»ebot
KI,i>MbeI
Eßenden
deUe2O°|0 10°|o 10°|„
MertHeihj
j eiligen Preise/
L Grau-und g W-Stt BÄ y„on bester QuaJl- ■W und größter •e Ergiebigkeit
zn billigstemPteii amen, Gießen iorecher 3639. Mü
Nr. 293 Zweites Blatt
Außenpollüsche Llmschau.
Von Dr. Otto Hoehsch, o. ö. Prof, der Geschichte an der Universität Berlin, M. d.
Wiederum hat die Woche bedeutungsvolle außenpolitische Ereignisse gebracht, und erstaun- I lich viel außenpolitischen Stoff müssen die Zei- rungen, denen die Innenpolitik fast ganz den Raum wegnehmen will, doch bringen. Zunächst )ie Beitrittserklärung der Bereinigten Staaten zum Internationa- en Haager Gerichtshof, die in dieser » Woche in Genf vollzogen wurde. Präsident H o o- ver hat den Entschluß dazu gefaßt, ohne die Ra- tifikation im Senat abzuwarten, die aber wohl, Uvenn auch unter einigen Kämpfen der „/Unversöhnlichen", durchgehen wird. Wie bekannt, ist über den Beitritt sehr lange verhandelt worden . und er wurde erst nach Annahme wichtiger Bor- : behalte der Bereinigten Staaten möglich. Heber die Bedeutung dieses Ereignisses braucht man kein Wort zu verlieren. Damit vollzieht Rorb- amerita einen Schritt h in nach dem Bölkerbunde, und das kann nur in unserem Interesse sein. Da im nächsten Jahr wieder der Gerichtshof im ganzen neu zu wählen ist, wird 'sicherlich auch ein amerikanischer Richter gewählt werden, und selbstverständlich mit ihm auch ein /deutscher Richter in den Gerichtshof im Haag emziehen.
Der Kampf um die Berfassungsreform, der Oesterreich an die Schwelle des Bürgerkrieges geführt hat, ist durch die staatsmännische Fähigkeit des Bundeskanzlers Schober beendet und hat die Spannung gelöst. Politisch wie sachlich ist dieser Ausgang von größter Bedeutung. Es beginnt ein neuer Abschnitt in der Geschichte Oesterreichs damit, das, um diese Reform mit einem Wort zu charakterisieren, von der rein ■ parlamentarischen Republik zur Präsidentschafts- rspublik übergeht. Künftig ernennt und entläßt der Bundespräsident die Regierung. Er beruft das Parlament. Er kann es auflösen. Er hat ein 1 Rotverordnungsrecht. Er ernennt die Präsidenten des Berfassungs- und Berwaltungsgerichtshofes und erhält den Oberbefehl über das Bundesheer. ' Alles das — man hält es kaum für möglich — ipat bisher durch das Parlament ausgeübt wor-
t\\ W«
freuen uns, daß diesem Druderlande eine blu>
Gießener Gtavttheater.
er Beilchcnfrejser".
Es ist, wie man feststellen muß, dieser Erfolg
Iedcch, man
den und stand damit selbstverständlich unter reinen Parteigesichtspunkten. Ferner ist die Ber- Daltung der Stadt Wien geändert worden, die
)er st
als Kostümulk imterm Makart' der Petroleumlampe.
Als rihrt, :h des irauch Brest- ältsii- beitei ;chcetl billict ksiDit- Hei- tirrb. -eor- Pit-
jeit
von
Dieses Stück, das Entzücken einer älteren Gcne- UlnM kation, zum eisernen Bestände zahlloser ver- W ™™l| chollener Spielzeiten gehörig, erzwang auch heute iadj einen Publikumserfolg von ungetrübter
fdiuitl. nntrt kl Ausgang den inneren Frieden noch nicht völlig (WlOo.bJw ÄNy r| toieber hergestellt hat, er von mancher Seite nur
ie«en ,0266 L> lenöet Nobel*
tiÄ
giolkv en iflit?'66 •Ibnbc 5'11*
-ute nur noch 'Hielt und bei
Idjrii'1;
dien
>-
tn»
Ana ;erien kate 8bSV
ter
.chseln roren-
0S028 ;< und >us ß!» inoer- onitfn
Dti> 0eL K lltl Idit'rt esg <dn-'S
'LKL unb A, »tüt
Jluij °°ng; ^eii*1'1' oih -B0 lU'-'A-x
duttfl^eb.ffläfc vom Vanbe, m fyf mögen, roünli}/ ble BekanniW eine» neii.^eirnjiii.lgnt,
trainier ob. liebtet
fÄonnemeni| Gustav von Moser
zugleich Gemeinde, Hauptstadt des Bundes und stlbstverftändlich Bundesstaat war. Auch das war eine Parteisache, indem so die sozialdemokratische Partei eine große Machtstellung erhielt, bie geradezu in der bisherigen Bundesverfassung verankert war.
