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Das große Grauen.

Vornan von H. A. von Byern.

Urheber-Rcchtsfchutz d-,rch Verlag Oskar Meister. Werdau.

9 Sortierung. Nachdruck oerboten

Qlur der Traf Andrassy Millos und der Graf Schönborn Koloman, aber morgen, ah, da wirst d' fchaug'n, 's halbste Komitat kommt. bist denn mit deinem Zimmer zufrieden?"

60 eine Frage! Eine Rennbahn könnte man hier cinrichten!"

5>at auch der Erzherzog Leopold Salvator immer drin g'wohnt, wenn er zur Jagd nach Kerefz°Crdö kam. Du, heut' Abend führst d' die Frau von Molnar zu Tifch. hast schon an Stein bei ihr im Brett von wegen die Rosen: sie is Woltern auf der älteren Seiten, will aber be­reuet fein wie an jung's Madel."

.Wird prompt besorgt!"

Arm in Arm schlenderten wir den Gang hinab, traten in den Salon. Mitten unter dem Kron­leuchter, dessen Kerzenlicht sich in hohen Pfeiler» spiegeln und schimmernden Prismen brach, stand die Gräfin d'Harancourt in einem ganz schlichten, weihen Hauskleid, als einzige Schmuclstücke eine Hirfchhalenbro'che und eine mit Auerhahnsteinen besetzte Gürtelschnalle. Gleich einer Schale von Bernstein legte sich das wundervolle, seidenweiche Haar um die Schläfen, die weihe, klassisch ge­formte Stirn, jede Bewegung der tannenschlanken Gestalt verriet sedernde Kraft, schmiegsame Rasse. Doch da trat auch schon der Ritter von Molnar auf mich zu:

»Erlauben S', Baron Graf Andrassy! Graf Schönborn I" Ein paar verbindliche Redensarten, dann öffneten die Diener die nach dem Speise­saal führenden Türen. Rasch bot ich der Dame des Hauses den Arm'

»Gnädigste gestatten?"

Strahlender Lichterglanz, hohe, steiflchnige Stühle und an den Wänden Geweih neben Ge­weih. urige, klobige Beutestücke von fast grotesk wirkenden Ausmaßen.

Ich muhte mich erst zurechtfinden in der neuen Umgebung, die so fremdartig wirkte. Aber dann kam rasch eine gemüt.iche Stimmung aus. und ich entsann mich meiner Pflichten als Tischherr, zog alle Register der Liebenswürdigkeit, obwohl ich todmüde war. Der Vinzenz mochte es mir an- sehen und beugte sich zu mir hinüber:

»Weiht d', Alterle. nacha drückst' di auf fran­zösisch, lang bleiben ma heunt auch nimmer auf, wird morgen a anstrengender Tag. de ersten Gäst kommen schon früh."

Die Diener beten den Rächt sch an, Butter und

Käse, Obst, dann hob Frau von Molnar die Tafel aus. Gräfin Soch.) kam auf mich zu:

»Wollen Sie mal meinen Sechzehnender fehen und die beiden Zwölfer vom Vinzenz? Die Ge­weihe stehen drüben in Onkels Zimmer..Sie schlug eine Portiere zurück: »Run?" 3m ersten Augenblick war ich sprachlos lieber Himmel, was war dagegen meine Schädelstätte daheim! Rehkronen bis zum Virrzehner, mit Stangen wie ein schwacher Hirsch, Keilerwaffen von urwelt­lichen Dimensionen und Geweihe meine Müdigkeit war wie toeggeb'a cn! Aber alle diese Beutestücke reichten doch nicht an den hoch- kapitalen Sechzehnender heran, dessen über und über geperlte und gerillte, tiefschwarze Stangen mit den schneeig blitzenden Endenspitzen und prachtvollen Decherkronen sich von dem dunilen Hir tergrund abhoben wie Kerzen an einem Weih- nachtsbaum.

»Und den haben Sie geschossen, Gräfin?"

