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Der Reichstag bespricht den Wehretat.

Berlin, 16.3uni. (DDZ.) 3m Reichstag wird zunächst das Zusatzabkommen zum deutsch­schweizerischen Handelsabkommen dem handels­politischen Ausschuh überwiesen und das inter­nationale Opiumabkommen in zweiter und dritter Beratung angenommen. Es folgt dann die zweite Beratung des Haushalts des Reichswehrministe­riums.

Reichswehrminister Groener:

Wie haben sich die Verfechter eines idealen Völkerbundes die Lösung des Wehrproblems ge­dacht? Militärpolizeiliche Kräfte zur Aufrecht­erhaltung der Ordnung im Innern und kleine, hochmoderne Truppenkörper als Gliedarmeen des Völkerbundes! Die Wirklichkeit ist von diesem Idealbild weit entfernt. Von einer Ab - r ü st u n g oder auch nur Rüstungsbeschränkung ist bei den Siegermächten keine Rede. (Sehr wahr!) .Unfere Rachbarstaaten verfügen über 76 Divisionen gegenüber den 10 deutschen Divi­sionen. Man hat dieses Mißverhältnis leugnen wollen. Man hat sogar behauptet, die Stoß­kraft des deutschen Heeres gehe weit hinaus über das, was seiner zahlenmäßigen Stärke entspricht. Diese Behauptung wird schon allein dadurch widerlegt, daß uns alle modernen Groh- kampfmittel fehlen. In den Nachbar­staaten werden gewaltige Reservearmeen ausgebildet, die uns fehlen. Man spricht auch davon, daß wir ein Führerheer hätten. Dabei wird aber verschwiegen, daß ein Führerheer ohne grohe Reserven und ohne gute Waffen nichts machen kann. Die Militärfliegerei fehlt uns ganz, und Deutschland ist gegen Luft­angriffe schutzlos. Da man Deutschlands Entwaffnung nicht mehr leugnen kann, hilft man sich mit dem Wort von Deutschlandspoten- tiel de guerr e. Cs wird auf die grohe Menschenzahl und die Leistungsfähigkeit der In­dustrie hingewiesen, die Deutschland schnell für den Krieg mobilisieren könnte. Tatsächlich würde aber eine solche Umstellung der Industrie und der Menschen auf den Krieg bei uns viele Monate in Anspruch nehmen, während die Siegerstaaten neben den militärisch ausgebildeten Reserven über eine stets auf den Krieg vorberei­tete Rüstungsindustrie verfügen. Wir können uns nicht auf denpotentiel de guerre verlassen, sondern stützen uns auf den,, potentiel de paix, auf unser vertragliches Recht auf allgemeine Abrüstung. Es wird nun die Frage aufgeworfen: Warum unterhalten wir überhaupt diese kleine, im Kampf gegen die großen Militärmächte doch nicht brauchbare Reichswehr? Ich antworte: Weil sie wenigstens verhindert, daß freundliche Nachbarn in unseren Grenzgebieten nach Gefallen schalten und walten und daß kriegführende Nachbarn über unsere Neutralität ohne weiteres zur Tagesordnung übergehen können.

Was die innere Verfassung der Reichswehr be­trifft, so sind alle Parteien darin einig, daß die Reichswehr rein staatlich eingestellt und ein unbedingt zuverlässiges über­parteiliches Instrument in der Hand der verfassungsmäßigen Gewalten sein muß. (Beifall.) Jeder versteht aber unter dieser staatlichen Ein­stellung etwas anderes. Aufgabe des Reichs­präsidenten und des Reichswehrministers muß es fein, der Reichswehr ihre Stellung über den Par- teien zum uneigennützigen Dienst an Volk und Vaterland zu erhalten. (Beifall.) Trotz aller Kritik muß ich dankbar anerkennen, was die Reichswehr geleistet hat in pflichttreuer Arbeit, äußerster poli­tischer Zurückhaltung und Hilfsbereitschaft gegen jedermann. (Beifall.) Kritik begrüße ich; aber eine Kritik, die nur herabfetzen will, lehne ich rund­weg ab. Ich habe der Sparnotwendigkeit große Zu­geständnisse gemacht, habe sogar auf Manöver ver­zichtet. Aber jedes Zugeständnis hat seine Grenze, sowie das feste Gefüge der Armee dadurch erschüttert wird. Es ist eine Staatsnotwendigkeit, die dem Reiche gebliebene Verteidigungsmöglichkeit aufrecht­zuerhalten. (Beifall.)

