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«r. 292 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien) Zreitag, 15. Dezember 1929
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Diktaturdammemng in Spanien?
Von E. von Llngern-Sternberg.
Hinter General Primo de Rivera stehen nicht die Scharen der Schwarzhemden Mussolinis. Die „Union Patriotica" und die ‘Bürger- garden, die von der spanischen Diktatur ins Leben gerufen und zu einer Art von faschistischer Garde erzogen werden sollten, sind der ihnen gestellten Aufgabe nur in sehr geringem Mähe gekocht geworden. Die Union Patriotica. der Primo de Rivera seine Rachfolge anvertrauen wollte, ist eine Regicrungsorganisation ohne tiefere Wurzeln in der Bevölkerung geblieben. Hinter ihm stehen aber die politisch unorganisierten breiten Massen der Spanier, die dankbar die Verdienste seiner Diktatur anerkennen, die in ihm den großen Patrioten sehen, der sein Vaterland uneigennützig vom Rande des Abgrundes gerettet und der seine Allgewalt niemals mißbraucht hat. Aber die spanische Diktatur ist im Gegensatz zur italienischen kein bleibendes System. Wohl hat Primo de Rivera wiederholt erklärt, daß es niemals eine Wiederkehr zum „verrotteten" Parlamentarismus geben werde und daß die Cortes in ihrer früheren Bedeutung nicht wieder auferstehen dürften, ober er hat bereits 1923, als er durch seinen Staatsstreich in Barcelona die Regierung stürzte und die Militärdiktatur verhängte, die Versicherung abgegeben, daß die Diktatur nur ein Uebergangsstadium bedeute, und daß sie sich, nachdem die Mißbräuche ausgerottet und die Ordnung und soziale Disziplin wiederher- geslellt fein würden, in einer neuen, den Bedürfnissen Spaniens angepaßten Verfassung auflösen werde. Primo de Rivera hat sein Versprechen gehalten. Die reine Militärdiktatur wurde 1926 in eine sogenannte Zivildikta - tue umgeformt. 1927 wurde dann die „Asam- b l e a R a c i o n a l" , d. h. eine beratende Kammer, einberufen, zu deren Ausgaben unter anderem die Ausarbeitung der neuen Verfassung gehörte. Der Verfassungsentwurf, der allerdings im Widerspruch zu den demokratischen Idealen der Reuzeit steht, ist veröffentlicht worden und soll durch eine Volksabstimmung Gesetzeskraft erlangen.
Hier nun scheint Primo de Rivera feine Kräfte überschätzt zu haben. Wohl gelang es ihm Vhne allzugrohe Anstrengung, den zweimal wiederholten Putsch des Artilleriekorps niederzuwerfen, die Ruhe in Valencia wiederherzustellen und den Führer der Verschwörung, den früheren konservativen Minister Sanchez Guerro, dazu zu bewegen, sich freiwillig als Gefangener zu stellen, aber es ist ihm nicht geglückt, der Rationalversammlung (Asamblea Racional) durch Hinzuziehen bisher abseits stehender Elemente das Ansehen einer richtigen Volksvertretung zu geben. Sehr gewichtige soziale Gruppen, wie z. D. das Kollegium der Rechtsanwälte, die Akademie der Rechtswissenschaften, die sozialistische Arbeiterunion, einige Universitäten usw., haben sich entweder geweigert, überhaupt einen Vertreter in die Asamblea zu wählen, oder aber sie • haben eine Wahl vorgenommen, die als Verhöhnung Primo de Riveras aufgefaßt und anul- iiert werden mußte. So wählte die Universität von Valladolid zu ihrem Abgeordneten den ärgsten Gegner Primo de Riveras und der Monarchie, den Professor Unamuno, der flüchtig als Emigrant in Paris lebt, und die Madrider 2ld- vokatenkommer bestimmte zu ihrem Vertreter in der Asamblea Racional den Führer der Verschwörung von Valencia, Sanchez Guerra, der sich damals nach als Gefangener auf dem Kriegsschiff „Dato" befand und unter das Kriegsgericht gestellt war. Als Strafe wurde der Universität das Recht genommen, jemals einen Abgeordneten in die Kammer zu entsenden, und die Akademie >der Rechtswissenichaften wurde aufgelöst und Lurch eine andere erseht, berciji Mitglieder zur
Wurst wider Wurst.