,3a, ich!" 3n den dunklen Augensternen blitzte es seltsam auf. die feinen Rüstern blähten sich wie bet einem Rassepferd. »3ch möchte nicht leben, wenn ich nicht mehr jagen könnte!" 3n dem Ton der Stimme lag etwas, das mich aufblicken lieh:

»So passioniert sind Sie?!"

»Die 3agd ist mir alles, alles..."

»Grad wie mir!" Plötzlich stand mein Freund neben und: »Hab' mir's eh g dacht, daß es der Sopherl koa Ruah laßt, l glaub, für an starken Hirsch gäb's ihre ewige Seligkeit hin."

»Wenn er so ist wie der Sech'.ehnender." Das sollte ein Scherz sein, natürlich und doch ich fröstelte unwillkürlich.

»Was hast d' denn?" fragte mich Vinzenz.

»Richts weiter, vielleicht ist ein Schnupfen im Anzug!"

.Wär' net schlecht! Dann aber marsch, ins Bett, wirst am End' gar noch krank? Komm', trink' a Schaler! Mokka!"

Das junge Mädchen bot mir eine blattdünne Sevrestasse an:

.Ein oder zwei Stückchen Zucker?"

»Wenn ich bitten darf. zwei. 3n dieser Be­ziehung halte ich es mit den Türken: süh wie die Liebe, schwarz wie die Rächt und heiß wie die Hölle."

Der Ritter von Molnar gähnte verstohlen, und fünf Minuten später wurde zum Aufbruch ge­blasen. Mein Freund begleitete mich bis zur Tür meines Zimmers:

»Schlaf schön, Alterle, Frühstück kannst d' zu jeder Zeit haben und träum' guat...

Roch ein Huschen, Flüstern drauhen auf dem Flur, dann Stille, nur die kleine Douleuhr auf dem Kaminsims tickte leise und teilte bje ver­rinnende Zeit in rieselnde Sekunden...

Helles Sonnengold flutete in zitternden Wellen durch die hl>hen Fenster, als ich erwachte. Von

dem nach der anderen Seite des Schlosses ge­legenen Hofe her llang Räderrollen. Ein rascher Blick auf die Uhr. gerechter Himmel, zwanzig Minuten nach zehn! QIdct wie neugeboren fühlte ich mich, keine Spur von Ueoernächtigkeit. Drau- hen lag der tief verschneite Park in all der zauberhaften Pracht eines strahlend schönen Win­tertages: Laubengänge aus bixarr verschnittenen Koniferen mannshohe Hecken. Der glitzernde Eis­spiegel eines Sers. Und aus der Halle klang helles Lachen. Stimmengewirr wie das Surren und Summen eines aufgestörten Bienenschwarms. 3ch lieh mir Zeit: hatte ich einmal verschlafen, so kam es auf ein halacs oder ganzes Stündchen mehr auch nicht an, und bei dem allgemeinen Trubel würde mein Fehlen kaum auffallen. 3n aller Ruhe beendete ich meine Toilette, dann machte ich mich an das Auspacken der Koffer, der Kiste und klingelte. Ein Diener trat ein:

»Ew. Gnaden befehlen?"

»Sagen Sie mal, lieber Freund, haben Sie eine Ahnung, wo die Hochzeitsgeschenke für das Brautpaar untergebracht werden?""

»Sehr wohl, im fogenannien »weihen Saal", gleich neben dem Wintergarten..."

»Schön, dann befördern Sie doch, bitte, mal diese Kiste dorthin und packen Sie vollends aus, aber vorsichtig, damit nichts entzwei geht!"

3ch hob den Deckel ab und entfernte d'.e oberste Watteschicht Go.t sei Dank, alles war noch heil und unversehrt.

.Und wo wird gefrühstückt?"

»3m alten 3agdzimmer. Wenn ich Ew. Gnaden geleiten darf?"

Mir war 's recht, und ich folgte dem Be­dienten über eine Wendeltreppe in das obere Stockwerk. Das sogenannte »alte 3agdzimmer" war gedrängt voller Menschen, etwas hilflos sah ich mich um, aber da stand plötzlich die schlanke Rcitergcstalt des Grasen Pernegg vor mir:

»3essas!. Baron! Ra, so an Wiederschau n! Und der Poldi Pürkstein is auch da! Sagen S' bloh, wann san S' denn angekommn?"

