Ausgabe 
16.11.1929
 
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Ur. 270 Sechste Blatt

GleZener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Samstag, 16. November 1929

Geschichten aus aller Wett.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten

Tas ungültige Lebensjahr.

Paris.

Der Finanzdirektor R., ein höherer Beamter im französischen Finanzministerium, fühlte die Seit kommen, in der es selbst dem pflichtg t.cue- ftcn Beamten vergönnt ist, an sich zu denken und sich pensionieren zu lasen. Er verabschiedete sich also von seinen Mitarbeitern und begab sich zur Wiederherstellung seiner im Dienst etwas ange­griffenen Gesundheit auf eine lange Auslandreise. Da er von seiner Amtzeit her wußt.', was Ein­schränkung heißt, bestreit er deren Kosten aus seinen Ersparnis cn, lieh die Pension ruhig an» stehen und kehrte eines Tages mit dem Bewuß t - sein nach Paris »»rück, Gläubiger des Staates zu sein. Als er aber am nächsten Tage seine aus­gelaufene Pension abheben wollte, muhte er fol­gende traurige Erfahrung machen: ein 3ahr seines Lebens, das Jahr, das er im Auslande verlebt halt?,rechnete nicht". Denn, so sagte man ihm, er habe cs versäumt, pslichtschuldigst die alle drei Monate fällige Bescheinigung beizu­bringen, dah er lebe und zum Empfang der Pen­sion berechtigt fei. Den Rachweis seiner Berech­tigung konnte er schließlich führen, es fcfj't- aber eben deren Wiederholung an jedem Quartals- erftcn. 11 nb vergebens bemühte fich der arme Mann nachzuweisen, dah, wenn er im gegen­wärtigen Augenblick noch lebe, er doch schließlich nicht ein Jahr lang tot gewesen sein kann, man glaubt es ihm nicht oder will es nicht glau­ben, wenn er es nicht schwarz auf weih beweisen kann. Das einzige, was ihm doch noch gelungen ist, er konnte seinen Lebrnsnachweis für das letzte Vierteljahr erbringen; es bleibt aber noch die Lücke von dreiviertel Jahren als dunkler Punkt in seinem Dasein, und es ist fraglich, ob es gelingen wird, die berechtigten Zweifel des Amtsschimmels auch darüber zu beruhigen.

Es war einmal

ein kleiner Lchwyzcr Kuhhirt...

willig zu einer Pariser Reise. Poullin empfing seinen Schützling mit offenen Armen, ließ ihn in der Oper Probe singen, und vierundzwanzig Stunden später war der kleine Schwyzer Kuhhirt engagiertes Mitglied des großen Opernhauses der französischen Hauptstadt. In einem knappen Monat eroberte Enrico di Mazay Presse und Publikum im Fluge und heute gilt er bereit' als ein vielgenannter Anwärter auf die Erbscha t des bisher unübertroffenen Caruso.

Tie Nutz gilt nichts in ihrem Batcrlandc.

(m) Sao Paulo.

Draußen, in anderen Gegenden schätzt und ißt man die brasilianische Ruß, die dreieckige, hart­schalige. Aber im eigenen brasilianischen Dater- lande galt sie nichts. Die Veracht.mg dieser Rutz geht soweit, daß die Handelskammer von Sao Paulo sich entschlossen hat, für die Frucht aus dem Staate am Amazonas einen großen Pcopa» gandofeldzug zu veranstalten, um auch im eigenen Lande den Verbrauch anzuregen. Man ficht, es geht mit den Rüssen wie mit den Propheten: sie gelten nichts in ihrem Vat.rlande.

Eoldatcnlicbe.

