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,Iuß auf Len Landgrafen geblieben fei, der Zwinglianer und Lutheraner zwang, über 50 Jahre lang neben- und miteinander zu arbeiten.

Sodann ergriff Professor Dr. Mommsen, Marburg, das Wort zu seinem Vortrag über Geschichtswissenschaft und Kriegsschuldfrage".

Er stellte fest, daß die Lage Deutschlands zur Kriegsschuldfrage heute eine außerordentlich gün­stige sei. Die Schlagworte des Tages seien vom In- und Ausland zurückgestellt worden, um einer sachlichen und geschichtlichen Heberprüfung Platz zu machen. Zusammenfassend betonte er, daß er es für unklug halte, jetzt Maßnahmen zu ergreifen, durch die wir nur unseren Gewinn preisgeben würden. Wir würden auf dem Voden der sachlichen geschichtlichen Erforschung weiter­kommen als durch begeisterte Reden, die uns im Ausland nur schaden könnten. Aufgabe der Historiker sei es, durch Aufklärung und sachliche Arbeit die Führung im Kampf gegen die Kriegs­schuldlüge zu übernehmen. Alle anderen, auch amtlichen Schritte halte er für grundfalsch.

Aach weiteren interessanten Vorträgen fand eine

verlrelersihung

statt. Dem Geschäftsbericht entnehmen wir, daß der Gesamtverein laut Abrechnung vom 1. Aug. d. 3. über ein Vermögen von rund 6150 Mark verfügt und sein Mitgliederbestand im Ver­hältnis zum Vorjahr sich vergrößert hat. Die Hauptversammlung, auf der über 50 Vorträge und Referate neben zahlreichen Sitzungen zur Klärung vieler schwebender wissenschaftlicher Fra­gen beigetragen haben, nahm damit ihr Ende.

Besuch in Lich.

)( Lich, 12. Sept. Heute vormittag erhielt unsere altehrwürdige St. Marien st ifts- kirche bedeutsamen Besuch. Der Verband deutscher Geschichtsvereine, der seine Haupttagung in Marburg abgehalten hatte, kam auf einer Besichtigungsfahrt durch das oberhessische Land auch hierher. Die Teilnehmer trafen in fünf Postautos vormittags hier ein. An Stelle des durch plötzliche Erkrankung ver­hinderten Bibliothekars Dr. Ahlhorn (Mar­burg), der zur Zeit die Geschichte des Hauses Solms bearbeitet, und den ersten Band dieser Geschichte soweit fertiggestellt hat, begrüßte Ar- chivdirektor Dr. Knet sch (Marburg) die Teil­nehmer in der Kirche und gab die notigen Er­klärungen über die Dauges chichte der Ma- rienstiftskirche, die noch von Professor D r o n n e r ergänzt wurden. Die Redner wiesen besonders auf die in unserer Kirche vorhandene Kombination von Hallenkirche und Basilika hin, und verlegten die Bauzeit in die 3ahre 1490 bis 1500. Auffallend ist in unserer Kirche das Feh­len des Lettners, der wohl aus Holz gebaut war und später abgerissen wurde. Besonderen Ein­druck machten auf die Teilnehmer die vielen sehr gut erhaltenen und kunstgeschichtlich sehr bedeutenden Grabdenkmäler, von denen beson­ders die Grabsteine Kunos von Falkenstein und seiner Gemahlin aus dem 14. Jahrhundert und diejenigen der Herzogin Anna von Mecklen-- burg aus dem 16. Jahrhundert eingehend besich­tigt wurden. Allgemeinem Interesse begegnete auch der heute noch im Treppaufgang zur Orgel­empore erhaltene Sitz desHenkers", der nur getrennt von der Gemeinde dem Gottesdienst bei­wohnen durfte. Es wurde allseits dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß es in absehbarer Zeit ge­lingen möge, unsere Kirche so zu renovieren, wie es ihrer baugeschichtlichen Bedeutung zukommt. Am 11.45 Ahr verabschiedeten sich die Aus­flügler, um nach Kloster Arnsburg weiterzu­fahren.

Sofort in die Weiterau.

