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Samstag, 14. Dezember 1929

ihm die

ja gar

um b aS

einmal zu G'sicht krieg, zerquetsch ich ganze Seel."

Du bist ungerecht, Stephan!"

Llngerecht? So ein Depp geht nimmer um.

-2s eh noch g'nug, wos eing'schlag'n hat. Wann's der Akab ein bisserl kräftiger macht, mit dem Hand-in-die-Höh'-reißen, nachher geht s in die Luft."

Man muh nie zuviel verlangen, lieber Würz. Ich bin dankbar für das, wie es jetzt ist."

Aber was G'scheits is das nie net, Herr Daran. Die gnädige Frau is heut nacht z' Haus kommen!"

Meine Frau?" Anstetten fühlte eine beklem­mende Schwäche, welche ihn in die Kissen zu­rückdrückte.

3a und die alte Exzellenz und der Herr Bernd. Mit dem Flugzeug, hat mir der Friedrich g'sagt."

Der Freiherr hielt die Lider geschlossen.Mei­netwegen zurückgekommen, Würz?" Ihm standen die dunklen Augen fragend offen.

. sah Würz' stummes Bejahen und fühlte sich unfähig, weiter zu forschen, was diesen ver­anlaßte, selbst zu berichten:Ausschau'n soll die Gnädige wie eine Leich'n. Rimmer zum Kennen. Lind der Herr Bernd zum Erbarmen elend, ganz am Zusammenbrechen. Eine volle Stund is die Gnädige vor seiner verriegelten Tür gelegen und hat bitt', daß er ihr verzech'n soll. Ünb wies aufg'macht hab'n.

(Fortsetzung folgt!

wurden, deren Verwirklichung aber nicht mög­lich gewesen sei. Schließlich sei man zur Grün­dung der H e k o g a gekommen, an der als Grün­der beteiligt seien die Städte Darmstadt, Mainz, Worms und Gießen, die drei hessischen Pro­vinzen und der Bolksstaat Hessen. Priv teS Kapital sei an der Hekoga nicht beteiligt, diese sei also eine reine kommunale Kör­perschaft, die durch Beschluß des hessischer! Gesamlministeriuw.s die Rechte einer öffentlichen Körperschaft erhalten habe. Die Anteile der Sy« koga verteilen sich wie folgt: die vier StäDte zusammen 49, die drei Provinzen zusammen 49, der Hessische Staat 2, so daß also der Staat stets den Ausschlag gibt. 3n der Frage der Gasfernversorgung sei man in Hessen ziemlich einhelliger Meinung gewor­den. Wichtig sei, daß den Städten durch die Gründung der Hekoga und ihre Beteiligung freie Hand in der Frage der Gasversorgung gelassen sei.

Es flehe also j§der Sladl völlig frei, ob sie ihr Gas durch die hekoga ganz oder leilweise be­ziehen, oder es welkerhin im eigenen Gaswerk erzeugen wolle.