B. Sofia.

Herr C. ist Direktor einer großen italienischen Dank in Sofia, also angesehener Bürger eines angefehenen Staates. Das h lf ihm aber in einer gefährlichen Lage, wie man sehen wird gar nichts und machte weder auf Polizei noch Militär­behörden den nötigen Eindruck. Herr C. bewohnt im Zentrum Sofias eine Wohnung ßu ebener Erde. Nächtlicherweile hörte der 3laliener, wie sich jemand an einem Fenster zu schaffen machte,

um unbefugterweise in die Wohnung einzudrin­gen. C. schlug Lärm, und eine gerade des Weges kommende Polizeistreife nahm den Ruhestörer fest: es war ein Unteroffizier des Sofioter Eisen» bahnregimenls, der seine Liebste, Köchin in Dien­sten der italienischen Familie, besuchen wollte. Die Polizisten nahmen den Unteroffizier mit sich, und Herr und Frau C. legten sich beruhigt schlafen. Rach einer Viertelstunde schon wurden sie durch das Geräusch zersplitternden Glases auf­geweckt. Der Unteroffizier war wieder da. Polizei Darf Militärperfonen nicht in Haft nehmen, und so hatten die Polizisten den randalierenden Un­teroffizier laufen lassen müssen, der nun seine Bemühungen, zu seiner Köchin zu gelangen, zum Entsetzen des Hausherrn fortsehte. Da gab Herr C. ein paar Schreckschüsse ab, und eine schon durch die Polizei alarmierte Militär­patrouille erschien und nahm den Unteroffizier wieder fest. Lang scheinen sie ihn nicht behalten zu haben, vermutlich hatte er ihnen ein paar Zigaretten spendiert -denn nach einer halben Stunde erschien der Losgelassene wiederum im Garten des Herrn C., diesmal sichtlich erzürnt und begann aus seinem Dienstrevolver die Woh­nung des Italieners zu beschießen. Reun Kugel­einschläge ließen sich in den Wänden der Woh­nung feststellen. Der Italiener erwiderte das Feuer, worauf der Unteroffizier auf einen Daum im Garten flüchtete. Die Schießerei hatte w'cder Polizei auf den Plan gerufen, die aber dem ein energisches Einschreiten verlangenden Haus­herrn rundweg erklärte, dah erstens der An­greifer ein Soldat fei, gegen den sie nichts unter­nehmen dürften, und überdies fei der Mann be­waffnet, auf einem Daum in guter Deckung, so daß feine Ergreifung mit erheblicher Gefahr verbunden sei! Mit diesem Bescheid verliehen die Polizeimänner mitten in der Rächt den Kampfplatz: der Italiener und seine Frau wußten

keinen anderen Rat, als sich ein Auto kommen zu lassen, um die Rächt im Hotel zu verbringen.

In Bulgarien scheinen nunmehr Militärper­sonen gegenüber Zivilpersonen völlige Schieb­freibeit zu haben, denn aus die diplomatischen Beschwerden Italien- wurde geantwortet: daß der Fall vor allem die Polizeibehörden nichts angehe, und daß derartige Abenteuer mit liebes» tollen Unteroffizieren nicht tragisch zu nehmen seien, worauf der Bankdirektor fdjleunigft um seine Versetzung in ein anderes Land mit ur- baneren Sitten einkam.

Münchcncr Bier an der Goldküste.

(f) London.

Zu einer geradezu furchtbaren Entdeckung für die englische Branntwein» und Dierprodukiion haben die statistischen Angaben des Kolonial­ministeriums über einige Kolonien des britischen Reiches geführt. Und wenn cs fich hier auch nur um die mit etwas über zwei Millionen bevölkerte englische Goldküste im 'Westen Afrikas handelt. so find die Zahlen doch so vielsagend^ daß mit einer Reuauslage des alten Kampfes: Hie Freihändler hie Schutzzöllner gerechnet werden mutz.Rämlich: an der Goldküste wird deutsches, wird Münchener Bier getrunken! Man bedenke, was diese Entdeckung für das englische Mutterland bedeutet! 3m vergangenen Jahre hat die Alkoholeinfuhr gegenüber dem Vorjahre wieder um die Hälfte zugenommen und nur ein Zehntel davon entfällt auf englischen Wa- choldenschnaps und englisches Bier, während den Löwenanteil dieser .Ratzlegung" der Goldküste Deutschland, in Sonderheit München einheimst. Was wird England nun tun? Wird es dis bekanntendringend erforderlichen Maßnahmen" ergreifen? Man Weitz es nicht. 3edenfalls steht fest, datz die Reger der Goldküste keinen schlechten Durst haben müssen und datz sie im übrigen auch gar keinen üblen Geschmack bewiesen haben.

