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35 Jahre ZaageavffenschaH 1894 zu Gießen
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Herr Baron find fast fieberfrei/
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In Dardschiling pflege ich ihn
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ist krank! Fieber —" flocht er bedauernd „den trägst du bis zur Station."
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von Aufträgen abzusehen und selbst die dringendsten Arbeiten nicht durchzuführen. Dadurch würde natürlich auch dem Handwerk und Gewerbe ein starker Einnahmeaur-fall entstanden sein. Hm das zu verhüten, habe man, wenn auch schweren Herzens, dem Steuerkompromiß zugestimmt. Trotzdem stehe Gießen mit seinen Steuersätzen noch unter den Sähen der anderen großen hessischen Städte. Cs müsse anerkannt werden, daß die Stadtverwaltung eine klare und gewissenhafte Finanzwirtschaft betrieben habe, und es sei mit Dank festzustellen, daß sich der Oberbürgermeister mit al'cm Nachdruck dagegen wehre, daß Ausgaben ohne vorherige Deckung gemacht würden. Auch die Volkspartei-Fraktion werde in Zukunft entschieden dafür eintreten, ohne Deckung leine Ausgaben zu bewilligen, sie werde weiter mit allem Nachdruck darauf hinarbeiten, daß weitgehendste Sparsamkeit auch im Kleinen in der Verwaltung herrsche und endlich das Ziel der Steuersenkung erreicht werde. Cs sei jetzt das letztemal gewe en, daß die Volkspartei-Fraktion einer Sleuererhö- hung, auch nur im Kleinen, zugestimmt habe.
Schmeckt dir's?" Er nahm eine große Konservenbüchse und machte den Deckel davon los.
Die Augen des Ausgehungerten weiteten sich. Die Gier, mit welcher er das kalte Fleisch ver
Wenn kein« anderen Einnahmequellen erschlossen werben tö.....en. müßten eben die Pflöcke zurück
gesteckt wer.en. D'.e Sparanträge der Volkspartei, die bisher ieine Annahme gefunden hätten, würden im nächsten Jahre wieoer vorgelegt werden. Die Dolkspartei wol e selbstverständlich die Entwickelung der Stadt nicht unnötig hemmen, sie werde auch weiter auf eine geordnete und gute Finanzwirtschaft sehen, bei allem Willen zur Sparsamkeit und bei der ernsten Absicht der Steuer e thtng. Die Wäh ercha't möge Vertrauen ’ur Deutschen Volksvartei haben, sie werde von ihr nicht enttäuscht werden.
Im Anschluß an die mit lebhaftem Beifall auf» genommenen Vorträge fand eine
Aussprache
statt, in der Herr Scheel Kritik an der Stadtratsarbeit, auch an der Deutschen Volkspartei und den Demokraten übte. Ihm erwiderten die Stadtratsmitglieder Loeb er. Horn und Fischer und im Schlußwort Abg. Dr. N i e p o t h , der noch einmal um das Vertrauen der Wähler für die Volkspartei bat.
„Wenn wir erst dort wären!" Baron Günther hatte begonnen, Toilette zu machen und ließ etwas Nosenöl aus Mirrapur auf seine Finger träufeln, um damit durch das dunkle Haar zu fahren, das nun strichweise aufglänzte. „NinM die Karte heraus, Stefan," befahl er, und^ als diese über das Lager gebreitet war, kniet^Würz davor hin und begann mit den Fingerspitzen Richtung und Wegstrecke abzufahren.
(Fortsetzung folgt.)
Wochen kühler Temperatur reichten nicht aus, sie in Indien heimisch werden zu lassen.
„Akab!" flüsterte neben ihm eine Stimme.
Der Hindu wandte ohne Eile das Gesicht nach der Richtung, aus welcher der Laut gekommen war.
„Akab!" erklang es wieder. Diesmal etwas lauter. „Bei alle.i Buddhas und Mohammeds, den Gott der Rechtgläubigen mit eingeschlossen, seit ich den Mutterleib verlassen habe, bin ich noch in kein so dreckiges ßanö verschlagen worden, wie dieses Indien! Erst geröstet und gebraten, wie St. Laurentius! Jetzt ersäuft, wie weiland Nepomuk, der Schweiger! Herr, was kann mir noch Böses Widerfahrer, nach dem allen?"