Jede Stadt werde selber zu prüfen haben, wo sie wirtschaftlich besser wcgtomme, ob durch die Hekoga, oder ohne diese. Die ganze Ange­legenheit sei für die Hekoga auch nicht etwa eine politische Frage, sondern es handele sich nur darum, wie das große Problem der ausge­dehnteren und verbilligten Gasversorgung von Industrie und Haushaltungen zu einer gedeih­lichen Lösung geführt werden könne. Der Redner besprach hierauf die Vertragsentwürfe mit der Rühr und der Saar, wobei sich natürlich das Schwergewicht der Besprechung den Haupt­punkten zuneigte. Rach diesen Vertragsentwürfen ist, um alle Möglichkeiten eines eventuellen Be­darfes innerhalb der vorgesehenen dreißigjähri­gen Dertragsdauer schon jetzt zu berücksichtigen, eine Höchstbezugsmenge von vorläufig 330 Mil­lionen Kubikmeter Gas pro Jahr vorgesehen. Die Hekoga sei aber nach den Verträgen nur verpflichtet zur Abnahme von 50 Mil­lionen Kubikmeter Gas im Jahre, wobei die Erzeugung des Mainzer Gaswerkes mit einbegriffen sei. Eine Verpflichtung hinsicht­lich der Art des Gasbezuges bestehe für die Hekoga nicht; sie habe das Recht, von der Ruhr das Gas so zu beziehen, wie es in den Vvr- brauchsorten benötigt werde: wenn z. B. im Winter das Zehnfache oder noch mehr des Som­merkonsums benötigt werde, so muffe die Ruhr dies Quantum eben liefern. Die Hekoga fei da­gegen verpflichtet, innerhalb des Hekogagebietes Behälterraum für 60 Prozent des GasbedarfeS ständig zur Verfügung zu stellen. Das fei die einzige Bedingung, die der Hekoga in der Frage der Gasabnahme auferlegt worden fei. Das Gas werde mit dem genügenden Druck von einer! Atmosphäre auch bis an die entferntesten Stel­len geliefert werden: unter Umständen würden in die Städte Hochdruckleitungen hineingeführt werden, um den Bedarf besser als bisher be­friedigen zu können.

Der Redner erörterte hierauf, ohne natürlich jetzt abschließend urteilen zu können,

die Frage des Gaspreises.

Er ist überzeugt, daß es möglich sein wird, das Gas für die Industrie bei einer Mindest­abnahme von 125 000 Kubikmeter im Jahre je Betrieb zu ungefähr 4,5 Pfennig je Ku­bikmeter liefern ßu können, und für das Heizgas einen Preis von etwa 6 Pfennig je Kubikmeter als Hekogapre'is vorzu­sehen. Dazu kämen natürlich auch die K o st e n für öie Gasverteilung durch d ie Städte, im Endergebnis aber könne an einer

Anstetten biß die Zähne auseinander, ..... _ _ Zucken der Lippen zu verbeißen.Ich sah Üjn hinter Oertzen stehen, sah, wie seine Augen warn­ten und sein Körper eine Bewegung nach rechts hinüber machte. Wenn er nicht Oerhens Hand hochgerissen hätte, würde mich dessen Kugel mit­ten ins Herz getroffen haben."

Revolver wegnehmen und dafür 's Gewehr neben Ihnen hinleg'n, daß kein seliger Mensch auf den Einfall kommt, daß es sich um ein Duell gehandelt hat. Aber daß so saudumm her- geht

Anstetten konnte das Lachen nicht unterdrücken. Saudumm heißt du das?"

Is net vier anders, Herr Baron. Der Kerr drüb'n is g'stand'n, wie ein Pick'!, nachdem 's bei Ihnen kracht hat ghabt. Und Sie sind umg'fall'n, wie ein Stück! Wild, wie's bei dem andern blitzt hat. Ich hab kein Rührer nimmer tun können. Händ und Füh find mir abg'wes'n. Ich hab'n rüberspring'n seh'n und Ihnen ins G'ficht schaun und wie Üjn die Angst g schüttelt hat und nachher seine Flucht talab. Ich hab nix tun können, als Ihnen das Hemd aufreißen und nach der Hütt'n rennen, daß ich ein Ver­bandszeug hol. Wann ich den Akab noch

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Die Ferngasversorgung Hessens

waren öie

Ver

gierig den hinströmte.

Seite und

zur

Provinzen, bzw. Kreise, bzw. Städte, die Gasbezug von der Ruhr interessiert sind,

prüfen, ob durch die

Bernd empfand, daß er todmüde war. Hetzfahrt von Ostende nach Wien und die regung versetzte seinen Körper in eine Art mung, daß er schon nach einer Stunde die kaum mehr vorwärts zu setzen vermochte.

an dem mit den sie sich Hekoga

verdammte das einen

fog ihn

Verträgen beschäftigen und für die Ferngasversorgung entscheiden können.

