Ausgabe 
14.5.1929
 
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nalbaukosten muß erstrebt werden, Latz der Wohnungsbau nur mit einem Mindest- m a tz dieser Kosten belastet wird. Kosten dürfen nur für sogenannte Wohnstraßen in Anspruch genommen werden. Die Kommunen müssen zu einer Bodenpolitik übergehen, die ermöglicht, ge­eignetes Baugelände zur Beifügung stel­len zu können. Die jetzigen Mieten können nicht aufrecht erhalten werden, da der Unterschied zwischen Berzinsung des Daukapitals und ein­gehender Miete derart groß ist, daß ein weiteres Bauen hierdurch in Frage gestellt wird. Er ver­tritt den Standpunkt, daß für bessere Reu - wohnungen erhöhte Mieten von den in Betracht kommenden Mietern auch getragen werden können. Hiermit wird auch ein allmäh­licher Liebergang zur Lockerung der Woh­nungszwangswirtschaft erreicht werden.

Aus aller Welt.

Vor der Amerikafahrt desGraf Zeppelin".

Soweit bis jetzt feststeht, werden sich an der Amerikafahrt desGraf Zeppelin", die a m Mittwoch beginnen soll, 59 Personen be­teiligen. Der 60.Passagier" wird ein Go­rillaweibchen sein, das von einer han­

I Schwagers am Sonntagabend eine Ruder­partie auf dem Bodensee. Auf der Rückfahrt brachte der, wie es heißt, angetrunkene Mann durch Aufstehen das Boot unweit des Ufers zum Kentern. Die Hilfe vom Lande her kam zu spät. Alle drei Personen ertranken.

keine deutsche Beteiligung an den Weltausstellungen in Lüttich und Antwerpen.

Wie dieNachtausgabe" meldet, hat die deutsche Regierung eine offizielle Teilnahme des Reiches a n den belgischen Weitaus st ellungen in Antwerpen und Lüttich endgültig abgelehnt. Die Ausstellungen finden im Jahre 1930 statt. Als Grund soll das Reich seine augenblickliche Finanzlage geltend machen.

Gescheiterte

Lohnverhandlungen im oberschlesischen Bergbau.

In Gleiwitz finden zwischen dem Arbeitgeberver­band der oberschlesischen Montanindustrie und den Vergarbeiterverbänden die ersten Verhandlungen über die neuen Lohnforderungen im Steinkohlen- und Erzbergbau statt. Außer einer Vereinheitlicyung der Löhne über Tag, die eine Lohnerhöhung be­deuten, wird eine gleichmäßige Lohner­höhung für alle Arbeiterkategorien gefordert. Der Arbeitgeberverband lehnte mit

Von heute an erscheint als Sommerausgabe der

Tafchen-Lahrvlasr

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mit sämtlichen Eisenbahnverbindungen Oberheffens und der benachbarten preußischen Bezirke, sowie mit dem zuständigen post- und privat-Krastwagenverkehr aiis SoNterrlose Gondersabe

noverschen Tierhandlung an den Zoologischen Garten in Chikago verkauft wurde und auf dem Luftwege nach seiner neuen Wirkungsstätte reist. Da das Luftschiff auf dem kürze st en nörd­lichen Wege über IrlandNeufund­land mit zahlreichen Tiefs, Gegenwind, Regen und Rebel zu rechnen hätte, so wird es wahr­scheinlich weder diesen Weg noch den Kurs der Dampferstraßen, sondern einen der länge­ren Wege im Süden wählen. Es wurde wiederum ein blinder Passagier ent­deckt, der sich mit Hilfe einer gewöhnlichen Ein­trittskarte in die Luftschiffhalle begeben hatte, sich dann in der Halle einschließen neß und sich in einem der Mannschaftsräume im Laufgange versteckt hatte. Es handelt sich um einen 18jähri- gen arbeitslosen Malergehilfen aus Kempten.

Drei Personen im Bodensee ertrunken.