Der Anfang der dre ßiger Jahre stehende Europäer, welcher die Stoßseufzer von sich gab, saß rittlings auf einer Kiste und mühte sich ab, im Scheine eines herabgebrannten Kcr-enstümpf- chens einen Riß in seiner Hose auszubessern.
Der Hindu ließ kein Auge von ihm: „Morgen abend wird es zu regnen aufgehört haben. Dann sind wir in Dardschiling", tröstete er. Drin Englisch war im Cegrnsatz zu dem des Europäers ein Labsal für die Ohren.
Das einzige Wort: „Dardschiling" zauberte Glanz und Leuchten auf das weiße Gesicht. Nicht etwa, daß Stefan Würz, der Stockösterreicher, sich etwas Besonderes darunter vorstellte. Bewahre! Es würde sein, wie alles andere in Indien auch: dreckig, geheimnisvoll und fieber- und choleraverdächtig.
Aber Dardschiling bedeutete doch wenigstens ein paar Wochen Ruhe, ein ordentliches Bett und endlich auch wieder etwas anderes, als diese ewige Konservenfresserei, bei welcher auf die Dauer jei er Magen kaputt ging.
Kein Wunder, daß Baron Peter das Fieber bekommen hat von all dem Dreck und Morast, in dem man seit fünf Wochen eingesudelt lag. Das stank zuweilen w'e Höllenpfuhl und sodo- mitische Pest und rann und gluckste aus tausend Rillen und Ritzen, daß man Stelzen brauchte, um hindurchzukommen.
Dann lieber noch in der Sonne rösten, wie eine spanische Kastanie. Nur dieser gottverdammte Schnürlregen mußte endlich aufhören, sonst tat er irgend etwas Unsinniges.
Der Hindu saß ergeben auf seinem Lager, horchte und ließ den Körper nach der Seite gleiten. Er war von wohlgestalteter Schlankheit und mehr geschmeidig als muskulös. Seine Hände zeigten eine braune Tönung, aber sie waren von einer Zartheit, welche mit denen einer Frau wohl zu wette: ern vermochten.
Er drehte das Gesicht mit den dunklen Augen, die matt und schmachtend aus dem Oval der Wangen sahen, Stefan Würz zu und legte den Finger an die Lippen.
Am 23. Mai d. I. waren 35 Jahre verflossen, seit unter der Leitung des damaligen Vorsitzenden des Eoangetischen Arbeitervereins, Professor Stamm, die Gründungs e.sammlung der „Baugenossenschaft des Evangelischen Arbeiervereins zu Gießen, e. G. m. b. H.", sm.lsand. Mit dem Amt des ersten Vorsitzen.en wurde Sparlassenrendant Doering, cer auch die umfangre chen Vorarbeiten zur Gründung der Bauzenofsen chast geleite: hatte, betraut: weitere Dorftands.nitg.ie- dcr waren Spar^assenbeamter Haas, Rechner, Gewerbe.ehrer Traber, Architekt Hamann. Dem Au sich srat gehören ai: Kon nerzienrat Hehligenstaedt, Q. tsri-ch er Dor ns cif, Werk.uhr r o l m, K i an.: Wolf,, Lack e- rer Ritsert. Zweck u;xv Ael der jungen Ge- nossenscha,t war die Errichtung von billigen Wohnhäusern für Mn erbemitte ie. De.ei.s im Jahre 1894 stellte die Stadt Gießen Gelände (jetzige Landmcnrnstraße) zum Preise vor 2 Mark je Quadratme.er zur Verfügung, und hier wurden 16 Einze.wvhnungen (sechs Einzel- und fünf Doppelhäuser) errich ei. 2m Jahre 1897 wurde von der S.adt Gießen Gelände auf dem Selters- bcrg, in den S.raßen Mittelweg, Hillebrand-' straste, 6"re m:rstrahe und Wetz arer Weg (4030 qm von dem Rabenauschen Grundstück) für 4 Mark je Quadratmeter erworben und darauf zwei größere Miethäuser, zwei Einzel- und sechs Doppelhäuser mit zusammen 26 Wohnungen erbaut. Die Stadt Gießen stellte 1901 erneut 3000 qm (4,50 Mark je Quadratmeter) zur Verfügung: darauf wurden ein Einzelhaus, drei Doppelhäuser, drei große Miethtiuser und ein Miethaus mit den Räumen für eine Kleinkinderschute, insgesamt 33 Wohnungen, errichtet. Damit war die bauliche Tätigkeit dieser Genossenschaft leider beendet: denn obwohl die Zeiten damals ruhige und Geld- und Biaterialbeschaf- fung viel leichter waren als heute, schlugen alle Bestrebungen, die auf eine Belebung der Bautätigkeit hinzielten, fehl. Erst der vereinigten Bauge.'.ofsen.chaft 1391 blieb es Vorbehalten, den beschrittenen Weg der Wohnungsbeschaffung mit Erfolg weiter zu verfolgen.
