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Nr. <92 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Samstag, (7. August 1929

und dem

3d) durchstreife alte verlotterte Gärten, grüne Lauerngärten, muffige Bürgergärten, Gärten um verschollene Schlohgüter, Gärten, die der ©über» staub vermooster Mühlen stäubt. Gärten, die in der Gnadenlosigkeit der Sonne verdursten, Gärten, über denen Resedaduft wie eine Wolke schwimmt, Gärten, die ein lustiger Bach durch» läuft, Gärten, die schweigsam sind und alt. die keine Hand berührt und kein Fuß betritt; hun- Gärten und tausend Gärten an blitzenden Sommermorgen, schwülen Rachmittagen und laut­losen Abenden habe ich besucht, um ihre feurige und strenge Lanze zu finden, wie sie sich aus einer zerklafften Steinfalte im Gemäuer erhebt und wie ein Diadem über dem Wucherkraut des blauen Ratternkopses oder des gelben Mauer­pfeffers blitzt.

3n der Hand des Zwcrglönigs must sie dia­manten funkeln, und um den Sarg des wun­derbaren Schneewittchens haben ihre Fackeln ge­brannt. Sn meine Kinderträume senkten sie ihren gelben Schein nach den wilden und einsamen Rachmittagen, an denen ich mit meiner Schwe­ster Windis im Walde war und nach blauen Perl­mutterschmetterlingen jagte. Da stand ihre Ker­zen hoch über unseren kleinen Kinderaugen und sie schienen uns bis in die azurene Bläue zu wachsen, wo der Bogelflug begann und eine Wolke im milden Winde war.

Ihr Dlütenauge scheint wie dünnes geblasenes Glas zu blinken, aber es ist zart wie Samt, und das große handartige Blatt, das übereinander geschichtet und ziegelartig sich über dem Boden erhebt, hat etwas Stoffliches. Wolliges. Wär­mendes. Ihr oberer Schaft ist mit Blütenköpfen übersät, nie brechen sie gleichzeitig auf, an einem Morgen ist der oberste Knopf aufgesprungen, am nächsten Morgen glüht die Mitte gelb, am über­nächsten haben sich wieder andere Köpfe geöffnet. So steht sie wie eine ewige Kerze im stetigen Feuer des Entzündetseins und der Sonnenselig, leit. Sie flammt auf. wenn der Sonnenball seine höchste Dahn durchläuft, in ihrem Gelb scheint ein Atom Feuer von jenem zu glühen. Sie ist das Zepter der Sonnenherrschaft, der heißen Sommermitte, der satten verführerischen Juli- nacht, der sengenden Glut und der unbewegten, grillendurchzitterten Sommerstille.

wird, diese Arbeit zu unternehmen. Aber es macht sich bereits, wie ein römischer Bericht­erstatter hervorhebt, eine gewisse Enttäuschung über das ganze Unternehmen bemerkbar. Man macht sich ein recht trübes Bild davon, wie der einst so liebliche See aussehen wird, wenn das Wasser bis zur Tiefe des zweiten Schiffes ab­gelassen sein wird. Bor allem erwecken aber auch bieSchätze", die bisher gefunden worden sind, keine große Zuversicht für die Zukunft. Bisher sind es eigentlich nur ein Medusenhaupt, drei kleine Wolfsköpfe, die völlig den vor 20 Jahren im Rernisee gefundenen gleichen und jetzt im Rationalmuseurn in Rom aufbewahrt sind, und ein Löwenkopf, während das Schiff selbst nur ein Wrack ist. mit dem kaum noch viel anzu- fangen sein dürfte.

nanzielle Leben aller europäischen Rationen eingeräumt wurde, daß sie Kre­dite unter den einzelnen Rationen nad) eigenem Gutdünken verteilen darf, daß sie nach ihrem Er­messen einige unterstützen, andere vernachlässigen darf und daß ihr die Erschließung von Ländern übertragen wurde, deren industrielle Entwick­lung noch im Rückstand ist.

