nalbaukosten muß erstrebt werden, Latz der Wohnungsbau nur mit einem Mindest- m a tz dieser Kosten belastet wird. Kosten dürfen nur für sogenannte Wohnstraßen in Anspruch genommen werden. Die Kommunen müssen zu einer Bodenpolitik übergehen, die ermöglicht, geeignetes Baugelände zur Beifügung stellen zu können. Die jetzigen Mieten können nicht aufrecht erhalten werden, da der Unterschied zwischen Berzinsung des Daukapitals und eingehender Miete derart groß ist, daß ein weiteres Bauen hierdurch in Frage gestellt wird. Er vertritt den Standpunkt, daß für bessere Reu - wohnungen erhöhte Mieten von den in Betracht kommenden Mietern auch getragen werden können. Hiermit wird auch ein allmählicher Liebergang zur Lockerung der Wohnungszwangswirtschaft erreicht werden.
Aus aller Welt.
Vor der Amerikafahrt des „Graf Zeppelin".
Soweit bis jetzt feststeht, werden sich an der Amerikafahrt des „Graf Zeppelin", die a m Mittwoch beginnen soll, 59 Personen beteiligen. Der 60. „Passagier" wird ein Gorillaweibchen sein, das von einer han
I Schwagers am Sonntagabend eine Ruderpartie auf dem Bodensee. Auf der Rückfahrt brachte der, wie es heißt, angetrunkene Mann durch Aufstehen das Boot unweit des Ufers zum Kentern. Die Hilfe vom Lande her kam zu spät. Alle drei Personen ertranken.
keine deutsche Beteiligung an den Weltausstellungen in Lüttich und Antwerpen.
Wie die „Nachtausgabe" meldet, hat die deutsche Regierung eine offizielle Teilnahme des Reiches a n den belgischen Weitaus st ellungen in Antwerpen und Lüttich endgültig abgelehnt. Die Ausstellungen finden im Jahre 1930 statt. Als Grund soll das Reich seine augenblickliche Finanzlage geltend machen.
Gescheiterte
Lohnverhandlungen im oberschlesischen Bergbau.
In Gleiwitz finden zwischen dem Arbeitgeberverband der oberschlesischen Montanindustrie und den Vergarbeiterverbänden die ersten Verhandlungen über die neuen Lohnforderungen im Steinkohlen- und Erzbergbau statt. Außer einer Vereinheitlicyung der Löhne über Tag, die eine Lohnerhöhung bedeuten, wird eine gleichmäßige Lohnerhöhung für alle Arbeiterkategorien gefordert. Der Arbeitgeberverband lehnte mit
Von heute an erscheint als Sommerausgabe der
Tafchen-Lahrvlasr
»es GieSerrss AmeiserS
mit sämtlichen Eisenbahnverbindungen Oberheffens und der benachbarten preußischen Bezirke, sowie mit dem zuständigen post- und privat-Krastwagenverkehr aiis SoNterrlose Gondersabe
noverschen Tierhandlung an den Zoologischen Garten in Chikago verkauft wurde und auf dem Luftwege nach seiner neuen Wirkungsstätte reist. Da das Luftschiff auf dem kürze st en nördlichen Wege über Irland —Neufundland mit zahlreichen Tiefs, Gegenwind, Regen und Rebel zu rechnen hätte, so wird es wahrscheinlich weder diesen Weg noch den Kurs der Dampferstraßen, sondern einen der längeren Wege im Süden wählen. Es wurde wiederum ein blinder Passagier entdeckt, der sich mit Hilfe einer gewöhnlichen Eintrittskarte in die Luftschiffhalle begeben hatte, sich dann in der Halle einschließen neß und sich in einem der Mannschaftsräume im Laufgange versteckt hatte. Es handelt sich um einen 18jähri- gen arbeitslosen Malergehilfen aus Kempten.
Drei Personen im Bodensee ertrunken.