Aber auch in anderen Kreisen der Bevölkerung faßte der Gedanke des Genossenschaftswesens tiefe Wurzeln, und es traten auch hier Bestrebungen zutage, die auf die Erbauung von Wohnungen auf genossenschaftlicher Grundlage hinzielten. Alle Versuche, die Baugenossenschaft des Evangelischen Arbeitervereins auf die Basis des reinen Genossenschastswe ens hinüberzusüh- ren, (ohne daß die Zugehörigkeit zum Evange-
führer H. Fourier, 2. Vorsitzender: Rendant Haas, Rechner und Schriftführer: Kassenbeamter H. Wölfer, 2. Rechner und Schrittführer; Architekt Hamann, Bauführer: < es.^ä ts üh.cr Kirchner, Lackierermeister Ritsert, Beisitzer. Der Aufsichtsrat setzte sich zu ammen aus: Iustizrat Dr. Rosenberg, 1. Vorsitzender: Landgerichtsrat Schudt, August Braun, Schriftsetzer, Oberbauinspektor S. Müller, Prokurist Kuhl, Oberstudienrat Pro efsor Dr. Krausmüller, Fabrikdirek or Bergen, Bauobcrins ellor P a i r a n, Telegraph«, a sistent Becker, Werkmeister S ch u f L Ohne Zaudern wurden die geplanten Projekte in Angriff genommen. Finarzchrung, Platzsrage und Beschaffung von Daumaterialien waren Die schwierigsten Aufgaben. Von letzteren mußten v.e'e Ersatzstoffe mit in Kauf genommen werben. Das Gelände an der Licher Straße zoischen dem Wald und der Eisenbahnstrecke Gieren—Fulba (18 702 Quadratmeter, je 2 Mk.: Verzinsung 4 v. H, Tilgung 1 v. H.) wurde von der Stadt Gießen erworben, und in den Jahren 1919 bis 192b. wurde die Siedlung (im Votksmund „Plattenhaussn") mit 54 Einfamilienhäusern (3, 4 uni) 5 Zimmer) errichtet. Jedes Einzelhaus ertzielt einen etwa 180 Quadratmeter großen Garten. In dankenswerter Weise wurden von der Dezirls.parkajfe Gießen unt> von t e; Allgemeinen Or.s.raulenias!« Gießen in ter damaligen kritischen Zeit größere Darlehen zur Verfügung gestellt Ebenso entgegenkommend zeigte sich Präsident Dr. Neumann für die Landesve.sicherungsanstalt Hessen.
1922/23 wurden in der Straße „Am Kugelberg" 20 Einfamilienhäuser mit drei, vier und fünf Zimmern errichtet. Infolge der durch die Stabilisierung der Mark eingeire'.enen neuen Verhältnisse wurde" 5 021/25 in der.elben Straße nur vier Cinfamil.enhä ser mit v er und fünf Zimmern gebaut. An.^ng 1929 wurden daselbst vier große Häuser mit 16 Wohnungen und im Herbst desselben Jahres in der heutigen FriedenÄstraße acht Häuser mit zusammen 32 Wohnungen begonnen, oie alte 19bezogen wurven. D.e Hauber haben nur zwei Stockwerke und vier Dier- zimmerwohnungLn. 1927 tour' e r in der Karl- Dogt-Strahe 14 Einfamilienhäuser erstellt und bezogen, zu gleicher Zeit wurden in der Lievig- straße 15 Wohnungen in der gleichen Bauweise wie in der Friedensstrahe begonnen und im Juli 1928 bezogen. 1928 wurden in der Liebig- stratze und am Aulweg 20 Wohnungen gleichen Typs begonnen und im Juli 1929 bergen. Auf dem gleichen Gelände werden z. Z. weitere 42 Wohnungen errichtet, ferner ist in der Liebig- strahe ein größeres Haus mit drei Läden und sechs Wohnungen im Bau begrif en, so daß Mit!« 1930 in diesem Stadtteil 48 Wohnungen bezogen werden können. Alle diese Daulich.eiten wurden nach Entwürfen und Plänen von Architekt Hamann, der auch die Bauleitung innehatte, ausgeführt.
