Ausgabe 
12.10.1929
 
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schinenwirtschaft und Stoffwirtschast. Hier erfordert Das Studium bis zum Diplomexamen fast durchweg acht Semester, zu denen in der Regel noch zwei praktische hinzukommen. Rur der Markscheider und der Landmesser kann sein Studium schon mit sechs Hochschulsemestern absci, eßen, Hat man das Diplom- eramen abgelegt, so kann man in allen Fakultäten noch zum Doktor-Ingenieur promovieren, was aber naturgemäß das Studium verlängert.

In der Fakultät der Allgemeinen Wissenschaften kann man Mathematik und Physik studieren, und zwar wird hier im Gegensatz zu den gleichen Stu­dienfächern an der Universität mehr Gewicht auf die praktische Seite gelegt. Das Bauwesen weist eben­falls zwei Untergebiete auf, in denen es Architekten und Bauingenieure heranbildet. Am mnfangreichsten ist jedoch die Fakultät für Maschinenwirtschaft, die sich in den beiden Hauptgruppen: Maschinenbau und Elektrotechnik einerseits, und Schiff- und Schiffs­maschinenbau andererseits gliedert. Davon liefert die erste Gruppe die Maschinen- und Elektroingenieure, während die zweite im gemeinsamen Kursus Schiffs- Ingenieure heranbildet. Auch e Stoffwirtschast hat zwei Fachabteilungen, erstens Bergbau und zweitens Chemie und Hüttenkunde. In der ersteren studieren sowohl die Bergingenieure wie auch die Markscheider, während die Landoermessung dem Bauwesen ange- gliedert werden soll. Die zweite Abteilung liefert technische Chemiker und Hütteningenieure.

Reben diesen beiden großen Hochschulgruppen gibt es aber noch eine ganze Reihe anderer, die Spezial­gebiete zum Gegenstand haben. So haben wir zwei Tierärztlichen Hochschulen, die die Aus­bildung der Veterinärmediziner übernehmen. Das Studium dauert hier bis zum Staatsexamen neun Semester und verlängert sich möglicherweise durch eine anschließende Doktorpromotion. Eine nicht un- wichtioe Ralle spielen auch die vier Landwirt» sch östlichen Hochschulen. Diese führen in sechs Semestern zum Divlom-Landwirt und schreiben acht Semester für die Ablegung des Doktorexamens vor. Eine längere Abbildung verlangen die drei Forstlichen Hochschulen, die erst in acht Semestern zum Examen führen. Das gleiche ist bei den beiden Bergakademien der Fall.

Wenn wir oben gesehen haben, daß man die Wirt­schaftswissenschaften an fast allen Universitäten stu­dieren kann, so stehen außerdem für dieses Gebiet noch fünf Handels-Hochschulen zur Der- füflung. Auch für deren Besuch ist natürlich wie bei allen anderen Hochschulen das Reifezeugnis Voraus- fetzuna, kann aber hier in besonderen Fällen durch eine Ersahprüfung nachgeholt werden. Der Abschluß des Studiums durch die Diplom-Kaufmannsprüfung erfordert sechs Semester, während für den Doktor au(f hier acht Semester notwendig sind.

Auch für Kunst begabte sind zahlreiche Hoch- schulen vorhanden. So weist Berlin eine Staats­schule für freie und anoewandte Kunst sowie eine Staatliche Kunstschule auf. während sich in München di" Akademie der bildenden' Künste befindet. Für Musik finden sich in Berlin die Staatliche Aka­demische Hochschule für Musik und die Staatliche Akademie für Kirchen- und Schulmusik, und in Mün­chen die Staatliche Akademie der Tonkunst Außer­dem befindet sich in Berlin eine Staatliche Schau­spielschule.

In Chorlottenburg ist die D e u t f <_) e Hoch­schule für Leibesübungen, die Turn- und Sportlehrer heranbildet. Der Lehraanq dauert hier sechs Semester und verleiht dem Studierenden nach

dem Examen den Titel eines Diplom-Sportlehrers Diese Sportlehrer können jedoch nur bei Vereinen oder Privatschulen ein Betätigungsfeld finden, da sie bis jetzt noch keine Lehrbefähigung an höheren Schulen haben.

Oberheffen.

Oer Orienberger Kalte Markt.

Wie au3 dem heutigen Anzeigenteil ersichtlich, findet vom 28. bis 30. Oktober der weit be­kannte Ortenberger Kalte Markt statt. In welchem Umfange sich dieser Markt bewegt, ist daraus ersichtlich, daß in vorhergehenden Iah- ren der Auftrieb von Pferden und Fohlen an­nähernd die Stückzahl von 1000 erreichte, und diese ziemlich vollständig Kiuer fanden. Auch für den Rindvieh- und Schwcinemarkt ist mit einem großen Auftrieb zu rechnen. Besonders ist noch zu erwähnen, daß der Musterplah, wie auch der Iuxplatz mit einem festen Unterbau neu hergerichtet sind. Durch diese Reuherrichtung ist einem langgehegten Wunsche sämtlicher Markt­besucher entsprochen worden. Für gute Zug- verbiniuag ist, wie immer, Sorge getragen.