»Gestern abend, doch... ich kenne noch nie­manden, wenn Sie mich, bitte, den Herrschaften vorstellen wollen?"

Der Rittmeister von Pernegg lachte, dah die festen, weihen Zähne in dem hageren braunge­brannten Gesicht blitzten:

»3 kenn' selber niemanden, is ja auch egal, die Ramen vergiht man eh wieder, kommen S' nur, jetzt trinken ma erst an Schaleri Haut...

Ueberafl waren kleine Tische gedeckt, Mädels in ungarischer Rationaltracht servierten, magya­rische 2aute klangen auf...

»Poldi! - Poldi!"

Das Einglas im Auge, schob sich Graf Pürk- stein durch das Gedränge, ein Kettchm mit Miniaturvrden auf der feibengefütterlen Klappe des Smokings:

»Servus. Baron, ist riesig nett, daß S' auch gekommen sind, setzen wir uns gleich z samm?"

3ch war hrilssroh. wenigstens ein paar Be­kannte entdeckt zu haben: denn der Vinzenz blieb unsichtbar. natürlich, wenn einer vor dem Honigtopf sitzt... !

Aber dafür tauchte der Ritter von Molnar auf. erhitzt, schwitzend, ruderte mit weit aus» holenden Armbewegun en auf uns zu:

»Servus! Ausgezeichnet! Wann l bitten dürst'. Baron. Sie führen die Sophy zu Tifch, um drei. Uhr wird diniert." Da war er schon einen Tisch weiter: »Servus! Servus! Freit mich uagebeierf'

»Auch gut, frühstück'n ma gleich durch!" schlug der Rittmeister vor. »Halt, Madel!" Damit hielt er eine niedliche Kleine an. tätschelte ihr wohl­wollend den Arm und stellte einrn mit Eis ge­füllten Kübel, aus dem der vergo.drte Hals einer Schaumweinfiasche ragte, neben seinen Stuhl: »S,'iel'n ma 'ne Partie Tarock, ja? 38 recht ?" 3s recht?"

Erst wollte ich protestieren, doch dann gab ich nach, es war wirklich das beste Mittel, um die Zeit tv zuschlagen, und h.er kümmerte sich ohne- hin kein Mensch um den anderen.

Ein Heller, schmetternder Fanfarenton. der Poldi Pürlstein warf die Karten zusammen.

»3essas. unsere Tischdamen!"

Rebenan im »weihen Saal" waren Wohl an hundertsünfzig Menschen versammelt. 3ch muhte sanfte Gewalt anwenden. um mir den Weg zu dem Brautpaar zu bahnen, das neben dem Gabentisch stand:

»Tinzenz!" . '

»Alterle! Endlich! lind sei mir net Harb, i könnt inich net freimachen..." Ein Händedrnck, dann trat ich auf die Gräfin d'Harancourt äu:

»Wie mir 3hr Herr Oiuel sagte, habe ich di« Ehre..Sie lachte mich an.

O bitte, ganz auf meiner Seite!" ilnb dazu machte sie einen richtigen Schuimädelknix: »Schauen S' nur, is das nit prachtvoll, und der Tafelaufsatz...

»Gefällt er 3hnen, Gräfin? 3ch fürchtete schon, 3hren Geschmack nicht getroffen zu haben...

»Der... der ist von 3hnen?"

»3 hab g'meint vom Leopold Salvator...?"

»»3 hab g'meint vom Leopold Salvator... ?"

»Rein." Frau von Molnar bot mir lächelnd die Hand: »Der Erzherzog hat das Drachew- mustcrservice geschickt..."

Mein Freu:rd tonnte sich noch immer nicht von seinem Staunen erholen:

»Du! Also das is unrecht, so an G'schenk, der 3agdzug der Diana. Allmeihener Porzellan..."

»Schluh! Schluh! Wenn es dir und der Gräfin nur etwas Freude macht, übrigens es ist ein uralles Erbstück..."

kFottsetzuna folgt.) ________

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