tworj. Bnlchwie- [ So ist der Berfassungskampf zunächst einmal dfnlell (t'jieniate. s bank der großen politischen Geschicklichkeit des ?lur ttnitgem. ack V Bundeskanzlers abgeschlossen. Auch wenn der
yö-1 Eitrung im Innern notwendig war. Die aber ist $iwiö^in Ugeglückt!
von. >" gjDonn^.
•Ski
M
Oßfl ' -gjiF
Vielmehr: als unverwüstlich erwies sich und :auz ehrliches Gelächter erzielte, man glaubt es tu um, die richtige, gute, alte Militärposse, die hicn endgültig begraben wähnte.
Siehe da: der Kasernenhof mit dem Unter« kfsfizier und den exerzierenden Einjährigen — linkes Ohr tiefer!" und „Brust raus!" und Ein- zclyorbeimarsch im langsamen Schritt — und der te sammelte klassische Wortschatz ehrwürdigster .losernenhofblüten und Kommißwihe: ein Mords- trfolg. Der unbestrittene Höhepunkt des Abends.
•
Aeberhaupt wirkt die ganze Mischung noch immer: dieses Milieu zwischen Dallsaal und Ulxerzierplah, zwischen Schilderhaus und guter ■Elnbe; di« Forderung zum Duell in delikaten ILflären, der Offiziersbursche und das Stuben- ßtädchen; der elegante Husarenleutnant mit der § Vorliebe für Veilchensträutze; die peinlich ver- Dtechselten 'Buketts: der schüchterne Liebhaber: J. er „Krieg im Frieden": und die Doppelver- abung zum Schluß. Cs wirkt, es wirkt, es gefällt ikti Leuten.
«
........ J nur zu einem gewissen Tell ironisch gefärbt ge» tzn nkuc^ DL-en. Gewiß: der Garnisonklatsch und die Skan« ^nlin*6flfrik bolaffäre, mit welcher der erste Akt das Ganze WD£llU)‘öl"7r, lab zu wuchtig intoniert (denn wir befinden uns yuiiivi?1 m qw immerbin im Lustspiel), — vermögen uns keine von isTti* gliche Aufregung mehr abzuringen. Was yiittroo®'A mo dazumal fast den - Anstrich einer Gesell- " *al,‘D " Haftskritik oder Satire gewinnen konnte, wirkt
I als Waffenstillstand gedeutet wird, so ist er doch c .... , I unter allen Umständen eine Beruhigung, eine btaüttnCäi6l I bemerkenswerte Konsolidation des Staatswesens Zonntas. 15. r unb eine Selbstbesinnung in Bewegungen, die den von ll'i in-: i'HWt' Staat in den Bürgerkrieg treiben konnten. Ob Wb 2. Ian im üa.imwv b ((j) der frühere Bundeskanzler Seipel, der an tu-! ivi«l‘AnUv.v Ft)>r Verschärfung der Lage reichlich Schuld trägt, \ ^.l.ot?t.n'c cr'' 1' darüber freut, lassen wir dahingestellt. Wir
____,, amüsierte sich keineswegs aus- Hießlich über die verschollenen Uniformen, Kläcke, Klappzylinder und Gesellschaftsroben, über
Einkleidung und das Milieu; dies alles nur nebenbei.
Aad) der TraM, tull, Heiterkeit.
