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Klus der Provinzialhauptstadt
Gießen, den 14. Dezember 1929.
Vom falschen Schenken.
Ein Bekannter von mir lud drei Tage nach der Feier feines fünfzigsten Geburtstages noch einmal alle Herren zu einem besonderen Abend ein. Mir war verraten worden, daß an diesem Abend die Geburtstagszigarren geraucht werden sollten. Vorsichtigerweise steckte ich mir deshalb einige aus meinem Kistchen ein. Und ich tat recht daran! denn es war noch in der Zeit, in der die Kistchen nicht mit einer Banderole versehen waren. Dafür hatten aber alle Gcschenkzigarren wunderbare Leibbinden. Zu seinem sechzigsten Geburtstag hat der Gastgeber sicher des- scre Glimmstengel erhalten. Der Leser weiß, warum!
Nun kommt wieder eine Zeit, in der geschenkt werden muß. Die Frau stöhnt. Sie hat eben auf einer Liste zusammengestellt, wem sie all Weihnachts- Beschenke schuldig ist. Woher das Geld nehmend Sie at Grund zum Stöhnen: denn der Mann ist in Geldfragen sehr schwerhörig. „Ach was," sagt sie schließlich, „ich mache es wie manche andere auch. Ich sehe meine Vorräte nach. Es gibt noch allerhand, das man entbehren kann. Das muß dieses Jahr dran glauben. Die vielen Vasen, Butterdosen und sonstigen Kleinigkeiten geben ganz hübsche Weihnachtsgeschenke ab." Sie hält also fürchterliche Musterung. Am Abend ist sie sehr befriedigt. Fast die Hälfte aller „Verpflichtungen" ist erledigt. Nun kann Weihnachten kommen.
Mir fällt da eine kleine Geschichte ein. Freund Karl erhielt zu seiner Hochzeit von einem entfernten Verwandten, der nicht zum Feste kommen konnte, ein Geschenk zugeschickt. Es war eine große Glaskaraffe mit sechs oder zwölf Likörgläschen, in der äußeren Form und Aufmachung ein ganz abscheuliches Stück. „Das hat er sicher bei einem Wohltätigkeitsball gewonnen?", sagte mein Freund, als er die erstaunten Augen seiner jungen Frau sah. So war es auch in Wirklichkeit. Was tun? Zunächst bedankten sich die Eheleute. Das erforderte die Höflichkeit. Aber das fürchterliche Gefäß selber kam in die hinterste Ecke des Geschirrschrankes. „Kommt Zeit, kommt Rat", jagte Karl.
Die Jahre gingen. Bis dann zufällig, durch eine Sommerreise, die damals verhinderten Verwandten nun doch zu einem kurzen Besuch eintrafen. Jetzt ist die Zeit gekommen, dachte mein Freund. Als alles gehörig bewundert worden war, als man zu Nacht gegessen hatte, holte Karl eine große Flasche guten Likör, und seine Frau kam mit dem Service an- oerückt. Allseitiges Erstaunen! „0 je," sagte der Besuch, „so ein Ding haben wir auch einmal gehabt. Wir haben es weggeschenkt." „Das weiß ich," sagte
Karl, „schau dir's nur gründlich an! Cs ist nämlich das, das einmal euch gehörte!" Dem Geber wird es schwül, er sieht nach seiner Frau. Es waren wohl keine erhebenden Minuten, die nun folgten. Schließlich half man sich mit einem gequälten Lächeln und dem Versprechen, die Sache wieder gut zu machen.
Eins haben die Geschenkgeber aber sicher erfahren: man soll nicht Sachen, die einem selbst ein Greuel sind, weiterschenken! Solche Geschenke machen niemand froh. Der Geber hat ein böses Gewissen, der Empfänger muß sich wohl oder übel bedanken, und innerlich flucht er vielleicht über die Geschmacklosigkeit oder über den Geiz der Geber. Man schenke lieber gar nichts, als sich eine Blöße zu geben. Ein echtes Geschenk ist immer ein Opfer. Wer nichts opfern kann oder will, der sage es ehrlich. Aber wer mit einem ganz billigen Geschenk oder mit einem Ladenhüter prahlt und so tut, als ob er die Welt verschenkt, der handelt unmoralisch. Man will so tun, als ob man Opfer brächte, und dabei handelt es sich doch nur um eine grobe Täuschung. Ehrlichkeit ist da viel eher am Platze und wird eher anerkannt, als solches Theaterspiel. Es ist genau so, als wenn ein Geizhals, der es aber nach außen hin nicht sein will, in den Klingelbeutel der Kirche ein altes, eisernes Zehnpfennigstück oder einen metallenen Hosenknopf wirft, nur damit die Leute nicht sagen, er hätte nichts gegeben. Ich glaube, daß da mancher Pfarrer ein Wörtchen erzählen kann.
