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phantastischen Vorstellungen hinzugeben. baS Ge­fühl mit uns durchgehen zu lassen. Täten Vir dies, so könnten tote davon träumen, daß di« Frauenpartei d.e stärkste Partei sein würde, denn wir Frauen haben in Deutschland durch den Zweirni lionenüberschuh die numerische lieber- legenheit. Es ist auch zweifellos, daß, wenn wir die Ge olgschaft erringen, die Führe rinn en da sind. Wir hätten auch ein Wahlprogramm, das wie kein anderes geeignet wäre. Begeisterung hervorzuru'en, das an die weib iche Solidarität appellieren könnte, im Sinne des Rechts, der Ge- rechtigle'.t, zum Zwecke der Beseitigung von Jahr- tausende altem Unrecht, das man den Frauen angetan hat.

Die Frage ist nur: auf welche Gefolgschaft wäre, küh.en Bluts, zu rechnen?

Die proletarischen Frauen blieben in ihrer großen Mehrzahl fern. Roch immer ist die Frauenwelt in zwei große Heerscharen eingeteilt: in die bürgerliche und in die proletarische. Die Millionen weiblicher Industriearbeiter erkennen Wohl die Solidarität aller Arbeitnehmer an, aber nicht die aller Frauen. Unter dem Ein­fluß der Klassenkampftheorie der Sozialdemo­kratie steht für sie nicht daS, was die Frauen verbindet, sondern was sie trennt, im Vorder­grund.

Würden aber die übrigen, die bürger­lichen Frauen. Anhängerinnen der Frauen­partei werden?

Für die große Mebrheit ist die Frage zu verneinen. Weltanschauungsmäßig fühlen sie sich zu einer der bestehenden Parteien hingezo­gen. Lautet doch ein Paragraph der zehn Ge­bote zum Frauenwahlrecht:Du sollst dich für eine Partei entscheiden und sie nicht ohne Rot verlassen: über ihre Schwächen sollst du hinweg­sehen, wenn du mit ihrer Grundstimmung ein­verstanden bist!" Damit wird von feiten der offiziellen Frauenbewegung, von der die Ge­bote ausqingen, der Grundsatz proklamiert, daß die Stellung einer Partei zur Frauen­frage nicht ausschlaggebend für die Zugehörig­keit der Fragen sein dürfe, daß vielmehr der gesamte Komplex von Weltanschauungs- und In­teressengemeinschaft. der bei einer Partei zum Ausdruck kommt, das Entscheidende sein sollte.

So ist es tatsächlich gekommen.

Wenn die weiblichen Mitglieder einer Partei man kann sagen: jeder Partei unter sich sind, so gestehen sie ganz unverblümt ein, daß die Stellung ihrer Partei zu Frauenforderun- gen ganz und gar nicht ihren berechtigten Wün­schen entspricht. Cs wird dann weidlich auf die Bonzen geschimpft, die den weiblichen Einfluß nicht stärken wollen, die die weiblichen Kan- bidaten recht ungünstig auf der Wahlliste an­bringen. aber es wird dann nicht die Konsequenz gezogen, sich eine andere Partei, welche besser für Fraueninteressen eintritt, zu suchen. 2m Gegenteil: nach außen hin wird den Wählerinnen in den öffentlichen Versammlungen auseinander­gesetzt, daß gerade die Partei (welche die Ver­sammlung einberufen hat) in erfreulichster Weise frauenfreundlich ist.

Bei dieser Sachlage gelangt man zu der Fol­gerung, daß die Gründung einer Frauenpartei letzt verfrüht erscheint. Erst wenn die Solidarität der Frauen eine tatsächliche geworden ist, ist die Zeit der Frauenpartei gekommen. Roch ist es nicht so weit, noch ist dos gegenseitige Miß­trauen. die gegenseitige Eifersucht nicht aus­gestorben, die für alle Unterdrückten charakte­ristisch ist. Cs wäre zweifellos ein verhängnis­voller Fehler, die Frauenpartei früher zu in­augurieren, ehe die Zeit hierfür reif ist. Eine Frauenpartei, die völlig bedeutungslos bliebe, würde von den zahlreichen Gegnern der Frauen­sache zu ihren Zwecken ausgenützt werden, würde ein sa.sches B'.ld des Umfangs der Anhängev- sthaft der Frauengleichberechtigung geben.