Von oben herab zitterte für Sekundendauer ein blaugelber Schein. Erst später folgte ein dumpfes Rollen, das im Geäst verebbte. Rächt ruhte auch über den Häuptern der Waldriesen und lieh kaum mehr einen Ton der Färbung erkennen.

Die Auf- Läh- Füße

und der Saar Gegenstand einer Pressebe­sprechung, die wie am Mittwoch schon kurz berichtet von dem Vorstand der Hekoga in das Stadthaus zu Darmstadt einberufen war. Eine große Anzahl Pressevertreter, darunter auch ein Mitglied der Redaktion des »Gießener Anz.", hatten sich zu der Sitzung eingefunden. Der H^oga-Vorsihende

Alles beim alten?" Ein Kopfschütteln.

Richt?"

Leider net, Herr Baron!"

Weiß einer?"

Einer? Die halbe Welt! Das Frauenzimmer mit seinem Geschrei,

zurückfallen.

Anstettens Brust hob sich und würzigen Geruch ein, der über Warst du unten im Dorf?"

Würz bog das Gesicht etwas bejahte.

Herabsetzung oder Beseitigung der Real- ft e u e r n bis auf eine Lohnsummenfteuer in be­grenztem Umfange zu entlasten. Eine eigene kommunale Finanzwirtschaft unter aus­schließlicher Verantwortung der Kommunen fei not­wendig, weil die Beaufsichtigung durch die Länder versagt habe.

nur von Angelegenheiten des privaten und des Familienlebens. Man könnte sich also z. B. denken, daß jemand die Tatsache bekannt ist, der Großvater oder irgend ein Verwandter frü­herer Generationen eines ehrenwerten Mannes habe ein Verbrechen begangen und sei dafür be­straft worden. Rach den bisherigen Bestimmun­gen würde die Verbreitung dieser Tatsache, wenn sie der Verbreiter als richtig nachzuweisen ver­mag, nicht strafbar gewesen sein. Künftighin würde, wenn dem Beleidigten der Rachweis ge­lingt, daß diese private Angelegenheit zum Zwecke seiner Herabsetzung in die Öf­fentlichkeit gezerrt wurde, als üble Rach­rede bestraft werden können. Das bedeutet unstreitig eine wichtige Verschärfung des Ehren- schutzes. Reu ist ferner die Bestimmung, die um­gekehrt gegen Beleidigungsklagen schützen soll, in Fällen, wo der vermeintliche Beleidiger aus bester Lieberzeugung und in Erfüllung einer be­ruflichen oder Rechtspflicht gehandelt hat. Denn während bisher die Wahrnehmung berech­tigter Interessen nicht als vorliegend an­gesehen wurde, soll künftighin der Schuh auch auf Fälle der Wahrnehmung eines berechtigten öffentlichen Interesses in gewissen Fällen aus­gedehnt werden. Dadurch wird einem alten Wunsche der Presse Rechnung getragen. Die Bestimmungen sind allerdings sehr detail­liert und 'einschränkend gehalten, um auch den Beleidigten nicht zu benachteiligen: so wird z. B. gefordert, daß der Täter, um straffrei zu bleiben, oie Anwendung aller möglichen Sorgfalt nach- toeift, mit der er die unrichtige Behauptung auf ihre vermeintliche Richtigkeit nachgeprüft habe. Man sieht, daß auch auf diesem Gebiet das Streben nach einer Anpassung der gesetzlichen Bestimmungen an neue Rechtsauffassungen des Volkes und an Bedürfnisse des modernen Lebens obwaltet.

Bürgermeister Rihert- Darmstadt gab in eingehendem Dortrage und durch Beant­wortung von Fragen aus der Versammlung Auf­klärung über den gegenwärtigen Stand der Fem- gasverforgungsfrage, insbesondere über die zur Entscheidung stehenden Verträge mit der Ruhr und der Saar. Er stützte sich bei feinen Dar­legungen teils auf ein Exposö, das wir am Dienstag in feinen wesentlichsten Punkten bereits veröffentlicht haben, teils auf die Verträge selbst. Er besprach zunächst die Motive, die zur Gründung und zu dem energischen Vorgehen der Hekoga geführt haben.

