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Aus der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 15. Januar 1929.
Statistisches vom Gießener Postamt.
Während der Weihnachtszeit (18. 6iü 24. Dezember 1928) wurden beim hiesigen P o st- am t 12 869 (1927: 12 886) Pakete aufgegeben, in der gleichen Zeit sind hier angekommen 12 721 (12 964) Pakete. Der 2keujahrs - Orts- und Durchgangs b r i e f v e r k e h r ist auf das vier- bis fünffache des gewöhnlichen Verkehrs zu veranschlagen.
3m Kalenderjahr 1928 wurden im Geschäftsbereich des Postamts Gießen im Ortsverkehr im Tagesdurchschnitt erledigt: aufgelie.erte Einschreibebriefe 343 (1927: 327), eingegangene Einschreibebriefe 301 (305), auf- gelieserte Wertbriefe 9 (9), eingegangene Wertbriefe 11 (11), aufgelieferte gewöhnliche Pakete 1321 (1375), eingegangene gewöhnliche Pakete 1161 (1230), aufgelie.erte Wertpakete 8 (8), eingegangene Wertpakete 15 (15), aufgelieferte ge- wohnliche Driefsendungen 48 899 (41 924), eingegangene gewöhnliche Driefsendungen 46 874 (39 820), aufgelieserte Postanweisungen und Zahlkarten 876 im täglichen Betrage von 63 128 Mk. (826 im täglichen Betrage von 53 159 Mk.), eingegangene Postanweisungen und Zählkarten 345 im täglichen Betrage von 26 839 Mk. (329 im täglichen Betrage von 24 179 Mk.), abgesandte Zeitungsnummern 4472 (2945), eingegangene Zeitungnummern 6379 (4801). 3m Durchgangsverkehr wird beim Postamt Gießen hinsichtlich der Driefsendungen etwa das Doppelte und hinsichtlich der Pakete etwa das Fünf- zehnfache bearbeitet.
Gietzener Wochenmarktpreise.
ES kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 140—170,- Matte 30-^35 Pf. das Pfund. Käse 10 Stück 60—140 Pf., Eier das Stück 18 bis 20 Pf. Wirsing 15-20, Weißkraut 10—15, Rotkraut 20—25. Gelbe Düben 15—20, Role Rüben 15—20, Spinat 35—40, Sinter-Kohlrabi 8 bis 10 Grünkohl 25—30, Rosenkohl 40—60, Feldsalat 120—150, Tomaten 80—90, Zwiebeln 15 bis 20, Meerrettich 50—150, Schwarzwurzeln 50 bis 70, Kartoffeln 5, Aepfel 20—40, Birnen 10 bis 30, Dörrobst 35—40, Honig 40—50 Pf. das Pfund. Junge Hähne 100—110, Suppenhühner 100—120, Russe 60—80 Pf. das Pfund. Blumenkohl 60—120, Endivien 25—35, Lauch 10—15, Rettich 10-20, Sellerie 10-50 Pf. das Stück. Kartoffeln per Zentner 3.80—4.50 Mk.
Bornotrzen.
— Tageskalender für Dienstag. Stadttheater: „Das Schwalbennest", 19.15 bis 22,15 KLtyr. —Gießener Hochschulgesellschaft: Dortrag von Prof. Dr. F. Enriques aus Rom „Lieber die Geschichte des wissenschaftlich m Denkens bei den Griechen", 17 bis 18 Uhr, im großen Hörsaal der Universität, Aula, 2. Stock. — Freie Schneiderinnung Gießen: Lichtbildervortrag über das Thema „11.6. (21 9 Jahre im Strudel des amerikanischen Lebens". 8 Uhr, im Saale des Hotels „Hindenburg". — Lichtspielhaus. Babn- yofstvahe: „G schichten aus dem Wiener Wald". —Astoria-Lichtspiele: .Hände hoch!"
