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Geldstrafe bis zu

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des Kreises.

gereinsverbond der . und Lehrerinnen zur Verfügung ge= rforderliche Urlaub

r.

in Hessen.

929 frei von Kaul« ngelischen Kirche zu ^tauschverlehrs ge- iet der Lose: Volks- 129.

t der Genossenschaft f der Lose: Bolls« -bsgebiei der Lose: i.

Br. 192 Erster Blatt

Samstag, 17. August 1929

179. Jahrgang

MetzeimAnzeigek

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck uud Verlag: vrühl'sche U«iverfi1«r-V»ch- und Steindruckerel B. £ange in Siehen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7.

Keine Einigung mit England

Snowden lehnt die Vorschläge der Alliierten für die Verteilung der Quoten als ungenügend ab Vertagung der Kinanzkommission auf unbestimmte Zeit. England erwartet neue Vorschläge

Zwischenbilanz im Haag IbUan hat sich zu Beginn der Haager Kon- Wcnz besonders daraus etwas zugute getan, daß bk im Haag versammelten Staatsmänner der |j oem Reparationsproblem interessierten Mächte afcnbar dank der britischen Initiative ohne die iti ähnlichen Konferenzen bislang üblichen per-

Annahme von Anzeigen für die lagcsnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Ne» klomoanzeigen von 70 mm Breite 35 Rcichspfennig, Platzoorschrift 20°/n mehr.

Chefredakteur:

Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in ©iefjen.

Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags.

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Die Illustrierte

Biefeencr Familienblätter Heimat im Bild

Die Scholle.

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' .^ernfprechanschlvste i|terSammelnummer2251. Bridjrift für Drahtnach» litten: Anzeiger Liehen.

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GlichenFühlungnahmen" oder vertraulichen Vorbesprechungen" gleich in medias res gingen u d schon am ersten Konferenztage die General- dblussion eröffneten, bei der dann auch viel- kcht prompter, als man es erwartet hatte bi Gegensätze auseinanderplahten. Philipp Livwden, der Schahkanzler der britischen La- bkurregierung, erklärte in einer Sprache, die nun auf internationalen Konferenzen noch nicht i gehört hatte, dah England dem Voungplan in ! dir vorliegenden Form niemals seine Zustiin- ' miig geben könne. Die öffentliche Meinung seines Umdcs sei sich mit allen politischen Parteien

i icriiber einig, dah weder dieQuotenvertei- Iing , wie sie der Voungplan Vorschläge, noch

1 Bit auch in ihm, wenn auch in beträchtlichem Mähe reduziert vorgesehenen Sachlieferun- ßt n für England tragbar seien. Man hat darauf wtzt allzuviel erwidern können und die weitere »batte in zwei Ausschüsse verlegt, einen für ne sinanzwirtschastliche Seite des Voungplans,

6ncn zweiten für die mit ihm verbundenen Po- i Mischen Probleme. Erfolg hat dieses Verfahren den entscheidenden Punkten auch nicht gebracht.

dem Ausschuh für die Finanzfragen sind die ierten Gläubiger so hart aneinandergeraten, cf) man sich erst einmal wieder auf parla- mtarische Verkehrsformen besinnen muhte, irn ein Deisammenbleiben über die erste Kon- trenzwoche hinaus überhaupt möglich werden eite.

, 3m politischen Ausschuß ging es zwar ton» ittantcr zu, aber weiter gekommen ist man da- lil auch nicht recht, so dah die Haager Kon- lrtnz heute, bald vierzehn Tage nach ihrem Zu- iimcntritt, fast unverändert vor den gleichen Iwblemen steht, die sie zu Beginn ihrer Be­engen vorfand. Jetzt ist man also reumütig i den von Locarno und Genf her gewohnten kklraulichen Besprechungen zu zweien und dreien, m Austausch von Denkschriften und Gutachten mckgekehrt. Die Oefsentlichkeit hört nicht viel Don. kein Wunder, wenn das Krisengerede, diese Konferenz vom ersten Tage an be­titel hat, nicht schweigen will. Der Riesen- tarat an Sachverständigen, Sekretären, Presse- uten, den jede Delegation in die vornehme Me der holländischen Residenz mit sich ge» htippt hat, braucht Sensationen, Spannungen, l>'berraschungcn, um der Welt täglich seine Tln- chehrlichkeit von neuem beweisen zu können ib vor sich selbst das stolze Bewuhtsein zu leben, mit am Rade der Weltgeschichte zu chen. Je länger die Konferenz dauert, je an- ibfamer macht sich dieses Drum und Dran j it seinem ständigen Bedürfnis nach irgend- ' Hdbem Rervenlitzel bemerkbar. Man hatte eben ti) im Grunde mit einer mehr formalen Cr- 'igung des Konferenzprogramms gerechnet und '~'ct nun Schwierigkeiten und Gegensätze, die '!) kaum überbrücken zu lassen scheinen.