Ein 40 Jahre alter Hilfsarbeiter von Rohrschach unternahm mit zwei Kindern seines
Rücksicht auf die Wirtschaftslage des Bergbaus die Forderungen, die insgesamt für den Steinkohlenbergbau eine Mehrbelastung von etwa 14 Prozent bedeuten würden, ab und stellte entsprechende Gegenforderungen. Für den Erzbergbau wurde Gleichstellung der Löhne mit denen des Steinkohlenbergbaus verlangt. Es würde dies eine Erhöhung um mehr als 30 v.H. bedeuten. Die Gewerkschaften beabsichtigen, den Schlichter anzurufen.
Die Erdbebenkatastrophe in Persien.
Das Erdbeben in Persien dauert an. Rach den bisherigen Meldungen haben mindestens 300 Menschen das Leben eingebüßt. Lieber 50 Dörfer sind völlig und eine Weib größere Anzahl teilweise zerstört worden. Das russische Rote Kreuz hat in Flugzeugen Krankenschwestern, Aerzte, Medikamente und andere Hilfsmittel gesandt, Lebensmittel aus Turkestan treffen jetzt in Automobilen ein.
Einstellung zu der Frage, wie weit ein umfangreiches souveränes Gebiet Boraussetzung sei, damit der Papst seine Mission erfüllen könne. Mussolini erklärte, daß die Geschichte der Kirche in den ersten Jahrhunderten keine Spur von Weltherrschaft aufweise. Erft durch die Berhandlun- gen zwischen Karl dem Großen und Papst Leo sei die Weither rschaft begründet worden, die dann zehn Jahrhunderte gedauert habe. Linier allgemeinem Beifall stellte Mussolini fest, daß durch die Lateranverträge kein Stück italienisches Gebietes an den Vatikan abgetreten worden sei. Rirgends habe also die italienische Flagge eingezogen werden müssen, wo sie einmal geweht habe. Der Vatikan besitze heute das, was er früher bereits besessen habe.
Die Rede Mussolinis hat größtes Aufsehen erregt und wird lebhaft besprochen. In den Kreisen der katholischen Aktion und im Vatikan ist man peinlich überrascht von der entschiedenen Betonung der allgemeinen Gewalt des Staates auch gegenüber der Kirche, vor allem aber auch durch die Bemerkung, daß die katholische Religion erst in Rom katholisch geworden sei und wahrscheinlich, wie viele andere Sekten, erloschen wäre, wenn sie in Palästina geblieben wäre. In faszistischen Kreisen haben die Ausführungen Mussolinis, in denen er die Ausgaben des Staates von denen der Kirche abgrenzte, lebhafte Zustimmung gefunden.
pariser Gchwierigkeiten.
Die Zahlen des Yonngplans.
Paris, 14.Mai. (MTB. Funkspruch.) Die Wor- genpreffe ist wieder einmal pessimistisch gestimmt. Sie berichtet gleichmäßig — also nach einem von einer bestimmten Stelle angegebenen mot d’ordre — nicht nur von Schwierigkeiten, die die Frage der deutschen Vorbehalte bringen könnte, sondern auch von Schwierigkeiten hinsichtlich der Poungschen Zahlenskala. Die ersteren werden vom „Journal" wie folgt angegeben:
1. Line Klausel, die evtl. Aussetzung des Transfers für die Hälfte der kransfergeschühten Annuitäten im Falle von Währungsschwierigkeiten vorsähe. Diese Aussetzung wurde sich auf zwei Jahre erstrecken können.
2. (Eine Klausel befr. die evtl. Aussetzung der deutschen Zahlungen überhaupt im Falle ernster Wirtschaftsstörungen, gleichfalls für zwei Jahre.
3. Schaffung eines Komitees in der Zentralbank, das gegebenenfalls die vollständige Revision des Zahlungsplans fordern könnte.