In der Vorkriegszeit wurden folgende Wohnungen errichtet: 3 Zweizimmerwohnungen, 71 Dreizimmerwohnun^e r, eine Vierzimmerwohnung, ein Laden und Räume für eine Kleinkinderschule.
In der Nachkriegszeit wurden folgende Wohnungen erbaut: 3 Zwe zimmerwohnungen, 98 Dre:zimmerwohnungen. 91 Vierzimmerwohnun- gen, 26 Fünfzimmerwohnungen (der größte Teil der Wohnungen besitzt einen Bodenraum).
Zusammen wurden gebaut: 6 Zweizimmerwohnungen, 169 Dreizimmerwohnungen, 95 Dierzimmerwohnungen, 26 Fünfzimmerwoh- nungen; insgesamt also 296 Wohnungen.
Einen tieferen Einblick in die Tätigkeit der Genossenschaft gewährt ein Vergleich der Bilanzen in den für die Baugenossenschaft so überaus wichtigen Tereinsjahre: Die Bilanz für das Jahr 1914 schließt bei einem Gewinnsaldo von 1326,14 Mk. mit 387 072,42 Mk. in Aktiva und Passiva. Die Goldmark-Eroffnungsbilanz für 1924 weist in Aktiva und Passiva 204 766.65 Mk.
Biel
Sonntag,
cher er erst einen Zausen Kleidungsstücke räumen mußte. „Du brauchst gar nicht die Hand vor den Wund zu halten," gebot er, „und schnauf auch, wie sich's gehört, und schau mir ins Gesicht. Ich bin kein Hindu, der unrein wird davon.
Jawohl! Vor dem Präsidenten zog man den Hut etwas tiefer als vor einem Straßenfeger. 2Der ein Mensch bl'eb der deswegen doch. Gnade Gott, wenn einer ihn, den Stefan Würz, die Achseln anzu'etzen wagte. Das könnte der es probierte, schlecht bekommen.
Als der Morgen fahlgrau über den Steppenrand heraufstieg, erhob er sich, ging nach dem großen Zelt hinüber und berührte Günther von Anstettens Schulter: „Herr Bacon, es ist Zeit."
Günther von Anstetten hob sich in den Ellenbogen hoch, stellte dann mit einem Schwung die Füße zu Boden und sah nach Hans Peter hinüber.
Würz ging auf den Zehenspitzen zum Kopfende und neigte sich über den Schlafenden, betastete das weiße Nachthemd und die Hände, welche über den Rand des Lagers herabhingen. Sein erst so besorgtes Gesicht strahlte dabei auf: „Der
schlang, ließ erkennen, wie lange er schon ohne Nahrung gewesen sein mochte.
Würz lachte, nahm einen Decher und goß aus einer Flasche etwas Rum in denselben. „Trink! Dann bekommt dir's besser! Wie weit ist es noch nach Dardschiling?"
Der Paria schluckte mit herabgefallenen Lidern und hob zugleich sechs Finger.
„Stunden?" entsetzte sich 'IBüix
Ein rasches Nicken mit dem Kopfe bestätigte die Richtigkeit.
„Bei Eurem Buddha! — Sechs Stunden durch den Morast! Ich danke!"
„Ich werde dich tragen, Sahib!"