Abg. v. Lettow-Dorbeck (Dn.) begrüßt die grundsätzlichen Ausführungen des Ministers. Auch wir wollen Verbundenheit der Reichswehr

mit dem Volke, aber wir wollen kein Eindringen der pazifistischen Strömungen in die Reichswehr. Die Angehörigen der Reichswehr müssen vom Wehrwillen erfüllt fein. Die Reichswehr darf nicht politisiert werden. Sie muß als ein zu­verlässiges Derteidigungsmittel erhalten bleiben.

Abg. Schöpflin (©.): Der Wehrminister kann die Reichswehr als zuverlässiges Derteidi­gungsmittel des Reiches erhalten, auch wenn noch weit mehr in seinem Etat ge­strichen wird. Wir wollen nicht ein Partei­heer, aber eine Reichswehr, die sich nicht als Staat im Staate betrachtet, sondern sich mit der Republik verbunden fühlt. Wir verlangen, daß den Angehörigen der Reichswehr das volle Staatsbürgerrecht, also auch das volle Wahl­recht, gegeben wird.

Abg. Drüninghaus (D. Dp.) erinnert daran, daß vor zehn Jahren von Roske die Grundlagen für die jetzige Reichswehr geschaffen wurden. Wenn man die Republikanisierung der Reichswehr fordere, so müsse erst wieder unter­schieden werden zwischen der demokratischen und der sozialistischen Republik. Bei den hohen An­forderungen, die unsere Offiziere erfüllen müssen, wird auf eine abgeschlossene Schulbildung nicht verzichtet werden können. Die Versorgung der entlassenen Reichswehrangehörigen müsse schleu­nigst verbessert werden. Das Wahlrecht werde man Den Soldaten nicht geben können, wenn man sie nicht politisieren wolle. Die Beobachtung der verschiedenen Abrüstungskonferenzen hat uns ge­zeigt, daß die Siegerstaaten höchstenfalls daran denken, ihren gegenwärtigen Rüstungsstand auf­recht zu erhalten, keineswegs aber wirk­lich abzurüsten. Um so weniger können wir aber die uns gebliebene kleine Wehrmacht freiwillig weiter beschränken.

Abg. Dr. Külz (D.) bezeichnet die Reichs­wehr als das Instrument zur Aufrechterhaltung der Selbständigkeit des Deutschen Reiches nach außen und der Ruhe und Ordnung im Innern. Die Reichswehr muh auf die Leistungshöhe ge-

Paris, 15. Juni. (WB.) Die beiden franzö­sischen Delegierten auf der Reparationskonferenz Moreau und Parmentier haben an Mi­nisterpräsident P o i n c a r e ein Schreiben ge­richtet, in dem sie ihre Reparationsverhand­lungen erläutern. Sie weisen darauf hin, daß Poincare ihnen unter Betonung des Charakters absoluter Unabhängigkeit eine Abschrift der" offi­ziellen Note zugestellt habe, die Frankreich an sämtliche interessierten Regierungen gerichtet habe, um die Bedingungen zu präzisieren, unter denen allein die Empfehlungen der Sach­verständigen die vollständige Z u st i m m u n g der französischen Regierung erhalten könnten. Die Sachverständigen erklären, sie hätten sich bemüht, diesen Bedingungen denPlananzupafsen, der vom Sachverständigenausschuß angenommen werden sollte. Die Bedingungen dieses Mora­toriums kombiniert mit denen der Abkommen von London und Washington sind aber derart, daß Frankreich niemals der Gefahr ausgesetzt fein kann, feinen einstigen Alliierten höhere Sum­men zu zahlen, als es von Deutschland zu erhalten hat. Den französischen Sachver­ständigen ist es klar geworden, daß damit zum ersten Male eine tatsächliche Verbindung zwischen den Reparationszahlungen und den Zahlungen unserer auswärtigen Schulden her- gestellt worden ist. Diese Verbindung wird in der Praxis um so enger sein, als die geplante Bank für die internationalen Zahlun­gen beauftragt fein wird, sämtliche Beträge ein­zuziehen und für die Gläubigerstaaten Frank­reichs die Abrechnung wird vornehmen können. Von den Annuitäten von 1046,5 Millionen Mark, die auf Frankreich entfallen, beläuft sich der für die auswärtige Schuld absorbierte Teil im Durch­