4. Verwendung der Aeberfchüffe der Zentra l b a n k für die Regelung der Schulden von der 37. bis 58. Annuität.
Der „Malin" jedoch berichtet, der Vorsitzende habe gestern Dr. Schacht daran erinnert, daß die Vorbehalte zurDiskufsiongestellt werden würden, und daß es von den übrigen alliierten Delegierten abhängen werde, sie in den endgültigen Bericht aufzunehmen oder nicht. Welche Form man aber auch diesen Vorbehalten geben möge, und oor allem dem wichtigsten unter ihnen, der die Klausel für. eine evtl. Revision beireffe, fo sei ein noch schwierigeres Problem zu lösen: das der Zahlen. Rach Ansicht der meisten Delegierten fei mit einer Aenderung des von den Gläubigern in der Sitzung vom 12. April bekundeten prinzipiellen Standpunkts n i ch t zu rechnen, da eine solche nur denkbar sei, wenn man gewissen Mächten Opfer aufzwinge, die die Regierungen und Parlamente dann doch nicht ratifizieren würden. Die Delegierten widersetzten s i ch einem Verfahren, bei dem man die Zahlen von Poung pauschal annehme und sich alsdann unter sich auseinandersehe. Sie blieben dabei, daß die von dem amerikanischen Delegierten vorgeschlagenen Annuitäten von durchschnittlich 2050 Millionen Gold- marf um mindestens lOObis 120 Millionen erhöht werden müßten. Ls sei also unnötig, uns glauben machen zu wollen, daß das gesamte Problem sich gegenwärtig auf die Revldierung dieses oder jenes Vorbehaltes beschränke.
Das Attentat aus Voldemaras.
Der Plan einer Verschwörung gegen die Diktatur.
Kowno, 13. Mai. (WTB.) Wie verlautet, soll sich unter den Personen, die anläßlich des Attentates auf Woldemaras verhaftet wurden, auch Hauptmann S ch l a p s ch i e s vom 5. Infanterie-Regiment befinden, der militärischen Rechtskreisen angehört. Es gehen Gerüchte, dah der Anschlag auf Woldemaras den äußeren Anstoß zu einer allgemeinen Erhebung gegen die Regierung geben sollte und baß geplant gewesen sei, am Tage des Attentats das 5. Infanterieregiment zur Meuterei zu verleiten. Außer Schlapschies sollen auch mehrere Offiziere der Reserve verhaftet worden sein. Bei den anderen Personen, die an dem Attentat beteiligt waren und der Polizei bereits bekannt sind, handelt es sich meist um Mitglieder der extrem-sozialistischen Studenten Vereinigungen Ausra Bulota und Budodis. Diesen soll es gelungen sein, überdieGrcnze zu flüchten. Die Zahl der Verhafteten soll sich insgesamt auf mehr als 200 belaufen. Der ehemalige Duma-Abgeordnete Ianuskewicius ist gleichfalls verhaftet worden. Im Befinden der beiden bei dem Attentat Schwerverletzten ist eine Besserung eingetreten, so daß sie nicht mehr in Lebensgefahr schweben.
Demokratische Forderungen zum Wohnungsbau.
Der Kommunalpolitische Ausschuß der Deutschen Demokratischen Partei Landes - verband Hessen, hat nach einer Besichtigung der Frankfurter Siedlungen Praunheim und Römerstadt und nach einem Dortrage des Stadtrats Klober, Mainz, über „Sondersteuer und Wohnungsbauprogramm" eine Resolution gefaßt, in der es u. a. heißt: Die Kommunen sollen in dem seitherigen .Umfange nicht mehr selbst bauen, sondern dazu übergehen, daß durch Baugesellschaften und Private gebaut wird, die bezusch uht werden. Es soll damit der teueren Verwaltung und Unterhaltung der Wohnbauten _ durch die Kommunen vorgebeugt werden. Bezüglich der Stratzen- und Ka
Nachspiel zur Mairevolte.
Kommunistenradau im preußischen Landtag. - Minister Grzesinski verteidigt die Polizei gegen die Vorwürfe der Linken.