— Stadttheater Gießen. Aus dem Stadt, theoterbureau wird uns geschrieben: Heute, 19.15 Uhr, Gastspiel des Frankfurter Reuen Operettentheaters ,Das Schwalbennest" v. (Bruno Granich- staedten tn der Frankfurter Premierenbesetzung.
- Morgen, Mittwoch, in dem einmaligen Gastspiel von Dr. ßubtoig Wüllner „Rathan
der Weise" führt Karl D o l ck die Regie. Es wirken mit die Damen Scherer (Rechn), Jüngling, Koch und die Herren Ebert-Grassow, Haeser, Knur, Linkmann, Schubert, (Bold. — 2lm Freitag, 18. Januar, findet Leonhard Franks Uraufführung „Karl und 2lnna" statt. — Am Sonntag, 20. Januar, geht zum fünftenmal Dayard Deillers „Der Prozeß Mary Dugan" in Szene. Spiele leitung: Dec Intendant. — Für die Fesivorstel- lung zu Lessings 200. Geburtstag am Mittwoch, 16. Januar, gelten die ermäßigten Operetten- preis«.
— Dom Konzertverein wird uns geschrieben: Das zweite, am Donnerstag, 17. Januar, im Stadttheater stattfindende Konzert ist nachklassischer Orchestermusik gewidmet. Unter Dr. Temesvarys Leitung spielt das Frankfurter Symphonieorchester die Hebriden-Ouvertüre von Mendelssohn, ein Gold- marksches Violinkonzert, sowie die herrliche zweite O^Dur-Symphonie von Brahms. Der Komponist Goldmark wurde 1830 geboren und ist durch feine Symphonie „Ländliche Hochzeit" und vor allem seine Oper „Die Königin von Saba" in allen musikalischen Kreisen rühmlich bekannt und geschäht. Er war Ungar, ein Landsmann der rassigen Geigerin, die am Donnerstag sein beliebtes Konzert zusammen mit den Frankfurtern hier vorträgt. Die junge Künstlerin steht schon jetzt auf der schwer erreichbaren Höhe modernen Bir- tuosentums, das sie mit ihrer angeborenen großen Begabung und dem bestrickenden Klang ihres Instrumentes echt musikalisch zu beseelen vermag. M a r t a Linz lieh sich vor nunmehr zwei Iay- ren zum erstenmal im Konzrrtverein hören, und in der Kritik über ihr Konzert hieß es damals: „Gin großes Erlebnis. Sie mag spielen was sie will, stets wird sie alle mit sich reißen und in ihren Dann zwingen." Mittlerweile hat sie sich auch auf großen Konzertreisen im Auslande, so in England, Italien. Spanien. Frankreich, Holland usw. das rühmende Auslandecho verdient. Der auf 7.30 Uhr am Donnerstagabend angesetzte (Beginn des Konzertes dürfte geeignet sein, weitesten Kreisen den rechtzeitissn Desuch zu ermöglichen.
— Lichtbilder-Vortrag Dr. Bonne. Der Hamburger Arzt und Schriftsteller Sanitätsrat Dr. Georg Bonne, Generaloberarzt a. D., hält am Mittwoch, dem 16. Januar d. I., abends 8 Uhr, im Großen Hörsaal der Universität einen Vortrag über „Wege zum geistigen und sittlichen Aufstieg Deutschlands". In Anerkennung seines bisherigen Wirkens auf sozialem, hygienischem und ethischem Gebiete ernannte ihn die Deutsche Akademie der Wissenschaften in Halle zu ihrem Mitglieds. Wir verweisen auf die heutige Anzeige.
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" Verkehrssünder. In der Zeit vorn 1. bis 31. Dezember 1928 sind folgende Anzeigen gegen Fahrzeugführer bzw. gegen Kraftoder Radfahrer wegen Zuwiderhandlungen in verkehrspolizcilicher Hinsicht erhoben worden: 6 Anzeigen wegen Fahrens zur Rachtzeit ohne hellbrennende Laterne, 5 wegen Fahrens auf Dürgersteigen, 2 wegen Fahrens mit übermäßiger Geschwindigkeit, 8 wegen Fahrens, ohne die rechte Straßenseite einzuhalten, 6 wegen Fahrens durch gesperrte Straßen, 27 wegen sonstiger Zuwiderhandlungen in verkehrspolizeilicher Hinsicht.
