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Daten für SamStaq, 18. Januar.

1576: der Schuhmacher und Poet Hans Sachs in Nürnberg gcftorben; 17^6: James Watt, Ver­besserer der Dampfmaschine, in Greenock geboren; 1809: der Dichter Eogar Allan Poe in Boston ge­boren (gcftorben 1849); 1836: Generaifeldmar- schall Graf von Hacseler auf Gut Harnekop bei Wriezen geboren; 1839: der französische Maler Paul Cezanne in 2Iiro, Provence, geboren; 1863: der National^konom Werner Sombart in ©ms- leben geboren; 1874: der Dichter A. H. Hoffmann (von Fallersleben) in Corvey gcftorben; 1927: Kaiserin Charlotte von Mexiko bei Brüssel ge­storben.

Bornotizcn.

Tageskalender für Freitag. Stadt­theater: ,Aarl und Anna", 20 bis 22.15 Uhr. Ocffentlicher Vortrag:Bedeutung der neuze.tlichcn Naturkatastrophen", 8 Uhr, im Gcsangsaal des Real­gymnasiums. Verein Rudersport Gießen 1913 e. V.: Monatsversammlung, 8.80 Uhr, im Bootshaus. Lichtspielhaus, Bahnnofstraße:Das Schicksal derer von Habsburg". Astoria-Lichtspiele:Das Verbrechen auf der Teufelsburg".

Stadttheoter Gießen. Aus dem Stadt- theaterbureau wird uns geschrieben: Heute, 20 Uhr, findet die Uraufführung von Leonh. Franks Schauspiel Karl und Anna" statt. Spielleitung: der Intendant. Bühnenbilder: Karl Löffler. In den Hauptrollen: Lieselotte Fuhrmann, Franz Arzdorf, Edelbert Gar- eis. Als Frcmdenvorftcllung am Sonntag, dem 20. Januar, findet bei ermäßigten Preisen, B ainn 18 Uhr, die fünfte Vorstellung von Bayard Deillers erfolgreichem Krim nalstuckDer Prozeß Mary Dugan" statt. Die erste Wiederholung von Leon- Hard Franks Schauspiel ,.Star( und Anna" geht am Dienstag, 22. Januar, in Szene.Flachsmann als Erzieher", das bewährte Lustspiel von Otto Ernst, dessen Neuinszenierung bei P iblikum und Presse großen Beifall fand, wird am M ttwoch, 23. Januar, erstmalig wiederholt. Am Freitag, 25. Januar, Nathan der Wesse". Nathay: Edelbert Gareis.

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** Eine verkehrsfeindliche Maß- nähme der Reichsbahn? Wie verlautet, soll die Reichsbahnverwaltung sich mit der Absicht tragen, die schnellen Nachtverbindunaen von Berlin und von Hamburg über KasselGießenFrank­furt a. M. nach Basel, und umgekehrt die jetzt als l)-Züge bestehen, in b v - Z ü g e umzuwandeln. Da die FD=3üge als besonders schnellfahrende Zuge mit wesentlich höheren Reisezusch'.ägen als gewöhnlich belastet sind, würde diese Maßnahme eine erheb­liche Verteuerung für die Reisenden dieser Zuge zur Folge haben. Diese Zugpaare sind n cht nur für Gießen, sondern auch für die Orte der oberhessischen und preußischen Anschlußstrecken von großer Be- deutung. In weitesten Bevölkerungskrelsen würde man cs nicht verstehen, wenn die Reichsbahn tat­sächlich die Benutzung dieser Zuge, die bisher auch tm Kurzstreckenverkehr recht rege war, verteuern würde Hoffentlich äußert sich die Re.chsbahnver- ronltung umgehend zu dieser Mitteilung. Man darf sicher damit rechnen, daß sich die Verkehrsorganisa­tionen und die Handelskammern mit Nachdruck gegen einen solchen verkehrsfeindlichen und un- sozialen Plan wenden werden.

* Kinder und Kriegsbeschädigte können wieder billiger reifen. Die Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahn hat soeben zwei Verfügungen herausgegeben, durch die im wesentlichen die letzte Tariferhöhung, we­nigstens für Kriegsbeschädigte und erholungsbe­dürftige Kinder, wieder ausgeglichen wird. Die

Reichsbahn dehnt die Preisermäßigung auch auf die Kriegsbeschädigten aus, die auf Grund des I sog. Härteparagraphen versorgungsberechtigt sind, I d. s. diejenigen, die nachträglich eine Anerken- ! nung von Körperschäden und Krankheiten als mit dem Kriege zusammenhängend bestätigt erhalten haben. Roch weitgreisender ist die Ermäßigung der Fahrpreise für zur Verschickung gelangende Kinder. Sie müssen den vierten Teil des Fahr­preises der 3. Klasse entrichten, zahlen aber fortan nur den halben Schnellzugszuschlag. Beide Verfügungen der Reichsbahnyauptverwaltung treten mit soforttger Wirkung in Kraft.