Hände hoch - Kriminalpolizei!"

Was ich in ckSjährigem Kampf gegen das internationale Verbrechertum erlebte.

(h) Gen f.

Scejaplana ist der höchste Berg, der in der SchweizRhätikon" genannten Ostalpen. Untoe.t der 2869 Meter hohen Spitze stand die bescheidene Hütte der Familie di Mazay. Die Mutter war eine Deutschschweizerin. der Vater ein gebürt ger Italiener. Der älteste Sohn Enrico galt als tapferster Junge der ganzen Gegend. Er hütete die Kühe ,einer Eltern und fang dazu die vom Vater, gel rnten italienischen Volkslieder. Wahr­scheinlich hätte er zeitl:bens diese nicht übermäßig komplizierte Tchtlgl.it ausgeübt, wenn ihm nicht der Zufall einen dicken Strich durch die Rechnung gezogen haben würde. Enrico mußte wöchentlich zweimal hinunter nach dem internationalen Bade­ort Ragaz, um dort Milch, Butter und Käfe zu verkaufen. Unterwegs stimmte er zu seinem Spatz seine Liedchen an und Hetz sich nicht träumen, datz an seinem Gesang auch ein andrer Gefallen fin­den könnte. Und doch kam es fo; der Kurgast, dem Enricos kristallllarer Tenor auffiel und in helles Entzücken versetzte, war kein anderer als Monsieur Poullin, der Direktor der staatlichen Musikhochschule zu Paris. Der Dollblutmusiker war von der kräftigen Stimme des jungen Dauernburschen restlos begeistert und nahm sich die nicht geringe Mühe, die hoch oben in den Bergen gelegene Hütte der Familie Mazay aus­findig zu machen. Mit dem jugendlichen Sänger konnte sich der Prosessor kaum verständigen, die Eltern verstanden aber etwas Französisch und waren ohne Umstände bereit, ihren Aeltesten dem feinen Herrn anzuvertrauen. Wiewohl die Be­hauptung des Parisers, die Kehle Enricos berge einen Schah, über die Begriffe der einfachen Leute ging, lockten sie nicht wenig die Verspre­chungen Poullins, datz der Junge in absehbarer Seit viel Geld verdienen würde. Ohne sich von seinen geliebten Bergen verabschieden zu können, mußte Enrico sehr gegen seinen eigenen Willen das väterliche Hous verlassen. Poullin kleidete seinen Schützling in Ragaz ein, und weiter ging die Reise nach Paris. 3n der Seinestadt ange­langt, erhielt der abgebaut.' Kuhhirt Sprach- unb Gefangunterricht. Beides machte dem Sohn der Berge wenig Spaß, er empfand unüber­windliches Heimweh und rückte nach etwa vier­wöchigem Großstadtleben in einem unbewachten Moment aus. Poullin war aber nicht der Mann, der fich das hätte gefallen lassen. Gr wußte nur zu gut, wo er den Ausreißer suchen sollte und nahm die Strapazen einer zweiten Reife nach Ragaz mit in Kauf. Er scheute auch die Klctter- partie zur Mazayschen Hütte nicht und fand feinen Schüler, wie angenommen, die braven Kühe betreuend auf der Weidewicfe vor. Auch diesmal vertrieb sich Enrico die Zeit mit Ge­sang. Allerdings sind die vier Wochen Paris nicht spurlos an ihm vorübergegangen: die Alpen müssen nicht wenig verwundert gewesen fein, den Behüter der Kühe Tonleitern fingen zu hören I Da wußte Professor Poullin, dah der Unterricht auf fruchtbaren Boden gefallen sei und versuchte, einen Ausweg zu finden. Enrico sollte seine Studien zunächst bei einem Gesangs­meister in Ragaz fortsetzen und sich fo erst Schritt für Schritt an dieZivilifation" im Singen und im Benehmen gewöhnen, ohne hierbei feine heimatliche Umg bung zu vermißen. Diese Berechnung erwies sich als richtig. Rach einiger Zeit drängte die Macht der Musik die Liebe zu der Ratur in den Hintergrund, und nach ctcoa einjährigem Studium entschloß sich Enrico fret-

