Nr. 296 Drittes Blatt Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Mittwoch, {8. Dezember (929
Bücher unter dem Weihnachtsbaum.
„Die Wett der Rose."
Wir haben schon vor einiger Zeit in unseren Spalten auf das jüngste Werk des Dichters Albert H. D a u s ch Angewiesen, welches unter dem Titel »Die Welt der Do se" von der weithin bekannten hessischen Rosenfirma Gebrüder Schultheis in Steinfurth herausgegeben und verlegt wurde (527); wir wiederholen dies heute nachdrücklich, jetzt, kurz vor Weihnachten, in der Zeit, da man gemeinhin am häufigsten an Bücher denkt, Tücher erwirbt und Tücher verschenkt. And dieses Tuch scheint uns wie wenige als Geschenkt geeignet zu sein, insofern man cs schlechthin in die Hände eines jeden Menschen legen und wünschen kann: nicht etwa nur des Dotanikers oder Gärtners, des Blumenfreundes oder Künstlers, vielmehr eines jeden, dem noch nicht aller Sinn für die lebendige Schönheit einer unendlich vielfältig schöpferischen Datur abhanden gekommen ist. Dies ist begründet nicht sowohl im großartigen Stoff an sich, als vielmehr in der Art, wie dieser Stoff gesehen, empfangen und gestaltet wurde, — so nämlich, daß der Titel keineswegs zufällig, sondern mit einer tiefen inneren Berechtigung und Sinngebung über dem Ganzen steht: die Welt der Rose. Imponierend ist hier die Weite und die absolute, aus humanistischem Geiste hervorgehende Geschlossenheit Les Weltbildes, welches sich in der Abwandlung des einmaligen und in sich be- grenz'en Themas spiegelt. Bestechend die Universalität der Tetrachtung, welche die Welt der Rose als eine in sich ruhende Einheit aus Datur und Kultur, aus Tradition und Gegenwart erfaßt, mit einer unübertresilichen Lückenlosigkeit der Beziehungen entwickelt und ans Licht stellt. Hier ereignete sich der wegen sei:. : Seltenheit merkwürdige Fall, daß ein Buch z:» gleich von einem Künstler und einem Gelehrten geschrieben wurde und dabei auf jeder Seite die vollkommene Einheit der schöpferischen Persönlichkeit seines Verfassers bezeugt: darin begründet sich seine Ausnahmestellung im Kreise der modernen künstlerischen Daturbeschreibung; (man denkt etwa an die Tücher von Maeterlinck. Friedrich Schnack oder Bengt Berg.) Wer dieses Buch in sich ausgenommen hat, dem wird — um einmal vom geistigen Eindruck und trom aesthetischen Genuß ganz zu schweigen — keine Frage mehr offen sein, die mit der Welt der Dose im weitesten Sinne irgend in Verbindung gebracht werden kann; er findet darin die wundervollen Terse Dainer Maria Rilkes so gut wie die sehr übersichtliche Einteilung der Arten nach der Cccpinschen Ordnung. Er erfährt alles, was man wissen kann über Damen, Heimat und Herkunft der Rose, über ihre Zucht, Veredlung und Kreuzung, über ihre Pflanzung und Pflege; er verfolgt die Geschichte der Rose und ihren weiten und verzweigten Weg durch Länder und Zeiten; er begegnet den Sängern der Dose von Theokrit und Anakreon bis zu Dille, den Dosenmalern von Schongauer und Van E.)ck bis zu Manet. And der edle und ungemein zücht» volle Stil, den man aus allen Büchern Rauschs kennt und liebt, wird auf eine unvergleichliche Art und Weise belebt durch die Fülle der Lichtbilder, welche in sehr nobler Form eine Porträtgalerie der edelsten Rosensorten darstellen.
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Deutsche Erzähler.