Berlin, 13. Mai. (V.D.Z.) Der Preußische Landtag trat am Montag zu seinem letzten Sitzungsabschnitt vor der Pfingstpause zusammen. Da als erster Punkt der Tagesordnung die Beratung des kommunistischen Mißtrau ensantrages gegen den Ministerpräsidenten und den Innenminister nachträglich festgesetzt worden war, also jenes Antrages, der die Grundlage für die Landtagsdebatten über die blutigen Maivorgänge bilden soll, waren die Publikumstribünen sehr stark besetzt. Der kommunistische Antrag verlangt außerdem die Amtsenthebung des Berliner Polizeipräsidenten Zörgiebel, die Aufhebung des Verbots kommunistischer Zeitungen und des Demonstrationsverbotes, sowie die Bestrafung der für die Unruhen verantwortlichen Polizeibeamten. Bei Eintritt in die Tagesordnung beantragt Abg. Borck (Dntl.) die Mitberatung eines Antrages seiner Fraktion, wonach allen bei den Maiunruhen besonders gefährdeten Schupobeamten eine einmalige Gefahrenzulage außerplanmäßig gewährt werden soll. (Lärmende Rufe bei den Kommunisten.) Der Antrag scheitert geschäfts- ordnungsmähig an dem Widerspruch dec Kommunisten. Als dann Innenminister G r z e s i n s k i feinen Platz auf der Regierungsbank einnimmt, setzt der ßärrti der Kommunisten erneut ein. Man hört Rufe: „Bluthund! Arbeitermörder!" Der Vorsitzende erteilt für einen solchen Zuruf dem Abg. Hofsmann (Komm.) einen Ordnungsruf und droht, da der Lärm bei den Kommunisten sofort wieder einsetzt, schärfere Maßnahmen an.
Abg. Kasper (Kom.)
begründet den Mißtrauensantrag seiner Partei. Am 1. Mai und den folgenden Tagen hätte sich die Polizeisoldateska gegen die Arbeiter schlimmer aufgeführt, als wenn sie sich im Feindesland befunden haben würde. Die Begründung des Demonstrationsverbotes durch Zörgiebel sei der Gipfel der Verlogenheit. (Präsident Bartels ruft den Redner zur Ordnung, Lärm bei den Kommunisten.) Wenn früher die Reaktion sich bezahlter Polizeispitzel gegen die Arbeiterschaft bediente, so sei der Grad der Verlumpung der heutigen sozialdemokratischen Führer so hoch gestiegen, daß sie selbst die Rolle solcher Polizeispitzel übernommen hätten. (Präsident Bartels ruft den Redner zum zweiten Male zur Ordnung und verweist auf die Folgen des dritten Ordnungsrufes. Lärm bei den Kommunisten.) Herr Zörgiebel, der aus der vierten Dolksschulklafse die Schule verlassen mußte (lebhaftes Hört, bört! bei den Kommunisten) könne bet seiner Beschränkt
heit sich nur der Brutalität bedienen. (Abg. Iendretzki (Komm.), der beleidigettde Zurufe gegen Zörgiebel macht, erhält nacheinander zwei Ordnungsrufe.) Unter fortgesetzten stürmischen Lärmszenen der Kommunisten zählt der Redner mehrere Einzelfälle auf, u. a. Sen des Arbeiters Ernst May, der einen Oberschenkelschutz erhalten hat. Als er getroffen niederstürzte, soll ein Polizeibeamter ihn durch einen zweiten Schuh getötet haben. (Lärmende Psui-Rufe bei den Kommunisten.)
Innenminister Grzesinski
der dann an das Rednerpult tritt, wird von den Kommunisten mit minutenwährendem Lärm empfangen. Die Kommunisten zeigen auf den Minister und rufen zur Tribüne hinauf: „Das ist der Arbeitermörder." Dabei tut sich besonders der Abg. Iendretzki hervor, der in Rotfrontkäm- feruniform die kommunistischen Lärmmacher anfeuert. Schließlich erteilt Präsident Bartels ihm einen dritten Ordnungsruf. Als er sich weiter weigert, den Anordnungen des Präsidenten zu folgen, wird er von der heutigen Sitzung a u s g e s ch l o s - f e n. Iendretzki begibt sich mit dem Ruf: „Rotfront trotz alledem!", der