Ein 40 Jahre alter Hilfsarbeiter von Rohrschach unternahm mit zwei Kindern seines

Rücksicht auf die Wirtschaftslage des Bergbaus die Forderungen, die insgesamt für den Steinkoh­lenbergbau eine Mehrbelastung von etwa 14 Prozent bedeuten würden, ab und stellte entsprechende Gegenforderungen. Für den Erzbergbau wurde Gleichstellung der Löhne mit denen des Steinkohlenbergbaus verlangt. Es würde dies eine Erhöhung um mehr als 30 v.H. bedeuten. Die Gewerkschaften beabsichtigen, den Schlichter anzurufen.

Die Erdbebenkatastrophe in Persien.

Das Erdbeben in Persien dauert an. Rach den bisherigen Meldungen haben mindestens 300 Menschen das Leben eingebüßt. Lieber 50 Dörfer sind völlig und eine Weib größere An­zahl teilweise zerstört worden. Das russische Rote Kreuz hat in Flugzeugen Krankenschwestern, Aerzte, Medikamente und andere Hilfsmittel ge­sandt, Lebensmittel aus Turkestan treffen jetzt in Automobilen ein.

Einstellung zu der Frage, wie weit ein umfang­reiches souveränes Gebiet Boraussetzung sei, da­mit der Papst seine Mission erfüllen könne. Mus­solini erklärte, daß die Geschichte der Kirche in den ersten Jahrhunderten keine Spur von Welt­herrschaft aufweise. Erft durch die Berhandlun- gen zwischen Karl dem Großen und Papst Leo sei die Weither rschaft begründet worden, die dann zehn Jahrhunderte gedauert habe. Lin­ier allgemeinem Beifall stellte Mussolini fest, daß durch die Lateranverträge kein Stück ita­lienisches Gebietes an den Vatikan abge­treten worden sei. Rirgends habe also die ita­lienische Flagge eingezogen werden müssen, wo sie einmal geweht habe. Der Vatikan besitze heute das, was er früher bereits besessen habe.

Die Rede Mussolinis hat größtes Aufsehen erregt und wird lebhaft besprochen. In den Kreisen der katholischen Aktion und im Vatikan ist man pein­lich überrascht von der entschiedenen Betonung der allgemeinen Gewalt des Staates auch gegenüber der Kirche, vor allem aber auch durch die Bemerkung, daß die katholische Religion erst in Rom katholisch geworden sei und wahrschein­lich, wie viele andere Sekten, erloschen wäre, wenn sie in Palästina geblieben wäre. In faszistischen Kreisen haben die Ausführungen Mussolinis, in denen er die Ausgaben des Staates von denen der Kirche abgrenzte, lebhafte Zustimmung gefunden.

pariser Gchwierigkeiten.

Die Zahlen des Yonngplans.

Paris, 14.Mai. (MTB. Funkspruch.) Die Wor- genpreffe ist wieder einmal pessimistisch gestimmt. Sie berichtet gleichmäßig also nach einem von einer bestimmten Stelle angegebenen mot dordre nicht nur von Schwierigkeiten, die die Frage der deutschen Vorbehalte bringen könnte, sondern auch von Schwierigkeiten hinsichtlich der Poungschen Zahlenskala. Die ersteren werden vom Journal" wie folgt angegeben:

1. Line Klausel, die evtl. Aussetzung des Transfers für die Hälfte der kransfergeschühten Annuitäten im Falle von Währungsschwierigkeiten vorsähe. Diese Aussetzung wurde sich auf zwei Jahre er­strecken können.

2. (Eine Klausel befr. die evtl. Aussetzung der deut­schen Zahlungen überhaupt im Falle ernster Wirtschaftsstörungen, gleichfalls für zwei Jahre.

3. Schaffung eines Komitees in der Zentralbank, das gegebenenfalls die vollständige Revision des Zahlungsplans fordern könnte.