Landkreis Gießen.

n. G r o b e n - L i n d e n. 12. Ctt. Witwe Klara Marx wird am 14. d. M. 80 Iahre alt. Der pensionierte Bahnwärter Iakob Luh, der im hessischen Garde-Iäger-Bataillon den Feld­zug 1870/71 mitrnachte, vollendet am 15. Oktober sein 8 2. Lebensjahr.

* Trais-Horloff, 10. Ott. In diesen Tagen folgt Lehrer Roth von hier feiner Versetzung nach Klein-Linden bei Gießen. Sein Weg­gang wird hier allgemein bedauert. Er war über zehn Iahre erfolgreich hier tätig und hat auf den verschiedensten Gebieten segensreich gewirkt. Sein hervorragendes Lehrergeschick uad sein Eifer, den er allen Fragen des Unterrichts und der Erziehung entgegenbrachte, veranlaßten Lehrer­organisation u d Behörde, ihn zum Leiter der pädagogischen Arbeitsgemeinschaft Lich-Hungen zu wählen. Das Vertrauen, das man in ihn setzte, hat er nicht getäuscht: Die Lehrproben und wissenschaftlichen Vorträge, die hier und in den Orten der Umgebung ge­halten wurden, erregten so großes Interesse, daß sie fast immer hundertprozentig besucht wur­den. Richt minder bedeutungsvoll sind seine Ver­dienste um die Gründung und Leitung des hiesi­gen Volksbildungsvereins. Die Auf­führungen derVersunkenen Glocke",Andreas Hofer" u. a., die musikalische Leistung des von ihm selbst geleiteten Musikquartetts, bedeuten für alle Trais-Horlosscr Feierstunden. Reben dieser künstlerischen Bedcu.ung des Volksbildungsver­eins darf die wissenschaftliche Fortbildung, die durch Vorträge des Leiters und namhafter Pro­fessoren angeregt wurde, nicht vergessen werden. Auch für alle anderen Vereine, wie für jeden einzelnen, der um Rat bei Lehrer Roth vor­sprach, war er ein treuer Berater. Die besten Wünsche unserer Gemeinde geleiten ihn an seinen neuen Wirkungsort.

# Aus dem mittleren Horlofftal, 11. Oft. In dieser Woche wurden die ersten Zuckerrüben geerntet und zur Zuckerfabrik Wetterau" verfrachtet. Wenn auch der Ertrag mengenmäßig nicht an die vorjährige Ernte her­

anreicht, so ist der Zuckergehalt infolge deS sonnenreichen, trockenen Sommers um so höher. Die Rüben kommen fast schmuhsrei zur Verla­dung. In den letzten Iahren hat der Zucker- rübenanbau ständig zugenommen, be­dingt durch den hohen Futterwert der Rüben­blätter und die Rücklieferung von 4 Prozent Trockenschnitzel gegen eine geringe Anrechnung der Trockenkosten. Auch wird das Saatgut unent­geltlich gestellt, die notwendigen Kunstdünger verbilligt und zinslos bis zur Ernte überlassen. Da dem Rübenbauer auch ein Mindestpreis zuge­sichert wird in diesem Iahre 1,50 Mark je Zentner kann er mit einer sicheren Herbstein­nahme rechnen.

Kreis Büdingen.

o LindheiIN, 11. Oft. Am 13. Oktober kehrt zum 7 0. Male der Todestag unseres un­vergessenen Pfarrers Ludwig Rudolf O e s e r wieder. Das soll Anlaß sein, kurz des treff» lichen Dolksmannes zu gedenken, der unter dem Pseudonym O. Gla ubrech t als Vollsschrift- steiler einen großen Ruf hatte und heute noch hat. O. Glaubrecht wurde am 31. Oktober 1807 in Gießen geboren (an seinem Geburtshause, Sonnenstraße 6, wurde am 50. Todestage des Dichters eine Gedenktafel angebracht. D. Red.) und widmete sich später in seiner Vaterstadt dem theologischen Studium. 1835 zog er als Pfarrer in unserem Wetteraudvrfe ein, und hier wirkte er segensreich bis zu seinem am 13. Oktober 1859 erfolgten frühen Tode. Als Volksschrift­steller war O. Glaubrecht außerordentlich frucht­bar. Diele seiner Erzählungen wurden auch in fremde Sprachen überseht. Besonders bekannt sind die ErzählungenDer Kalender­mann vom Veitsberg",Der Zigeuner", Zinzendorf in der Wetterau".Die Schreckens­jahre von Lindheim" undDie Heimatlosen", welch letztere in Gießen spielt. O. Glaubrecht verarbeitete mit Vorliebe volkskundliche und heimatkundliche Stosse. Allen Volks- und Heimat­freunden bleibt sein Wirken unvergessen Der be­kannte Heimatforscher Pros. A. Roeschen (Laubach) hat Leben und Werk R. Oesers in den hessischen Biographien eingehend gewürdigt.