„Mich?" Der Oesterreicher sah an sich herunter und schmunzelte. „Ein Zentner sechzig! Da knickst du zusammen wie ein Kienspan! Mer, wenn du dich nützlich machen willst. Der Sahib Gebieter
brängnis mancher anderer Städte hin und konnte demgegenüber betonen, daß unsere Stadt fich erfreulicherweise nicht in so schwieriger Lage vesinde, wenn auch gegenwärtig, wie bei allen Städten, ein Mangel an flüssigen Mitteln sich bemerkbar mache. Der immer stärkeren Wohnungsnot habe die Stadt in den Jahren 1922, 1923 und 1924 wirksam entgegentreten wollen, sie habe dafür erhebliche Mittel aufgewendet und auch die Baugenossenschaften und das private Baugewerbe daran beteiligt. Hierdurch habe das Handwerk zu tun gehabt, und habe dadurch Arbeit bis in die jüngste Zeit hinein gefunden. Die wachsenden Schwierigkeiten durch Materialpreis- und Lohnsteigerungen im Bauwesen hätten die Stadt als solche aber allmählich veranlaßt, sich von der eigenen Bautätigkeit zurückzuziehen und diese mehr unbjnefjr ber privaten Initiative zu überlassen. Die etabt habe ja auch noch andere Ausgaben zu erfüllen. Eine ruhige und stetige Entwickelung im Wohnungsbau müsse aber gewährleistet sein, und damit decke sich auch das Interesse der Bürgerschaft. Der Redner erinnerte weiter an den Bau der Bolkshalle, an die Schaffung des Flughafens und an die Durchführung des Straßenbauprogramms. Alle diese Arbeiten, die im wohlverstandenen Interesse einer guten Fortentwicklung unserer Stadt lägen, seien von der Zustimmung des größten Teiles der Bürgerschaft getragen worden. Dem Schulhaus - bau habe man sich gleichfalls nicht entziehen können, da er eben eine dringende Notwendigkeit gewesen sei. Durch die Einwirkung der Deutschen Dolkspartei seien weitergehende Projekte (Errichtung von drei Schulhäusern) im Hinblick auf die Finanzkraft ber Stadt zurückgestellt worden. Zunächst müsse es bei dem einen Schulhausbau in den Eichgärten bleiben. Bei einer kritischen Betrachtung der W o h l- fahrtspflege müsse man sich doch vergegenwärtigen, daß man heute Kriegsopferfürsorge, Rentnerfürsorge usw. tragen müsse, Dinge, die erst durch Krieg und Inflation entstanden seien und die man vor dem Kriege nicht gehabt habe. Ferner sei daran zu erinnern, daß es sich hier um Aufgaben handele, die die Stadt ganz zwangsläuf g durchführen müsse, weil sie durch reichsgcsetzlici/e Bestimmungen festgelegt seien. Die Polizeilast fei durch die Verstaatlichung ber Polizei für die Stadt auch viel größer geworden: vor Dem Kriege hätten wir hier 17 ober 18 Polizeibeamte gehabt, heute seien es über 70. Der Staat schreibe aber den Anteil der Stadt an diesen Lasten vor. Infolgedessen müsse man mit ganz anderen Beträgen rechnen als früher, lediglich durch die staatliche Gesetzgebung. Der Redner erinnerte dann an die Aufwendungen für die Verzinsung und Tilgung d.e r städtischen Schulden und kam anschließend auf die Etatberatungen 1927 28 und 1929 zu sprechen. Er wies dabei darauf hin, baß ber Stadtrat unter dem starken Einfluß der Deutschen Volkspartei die letzten zwei Jahre hintereinander jede Steuererhöhung abgelehnt habe, das Ergebnis fei aber schließlich gewesen, daß für das vorige Haushaltsjahr ein Fehlbetrag von über 100 000 Mk. entstanden fei. Unter diesen Umständen habe man bei der Beratung des diesjährigen Haushalts vor einer schwierigen Situation gestanden. In außerordentlich mühevollen Beratungen habe man nach Möglichkeiten zu Streichungen am Haushalt gesucht, es sei getan worden, was möglich war, aber trotzdem habe man sich der bitteren Notwendigkeit einer Steuererhöhung nicht verschließen können, wenn man nicht die städtische W rt chaft sich festfahren lassen wollte. Man habe aber nicht die weitergehenden Vorschläge der Verwaltung gutgeheißen, sondern fei ein Kompromiß eingegangen, bei dem der Steuerzahler erheblich niedriger belastet wurde, als von der Verwaltung vorgesehen worden sei. Daß auch die Dolkspartei-Fraktion der 20prozen- tigen Realsteuererhöhung zugcstimmt habe (die Verwaltung hatte 50 Prozent vorgeschlagen), sei unter dem Drucke der zwingendsten Notwendigkeit geschehen. Wäre diese Steuererhöhung nicht genehmigt worden, so wäre die Stadt schon im Sommer gezwungen gewesen, von der Erteilung
auseinander und zeigte auf ein mittelgroßes Geviert, das ebenfalls von grauem Leinen überdacht und mit Gepäck vollgeschachtelt stand. „Schlaf! — Ich weck dich schon, wenn's Zeit ist!" Der Paria küßte den Saum seines Rockärmels und stammelte einen Dank. Dann fiel die nasse Leinwand wieder übereinander.