4. Verwendung der Aeberfchüffe der Zen­tra l b a n k für die Regelung der Schulden von der 37. bis 58. Annuität.

DerMalin" jedoch berichtet, der Vorsitzende habe gestern Dr. Schacht daran erinnert, daß die Vor­behalte zurDiskufsiongestellt werden wür­den, und daß es von den übrigen alliierten Dele­gierten abhängen werde, sie in den endgültigen Bericht aufzunehmen oder nicht. Welche Form man aber auch diesen Vorbehalten geben möge, und oor allem dem wichtigsten unter ihnen, der die Klausel für. eine evtl. Revision beireffe, fo sei ein noch schwierigeres Problem zu lösen: das der Zahlen. Rach Ansicht der meisten Delegierten fei mit einer Aenderung des von den Gläubigern in der Sitzung vom 12. April bekundeten prinzi­piellen Standpunkts n i ch t zu rechnen, da eine solche nur denkbar sei, wenn man gewissen Mächten Opfer aufzwinge, die die Regierungen und Parla­mente dann doch nicht ratifizieren würden. Die Delegierten widersetzten s i ch einem Ver­fahren, bei dem man die Zahlen von Poung pau­schal annehme und sich alsdann unter sich aus­einandersehe. Sie blieben dabei, daß die von dem amerikanischen Delegierten vorgeschlagenen Annui­täten von durchschnittlich 2050 Millionen Gold- marf um mindestens lOObis 120 Millio­nen erhöht werden müßten. Ls sei also unnötig, uns glauben machen zu wollen, daß das gesamte Problem sich gegenwärtig auf die Revldierung dieses oder jenes Vorbehaltes beschränke.

Das Attentat aus Voldemaras.

Der Plan einer Verschwörung gegen die Diktatur.

Kowno, 13. Mai. (WTB.) Wie verlautet, soll sich unter den Personen, die anläßlich des Attentates auf Woldemaras verhaftet wurden, auch Hauptmann S ch l a p s ch i e s vom 5. In­fanterie-Regiment befinden, der militäri­schen Rechtskreisen angehört. Es gehen Gerüchte, dah der Anschlag auf Woldemaras den äußeren Anstoß zu einer allgemeinen Erhebung gegen die Regierung geben sollte und baß geplant gewesen sei, am Tage des Attentats das 5. Infanterieregiment zur Meuterei zu verleiten. Außer Schlapschies sollen auch mehrere Offiziere der Re­serve verhaftet worden sein. Bei den an­deren Personen, die an dem Attentat beteiligt waren und der Polizei bereits bekannt sind, handelt es sich meist um Mitglieder der ex­trem-sozialistischen Studenten Ver­einigungen Ausra Bulota und Budodis. Diesen soll es gelungen sein, überdieGrcnze zu flüchten. Die Zahl der Verhafteten soll sich insgesamt auf mehr als 200 belaufen. Der ehe­malige Duma-Abgeordnete Ianuskewicius ist gleichfalls verhaftet worden. Im Befinden der beiden bei dem Attentat Schwerverletzten ist eine Besserung eingetreten, so daß sie nicht mehr in Lebensgefahr schweben.

Demokratische Forderungen zum Wohnungsbau.

Der Kommunalpolitische Ausschuß der Deutschen Demokratischen Partei Landes - verband Hessen, hat nach einer Besichtigung der Frankfurter Siedlungen Praunheim und Römerstadt und nach einem Dortrage des Stadt­rats Klober, Mainz, überSondersteuer und Wohnungsbauprogramm" eine Resolution gefaßt, in der es u. a. heißt: Die Kommunen sollen in dem seitherigen .Umfange nicht mehr selbst bauen, sondern dazu übergehen, daß durch Baugesellschaften und Private gebaut wird, die bezusch uht werden. Es soll damit der teueren Verwaltung und Unterhaltung der Wohnbauten _ durch die Kommunen vorgebeugt werden. Bezüglich der Stratzen- und Ka­

Nachspiel zur Mairevolte.

Kommunistenradau im preußischen Landtag. - Minister Grzesinski verteidigt die Polizei gegen die Vorwürfe der Linken.