•• Tagung des Hess. Landes-Lehrervereines in Gießen. Die nächste Der- treterdersammlung des Hessischen Landes-Lehrervereins findet am 26. März in Gießen statt. Der Gießener Lehrerver .in plant für den 25. März
einen Begrüßungsabend. Da in Gießen über wichtige organisatorische Angelegenheiten (Satzungen usw.) entschieden werden muß, soU in diesem Jahre ein pädagogisches Thema nicht behandelt werden. In den Verhandlungen soll aber der Pädagogische Ausschuß einen kurzen äleberblick über die pädagogischen Gegenwartsfragen tn Hessen geben.
** Personalien. Auf Grund des Alters- arenzegesetzes treten in den Ruhestand: am 1. Februar der Strafanstaltsoberwachtmeister bei der Zellenstrafanstalt Butzbach, Heinrich Dau per t, am 1. März der Oberjustizinspektor beim Amtsgericht Lich, Anton D o p f.
** Der Kriegerverein Gießen feierte am Samstagabend im Cafe Leib sein 55. Stiftungsfest. Die Kapelle Weller erfreute die zahlreich Erschienenen durch ein feingewähltes Programm und dcsfen künstlerische Wiedergabe. Rach einem Dorspruch des Herrn Heinz B e ch - stein begrüßte der 1. Vorsitzende, Landgerichtsrat Trümpert, die Erschienenen, insbesondere die Vertreter der befreundeten Vereine und den 2. Präsidenten der Kriegerkameradfchast „Hassia", Medizinalrat Dr. Vogt aus Butzbach: er wies dann in kurzem Rückblick aus das Wirken des Vereins hin und auf die Bedeutung der Pflege der Tradition. Medizinalrat Dr. Vogt überbrachte in gewohnter temperamentvoller Weise die Glückwünsche der „Hassia", wahrend hiesige Gratulanten dem festgebenden Verein schöne Angebinde (Fahnennägel vom Kavallerie- und Artillerie-Verein, Ringkragen für den Fahnenträger vom Verein ehemaliger 116er) überreichten. Für 40- bzw. 25jährige Mitgliedschaft wurden den Kameraden Graulich, Hehler, Aug. Schwan, Trinkaus und Vollmöller bzw. Lange, Lamp und Lerch Ehrenurkunden und -abzcichsn mit Dankcswortcn übergeben. Großen Beifall fand ein reizender Kindertanz von Hilde Feuser und Bertel Büttner (am Klavier Liselotte ©riet). Einen vorzüglichen Abschluß fand das Festprogramm durch die Vorführung des Lustspiels Heimlichkeiten" oder „Sie Amorsäle". Das von echtem Humor erfüllte Stück wurde von allen Darstellern (Herr und Frau B e ch st e i n, Frl. M. und L. Fenchel, Herr Birken stock und Herr Seih) glänzend durchgeführt, hielt die Zuschauer dauernd in Spannung und löste große Heiterkeit aus. In bester Stimmung und echter Kameradschaft blieben die Besucher noch einige Stunden in schöner Harmonie beisammen.