3»n Vordergrund steht der Kampf um die t otenverteilung. Seine Ursprünge gehen Ion auf die Pariser Sachverständigenkonserenz iLck, auf der sich der englische Delegierte einer binberung des in Spaa seiner Zeit festgesetzten bcleilungsschlüssels, der für England einen An­il von 22 Prozent vorsieht, entschieden wider-

i $te Hieran knüpft nun Snowdens Forderung i, diesen Verteilungsschlüssel sowohl auf den -geschützten Teil der deutschen Jahreszahlungen

-auch auf die Gesamtleistung Deutschlands zur htucnbung zu bringen. Jeder der beteiligten ip-irationdgläubiger hat demgegenüber mit ut-tr Emphase von denOpfern' gesprochen, b tr für den gemeinsamen Sieg gebracht habe ii) für die der ihm im Voungplan zugebilligte tzt-eil nur eine sehr geringfügige Entschädigung irsielle. Aber Snowden beharrt unbeirrt auf iicrn Standpunkt und läht sich da man im teile der Alliierten sich von einer Reise Mac- n«lds zum Haag eine entgegenkommendere » Bilting Englands verspricht in einem Tele- J mm des Premiers ausdrücklich bestätigen, h Kabinett. Parteien und öffentliche Meinung tn<8 Landes in wahrhaft beneidenswerter Ge- lolsenheit hinter seiner Forderung stehen. Das t immerhin die Wirkung gehabt, dah bie an- rn Gläubiger sich hinter verschlossenen Türen '«nmensetzten, um einmal durchzurechnen, wie- :l sie durch Streichungen auf ihrem eigenen pirationskonto zusammenbekommen, um dem »tztnden Albion die berühmte Geste des guten Mens zu machen. Es scheint aber Herrn Snow- ii doch nicht genug gewesen zu sein. Italien itulbigt man neuerdings, durch mangelndes tsegentommen den Weg zu einem Kompromiß ier Quotenfrage zu versperren. , Reichlich naiv mutet die in diesen Tagen oft teerte Auffassung an, als ob Deutschland i. diesem Streit der Gläubiger um die Vertei­dig der Reparationszahlungen die Rolle des riius gaudens zufalle. Für diesen Optlmcs- tid fehlt aber auch jede Grundlage. Wir haben ^luehr alle älrsache, zu befürchten, dah, wie ungezählten Präzedenzfällen, der Streit au 6lerem Rücken ausgetragen wird, und, wenn

keinem Kompromiß kommt, durch Entgegen- lenDen von beiden Seiten, man sich über- vlHend schnell wieder zu der ja sattsam betann- «i Gläubigerfront zusammenf indet, die in der -riei oder anderen Form Deutschland die Kosten Ur eine ausreichend Derücksichttgung der bri-

Haag, 16. Aug. (TU. Funkfpruch.) Die für Samstag einberufene Sitzung des Finanz- ausschusses der Konferenz ist im Hinblick auf die zur Zeit noch völlige Ungcklärtheit der Lage auf unbestimmte Zeil vertagt worden. Ls ist dem Präsidenten des Ausschusses, dem belgi- chen Finanzminister h o u t a r d , überlassen wor­den, den Ausschuß zu einem gegebenen Zeitpunkt wieder zusammenzuberufen.