Man kann die Experten, die alle diese Folgen vorausbesehen haben und vor ihrer Verantwor­tung nicht zurückgeschreckt sind, nur bewundern, besonders, wenn man weist, daß die meisten Be­stimmungen mit der Absicht entworfen wurden, die Ausübung dieser neuen Souveränität zu er­möglichen. Die Großzügigkeit ihrer Auffassung hat ihnen die Kraft gegeben, die Verantwortung ju übernehmen. Die Frage ist nur, ob die Ra­tionen ihrer Führung folgen sollen, indem sie es zulassen, daß eine Versammlung von 23 Dank­leuten die Regierung der Welt mit Hilfe der Hebel der Haute Finance übernimmt.

Stellen wir die Frage der Verantwortlichkeit trotz ihrer großen Wichtigkeit einen Augenblick zurück. Wenn der Generalrat der Weltbank einen Fehler in der Führung des europäischen Wirtschaftslebens machen würde, so würde sich hieraus sicherlich sehr bald eine schwere Krise ergeben. Freiheit und Wettbewerb durch Kredit­maßnahmen zu unterbinden, kann unter Um­ständen ein recht kostspieliges Experiment fein. Liber über diese technische Gefahr hinaus handelt es sich hier um die Frage der moralischen und politischen Folgen. Das gesamte Leben der euro­päischen Rationen beruht auf dem Prinzip der staatlichen Souveränität. Der Staat hält die oberste Macht in Händen, das Wirt­schaftsleben zu regulieren, indem er die Roten­banken durch verschiedene Maßnahmen f en­troll i e r t. Eines dieser Mittel ist die Wahl des Präsidenten der Staatsbank. Der Weltbank­plan sieht hier eine völlige Wandlung seiner Stellung vor. Wenn ein solcher Staatsbank- Präsident in das Direktorium der Ueberbanf mit ein oder zwei seiner Kollegen, die von ihm gc* wöhlt werden, eintritt, so gibt er damit seine hochstwrchtige Rolle als vertraulicher Treuhänder seiner Regierung auf, um Mitglied eines aus nur wenigen Personen bestehenden mächtigen Gremiums zu werden, das unter gewissen Um- ftänten einen unerwünschten Druck auf feine eigene Regierung ausüben konnte. Durch cm tückisches Spiel der Umstände könnte er so eine Macht erlangen, die größer ist als die Macht, die ihn selbst in den Sattel hob. Ganz gleich wie patriotisch und von einem wie großen Verantwortlichkeitsgesühl der Öffentlichkeit gc- genüber getragen ein solcher Bankpräsident sein

tciligtcs" Zusehen Amerikas, wenn im Haag die europäischen Staaten miteinander streiten, nur noch eine Fiktion ist? Diese kann sich, wird sich bestimmt zunächst dahin auswirken, daß tatsächlich Amerikas Beobachter iin Haag keinen aktiven Anteil nimmt. Auf die Dauer, worunter wir keineswegs eine lange Zeit verstehen, kann ober die Fiktion nicht aufrecht erhalten werden. Mag fein, daß aus Zufall beides so zusammentraf: der Versuch, unter Amerikas Führung die inter­nationale Verschuldung im ganzen auf Jahr­zehnte zu regeln, und der Versuch, vom ameri­kanischen Binnenmarkt die fremde Konkurrenz so gut wie auszufchließcn. Daß das so zusammen» kam. wird seine Wirkung auf die öffentliche Meinung in Amerika tun. Aber kämpfen, sehr ernstlich kämpfen müssen werden diejenigen, die in diesem Lande weit genug sehen, um zu wissen, daß jene Fiktion nicht mehr zu halten ist und als deren Exponent Präsident Hoover an der Spitze des Staates steht!

Enttäuschung am Aeniisee.