Begünstigt von dem klaren Himmel des letzten Sommertages machte der Oberhessische Geschichtsverein am 12. September seinen diesjährigen Ausflug in die Wetterau. Am gleichen Morgen hatten etwa 150 Teilneh­mer der Tagung des Gesamtvereins der deutschen Geschichts- und Alter­tumsvereine in Marburg eine Fahrt über Amöneburg, Homberg a. d. O., Grünberg und Lich nach Arnsburg angetreten. Dort, an der Stelle des vor beinahe 800 Jahren be­gründeten Zisterzienserklosters, trafen die (Sie­bener Qiit dem Gesamtverein zusammen, um von nun an die Fahrt über Münzenberg, Butzbach und Grohen-Linden nach Gießen gemeinsam aus­zuführen. Aach einer leiblichen Stärkung in dem geschmückten Kapitelsaal, zu der Graf Wilhelm Eolms-Laubach eingeladen hatte, begrüßte Ani- versitäts-Bibliotheks-Direktor, Prof. Dr. Ebel, die Teilnehmer der Marburger Tagung im Aamen des Oberhessischen Geschichtsvereins auf dem Boden dessen Arbeitsgebietes. Daran schloß er einen kurzen Aeberblick über die Geschichte des Klosters, die er in den Kunstdenkmälern des Freistaates Hessen (Kreis Gießen II) aus­führlich behandelt hat. Er erwähnte zunächst die Bedeutung der Wetterau in der vorgeschicht­lichen und der Römerzeit, sowie ihren Anteil an der deutschen Geschichte, und stellte dann den Gründungshergang des Klosters dar, das Kunol. von Münzenberg 1174 am Ort seiner väterlichen Burg Arnsburg stiftete, nachdem er selber sich das neue gewaltige Schloß Münzen­berg erbaut hatte. Ihrem Beruf hingegeben, mancher durch Gelehrsamkeit hervorragend, ver­brachten die Mönche ihr Leben, das nur dann und wann von Fehden, und Kriegen gestört wurde, bis im Jahre 1803 das Kloster auf­gehoben wurde. Geheimrat Wolfram, der Vorsitzende des Gesamtvereins, dankte Direktor Ebel für seine Degrüßungsworte und seine Ausführungen über Arnsburg, dann aber auch dem Besitzer des Klosters, dem Grafen Laubach, für die liebenswürdige Aufnahme. Er wies da­bei auch, ebenso wie Prof. Ebel, auf die große kulturelle Bedeutung der alten deutschen Dynastenhöfe hin. Sodann unternahm der be­währte kunstgeschichtliche Führer des Oberhessi­schen Geschichtsvereins, Pros. Dr. Rauch , einen Rundgang durch die Klosteranlagen, während Professor Dronner (Mainz) die Führung einer zweiten Abteilung übernahm.

Vor der Weiterfahrt nach Münzenberg wurde eine im Auftrag des Vereins von Dr. Carl Walbrach (Gießen) verfaßte Schrift über diese, selbst die Wartburg noch an Bedeutung übertreffenden Burg verteilt. Im Münzenberger Schloß führten wiederum Pros. Rauch und der Bearbeiter der Münzenberger Kunstgeschichte, Prof. Dronner (Mainz). Aach kurzem Auf­enthalt in Butzbach ging es nach Grohen- Linden, wo Prof. Rauch zum drittenmal das Wort zu kunsthistorischen Erläuterungen, des bekannten, aber noch immer umstrittenen Kirchenportals ergriff. Aach der Rückkehr nach

Gießen fand ein Essen im »Hindenburg" statt. Beigeordneter Dr. Hamm überbrachte die Grüße der Stadt, der Provinz und des Kreises. Professor Dr. R o l o f f betonte als Vertreter des Rektors die herzlichen wechselseitigen Be­ziehungen zwischen Aniversität und Geschichts­vereinen. Für den Gesamtverein der Geschichts­vereine dankte Museumsdirektor L a u f f e r, Pro­fessor für germ. Altertumskunde in Hamburg in geistvoller und herzlichster Weise für die Degrü- ungen und für die Ausnahme durch den Ober­hessischen Geschichtsverein. Er drückte die hohe Befriedigung aller Teilnehmer über das in der Wetterau Gesehene und in Gießen Gebotene aus und schloß nach einer Stunde angeregter Unterhaltung die diesjährige Tagung des Ge­samtvereins.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