Berlin, 13. Mai. (V.D.Z.) Der Preußische Landtag trat am Montag zu seinem letzten Sitzungsabschnitt vor der Pfingstpause zusam­men. Da als erster Punkt der Tagesordnung die Beratung des kommunistischen Miß­trau ensantrages gegen den Mi­nisterpräsidenten und den Innen­minister nachträglich festgesetzt worden war, also jenes Antrages, der die Grundlage für die Landtagsdebatten über die blutigen Maivorgänge bilden soll, waren die Publikumstribünen sehr stark besetzt. Der kommunistische Antrag verlangt außerdem die Amtsenthebung des Berliner Poli­zeipräsidenten Zörgiebel, die Aufhebung des Ver­bots kommunistischer Zeitungen und des Demon­strationsverbotes, sowie die Bestrafung der für die Unruhen verantwortlichen Polizeibeamten. Bei Eintritt in die Tagesordnung beantragt Abg. Borck (Dntl.) die Mitberatung eines Antrages seiner Fraktion, wonach allen bei den Maiunruhen besonders gefährdeten Schupobeamten eine ein­malige Gefahrenzulage außerplanmäßig ge­währt werden soll. (Lärmende Rufe bei den Kommunisten.) Der Antrag scheitert geschäfts- ordnungsmähig an dem Widerspruch dec Kom­munisten. Als dann Innenminister G r z e s i n s k i feinen Platz auf der Regierungsbank einnimmt, setzt der ßärrti der Kommunisten erneut ein. Man hört Rufe:Bluthund! Arbeitermörder!" Der Vorsitzende erteilt für einen solchen Zuruf dem Abg. Hofsmann (Komm.) einen Ordnungs­ruf und droht, da der Lärm bei den Kommu­nisten sofort wieder einsetzt, schärfere Maßnah­men an.

Abg. Kasper (Kom.)

begründet den Mißtrauensantrag seiner Partei. Am 1. Mai und den folgenden Tagen hätte sich die Polizeisoldateska gegen die Arbeiter schlim­mer aufgeführt, als wenn sie sich im Feindes­land befunden haben würde. Die Begründung des Demonstrationsverbotes durch Zörgiebel sei der Gipfel der Verlogenheit. (Präsident Bartels ruft den Redner zur Ordnung, Lärm bei den Kommunisten.) Wenn früher die Reaktion sich bezahlter Polizeispitzel gegen die Arbeiterschaft bediente, so sei der Grad der Verlumpung der heutigen sozialdemokratischen Führer so hoch ge­stiegen, daß sie selbst die Rolle solcher Polizei­spitzel übernommen hätten. (Präsident Bartels ruft den Redner zum zweiten Male zur Ordnung und verweist auf die Folgen des dritten Ord­nungsrufes. Lärm bei den Kommunisten.) Herr Zörgiebel, der aus der vierten Dolksschulklafse die Schule verlassen mußte (lebhaftes Hört, bört! bei den Kommunisten) könne bet seiner Beschränkt­

heit sich nur der Brutalität bedienen. (Abg. Iendretzki (Komm.), der beleidigettde Zurufe gegen Zörgiebel macht, erhält nacheinander zwei Ordnungsrufe.) Unter fortgesetzten stürmischen Lärmszenen der Kommunisten zählt der Redner mehrere Einzelfälle auf, u. a. Sen des Arbeiters Ernst May, der einen Oberschenkelschutz erhalten hat. Als er getroffen niederstürzte, soll ein Poli­zeibeamter ihn durch einen zweiten Schuh ge­tötet haben. (Lärmende Psui-Rufe bei den Kom­munisten.)

Innenminister Grzesinski

der dann an das Rednerpult tritt, wird von den Kommunisten mit minutenwährendem Lärm emp­fangen. Die Kommunisten zeigen auf den Minister und rufen zur Tribüne hinauf:Das ist der Ar­beitermörder." Dabei tut sich besonders der Abg. Iendretzki hervor, der in Rotfrontkäm- feruniform die kommunistischen Lärmmacher anfeuert. Schließlich erteilt Präsident Bartels ihm einen dritten Ordnungsruf. Als er sich weiter wei­gert, den Anordnungen des Präsidenten zu folgen, wird er von der heutigen Sitzung a u s g e s ch l o s - f e n. Iendretzki begibt sich mit dem Ruf:Rotfront trotz alledem!", der von den Kommunisten lärmend erwidert wird, auf feinen Platz. Da er offensichtlich den Saal nicht verlassen will, unterbricht Prä­sident Bartels die Sitzung auf 5 Minuten. Während der Sitzunaspause verläßt Abg. Iendretzki den Saal mit dem RufRotfront!", der von den Kommu­nisten dreimal wiederholt wird, während bei den übrigen Fraktionen ger acht wird. Nach Wieder­eröffnung der Sitzung teilt Präsident Bartels mit, daß der kommunistische Abg. Iendretzki sich den Ausschluß aus 20 Sitzungstage zuge­zogen habe. (Großer Lärm bei den Kommunisten.) Innenminister Grzesinski, wiederum von den Kommunisten mit stürmischen Zwischenrufen emp­fangen, wendet sich gegen die Behauptung der kom- mumstischen Presse, die Schutzpolizei habe Dum- Dum-Geschosse benutzt. Wer etwas Derartiges fer­tigbringe, habe das Recht verwirkt, sich über Ver­bote zu beschweren. Wer behauptet, der Berliner Polizeipräsident habe die Volksschule schon in der vierten Klasse verlassen, der richtet sich von selbst. (Zurufe bei den Kommunisten:Ist es wahr ober nicht?" Ein weiterer kommunistischer Abgeordne­ter, der trotz der Aufforderung des Präsidenten im Gange stehen bleibt und den Minister durch lebhafte Zurufe am Reden zu hindern sucht, wird ausge­schlossen.) Präsident Bartels unterbricht die Sitzung auf 5 Minuten. Bei Wiederaufnahme der Sitzung teilt Präsident Bartels mit, daß er den Abgeordne­ten W o y t k o w f k i (Komm.) auf 8Tage aus- geschlossen habe. Auch der Kommunist Golke