Will man ein Fiasko vermeiden und gerade die Politik ist die Kunst, das Möglich« zu er- reichen. aber doch den weiblichen Einfluß stärken, so stelle man innerhalb der Parteien be­sondere Frauen listen aus. Es ist töricht, daß dieser Idee seitens der Männer Widerstand entgegengebracht wird, denn es gibt kein besseres Mittel, die Frauen bei der Slang« zu halten. Die Listen mit weiblichen Abgeordnetenkandidaten werden Helle Begeisterung auslösen, weil durch sie mancher Frau ein Konflikt erspart bleibt: die Wählerinnen können ihrer Partei und zu­gleich der Frauenfache treu bleiben. Selbstver­ständlich muh man fordern, daß keine verstüm­melten Frauenlisten aufgestellt werden, sondern daß sie den tatsächlichen Verhältnissen entspre­chen, daß durch sie der Frauenwille doll zum Ausdruck gelangt.

Schafft Frauenlisten!" sollte der Weckruf sein, der gleichgültige oder resignierte Frauengeister zu neuem Leben, zu neuer Tätigkeit anspornt! Schafft Frauenlisten!" und der Fortschritt der Frauensache ist gewihi

Gießener Wohlfahrtsarbeit im Jahre 1928.

Die Dargeldunterstützungen für S t a d t a r m e machten im Iahre 1928 in der Arbeit des städtischen Wohlfahrtsamtes wieder- um einen wichtigen Teil aus. wenn auch die Zahl der llnterstühungsfälle und die Höhe der Geld­aufwendungen gegenüber dem Vorjahre eine rück­läufige Bewegung aufweist. Im Kalenderjahre 1928 wurden insgesamt 2310 lausende Unter« stützungssälle (im Kalenderjahr 192? ----- 2846). sowie 310 einmalig« Fälle (1135 im Iahre 192?) behandelt. Der Monatsdurchschnitt bezifferte sich 1928 aus 192 laufende (221 im Vorjahre) und 26 einmalige (94 im Vorjahre) älnterstühungs- fälle. Der geldliche Gesamtaufwand belief sich im Kalenderjahre 1928 aus 89 799.20 Mk. (Mo- natsdurchschnitt 7483.27 Mk.), gegen 101 066,60 Mark (Monatsdurchschnitt 842221 Mk.).

In der Zeit vorn 1. Ianuar bis 31. Oktober 1928 wurde die Klinikspslege gewahrt an S t a d t a r m e in 459 Fällen (192? = 488) unter Aufwand von 30 911.63 Mk. Klinikskosten (30 019,44 Mk.) und 9095,71 Mk. für Verband- und Derbrauchsmaterial (8202,42 Mk.): anO r t s- fremde in 505 (439) Fällen unter Aufwand von 39 785.33 Mk. Klinikskosten (38 380,75 Mk.) und 9152,66 Mk. für Verband- und Verbrauchs- matcrial (9226,68 Mk.).

Der Pcovinzial-Pslegeanstolt waren vom Wohlfahrtsamt in dec Zeit vorn 1. Ianuar bis 31. Dezember 1928 insgesamt 30 (im Vor­jahre 37) Pfleglinge überw.esrn unter Aufwand von 11 892.30 Mk. (7753,40 Mk.) Pflegekosten.

In der Heil - undPflegeanstalt brachte das Wohlfahrtsamt im Kalenderjahr 1928 ins­gesamt 67 (65) Pfleglinge unter, wofür 69131,14

Geschichten aus aller Wett.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Der doppelt gestohlene Säugling.