Frankreich, Belgien, Italien und Japan hatten in den Freilagnachmitlagsstunden der englischen Abordnung ihre Vorschläge übermittelt. Die Vorschläge waren in einer Role zufammenge- faht worden. Obwohl über ihren Inhalt Stillschwei­gen bewahrt wird, kann mit ziemlicher Sicherheit festgestellt werden, dah sie nicht viel von den Vor­schlägen abweicht, die F r a n c q u i bei seiner gest­rigen Unterredung mit Snowden bereits münd­lich vorbrachte, und die bekanntlich von Snowden energisch zurückgewiesen wurden. Zisfern- mähig sollen die angebotenen Konzessionen darauf hinauskommen, dah Englands Forderungen ; u mindest zu zwei Dritteln bewilligt werden, d. h. , dah England eine Erhöhung seiner Poung-Annuität um über 30 Millionen Reichs­mark zugesichert erhält. Die vier genannten Mächte behaupten allerdings, dah ihre Vorschläge b i s

Zeitschriften unterstützen in Leitartikeln mit Wärme die Haltung der britischen Delegation. Die unab­hängige Zeitschrist7lew Statesman" sagt, Snow­den brauche nur seine Stellung zu behaupten und er werde nicht nur seine unmittelbaren Ziele errei­chen, sondern auch das schwindende Ansehen Groh- britanniens in der Welt der europäischen Diploma­tie wiederherstellen.

Die neue Loge.

Italien als Tündenbock.

London, 17. Aug. (WTB. Funkspruch.) Der Haager Korrespondent derTimes" meldet: Da die vier Mächte es fertiggebracht haben, ihre

Oer Ireiiag.

Hamburg, 16. Aug. (WB.) Rach einem bei der Hamburg-Amerika-Linie eingegangenen Funkspruch befand sich bas LuftschiffGras Zeppelin" heute früh 5 Uhr MEZ. etwa 100 Kilometer östlich der Stadt Wologda im nordrussischen Gouvernement Wo­logda. Um 9.30 Uhr überflog derGraf Zeppelin"

Antwort bis unmittelbar vor den geplanten Zusammentritt des Finanzausschusses hinauszu­zögern, war natürlich die für heute anberaumte Sitzung des Ausschusses zwecklos. Die Denkschrift der vier Mächte ist vorsätzlich in unbe­stimmten Ausdrücken gehalten, so daß eine klare, entschiedene Annahme oder Ablehnung ihrer Denkschrist unmöglich ist. Genaue Zah­lenangaben sind vermieden worden. Eine Revision der Prozentsätze scheint überhaupt nidjt erwähnt zu werden. Wenn die Italiener veranlaßt werden könnten, etwas preiszugeben, dann würden wohl auch die Belgier und die Franzosen bereit lein, Zugeständnisse zu machen, die ausreichen würden, um zum mindesten einen wesentlichen Teil der britischen Erfordernisse zu

62 Grad nördlicher Breite und 80 Grad östlicher Länge. Segen 17.30 Uhr nachmittags russischer Lan- deszeit warf das Luftschiff über Kiselowfkij ein Paket mit Posttarten an führende Per­sönlichkeiten des Sowjetflugwesens und an Ver­wandte des Sowjetpiloten Karlin ab. Jede Postkarte trägt folgende Aufschrift:Die Windrichtung nötigte Dr. Eckener, von der Ueberfliegung Mos-

Graf Zeppelin" über Asien.

auf 80 Prozent an die englische Forderung herankommen, von englischer Seite wird dagegen ihr Ausmaß nur auf etwa 50 Prozent be­ziffert, weil hierbei die Beträge angerechnet feien, auf die die Engländer ohnehin nach dem Poung- Plan Anspruch zu haben glauben. Ebenso gehen die Ansichten auseinander, inwieweit Englands An­sprüche auf eine höhere Beteiligung an der un­geschützten Annuität in diesem Rahmen teilweise Berücksichtigung erfahren haben sollen.

Snowden Hal nach kurzer prüsuNg der Tot­schläge mit seinen Finanzsachverständigen eine Ant­wort erteilt, die im wesentlichen eine Ablehnung der Vorschläge bedeutet. Daher mußte der Finanz­ausschuß vertagt werden, da er sonst am Samstag lediglich einen Abbruch der Verhandlungen hätte feststellen können.

Ls wird erklärt, daß der Schahkanzler durch­aus fest bleibt, aber dringend wünscht, den vier Mächten jede Möglichkeit zu geben, befrie­digende vorfchläge zu formulieren. Neuer­dings sei er bereit, ein paar Tage lang z u warten, um zu fehen, ob es dazu kommt. Aus diesem Grunde hat er einer Vertagung der Finanz- fommiffion bis zu irgendeinem Zeitpunkte in der nächsten Woche zugestimmt. Die englischen Wochen-