Dor kurzem wurde zum ersten Male ein Taucher auf den Grund des Remisees hinab» gelassen, um die Lage des zweiten der alten kaiserlichen Schiffe, die jetzt freigelegt werden sollen, genau festzustellen. Dem Taucher gelang es. in einer 'Tiefe von 15 Meter unter dem gegenwärtigen Seespiegel, der bereits etwa 7 Meter gesenkt ist, die Lage des Schiffes genau zu bestimmen. Da es bereits 10 Monate ge­dauert hat, durch Aaspumpen den Spiegel des Sees um 7 Meter niedrigerzulegen, so berechnet man jetzt, daß es bei gleichem Fort» schreiten der Arbeiten bis zum Frühling 1931 dauern wird, bevor das zweite Schiff aus dem Wasser ouftoucht, wenn der Beschluß gefaßt

Run ist die Lage heute noch für die Vereinigten Staaten ganz befriedigend. Die Handelsbilanzen der europäischen Länder sind gegenüber den Ver­einigten Staaten fast ohne Ausnahme passiv. Der Verkehr mit Deutschland hatte nach ameri­kanischer Statistik diese Zahlen: amerikanische Ausfuhr nach Deutschland 467 Millionen Dollar, deutsche Ausfuhr nach den Vereinigten Staaten 222 Millionen Dollar. Heber das Doppelte ver­kauft Amerika mehr an Deutschland als Deutsch- land dorthin zu verkaufen in der Lage ist. Dieses Verhältnis ist auf eine längere Zeit f ü r Deutschland unmöglich. Cs hat keine Mittel, um diese passive Handelsbilanz zu decken. Woraus soll cs auf die Dauer dieses Defizit ausgleichen? Dazu kommt, daß Deutschland so­wieso den Vereinigten Staaten hoch verschul­det ist infolge der Anleihen, die cs seit 1914 bis jetzt aus der Union erhalten hat. Dazu kommt vor allem, daß. wenn der Doung-Plan angenommen ist, ein Zusammenhang zwischen der deutschen Reparationszahlung an Frankreich, England usw. und den interalliierten Schulden hergestellt ist, Deutschland also hier indirekt noch mehr in die Rolle des Schuldners der Ver­einigten Staaten einrückt. Wie soll cs diese Ver­pflichtungen aufbringen, wenn cs nicht in der Gage ist, das durch den Ueberschuß sei­ner Ausfuhr herauszuwirtschaften?

Diese Schwierigkeit, die Zentralfrage des Dawes-Plans, hat schon 1924 Moulton. der be­kannte unabhängige Vorkämpfer einer rationellen, wissenschaftlich begründeten Weltfinanzpolitik, klar erkannt mit dem Hinweis, daß Deutschland nur mit Exportüberschüssen die Dawes-Zahlun­gen aufbringen könne, daß aberim Hinblick auf die Tarif- und Handelspolitik der Welt, deutsche Güter, in denen Deutschland am stärksten pro­duktiv sei, nirgends in großen Quantitäten erwünscht" seien. Das ist, wie gesagt, das Zentralproblem des Dawes-Planes, der deut­schen Rcparationsfähigkeit, und bleibt auch das des Poung-Plans. Es kann nicht gelöst werden, wenn der deutschen Ausfuhr durch die Zollpolitik der Vereinigten Staaten ein ganz großes Wirt­schaftsgebiet immer stärker verschlossen wird. Das muß zu einer schweren Krisis führen. Das muß auch ganz selbstverständlich zu der üeberlegung in Deutschland führen, nun im Verkehr mit den Vereinigten Staaten auch seine Zölle zu steigern, weil ein anderes Verhältnis für Deutschland mit seiner passiven Bilanz gegen­über Amerika eine von uns nicht zu verant­wortende Bankerottwirtschaft wäre. Dann wird natürlich auch überlegt werden, auf welchen Ge­bieten Deutschland seinen Bedarf in den Ver­einigten Staaten einschränken kann.

So liegt also das Problem für Deutschland am schärfsten und härtesten, weil es die große Last seiner Schulden, Zinsen und Kriegsverpflich­tungen hat. Aber es gilt auch für die an­deren europäischen Länder. Wenn die amerikanische Ausfuhr 4,8 Milliarden Dollar im ganzen beträgt, so sind 467 Millionen Dollar nach Deutschland ein nicht unbeträchtlicher Posten Gliedert man den Außenhandel der Vereinigten Staaten in die Gebiete.