•* Obst- und Gartenbauverein Gießen. Am Sonntag sprach im gutöesetzten Saale des Cafe Leib der Palmengartendi.ektoc Krauß über „Modeblumen für den Garten". Die Dahlie wird nicht zu Unrecht die Rose des Herbstes genannt. Die Kultur dieser, aus den Hochebenen von Mexiko stammenden Pflanze ist bereits recht alt. Als ihr Einführec in die Gartenkultur kann Alexander v. Humboldt gelten. Gottfried Keller preist di:se Blume 1i seinem Roman „Der grüne Heinrich" in begeistert en Worten. Unter der Hand deutscher, englischer und amerikanischer Züchter entstehen immer neue Spielarten, Farben und Formen, so daß es bereits schwer ist, ihre Menge zu überschauen und sie in Gruppen einzuteilen. Alle Färbungen, mit Ausnahme von reinem (Blau, sind in hunderten von Schattierun- gen vertreten. Edel ist die fei nstrahlige Kaktus - dahlie, nicht minder wertvoll die herrliche Form der Seerosendahlie, zu der zur Zeit noch eine ander« Abänderung gekommen ist, die man als Rosettendahlie bezeichnet. Dankbaren Dasen- schmuck liefern die reizvollen, wie zierliche Bälle geformte Pompondahlien. Richt minder wertvoll
für den Garten sind die neuen Miniaturdahkien. die zwar die Größe und Schönheit der hoch werdenden Sorten nicht erreichen, die aber ihre bescheideneren Blüten in einer so unerschöpflichen Fülle hervorbringen, daß wir in ihnen eine äußerst wertvolle Bereicherung zur Ausstattung von Gärten aller Art erblicken können, da sie weder gestützt noch gebunden zu werden brauchen. Alle Dahlien blühen um so reicher, je mehr man Blumen an ihnen schneidet. Wer diese nicht als Schmuck des Gartens vermissen will, um mit ihnen die Wvhnräume in Blumengärten zu verwandeln, tut gut, wenigstens die abgeblühten Blumen regelmäßig zu entfernen. Ihr Rähr- boden sei tief gelodert und ohne frischen Dung, ihr Standort sonnig. Die starken Klumpen teile man vor der Pflanzung mit Messer, Handspaten oder Beil, denn starke, umfangreiche Büsche blühen wenig. Wo dieser Fehler begangen ward, entferne man alle Triebe bis auf 3 bis 4 der stärksten. Gladiolen, im April und dann in Zwischenpausen von je 14 Tagen gelegt, geben einen ununterbrochenen Flor von 3uni bis tief in die Herbstmonate hinein. Ihre langen schweren Blütenähren zwischen den schwertförmigen Blättern entfalten ihre Knospen in Wasser gestellt bis zur letzten, wenn man sie schneidet sobald das untere Blütenpaar sich öffnet. Die herrlichsten Züchtungen, welche die gan^e Farbenskala der Ratur umfaßt, sind deutschen Ursprungs. Das Erdreich bereite man ihnen besonders tief gelockert und ohne frischen Dung zu. Der Vortragende ging hierauf noch auf die verschiedenen Begonien oder Schiefblätter, ihre Vermehrung und Pflege, wie auch Verwendung in Zimmer und Garten näher ein um zum Schluß noch den Reiz der duftenden Dellen zu preisen. Eine Errungenschaft der Relkenzucht neuester Zeit sind die Chabaudnelken, welche schon im Januar aus gesät werden sollen, was bedeutet, daß man sich die erstarkten Pflanzen im Mai kauft und in den Garten pflanzt, wo sie Blumen hervorbringen, welche in Größe und Schönheit mit den edelsten Rivieranelken den Vergleich bestehen können. Droht der Winter die unentwickelten Knospen zu vernichten, dann setze man sie in Töpfe und bringe sie am Fensterbrett unter, wo sie ungestört weiter blühen. J
Notlandung eines Verkehrsflugzeugs.
WSR. Rüsselsheim, 14. Jan. Während der Luftreise Frankfurt—Köln mußte heute gegen 13 Uhr das Flugzeug „Panther" der Deutschen Lufthansa, D. 580, wegen Motordefektes in der Feldgemarkung von Rüsselsheim eine Rotlandung vornehmen. Infolge des Ausstoßes auf den Boden brach die Achse der Landungsräder, ferner wurde ein Teil des Propellers zersplittert. Die Insassen des Flugzeuges, darunter fünf Passagiere, blieben unverletzt.
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