— Hermann Bahr: Oe st erreich in Ewigkeit. Roman. 164 Seiten. Drosch. 2,50., Ganzleinen 4. Verlag Franz Dorgmeher, Hildesheim. (715) — Innerhalb der auf zwölf Bände berechneten Reihe romanhafter deutsch-österreichischer Kulturbilder, in denen Hermann Bahr ein objektiviertes Abbild der Menschheit und der Lebensmächte seines Zeitalters entrollen will, stößt der Dichter mit seinem neuesten (siebenten) Roman jener Domanfolge, »Oesterreich in Ewigkeit", bis mitten in die politische Problematik des seit dem Frieden von St. Germain von einer Krise in die andere stürzenden Donaustaates vor. Doch nie zuvor war Bahr so sehr politischer Dichter wie in diesem Werk, das gar kein „Roman" im üblichen Sinne genannt werden kann. Bahr bedient sich hier seiner Gestalten nur als Vermittler seiner Gedanken über .das österreichische Problem und die ihm vorschwebenden Möglichkeiten seiner Lösung.
— Das Volk am Meer. Roman von August Hinrichs. Verlag von Quelle & Meyer, Leipzig. Geb. 6 Mk. (546) — Der Autor legt hier einen Roman aus deutscher Vergangenheit vor. Dem Untergang geweihtes Land, die Stätte des heutigen Iadebusens, bildet den Schauplatz, auf dem sich der dramatische Derzweiflungskampf eines kleines Volkes freier Dauern gegen Datur- getoalt und Menschenübermacht abspielt. Alle Farben des Mittelalters leuchten aus diesem Roman, im bunten Tanz von Figuren und Schicksalen zieht das Leben der friesischen Dauern und Schiffer, der abenteuernden Eroberer, Seeräuber und Landsknechte in ihrer ursprünglichen und ungezügelten Derbheit an uns vorüber. Wuchtig und kernig wie das Volk an der Waterkant ist des Dichters mit derbem Humor gewü-z «Sprache. Dichts Weichliches, nichts Rührseliges. Die ganze Dichtung wirkt so naturwahr und echt, so zwingend und überzeugend, daß der ßefer bis zum Schluß gepackt bleibt.
— Theodor Obermeher. Roman von Wilhelm C n g e lk e. In Ganzleinen 10 Mark. (Verlag Georg Westermann, Braunschweig. 483). — Dieses Duch ist der Roman des rheinisch- westsätischen Zcchcngcbictes und seines märchenhaften Aufstiegs vor den neunziger Jahren bis zur Zehzeit. Cs ist die glänzend gelungene Typisierung der schwierigsten deutschen Arbe.tsland- schast in der phrasenlosen Persönlichkeit des Helden. Hier wird kein Leben vorgespiegelt, sondern Wirklichkeit gezeigt. Wilhelm Engelke wurde in Höxter im Westsalenlande geboren und lebt seit 1907 in Hamburg, zur Zeit als Lehrer an der Gewerbeschule. Er fand früh Interesse an der Industrie seiner Heimatprovinz, das noch gesteigert wurde, als sich ihm nach dem Kriege Gelegenheit bot, an der Hamburger Uni- versität Rechts- und Staatswissenschaften zu studieren und damit seine Kenntnis vollswirtschaft- licket Dinge zu vertiefen. In seinem Roman hat es der Verfasser mit Geschick verstanden, die
schwierigsten Wirtschaftsprobleme nicht nur allgemeinverständlich, sondern auch spannend zu gestalten.
— Dux. Ein Zirkusroman von Hans P o s s e n d o r f. 208 Seiten. Verlag der Münchner Illustrierten, Knorr & Hirth G. m. b. H., München. Geh. 3 Mt.. geb. 4 Mk. (722) - »Dux" ist ein Roman von ungewöhnlicher Spannung. Der Verfasser, der schon als Fünfzehnjähriger mit einem Zirkus gereift ist und auch später noch im Zusammenleben mit Clown, Dompteur und Artisten Herz und Leben des Zirkusmenschen stu- 'diert hat, zeigt uns das Leben rund um die Manege, wie es wirklich ist, führt uns in die Wohnwagen, in die Ställe und bringt uns das Artistenvolk menschlich näh r. Im Mittelpunkt der Handlung steht Bux, der berühmte Clown mit der Tiernummer.