von den Kommunisten lärmend erwidert wird, auf feinen Platz. Da er offensichtlich den Saal nicht verlassen will, unterbricht Präsident Bartels die Sitzung auf 5 Minuten. Während der Sitzunaspause verläßt Abg. Iendretzki den Saal mit dem Ruf „Rotfront!", der von den Kommunisten dreimal wiederholt wird, während bei den übrigen Fraktionen ger acht wird. Nach Wiedereröffnung der Sitzung teilt Präsident Bartels mit, daß der kommunistische Abg. Iendretzki sich den Ausschluß aus 20 Sitzungstage zugezogen habe. (Großer Lärm bei den Kommunisten.) Innenminister Grzesinski, wiederum von den Kommunisten mit stürmischen Zwischenrufen empfangen, wendet sich gegen die Behauptung der kom- mumstischen Presse, die Schutzpolizei habe Dum- Dum-Geschosse benutzt. Wer etwas Derartiges fertigbringe, habe das Recht verwirkt, sich über Verbote zu beschweren. Wer behauptet, der Berliner Polizeipräsident habe die Volksschule schon in der vierten Klasse verlassen, der richtet sich von selbst. (Zurufe bei den Kommunisten: „Ist es wahr ober nicht?" — Ein weiterer kommunistischer Abgeordneter, der trotz der Aufforderung des Präsidenten im Gange stehen bleibt und den Minister durch lebhafte Zurufe am Reden zu hindern sucht, wird ausgeschlossen.) Präsident Bartels unterbricht die Sitzung auf 5 Minuten. Bei Wiederaufnahme der Sitzung teilt Präsident Bartels mit, daß er den Abgeordneten W o y t k o w f k i (Komm.) auf 8Tage aus- geschlossen habe. Auch der Kommunist Golke
wird wegen einer beleidigenden Aeußerung aus» geschlossen. Er verläßt unter dem Ruf: „Es lebe Rotfront!" den Saal. Minister Grzesinski versucht, wiederum von Zurufen „Arbeitermörder" durch die Kommunisten empfangen, seine Rede fortzusetzen. Der Kommunist Eberlein wird zur Ordnung gerufen, der Kommunist Wollweber ausgeschlossen.
Innenminister Grzesinski will darauf seine Ausführungen fortsetzen, wird aber wiederum durch den Lärm der Kommunisten daran gehindert. Minister Grzesinski führt aus: Die kommunistische Behauptung, daß nur das Verbot schuld an den blutigen Vorgängen in Berlin sei. wird schon durch die Tatsache Lügen gestraft, daß in Breslau. wo kein Demonstrationsverbot bestand, kommunistische Demonstranten gegen die Polizei vorgegangen sind. Deshalb hat der Berliner Polizeipräsident durchaus richtig und klug gehandelt, als er das Demonstrationsverbot nicht aufhob. Trotz der aushehenden Sprache der kommunistischen Blätter ist übrigens der Maidemonstrations- Versuch kläglich gescheitert. Die Polizei hätte leider von der Schußwaffe Gebrauch machen müssen, weil sie von Kommunisten und Roten Frontkämpfern überfallen worden sei. (Anhaltende Unter» brechungen und beleidigende Zurufe bei Den Kommunisten. Der Vizepräsident schließt den Abg. Kaasch (Komm.) aus und unterbricht, da der Abgeordnete den Saal nicht sofort verläßt, die Sitzung auf fünf Minuten. Bei Wiedereröffnung der Sitzung teilt der Vizepräsident mit, daß auch der Abg. Kaasch für acht Sitzungstage ausgeschlossen sei. Die Polizeibeamten hätten schießen müssen, um sich ihres eigenen Lebens xu erwehren. Man schlug die Beamten mit Stöcken und Schlagringen, warf sie mit Steinen und ging auch mit Messern gegen sie vor.
In der Berliner presse ist der polizel keine Gerechtigkeit widerfahren. Wan hat scheinbar sehr viel vorn grünen Tisch aus geschrieben. Wenn die Polizeibeamten tatsächlich nervös geworden sein sollten, so wäre das kein Wunder, denn sie müssen sich seit Jahren von den radikalen Elementen provozieren und schlagen lassen.