(!) London.

Um Mißverständnisse zu vermeiden: in England gehört der Äinderraub, insbesondere aber das Steh­len von Säuglingen, zu den größten Seltenheiten. Großbritannien ist ein kultiviertes Land und Scot­land Vard hätte auch ohne die Reklame, die ihm Edgar Wallace in feinen Kriminalromanen macht, einen guten Ruf. Trotzdem spricht man jetzt in der Londoner Gesellschaft sehr viel von demdop­pelt gestohlenen Säugling" und zwar aus folgendem Grunde:

Ladn Hilton Äsung. die Gattin des bekannten englischen Bildhauers, hatte in ihrem Garten eine Statue ausgestellt, die den Namender gestohlene Säugling" trug. Das Bildnis stellte einen Mann dar, in desten Armen ein Baby lag. Vor einigen Tagen war der steinerne Säugling nun spurlos ver­schwunden gestohlen, und der marmorneDieb" stand mit leeren Händen do. So wurde denn das Baby zweimal gestohlen, einmal in der Phantasie eines Künstlers und dann zum zweitenmal wirklich. Scotland Dard hat dos Wort.

Ein Nachspiel.

(b) Sofia.

Man wird sich vielleicht noch daran erinnern, daß sich im Sommer des vergangenen Jahres auf dem Flugplatz von Kazanlik ein besonders eigenartiger Unfall ereignete. Der Kommandant des Flugplatzes hatte einen ihm befreundeten jungen Kaufmann, den Sohn eines reichen Rosenölhändlers zu einem Flug über der Stabt Kazanlik mitgenommen. Das Flugzeug stürzt« in einer scharf geflogenen Kurve mitten über der Stadt ab, der Flieger war tot, während der Fluggast mit schweren Verletzungen davonkam. Er gab spater Aufklärung über die Ur­sache des Unfalles: der Pilot hatte ihm, dem des Fliegens völlig unkundigen Kaufmann, in der Luft das Steuer überlasten ... wenig« Minuten später schon rutschte der Apparat in einer scharfen Kurve ab. Die Verwandten des toten Piloten stellten nun an den Vater des unvorsichtigenFliegers" Scha- denersatzansprüche. Obwohl ein steinreicher Monn, wies der Rosenölhänlller alle Ansprüche ab. In einer der letzten Nächte wurde nun Sofias Innen- viertel durch eine heftige Explosion aus dem Schlafe gerissen. Da am nämlichen Abend im Palais gro­ßer Diplomatenempfang war, dachte man im ersten Augenblick an ein politisches Attentat. Die Sache war aber viel harmloser. Freunde des verunglückten Fliegeroffiziers hatten beschlvsten, sich an der hart- herzigen Familie dessen, der das Unglück mitver- schuldet hatte, zu rächen und hatten im Hof der Sofioter Villa des Rosenölhändlers eine Bombe gelegt, die viel Lärm machte, aber nur geringen Schoden anrichtete. Ob sich der Gewarnte nun doch zu einem Schadenersatz bequemen wird, ist sehr fraglich, denn Bomben gehören in Bulgarien schon nicht mehr zu Dingen, vor denen man übermäßigen Respekt hat.

Frau Räuberin.

(sk) Bukarest.