Der Paria nickte zustimmend und hielt Arme etwas von sich gespreizt: „So!" „Schon recht! Mach dir's jetzt nebenan _ quem!" Er schob die Zeltwand nach rückwärts
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Regenzeit in Indien!
Llnaufhörlich trommelt es auf das graue Zeltdach! Von dort träufelte das Nah auf den morastigen Grund und blieb in schmutzig-braunen Pfützen steh em
Trostlos eintönig lag die Ebene, auf welche der Hymalaja seinen Fuß gesetzt hatte. Halb Steppe, halb Wüstenstrich, war sie jetzt in der Regenzeit ein einziger großer Sumpf, von dem des Nachts gefährliche Dämpfe in die Höhe stiegen.
Von derselben stumpfen Gedrücktheit wie das Gelände ringsum war auch die Stimmung der beiden Mäni er, die unter dem grauen Zeltdach auf ihren primitiven Lagern ausgestreckt ruhten. Ab und zu verirrte sich ein Tropfen durch eine Ritze und sprang auf Gesicht und Hände der Liegenden, die ihn gelassen von sich schüttelten.
Don einem der Rohhaarkissen hob sich ein Kopf: „Hans Peter — schläfst du?" Günther von Anstetten neigte sich etwas zu dem anderen hinüber, horchte auf das zusammenhanglose Stammeln, welches aus dessen Mund kam, sowie auf den etwas raschen Atem, welcher der schmalen Brust entströmte.
Da keine Antwort kam, legte er den Körper wiederum weit zurück und lieh die Lider über die Augen sinken.
Zuweilen wurde eine schmale Lücke in der Zeltwand aufgetan. Ein bartloses Gesicht neigte sich herein, lauschte, spähte mit offenen Augen ins Dunkel, dann ließen die gelbweißen Finger die stci en Vorhänge wieder übereinanderfallen.
Nichts war hörbar als das Trommeln des Regens, der leise Atem der Dchlummernden und ab und zu der Schrei eines Tieres, das durch Nebel und Finsternis über die Steppe irrte.
Der Hindu, der vor dem Zelt gesessen hatte, verkroch sich in das kleinere, welches daneben stand und saß dort unbeweglich, bis ihn ein Hüsteln aufschreckte: „Der Sahib!" — Wußte er, wie es um ihn bestellt war? Immer toie er madj» ten die Europäer die Erfahrung, dah sie bad Klima schlecht vertrugen. Aber keiner ließ es sich zur Warnung sein. In der heißen Zeit verkrochen sie sich bis zum Abend in ihre Bungalows, oder flüchteten in die Berge. Der Regen machte sie traurig und fieberkrank und die paar
Der Oesterreicher verstand sofort, zog den Atem ein und horchte. Das Horchen war etwas, was man hier in diesem Indien bis ins ff lernte. Irgend jemand schlich da draußen die Zeltwand entlang, tappte und tastete im Dunkeln und rannte zeitweilig ungeschickt dagegen.
„Wenn's brüllen möchte," flüsterte Würz dem Hindu zu, „dann vühte man doch wenigstens, wieviel es geschlagen hätte, 's wird doch nicht ausgerechnet ein Fluhpferd sein. — Das Schrecklichste wäre solch ein Biest noch immer nicht! Schlangen sind mir viel grauslicher! Die hört man nicht mal kommen. In Benares ist nachts eine in mein Zimmer ce'rochen und hat mich am Morgen von der Decke herab angeblinzelt. Prost Mahlzeit — ich bin doch nicht in die'es Dreck- land gekommen, um von Otterngezücht verspeist zu werden!"