Don Or. Johannes Kleinpaul.
Jede Jahreszeit hat ihre Freuden, und so war «Hedem, „wenn der Wind Über die Stoppeln ging", Echweineschlachten ein wahres Fest. Weil es draußen für das „liebe Vieh" nichts mehr zu fressen gab, wurde cs „eingeschlachtet", damit man nicht selber Not litt, den ganzen Winter lang. Damit das Fleisch sich hielt, wurde es geräuchert, gepökelt, gesalzt unb gewürzt: daher die Bezeichnungen Wurst rind Sülze.
Wurst war — neben Schinken (vom Schwein) unb Ragelholt (vom Rind) — die eigentliche Dauerware, die später auch in den Städten zumeist auf den Markt kam, als da nicht jeder mehr selbst Vieh hielt. Davon gab es lange nur vier Sorten: Blutwurst, Leberwurst, Fleischwurst imb Hirnwurst, und eine hohe Obrigkeit wachte scharf darüber, daß «fcei ihrer Zubereitung alles mit rechten Dingen zuging. Wehe dem, der versuchte, die „Wurstfülle" durch Zeigten von Rind- sleisch oder Schweineschwarten zu „strecken"! Aus- Drücklich heißt es im Meraner Stadtrecht: „Die Fleischhacker sullent auch keine Würst nicht ma- d)en, dann mit dem Fleisch, daz von dem Sstüne lammen ist." In Nürnberg wurde einmal mit Entrüstung festgestellt, „daß es immer etlich gab, Die sich unterstanden, Küewürst (Kuhwürste) zu machen und darin nichts anderes denn Küelungen imö -ledern zu thunde." Zu den Brat- und an» Deren Würsten dursten die Fleischhauer dort außer „schweinin Darm" höchstens nur „jung- »Inderin, die nicht eingefallen firtb, nehmen oder . gebrauchen".
Hier ist also auch noch von „Bratwürsten" die 2ede. Ein andermal hören wir, daß sie nicht jidem gut bekommen. Im Iahre 1522 lieh Herzag Georg von Sachsen dem Rate zu Oschatz schreiben:
„Liebe Getreue, nachdeme der Baccalaureus in hm us uf der Schule bei euch an verschinen Sankt Iohannistage (!) Bratwürste gegessen ha» : den soll, begehren wir ernstlich an euch empfehlend, daß ihr denselben Baccalaureum alsbald gefänglich annehmt und ihn anher wohlverwahrt schicket, auch mit der Sachen dermaßen ins geheim gehet, daß er nit verwarnet werde oder entkomme."
Vier Iahre später steckte er auch noch mehrere Freiberger Bürger ein, die sich zu Mariä Himmelsohrt an Bratwürsten gütlich getan hatten; erst
Hälfte von der Regierung ernannt werden. Aber diese Strafe wird von den Betroffenen wenig empfunden und schneidet der Diktatur selbst ins Fleisch.
Cs ist wahr, diese Vorgänge sind von der Oefsentlichkeit sehr ruhig ausgenommen worden und haben keinerlei Proteste unter den breiten Massen der Bevölkerung ausgelöst. Das spricht jedoch nur für die politische Gleichgültigkeit der Spanier, nicht aber für ihre Anhänglichkeit an die Methoden der Diktaturregierung, von der sich Primo de Rivera so gerne überzeugen lassen möchte.