wird wegen einer beleidigenden Aeußerung aus» geschlossen. Er verläßt unter dem Ruf:Es lebe Rotfront!" den Saal. Minister Grzesinski ver­sucht, wiederum von ZurufenArbeitermörder" durch die Kommunisten empfangen, seine Rede fort­zusetzen. Der Kommunist Eberlein wird zur Ord­nung gerufen, der Kommunist Wollweber ausge­schlossen.

Innenminister Grzesinski will darauf seine Aus­führungen fortsetzen, wird aber wiederum durch den Lärm der Kommunisten daran gehindert. Minister Grzesinski führt aus: Die kommunistische Behauptung, daß nur das Verbot schuld an den blutigen Vorgängen in Berlin sei. wird schon durch die Tatsache Lügen gestraft, daß in Bres­lau. wo kein Demonstrationsverbot bestand, kom­munistische Demonstranten gegen die Polizei vor­gegangen sind. Deshalb hat der Berliner Polizei­präsident durchaus richtig und klug gehandelt, als er das Demonstrationsverbot nicht aufhob. Trotz der aushehenden Sprache der kommunisti­schen Blätter ist übrigens der Maidemonstrations- Versuch kläglich gescheitert. Die Polizei hätte lei­der von der Schußwaffe Gebrauch machen müssen, weil sie von Kommunisten und Roten Frontkämp­fern überfallen worden sei. (Anhaltende Unter» brechungen und beleidigende Zurufe bei Den Kommunisten. Der Vizepräsident schließt den Abg. Kaasch (Komm.) aus und unterbricht, da der Abgeordnete den Saal nicht sofort verläßt, die Sitzung auf fünf Minuten. Bei Wiedereröffnung der Sitzung teilt der Vizepräsident mit, daß auch der Abg. Kaasch für acht Sitzungstage ausgeschlossen sei. Die Polizeibeamten hätten schießen müssen, um sich ihres eigenen Lebens xu erwehren. Man schlug die Beamten mit Stöcken und Schlagringen, warf sie mit Stei­nen und ging auch mit Messern gegen sie vor.

In der Berliner presse ist der polizel keine Gerechtigkeit widerfahren. Wan hat scheinbar sehr viel vorn grü­nen Tisch aus geschrieben. Wenn die Polizeibeamten tatsächlich nervös geworden sein sollten, so wäre das kein Wunder, denn sie müssen sich seit Jahren von den radikalen Ele­menten provozieren und schlagen lassen.