Es heißt, Geschenke sollten nicht nur erfreuen, sondern auch an den Geber erinnern. Wer möchte aber so unangenehm daran erinnert werden, wie der Besuch bei meinem Freund Karl? Sch.
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•• (Sine öffentliche Sitzung des S t a d t r a t s findet, wie wir schon kurz meldeten, am kommenden Dienstag, nachmittags 4 Llhr beginnend, im Sihungssaale im Stadthaus Bergstraße statt. Von den Tagesordnungspunkten seien folgende hervorgehoben: Festsetzung der Hundesteuer für 1930; Neufestsetzung des Schulgeldes für das Lyzeum und die Studienanstalt; Festsetzung der Pacht für den Flugplatz und das Flughasengelände; Zentraluhrenanlage in der Stadt Gießen; Wasserversorgung der Gemeinde Heuchelheim; Beschaffung von elektrischen Heizkörpern für die Straßenbahn; Krediterweiterungen; Winter- und WeihnachtLbeihilfe für 1929/30 an die Fürsorgeempfänger des Wohlfahrtsamtes und andere Bedürftige; Ortssahung über die Erhebung des Marktstandgeldes auf den Vieh- und Krämermärkten in Gießen.
*• Berufung an die Llniversität Gießen. Einer Meldung des Amsterdamer „Te- legraaf" zufolge hat die hessische Negierung den Direktor der Klinik für Kleinhaustiere, llniner- sitätsprofessor Dr. H. Satob, die Professur
für tartete Tierkranfheiten, Tierheilkunde und Pharmalognozie an der Universität Gießen angeboten. Voraussichtlich wird Professor Jakob, dem bereits im Jahre 1924 eine Professur an der Universität Leipzig angeboten tour', e, die er damals aber ablehnen mußte, diesmal eine Berufung nach Deutschland annehmen.
•• Personalien. Ernannt wurden die Kreisärzte Medizinalräte Dr. Th. Höfling In Erbach i. O. ?um Kreisarzt des Krei gesund- heitsamtes Friedberg. Dr. Hermann Orth in Schotten zum Kreisarzt des Kreic'gesundleitsamts Heppenheim unter Belassung ihrer Amtsbezeichnung .Medizinalrat" beide mit Wirkung vom 1. Januar 1930 an. — Aus dem Staatsdienst entlassen wurde der ordentliche Professor für innere Veterinärmedizin an der Landesuniversität in Gießen Dr. med. vet. Johannes Aörr, mit Wirkung vom 1. Januar 1930 an.
* Die Museen sind am morgigen Sonntag von 11 bis 13 Uhr zu kleinen Preisen geöffnet.
•• Der Sonntag im Gießener Stadt- tbeater. Man schreibt uns: Am Sonntag, 15. Dezember, findet zu ermäßigten Preisen eine Märchenvorstellung „D as tapfere Schneide r l e i n" von Alois Prasch statt. Beginn 15 Llhr. Das Stück, das den Kindern nicht nur ein Theaterstück, sondern ein lebendes Bilderbuch ist. mit Tieren, Kindern, Tanzfiguren und tausend Lleberraschungen, bedeutet für Gießen den größten Märchenerfolg seit vielen Jahren. Es soll vor allem den Kindern der Umgebung mit dieser Vorstellung Gelegenheit geboten werden, sich dieses „Spectacle der Kleinen" anzusehen. Llbrnds wird um 19 Uhr die Tragödie der „Troerinnen" von Werfel (nach Euripides) aufgeführt. Intendant Dr. Prasch hat das Werk selbst inszeniert und es mit Sprechchören zu einer griechischen Kulturtragödie gestaltet. Das Werk hat bei seiner Gießener Premiere einen erschütternden Eindruck hinterlassen.
’• Adventskonzert auf dem Linden- plah. Das zweite Adventskonzert findet am morgigen Sonntag um 15.30 Uhr auf dem Lin- denplah mit nachstehendem Programm statt: 1. Der Heiland kommt, iobsinget ihm (Frankfurt a. M. 1599), v. PH. Nikolai. 2. Hoch tut euch auf, v. Ehr. W. Gluck. 3. Heims Abendfeier, von E. Nutz. 4. Abendchor aus dem Nachtlager von Granada, v. Kreutzer. 5. Der Herr ist mein Hirt, v. B. Riem. 6. Aus „Judas Makkabäus" (Tochter Zion), v. Händel.
•• W o stecken die veruntreuten 70 000 Mark der Gießener Kreis- ta) je? Die Beantwortung dieser Frage sucht der Kreisausschuh des Kreises Gie
ßen jetzt durch eine Belohnung zu erzielen. 3m neuesten Amt^vcrlünd gung^blatt veröffentlicht er nämlich die nachstehende Bekanntmachung! „'2x1 der nach dem Tode des früheren Kreis- kassendireltors Adam Kauh erfolgten Uebergabe der Kreiskasse wurde ein Fehlbetrag von etwa 70 000 Marl sestgestcllt, dessen Ausllärung bisher noch nicht möglich war. Der Kreisausschuh hat daher beschlossen, demjenigen, der zweckdienliche Mitteilungen über den Verbleib des Geldes macht, die die zugängliche oder teilweise Wieder- beschasfung des Geldes ermöglichen, eine Belohnung in Höhe von 10 Prozent des beigebrachten Betrages zuzuführen." Ob die 70 000 Mark, oder wenigstens ein Teil davon, nunmehr zum Vorschein kommen werden?