— Konrad Beste: März. Roman. 310 Seiten 8°. Ganzleinen 7 Mk. — Georg Müller Verlag, München. (732.) — Beste, bekannt geworden durch die Erzählungen „Preisroman" und „Grummet", bietet hier die bisher reifste Frucht seines Schassens. In einer geläuterten Sprache gestaltet er aus der Fülle einer ungewöhnlichen Umwelt die Entwicklungskrise eines jungen Menschen.
— Hermann Wiedmer: Die Verwandlungen des Walter von Tillo. Roman. 479 Seiten 8°. Ganzleinen 9 Mark. — Georg Müller Verlag, München (731). — Dieser Roman behandelt ein schwieriges und heikles Thema; zwei Probleme laufen in der Erzählung zusammen, das des Hermaphroditismus und das der Wiedergeburt.
Der Maler Daumier.
— Eduard Fuchs: Der Maler Daumier. Zweite, durch einen umfangreichen Nachtrag vermehrte Auflage. Format Großfolio. 72 Seiten Text. 108 Textillustrationen. 6 Bildbeilagen und 560 Abbildungen auf 352 Tafeln, im ganzen also 674 Abbildungen nach Gemälden, Aquarellen. Plastiken und Handzeichnungen Ho- nor<5 Daumiers. Preis, vornehm in Leinen gebunden, 70 Mark, mit der Hand in Halbpergament gebunden 100 Mark. — Sonderausgabe des Dachtrags (Amfang 100 Seiten mit 158 Abbildungen), Preis in Pappband gebunden 20 Mark. Verlag STbert Langen in München. (723) — Das Werk „Der Maler Daumier" von Eduard Fuchs, das im Herbst 1927 erschien und seinerzeit ausführlich von uns gewürdigt wurde, hat einen in Deutschland ganz einzigartigen Erfolg gehabt. Während der Absatz von Kunstbüchern aller Art in Deutschland sonst seit Jahren völlig darniederliegt, ist die Erstauflage dieses Werkes nach knapp zwei Jahren schon vergriffen, so daß die zweite Auflage notwendig wird. Dieser große Erfolg wiegt um so schwerer, weil ein Buch von dieser Art natürlich nicht zu den ganz billigen gehören kann, und weil es nur ein begrenzter Kreis ist, für den sein Besitz eine unumgängliche Dotwendigkeit bedeutet. Trotzdem ist dieser Erfolg im Grunde nichts weniger als erstaunlich. Vor allem hat Fuchs hier als erster den unwiderleglichen dokumentarischen Beweis geliefert, daß Daumiers malerisches Werk ebenso reich wie vielseitig genannt werden darf. Der ungeheure neue Besitz, um den so die Kunstgeschichte bereichert wurde, ist aber außerdem noch durch den Text von Fuchs zu einem ganz starken Erlebnis für alle die geworden, denen Kunst das Lebendigwerden der großen Ideen und Kräfte bedeutet, darauf sich Fortschritt und Kultur der Menschheit aufbauen. 2 m Schlüsse des Vorwortes zur ersten Auslage sagte der Verfasser: „Ich
werde weiter forschen und suchen, und ich hoffe, dieser ersten Auflage recht bald eine zweite erweiterte folgen lassen zu können." Dies Versprechen hat nun seine Erfüllung gefunden, die wiederum eine neue Offenbarung über die gewaltige Gröhe des Daumierschen Werkes ist, und die zugleich erneut Zeugnis von dem Sammler- und Cntdeckeringenium gibt, das sich in Eduard Fuchs verkörpert. Am nicht weniger als rund 160 Dummern hat sich diese zweite Auslage gegen die