vi n.

Ein Spiel um Leben und Tod.

AlSArzt" in der Bcrbrccherhöhle.

Einige interessantere Kriminalfälle, deren Be­arbeitung und Aufklärung mir in der Folgezeit übertragen wurde, verdienen der Erwähnung. 3m Januar 1922 wurde in der Brunnenstraße der Kriminalbeamte Bruder von Verbrechern, die er bei einem Einbruch ertappt hatte, nieder» geschossen. Bruder war spät nachts durch die Brunnenstraße gegangen, als er plötzlich aus einem Kohlenkeller, dessen Tür nur angelehnt war, lautes Klopfen und leise flüsternde Stimmen vernahm. Schnell hatte er feine Dienstpistole fchuhfertig gemacht und beobachtete vom Ein­gänge bed Kellers her, was b rinnen vor ging. Selbstverständlich waren es Einbrecher, aber ihr nächtlicher Besuch galt natürlich nicht dem Koh­lenkeller, sondern dem darüber gelegenen Kon­fektionsgeschäfte, in das sie mittels Durchbre­chens der Decke gelangen wollten. Aber die Ein­brecher hatten gemerft, daß oben am Eingänge etwas nicht in Ordnung war, und zogen es vor, sich durch Flucht zu retten, um sich nicht der Gefahr einer Festnahme auszusetzen. Rasch und für den beobachtenden Beamten unerwartet, bra­chen sie, unter Zurücklassung ihrer ge amten W r&euge. aus dem 5 e ler heraus Der KZmlral­be amte war zwar zuerst überrascht, nahm bann aber sofort die Verfolgung der vier Einbrecher auf, und gab, als die Flüchtigen seiner mehr­maligen Aufforderung, stehenzubleiben, nicht nachkamen, einige Schüsse auf sie ab. An der Ecke der Brunnen- und Rheinsbergerstraße wandte sich aber einer der Verbrecher um und schoß auf den Beamten, der, von zwei Kugeln getroffen, zusammenbrach. Während die Ver­brecher entflohen und entkamen, nahmen sich Passanten des Schwerverletzten an und sorgten für feine Lieberführung nach der Rettungs­wache in der Lothringer Straße. Don dort brachte man ihn nach der Klinik in der Ziegel­straße und benachrichtigte den Chefarzt, der in rührendem Pflichteifer sofort herbeieilte, um die Operation, durch welche allein das Leben des Beamten gerettet werden konnte, vorzu­nehmen.

Der Kriminalbeamte lag vorläufig verneh­mungsunfähig in der Klinik. Tie beiden Zeugen, die ihn ausgefunden hatten, wollten nur einige Schüsse gehört und dann einen Mann in einem kurzen, Hellen Raglan-Mantel in eiligen Sprün­gen die Rheinsberger Straße hinunterflüchtend, gesehen haben. Feststellungen in der Rachbar­schaft hatten wenig Srsolg. Schließlich erschien bei der Kriminalpolizei ein etwas zweifelhafter Geselle, der aber überaus wichtige Angaben machen wollte. Er behauptete, in den frühen Morgenstunden in der Ebcrswalder S.raße einen Schlächtcrwagen beobachtet zu haben, der lang­sam durch die Eberswalder und die Danziger Straße gefahren und dann in die Schliemann» straße eingebogen sei. Auf dem Wagen habe ein vor Schmerzen stöhnender Mann gelegen, und eine etwas korpulente Frau sei neben dem Wa­gen hergegangen, habe sich aber noch in der

Don Kriminalkommissar Ernst Engelbrecht.