Seit ungefähr einem Iahre werden in gewis­sen Abständen von einer geheimnisvollen Frau es kann sich auch um ein Mädchen handeln Raubüberfälle aus alleingehende Frauen oder Mädchen verübt, ohne daß es bisher gelungen wäre, die Täterin zu eruieren. Dieser Tage er­eignete sich wieder in Galah ein derartiger Üe6er­füll. Als eine Lehrerin namenS Economu eines 2ll>enüs über die Straße ging, wurde sie von einer gutgekleideten Frau angesprochen. Che sie wußte, was die Fremde von ihr wollte, wurde ihr ein mit Aether getränktes Tuch vor das Ge­sicht gehalten, so daß di« Lehrerin das Dewußt- lein verlor. Der weibliche Räuber nahm hierauf die Geldtasche der Lehrerin an sich und ver­schwand. Ein Mietwogenkutscher sand die Be­wußtlose bald darauf und alarmierte die Po­lizei, die nach der Täterin fahndet. Man nimmt an, daß es sich bei dieser seltsamen Räuberin um eine Dame der ersten Gesellschaftskreise han­delt, di« aus einem übermächtigen krankhaften Triebe heraus solche in regelmäßigen Zeitabstän­den wiederkehrenden äleberfälle unternimmt.

Ordnung mutz sein!

(g) Rom.

Die neuen italienischen Gesetze bieten dem gei­stigen Eigentum einen geradezu vorbildlichen Schutz. Der Verband italienischer Autoren sorgt mit echt italienischem Temperament dafür, daß die Tantiemen für öffentliche Aufführungen musi­kalischer Werke in jedem Falle bezahlt werden: sogar bann, wenn es sich um Aufführungen im Rahmen von staatlichen oder gar kirchlichen Ver­anstaltungen handelt. So mußte sich der ita- lienische Organist Gaetano Moschettino neulich vor Gericht verantworten: er spielte in der St. Giorgio-Kirche zu Reapel dasCredo" aus der GounodschenMissa solemnis und vergaß dabei, diese Aufführung bei dem Autorenverband anzumelden. Der Organist argumentierte damit, daß Gounod seit 1893 tot und andererseits das Orgelsbiel in der Kirche nicht alsöffentliche Aufführung" angesehen werden kann. Das Ge­richt war anderer Meinung und stellt« fest, daß di« Kirch« ein öffentliches Gebäude sei, dessen Besuch dem großen Publikum freisteht. Folglich sind hier aufgeführte Musikstücke zweifelsfrei tan­tiemepflichtig. Wohl sei Gounod seit fünfund- dreißig Iahren tot, doch bestünde ein Abkommen zwischen Italien und Frankreich, wonach die gei­stig« Produktion erst fünfzig Iahre nach dem Tod« des Verfaffecs frei, d. h. ohne Tantieme aufführbar werde. Maestro Moschettino wurde rechtskräftig zur Zahlung von 500 Lire Strafe und überdies derunterschlagenen Tantieme" an die Erben Gounods verurteilt. Aber auch dem Staate gegenüber erfahren die Autoren einen ausreichenden Schutz. Rach den neulich abgehal­tenen Manövern hatte der Gouverneur von Alessandrien. Enrico Delvi, die ausländischen Militärattaches zu einem Abschiedsbaillett ge­beten. Auch die Honoratioren waren eingeladen, unter ihnen ein Vertreter deS Autorenverbandes. Wan stelle sich di« Verwunderung des Gouver­neurs vor. als ihm sein Gast vorhielt, daß für die von der Militärkapelle im Laufe deS Abends gezielten Musikstücke eine Tantieme zu entrichten fei.Wo denken Sie hin," meinte der große Herr,das ist hier doch eine staat­lich« Veranstaltung!?"Der Staat ist auch tan­tiemepflichtig, Exzellenz," erwiderte der Gast,und muß mit gutem Beispiel vorangehen. Hier, lesen Sie selbst!Gouverneur Selvi las zwischen Fisch und Braten die Verordnungen, sah ein, daß er aus dem Wege dazu war, eineälnterschlagung" zu begehen (Unkenntnis des Gesetzes ist bekannt­lich kein mildernder Umstand!), und bezahlte als­bald an Ort und Stelle die Tantiemen für den Abend.

Weiblicher Nachtwächter.

(v) Budapest.