bracht werden, die der Versailler Vertrag über­haupt ermöglicht: sonst hat sie für uns keinen Zweck. Wir treiben bewußt eine Friedenspolitik, aber wir brauchen die Reichswehr eben zur Auf­rechterhaltung des Friedens. Deutschland hat einen Rechtsanspruch auf Abrüstung der anderen. Ein Volksheer im besten Sinne des Wortes soll die Reichswehr fein. Wenn wir das hoffen, so verlangen wir, daß der Reichswehroffizier und der Reichswehrsoldat absolut das Vertrauen des Staates verdienen. Die Reichswehr darf nicht hineingezogen werden in die Parteipolitik: das würde den Zustand völliger Wehrlosigkeit zur Folge haben. Die einseitige Betonung des Wissens bei den Reichswehrangehörigen ist abzulehnen: es soll die rechte Synthese zwischen Wissen und Können vorhanden sein. Deshalb lehnen wir ein absolut durchgeführtes Bildungsprivileg ab. Irgendwelche Verbindungen mit Organisationen und Bestrebungen, die gegen den Staat gerichtet sind, dürfen bei der Reichswehr nicht bestehen. Die Achtung vor der alten Tradition hindert nicht, daß sich die Reichswehr auch eine eigene neue Tradition zulegt. Wer das richtige Front­erleben hat, hält sich frei t>qn allem Chauvi­nismus.

Abg. Sachsenberg (Wpt.): Mit pazifisti­schem Geist kann man die Reichswehr nicht ver­binden, sie braucht soldatischen Geist. Die wirt­schaftliche Entwicklung und die technischen Er­rungenschaften vor allem in der Fliegerei wer­den von selbst dahin führen, daß immer mehr der Krieg eine Unmöglichkeit wird. Wir müssen un­sere Wehrmacht in der allerbesten Weise aus- statten, wenn sie ihre Derteidigungsaufgabe er­füllen soll.

Abg. v. Epp (RS.): Heeresfragen sind Macht­fragen, die mit der Staatsform nichts zu tun haben. An der kleinen Wehrmacht, die uns der Feindbund gelassen hat, darf nichts gekürzt wer­den. Wir stimmen dem Etat zu und erwarten, daß die in diesem Jahre gekürzten Positionen im nächsten Jahre wieder hergestellt werden.

schnitt nur auf 626,5 Millionen Mark, so daß ein Iahresüberschuß von 420 Millionen Mark alsNettoeinnahme für Frank­reich übrig bleibt, also von etwa 42 Milliarden Francs. Die Bemühungen der französischen Sach­verständigen seien darauf gerichtet gewesen, das Recht Frankreich aufs Mobilisierung des Annuitätenteils durchzusetzen, der die franzö­sische Ziffer der französischen auswärtigen Zah­lungen übersteigt und ebenso auch die praktischen Mittel dieser Mobilisierung zu organisieren Dank der Mobilisierung werde die Amortisie­rung der von Frankreich eingegan­genen Schulden beschleunigt werden können, so daß Frankreich eine wirkliche Priori- t ä t zugunsten seiner materiellen Reparationen erhält.

In seinem Antwortschreiben bringt Poin­care den Dank der gesamten französischen Re­gierung für die Bemühungen der französischen Sachverständigen Aum Ausdruck. In der Iuni- nummer der ZeitschriftForeign Affairs" ver­öffentlicht er außerdem einen Aufsatz in dem er über den Sachverständigenbericht noch ausführt:

Die französischen Sachverständigen hahen sich einverstanden damit erklärt, daß Frankreich einen sehr großen Teil der gemeinsamen Opfer über­nimmt. Aber die moralischen Vorteile dieser gemeinsamen Regelung sind von aller­höchster Bedeutung. Sie verheißen eine neue Atmosphäre in Europa, die Förde­rung des Gefühls des Vertrauens und die Wie­derherstellung einer haltbaren Grundlage der Zusammenarbeit zwischen den Nationen. Wir hoffen, daß die Regierungen sich beeilen werden,. so schnell wie möglich den Plan der Sachverständigen in Kraft zu setzen.