1. Kanada und das ganze übrige Amerika,

2. Ferner Osten,

3. Europa einschließlich Rußland und des euro­päischen Teils von Großbritannien,

so ergibt sich, daß Europa im ganzen trotz seiner Zerrüttung als Folge des Krieges heute immer noch beinahe die Hälfte der amerika­nischen A u s s u h r äufnimmt. Durch diese Entwicklung ist die Erörterung immer mehr in Gang gekommen, ob sich nicht die europäischen Staaten auch in sich zollpolitisch mehr zu­sammenschließen sollten. Die beste Formulierung dieses Problems ist seinerzeit auf der Welt­wirtschaftskonferenz in Genf von dem Engländer Lahton gegeben worden, als er an den dort an­wesenden amerikanischen Vertreter die Frage rich­tete, wie man sich in den Vereinigten Staaten gleichzeitig als möglich dächlc: gewaltige Men- I

Die Königskerze.

Von Anton (Schnack.

Ich durchstreife jetzt alle Wälder, aber nur jene Wälder, unter denen der Sand verschüt­teter uralter Flußbette wie Feuer in der Sonne glüht, um zwischen Ginster und Gestrüpp, um­flattert vom melancholischen Flügel des Trauer­mantels, ihre stolze und absonderliche Schönheit und Hoheit zu finden, von der ich glaube, daß sie ein uralter und verschollener Waldkönig auf einem Jagdzug, wo er sie als Zepter trug, ver­loren hat.

3ch sah sie einmal in einem lothringischen Garten, unter dem Baldachin schwermutsvoller Kastanienbäume lag ein heimliches, unbewegtes Wasser. Ich sah den seltenen schwarzen Schwan darauf, ein Sinnbild der Trauer und der Ein­samkeit; nah am Rand des verdunkelten Gewäs- fers, mitten im Schutt der zerbröckelnden SKaiier stand eine Königskerze wie ein riesenhafter Leuch­ter. ganz im Schein dcr Sonne, die mit un­widerstehlicher Flamme in den Schatten der Bäume, Statuen und Mauern einbrach. Da stand fte wie eine feurige Fackel, blitzend wie eine gül» oene Standarte, herausgelockt aus Stein, Moder und Geröll von der Magie der Sonnenkraft, und fchren mit ihrer Krone aus Gelb und Helle, das Jnsigmum des schwarzen Schwans zu sein, der Iidjer ein verzauberter Königssohn war und müde und lautlos über dem Wassersviegel trauerte und auf die Prinzessin im roten Schuh wartete, deren jungfräulicher Kuh ihn aus seinem tiefen und lahrhundertealten Dann erlösen würde.

Hochschulnachrichten.

Professor Dr. Hermann Pongs in ®ro- (Holland) hat einen Ruf auf den Lehrstuhl der deutschen Literaturgeschichte an der technischen Hochschule in S t u 11 g a r t als Rach- folger von Prof. Theodor A. Meyer zum 1 Ok­tober 1929 angenommen. Der aus Odenkirchen irn Rheinland gebürtige Literarhistoriker Dr Pongs gehört seit 1922 dem Lehrkörper der Marburger Philosophischen Fakultät an wo er 1927 zum außerordentlichen Professor be­fördert wurde. Zur Zeit wirkt er als Lektor in Groningen. Seine Arbeiten betreffen be­sonders Stilgeschichte der Deutschen Literatur