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Eberswalder Straße verabschiedet. Es war als sicher anzunehmen, daß diese Bekundung mit dem Vorfall zusammenhing und dah es sich um einen von den vier Verbrechern handelte, der bei der Verfolgung von dem Kriminalbsamten verwundet toorben war.

liniere Aufgabe war zunächst, diese Frau zu ermitteln, und überraschend schnell gelang auch ihre Feststellung. Sie war die Gattin eines ehr­baren Magistratsbeamten, die sich mit dem Vertriebe gestohlener Sachen beschäftigte und, wie fich später herausstellte, die Hauptabneh­merin der Einbrecherbande, die den Kriminal­beamten angeschofsen hatte. DieDicke" ge­stand in ihrer Angst sofort alles ein und er­zählte, daß eine ihrem Haus gegenüberwohnende Frau sie um Besorgung eines Wagens gebeten habe, um ihren, bei einem Einbruch schwer ver­wundeten Mann aus seiner Wohnung fortzu­schaffen. Sie habe, um diesem Manne, der ihr schon häufig größere Posten Lebensmittel abgegeben hätte, zu helfen, ihren Vetter, einen Schlachter, um Gestellung eines Fuhrwerks ge­beten. Dieser habe auch ifjre Bitte erfüllt und den Verwundeten abgeholt, es entziehe sich aber ihrer Kenntnis, wohin man ihn transportiert habe. Sie nehme an, daß der Verwundete zu seinem Freunde gebracht worden fei, der in der Schliemannstraße wohne. Den Qtamen dieses Freundes und die Rümmer des betreffenden Hauses könne sie aber, obwohl sie vor mehreren Jahren mal dort gewesen fei, nicht angeben. Die Frau deS angeschossenen Einbrechers stritt natürlich die Angaben derDicken" ab und behauptete, daß ihr Mann feit einigen Tagen verreist fei. Da der Schlächter, der ben Trans­port ausgeführt hatte, nicht angetroffen und deshalb bei ihm die fragliche Wohnung nicht festgestellt werden konnte, mußte die Äriminal- polizei versuchen, mit Hilfe derDicken" das Haus zu ermitteln. Die Frau wurde mitgenom­men und bezeichnete in der Schliemannstraße vier oder fünf Häuser, in denen der betreffende Freund des angeschofsenen Einbrechers wohnen müsse.Wollmut" oder so ähnlich müsse übri­gens der Mann heißen, und fein Rame stehe auch, fo weit sie sich entsinne, an der Eingangs­tür. Schließlich gelang dem recherchierenden Be­amten die Ermittlung, daß in einem der bezeich­neten Häuser eine Familie mit ähnlichem Ramen wohnte. Eine Befragung des Hausportiers er­gab, daß gerade die Mutter diesesWollmut" eben bei ihm gewesen war und ihn um Bestellung eines Arztes gebeten habe, weil einer ihrer Söhne plötzlich erkrankt fei. DieDicke" war sichtlich zufrieden, als wir auf ihren weiteren Dienst verzichteten und sie einstweilen entließen. Sie warnte uns aber noch dringend vor den Ein­brechern, denn sie wiße bestimmt, daß alle vier Schußwaffen bei sich führten und selbst während der Rächt bei sich behielten. Sie hätten außerdem geschworen, sich niemals festnchmen zu lassen, sondern ihre Freiheit rücksichtslos mit der Schuß­waffe zu verteidigen.