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Wjatka in Richtung Usisyssolsk, um 13 Uhr MEZ. Pojewska, nördlich Perm. Um 16 Uhr MEZ. befand sich das Luftschiff auf 60 Grad nördlicher Breite und 64 Grad östlicher Länge. An Bord war alles wohl. DerGraf Zeppelin" hatte somit den Ural bereits überflogen und befand sich über Sibirien, etwa 200 Kilometer vom Ob entfernt. Um 21 Uhr wurde derGras Zeppelin" nördlich der Stadt Tara am Jrtysch gesichtet. Das Luftschiff richtete an die Sowjetsunkstationen, die ihm regelmäßig die Wettermeldungen zustellen, Funk- sprüche, in denen die gute Verständigung bestätigt wird. Um Mitternacht befand es sich auf etwa

faus ab ; usehen , da dies eine Fahrtve - zögerung von acht bis zehn Stunden nach sich ziehen würde."

Lieber Sibirien.

N e u y o r k, 17. Aug. (WTB. Funkspruch.) Nach hier um 10 Uhr MEZ. vorliegenden Meldungen be- sindet sichGras Zeppelin" etwa 4 5 0 Kilo­meter nordöstlich von Tomsk und hat so­mit die Hälfte der Strecke FriedrichshafenTokio zurückgclegt. Man nimmt an, daß das Luftschiff das nördliche Ende des Baikalsees überfliegen wird.

tischen Ansprüche bei der Verteilung der Quoten

aufbrummt. Einen Weg dazu hat ja schon Snowdens verbindlicherer Kollege vom Foreign Office. Arthur Henderson gezeigt. Er fuhrt zwar sehr hinten herum, würde aber das gleiche Ziel erreichen: mehr Geld zur Verteilung unter die Gläubiger.

Henderson knüpft an dem Punkt an, wo Rhein­landräumung und Voungplan sich berühren, den Besahungskostcn. Hier hat das Gutachten der Pariser Sachverständigen eine Lücke gelassen, indem es bestimmte, daß die gegenwärtig geltende Regelung, wonach für den Unterhalt der alliier­ten Truppen am Rhein monatlich elf Millionen Mark den deutschen Daweszahlungen entnommen werden und Deutschland selber noch einen Zu­schuß von weiteren drei Millionen zu leisten hat, am 31. August durch ein Abkommen abzulösen sei, das in direkten Verhandlungen der an der Be­setzung interessierten Mächte mit Deutschland für den Rest der Besatzungszeit getroffen werden müsse. Eine offiziöse Verlautbarung der Wil- helmstrahe legt dar, dah man deutscherseits bis zum 1. September mit Entschädigungsansprüchen von mehr als 40 Millionen Mark rech­net, die nach dem den Dawesplan ergänzenden Pariser Abkommen vom Jahre 1925 über die Ve- sahungskosten, Deutschland den Besatzungsmächten aus Haushaltsmitteln vorgestreckt hat, deren Anrechnung auf die Daweszahlungen das Reich jedoch fordern kann. Hier seht nun der britische Außenminister mit seiner Anregung ein, Deutsch­land solle sich doch für das Zugeständnis einer früheren Räumung durch eine großzügigeGeste" in dieser Frage der Besahungskosten erkenntlich zeigen. Ebenfalls nach der oben erwähnten Ver­lautbarung des Auswärtigen Amts hat Deutsch­land nun im Haag den Vorschlag gemacht, für Vereinfachung des Verfahrens seine Forderung an die Besatzungsmächte durch eine Pau­schalsumme abzugelten. Aber darauf wird Henderson kaum besonderen Wert legen, wenn bei dieser Pauschalzahlung nicht finanziell etwas für die Gläubiger herausspringt. Der springende Punkt für die Anregung des Briten dürfte doch wohl der Hintergedanke sein, durch dieGeste" der Deutschen in der Frage der Besahungskosten soviel herauszuschlagen, daß daraus Englands Quote bei der Verteilung der Voungannuität er­höht werden kann. Durch diese natürlich sehr

verschleierten und positiv nicht nachweisbaren Ge­dankengänge bekommt Hendersons anerkennens­werte Offensive in der R ä u m u n g s s r a g e einen recht unangenehmen Beigeschmack.