Die philosophische Fakultät der Universität Frankfurt hat den Pfarrer Louis Pinck zum Hambach in Lothringen wegen seiner Ver­dienste um die wissenschaftliche Erschließung des deutscheit Volksliedes zu ihrem Ehrendoktor er­nannt. Drei neue Privatdozenten haben sich in der naturwissenschaftlichen Fakultät der Uni­versität Frankfurt habilitiert: Dr. Egon Lorenz (aus Breslau) für das Fach der Phy- sF> Dr. Georg Hahn (aus Frankfurt) für das Sach der organischen Chemie, und Dr. Boris y f£r das Fach der Physik und der Physikalischen Grundlagen der Medizin. Das Ordinariat der Soziologie an der Universität & a 1- l L dem Hosrat Dr. jur. Friedrich Hertz im Bundeskanzleramt in Wien angebo- ten worden. Der Privatdozent Dr. Walter Bj ör kmann in Hamburg ist als Rachsolger von Prof. G. Kampffmeyer zum Lehrer und Pro- feNor des Arabischen am Seminar für orienta* lifcße Sprachen in CB er I i n berufen worden.»

3ch führte Amalthea, die süße Hirtin, aus den Ställen der Lämmer und Ziegen, über das feilte Geröll tief in den Traum und die Stille der Wälder ein, da wußte ich eine Oedung, die vielleicht der Fuchs durchpirschte und das Reh durchäugte, aber kein Mensch betrat. Ich hatte olesen Platz in meiner guten Knabenzeit gefunden, gegen Abend, als ich einen ganzen glühenden Rachmittag durch die sonnenlohcnden Kiefer-

Jn den letzten Jahren, als der Dawes-Plan durchgeführt wurde, wurden technische Schwierig­keiten des Transfers regelmäßig durch Aus- sbr?Hen gelöst, die zwischen den Gouverneuren, Präsidenten und Leitern der großen Rotcn- banfen und dem Generalagenten für Repara­tionszahlungen stattfanden. Es ist durchaus er­klärlich, daß es den Urhebern des Voung-Plans wünschenswert erschienen sein mag, diese Ver­bindung der Banken in ihrem Charakter dauern­der zu gestalten. Dieser Wunsch konnte jedoch in einer etwas weniger ehrgeizigen Form durchgeführt werden. Ein Bureau für inter­nationale Zahlungen, das mit der Reichsbank, der Bank von England, der Bank von Frankreich usw. alle nötigen Informationen austauscht und im Einklang mit diesen Stellen die Transferierungen, die sie vorzunehmeii ha­ben, vorbereitet, würde ausgereicht haben, um diese Aufgabe zu erfüllen. Tatsächlich ist die Aufgabe der Bank in der bisher vorgeschlage­nen Form weit bedeutungsvoller. Sie geht weit darüber hinaus, etwa die Rolle des General­agenten für Reparationszahlungen zu über­nehmen. Gerade ihre überragende Wichtigkeit bildet ein nicht zu unterschätzendes Gefahren- Moment.

Die Experten befanden sich seinerzeit bekannt­lich in Paris in einer Zwickmühle. Zwischen den Summen, die von Deutschland angeboten wurden und den Summen, die gefordert wurden, klaffte ein gewaltiger Abstand. Das Voung-Komitec dachte nun, daß die Weltbank die Möglichkeit bieten würde, diesen Abstand zu überbrücken, in­dem sie ihrerseits die Beträge aufbringen könnte, die von Deutschland nicht zu erhalten sind. Während der letzten 22 Jahre des Zah­lungsschemas sollen die Gewinne der Inter­nationalen Bank zur Begleichung der amerikani­schen Annuitäten dienen. Don Deutsck)land ver­langt man allerdings, daß es einen etwa fehlen­den Rest zuschießen soll.

Ich möchte hier die Frage ganz unberührt lassen, ob man die Derdienstmöglichkeiten der Weltbank etwa überschätzt hat. Meiner persön­lichen Ansicht nach sind die Schöpfer des Plans als anerkannte internationale Fachleute in ihren Schätzungen durchaus korrekt vorgegangen. Als­dann ist es klar, daß, falls das vorschlagende Institut in der Lage ist, die Rückzahlung der europäischen Schulden an Amerika durchzu­führen, dies nur deshalb der Fall fein kann, toeil ihm eine ungeheure bisher bei­spiellos dastehende Einflußsphäre reserviert wurde. Man darf vielleicht ebenso­gut behaupten, daß dieser Bank eine unein- g e s ch r ä n k te Hegemonie über das f i -