Um das Leben der Kriminalbeamten nicht un­nötig zu gefährden, mutzten wir zu einer List . greifen. Ich beauftragte meine mich begleitenden vier Beamten, vor der Tür der Wohnung zu bleiben und auf meinen Ruf zu warten. 3ch

selbst machte die Pistole schußfertig und steckte sie entsichert, die Hand am Abzugsbügel, in die rechte Manteltasche, um erforderlichenfalls durch die Tafche schießen zu können. Mit der Linken öffnete ich die Tür, die In die Küche führte. Eie war unverschlossen. Dom Bette aus schreckte ein Bursche empor, dessen Hand versteckt unter das Kopfkissen griff.Ich bin der Arzt, Sie haben nach mir geschickt, wo ist der Kranke?" fragte ich ruhig. Die Spannung im Gesicht des Menschen löste sich sofort, er stieg aus dem Bette und öffnete mir die Stubentür.Der Arzt!" rief er in das Zimmer und ging mir voran. Ein widerlich süßer Geruch nach Jodoform strömte mir entgegen. Im Zimmer selbst drei Betten, und während mir aus zwei Betten die lauernden Augen der Verbrecher entgegenftarr» ten, lag im dritten Bett ein wachsbleicher Mann, der wimmerte und stöhnte,ach, Herr Doktor, helfen Sie mir, ich habe solche Schmerzen, mir hat jemand in den Rücken geschossen" 1

Lassen Sie mal sehen!" erwiderte ich, und forderte die drei andern auf, ihrem Freund zu helfen und ihn einmal hochzuheben, damit ich die Wunde im Rücken in Augenschein nehmen konnte. Und alle drei zeigten sich willfährig und griffen sofort hilfsbereit zu. Ich ging schein­bar interessiert auf die andere Seite des Kranken zwischen die Verbrecher und ihre Betten, in denen sie ihre Pistolen verborgen haben sollten, riß dann plötzlich meine Pistole aus der Tasche und donnerte ihnen einKriminalpolizei Hände hoch!" entgegen. Zwar ließen die über­rumpelten Verbrecher sofort ihren Freund fallen und versuchten es, sich auf mich zu stürzen, aber schon waren meine Kriminalbeamlen eingedrungen und überwältigten sie. Die drei wurden ge­fesselt und dann zusammen mit dem Verwundeten ab transportiert. In allen vier Betten fanden wir, versteckt unter den Kopfkissen, geladene Pistolen, und die weitere Durchsuchung der Woh­nung förderte große Mengen Schokolade, Stoffe. Seide, Schuhe und Lebensmittel, die aus Ein­brüchen stammten und zu deren Verladung ein besonderes Fuhrwerk erforderlich war, zutage. Als wir einige Stunden später die Festgenomme­nen in der Klinik dem fast hoffnungslos danie­derliegenden Kriminalbeamten gegenüberftell'.en, erkannte dieser alle drei mit Sicherheit wieder.

Die weiteren Ermittlungen ergaben, datz die vier Gesellen mit einem fünften, der während un­seres Zugriffs gerade auf der eine fjalbe Treppe tiefer gelegenen To leite gefefen hatte und von dort aus in notdürftigster Kleidung geflüchtet war, zu einet Einbrecherbande gehörten, die als der Schrecken des Rordens bekannt und ge­fürchtet war. Ihre befondere Spezialilät bestand darin, datz sie Mauerwände, Fußböden oder Decken durchbrachen, um in die Läden oder Wohnungen, deren Beraubung sie beabsichtigten, zu gelangen. Sechszehn solche Einbrüche konnten ihnen nachgewiesen werden. Einige Monate svä'.er gelang es auch, das letzte Mitglied der Bande zu ermitteln und festzunehmen. Der pflichttreue Kri­minalbeamte kam zwar mit dem Leben davon, verfiel aber, ein Opfer seines Berufes, dau­erndem Siechtum

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