Auch die Bemühungen des Diktators, die früheren Parteiführer zur Mitarbeit an der Rationalversammlung zu gewinnen, sind zum größten Teil erfolglos geblieben. Wohl hatte Primo de Rivera mit dem Exministerpräsidenten, dem Grafen Romanones in San Sebastian eine längere Besprechung, die in mehr oder weniger versöhnlichem Tone verlaufen fein soll, aber allein der konservative Exminister Sanchez Toca hat sich bereit gefunden, an der Rationalversammlung teilzunehmen. Die übrigen politischen Köpfe des früheren Spanien verharren in ablehnender Opposition. Eine ernste Mahnung für die Diktatur ist auch die langsame, aber ständige Abwärtsbewegung der Währung. Die Peseta, die sich bereits dem Goldkurse genähert hatte, fällt. Für das Pfund Sterling werden anstatt des Rominalwertes von 25 Pesetas 34 bis 35 Pesetas bezahlt, und für die deutsche Reichsmark 1 Peseta 70 Centimos anstatt 1,25. Auch die Staatsschuld ist im Laufe der Diktaturjahre um etwa eine halbe Milliarde gewachsen. Das sind sicherlich keine Alarmzeichen, aber sie weisen auf eine gewisse Instabilität in den politischen und wirtscl af.lichen Verhältnissen hin.
Infolge der Unrast und Rervosität, die sich der spanischen Politik in den letzten Monaten bemächtigt hat, ist viel davon die Rede gewesen, daß der König Don Alfonso XIII. eingegriffen und Primo de Rivera gefragt habe, ob er nicht die Zeit für gekommen erachte, die Zügel der Regierung aus der Hand zu geben und einen Rachfolger zu ernennen. Es wurden bei dieser Gelegenheit die Ramen des Herzogs von Alba, eines klugen und angesehenen Grandseigneurs und des katalanischen Wirtschafters Sambo genannt, aber Primo de Rivera ist es scheinbar gelungen, den König von seiner Unentbehrlichkeit zu überzeugen, und vorläufig bleibt alles beim alten. Run sind es sicherlich nur patriotische Gründe, die Primo de Rivera dazu veranlasfen, die schwere Bürde der Regierung weiter zu tragen. Er ist nicht mehr der Jüngste, und Zuckerkrankheit zehrt an seiner Gesundheit. Schon vor einem Iahre trug er sich mit der Absicht, zurückzutreten, um sich der verdienten Ruhe auf den Kanarischen Inseln hinzugeben. Aber er sah fein Werk bedroht und blieb. Heute liegen die Dinge ähnlich. Primo de Rivera hat keinen Rachfolger. Es gibt niemand, der dasselbe Ansehen wie er genießt. Das ganze Staatsgebäude könnte durch sein Ausscheiden ins Schwanken geraten. So arbeitet denn Primo de Rivera unermüdlich mit verdoppelter Energie an der Ueberwindung der sich aufhäufenden Schwierigkeiten. Er ist allgegenwärtig. Bald sehen wir ihn in Sevilla, bald in Barcelona, bald arbeitet er in feinem Madrider Kabinett ununterbrochen sechzehnStun- den und kümmert sich um die kleinsten Einzelheiten der Staatsmaschine. Aber die Vielgeschäftigkeit des Diktators erhöht die Unrast, anstatt sie zu beschwichtigen. Seine Stellung ist uner- schüttert. Seine Person ist die Säule, auf die sich die gegenwärtige Regierung und die Diktatur stützen, aber das ist eine Last, die auf die Dauer
fein Sohn und Rachfolger Herzog Heinrich ließ fie am Weihnachtsheiligenabend 1531 wieder los.
Denen allen kamen ihre Bratwürste wahrhaftig teuer zu stehen. Kostbarer und köstlicher war eine andre Wurst, die die Kurfürstin Anna von Sachsen ihrem Beichtvater, dem Pirnaer Superintendenten Balthasar Kademann, verehrte, nachdem er ihr „in schweren Leibes- und Seelennöten" beigestanden. Sie schickte ihm ein kapitales Wildschwein, und als er damit „Schweineschlachten" veranstaltete, fand er darin eine Börse mit 364 Dukaten: er erzählte später oft, „so gute Würste hätte er nie vordem und nie wieder gehabt".