toätter streifte, hoffnungslos, unsäglich verbrannt, unter den Sohlen die Marter der Radeln und spitzen Brombeerdornen. Hundert blühende Ker­zen durchflammten plötzlich die halbe Dämmerung. Ich trat scheu hinein, zaghaft, mit einer zitternden Grgriffenheit im Herzen, denn ich glaubte, hier ten Thron des großen und verborgenen Wald­königs entdeckt zu haben. Und ich warf mich daher auf die Erde, als eine blaue Elster in den Fichtenwipseln auffuhr und mit lärmendem Flug sich durch den Wald schwang.

Zu diesem verschollenen Ort führte ich die dunkelblickende Hirtin und gab ihr alles, was hier wuchs, den feurigen gelben Samt, der hier im scheuen Halbdunkel aufloderte, die grünen hochgeschossenen Schäfte, die größer waren als ich und ihre zierliche zigeunerhafte Gestalt. Und an die größte Blume trat sie heran und küßte ihre schönste Blüte, die ins Orangenhafte gedunkelt war und wie kostbarer Meerbernstein funkelte. Und diese brach sie heraus und gab sie mir und ich war einen Sommer lang darüber be­glückt und froh.

Ich hob diese Blüte in d-m Buch von der schönen Melusine auf und legte es in das Dunkel und die Rauchverschwärztheit des Bodens im alten Vaterhaufe. Ich fand das alte Buch wieder, verstaubt, und von Spinngeweben überzogen, nach langen und schmerzverbrannten Jahren, das Blatt war weiß gebleicht und zerfiel in meiner Hand, und ich sah dabei vom Fenster des Bodens in ten blühenden und flimmernden Juligarten, wo eine riesenhafte und wunderbare Königskerze am Rande der alten Mauer mit goldenem Schein blühte. Aber Amalthea, die süße Hirtin, war ge­storben, und ich wußte nicht, wo ihr Grab war

Gefahren der Weltbank.

Von Joseph Eaillaux, Senator und ehem. Premier- und Finanzminister der französischen Republik.

Amerikanische EuropapoM.

Außenpolitische Umschau.

Von Dr. Otto Hoehsch, o. ö. Prof, der Geschichte an der Universität Äerlin, M. d. "5V

Der Haager Konferenz sehen die Vereinig- 'tcn «Staaten nur durch einen neutralen, also unbeteiligten Beobachter zu. Sie sind an der politischen Auseinandersetzung nicht betei­ligt und glauben an der Auseinandersetzung über den Cyoung-Plan offiziell nicht beteiligt zu fein. Diese Fiktion wird in den kommenden lAuseinandersehungcn des amerikanischen Kon­gresses im Winter über den Plan, über die Schuldenfrage und alles damit Zusammen­hängende unbedingt zerrissen werden. Ein Vorspiel dazu ist schon die Art, in dcr an einem anderen Punkte die Frage: Amerika und Europa, jetzt zur Diskussion gestellt ist. Kein geringerer als Mussolini hat kürzlich unter diesem Titel bas Problem in der europäischen Presse erörtert!

Ausgangspunkt ist dcr neue amerikanische Zolltarif mit seinen außerordentlichen Er­höhungen. Richt weniger als 38 Staaten haben dagegen schon Stellung genommen, 25 davon in Form eines Protestes. England, Deutschland, Frankreich, Belgien, Italien, Spanien, Oester­reich, die Schweiz, Skandinavien, Holland, Ka­nada, Argentinien und fast alle anderen süd- amerikanischen Staaten sind an dieser Protest­aktion beteiligt. Richt nur eine Einheits­front der europäischen Staaten ist gegen diese neue amerikanische Zollpolitik ent­standen, sondern beinahe schon eine solche der Welt. Und selbst aus Freihandelskreisen, aus den Kreisen des Außenhandels kommt die Forde­rung, daß einem Siege des Hochschuhzolles in Amerika antworten müsse die Kündigung der Handelsverträge, der bestehenden Meistbegünstigungsverträge mit ihm.