X Klein-Linden, 13.Sept. Das Gießener Elektrizitätswerk, welches unseren Ort mit elektri­schen Strom versorgt, läßt jetzt auf dem Schildberg eine neue Transformatoren ft ation er­richten. Die Maurerarbeiten werden von der hiesi­gen Firma Gebr. Bernhard ausgeführt. Das erforderliche Gelände wurde von der Gemeinde zur Verfügung gestellt. Um die vielen Auto- und Motorradunfälle an der Ecke Wetzlarer Straße und Frankfurter Straße herab­zumindern, hat die Straßenbauverwaltung in einigen hundert Meter Entfernung von der Gefahrenstelle Warnungskreuze anbringen lassen. Diese be­finden sich in der Mitte der Straße und find in etwa 4 bis 5 Meter Höhe weithin sichtbar. Hoffent­lich finden sie die nötige Beachtung!

4= 21 u 5 der Rabenau, 13. Sept. Das anhal­tende trockene Sommerwetter ermöglichte un­seren Landwirten in den letzten Tagen die Be­endigung der Grummeternte. Die feuchten Wiesengründe brachten einigermaßen befriedi­gende Erträge, deren Qualität natürlich nicht besonders zu bewerten ist. Auf trocken gelegenen Graspflanzungen war das Grummetgras im Stand dürr geworden, so daß es sich kaum lohnte, es zu mähen. Die Futtermittel- not ist infolge der wochenlangen Trockenheit geradezu katastrophal geworden. Der weit­aus größte Teil unserer Landwirte hat keinen Halm Klee mehr zur Fütterung des Viehes. Wo noch Klee aus zweitem Schnitt im Abmachen zurückgehalten und aufgespart wurde, ist er mittlerweile völlig dürr geworden und wird stehen gelassen, um für das kommende Jahr den notigen Rotkleesamen daraus zu gewinnen. Die Dickwurzblätter, die infolge der Hitze überall welk herunterhängen, bilden einen notdürftigen Futterersatz und können nun als Zugabe zum Heu, das auch schon in recht starkem Maße ver­füttert wird, angesehen werden. Die Milch­erzeugung ist ungeheuer zurückge­gangen, ebenso die Preise für Zuchtvieh. Da­gegen zeigen die Ferkelpreise überall noch fast die bisherige Tendenz, mit einer kleinen Schwankung nach unten, die in den allerletzten Tagen zu beobachten ist. Für 6 bis 7 Wochen alte Jungtiere werden immer noch 32 bis 37 Mk., für 7- bis 8wöchige 37 bis 42 Mk. bezahlt. Die Preise für F e 11 s ch w e i n e sind noch die gleichen wie bisher geblieben. Händler und Metz­ger bezahlen gegenwärtig je nach Qualität 84 bis 86 Pf. pro Pfund Lebendgewicht. Die O b st- ernte kommt ungewöhnlich rasch heran. Manche Sorten, die besonders unter Trockenheit leiden, lassen sehr stark die Früchte fallen, so daß man hier und da bereits zum Pflücken schreitet. Der Behang der Bäume ist durchweg als gut zu bezeichnen, allerdings sind die Früchte infolge der langanhaltenden Trockenheit in der Entwick­lung sehr zurückgeblieben.

U Rodheim a. d. Horloff, 11. Sept. Der hiesige Kleinkaliberschühenverein ver­anstaltete ein Preisschießen, das am ver­gangenen Sonntag seinen Abschluß fand. Das Schießen, das stehend aufgelegt erfolgte, brachte sehr gute Resultate. Es konnten folgende Schützen Preise erringen: 1. Heinrich Becker, Echzell, 35 Ringe: 2. Georg Zimmer, Villingen, 34 R.: 3. Wilhelm Meier, Rodheim, 34 R.: 4. Otto Momberger, Rodheim, 34 R.; 5. Wilhelm Rühl, Villingen, 34 R.: 6. Wilhelm Momberger, Rod­heim, 34 Ringe.: 7. Herbert Kröll, Rodheim, 34 R.: 8. Georg Kröll, Dodheim, 33 R.: 9. A Müller, Anter-Schmitten, 33 R.: 10. Polizei­wachtmeister Momberger, Darmstadt, 33 R.: 11. Adolf Hofmann, Rodheim, 33 R.: 12. K. L. Ahl, Rodheim, 33 R.: 13. Arthur Hofmann, Stein­heim, 32 R.: 14. Rudolf Zoll, Rodheim, 32 R.: 15. Erich Hofmann, Rodheim, 31 R.; 16. Hugo Kröll, Rodheim, 31 R.: 17. W. Aicklas, Rodheim, 31 R.: 18. A. Schäfer, Rodheim, 31 R.: 19. R. Wacker, Rodheim, 30 R.: 20. Ferdinand Schmidt, Dteinheim, 30 R. Aachdem unser Schützen- verein vor kurzem auf dem Bundesschiehen des Hessischen Landjugendbundes in Echzell den 2. Preis im Gruppenschießen erringen konnte, wurde ihm nun auch nach dem Kreis­schiehen in Giehen die Kreismeisterschaft in Klaffe II zugestellt, die er auch im vorigen Jahre innehatte. Die diesjährige Mannschaft setzte sich zusammen aus Hugo Kröll, Otto Walther, Erich Hofmann, Wilhelm Aicklas und Wilhelm Meier, und erzielte 326 Ringe.