Frankreich uni) der ftonngplan.

Oer Bericht der französischen Sachverständigen poincare scheint zufrieden.

den Sachbearbeitern der hessischen Regierung E r- gänzungen usw. an dem Gutachten vorzu­nehmen. In gewissen politischen Kreisen wird mit als Grund für die Verzögerung der Fertig­stellung des Gutachtens angegeben, daß der Sparkommissar mit einigen Feststellungen und Folgerungen seiner Referenten s i ch n i ch t i d e n- tisch erklären wollte.

Der Ausgleichsausschuß der Konfessionen.

Berlin, 16.Juni. (Priv.-Tel.) Der vor weni­gen Monaten gegründete evangelisch-katho- lische paritätische Ausschuß hat seine Arbeiten aufgenommen. Er will, wie wir von un­terrichteter Seite hören, selbstverständlich nicht eine Angleichung der Glaubenssätze der beiden Kirchen erstreben, ein solcher Versuch würde den Sinn fei­ner Ausgabe zu tiefst entgegengesetzt fein. Als po­sitives Ziel seiner Arbeiten sicht der Ausschuß, der von einem evangelischen und katholischen Vorsitzen­den geführt wird, dem konfessionellen Frieden zwischen den beiden Kirchen zu dienen. Für die Praxis der Kulturpolitik bedeutet diese Zielsetzung, alle Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten, um unnötige oder auf Mißverständnissen beruhen- den Konflikte zu vermeiden und im Sinne des christlichen Geistes eine Zusammenfassung der Kräfte zu ermöglichen. So hat sich der paritätische Ausschuß, der kürzlich in einer vertraulichen Sitzung tagte, mit zwei aktuellen, auch die praktische Politik bewegende Fragen, beschäftigt. Er beriet die im Strafrechtsausschuß jetzt vertagte Eheschei­dungsreform und das Problem eines Ver­tragsabschlusses zwischen dem preu­ßischen Staat und der evangelischen Landeskirche, das nach dem Abschluß des Konkordates in den kommenden Monaten wohl eine größere Rolle spielen dürfte. Bedauerlicherweise find die Verhandlungen des paritätischen Ausschus­ses, die periodisch stattfinden und deren Referate von dazu eingeladenen Wissenschaftlern gehalten werden, vertraulich, obwohl man die Absicht hat, gelegentlich die Oesfentlichkeit zu informieren. Für die praktischen Fragen der Volkserziehung und für die gesetzliche Regelung der Kulturpolitik kann der paritätische Ausschuß, wenn es ihm gelingt, sein Programm auch nur teilweise zu verwirklichen, tzcherllch fegensvoll wirk eg.

Kunst und Wissenschaft.

Karl Heinsheimer f.

Am Sonntagmittag ist unerwartet der derzei­tige Rektor der Universität Heidel­berg, Geheimer Hofrat Professor Dr. Karl Heinsheimer, im 60. Lebensjahre gestorben. Heinsheimer bekleidete in der juristischen Fakul­tät der Universität Heidelberg das Ordinariat für Bürgerliches Recht, Zivilprozeh und Aus­landrecht. Er war auch Herausgeber derZivil- gesehe der Gegenwart" und Direktor des Insti­tuts für ausländisches Recht. Heinsheimer war geborener Mannheimer, studierte in Lausanne, Straßburg, Leipzig und Freiburg, habilitierte sich 1903 in Heidelberg und wurde 1907 ebendort ordentlicher Professor.

Eine Nordisch-Deutsche Woche in Kiel.

Eine Nordisch-Deutsche Woche für Kunst und Wissenschaft findet vom 15. bis 23. Juni in Kiel statt. Vier nordische Staaten, Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland sind durch ihre Berliner Gesandten vertreten, außerdem durch Abordnungen von Professoren und Studenten. Don deutscher Seite sind Vertreter der Ministerien des Reichs und der Länder sowie fast sämtlicher deutscher Universitäten erschienen, fo der Reichsernährungsminister Dietrich, der preußische Kultusminister Dr. Becker, der Präsident der Notgemeinschaft, Exz. Schmidt- Ott, von auswärtigen Universitäten aus Ko­penhagen: Prof. Hjemslev, Prof. Munch- Petersen, Prof. Faber, Prof. Pederson, Prof. Ton, aus Helsingfors: Prof. Brotheros, Prof. Greotenfeld, Prof. Ruuth, Prof. Sirelus, von der Akademie in Abo: Profefsor Lind- man, aus Turku: Professor Ochmann, aus Reykjavik: Professor Bjamavson, aus O s l o :_ Prof. Brögger-Keilhau, Prof. Lindvik, aus Göteborg: Prof. Hagendahl, Prof. Pe­terson und Prof. Röndahl, aus Lund: Prof. Tock, Prof. Rytberek, Prof. Lauritz, Prof. Wei- bull, aus Stockholm: Prof, von Euler-Schel- pin, Prof. Lindblom, Prof. Wemstedt, aus Up­sala: Prof. Holmvik.