Die Gleichberechtigung der Geschlechter ist eine feine Sache, solange man's mit den aus gleichen Rechten entstandenen gleichen Pflichten nicht all­zu genau nimmt. In Ungarn hat man nie das rechte Verständnis für die politischen Rechte der Frau gehabt, und bei bet Respektierung dieser neuen Errungenschaft hat es oft wahre Komö­dien gegeben. DaS netteste Geschichtchen aber er­eignete sich doch in dem Städtchen Hajdusam im Komitat Debrezin. Die dortige Stadtverordneten­versammlung beschloß nämllch in einer ihrer letzten Sitzungen, daß jeder Bürger und jede Bürgerin verpslichtet wäre, ab­wechselnd den Dienst des Rachtwächters zu versehen. Darob großer Protest der weib­lichen Mitbürger bei der Komitatsverwaltung, die denn auch die Stadtväter von Hajdusam sogleich antoieS, die betreffende Verfügung nicht auf Frauen und Mädchen anzuwenden. Aber Hajdusam weigert sich, und zwar mit folgender Begründung:Die Frauen behaupten, sie hätten die gleichen Bürgerrechte wie die Männer. Wer die Vorzüge des Wahlrechts genießen will, muß ober auch bereit fein, den Dienst eines Racht- wächters zu übernehmen." Was fangen die Hajdusamerinnen nun mit ihren politischen Rech­ten an? Wird die Stadt nachts unter weiblicher Obhut stehen oder werden Väter, Gatten, Brüder und Bräutigame zum Schutze der lieben Rachtwächterinnen doppelten Dienst tun?

Mark (39 925,50 Mk.) Pflegekosten aufzubringen waren.

Der Aufwand der Wanderarmensür- sorge im Kalenderjahre 1928 belief sich ins­gesamt auf 9173,90 Mk.. der monatliche Durch­schnitt betrug 912,15 Mark. Verpflegt wurden 7585 Wanderer, von denen 5893 Erwachsene und 1690 Jugendliche waren. (Monatsdurchschnitt 632 Wanderer, davon 491 Erwachsene und 141 Ju­gendliche.) An diese Leute wurden verabreicht 2054 Mittagessen, 7569 Abendessen, 7570 Früh­stück, ferner wurden 6150 Rachtlager gewährt.

Für Mietunter st ühungen (Gebäude- fonberfteuermittel) wurden im Jahre 1928 ins­gesamt 169 687,88 Mark (Monatsdurchschnitt 14 140,66 Mk.) verausgabt. Davon entfallen auf allgemeine Fürsorgefälle 36 205,70 Mk. für ins­gesamt 3756 Parteien, auf Erwerbslose 28 110,90 Mark für 2806 Parteien, auf Kapitalrentner 25 780.35 Mk. für 2352 Parteien, auf Sozialrent­ner 31 914,25 Mk. für 3987 Parteien, auf Vor­zugsrentner 6795,30 Mk. für 583 Parteien, auf Stadtarme 18 921,43 Mk. für 1840 Parteien, auf Kriegsbeschädigte usw. 21 953,95 Mk. für 2915 Parteien. Im Monatsdurchschnitt nahmen 1520 Parteien von diesen Fürsorgeberechtigten das Wohlfahrtsamt in Anspruch.

Von besonderer Bedeutung für die Wohlfahrts­arbeit unserer Stadt wurde das Gesetz zur Be­kämpfung der Geschlechtskrankhei­ten, das seit dem 1. Oktober 1927 in Kraft ist. Die von diesem Gesetz geforderte Gesundheits­behörde ist beim Wohlfahrtsamt (Bezirks ürforge- stelle) errichtet worden. Zur Zeit stehen in Gie­ßen 124 Geschlechtskranke in gesundheitSsürsor- gerischer ilebertoadjunq. und zwar 53 männ­lich« und 51 weibliche Personen. Obwohl sich der Staat, die Landesversicherungsanstalt Hessen und die Krankenkassen an den älntersuchungS- und Behandlungskosten beteiligen, bedeutet die Arbeit des Wohlfahrtsamtes auf diesem Gebiete eine starke finanzielle Belastung unserer Stadt, zumal die Dezirkslürsorgestelle ein beträchtliches Maß an Derwaltungsarbeit und dementsprechenden Kostenaufwand notwendig macht, den die Stadt endgültig trägt. Der Äreidant wirkt als ärzt­licher Berater bei dieser Stelle mit, ferner sind die von der LandesverficherunqSanstalt Hessen eingerichtete Beratungsstelle für Geschlechts­kranke, die hiesigen Aerzte und die Polizei bei