Roch ist der Kampf nicht entschieden. Denn die Hawley - Tarif-Bill ist erst im Repräscn- tantenhause angenommen. Der Senat, der in den Weltfragen wichtigere Faktor, kämpft noch darum. Ihm sind jene Einsprüche dcr 38 Staaten immerhin als Material überwiesen worden, was beweist, daß die Protestaktion auf die amerika­nische Regierung Eindruck gemacht hat. Ein Mann, nicht unumstritten, aber von Weitblick, wie Senator B o r a h, der Vorsitzende des Aus­wärtigen Ausschusses im Senat, erkennt die Ge­fahren dieser Hochschuhzollbewegung, und es ist auch kein Geheimnis, daß sie weit über das geht, was Präsident Hoover für richtig und möglich hält.

In den Vereinigten Staaten ist heute wohl der Kampf zwischen Schutzzoll und Freihandel für den ersteren entschie­den. Die jetzt umstrittene Hawley-Tarif-Bill will das abschlicßen, den Grundsatz bis zum äußersten durchführen, daß der eigene Markt Dor dem Auslande geschützt werden muß. Aber bas weitere ist doch nun, daß die Vereinigten Staaten von diesem gegen das Ausland be­schützten und beinahe abgeschlossenen Markte aus den Kampf auf dem Meltmarkte be­ginnen wollen. Roch schärfer gesagt: daß die Vereinigten «Staaten diesen Kampf heute be­ginnen müssen. Sicherlich ist die Aufnahme­fähigkeit des amerikanischen Binnenmarktes noch gewaltig groß. Man muß in Europa immer darauf Hinweisen, daß es so ist, namentlich im mittleren und besonders im fernen Westen. Die­sen Binnenmarkt wollen die Interessenten und auch die Konsumenten Amerikas gegen den Wett­bewerb der europäischen Industrie gesichert se­hen. Aber niemand in den Vereinigten «Staaten wird bestreiten, daß die Grenzen in der Ferne zu sehen sind. An nicht wenigen «Stellen drängt heute schon die Industrie Amerikas über die Grenzen hinaus. Sie braucht in einer nicht zu fernen Zeit neue große Absatzgebiete.

An tausend Bahngleisen geht sie mit, in auf­geschossenen Rudeln und ihre Fackel brennt, als hätte sie die Sommerfreiheit zur Freude ango- zündct. Und wo sie wachsen, möchte ich manchmal liegen, wenn ich vorüberfahre, im Angesicht den Wald und das Rehgcstrüpp, die leichte duftige Hügellinie, die die Wanderstraße ter «Sehnsucht in die Ferne ist. Und wo sie wachsen, möchte ich sitzen eine Stunde im Grillenlärm, der wie ein Choral aus den hundert Ackerrainen steigt in den blauen Rachmittag hinträumen, in wre gelben Schwerter blitzen und funkeln ...

gen an das Ausland zu verkaufen vom Aus- lante, d. h. Europa riesige Zinssummen für die geliehenen Kapitalien eiiizutrcibcn und den europäischen Wettbewerb auf dem amerikanischen Markte auszuschließcn?

Das ist fast das Gleiche, was Moulton an- teutctc, aber cs ist ergänzt durch ten ent­scheidenden Punkt. Der Zusammenhang ist mög­lich. daß ein Land seinen eigenen Markt durch hohe Zölle abschließt und draußen erfolgreich im Kampf um die Absatzgebiete konkurrieren will; das ist durch Kartell und Preisunterbietung denkbar. Dieser Zusammenhang ist aber nicht möglich, wenn diese selben Länder dann durch ein Kreditproblem. wie es heute bestehl, mit jenem Lande verbunden sind und als Schuldner dem Gläubiger gegenüberstchen. Dieser Zusammen­hang von Zollpolitik und internationaler Kredit- frage besteht. Man kann ihn nicht dadurch beseitigen, daß man ihn nicht sehen will.

Ist nicht damit erwiesen, daß einunbe-