Es handle sich darum, das Gas immer mehr an die Stelle der jetzigen festen Brennstoffe (kohle und koks) zu fetzen, die neuzeitlichsten heiz- methoden anzuwenden und darauf hinzuwirken, daß der Gaspreis auf eine höhe herabgedrückt wird, der das Gas sowohl für die Raumheizung in den Haushaltungen, wie auch als Jnduffrte- heizstoff verwendbar mache.

Wenn es gelinge, dieses Ziel neuzeitlicher Gas­wirtschaft zu erreichen, werde eine außerordent­liche Erleichterung für alle am Gas Beteiligten Faktoren eintreten. Für Hessen und die be­nachbarten Gebiete fei es ganz besonders wich­tig, mit Hilfe des Gases Industrieförde, r u n g zu betreiben, damit die Rachteile, die aus der Lage Hessens fern von der Kohlenbasis er­wachsen seien, möglichst gemindert würden. Der Redner besprach dann die früheren verschiedenen Projekte, die zur Lösung der Gasfrage bearbeitet

Zudem wiederholte sich jetzt das Aufblihen von Minute zu Minute. Immer rascher folgten die Schläge hinterdrein. Er hörte das Rauschen, das durch die Bäume ging und verspürte die ersten Tropfen, die ihm Qen Scheitel netzten. Erst als er schon ganz durchnäßt war, hing er die Pelerine um. Er orientierte sich und glaubte sich zu er­innern, daß irgendwo in der Rähe eine Hütte war, die nur zur Zeit der Treibjagden benützt wurde. Sie stand sonst das ganze Jahr ver­schlossen und trug auf dem schindelgedeckten Dache einen Hauch von Moosüberzug.

Mit raschen Schritten lief er den nadelbedeckten Steig entlang. Das Brausen und Orgeln der mächtigen Stämme horte sich an wie eine Fanfare zum Jüngsten Gericht. Dicht hinter ihm splitterte es. Ein Brandgeruch ließ ihn zurückschauen und bot ihm das Schauspiel einer vom Blitz ge­troffenen Fichte, die als leuchtende Fackel in das Schwarz des Himmels loderte.

Er mußte sich in der Richtung geirrt haben. Wenigstens hatte er das Empfinden, er wäre zu weit nach rechts abgebogen. Das Wasser rann ihm vom Kopf nach den Schultern, den Rücken hinab zum Beinkleid, und gluckste aus den Schuhen. Schutz unter einem der Baum­stämme zu suchen, war widersinnig. Die brennende Fichte stand als glutsprühender Warner vor ihm.

Er spähte nach allen Seiten und gewahrte eine Menge übereinanbergetürmter Felsblöcke. Er schlüpfte ins Innere und streifte den Mantel ab. Cs war schwül in diesem Steinverlieh. Bis zur Erschöpfung müde, fiel er auf den Boden und empfand es als eine Wohltat, wenigstens die Füße strecken zu können.

Es drang nur noch ein schwacher Hall des Tobens von draußen herein und lieh ihn schon nach Minuten einschlafen. Don den überhängen­den Felsplatten tropfte es unaufhörlich herab ins Moos. Knarrend wiegten sich die Fichten im Sturm und streckten sich gegenseitig die Riesen- arme zu, als müßten sie aneinander Halt suchen bei diesem Wüten der Raturkräfte.

Rach einer halben Stunde war deren Zorn besänftigt. Behutsam schüttelte der Westwind die Milliarden Tropfen von Wipfeln und Geäst, und fang dem Knaben, der in der Sicherheit des Waldes schlief, ein wundersames Wiegenlied.