- LLM Dlitie von20 voair.WM»^
-hen.l1 'M- b am
O.kmdu^nnoltsnn I ,i0e Auseinandersetzung erspart worden ist, und ; [ daß jedenfalls in diesem ganzen Ausgang ftiniiibrenuer YoHn m<f)tä gegen Öen Anschluß und seine Möglichkeit iMvonv-rrnLc^Ifcslgelegt ist. Nachdem die politische Lage in MllnTniL 1 ilcsterreich sozusagen normalisiert ist. geht der AuöbemEhiiMiiiiftl »Dundeskanzler an die äußerst dringlichen mate« von Nit- riellen Aufgaben, wozu auch die neue Anleihe conntöflJ^A;htbörf, die Oesterreich für seine innere Rot üonbraucht. Das seht sehr verwickelte und schwierige A„i,er AdM -I Verhandlungen mit den Mächten des Friedens ic*n6nt"-mie I '>n Germain und den Garanten der Böller» I!'bWdsanleihe voraus, wozu eben die Konsoli-
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Samstag, 14. Dezember (929
Richt ganz die gleiche Bedeutung hat d i e Regierungsbildung in Prag. Das Kabinett besteht aus 5 tschechischen und 2 deutschen Parteien und stellt eine merkwürdige Koalition dar, die grün-rote Front zwischen Agrariern und Sozialdemokraten, und zwar auf beiden nationalen Seiten, den Deutschen und den Tschechen. Die Koalition verfügt so über 114 bürgerliche und 92 sozialistische Stimmen, und macht den Versuch, in einer Zusammenarbeit zwischen Agrariern und Sozialdemokraten die Kräfte wirklich zu vereinen. Dazu kommt, daß auch die 2 Slowaken in die Regierung eingetreten sind. Fraglich ist ja, ob die bürgerlichen und sozialistischen Parteien beiderseits wirklich so weit sind, daß sie miteinander ersprießlich zusammenarbeiten können. Fraglich ist weiter, ob das nationale Problem dabei überhaupt richtig ungefaßt ist. Die beiden Slowaken sind sog. Zentralisten, d. h. Gegner der sehr einflußreichen autonomistischen klerikalen slowakischen Dolkspartei. Das Verhältnis aber zwischen Tschechen und Deutschen in der neuen Regierung ist zahlenmäßig sehr ungünstig. Sie enthält nur 2 deutsche Minister; die Koalition verfügt über 169 tschechische und slowakische Stimmen und nur über 37 deutsche Stimmen. Ob es auf diese Weise möglich fein wird, für die deutsche Sache etwas durchzusehen, ist doch sehr zu bezweifeln, und uns scheint, daß die Rolle, die die Sudetendeutschen in diesem Kabinett übernommen haben, von vornherein sehr untergeordnet sein mstß.
Diesen beiden Abschlüssen steht die Krise in Polen gegenüber. Der Sejm ist, wie bekannt, zusammentreten und hat mit einer überwältigenden Mehrheit ein Mißtrauensvotum gegen die Regierung angenommen. Diese ist darauf zurückgetreten. Das ist zunächst ganz parlamentarisch. Was aber nun wird, weiß man nicht. Auch ein formeller Kabinettswechsel würde das bisherige System nicht ändern. Der Marschall hat die Macht in der Hand, aber er vollzieht Öen Staatsstreich nicht. Die Krise schwelt weiter und lähmt natürlich alle politische Energie im Lanöe.
Sehr eigentümlich haben sich die Verhältnisse im Fernen Osten gestaltet. Moskau und Mulden sind zu einem vorläufigen Abschluß gekommen, indem die chinesische Seite völlig kapituliert und die alle russischen Bedingungen erfüllt hat. Beide wollen weiter über alle Schwierigkeiten verhandeln, die aus den Verträgen von 1924 über die ostchinesische Bahn entstanden oder noch nicht gelöst sind. Die Zentralregierung aber in Ranking hat keine rechte Möglichkeit, ihren Willen dabei zur Geltung zu bringen, weil sie mit den wieder ausgebrochenen inneren Unruhen zu kämpfen hat. Darüber ich Tschang Kai Scheck zurückgetreten, gegen dessen Diktatur sich die anderen Gruppen, die anderen Generäle, aufgebäumt haben. Wieder ist alles, was in der Konsolidation Chinas erreicht war, in Frage gestellt. Wieder ist China ein Kampfplatz des Bürgerkrieges, in dem die einzelnen gegen die Regierung von Ranking und den bisherigen Diktator zu Feld ziehenden Führer auch nicht erkennen lassen, was sie als Programm haben und wie sie künftighin chinesische Politik machen wollen. Cs ist billig, wenn dann wieder gegen Sowjetrußland der Vorwurf der älnterstützung dieser Bürgerkriegsbcwegungen erhoben wird. Ratürlich freut man sich in Moskau über diese Vorgänge, die der russischen Seite wieder Grund zur Hoffnung geben. Aber das eigentliche Hebel sitzt doch viel tiefer, als daß dergleichen Unruhen nur durch Moskauer Geld und Propaganda hervorgerufen werden könnten. China kommt aus den Erschütterungen und Zuckungen nicht heraus, in die es seit Mitte der 90er Jahre gestürzt ist. Der uralte natürliche Zusammenhalt bleibt erhalten, aber den Weg aus der alten zertrümmerten monarchischen Verfassung in eine feste neue Ordnung findet man nicht. Mit dem Schlagwort „gegen die ungleichen Verträge" kann man allein innere Politik nicht machen, eine wirklich vorwartsbringende Sy rthese zwischen den altchinesischen Traditionen und den modernen
Vorstellungen der Sun-Vat-Sen-Leute ist noch nicht gefunden.