*• Meisterprüfungen 1930. Einen Dorbereitungskursus für die Meisterprüfungen im Jahre 1930 veranstaltet der Gewerbeverein Gießen von Mitte Januar n. I. ab. Die Anmeldungen dazu müssen fetzt erfolgen. Näheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich.
♦* Keine Winter • Obstausstellunain Gießen. Der Vorstand des Kreis-Obst- und Gar» tenbauvereins hat in feiner Sitzung am Mittwoch unter Leitung des Vorsitzenden, Reaierungsrats Wolf, einstimmig beschlossen, wegen Mangels an Beteiligung von der Veranstaltung einer Winter- Obstausstellung für diesen Winter abzusehen.
wettere Lokalnachrichten im 2. Blatt
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
(Eine Litte an den konzertvereia.
Bei der Besprechung des Konzerts am letzten Sonntag ist m. E. eines Umstandes nicht Erwähnung getan worden, der unbedingt zur Sprache gebracht werden muh. Ich meine den Z u st a n d des Podiums. Rein äußerlich betrachtet wirken die schmutzigen Bretter mit den ungehobelten, rohen Holzstücken unter den Deinen dcS Flügels unästhetisch. Daß aber der am Flügel sitzende Begleiter plötzlich in der Versenkung zu verschwinden droht, weil das Brett, auf dem die hinteren Deine seines Stuhles stehen, nachgibt, daß die Künstlerin mit den Spitzen ihre- Kleides an den überall hervorstehenden Spähnen der Podiumblätter hängen bleibt und sie zerreißt und dann, am Klavier stehend, ängstlich an sich heruntersieht — vermutlich, weil unmittelbar vor chr ein etwa 10 Zentimeter langer Holzspahn mit weiterem Unheil droht — das sollte nicht vorkommen. H. S.
Wer ist diese Deine!
allen feinen Geschäften aushängt, birgt ein
HAG
Ein Weihnachts-Rätsel
Die neue Kaffee Hag - Vakuumdose Ist auf dem Wege Uber Amerika zu uns gekommen. Vier Jahre lang wurde diese luftleer gemachte Packung drüben ausprobiert Es hat sich erwiesen, daß der Kaffee In der Vakuumdose völlig unverändert bleibt; selbst nach vielen
Monaten schmeckt der Kaffee Hag genau so. als ob er heute erst geröstet wäre. — Die Vakuumdose wurde in Deutschland erfunden. Als Weihnachts-Überraschung für alle KaffeeHag-Freunde kommt die
Vakuum-Geschenk- Packung Jetzt zu uns zurück.
Das neue Kaffee Hag-Welhnachtsplak Rätsel in sich. Meister Hellemann hat
das In a Frau
gezeichnet — ohne Kopf , welche Kaffee Hag als Weihnachtsgabe darbringt. — Wer mag das sein? — Damit die Lösung nicht allzu schwer fällt, wollen wir einen engen Kreis ziehen: Es handelt sich um eine in der ganzen Welt bekannte und beliebte deutsche Filmschauspielerin. In der Reihenfolge des Eingangs erhalten die Einsender der ersten hundert richtigen Lösungen: 1 Kaffee Hag-Service aus feinstem Tettauer Porzellan nach Künstler-Entwurf geschaffen, für zwei Personen.
Ole Lösung Ist auf einen welflon Zettel von PoetkartengröOe In Breitformat tu schreiben, und zwar eo, daO der Name der Filmschauspielerin In die obere rechte, die genaue Adresse des Einsenders In die untere linke Ecke kommt Einsendung
Schluff für die Einsendungen: 31. Dezbr.1929
Die Einsender der zweiten hundert richtigen Lösungen erhalten:
IKaffeeHag-Wappenmarken-Albummitfarbigen Marken Diese hervorragende Sammlung deutscher Städtewappen von dem bekannten Heraldiker Professor Otto Hupp, München, ist ein einzigartiges Kulturdokument von bleibendem Wert. Sämtliche Einsender weiterer richtiger Lösungen erhalten:
eine Sammelreihe farbiger Kaffee Hag-Wappenmarken
Die Preise werden spätestens bis zum 31. Januar 1930 verteilt.
gen mit mehreren Lösungen und weiteren Zusätzen sind ungültig. Der frankierte Umschlag Ist In der oberen linken Koke mit dem Kenn« wort „Vakuum- zu versehen und tu adressieren an die Kaffee-Mandels-Akdengesellschaf« Cremen-Hoixhafen
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