Rach jahrelangen Dorbereitungen ist die Frage der Ferngasversorgung Hessens und feiner benachbarten Gebiete nunmehr in das entscheidende Stadium getreten. Am Montag hat sich der Aufsichtsrat der Hekoga (Hessische kom­munale Gasfernversorgung, mit den Ver­tragsentwürfen für den Gasbezug von der Ruhr und der Saar beschäftigt, er ist jedoch mit feinen Beratungen nicht zu Ende gekommen, die er am nächsten Montag mit der Beschluß­fassung beenden will. Der Beschluß des Auf­sichtsrates über die Vertragsentwürfe mit der Ruhrgas-A.-G. und der Ferngasgesellschaft Saar G. m. b. H." wird am 27. Januar 1930 die Generalversammlung der Hekoga be­schäftigen, die soweit die Hekoga in Betracht kommt abschließend entscheiden wird. Im An­schluß daran werden sich dann die Provinzial­tage, Kreistage und Stadtratsversammlungen bet

Am Dienstagnachmittag tragsentwürfe der Hekoga mit der Ruhr

Stefan Würz lockerte den kräftigen Riegel des ungestrichenen Holzladens und lehnte üjn weit zurück. Durch das Heine Fenster kam der erfri­schende Hauch der Rächt und erfüllte die niedere Stube mit harzigem, ozonreichem Duft. Von dem überspringenden Dach der Hütte sickerten die Tropfen und rannen wie eine gelöste Schnur von Perlen ins Moos.

Die Kerze, welche auf dem Tische in der Rähe des Fensters stand, flackerte rötlich auf, und drohte im Windstoß, der hereingestrichen kam, zu erlöschen.

Würz nahm sie hoch und hielt schützend die Finger der Linken dagegen. Auf den Zehen­spitzen schritt er nach der Türe, welche in den anstoßenden Raum führte. Ein breites Lächeln ging über fein Gesicht, als er nach dem Manne sah, der in den Kissen aufgerichtet, den Blick nach ihm wandte.

Hat's Ihnen aufgeweckt, das Georg'l drauß'n, Herr Baron? Schön hat's gfurrt! Teuf'! und noch amal. Und zündt hat's auch wo. Ganz in der Rah muß g'toefen sein. Das hat sich ang'schaut, wie eine Prozession. Der ganze Wald ein Schein. Soll ich net den Lad'n jetzt ein biß'l z'rucknehmen, damit das gute Lüfter! hereinkann?"

Glaubst du, daß niemand um die Wege ist?"

Jetzt?--Ra, g'wiß net, Herr Baron!

Bei dem Wetter kraxelt niemand zwischen die Holzbäum umeinander. Er setzte das Licht auf den Rachitisch mit der primitiven ungehobelten Platte, stieß das Fenster auf und ließ Öen Laden

Oie künftige Ausgestaltung des Ehrenschuhes.

Der Strafrechtsausschuh des Reichstages hat sich in den letzten Tagen ausgiebig mit den Fragen des Ehrenschutzes beschäftigt und ist da­bei zu einer Auffassung gelangt, die im wesent­lichen die bisherigen Bestimmungen über die strafrechtliche Behandlung von Beleidigungen bei­behält. Aber es find doch wichtige neue Gedanken in dem Entwurf enthalten, die allgemeine Ver­breitung verdienen.

Zu den bisher bestehenden drei Formen der Ehrverletzung, nämlich der einfachen Be­leidigung, der üblen Rachrede und der verleumderischen Beleidigung, kommt in § 321 eine neue Vorschrift, die den mit Strafe bedroht, der einem anderen in der Absicht, i h n zu schmähen, eine straf­bare Handlung vorwirft. Wichtiger aber noch sind die neuen Bestimmungen über die Be­handlung privater Angele genhei- t e n. Wer eine solche in beledigender Ab­sicht in die Öffentlichkeit zerrt, wird sich nach Annahme des neuen Strafgesetzes auch dann strafbar machen, wenn der Inhalt seiner ehrenrührigen Behauptung erweisbar ist, so­bald die Absicht feststeht, daß die Verbrei­tung solcher Privatangelegenheiten zum Zwecke der Schmähung erfolgt. Das güt natürlich

Toten auf der Lichtung gesehen hat, ist schuld an der ganzen Geschichte."