± Schwickartshausen, 11. Oft. Linser Ortsgeistlicher, Pfarrer Raumann, konnte am letzten Sonntag sein vierzigstes Dien st - j ubilä um begehen. Genau am gleichen Tage, am 6. Oktober 1889, war er in Weiterstadt bei Darmstadt ordiniert worden. Rachdem er von 1891 bis 1898 in Kirchbrombach im Odenwald und von dieser Zeit bis 1910 in Rauheim bei Groß- Gerau im Amt gewesen war, kam er im Mai 1910 nach hier. Im Iahre des Kriegsausbruchs, 1914 sein einziger Sohn fiel im Krieg konnte er schon sein 25. Dienstjubiläum in der Ge­meinde begehen. Aus Anlaß des seltenen Gedenk­tages fand am vorigen Sonntag eine schone Feier im Gotteshaus statt, bei der die Gesang­vereine von Gckartsborn und Dodenhausen, sowie der Musikverein von Eckartsborn mitwirkten. Der Kirchenvorstand überreichte dem Iubilar als äußeres Zeichen der Anerkennung für die den Kirchlpielsgemeinden Schwickartshausen, Eckarts- bvrn Dodenhausen und Bellmuth in bald zwanzig Iahren in so reichem Maße erwiesenen treuen Dienste ein schönes Bild. Auch das evangelische Dekanat Ridda übermittelte durch Dekan S c r i b a (Nidda) herzliche Glückwünsche.

Kreis Alsfeld.

»er. Homberg a. d. Ohm, 11. OIL Sine reiche Obsternte hat auch die hiesige Gegend zu verzeichnen. Da es trotz besserer Sorten oft an genügendem Absätze fehlt, haben die Baum­besitzer ihren H u bedarf cingekellert. Die gerin­geren Sorten dagegen werden als Schüttelobst meist zu Apfelwein gekeltert, was man täglich be­obachten kann. Selbst ärmere L u e bereiten sich in diesem Iahre ihren Hau.trunk. Oesters tour-

RunVfunkprogramm.

Sonntag, 13. Oktober.

7 Uhr: Von Hamburg: Hasenlo z:rL 8.15 bis 9.15: Aus der Fciedenskirche Kas.el: Morgen­feier. Veranstaltet von der Hessisch-Evangelischen Landeskirche Kassel. 11: Stunde der Jugend­bewegung. 11.30: Elisrnstunde: Erziehung und Bildung.Kind und Theater", Vortrag von Mit­telschullehrer H. Bückert, Kassel. 12: Von Kassel: Platzkonzert der ReiHswehrkavelle. 13.33: Stunde der Jugend: Aus dem deutschen Märchenborn. 14.30: Stunde des Chorgesangs: Konzert des Männergesangvereins Gustavsburg... 15.30: Stunde des Landes: 1.Ausgaben und Bedeu­tung der ländlichen Haus'rauenvereine", Vor­trag von Gräfin Wrangel, Kassel: 2.Unsere Heimat: Der Westerwald", Vortrag von Lehrer August Straub, Okriftel. 16.30: Rach Köln und Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18: Stunde des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung:Die Zeit im Buch", Vortrag von Dr. Herbert Kranz, Frankfurt a. M. 19.10: Sportnachrichten. 19.30: Rach Stuttgart:Fra Diavolo" oderDas Gasthaus tion Terracina". Komische Oper in drei Auszügen von E. Seribe. Musik von D. F.E. Auber. 22.30 bis 23.10: Kla­vierkonzert von Erwin Schulhofs. Eigene Werke. 23.30 bis 0.30: Tanzmusik.

Montag, 14. Oktober.

12.30 bis 13.15 Uhr: Aus Bad Hersfeld: Lullus-Fest. 15.15 bis 15.45: Stunde der Iu- genö.Von fremden Ländern und Völkern":Ein Tag am Gardasee", Vortrag nach eigenen Erleb­nissen von Emil Richter (für Kinder vom 12. Iahre ab). 16.15: Hausfrauen-Rachmittag. 17.30: Von Stuttgart: Konzert des Rundfunkorchesters. 18.30: Wo uns der Schuh drückt:Die Zimmer­vermieterin". 18.50: Englische Literaturproben. 19.05: Englischer Unterricht. 19.30: Rach Stutt­gart: Erstes Montagskonzert. 21.30: Rach Stutt­gart: Schwester Henriette. Hörspiel nach der NovelleSchwester" von Hermann Kesser. 22.30: Von Kassel: Verdi-Abend. 23.15: Rach Stutt­gart: Schallplattenkonzert, Iazzmusik auf Klavier.

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