Die Lammesgeduld der Polizeibeamten ist aber nicht einmal während der Maivorkommnisse gerissen. (Immer erneute lärmende Unterbrechungen. Präsident Bartels schließt den Abg. Abel (Komm.) wegen fortgesetzter beleidigender Störungen von der Sitzung aus.) Sie (zu den Kommunisten), betrachten ja aus Prinzip die Polizeibeamten nicht als Organ des Staates zur Aufrechterhaltung der Ordnung, sondern als unangenehmes Hindernis für die Mordpolitik. (Stürmischer Lärm bei den Kommunisten. Abg. Abel, der eben ausgewiesen worden war, erscheint wieder im Saal, tritt neben dem Minister auf das Rednerpult und wendet sich in längeren Ausführungen an seine Fraktionsgenossen, denen er unter fortgesetztem Läuten des Präsidenten zuruft: „Aus Solidarität mit den ermordeten Proletariern und mit unseren Genossen vom Roten Frontkämpferbund verlassen wir gemeinsam den Sitzungssaal." Die Mehrzahl der Kommunisten geht unter dem Gesang der ersten Strophe der Internationale aus dem Saal, und es bleiben nur die an der Debatte interessierten Sprecher der Fraktion zurück. Während des Gesanges der Kommunisten verläßt der Präsident seinen Platz, womit die Sitzung unterbrochen ist.) Nach Wiedereröffnung der Sitzung beauftragt Präsident Bartels den Landtagsdirektor, den Abg. Abel wegen feines Vorgehens aus dem Landtagsgebäude aus zu weifen, und, falls er sich dem widersetzen sollte, die Hauswache zu Hilfe zu nehmen. Dann setzt Innenminister Grzesinski seine Rede fort. Das traurige Opfer der 22 Toten des Mai beklage die Staatsregierung aufs tiefste, sie lehne aber jede Verantwortung dafür ab. Ein wesentlicher Teil der Getöteten sei auf Grund der Obduktionsbefunde nicht von Polizeigeschossen getötet worden.
Solange ich auf meinem poften stehe, werde ich meine Organe anweisen, mit aller Energie gegen d i e Störer der staatlichen Ordnung vorzugehen. In den Waitagen sind 51 Verletzte unter der polizei zu verzeichnen gewesen. Im letzten Jahre sind 18 polizeibeamte im Dien st getötet worden. Ramens der Slaalsregierung spreche ich den polizeibeamlen die größte Anerkennung aus.
Außer den Toten sind auch diejenigen Opfer zu beklagen, die sich demnächst wegen Landfriedensbruchs oder auch wegen Hochverrats vor dem Strafrichter zu verantworten haben werden. 2m Zuchthaus werden sie dann nachdenken können über die Gewissenlosigkeit. Die Führer sind unter ihnen leider nicht. Wer sich gegen das Strafgesetz vergeht, der bekommt die Macht des Gesetzes zu fühlen. Der Rote Frontkämpferbund, so betonte der Minister, bleibt verboten.
Abg. Schulz- Reukölln (Komm.) erklärt, er verstehe es, wenn der Minister die Polizei verteidige. Er sei ja der Anstifter dieser Polizei- Verbrechen. (Vizepräsident Dr. v. K r i e s ruft ihn wegen dieser Aeußerung zur Ordnung.) Der Minister habe nicht einen einzigen der kommunistischen Vorwürfe zu entkräften vermocht. Polizeiverordnungen sind ein Dreck für uns. Wir gehen auf die Straße: wenn es verboten ist, erst recht. Da der Redner noch zweimal zur Ordnung gerufen wird, wird ihm das Wort entzogen.
Rach längerer Debatte vertagt sich das Haus auf Dienstag.
Verbot des CRofett Fronikämpferbundes in Baden und Thüringen.
Karlsruhe, 13. Mai. (WB.) Der Minister des Inneren hat für das Gebiet des Freistaates Baden in Liebereinstimmung mit der Reichsregierung den Roten Frontkämpferbund einschließlich der Roten Iugendfront mit allen Zweigorganisationen und Einrichtungen verboten und aufgelöst. Das Vermögen der aufgelösten Organisationen wird zugunsten des Reiches beschlagnahmt. Die Durchführung der Beschlagnahme obliegt den Bezirksämtern (Pvlizeidireltionen). Demonstrationsumzüge bedürfen der vorherigen polizeilichen Genehmigung. Die Genehmigung ist stets zu versagen für die in letzter Zeit üblich gewordenen Propagandafahrten gewisser politischer Gruppen mit Lastkraftfahrzeugen, welche erfahrungsgemäß zur Störung der off ent* lichen Ordnung führen. — Durch ministerielle Verfügung ist der Rote Frontkämpferbunb am Montag, dem 13. d. M., auch in Thüringen verboten worden.