Stefan, jetzt keine Llmschweife." Anstetten hatte sich wieder hoch aufgerichtet und lieh keinen Blick mehr von ihm.

Llmschweife? Ra, Herr Baron! Ist alles so schön ausgetüftlt g'wes'n. Wann's den Oertzen troffn hätt', nachher hätt's ja eh nix zu fagn g'fjabt. Dem hätt' net mehr g'hört, dem Ha- lunf'n. Lind, daß Ihnen treffen könnt, mit dem hab ich gar net g'rechnet g'habt. Aber wann nachher hätt ich alles fo g'halt'n. wie Sie mir's auftragn Ham und wie ich's versproch'n hab, daß sein soll: Ein Iagdunglück vortäufch'n, den

Nr. 295 fünftes Blatt

Industrie und Finanzreforni.

Tagung des Neichsverbandes der deutschen

Industrie.

Berlin, 12. Dez. (WB.) In der Mitgliederver­sammlung des Reichsoerbandes der deutschen Indu­strie begrüßte Geheimrat D u i s b e r g den Reichs- auhenminister Dr. C u r t i u s und Reichswirftchafts- minister Prof. Dr. Moldenhauer, ferner den preußischen Handelsminister Dr. Schreiber, den Generaldirektor der Reichsbahn, Dr. Dorpmiil- I c r, und den Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht, bei dessen Erwähnung sich ein Beifalls st urm erhob.

Reichswirtschaftsminister Pros. Dr. Molden- Hauer gab seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß der große und ungeahnte Aufschwung der deutschen und europäischen Wirtschaft im vergangenen Jahrhundert der kapitalistischen Wirtschaft, der privaten Initiative und ihrem Gewinnstreben zu danken sei. Das Re- formprogramm der Regierung werde auf heftigen Widerstand stoßen; aber es dürfe nicht durch die Kritik getötet werden, so daß die in ihm enthaltenen Bestrebungen restlos ersticken. Das Programm möge im einzelnen Fehler haben; aber es fei für die Wirt­schaft besser, wenn in diesem Programm wenigstens die Tendenz enthalten sei, die der Wirtschaft ent­spreche. Das gelte besonders für die Anerkennung der Notwendigkeit der K a p i t a l b i l d u n g. Es fei der ernste Wille der Reichsregierung, die große Re­form nicht nur durch ein Sofort-Prögramm, sondern ganz und gar durchzuführen.

Georg Müller- Oeringhausen wies in einem VortragWirtschaft und Sozialpolitik" darauf hin, daß das deutsche Volk gegenüber den Anforderungen, welche ihm durch die Annahme des Dawesplanes gestellt wurden, versagt habe. Die Entwicklung Deutschlands zumVersorgungsstaat^ hätte innerpolitisch zu einer leichtsinnigen Geschäfts­führung geführt. Bei einem Durchschnittslohn von 2000 Mark seien jährlich 3 Millionen arbei = ' n d e r Menschen lediglich für die Durchführung der Sozialpolitik tätig. Die Industrie bejahe den Gedanken gesunder Für­sorge, müsse es aber ablehnen, diesen Gedanken durch eine Verkehrung, wie sie sich heute zeige, zu Tode Hetzen zu lassen. Die Industrie als solche könne nur die wirtschaftlichen Faktoren möglichst rein heraus- schälen, ohne sich um die politischen Möglichkeiten, welche die klare wirtschaftliche Lösung behindern, zu kümmern.