Bald danach zog der edle Ritter Hans von Schweinichen durch alle deutschen Lande, um für seinen stark verschuldeten Herrn, den Herzog Heinrich von Schlesien, Darlehen bei den Reichs fürsten und Städten aufzunehmen. Im Iahre 1599 kam er auch an den Hof des Herzogs Iulius von Braunschweig-Lüneburg. Auch da waren alle Kassen leer, aber schon damals hielten die Braunschweiger auf gute Wurst, und. man zeigte ihm eine — nahezu 2000 Ellen lange — die just eben der Schlachtergilde geraten war. Man trug sie nicht nur als Schaugericht durch olle Gassen, man verewigte sie auch in einem Kupferstich, und zum guten Ende durste er fie auch noch selber mit losten.
Das war wahrhaftig die längste, doch nicht die erste ihresgleichen. Ebenfalls nur im Bilde ist eine 593 Ellen lange Wurst aus uns gekommen, die die Königsberger ..Schlächterknechte" — bei 103 Mann — am Reujahrstage 1583 „über der Schulter" durch die ganze Stadt und zuletzt auf dos markgräfliche Schloß hinauftrugen, wo alsbald ein großer Schmaus begann. Praktischerweise hatten sie dazu die Bäcker eingeladen, die mit fünf mächtigen Striezeln angerückt kamen, je drei Scheffel schwer. — Das blieb allen, die zusehen und mithin konnten, in so guter Erinnerung, daß man dieselbe Sache zur Iahrhundert- wende wiederholte.
Und wie gute Sitten Schule machen: am Fastnachtsdienstag, 1726 wurde auch in Zittau.eine 625 Ellen lange Wurst herumgetragen. Was dann damit geschah, läßt sich erbenfen. Gesagt ist nur: mehr als ein halbes Schock Schinken waren hineingehackt.
Im Konvikt der Leipziger Studenten wurden gar bis zum Ausbruch des Weltkrieges Würste nach allen Regeln der Kunst besungen. Wenn einer der Konoiktoristen fein Examen hinter sich hatte, gab er seinem Tische nicht eine „Runde" — Bier trank
für einen Mann z u schwer ist. Cs ist verfrüht, von einer Diktaturdämmerung in Spanien zu sprechen, aber der politische Himmel ist nicht mehr so klar wie er es noch vor einem Iahre war.
Erweitertes
Schöffengericht Gießen.
v Gießen, 11. Dez. Ein früherer Postagent aus einem Rachbarort hatte sich wegen schwerer Amtsunterschlagung und Brief- unterdrückung zu verantworten. In seiner Eigenschaft als Postagent hatte er einen auf eine Zählkarte eingezahlten, für die hiesige Finanzkasse bestimmten Betrag von 837,50 Mk. in Empfang genommen und dem Einzahler auch den Empfang des Geldes auf dem Posteinlieferungsschein bestätigt. Auf eine Reklamation der Finanzkasfe stellte sich heraus, daß die Empfängerin weder die Zahlkarte, noch das Geld erhalten hatte. Eine Rachprüfung der Amtsführung des Angeklagten ergab, daß er das zur Kontrolle der Einnahmen bestimmte Buch insofern unrichtig geführt hatte, als er die Zahlkarte über den abhanden gekommenen Betrag nicht in der Eintragungsliste gebucht hatte. Der Angeklagte, der bestreitet, das Geld sich rechtswidrig zugeeignet zu haben, kann keine Erklärung dafür geben, wohin das Geld und die Zahlkarte gekommen sind. Die Richtbuchung der Zahlkarte an jenem Tage entschuldigt er mit Arbeitsüberlastung. Damit konnte er nicht gehört werden, abgesehen davon, daß dos Gegenteil sestgestellt wurde. Rach eingehender Beweisaufnahme hielt das Gericht den An
geklagten einwandfrei für überführt, daß er die 837,50 Mk. unterschlagen hat. Rur mit Rücksicht darauf, daß der Angeklagte alsbald nach der Entdeckung den Fehlbetrag erseht hatte, wurden ihm mildernde Umstände zugebilligt und gegen ihn auf eine Gefängnis st rafe von acht Monaten erkannt.