Postautofahrten von Gießen zum Hoherodskopf veranstaltet das Postamt Gießen am morgigen Samstag und am kommenden Sonn­tag. Der Fahrpreis für Hin- und Rückfahrt ist auf 5 Mark je Person bei freier Beförderung des Sport- gerätp festgesetzt. Interessenten seien auf die heutige Anzeige besonders hingewiesen.

Wege zum geistigen und sitt­lichen Ausstieg Deutschlands, lieber dieses Thema sprach am Mittwochabend Sani- tätsrat Dr. Bonne, Obergeneralarzt a. D., im großen Hörsaal der Universität vor einer zahl­reichen Zuhörerschaft. Der Redner warf zunächst die Frage auf. wie es möglich war, daß Deutsch­land so in Rot und Armut versinken konnte. Wenn man in Rot sei, müsse man überlegen, wie man hineingelommen sei und wie man wie­der herauskomme. Es fehle an der brüderlichen Gemeinschaft der Menschen untereinander und auch mit Go tt Niemand kümmere sich um seinen Nächsten, jeder sorge für sich. DaS Partei­unwesen zersplittere unser Volk mehr und mehr, es fehle der Gedanke der wahren VolkLgem'ttn- scha t. Es komme nicht auf die Verfassung an, sondern auf das Wissen und Gewissen der Führer unseres deutschen Volkes. Die Irrenhäuser, die Idioten- und epileptischen Anstalten seien ge­fügt mit K.anken, di: ihr Siech.um dem Alkohol und Nikotin zu verdauten hu^en. Diele Men­schen seien sich nicht bewußt, welche schädlichen Wirkungen Attchol und Nikotin, wenn im Heber« maß genossen, auf die Gehirn- und Keimzellen ausübe. Auch die Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten (Tuberkulose, Syphilis usw.) werde durch diese Gifte geschwächt. Viele Verbrechen seien auf die Auswirkungen von übergroßen Alkohol- und Tabakgenutz zurückzuführen. Cs sei nicht zu verstehen, wie auf der einen Seite drückende Wohnungsnot herrsche, während auf der anderen Seite ein Heer von Arbeitslosen sein Dasein friste. Wir sollten 21/2 Milliarden für Reparationen bezahlen, die wir nicht aufbringen könnten. Dabei gebe das deutsche Volk allein für Alkohol jährlich 5 Milliarden aus, für Ta­bak weitere 2 Milliarden, während weitere 3 Milliarden für Gesängnisse und Zuchthäuser auf­gebracht werden müßten. Unsere Feinde wären der Auffassung, daß es uns noch gut ginge, zumal der Alkohol- und Tabakverbrauch in den letzten Jahren wieder erheblich zugenommen habe. Wollten wir aus unserem Elend herauskommen, so müßten wir die seither für Alkohol und Ta­bak verwendeten ungeheuren Summen zur Er­füllung sozialer und kultureller Aufgaben frei­machen. Die Ausführungen des Vortragenden wurden durch eine größere Anzahl Lichtbilder er­gänzt, die teilweise statistisches Material über den Alkohol- und Tabakverbrauch in Deutschland, so­wie deren Auswirkung In gesundheitlicher und kriminalistischer Hinsicht brachten, zum Teil auch zeigten, tote man mit verhältnismäßig geringen Mitteln die Wohnungsnot praktisch bekämpftt

Schöffengericht Gießen.

Gießen, 16. Ian. Ein früherer Unter» offizier im hiesigen Bataillon hatte sich wegen Mihbrauchs der Dienstgewalt zu ver­antworten. Der militärisch überaus tüchtigeMann, der eine ungewöhnlich rasche Karriere hinter sich hatte und unmittelbar vor einer weiteren Beför­derung stand, hat, wie die Beweisaufnahme (un­ter Ausschluß der Oeffentlichkeit) ergab, unter dem Einfluß des Alkohols in zwei Fällen seine dienstliche Stellung zu unsittlichen 3umuhtn ten gegen Untergebene mißbraucht. Die Strafe lautete auf zwei Monate Gefängnis und De­gradation. Außerdem ist er fristlos entlassen worden.

Eine Kontoristin von hier, die sich als Leiterin der Filiale einer Kunststopferei mit dem geringen Gehalt von 6D Mark im Monat begnügen mußte, hat Rechnungen über Kohlenlieferungen gefälscht und falsch verbucht; einen Gesamtbetrag von e toa 21 Mark, den sie sich so erschwindelt hatte, hat sie nicht abgeliefert. Sie war in vollem Umfang geständig. Sie mußte wegen schwerer Ur­kundenfälschung und Betrugs bestraft werden, und erhielt die gesetzliche Mindeststrafe von einer Woche Gefängnis.

Gleichfalls je eine W 0 cye Gefängnis wegen schwerer Urkundenfälschung er­hielten ein Landwirt und ein Schmiedemeister von Dortelweil. Der ßanötoirt hatte bei einer gericht­lichen Erbauseinandersetzung eine Rechnung des Schmiedemeisters vorgelegt, die dieser auf dessen Wunsch um 103 Mark erhöht hatte. Ein Mtteröe sollte um diesen Betrag geprellt werden. Auch hier erfolgte Verurteilung zugleich wegen Be­truges.