Dr. Paul Silverberg -Köln ging in feinem ReferatSteuer und Finanzpolitik" davon aus, daß die Privatwirtschaft, die individualistische, kapitali­stische Wirtschaft nicht mit Erfolg betrieben werden könne, wenn der Staat eine kollektivistische Wirt­schaft und insbesondere eine sozialistisch-kol- lcktioistischeSteuer-undFinanzwirt- schäft treibe. Der Poungplan werde der Ausgangs­punkt zur Selbsttäuschung über die wirkliche Lage Deutschlands fein, wenn auf ihn gestützt, Etatkunst­stücke diese Lage verschleierten. Dr. Silverberg for­derte Forderung der privaten Kapitalbildung durch sparsam st e Ausgabenwirtschaft der öffentlichen Hand, Steuerumlegung nach volkswirtschaftlichen und finanzpolitischen Gesichts­punkten. Für Reich, Länder, Kommunen usw. sei eine Verminderung der Ausgaben um 5 Prozent zu fordern, die eine Ersparnis von 800 Millionen Reichsmark im Jahre ausmacht. An­gesichts der Ueberfpannung der direkten Steuern forderte der Vortragende sodann eine weit stär­kere Heranziehung des Konsums ent­behrlicher Genußmittel. An Stelle des bis­herigen Systems der Einkommensteueranteilüberwei­sung sollten die Länder und Gemeinden begrenzte Zuschläge zurReichseinkommensteuer erheben. Die Landwirtschaft sei durch Ermäßi­gung der ©rund ft euer, das Gewerbe durch

Das Erbe desHerrnvonAnstetten.

Vornan von 3- Schneider-Foersil.

Llrheber-Rechtsfchutz durch

Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa. 26. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Herr Baron, wenn Sie durchaus noch einmal mit dem Rachforschen beginnen wollen, schließe ich mich Ihnen an.

Bernd wehrte.Betrachten Sie es bitte nicht als Kränkuirg. Aber ich wül es zuerst einmal allein versuchen."

Bleiben Sie wenigstens noch heute nacht bei uns, Herr Baron! Das Wetter hält nicht! Sie waren zusammen auf die Veranda getreten und Bogner sah besorgt nach dem Wolkenrand, der sich langsam über die Wipfel hochschraubte.Es kann schon in der nächsten halben Stunde los­brechen," warnte er.Darf ich Ihnen nicht wenigstens eine Pelerine geben?"

Er war schon ins Haus getreten und kam mit einem Lodenkragen zurück, den er Bernd aus- händigte.

Besorgt verfolgte er die schlanke Gestalt, bis das Dunkel der Bäume sie verschlang. Eine Vier­telstunde später kam vom Schlosse herauf der telephonische Anruf, ob der junge Herr nicht in der Rähe des Forsthauses gesichtet worden sei. Er konnte es bejahen und betrachtete es als eine große Erleichterung, daß Bernd wahrscheinlich aus Vergeßlichkeit ihm nicht das Wort abgenom­men hatte, über seinen Besuch zu schweigen.

Das Gewölk hatte sich etwas über den Hoch­wald heraufgeschoben, verharrte aber noch immer ohne wesentliche Bewegung. Vielleicht verzog es sich, ohne überhaupt zum Ausbruch zu kommen.

Es gab im ganzen Llmkreise keinen Weg und keine Ziehbahn, die Bernd unbekannt gewesen wäre. Er hätte den Wald auch blind durch­queren können. Der Ausspruch des Forstmeisters, daß der Vater noch gelebt und dessen Herz noch geschlagen habe, ließ ihn annehmen, daß er sich vielleicht doch noch aus eigener Kraft irgend­wohin zu schleppen vermocht hatte.

Alles andere war müßiges Spiel der Phantasie. Das gesunde Denken seiner siebzehn Jahre sträubte sich, irgendwelche übernatürlichen Dinge mit dareinzuflechten.

Die Wipfel standen noch immer in matthellen Schein getaucht, während sich zwischen den Stäm­men bereits das Dunkel der hereinbrechenden Rächt bemerkbar machte. Die Farne reckten sich wie Riesenhände und die panzerförmigen Blätter des Huflattichs drängten sich um das schmale Rinnsal, das sich der Quell gegraben hatte.

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