_$on deutschen Universitäten sind gekommen: Rektor Prof. Herzog und Prof. Rosen­berg Gießen, Prof. Neckel, Berlin. Pro­fessor Kroll, Breslau, Prof. Römer, Leip- -ig. Pros. M lehn er, Hannover, Pros. %an«

zer, Heidelberg, Prof. Gentzner, Marburg. Den Lbiftakt der Woche bildeten sportliche Veranstaltungen, die mit Vorführungen isländischer Studenten und einer durch die Mit­wirkung der deutschen Olympiasiegerin und Welt­meisterin Helene Mayer, Offenbach, beson- ders interessanten Fechtakademie begannen. Am Mittag wurden die Ausstellungen für nordische Volkskunst und nordische Architektur sowie für die nordische bil­dende Kun st eröffnet. Die nordischen Museen, Künstler und Architekten haben dazu ihre besten Stücke, zum großen Teil Stücke seltener Schön­heit, gesandt, so daß die Ausstellung einen glän­zenden Einblick in das nordische Schaffen gewährt.

Aus aller Welt.

General Booih f.

London, 16. Juni. (WTB.) Der frühere Gene­ral der Heilsarmee, William B o o t h, der einen Rückfall feiner Krankheit erlitt, ist heute abend ge­storben. William Bramwell Booth wurde 1856 als Sohn des Begründers der Hellsarmee, des 1912 gestorbenen, früheren englischen Geistlichen William Booth geboren. W. Bramwell Booth hat die ganze Entwicklung der 1865 gegründeten Heilsarmee mit­erlebt, seit 1880 als sog.Chef des Stabes", d. h. als erster Gehilfe feines Vaters. In dieser Eigen­schaft hat er wiederholt die ganze Welt bereift, um die Organisation aufzubauen, die heute in 81 Län­dern besteht. Nach dem Tod von William Booth im Jahre 1912 wurde Bramwell Booth sein Nach­folger alsGeneral". Florence Booth, seine Frau, steht an der Spitze der Landesorganifationen in England. In den Vereinigten Staaten ist seine Schwester Evangeline BoothBefehlshaber" der Heilsarmee. Seine sieben Kinder wurden alle Offi­ziere in der Heilsarmee.

Als General Booth im Dezember 1928 schwer er­krankte, erreichte es die Reformpartei innerhalb der Heilsarmee, geführt von Evangeline Booch, General Booth, als unfähig, feine Stellung weiter auszuüben, abzusetzen. Der Hohe Rat wählte am 14. Februar 1929 den Generalstabschef Higgins mit 42 Stimmen zu seinem Nachfolger als General der Heilsarmee.

Schweres Unglück bei fianalifationsarbeiten.

|3n Marktheidenfeld a.M. stürzte am Stadtausgangi nach Erlenbach beim QMM

Grabens von 3 Meter Tiefe der Sandboden ein und begrub mehrere Arbeiter. Trotz fieberhafter Ausgrabungsarbeiten konnten vier junge Arbeiter nur als Leichen ge­borgen werden. Einen Schwerverletzten hofft man am Leben erhalten zu können.

Tödlicher Absturz der Fallschirmpilolin Tußmar.

Die bekannte Fallschirmpilotin Elly Tußmar aus München ist in Chur bei einem Absprung aus einem Flugzeug mit dem Fallschirm in den Rhein g e ft ü r 3 t. Die Leiche konnte bis jetzt nicht geborgen werden. Die Nachricht von dem Un­glück verbreitete sich erst ziemlich spät, da das Nie­dergehen der Fliegerin den Blicken der Zuschauer durch einen Wald entzogen wurde. Man wurde erst aufmerksam, als der Flieger über der Llbsprung- stelle lange Zeit kreiste und so auf das geschehene Unglück aufmerksam machte.