erste vermehrt. Welch erstaunliche 2Henge von neuen Funden! And darunter welch große Zahl hervorragender, bisher unbekannter Meisterwerke! Daran reihen sich wichtige Wiederholungen und Variationen der Hauptwerke aus der ersten Auslage und eine ganze Anzahl Kompositionsentwürfe zu teils ausgesührten. teils im Entwurf steckengebliebenen Dildideen. So rundet sich durch diesen Dachtrag unser Begriff von Daumiers Schöpferkraft in aufschlußreichster Weise. Fuchs enthüllt uns ferner, daß das, was er allmählich an neuem Material zutage gefordert hat. zu einem Hauptteil aus den Werken besteht, die von Daumier selbst 1878 und von seinen nächsten Freunden 1901 in Paris der Oesfentlichkeit gezeigt worden sind. Ist schon der ersten Auflage dieses Buches der Ehrentitel eines Standardwerkes beigelegt worden, so wird der erweiterten zweiten Auflage wohl niemand diesen Ehrentitel streitig machen können. Schon der Dachtrag allein ist eine Leistung höchsten Ranges. And weil erst durch ihn das Werk von Fuchs über den Maler Daumier seine große Abrundung erhält, gibt der Verlag auch eine Sonderausgabe dieses Dachtrages heraus, die auf Wunsch zu mäßigem Preis an die Besitzer der ersten Qluf- läge abgegeben wird, soweit sie das Bedürfnis spüren, sich diesen Gesamteindruck gleichfalls zu eigen zu machen.
Politik und Geschichte.
— Georg Steinhaufen: Geschichte der Deutschen Kultur, III. gänzlich neu bearbeitete Auflage mit 151 Abbildungen im Text, 4 Tafeln im Farbendruck und 11 Tafeln in Aetzung. Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig. (542) — Das berühmte Standardwerk deutscher Kulturgeschichte in neuer Auflage, ist «in Ereignis, das hei der lleberflutung des Büchermarkts mit ähnlichen, anspruchsvoll auftretenden, aber nur wenig Hoffnungen erfüllenden Erzeugnissen besonders hervor- gehobett zu werden verdient. Steinhaufens Kulturgeschichte ist eine Geschichte des deutschen Menschen in der Entwicklung der Jahrhunderte und in der Wechselwirkung mit fremden Kulturen. Bei der außerordentlichen Fülle der historischen Details bleibt bei Steinhaufen doch immer der große Zusammenhang gewahrt und grade das macht das Werk auch für Laien zu einer Fundgrube der Erkenntnis, zumal auch die zahlreichen Abbildungen gut ausgewählt sind und das ganze Werk bis in die neueste Zeit fortgeführt wurde.
— Erich Koch-Weser, Deutschlands Außenpolitik in der Dachkriegszeit. Preis 2,50 Mk., Verlag Kurt Vowinckel, Berlin- Grunewald. (584) — Der Führer der demokratischen Partei widmet hier dem Andenken Stresemanns eine sehr klare, sehr nüchtern-reale Darstellung unserer Außenpolitik von Versailles bis zum Voungplan. Ohne falsche Aebertreibung, die zum Widerspruch reizen müßte, ohne gehässige Angriffe auf Andersdenkende, die nichts bessern würden, wird zurückgeschaut auf die wenigen Jahre, die uns von Versailles, dem Ruhreinfall und der Inflation trennen, und fest- gestellt. was erreicht wurde und was für die Zukunft noch zu tun bleibt.