der Durchführung dieses Gesetzes behilflich.

3m Kalenderjahr 1923 gingen bei der BezirkS- lürforgeftclle im D o r z u gs r e n t e nv er­faß r e n 17 Anträge auf Gewährung einer ein­fachen oder erhöhten BorzugSrente ein; ein­schließlich der aus dem Iahre 1927 noch uner­ledigten Anträge wurden insgesamt 22 beraten, von denen bei 20 die Voraussetzungen für die Gewährung der Vorzugsrente als gegeben an­erkannt wurden.

Heber die Tätigkeit der Deputatio­nen und Ausschüsse im Bereiche deSWohl­fahrtsamtes sei schließlich noch berichtet: Im Kalenderjahr 1928 fanden folgende Sitzungen statt: Wohlfahrtsdeputalion 2 Sitzungen mit 25 Gegenständen, Jugendwohlfahrtsdeputa.ten drei Sitzungen mit 33 Gegenständen, Wohlfahrtsaus­schuß 2 Sitzungen mit 4 Gegenständen, Jugend- fürsorgeauSschuh 12 Sitzungen mit 221 Gegenstän­den, RentnerfürsorgeauSschuß 14 Sitzungen mit 598 Gegenständen, Kriegerfürsorgeausfchuß 18 Sitzungen mit 424 Gegenständen, Beirat für Kriegersürsorge 1 Sitzung mit 1 Gegenstand. MietunterstützungsauSschuh 13 Sitzungen mit 662 Gegenständen, Beschwerdeausschuh 5 Sitzungen mit ICO Gegenständen. Ausschuß für Vorzugs­renten 5 Sitzungen mit 22 Gegenständem Der Deschwerdeausschuß hatte nach dieser Lieber, icht in 5 Sitzungen über 100 Beschwerden zu ent­scheiden. Lies« entfielen auf das Kriegerfürsorge­amt mit 24. ba3 Dentnerfürforgeamt mit 40. das Armenamt mit 15, das Jugendamt mit 3, und Angelegenheiten der Wietunterstützung in­folge Erhebung der Sondergebäudesteuer mit 18 Fällen. Don den Beschwerden wurden 55 ab» gelehnt, in 32 Fällen wurde der Beschwerde stattgegeben, bei 9 Beschwerden wurde die Be­schlußfassung Aurüdgeftellt und bei 4 Fällen wurde die Beschwerde durch die Beschwerdefüh­rer vor der Entscheidung zurückgezogen.

Turnen, (Sport und Spiel.

Westdeutscher Spielverband.

Gau Gietzcn-Wctzkar.

Wit Rücksicht auf die herrschende Witterung und die schlechten Aussichten für nächsten Sonn­tag (17. Febr.) hat der ©au Gießen-Weh- lat sämtliche auf diesen Lag angesetzten Der- bandSspiele abgesagt.

Aus der Provinzialhaupisiadk.

Gießen, den 16. Februar 1929»

Die eingefrorene Wasserleitung.

Geehrte Redaktion! Aich mutz Ihne vrrzehle, woas mir bäi Burigt Woch' baf iert iS. Ewe aus dem Bett gekrawwelt, bumst das Dienst- mädche an bäi Tier un streit: Herr Müller, däi Wc s erlciring ctz Ingesrore. aich kann faan Kaffi nett roch«. Ra, denk aich. es werd' immer schenner. nach deS noch. Rix wäi «raus aus bem Schlof- zimmer un in de Keller. Wäi aich de Krohn« uffdreh. tröbbelt nor p Diel Wasser erauS, wäi mer zou em Kobbche Kaffi braucht.