(Ein Titelhändler vor Gericht.

Wegen betrügerischen Handels mit Titeln und Diplomen wurde ein gewisser Dr. Wötitz zu einem Jahr Gefängnis, sein Assistent namens Forstmann zu acht Monaten Gefängnis und beide zu je 5 Jahren Ehrverlust nerurteilt. Wötitz hatte 1920 in Würzburg als Dr. jur. et rer. pol. promoviert, war in den Jnflationsjahren bis 1923 Bankbeamter gewesen und hatte von da ab im umfangreichsten Stile den Diplomhandel betrieben. Für die Dotkoranden eröffnete er als Einleitung Fernkurse. Die Titel wurden von derUniversität in Kar pur t h a la", der Residenz eines Fürsten im tiefsten Indien, ausge­stellt. Diese Universität besaß angeblich eine ameri­kanische Charta und nannte sichW e ft e r n Uni- versity". Ein anderer Teil der Diplome war an- geblich von derNational Universtty Dakota USA.", die aber längst ihre Pforten geschlossen hat, aus- gestellt.

wieder ein ungeschützter Bahnübergang.

Zwei Motorradfahrer aus Ahrensboek, die sich auf dem Wege zum Gauturnsest nach L a a g e in Mecklenburg befanden, verunglückten bei dem ungeschützten Bahnübergang in der Nähe der Ortschaft Kronskamp bei Laage tödlich. Der Fah­rer raste mit seiner Maschine unmittelbar in den aus Richtung Rostock kommenden Personenzug hinein. Er wurde zwischen Lokomotive und Koh­lenwagen eingekeilt und furchtbar zerstückelt. Sein Begleiter wurde in bewußtlosem Zustande ins Rostocker Universitätskrankenhaus überführt, wo er bald darauf seinen Verletzungen erlag.

Sieben Personen beim Vaden in der Donau ertrunken.

In Wien ertranken am Sonntag sieben Personen beim Baden in der Donau. Zwei Personen stürzten bei einer Kletterpartie im Wiener Walde ab.

Plausibel.

Zwei kleine Engländer im Alter von etwa acht Jahren unternahmen in den Straßen Lon­dons ihren Mittagsspaziergang. Dem einen Kerl­chen fällt es auf, daß die wenigen Pferde, die man heutzutage im Straßenverkehr noch zu sehen bekommt, scheu und verstört die unzähligen Kraft­wagen anstieren. Der Freund des verwunderten Knirpses hat als Vollblutengländer für alles eine praktische Erklärung: »Die Pferde waren früher darast gewohnt, daß die Wagen von Gäu­len gezogen wurden. Nun sieht das arme Zugtier, daß die Karren ohne Pferde laufen. Natürlich muß es da stutzig werden. Würdest du nicht staunen, plötzlich eine Hose vor dir spazieren zu sehen, eine Hose ohne das dazugehörige mensch­liche Dein?!"

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Sonntaa. d.16. Juni 1929.8nmgs.

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Wettervoraussage.

Die Nordmeerstörung hat sich wesentlich ab­geflacht und ist somit für unser Wetter unge­fährlich geworden. Gleichzeitig hat über den Bri­tischen Inseln kräftiger Luftdruckanstieg einge­setzt. Auch in Deutschland ist das Barometer noch weiter in die Höhe gegangen. 3m Be­reich hohen Druckes wird sich daher unser Wet­ter vorläufig meist heiter und trocken gestalten. Da wir immer noch ozeanische Luftzufuhr ha­ben, sind späterhin Gewitterbildungen nicht aus­geschlossen.

Wettervoraussage für Dienstag: Vielfach heiter, nur zeitweise leicht wolkig, warm und trocken.

Wettervoraussage für Mittwoch: Meist heiteres und trockenes Wetter, späterhin Gewitterbildungen nicht ausgeschlossen.

Lufttemperaturen am 16. Juni: mittags 23 Grad Celsius, abends 17,8 Grad am 17. Juni: morgens 16,8 Grad. Maximum 24,3 Grad, Minimum 15,6 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 16. Juni: abends 24,2 Grad am 17. Juni: morgens 19,6 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 9% Stun­den.