Kein Wunder, daß der Bericht Litwinows über die Außenpolitik vor dem Zentralvollzugskomitee der Sowjet-Hnion mit Genugtuung auf diesen russischen Erfolg hinwies. Grund freilich dafür war nicht die russische Stärke, sondern die chinesische Schwäche, älnd Hilssstellung dafür leistete schließlich eine wenig glückliche Politik der Vereinigten Staaten, die als führende Macht des Kelloggpaktes die an sich sehr notwendige Intervention von dieser Grundlage aus im ungeeignetsten Moment begann. Rämlich gerade, als sich die beiden Streitenden bereits direkt zu verständigen begannen! So zog sich das mächtige Amerika eine scharfe Zurückweisung von feiten des schwachen Rußlands zu, und wiederum, wie schon in der Mitte des vorigen Jahres, ist dann ein solcher amerikanischer Vorstoß sofort versackt. Man hörte danach nichts mehr von ihm — wiederum ein Beweis, wie wenig noch die heutige amerikanische Diplomatie auf ein wirklich überlegtes und Weiterausschauendes Spiel eingestellt und dafür geschult ist. Vorteilhaft für die Welt und ihre Ordnung ist das aber wirklich nicht! Litwinows Bericht war trotzdem nicht übermäßig optimistisch. Er betonte wieder den Inselcharakter des sozialistischen Staates, der immer gefährdet fei, solange noch kapitalistische Staaten bestünden. Bemerkenswert waren die Teile seines Exposes über Deutschland und Polen. Er bezeichnete d i e Beziehungen zu Deutschland, die sich auf breite Grundlagen stützten, als traditionell freundschaftlich. Rach dem Pressegeplänkel der
Es ist ein strahlend schöner Herbst, als Annemarie Lesser, Malstudentin aus Genf, in einem Dorf der französischen Vogesen eintrifft. In ihrem Paß mit wunderschönen echten Schweizer Stempeln steht, daß sie sechzehn Jahre zählt, und in der kleinen Fremdenpension ist sie bald der Liebling der Gäste und der Wirtsleute. Tagelang streift sie durch die Berge. Ueberall freundet sie sich schnell an, die Feldjäger helfen dem Kind das Stativ eines Photoappa- rotes aufbauen, die Bahnbeamten erzählen von ihrem angestrengten Dienst, und die Feldhüter plaudern mit dem Mädchen über Wege und Straßen, die verbessert werden und neu enstehen sollen. Als sie eines Abends in ihr Gasthaus zuruckkehrt, platzt sie in einen großen Trubel hinein, es ist (Einquartierung, ein D.ivisionsmanöver wird abgehalten werden, das lieft sie auch in den kleinen Zeitungen der Ortschaften, das steht in den großen Pariser Blättern und auch in den deutschen Zeitungen. An diesem Abend sitzt Annemarie neben einem alten bärbeißigen Kapitän mitten unter vielen jungen Offizieren zusammen mit den übrigen Gästen, es wird getanzt und getrunken, und am nächsten Morgen zieht die Trupve ins Manöver, und hinterher in einer kleinen Gig, gezogen von dem dicken und glatten kleinen Pferde des Gastwirtes, der dafür fürstlich entlohnt wurde, fährt Annemarie Lesser, sechzehn Jahre alt. Sie ist von dem Kapitän eingeladen.
