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iren Sommermonate, wo die Lauter fast ausgc- trocknet war, erhobenen Klagen werden nunmehr verstummen, da das Hebel gründlich beseitigt ist. Die Arbeiten wurden am 1. Mai b. 3. in Angriff genommen und haben bis zur Fertig. Heilung bei recht flottem Arbeitstempo vier Monate gedauert. Die BezeichnungEmscher Brunnen" ist nach dem Flüßchen Emscher im Ruhrgebiet benannt. Die dort im Umkreis lie­genden Städte wurden vor Jahren gezwungen, Kläranlagen zu bauen, nachdem die Verunreini­gung der Flüsse (insbesondere der Emscher) un- erträglich geworden war. Der Erfinder dieser Emscher Brunnen ist der Spezialist für Städte­entwässerung, Dr.-Jng. K. Jmmhoss (Essen). Die Pläne für die Lauterbacher Kläranlage sind von Dr.-Jng. W. Breitung in Wiesbaden gefertigt. Die Bauleitung lag in Händen des Kulturbauamtes Gießen, Rebenstelle Lauterbach (Baurat Steinbrecher). Im vorigen Jahre wurden in Bad-Aauheim und Butzbach eben­solche Anlagen erbaut und in Betrieb genommen. Dieses System ist das zur Zeit beste in Deutsch­land. Die Vergärung des Schlammes findet vollkommen unter Wasser statt und geht selbst- tätig vor sich. Zu diesem Zweck mußte die An­lage vor der Inbetriebnahme voll mit Wasser gefüllt werden, welches aus der Lauter entnom­men wurde. Zur Einarbeitung der Anlage, d h. bis zur vollständigen Vergärung der anfallen- den Aöfallstoffe und bis zur Geruchlosigkeit sind einige Monate erforderlich. Der anfallende Schlamm wird jährlich zwei- bis dreimal durch eine eingebaute Schlammsaugleitung ausgepumpt und auf Trockenplätzen gelagert. Dieser ver­gorene Schlamm ist vollkommen geruchlos und kann zu Düngungszwecken in der Landwirtschaft und Gärtnereien Verwendung finden.

Die ausgehobene Baugrube hatte eine Länge von 14 Meter, eine Breite von 9 Meter und eine Ti-se von rund 11 Meter. An Erdbewegung waren etwa 1300 Kubikmeter erforderlich. Verar­beitet wurden rund 220 Kubikmeter Eisenbeton mit etwa 14 000 bis 15 000 Kilogramm Eisen­einlagen. Die Arbeiten selbst wurden in zufrie­denstellender Weise von der Firma H. Schnei­der, Heuchelheim bei Gießen, ausgeführt.

Landkreis Gieren.

u. Klein-Linden, 11. Sept. Die Volks­schüler von Allendorf (Lahn) und die hiesigen Volksschüler trafen sich gestern auf dem hiesigen Svortplah zum Austrag der von dem Landesamt für das Bildungswesen für Hessen angeordneten Deichsjugendwettkämpfe. In der Ober­stufe (7. und 8. Schuljahr) traten 23 Knaben zu einem Fünfkampf an. Dieser setzte sich zusammen aus je einer Pflichtübung am Darren und Deck, bei der je 20 Punkte erreicht werden konnten, ferner waren an volkstümlichen Hebungen vor­geschrieben: Weitsprung 2,20 bis 4,20 Meter, Ballwurf 28 bis 58 Meter, und 100-Meter-Lauf (19 bis 15 Sekunden). Für die volkstümlichen Hebungen wurden Heberpunkte gewährt. ^Teil­nehmer erreichten die zu einem Siege nötige Punktzahl von 67 Punkten. Als Sieger gingen hervor: 1. Pr. mit je 88 Punkten: Ernst Schim­mel und Heinrich Reu schling (Klcin-Lin- den), 2. mit 82 P. Karl Wagner (Klein- Linden), 3. mit 79 P. Emil Luh (Klein-Linden, 4. mit je 75 P. Wilhelm Volk (Allendorf a. d. Lahn) und Wilhelm S t e i n m ü l l e r (Klein- Linden), 5. mit 74 P. Hans Volk II. (Klein- Linden), 6. mit je 73 P. Dudolf Jung und Friedel Jung (Klein-Linden), 7. mit 72 P. Willi Gärtner (Klein-Linden), 8. mit 71 P. Erwin Weber (Allendorf a. d. Lahn), 9. mit 70 P. Wilhelm Zörb (.Klein-Linden), 10. mit 69 P. Fritz Weller (Klein-Linden). In der Hnterstufe (6. Schuljahr abwärts) wurde ein volkstümlicher Dreilanrps ausgetragen, bestehend aus Weitsprung (1,70 bis 3,70 Meter). Schlag­ballweitwurf (20 bis 50 Meter) und 75-Meter- Lauf (15V.-, bis lV/5 Sek.). Von 35 Schülern, die in der Hnterstufe turnten, erreichten 24 die Punkt­zahl, die zu einem Siege berechtigte. Die zehn ersten Sieger sind: 1. Pr. mit 62 P. Walter Lang, 2. mit 56 P. Albert Jung. 3. mit je 55 P. Wilhelm Weigel und Gottlieb Mül­ler. 4. mit 53 P. Ernst Weigel, 5. mit je 50 P. Eberhard Kopp und Erich Jung. 6. mit 49 P. Ewald Volk. 7. mit 48 P. Erich Wei­gel und Hermann Stein. 8. mit je 47 P. Wilhelm Wagner und Wilhelm Kissel, 9. mit 46 P. Rudolf Franke. 10. mit 45 P. Ludwig Glaum (sämtlich von Klein-Linden). Lehrer Keil, als derzeitiger Schulleiter, dankte allen Milwirkenden, insbesondere den Mitglie­dern des Turnvereins Klein-Linden, die sich in dankenswerter Weise als Kampfrichter zur Ver­fügung gestellt hatten.