— Kjell6n-H aushof er: D i e Großmächte vor und nach dem Weltkrieg. 22. Auflage der „Großmächte" Rudolf Kjellens, neu herausgegeben von Prof. Dr. K. Haushofer in Verbindung mit Prof. Dr. E. Obst. Prof. Dr. H. Hassinger und Prof. Dr. O. Maull. Mit 80 Kartenskizzen. Geh. 10 Mk., geb. 12 Mk. Verlag von D. G.-Teubner in Leipzig. (669.) — Die „Großmächte" Rudolf Kjellens sind von einem deutschen Forscherkreise für den 1922 verstorbenen großen schwedischen Gelehrten in der vorliegenden Fassung erneuert. Für die schwierige Aufgabe sind die besten Kenner der einzelnen Länder zugewonnen, die wir in Deutschland gegenwärtig haben. Professor Haushofer, der auch als Herausgeber des Gesamtwerles zeichnet, für Deutschland und Ostasien; Professor Hassinger für Oesterreich und seine Dachfolgestaaten, Italien und Frankreich; Professor Obst für England und Rußland; Professor Maull für Dord- und Südamerika. Soviel irgend von Kjellens Werk erhalten bleiben konnte, ist unverändert übernommen. Aber höher als der Buchstabe stand seinen Dachfolgern sein Geist. So mußte vieles anders gesetzt werden, damit Kjellöns Weltbild" seinem Geiste nach dargestellt und das Weiterentwickelte auf seinen Grundmauern gezeigt werden konnte. Besonders gilt das naturgemäß für die die Dachkriegszeit behandelnden Abschnitte, denen auch ein ausführlicher Abschnitt über Süd
amerika neu hinzugefügt ist. 80 sehr anschauliche Kartenskizzen und ein ausführlicher statistischer Anhang sind beigegeben. So ist es gelungen, das bedeutungsvolle Werk dem gegenwärtigen Stand der Dinge in jeder Beziehung anzupassen.
— Joseph Bernhart: Der Vatikan als Thron der Welt. Mit vielen Bildtafeln. In Leinen 12 Mark. Verlag Paul List, Leipzig. (711) — In der Stunde lebhaften Anteils der ganzen Welt an dem Ereignis zwischen Vatikan und Quirinal erscheint dieses Buch über das Papsttum. Es erzählt vom Werden und Wirken einer Weltmacht, der seltsamsten und dauerndsten in der Geschichte der Menschheit. Von den Tagen Jesu und seines erwählten Felsen Petrus bis zu den Lateranverträgen dieses Jahres entrollt sich Tat und Schicksal der geistigen Roma. Das logische Wachstum der kirchlichen Monarchie im Frieden und im Kampfe mit der Amwelt zweier Jahrtausende ist der Hintergrund des Kommens und Gehens. Segnens und Fluchens, Schaffens und Zerstörens der dritthalb hundert Männer, die den Römischen Stuhl verwaltet haben. Gleich einer Deltamündung verbreitet sich die Darstellung in die Gegenwart hinein und zeichnet in geschlossenen Kapiteln den Qluffcau der heutigen Kurie, ihre Aemter und Funllio en, Kard.nal->kollegium, Dapstwahl u. a. Der Schluß überblickt die weltpolliische Stellung des Römischen Stuhles in unserer Zeit.
— Zeitgenossen von M. - A. Albano v. Aus dem Russischen übertragen von R. Frhr. von Campenhausen. Mit 8 Vollblldern. Ganzleinen Mk. 9,50. Schlieffen-Verlag, Berlin W 35. (570) — In geistvollen Essays beschäftigt sich Aldanov, ein in Paris lebender bedeutender moderner russischer Schriftsteller, mit einer Reihe von Staatsmännern Frankreichs. Englands, Deutschlands und Ruhlands. Er schreibt keine Biographien, sondern versteht es, von jeder Persönlichkeit (behandelt werden u. a. noch Churchill, Ludendorff, Driand und Stalin) die hervorstechendsten Züge dem Leser plastisch vor Augen zu führen. Ob er Clemenceaus erstes Auf- treten auf den Barrikaden der Kommune, seine Rolle im Panamaskandal oder sein kraftvolles Handeln während und nach dem Weltkriege schildert, ob er den politischen Werdegang von Lloyd George oder die schrecklichen Greueltaten russischer Volkskommissare erzählt, stets ist der Leser gefangen von der scharfsinnigen Beobachtungsgabe und der Fülle charakteristischer Tatsachen, welche Aldanov mit feinem literarischen Geschmack niederzuschreiben versteht.