„Ein Divisionsmanöver?" Annemarie kennt genau die planmäßigen Stärken der französischen Truppenteile und sie sieht auf Öen ersten Blick, daß hier mehr als ein ganzes Armeekorps zufammengezogen worden ist. Sie hat in Berlin vorher sorgfältig die Berichte über die großen Manöver der französischen Armee gelesen, und sie bemerkt plötzlich zwischen diesen offi«
letzten Monate auf beiden Seiten und mancherlei unerfreulichen Reibungen war dieser Satz, an so wichtiger Stelle und offenbar wohl überlegt, nur zu begrüßen. Ihn auszusprechen gerade in jetziger Lage, entspricht durchaus den Interessen Rußlands, und dieser Standpunkt findet ebenso Widerhall auf der deutschen Seite.
Wir verstehen dabei ganz den Zusammenhang, in dem Litwinow damit seine Bemerkungen übev Polen brachte. Gegenüber der polnischen Ansicht, die Beziehungen zwischen beiden Staaten seien korrekt, äußerte er. daß die Sowjctregie« rung eine andere Meinung darüber habe, waS korrekt ist. Das wäre nur ein Wortstreit. OEbcc dem fügte Litwinow den Sah hinzu, die Sowjetregierung wünsche, daß eine größere Annäherung zwischen Moskau und Polen stattfindc. Gav keine Frage ist, woran er dabei dachte. Er hat die deutsch-polnischen Verhandlungen über die Liquidationen und einen Handelsvertrag im Auge und sieht als Leiter der russischen Außenpolitik selbstverständlich, daß nach dem Poungplan, der Rheinlandräumung und der Saarfrage das deutsch-polnische Verhältnis in den Vordergrund rücken wird und muß. Litwinow erinnert so daran, daß Rußland dabei auch da ist. Wiederum entspricht das ganz unserer Auffassung. daß das deutsch-polnische Verhältnis und die Behandlung feiner Fragen nur im Zusammenhang mit den deutsch-russischen Beziehungen betrachtet und aufgefaßt werden darf, die, wie verschiedenartig auch die beiden Staaten organisiert sind und leben, ein wichtiger Faktor in der deutschen Politik und auch in der deutschen Wirtschaft sind und bleiben.
ziellen Schaustellungen und in der Hebung, der sie jetzt beiwohnt, einen himmelweiten Unterschied.
„Mein Kapitän, noch nie habe ich Kanonen gesehen," und der brave Kapitän geht am Abend mit ihr durch die Geschützstellungen. Annemarie ist unermüdlich, sie folgt der Truppe Tag für Tag immer in ihrem kleinen Wagen. Man kennt sie bald, man freut sich über das junge Ding, dem es der bunte Rock angetan hat, und „Monsieur le Capitain" spreizt sich wie ein Pfau, denn Annemarie photographiert ihn in immer neuen Stellungen, und dem Kapitän fiel es niemals auf, daß im Hintergrund immer irgendeine Batteriestellung, immer irgendeine Grabenstellung fein mußte. Wie sollte er auch? Er hatte nur Augen für das reizende Kind, dem er am Abend vor dem Manöoerschluß unter einer durchaus romantischen Linde einen richtigen kleinen Heiratsantrag machte. Annemarie hatte einen Einwand: „Was macht eine Offiziersfrau? Wie ist denn Ihr Dienst, mein Kapitän?" Und der verliebte Kapitän kam vom Hundertsten ins Tausendste. Er war ein richtiger Troupier, ein echter aktiver Soldat der sich aus dem Unteroffiziersstande heraufgearbeitet hatte und der nichts auf der Welt kannte als das Handwerk des Soldaten. Er war schon glücklich, mit einem schönen Mädchen lediglich über diese Dinge sprechen zu können, es war nicht leicht für einen alten Soldaten, sich in all diese Neuerungen zu finden. „Man gräbt jetzt alles ein, man teilt die Richtkreise für die Artillerie in neue Zahlen und das soll man nun alles wissen. Siehst du, mein Kind, früher war das so und jetzt macht man es derart —-
Als der Morgenwind aufkam, schwor Annemarie, daß sie sofort nach Hause fahren werde, um mit ihrer Mutter zu sprechen, und Monsieur le Capitain besorgte sofort ein gutes Auto, und eine Ordonnanz und ein Unteroffizier brachten das Mädchen in windender Fahrt mit ihren Koffern, Zeichnungen und Photographien zur Grenze. Eine Zollrevision gab es nicht, der Unteroffizier erklärte dem Zollbeamten,
Mademoiselle Docteur,
die größte Spionin Deutschlands.