Kirche und Schule.

rtt Hungen, 15. Ian. Die evangelischen Geistlichen des Dekanates Hungen traten gestern hier imSolmser Hof" zu der ersten Pfarrkonferenz des neuen Lahres zusammen, die unter dem Vorsitz von Dekan Engel, Obbornhofen, gehalten und von Pfarrer Naumann, Melbach, mit einer Andacht er­öffnet wurde. Nach der Erledigung amtlicher Angelegenheiten und Mitteilungen des Deko nates hie t Pfarrer K ö d d i n g, Eberstadt, einen Vortrag über die kirchliche Trauung. Der Vortrag fand lebhaften Beifall.

Berliner Börse.

Berlin, 18. Jan. (WTB. Funkspruch.) Ohne daß allerdings schon von einem größeren Geschäft die Rede sein kann, ist die Tendenz im heutigen Früh­verkehr im Anschluß an Neuyork freundlicher. Man hört an Kursen Farben etwa 262,5 v. H., Siemens 407 und Charlottenburger Wasser auf die Dioiden- denerhöhung mit 133 (Geld). Von dem heute er­scheinenden Neichsbankausweis erwartet man eine weitere starke Entlastung.

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Aus der Provinzialbaupisiadi.

Gießen, den 18. Januar 1929.

Oer Wert des Zugendrvanderns.

Unsere heutige Iugsnd treibt bei weitem mehr Sport und wandert viel mehr, als dies die vor­hergehende Generation tat. Während aber der Sport in vielen Kreisen Interesse begegnet, ist dies leider dem Iugendwandern gegen­über bis jetzt nicht in gleichem Maße der Fall. Zwar hat man für die Schulen den monatlichen Wandertag eingeführt, zwar unterstützen Be­hörden und Vereine die für die Jugend so nötige, wohltuende körperliche Betätigung, doch steht ein großer Teil der Devilkerung dem Iugendtoan- oern noch wenn auch vielleicht nicht ablehnend, so doch teilnahmslos gegenüber. Fragt man sich, woher das kommt, so erkennt man, daß der Reiz des Sports für sich darin liegt, daß er mit seinen Wettkämpfen, auf die er leider doch nur zu oft hinausläuft, jedem eine gewisse Sensation verschafft, weil er, auch wenn er selbst nicht dabei tätig ist, doch als ^passives Mitglied", als Zu- ichauer an all der Aufregung eines Kampfes leilnehmen kann. Das ist allerdings beim Iugend- wandern nicht möglich. Aber kann nicht auch hier jeder einzelne Freude empfinden und sich selbst jung fühlen, wenn er eine Schar frischer und froher Mädels oder Iungen auf ihren Wande­rungen sicht, sonnengebräunt, kräftig und gesund, die Augen hell und strahlend?

Und noch etwas: Während der Sport auch bei Den daran Beteiligten oft doch nur zu sehr zu einer einseiligen Betonung körperlicher Geschick, lichkeit, ja oft zu einer Rekordsucht wird, fällt das beim Wandern ganz fort. Hier sind es abgesehen von der körperlichen Ertüchtigung ungeheuer starke innere Werte, die geschaffen werden. Pflege deö Kameradschaftslebens, innere Erhebung und Freude im Erleben der Natur, Kennenlernen der verschiedensten Teile deS Vater­landes. Eindringen in Volkscharaktere, Rückkehr zur Einfachheit und Dolkssitte, z. B. in alten Volkstänzen. All das bewahrt unsere Iugend vor der leider zu oft in Erscheinung tretenden Ueberkultur. ilnö diesesHinaus in die Natu r", daS seinen Ursprung in der Wander­vogelbewegung hat und von dem Verband für Deutsche Jugendherbergen planmäßig weiter aud- aebaut wurde, hat unsere Jugend heule tatsäch­lich ergriffen. Ihr dabei zu helfen, ist Pflicht der Allen.

Diel Gutes ist mit der Schaffung von Jugend­herbergen bereits geschaffen; man hat alte Schlös­ser und Burgen auseöaut und unferer Jstrgend dort im Zauber der allen Romantik eigene Heime gegeben. Andere Herbergen aber lassen doch manchmal noch allerlei zu wünschen übrig, da der Verband für Deutsche Jugendherbergen trotz größter Anstrengung oft die nötigen Mittel nicht ausbringen kann, um allen Wünschen gerecht au werden: das Aeutzere oft kalt und nüchtern, o-a man sich ja häufig mit alten Kasernen, Baracken usw. begnügen mußte; innen oft Mangel an Be­leuchtung und Heizgelegenheit, die älebernach- tungSgelegenheit noch nicht überall hygienisch ein- waichfrei (Bettwäsche oder Schlafsack), und letzten Endes das, wodurch sich die Jugend dort erst wohlfühlen kann: Helle, lichte, farbenfreudige Räume, gemütliche Einrichtung, einfacher, aber künstlenscher Bilderschmuck. Jeder, der ein Herz für die Jugend hat, kann hier mllhelfen, daß es besser werde. K.

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