— Eduard Engel: Menschen und Dinge. Leipzig 1929. Koehler & Amelang, G. m. b. H. Ganzleinen 10 Mk. (682.) — In diesem Erinnerungswerk versucht Eduard Engel einen Querschnitt durch fünf Jahrzehnte deutscher Politik und deutschen Geisteslebens zu geben. In 90 Kapiteln befaßt er sich mit Kaisern und Königen, Staatsmännern, Gelehrten und Künstlern. Manches interessiert, anderes wird ebenso zum Widerspruch herausfordern, wie so vieles, was Engel früher geschrieben hat.
Aus fremden Literaturen.
— Gustave Flaubert: Dovember. Roman. Aebertragung und Dachwort von Ernst Sander. (Europa-Bücher) Elite-Verlag, Leipzig. (681) — In dem ausgezeichneten Nachwort zu seiner Aebertragung von Flauberts „Dovember", dem Erstlingswerk des großen französischen Realisten, das 1916 zuerst in deutscher Sprache erschien und begeistert ausgenommen wurde, seht Ernst Sander die Gründe für eine Deubearbeitung des Romans auseinander. Damals. 1916, ging der Erfolg vor allem vom Stil des Werkes aus; es war der Expressionismus. der in dem Pathos, dem rücksichtslosen Bekenntnis des jungen Menschen, seinen Klagen und Anklagen — sich selbst Wiedersand; der den jungen Flaubert gegen den alten Meister, welcher das eigene Ich in dem Werk völlig bei- seiteseht, ausspielen konnte. Heute gilt das Interesse nicht lo sehr dem Stil wie dem Inhalt: ein junger Mensch legt hier seine erste Entwicklung nieder, er schildert die Wunschträume des Halberwachten, das erste erotische Erlebnis, die Enttäuschung daran und seinen Diederbruch. Heute, wo gerade diese Probleme der Jungen im Vordergründe stehen, scheint die Zeit für Flau- berts „Dovember" besonders günstig. Sander weist in einer ebenso klar wie eindringlich geschriebenen Würdigung dem Iugendwerk seinen Platz im Schaffen Flauberts zu und gelangt an ihm zu tiefer Erkenntnis des Künstlers und Menschen Flaubert. Die Aebertragung ist sprachlich und in der Durchdringung des Stosses durchaus gelungen. G. Th.
— Hansine. Roman von Peter Egge. Aus dem Dorweg'schen übertragen von H. Goebel. (Geb. 6 Mk., Verlag von Quelle L Meyer in Leipzig. 650). — In „Hansine" hat der Autor einen ergreifenden Frauenkdman geschaffen, dessen hohes Ethos zur stärksten Anteilnahme zwingt. Das Leitmotiv ist der tapfere Kampf einer eilen Frauenseele gegen eine Welt von Verdächt'gung und Verleumdung, ein lebenslängliches Ringen um die Ehre, das die Heldin immer reicher und größer werden läßt, bis sie schließlich den Sieg davonträgt. Reben der feinen Gestaltung der Personen fesseln auch die anschaulichen Schilderungen der nordischen Landschaft, des Bauern- und des Stadtlebens. Das Buch, das in hohem Maße packt, wird mit Recht bei allen Lesern starken Anklang finden. Man kann ihm eine gute Empfehlung mitgeben.
Reisen und Abenteuer.