Annemarie auf eigene Kaust. - Oer verliebte Kapitän. — „Eine ungeheure Sache"
IV.
Aus dem neuen Buche: „Spionage!" von H. R. B e r n ö o r f f. Verlag Dieck & Co., Stuttgart.
Tannert inszeniert, im Stile der Zeit, vorsichtigerweise; mit allen gehörigen Details unb mit einer behaglichen Ausführlichkeit. Der Erfolg hat ihm recht gegeben, älebrigens war er auch der Veilchenfresser in Person, Casanova bei den blauen Husaren, ein Schwerenöter ohne äleber« treibung, ein netter Kerl.
♦
Auch die übrigen Mitwirkenden fanden sich mit Talent unb Humor in bie leicht angestaubte Konversation: Maria Koch, die vornehme unb distinguierte Witwe im besten Alter; Ingeborg Scherer, Regimentstochter in Terlobungsnöten-, D o m m i s ch, ber bodenlos ungeschickte und von einer Verlegenheit in die andere stürzende Referendar; Ritter, der als Einjähriger Meyer entschieden seinen großen Tag hatte, im dritten Akt den Vogel abschoh und heftige Appläufe entgegennehmen mutzte; Z i n g e l, ein martialisch- leutseliger Oberst aus der guten alten Zeit; Volck, der älnteroffizier, dessen Erfolg von vornherein textlich festgelegt war; Linkmann in der noch immer dankbaren Rolle des Offiziersburschen; Luise Jüngling, eine würdige Tanle, die unbedingt dazu gehört; Ilse Jahn, bas frech berlinernde Stubenmädchen mit dem Henkelkorb am Schilderhaus; Trude Hetz unb Hae - s e r als bie unvermeidlichen Intriganten.
♦
Vom Erfolg wurde gesprochen. Das Publikum ging sichtlich angeregt nach Hause. Dr.Th.
Dem Andenken Hofmannsthals.
Dem Gedächtn'.s Hugo von Hofmannsthals gewidmet ist das neue, soeben erschienene Weihnach!sheft des „Inselschiffs", ber Der- lagszeitschrift des Insel-Berlages. Es enthält einen Aussatz von Rudolf Alexander Schröder, der dem zu früh dahingeschiedenen Dichter feit 1900 als Gleich strebender unb Freund nahe- gestanden hat; es enthält ferner Beiträge aus dem Rachlatz Hosmanns.hals (Gedichte unb eine Sz?ne aus einem unvollendeten „Chinesischen Trauerspiel'), eine Biographie „Hofmannsihal unb der Insel-Berlag" unb bie schönen Verse, bie Felix Braun für bie Hosmannsthal-Feier bes Wiener Burgtheaters geschrieben hat. Außerdem bietet das Heft Proben aus den jüngsten Werken des Verlages, aus dem Buche „Beethovens Meisterjahre" von Romain Rolland das Kapitel «Beethovens Taubheit', aus der .Kunst Japans" von Tsuneyoshi Tsudzumi
den Abschnitt .Japanische Dichtkunst' unb aus dem Roman „Der Eroberer" von Richard Friedenthal den E>ilog. Das Gedicht „Klage" von Albrecht Schaefser beschließt das Heft, dem Bilder aus Hofmannsthals Jünglings- und Man- neszeit beigegeben sind.
Herr Han Schih £i wundert sich.