Die Lammesgeduld der Polizeibeamten ist aber nicht einmal während der Maivorkommnisse ge­rissen. (Immer erneute lärmende Unterbrechungen. Präsident Bartels schließt den Abg. Abel (Komm.) wegen fortgesetzter beleidigender Störungen von der Sitzung aus.) Sie (zu den Kommunisten), betrach­ten ja aus Prinzip die Polizeibeamten nicht als Organ des Staates zur Aufrechterhaltung der Ord­nung, sondern als unangenehmes Hindernis für die Mordpolitik. (Stürmischer Lärm bei den Kommu­nisten. Abg. Abel, der eben ausgewiesen worden war, erscheint wieder im Saal, tritt neben dem Minister auf das Rednerpult und wendet sich in längeren Ausführungen an seine Fraktionsgenossen, denen er unter fortgesetztem Läuten des Präsidenten zuruft:Aus Solidarität mit den ermordeten Pro­letariern und mit unseren Genossen vom Roten Frontkämpferbund verlassen wir gemein­sam den Sitzungssaal." Die Mehrzahl der Kommunisten geht unter dem Gesang der ersten Strophe der Internationale aus dem Saal, und es bleiben nur die an der Debatte interessierten Spre­cher der Fraktion zurück. Während des Gesanges der Kommunisten verläßt der Präsident seinen Platz, womit die Sitzung unterbrochen ist.) Nach Wiedereröffnung der Sitzung beauftragt Präsident Bartels den Landtagsdirektor, den Abg. Abel wegen feines Vorgehens aus dem Landtagsge­bäude aus zu weifen, und, falls er sich dem widersetzen sollte, die Hauswache zu Hilfe zu neh­men. Dann setzt Innenminister Grzesinski seine Rede fort. Das traurige Opfer der 22 Toten des Mai beklage die Staatsregierung aufs tiefste, sie lehne aber jede Verantwortung dafür ab. Ein wesent­licher Teil der Getöteten sei auf Grund der Obduk­tionsbefunde nicht von Polizeigeschossen getötet worden.

Solange ich auf meinem poften stehe, werde ich meine Organe anweisen, mit aller Energie gegen d i e Störer der staatlichen Ordnung vorzugehen. In den Waitagen sind 51 Verletzte un­ter der polizei zu verzeichnen gewesen. Im letzten Jahre sind 18 polizeibeamte im Dien st getötet worden. Ramens der Slaalsregierung spreche ich den polizeibeamlen die größte Anerkennung aus.

Außer den Toten sind auch diejenigen Opfer zu beklagen, die sich demnächst wegen Landfriedens­bruchs oder auch wegen Hochverrats vor dem Strafrichter zu verantworten haben werden. 2m Zuchthaus werden sie dann nachdenken können über die Gewissenlosigkeit. Die Führer sind unter ihnen leider nicht. Wer sich gegen das Straf­gesetz vergeht, der bekommt die Macht des Ge­setzes zu fühlen. Der Rote Frontkämpferbund, so betonte der Minister, bleibt verboten.

Abg. Schulz- Reukölln (Komm.) erklärt, er verstehe es, wenn der Minister die Polizei ver­teidige. Er sei ja der Anstifter dieser Polizei- Verbrechen. (Vizepräsident Dr. v. K r i e s ruft ihn wegen dieser Aeußerung zur Ordnung.) Der Minister habe nicht einen einzigen der kommu­nistischen Vorwürfe zu entkräften vermocht. Po­lizeiverordnungen sind ein Dreck für uns. Wir gehen auf die Straße: wenn es ver­boten ist, erst recht. Da der Redner noch zweimal zur Ordnung gerufen wird, wird ihm das Wort entzogen.

Rach längerer Debatte vertagt sich das Haus auf Dienstag.

Verbot des CRofett Fronikämpferbundes in Baden und Thüringen.

Karlsruhe, 13. Mai. (WB.) Der Minister des Inneren hat für das Gebiet des Freistaates Baden in Liebereinstimmung mit der Reichsregierung den Roten Front­kämpferbund einschließlich der Roten Iugendfront mit allen Zweigorganisationen und Einrichtungen verboten und aufgelöst. Das Vermögen der aufgelösten Organisationen wird zugunsten des Reiches beschlagnahmt. Die Durch­führung der Beschlagnahme obliegt den Bezirks­ämtern (Pvlizeidireltionen). Demonstrationsum­züge bedürfen der vorherigen polizeilichen Ge­nehmigung. Die Genehmigung ist stets zu ver­sagen für die in letzter Zeit üblich gewordenen Propagandafahrten gewisser politischer Gruppen mit Lastkraftfahrzeugen, welche erfah­rungsgemäß zur Störung der off ent* lichen Ordnung führen. Durch ministerielle Verfügung ist der Rote Frontkämpferbunb am Montag, dem 13. d. M., auch in Thüringen verboten worden.