Aus der Untersuchungshaft vorgeführt wurde ein junger Mann, der, obwohl er den Offenbarungseid geleistet hatte, es verstanden hatte, unter Vorspiegelung seiner Zahlungsfähigkeit und Zahlungsbereitwilligkeit eine sehr große Zahl meist auswärtiger Geschäftsleute um erhebliche Beträge zu schädigen. Unter Benutzung von Geschäftsbriefen mit vielverheihendem Aufdruck gelang cs ihm, sich Waren zu erschwindeln, die er dann sofort nach Erhalt, um in den Besitz von barem Geld zu kommen, zu Schleuderpreisen wieder absehte. Wegen fortgesetzten Betruges wurde er zu zwei Iahren Gefängnis verurteilt. Zwei ebenfalls der Mittäterschaft Angeklagten konnte eine betrügerische Beteiligung nicht einwandfrei nachgewiesen werden. Sie wurden lediglich wegen Hehlerei zu je fünf Monaten Gefängnis verurteilt.
Daten für Lamstag, 14. Dezember
1546: der Astronom Tycho Brahc in Knudstrup geboren; — 1716: der Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz in Hannover gestorben; — 1799: George Washington, Begründer der Unabhängigkeit Nordamerikas, in Mount Vernon gestorben; — 1849: der Komponist Konradin Kreutzer in Riga gestorben; — 1911: Roald Amundsen erreicht den Nordpol.
Buhbach-Licher Eisenbahn und Auio- verkehr Buhbach.
<> Riederkleen, 12. Dez. Unter dem Vorsitz des Landrats Miß zu Wetzlar fand hier eine Besprechung über die Gestaltung des Fahrplanes der Kraftomnibuslin i e Butzbach — Dornholzhausen statt. An der Besprechung nahmen teil: Betriebsleiter Bandlow von der Butzbach—Licher Eisenbahn, die Gebrüder Freitag vom Autoverkehr Butzbach, Kreisinspektor Dreydoppek vom Landratsamt Wetzlar, Amtsobersekretär Sänger vom Bürgermeisteramt Groß-Rechteübach, Gemeindevorsteher Eisenhardt, Riederkleen, Gemeindevorsteher Watz, Dornholzhausen, Kreisdirektor Rechthien, Friedberg, und ein Vertreter des Reichsbahnverkehrsamtes in Gießen als Beauftragter der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M.
Bei der Erteilung der Konzession zum Betriebe der Autolinie Butzbach — Klee- berg, die jetzt nur noch bis Dornholzhausen befahren wird, wurde dem Autoverkehr Butzbach und Umgegend durch den preußischen Handelsminister die Auflage gemacht, den Fahrplan so zu gestalten, daß zwischen dem Verkehr der Kraftwagen des Autoverkehrs und dem Verkehr der Butzbach—Licher Eisenbahn ein Min- destzeitabstand von einer Stunde eingefallen* werde. Der Autoverkehr Butzbach hat diese Bedingung bisher nicht erfüllt, weil ihm dies aus technischen Gründen nicht möglich war. Die Butzbach—Licher Eisenbahn forderte auf Grund der Konzessionsbedingungen, die erste Krastwagen- fahrt 6.30 Uhr ab Dornholzhausen um mindestens Vz Stunde, und die letzte Kraftwagenfahrt 18.15 Uhr ab Bahnhof Butzbach um mindestens 1/i Stunde später zu legen.