Er machte dem Hindu ein Zeichen und ging auf den Zehe rspitzen nach dem Eingang. Dicht vor sich hörte er ein Schnaufen. Seine Hand fuhr hinaus und zerrte einen Menschen herein, dem das Wasser in Strömen vom ganzen Körper rann.
..Dieb?" sagte der Oesterreicher und sah dabei nach dem Hindu hinüber, der das Gesicht zur Seite wandle und den schwarzbraunen Mantel ganz enge um sich zog. „Was willst du?" fauchte er den halbnackten Schwarzen an.
Der Kerl klapperte vor Frost und zeigte nach dem Mund und von Meern weg nach dem Holz- teller, auf weichem die Reste einer Spei'e lagen.
Die Gebär, e war deutlich. „Iß!" befahl Würz. „Warum bleibst du nicht?" wandte er sich an den Hindu, der nach der Türe ging und die Vorhänge tzurückschob.
„Er ist ein Paria," kam es wegwerfend.
Die Leinwand fiel herab und der Oesterreicher stand mit dem Geächteten allein.
Ein Paria! Würz hatte während seines langen Aufenthaltes in Inst en schon so viele Erfahrung gesammelt, dah er wußte, um wen es sich da handelte. Wie die Menschen hier komisch waren! Zu Hause in Oesterreich gab's auch älnterfchiede!
lischen Arbeiterverein Vorbedingung war), scheiterten, und so fand am 11. Juli 1911 eine öffentliche Versammlung statt, in der Landes-Woh- nungsinspel or G r e h s ch e l über Ziele und Bestrebungen der Tau e>rofsenscha,tcn sprach. Anschließend wurde e ne neue Baugcnosß:nscha,t unter dem Namen
„Gemeinnützige Baugenoffens^afl 1911 zu Gießen e. G. m. b. £).“
gegründet. In der von 82 Mitgliedern aus allen Devölkerungskreisen besuchten Versamm.ung am 29. Juli 1911 wurden die Satzung beschlossen und Vorstand und Aufsichtsrat bestimmt. Als Vor- stan smitg i.der wurden gewähl.: Geschäftsführer H. Fourier, 1. Vorsitzender: Psar er Tech» tolsh ' er, 2. Vor,itzen er: S a'tfekre'är M o s i g , Shristsülr r; Kran e.i ajenre ,r.er T13. Lenh, Zechner: Spenger..eitler Zahmer, Beisitzer. Dem Aufsichtsrat gehörten an: Fabrikant Klingspor, Gärtner Koch, Professor Dr. Klein, G.afermeifter Bier au, August Braun, Schriftsetzer, Kaufmann Bräutigam, Sekretär Scherff, Dr. med. Schäffer, G.aser Maier.
Die Erwerbung von Baugelände zur Verwirklichung des gesteckten Zie'es gestal ete sich anfänglich recht schwierig. Erst nach .en Ausscheiden des früheren Oberbürgermeisters Mecum wurde dies besser. Der neue Oberbürgermeister Dr. Keller hatte schon als Beigeordneter die Bestrebungen der Genossenschaft tatfrä.tig unterstützt. Durch den Ausbruch des Weltkriegs wurde alle Bautätigkeit auf dem Gebiete des Wohnungsbaues unterbunden. Nach Beendigung des Krieges ging die Gemeinnützige Baugenossenschaft 1911 sofort ans Werk, dem sich recht fühlbaren Wohnungs- mangd zu steuern, und wandte sich an die Stadtverwaltung zwecks äleberlassung von Baugelände. Oberbürgermeister Dr. Keller war bereit, die Baugenossenschaft in jeder Weise zu unterstützen, da nur Baugenossenschaften und Städte in Zusammenarbeit imstande seien, die Wohnungsnot etwas zu lindem. Er trat jedoch einer Zersplitterung der Baugenossenschaften entgegen und machte seine äln'erstützung von der Vereinigung beider Baugenossenschaften anhängig. Die darauf eingeleiteten Verhandlungen zur Verschmelzung der beiden genannten Baugenossenschaften führten denn auch zum gewünschten Ziel, und die neue Genossenschaft erhielt den Namen
„Baugenossenschaft 1894 zu Gießen e. G. m. b. h." Am 21. Januar 1919 wurden Vorstand und Aufsichtsrat gewählt. Denv Vorstand gehörten an- Prokurist Wolff, 1. Vorsitzender: Geschäfts-
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