England ist entschlossen, ensiprechend dem Wahlprogramm der Labourpartei, ohne Rück­sicht auf seine Verbündeten oder das Inkraft­treten des Voung-Plans, das Rheinland s o - fort zu räumen. Sofort, das heißt, die briti­schen Truppen sollen bis Weihnachten wieder daheim sein, also weit genug hat sich auch England die Spanne gesteckt, die es für einen Rücktransport seiner Rheinarmee aus dem Raum von Wiesbaden benötigen zu müssen glaubt. Immerhin hat es einen bestimmten Termin vor Augen, während B r i a n d alle Anstalten macht, sich um die datumsmäßige Festlegung der Räu­mungsfristen wieder einmal herumzudrücken und seinen deutschen Verhandlungspartner mit leeren Phrasen abzuspeisen. Deutschlands vertragliches Recht auf sofortige Befreiung der Rhcinlande von der Last der fremden Besahungstruppen möchte Frankreich auch jetzt noch von Voraus­setzungen abhängig machen, für die jede recht­liche Vegründung fehlt. Der sonst so agile Mi­nisterpräsident besteht mit einer Hartnäckigkeit, die seinem Vorgänger Poincare alle Ehre machen würde, auf der unhaltbaren These daß vor dem Inkrafttreten des Voung-Plans von der Räumung keine Rede sein könne. Das ist für Deutschland besonders untragbar, wenn man überdies hort, was Briand unterInkraft­treten des Voung-Plans" versteht: Ratifizierung des neuen Zahlungsabkommens, Annahme der erforderlichen Gesetze durch den Reichstag, und wenn möglich auch noch die Mobilisierung der Teilannuität von 660 Millionen, für die Deutsch­land nach dem Voung-Plan auf jeden Transfer- und Aufbringungsschuy verzichten soll.

Rach langem Hin und Her hat Briand dann endlich sich unter Vermittlung Hendersons be­reitfinden lassen, am kommenden Montag die frü­hestmöglichen Termine für die Räumung der einzelnen Zonen bekanntzugeben. Es bedurfte dazu angeblich noch der Rückfragen bei den militärischen Stellen über die technischen Mög­lichkeiten der Auflösung und Rückbeförderung der französischen Rheinarmee. Wer erlebt hat, wie fchnell derartige Aufgaben im Kriege gelöst | werden muhten mit weit größeren Truppen­

körpern als die Franzosen sie zur Zeit noch am Rhein halten, und unter viel schwierigeren techni­schen Verhältnissen, weiß auch, daß dies für Briand nur ein willkommener Vorwand war, die Räumungsdebatte hinauszuzögern. 2hm siegt alles daran, erst im Finanzausschuß über die Quotenverteilung und die außerdem mit Eng­land noch bestehenden Meinungsverschiedenheiten über Höhe und Dauer der Sachlieferungen ins Reine zu kommen, ehe die Räumungsfrage von ihm ernsthaft behandelt wird. Vielleicht hofft er, durch eine plötzliche Abreise nach Paris, die in den gegenwärtigen Verhandlungen schon ge­legentlich drohend hineinspielt, sich jeder Fest­legung auf ein bestimmtes Räumungsprogramm, wie es Deutschland fordert und auch England wünscht, im letzten Augenblick entziehen zu können.

Man darf also einigermaßen gespannt sein, was der Montag im Haag bringen wird. Jeden­falls dürfen wir uns keiner übertriebenen Hoff­nung hingebrn, als ob nun Frankreich sich end­lich zu der großzügigen Geste bereitfinden würde, auf die Deutschland und mit ihm alle, die eine aufrichtige Gesamtliquidation des Krieges wün­schen, seit den Tagen von Locarno vergeblich warten. Die Zwischenbilanz, die wir nach den ersten beiden Wochen der Haager Konferenz zu ziehen berechtigt sind, sieht also nicht übermäßig rosig aus. Spukt doch neben den eben ge­streiften finanziellen Problemen auch noch der berüchtigte Feststellungsausschuß, der nach dem Willen Frankreichs entgegen den klaren Bestimmungen des Derfailler Vertrages nach der Räumung der Rheinlande im ehemals besetzten Gebiet eine dauernde Kontrolle der Alliierten ausüben soll. Die Reichsregierung hat sich auf die Ablehnung jeder Art von Kontrolle über das Jahr 1935 hinaus feierlich festgelegt. Es ist jedoch äußerst fraglich, ob Briand bei der sehr laxen Haltung, die sein britischer Kollege in dieser Frage einnimmt, auf die Einsetzung eines be­sonderen Kontrollorgans verzichten wird. Man berät im Augenblick hierüber noch in einem aus den juristischen Sachverständigen gebildeten besonderen Tlntcrausschuß. Aber die Hoffnung ist gering, daß nicht auch dieser Punkt noch zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Hauptdelegierten führen wird.