Rachdem Kreisinfpektor Dreydoppel von dem bischerigen Verlauf der Verhandlungen Kenntnis gegeben hatte, erklärte Betriebsleiter B a n d 1 o w , daß die Butzbach—Licher Eisenbahn in allen Autolinien Konkurrenzbetriebe erblicke und mit Rücksicht auf die schlechte
Finanzlage der Cisenbahngefell- schäft von der Erfüllung der Konzessionsbedingungen Tiid)t absehen könne. Die Gemeindevorsteher von Dornholzhausen und Riederkleen sprachen sich gegen eine 2Ien» ö'erung des jetzigen Fahrplanes des Autoverkehrs aus, da sich eine solche nur zum Rachteil der beiden Gemeinden auswirken könne. Amlsobersckretär Sänger wies darauf hin, daß eine Rundfrage bei den Haushaltungen in den Gemeinden Dornholzhausen und Riederkleen ergeben habe, daß die Butzbach — Licher Eisenbahn im laufenden Kalenderjahr nicht von einem einzigen Einwohner der beiden Gemeinden benutzt worden fei, daß vielmehr sämtliche Einwohner die Beibehaltung des bisherigen Fahrplanes wünschten. Keine Bedenken gegen den Betrieb der Autolinie im bisherigen Umfange und nach dem bisherigen Fahrplan äußerten ferner der Vertreter der Reichsbahn und Kreisdirektor Rechthien, Friedberg. Da trotzdem der Vertreter der Butzbach— Licher Eisenbahn den Einspruch nicht zurücknahm und anderseits die Vertreter des Autoverkehrs Butzbach eine Umgestaltung ihres Fahrplanes als unmöglich bezeichneten, schloß Landrat Miß die ergebnislos verlaufene Sitzung mit dem Bemerken, daß nunmehr die Entscheidung der höheren Verwaltungsbehörde abzuwarten sei. Er betonte hierbei, daß der Betrieb von Autolinien in den vom öffentlichen Verkehr weniger aufgeschlossenen Gebieten eine immer weitere Verbreitung annehme und daß sich diese Allgemeinerscheinung bei dem heutigen Fortschritt der Zeit nicht künstlich aufhalten lasse, selbst dann nicht, wenn Interessen der Reichsbahn oder privater Bahngesellschaften entgegenstünden. Im vorliegenden Falle müsse der Autoverkehr als einziges öffentliches Verkehrsmittel der Gemeinden diesen erhalten bleiben.
man in diesen heiligen Hallen nicht, nur einmal im Jahre, an Königs Geburtstag, Wein —, sondern dann „schmiß" er ihm am nächsten Abend, an dem es nur Butterbrot und Käse gab, einen „Wurstsatz". Und jedesmal wurde darauf ein Vers gemacht, den irgendein Barde kurzerhand ersann, und dann die ganze Tafelrunde unisono zum Besten gab. Etwa:
Wenn andre müssen Käse beißen, Tut unser Tisch 'nen Wurstsatz schmeißen.
Eine Herausforderung, die man unmöglich ruhig hinnehmen konnte, weshalb sich irgendein anderer Tisch zum Sprecher aller machte:
Ach, wenn man doch das Dichten ließe Und selber seinen Wurstsatz frieße.
Am Abend dieses Doppel-Sprech-Gesangs — ein Beispiel unter vielen — war jedoch auch noch ein zweiter Tisch mit einem Wurstsatz gesegnet, nun freilich in verzwickter Lage. Kneifen war unmöglich. Geschickt wußte man sich zu helfen, indem man das eben Gehörte zur Kenntnis nahm und gleichzeitig dem ersten Tisch auch noch einen Hieb verfetzte:
Ihr Futter frißt die Kuh mit Brüllen, Wir essen unsre Wurst im stillen.