s. Aus dem Horlosstal, 11.Sept. Seit etwa einer Woche hat endlich die Erdfloh - plage nachgelassen. 'Man sieht auf den Kohlfeldern wieder grüne Herzen ausschlagen. Wenn nun heuer der Winter nicht allzu früh einseht, kann man immer noch auf Spätkraut rech­nen, zumal wenn noch Niederschläge dazu kom­men. Da dies sehr ungewih ist, haben allerorts landwirtschaftliche Genossenschaften Rot- und Weißkraut, sowie Wirsing in Waggons bestellt, um den Winterbedarf sicherzustellen. Trotz dieses Grohbezuges wird sich der Zentner immer noch auf 10 bis 12 Mk. stellen. Zur Zeit wird von fahrenden Händlern Frühkraut für 18 bis 25 Pf. das Pfund in unserer Gegend angeboten und viel gekauft. Die Aussichten auf Winter- gemüfe sind gleichfalls sehr trübe, da Spinat, Feld- und Wintersalat sehr schlecht keimen. Auch spätere Saaten von Erbsen sind in den Gärten nicht mehr zur Entwicklung gekommen. Die Stan­genbohnen wachsen infolge Wassermangels ganz verkrüppelt und sterben, obwohl sie noch viel Fruchtansatz aufweisen, vorzeitig ab. Da die Wasserleitungen fast aller Dörfer über Wasser­mangel zu flogen haben, kommt auch ein Be­sprengen der Gärten nicht in Frage.

Kreis Friedberg.

$ Friedberg, 13. Sevt. Der Vorbereitung der VvlkShochschularbeit im kommenden Winter galt eine Besprechung, die unter dem

Schach-Ecke.

Bearbeitet von W. Orbach.

Alle für die Redaktion bestimmten Mit­teilungen, Lösungen usw. sind zu richten an die Schachredaktion desGießener Anzeigers".

Problem Nr. 229.

Don T. Tavemer.

7

6

5

2

8

1

2

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h

8

7

Ö

5

4

3

2

1

Schwarz, d e

a b

Weiß.

Weiß zieht und setzt in zwei Zügen matt.

Weih: 8 Steine. Ka3; Ddl; Te5, g7; Lai: Sd8;

Bd3, e7.

Schwarz: 8 Steine. Kf6; Th6: Lf8; Sh4, h7, Bc6, f7, h5.

Nachstehend zwei Partien aus der 18. Runde des Karlsbader Schachmeisterturniers.

Partie Nr. 154.

Damenindisch.

Weiß: Colle.

Schwarz: Capablanca.

1. d4, Sf6. 2. Sf3, b6. 3. e3, Lb7. 4. Sbd2, e6. 5. Ld3, c5. 6. 0-0, Sc6. 7. c3, Le7. 8. e4, cxd4. 9. Sxd4, 0-0. 10. De2, Se5. 11. Lc2, Dc8. 12. f4, Lab. 13. Ddl, Seb. 14. Tf3, gb. 15. S2b3, Sxd4. 1b. Sxd4, Lb7. 17. De2, Lc5. 18. Th3, Dcb. 19. e5, Sd5. 20. Df2, Lxd4. 21. cxd4, Tac8. 22. Ldl, fb. 23. Dh4, Tf7. 24. Lf3. Dc4. 25. Le3, Sxe3. 2b. U< b7, Sf5. 27. Del, Tc7. 28. Le4, Dxd4+. 29. Khl, fxe5. 30. Lxf5, exf5. 31. fxe5, Te7. 32. Te3, Dxb2, 33. eb, dxeb. 34. Txeb, Kf7 aufgegeben.

