti ei über dies« Angelegenheit er­schienen. Daraufhin ist eine Erwiderung In Rr. 7 Ihres Blattes von Ce bgeftmn erfolgt.

Ich gestatte mir nun als alter Leihgestern er erfahrener Bürger, noch einmal diese Qlncefegen- hrit kurz zu beleuchten. Was von Grohen-Linden in Rr.2 Ihres Blattes geschrieben wurde, ent­spricht vollständig der Wahrheit; nur die Be­rechnung der Seelenzahl auf beiden Se ten. ein­schließlich Hinterland, wäre überflüssig gewesen, da dies hier gar nicht in Betracht kommen kann. Was di« Erwiderung in Rr. 7 Ihres Blattes von Leihgesterner Seite bezwecken soll, ist mir nicht verständlich. Der Umbau des Bahnhofs Grohen-Linden wird nur noch eine Frage der Zeit sein, da schon vor einigen Jahren mehrere Morgen Gelände auf der östlichen Seite von der Bahn angefauft worden sind. Dah die Bahn­verwaltung sich von einer Gemeinde beeinflussen lassen sollte, e.waige Begünstigungen zum Rachfell der ge^e rüberliegenden Gemeinde vorzunehmen, ist doch wohl ganz ausgeschlossen. Die Gemeinde Leihgestern hat bei dem evtl. Umbau einen berechtig,« r Wunsch: da nämlich das BahnhofS- gelänbe fast ganz in dec Gemarkung Leihgestern liegt und jeder fremde Reisende glaubt, statt Leihgestern Grohen-Linden vor sich zu (eben, von dem jetzigen 71 amen der Station abzusehm, aber alS Derbindungsnamen die Bezeichnüng Grohen-Linden-Leihgestern einzu üh» rcn. Bei gute n Willen der Bahn könnte das ohne Schwierigkeiten geschehen. Ferner ist mir unverständlich. wie die Gemeinde Leihgestern für einen Fahrkartenautomaten, der scheinbar ganz Iunbedeute ibe Vorteile verspricht, zweitau end Mark bewilligen kann bzw. schon bezahlt hat. Dieses Geld wäre zu besseren Zwecken zu ver-

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