— China. Eine Landes-und Volkskunde. Von Professor Dr. G. Wegener. Mit 30 Abbildungen auf 16 Täfeln und 22 Textskizzen. Geb, 12 Mark. Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. (789). Das außerordentliche Interesse der gegenwärtigen Vorgänge in China läßt eine Zusammenfassung unlerer Kenntnisse von Land und Volk der Chinesen dringend ersorderich erscheinen. Landesnatur, Werdegang und Wesensart des Volkes, seine Kultur und seine Wirtschaft, seine Beziehungen zum Abend- land. endlich die gegenwärtigen Wirren werden in dem Dorliegenben Werk des bekannten Geographen ausführlich geschildert und dunch zahlreiche Abbildungen und Kartenskizzen veranschaulicht. So ist das Duch ein ausgezeichnetes Hilfsmittel zur besseren Deutung und zum weiteren verstehenden Verfolgen der Ereignisse im fernen Osten, deren Bedeutung für Deutschland und die Welt gar nicht zu überschätzen ist.
— Pfizenmayer, E. W., Jagd- und Volks bilder aus dem Kaukasus. Mit 75 Textabbildungen und einem Kupfertiefdruck. Verlag von Adolf Bonz & Comp. in Stuttgart. Geheftet 5.50 Mark. (540) — Der Verfasser war elf Jahre als Kustos am Landesmuseum in Tiflis beschäftigt und hat auf Jagd- und Studienfahrten Land und -Leute gründlich kennen gelernt. Schlicht und anschaulich schildert er seine Erlebnisse und Begegnungen, und an Hand eines reichen Bilderschatzes erlebt'ber Leser packende Reiseeindrücke. Längst versunkene gewaltige Städte erstehen wieder neu. Uralte noch heute besuchte Opferstätten werden gezeigt und die berühmten Jagden des Großfürsten Nikolaus Michajlowitsch miterlebt.
— Wladimir von Hartlieb: Das Antlitz der Provence. Reise durch Südsrankreich. Verlag von Georg Müller, München. (675) — Der Titel ist irreführend, Landschaft, Kultur und Kunst der Provence sind fast zur Staffage degradiert, vor der der Verfasser in Aphorismen über sich und das Leben plaudert, gelegentlich deplaciert, oft zum Widerspruch reizend, aber wer die Provence kennt und in dem Buch nicht sucht, was der Verfasser nicht geben will, wird mit dem Buch einige besinnliche und amüsante Stunden haben.
— CamilloTeltz: ZurSee. Erlebnisse eines Seeoffiziers auf Schiffen und Meeren. 312 Seiten 8°. Ganzleinen 6 Mark. Wilhelm Kähler Verlag, Minden i. W. (662.) — Ein Seeoffizier von echtem Schrot und Korn und ein guter Deutscher erzählt hier seine bewegte und interessante Laufbahn. Der Verfasser gibt hier ein Bild des Lebens in der alten Kaiserlichen Marine. Wir erleben das Werden und mächtige Heranwachsen der deutschen Flotte mit, mir begleiten den Verfasser in Flottenmanöver und auf landsreisen der Flotte. Die Friedenszeit führt ihn in die ganze Welt. Bei Kriegsausbruch finden wir ihn in Ostasien auf wichtigem Posten. Unter abenteuerlichen Umständen schlägt er sich über Amerika in die Heimat durch. Neun Bildtafeln mit 30 wirkungsvollen Bildern sind dem Buche beigegeben.
— Joses Magnus Wehner: Das Land ohne Schatten. Tagebuch einer griechischen Reise. Verlag Georg Müller, München. (676) — Der Spaziergang eines Deutschen durch das antike, mittelalterliche und moderne Griechenland. Bildnisse und Architektur, Landschaft und Menschen, Tempel, Klöster, Meer und Licht werden dem Leser nohe- gerückt.
— Burghard Breitner: Mormonen und Medizinmänner. Amalthea Verlag in Wien. (579) — Der Verfasser berichtet fesselnd über eine ärztliche Informationsreise nach den Vereinigten Staaten. Die bunten Erlebnisse geben ein interessantes Bild des modernen Amerika im Spiegel eines modernen Europäers.