Partie Nr. 155.

Sizilianisch.

Weiß: Dogvljubow.

Schwarz: Canal.

1. e4, c5. 2. Sf3, db. 3. Sc3, Sfb. 4. d4, cxd4. 5. Sxd4, ab. 6. g3, Lg4. 7. f3, Ld7. 8. Sd5, Sx d5. 9. exd5, Da5 + . 10. b4, Dxd5. 11. Lb2, fb. 12. Ld3, Seb. 13. c4, Df7. 14. 0-0, Sxd4. 15. Lx d4, e5. 1b. Lbb, Le7. 17. De2, Ld8. 18. Lf2, Leb. 19. f4, 0-0. 20. f5, Ld7. 21. a4, Kh8. 22. b5, ax b5. 23. axb5, Txal. 24. Txal, d5. 25. cxd5, Dxd5. 2b. Le4, Dxb5. 27. Dxb5, Lxb5. 28. Lc5, Te8. 29. Lxb7, Le7. 30. Le3, g5. 31. Ld5, Td8. 32. Leb, Ld7. 33. Lbb, Tb8. 34. Lxd7, Txbb. 35. Ta2, g4. 36. Kg2, Lc5. 37. Leb, e4. 38. Ta8+, Kg7. 39. Tg8 + , Khb. 40. Txg4, Tb2+. 41. Kh3, e3. 42. Lc4, Tf2. 43. Tf4 Remis.

Lösung des Problems Nr. 225.

Don S>. Ionsson.

l.Tf6e6l usw.

Das Ergebnis des Karlsbader Turniers.

Aimzowitsch Sieger.

Das Karlsbader Riesenschachturnier hat mit dem glänzenden Siege des baltischen Großmeisters Aimzowitsch geendet. Er hat durch ideenreiches

Spiel diesen großen Erfolg vollauf verdient. In hervorragenden Partien hat er die Groß­meister Spielmann, Bogoljubow, Didmar und Tartakower geschlagen, und nur eine einzige Niederlage, und zwar gegen Iates, erlitten.

Nimzowitsch ist am 7. November 1886 zu Riga geboren. Seine bedeutendsten Erfolge fallen in die Nachkriegszeit: doch ist der jetzige Sieg der größte Erfolg seines Lebens. Spielmann hat in der ersten Hälfte eine Kraftleistung vollbracht indem er 9 Punkte aus zehn Partien herausholte, später erlag er Ermüdungserscheinungen, nur am Schlüsse raffte er sich noch einmal auf und schlug Capablanca in einem fein geführten End­spiel. Rubinstein, der wissenschaftlichste Meister von allen, hat am Ende des Turniers enttäuscht, er hätte höher landen sollen. Dr. Diedmar und Euwe fielen gegen Schluß des Turniers völlig ab, im Gegensätze zu Becker, der sich in den letzten Runden mächtig emporarbeitete. Aeberrascht hat das Versagen des Weltmeisterkandidaten, doch ist sein Mißerfolg offenbar in der Anterschähung seiner Gegner zu suchen. Bogoljubow erklärte zu Beginn, daß er das Turnier mit 8 Punkten Vorsprung gewinnen wollte, er blieb jedoch mehr als 3 Punkte hinter dem Sieger zurück. Grün­feld, der gute Aussichten auf einen Preis hatte, lieh gegen Ende merklich nach. Canal und Matti­son spielten ungenau. Dr. Tartakower kämpfte in diesem Turnier ohne Initiative, das beweisen seine 16 Remisen. Maroczy, dessen Alter sich langsam bemerkbar macht, hat einige sehr schöne Partien geliefert. Colle spielte ungleichmäßig. Treybal hat einige sehr gute Einzelleistungen geliefert, besonders seine Partie gegen Vidmar ist vortrefflich. Iates legte sich erst ins Zeug, nachdem es zu spät war. Sämisch verbrauchte nutzlos bei den ersten Zügen bereits seine Be­denkzeit und geriet hierdurch in tragische Situa­tionen. Marshall und Iohner zeigten sich in einigen Spielen als gute Angriffsmeister, Gila und Thomas konnten nicht viel ausrichten und Miß Menchik war für das riesenhafte Männer­turnier zu schwach.