.Bettche," saht aich, »ra'ch däi zwaa Wenn* flasche uff de Owe. mer nüffe Haast Wasser hawwe. aach noch e paar Labbe un Dotzlicher warm mache, daß mer däi Rohre uff taue kenne." Dann hawwe mer in der Kich un im Heller haaß« Llnschläg um däi Rohre gewickelt und mit bren­nend« Kerzestumle nachgehoife, aber alles hott nix gebatt. .Ra." saht aich, .Wasser misse mer haww«, daß mer sch Wäsche un aach K'.fsi koche kann. Gebb emol r.sch e Aamerche her. aich giehn zum Rachber un letzne mer e Aainerche Wesier." Gedacht, gethaan. Wäi aich zum Rach* 5er, der aach e scht aus m Bett gehibbt iS, himme bin, hatt er gcsaht:Hff e Aamerche Wasser soll meifdj nett aakumme," er geht mit mer in be Kich, aber er Irieht en Schreie, wäi er be Kröhne uffgedreht hott, es aach nix eräug ge* lumme, «S hott nor gepiff« un gegorjelt. _Ge* wirrer noch erunn/' hott der Rachler gesaht, mei Kränche iS auch ingefrorn". Wäi aich nu mit dem leere Aamerche Haarn fumm, hun aich zu meint Dettche gesaht,etzt rasch d^ Biggelcise ebbei, vielleicht könne mer den Frost auS'm Rohr erausbig^ete": aber krieht mer nett be Kränk, kaa Drebbchr könnt mer zarpe. Etzt giehn aich zum Doppler, der hott e Lötlamb un al'er- hand Schrauwcschlissel. däi lehn aich mer. Der Deppler is glei srlwer mit furnme, hott an be Rohre geflobbt un von owe bis unnehie ndf feiner SpirituSlamb geheeriz Feuer beb inner ge­macht, aber Was er krooche mer kaans. .DeS Zu- laafrohr iS ve.schtobbt." meint Dehpler, .da mußte schon bad Wasserwerk eäbrischaffe." Ru nix wäi fort im Wams und Schlabb: inS Dcs er* werk. Aich braucht nett wett ze laaf«, um zu she. wäi f' ebbe an der nächst Straßeeck des Piaster uffger s e und e grüß Loch gegrabe hawwe: Leut," saht aich,mci Wasser iS iniefrorei »Da, warte sr noch aa odder zwaa Schtunn. dann lääfts Widder, mer hawwe bäi ganz Schtrooh alschberre müsse, well des Hauptrohr vrrblatzt iS."6d," saht aich,do schtellt mer aaf-ach ab un f:gqt ni>, do hott' aich bis Annotuwack haoße Hwschläg mache und bäi Rohre auSbizgele kenne. Aich wem dem Wenk e SchreiweS inS Hau) schicke, des sich gewäfche hott. Hun aich nett reecht?"

GuHencr Wochcnmarktpreise.

CS kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Käse 10 Stück 63 bis 1,40; Butter Pfund 1/0 bis 1,70; matte 33 bi« 35; Wirsing 25 bis 30; Weißkraut 20 bis 25; Rotkraut 25 bis 33: gelbe Rüben 20 bis 25; rote Räben 15 bis 23; Spinat 50 bis 63; Unter-Kohlrabi 8 bis 10; Grünkohl 30 biS 35; Rosenkohl 63 bis 65; Feldsalat 2,C0; Tomaten 83 bis 93; Zwiebeln 20 bis 25; Meer­rettich 50 bis 1,23; Schwarzwurzeln 50 bis 70; Kartoffeln 5'/- b:« 6; Aepfel 20 bi« 40; Dörr- obst 35 bis 40: Honig 40 bis 50; junge Hähne 1,00 b.S 1,10; Suppenhühner 1 00 bis 1,20; Tau­ben 83 bis 85; Rüsse 70 bis 80: Eier Stück 18 bis 20; Blumenkohl 70 bis 1,40; Salat 40 bis 45; Endivien 40 bis 63; Lauch 15 bis 25; Rettich 10 bis 20; Sellerie 10 bis 50; Kartoffeln Zentner 5,00.