Wenn die Söhne des Himmels sich jetzt anch allmählich der abendländischen Kultur mehr zuwenden, so gibt es doch immer noch unendlich Vieles in unserem Leben, das ihnen sonderbar und grotesk erscheint. Ein chinesischer Besucher Londons, Herr Han Schih Li, schildert in einigen Aufsätzen seine Eindrücke und äußert fein besonderes Erstaunen über unsere Kleidung. „Seit ich im Spätsommer ankam, hat sich die Kleidung dieser ehrenwerten Bevölkerung nicht verändert , schreibt er, „unb hoch ist es jetzt Winter. So e;was mutz als höchst sonderbar erscheinen, denn sogar die Tiere wechseln ihre Kleidung mit der Jahreszeit. Die Männer tragen ja schon im Sommer solche harten unb dicken Stoffe, bie jeder bessere Chinese verschmähen würde. Warum haben sie nicht genug Seibe für den Sommer unb nicht genug Pelze für den Winter, um sich anständige unb schöne Trachten nach ber Witterung zulegen zu können? Selbst die Schienbeine, die hoch so sehr ber Wärme bedürfen, werden in dieser unfreundlichen Witterung nicht geschützt. Die Mäntel sind aus verschiedenen Teilen zusammengesetzt, so daß sie mich an bie Tracht unserer Bettler erinnert. Warum haben die Herren denn nicht genug große und breite Stoffstücke, um sich ihr Kleid aus einem Stück schneiden zu lassen? Unb bann diese schreckliche Enge. Wie kann ein Mensch sich in einem solchen engen Sack bequem auf dem Rücken kratzen? Man rümpfe nicht die Rase, wenn ich die Freuden sich Sichtrahens hervorhebe. Es gibt keine unschuldigere unb angenehmere Beschäftigung. Unö nun bie Hüte ber Herren! Da tragen sie schwarze Töpfe oder schwarze Kästen, die so furchtbar harr sind, bah sie nur ein ausgemachter Dickschädel ertragen kann. Ich verstehe erst jetzt, wie stark und kräftig die Köpfe ber weißen Männer sein müssen, wenn sie solche Hüte aushalten. Aber in diesem Lande ist alles möglich. Warum sind die weichen Hüte so vieler Leute grau? Haben sie alle Trauer? Unb bann, wie kann ein Mensch des Abends, toerm er sich dem Vergnügen hingeben will, ein steifes Brett über feine Brust ziehen?
Dazu tragen sie eine Jacke, die hinten zwei Schwänze hat, so daß man glauben möchte, ein Tiger habe ihnen vorn alles abgefressen. Lieber Die Kleidung der Frauen wage ich kaunr zu schreiben. Zuerst wollte ich meinen Augen nicht trauen unb dachte an ein Mißverständnis. Etwa, daß die Damen vergessen hätten, sich richtig anziehen. Aber ich sah in den elegantesten Restaurants Frauen, von denen ich meine Augen in tiefster Scham abteenben mußte. Bei meinen verehrungswürdigen Ahnen, sie hatten fast überhaupt nichts an! Ich beklage die Väter, Gatten unb Brüder, bie mit solchen Frauen an einem Tisch sitzen müssen. Ich wundere mich, daß sie nicht vor Scham in den Boden versinken. Aber es ist nun einmal so: wenn man dem Teufel unb den Frauen einen kleinen Finger gibt, so nehmen sie bie ganze Hand, und es sollte mich nicht wundern, wenn eure Frauen bald gar nichts mehr anhätten!"
Hochsckulnackrichten.
Der durch den Rücktritt des Pros. W. Schirmer an der Bonner Universität erledigte Lehrstuhl der englischen Sprache und Literatur ist dem ordentlich'.en Professor Dr. Gustav Hübe n c r in Basel angeboten worden. — Zur Wiederbcsetzuug des Lehrstuhls der allgemei en Pathologie und pathologisch:n Anato:nie an bei: Universität Köln (an Stelle von A. Dietrich) ist ein Ruf an Professor Dr. Emst Leupolö« in Greifswald ergangen. — Der Lehrstuhl ber klassischen Philologie an ber Universität Kiel unb bie Rachfolge von Prof. Eduard Fraenkcl ist dem Ordinarius Dr. Richard Harder in Königsberg angeboten worden. — Der Lehrstuhl der physikalischen Chemie an der Universität Kiel ist dem außerordentlichen Professor Dr. Günter Scheibe in Erlangen angeboten worden. — Cs sind ernannt worden: Der o. Professor Dr. Friedrich Ranke von der Universität Königsberg zum Ordinarius für deutsche Philologie in Breslau als Rachfolgcr des Geh. Rats Th. Siebs; ber nichtbeamtete a. o. Professor Dr. Theodor Süß in Göttingen z im o. Professor für bürgerliches Recht in Breslau; der nichtbeamtete a. o. Professor Dr. theol. et Phil. Friedrich Rötscher in Würzburg als Ra!;folger des verstorbenen Professors Johannes Döller zum o. Professor für das Bibelstudium des Alten Bundes in ber ^atholisch-theologischen Fakultät der Universität