Schlußstand: Nimzowitsch 15, 1. Preis: Capa­blanca und Spielmann je 14Vr. 2. bis 3. Preis geteilt; Rubinstein IS1/». 4. Preis; Decker, Euwe und Vidmar je 12, 5. bis 7. Preis, geteilt; Bogoljubow 8. Preis; es folgen: Grünfeld 11; Canal und Mattison je 10Vz; Colle, Maroczh, Tartakower und Trehbal je 10; Sämisch und Iates je 9V2; Iohner und Marshall 9; Gilg 8* Thomas 6 und Miß Menchik 3.

Oie Narrenkappe.

Splitter und Sparren vom RedakttonStisch.

Prophezeiungen.

Als Arthur Schopenhauer, der weiland große Philosoph seiner Mutter Johanna seine DissertationPhilosophische Abhandlung über die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde" gab, sagte die schöngeistige und geist­reiche Frau, die ihrem überheblichen Sohn eins auswischen wollte:Die vierfache Wurzel das ist wohl etwas für Apotheker." Gekränkt erwiderte der Sohn, man werde seine Arbeiten noch lesen, wenn von ihren Schriften kaum noch etwas in einer Rumpelkammer zu finden sein werde, worauf die Mutter schlagfertig er­widerte:Von den deinigen wird noch die ganze Auflage zu haben sein." Diese im Spott aus­gesprochenen Prophezeiungen sind merkwürdig genau eingetroffen. Die Romane und Erzählun­gen der Johanna Schopenhauer, die einst so viel gelesen wurden, sind verschollen. Die Werke Arthur Schopenhauers, der damals noch kein be­rühmter Philosoph, sondern höchstensder Sohn seiner Mutter" war, werden heute aus der gan­zen Welt gelesen. Aber fein HauptwerkDie Welt als Wille und Vorstellung" konnte, als die Schriften seiner Mutter in aller Hände waren, nicht verkauft werden, und die erste Auflage wurde eingestampft, während das Werk erst viel später die ihm gebührende Schätzung fand.

Vorsitz des Leiters der Gießener Volkshochschule, H e g a r, hier stattfand. Der Vorsitzende machte einleitend wichtige Ausführungen über Zweck und Ziel der Dolkshochschularbeit, dabei betonend, daß die ganze Provinz von der Tätigkeit erfaßt werden müsse. Notwendig sei eine Ar­beitsgemeinschaft der Dolkshoch- schullehrer in der Provinz Ober* Hessen. Für den kommenden Winter sei eine Arbeitsgemeinschaft der Städte Friedberg und Bad-Nauheim geplant. An der regen Aussprache beteiligten sich in der Hauptsache Kreisdirektor Rechthien, Professor Keller, Rektor Meyer und Geschäftsführer Grünewald. Gin Arbeitsausschuß wird die Vorbereitungen für die Winterarbeit in unserer Stadt treffen.

Kreis Büdingen.