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Justiz "ersvnalie. D:r geschästcl i n c Iustizu s etter Ludwig Steller beim Amts­gericht Vilbel, der bis zum 15. September 1928 am Amtsgericht Gießen n war. wurde zum Oberjustizii'.s-ekter beim Amtsgericht in Vilbel befördert.

Reichswettkochen. Im ganzen Reiche finden augenblicklich Wettkochen auf Gasherden statt. Es sind zunächst örtlich« Wettbewerbe zu veranstalten, deren Siegerinnen im April oder Mai zu einem Dezirkswettkochen zugelassen wer­den. um. wenn sie sich auch durch dieses sieg­reichdurchgekocht" haben, im Iuni gelegentlich der AusstellungGas und Wasser' an dem Reichswettkochen in Berlin teilzunehmen. Hier wird die Meisterin von Deutschland in der GaS- kochkunft erkürt, deren Ehemann bzw. zukünf­tiger Ehemann immerhin die Gewißhell h«tt, daß hn Gasverbrauch. Zeitaufwand und in der Schmackhaftig^it der Speisen feine <Jftau an erster Stelle marschiert. In rund 400 Städten ist das Ortewetttechen bereits durchgeführt, Wei er« 200 Städte haben dir Vorbereitungen dazu ge­troffen. In Gießen findet das Rennen mll dem Kochlöffel voraussichtlich am 12. und 13. März im Saale (Safe Leib statt. Anmeldungen sind biS zum 1. März im Gaswerk vorzunehmen. Alle- Rähere ist aus der heutigen Anzeige des GaS- toerfö ersichtlich.

Die fahrende Eisenbahnschule. Die Re.chsbahn legt besonderen Wert auf die Weiterbildung ihres Personals. In dreißig be* sonde.s eingerichteten äluterrichtswagen, dir alS fahrend« Schuten Herumrollen und auS einem Schulraum, einem Modellraum und einem Lehr­raum bestehen, wird stlnterricht crlei.t. Der Schulraum bietet Platz für etwa fünfzig Per­sonen. Di« Wagen lausen unter Begleitung von Wanderlehrern in jedem Direktionsbezirk und vermilte.n Unterricht in Fachgebieten, in denen im ganzen Direltionsgebiet ein ähnlicher Unter­richt unter Verwendung kostspieliger Fahr an lagen notwendig ist. Es werden dadurch auch Kosten für die mehrmalige Anschauung teurer Unter* üchtShilfSrnittel «.spart. So aiöl es Unterrichts* toapen für Fernmeldewesen, für den Block- und Sicyerungstzienst, für die Lustbremsung der Züge, für die Unterha.tung des Bahnkörpers ufto. Im Dienstunterricht wird besonderer Wert dar­auf gelegt, durch gründliche Unterweisung di« Zahl der Eisenbahnunsälle herabzumr.iktern und durch Erziehung zu wirtscha.tttchem Denken und Handeln einen sparsamen Derb rauch an Betriebs* stellen. sowie eine reibungslose und schnelle Ab* wick.ung dcs Betriebes und Verkehrs zu ermög­lichen. l

Briefkasten der Redaktion.

(Rechtsgutachten sind ohne Dervindlichkett der Sthriftleifung)

3. 5. in C. Für die Jahre 1927 und 1928 muffen Sie 5 v. H. Zinsen aus 490, RM. zahlen, da die Zinsen noch nicht verjährt sind.