Damit nicht genug! Ein Tisch zwischen den beiden Beglückten ließ sich auch noch vernehmen:
Wenn ich diese Wurst betrachte. Kommt mich banger Zweifel an: Ist sie wirklich von dem Schweine, Oder von der Pferdebahn?
Gelächter an allen Ecken und Enden ...
Wurst und wieder Wurst! Oester gilt: „Wurst wider Wurst!" In der Hinsicht machte im Frühjahr 1928 in dem oberbayerischen Städtchen Weilheim ein luftiges Geschichtchen die Runde. Dort sah der Gastwirt „Zur Amper" noch eben, wie die Tigerdogge des Rechtsanwalts mit einem Kranz Weißwürste aus seiner Küche heraussprang und das Weite suchte. Abends kam deren Besitzer zu ihm zum gewohnten Dämmerschoppen.
„Was ich den Herrn Rechtsanwalt schon immer hab' fragen wollen: Ist ein Hundehalter haftbar für den durch sein Tier ungerichteten Schaden?"
„Ganz klare Sache; natürlich hat er dafür aufzukommen."
Am anderen Morgen erhielt der Jurist eine Rechnung über zehn Mark für den Wurstkranz, postwendend der Wirt eine Forderung in gleicher Höhe „für erteilte Rechtsbelehrung".
Das öffentliche Aergernis.
Die Voraussetzung einer Anklage wegen Erregung öffentlichen Aergernisses ist, daß irgend jemand öffentliches Aergernis genommen hat. Wie er es nimmt, ist seine Sache. Ein modernes Beispiel ist die Geschichte eines Sägewerkbesihers aus der Rähe von Kassel. Er wurde eines Sonntags mitten im Walde von einigen Männern ausgeraubt und ausgezogen und stand schließlich, jeder Barschast bar, in Hemd und Hose auf dem Waldboden. Was tun? Er krempelte sich die Unterhosen bis über die Knie, warf das Hemd auch noch weg und markierte jetzt einen Waldläufer, als welcher er atemlos bei seiner bestürzten Gattin in einigen Stunden anlangte. Unterwegs hatten ihn aber zwei Damen gesehen und sofort öffentliches Aergernis genommen, und nun muh sich der Mann, der den Schaden hatte, auch noch zu feinem Spott vor Gericht verantworten. Da von den Räubern bisher keine noch so kleine Spur gefunden werden konnte, nimmt die Polizei an, daß die ganze Sache auf Erfindung beruht, und das Gericht wird sich schlüssig werden müssen, ob es den Mann auf feinen Geisteszustand untersuchen läßt, ober die Anklage auch auf groben Unfug ausdehnt. —
Was sind Sie wert?
Das kommt natürlich darauf an. Wir sind uns selbst am meisten wert, nach dem alten Sprichwort, daß einem das Hemd näher ist als der Rock und daß alle Menschen Egoisten sind. Der Altruismus entspringt fast immer einet der vielen Eitelkeiten, die in uns stecken. Diese Werte sind imaginär oder, wie man heute au sagen pflegt, relativ. Wenn man bagegen wissen möchte, wieviel Mark oder Pfund oder Francs ober Dollar der Mensch wert ist, dann braucht man nur den englischen Chemiker Dr. Charles Henry Maye zu fragen, der zu den krassesten Materialisten unserer Zeit gehört. Er behauptet nämlich, der Mensch fei nur so viel wert, wie nach seinem Tode noch aus ihm zu machen sei. Aus dem Fett des Körpers eines ausgewachsenen Menschen kann man sieben Stücke Seife Herstellen. Mit dem Eisen, welches unser Leib enthält, läßt sich zur Rot ein besserer Rage! anfertigen, und aus dem Phosphor immerhin 2200 Streichhölzer anptnseln. Zucker haben wir auch, und zwar genügend, um eine Tasse Kaffee zu süßen. Kurz und gut, wenn jemand für einen erwachsenen Menschen heute 2,20 Mark anlegen würde, dann hätte et chn recht gut bezahlt.