nb. Nidda, 11. Sept. Gestern wurden hier auf der Gänswiese die diesjährigen Reichs­jugendwettkämpfe der hiesigen Real« und Volksschule gemeinschaftlich ausgetragen. Die Knaben und Mädchen beider Schulen waren in je eine Oberklasse und eine Vorklasse nach den Jahrgängen eingeteilt. Die Hebungen bestanden in Wettlauf, Weitsprung, Weitwurf und für die oberste Knabengruppe noch aus je einer Hebung am Reck und Darren. Das Ergebnis war wie folgt: I. Knabengruppe, Fünfkampf: 1. Preis Helmut Althen, 113 Punkte; 2. Pr. Christoph Danse, 102 P.; 3. Ernst Roll­berg, 91 P.; 4. Hermann Dafenau, 86 P.; 5. Albert Schaumburg, 85 P.; 6. Robert Vitt, 82 P.; 7. Fritz Orth, 78 P.; 8. Mbert Hofmann, 75 P.; 9. Herrn. Rettberg, 73 Punkte; 10. Erwin Eimer, 71 Punkte; 11. Fritz Reuning, 69 P.: 12. Otto 3immer, 68 P. II. Knabenvorklafse, Dreikampf: 1. Preis August Petermann, 60 Punkte: 2. Siegfried Grauer. 56 P.: 3. Willi Kötter, 53 P.; 4. Friedrich Jahn, 53 P.: 5. Hugo Düringer 50 P.: 6. Willi Kaiser, 48 P.: 7. Herbert Schwöbei, 48P.: 8. H. Schneider, 46 P.; 9. Wilh. Langlih, 45 P.: 10. Karl Schnei­der, 45 P.: 11. Fritz Wolf, 45 P.; 12. Franz Rieh, 44 P.: 13. Max Pflug, 43 P.: 14. Alfred Jörg, 43 P.; 15. Paul Rellmann, 43 P.: 16. Mbert Keller, 42 P.; 17. Heinrich Gvntrom, 42 P.; 18. Robert Alpert, 41 P.; 19. Eugen Berg, 40 P.; 20. Walter Bäcker, 40 P. III. Mädchengruppe, Dreikampf: 1. Preis Gertrud Kessel, 57 Punkte: 2. Hedwig Jä­ger, 48 P.; 3. Wilma Heller. 47 P.:

4. Elfriede Börmel, 43 P.: 5. Milli Döcher, 43 P.: 6. Minna Repp, 42 P. IV. Mädchen­vorklasse, Dreikampf: 1. Preis Elfriede Jun­ker, 54 P.; 2. Lieselotte Ging, 54 P.; 3. Marie Orth, 52 P.; 4. Frieda Werner, 42 P.; 5. Gertrud Dieter, 42 Punkte.

* Dorsdorf, 12. Sept. Hnter außerordent­lich starker Beteiligung wurde gestern unser frü­herer Lehrer i. R. Peter Henrich zu Grabe getragen. Aus unserer Gemeinde, aus seinen früheren Wirkungsorten Schweickartshausen. Kefenrod und Hnter-Widdersheim, aus Nidda und anderen Orten erwiesen ihm Verwandte, Freunde und Kollegen aus den Kreisen Büdingen und Gießen die letzte Ehre. Heberall, wo ihn die Pflicht hinrief, hat er während seiner 46- jährigen Dienstzeit mit Treue, Gewissenhaftigkeit und unermüdlichem Eifer gewirkt, zuletzt 23 Jahre lang in Dorsdorf. Hnvergehlich wird er der jetzigen Generation bleiben, Der er während des Krieges als Wirtschaftskartenführer und später als Vertrauensmann der Kriegsfürsorge mit Rat und Tat beigestanden hat. Gewissenhaft versah er fein Amt, bis ihn seine geschwächte Gesundheit vor zwei Jahren zwang, in den Ruhestand zu treten. Leider konnte er sich seines Ruhestandes nicht lange erfreuen. Sein Leiden verschlimmerte sich so, daß ihn der Tod am 9. d. M. abrief. Die Schulkinder und der Ge­sangverein von hier fangen ihm die Sterbe- lieber, Dekan Scriba (Nidda) schllderte den Verstorbenen als treuen Hausvater und gläubig- gewissenhaften Erzieher und Lehrer. Kreisschul- rat Göckel (Büdingen) widmete dem hochver­ehrten Lehrer im Auftrage des Kreisschulamts einen warmen Nachruf, Lehrer Ganz (Ober- Widdersheim) rief dem hochgeschätzten Kollegen im Namen des Dezirkslehrervereins Nidda Ab­schiedsworte nach. Bürgermeister Widders- heim von hier dankte dem verehrten Lehrer für fein treues Wirken in der Gemeinde. Der Kriegerverein, der Gesang- und Turnverein, der Schul- und Kirchenvorstand und der Die­nenzüchterverein Nidda und Hmgebung ließen durch ihre Vorsitzenden dem Verstorbenen [ür die Dienste, die er ihnen als Vorstandsmitglied stets bereitwillig und selbstlos erwiesen, herz­liche Dankesworte ins Grab nachrufen. Der Krie­gerverein feuerte als letzten Gruß drei Ehren­salven über das Grab. Alle Redner legten prachtvolle Kränze nieder.

_l_Stockheim,12. Sept. Der Evangelische ZweckverbandjurHeffen hatte dieser Tage