* Allendorf a. d. Lda., 12. Sept. Seit Jah­ren findet hier Anfang September ein Volks- miffionsfsst statt, das von der Umgegend gut besucht wird. Dieses Jahr ist damit das Jahres- f e ft der Inneren Mission des Deka­nats Gießen verbunden. Die beiden Festredner sind schon gut bekannt. Ver vor allem den alten Vater Naumann wieder einmal hören will, ver­säume nicht, bei dem schönen Wetter zu uns einen Ausflug zu machen. Der Bersröder Posauncnchor hat sein Kommen ebenfalls zugesagt. Nach der Feier sind auswärtige Freunde Gäste in unserer Ge­meinde. Wir hoffen hier auf guten Besuch von auswärts, weit über das Lumdatal hinaus. Das Fest ist, wie in der heutigen Anzeige zu ersehen, am 15. September, nachmittags 2 Uhr, bei gutem Wcller vor der Kirche.

Grünberg, 11. Sept. Zur jüngsten Ge - meinderatssihung unter Vorsitz von Bei­geordneter Keller waren neun Gemeinderäte erschienen. Die T h e o - K o ch st r a ß e, an der das neue Finanzamtsgebäude errichtet wurde, das noch in diesem Monat bezogen werden soll, soll hergerichtet werden. Es wird beschlossen, die Ar­beiten durch das Hochbauamt Gießen ausschreiben aii lassen. Der Bürgersteig soll zunächst, da regen Erdauffüllung noch Senkungen zu be­fürchten sind, nur provisorisch mit Kohlenschlacken hergerichtet werden, dem später ein fester Belag folgen soll. Es sollen aber jetzt schon Bordsteine verwendet werden. Eine Heberdeckung des Bür­gersteiges mit Basaltgrus soll nicht geschehen. Die Gall mar ktskommission hat den Plan, zur Ausschmückung des Marktplatzes auf der Käswiese, als auch innerhalb der Haupt­straßen der Stadt Wimpeln anzuschaffen und hat auch durch eine Sammlung, sowie Spenden von auswärtigen Grünbergern die nötigen Mit­tel hierzu bereit. Sie richtet nun an die Stadt die Bitte, ihr die benötigten Fichtenstangen zu Fahnenmasten zu überlassen. Der Gemeinderat, der alle Bemühungen zur Hebung des Gall- marktes freudig begrüßt und gerne unterstützen will, genehmigt einstimmig das Gesuch. Zu dem Beschluß des Gemeinderats vom 25. Sep­

tember 1928 über die Kanalbenuhnngs- gebühren, die 30 Prozent von vier Zielen des Wassergeldes betragen sollen, hat der Mi­nister des Innern seine Zustimmung nicht ge­geben. Er ersucht, noch andere Grundlagen als das Wassergeld für die Gebührenfestsehung her­anzuziehen. Dabei wurde auf die Ortssatzung von Butzbach hingewiesen: die Sache wird daher zurückgestellt, um die dortige Ortssatzung zu be­schaffen, bzw. auch noch solche von anderen Orten einzuholen. Bezüglich des neuen Bau­planes f ü r das Heegviertel stand seit­her noch die Entscheidung über die Diebsturm­straße. westlich der Bismarckstraße, aus. Der Gemeinderat entschied sich mit allen gegen eine Stimme für die Aufhebung dieser Straße, es soll nur eine Offenhaltung derselben vorgesehen werden.

s. Trais-Horloff, 11.Sept. Die Ein­führung der nächstjährigen Konfir­manden unseres Kirchspiels in den Konsirman- denunterricht fand in einem besonderen Gottes­dienst statt, zu welchem die Eltern und Ver­

wandten der Kinder sowie die Gemeindemitglie­der zahlreich erschienen waren. Pfarrer Weber richtete ernste Mnhnworte an Eltern und Kinder. Die Zahl der Konfirmenden, die in den Kriegs­jahren 1915 und 1919 geboren sind, ist auch in diesem Jahr wieder klein und beträgt in allen drei Gemeinden zusammen 23. In Trais-Horloff sind es 4 Knaben und 4 Mädchen, in den Fi­lialen Inheiden 3 Knaben und 7 Mädchen, Htphe 3 Knaben und 2 Mädchen.

Kreis Schotten.

T Schotten, 11. Sept. Die Kultur­filmstelle beim hiesigen Kreisschulamt bringt nach den Herbstferien in den Schulen des Kreises den ersten Teil des FilmsNibelungen" zur Vorführung. Für unsere Jugend, der dieses Volksepos, wenigstens seinem Inhalt nach, be­kannt ist, dürfte der Film eine wertvolle Auf­frischung und Vertiefung des Stoffes bedeuten. Die Stadt ist dazu übergegangen, die Wo­chenmärkte wieder aufleben zu lassen. Sie werden an jedem Freitag, vormittags, am Rat-

Die Heeresfachsthule für Landwirtschaft

Von Or. Chälons, Gießen.

Unter dem Zwange des Versailler Friedensdikta­tes mußte die allgemeine Wehrpflicht in Deutsch­land obgeschafft und durch zwölfjährige Dienstzeit ersetzt werden. Junge Leute, die im Alter von etwa 18 bis 20 Jahren in das Heer oder die Marine eintreten, sind dann bei ihrem Ausscheiden aus der Truppe 30 bis 32 Jahre alt. Es versteht sich von selbst, daß in irgendeiner Form der Uebertritt in das Zivilleben für diese Leute erleichtert werden muß. In Vorkriegszeiten war es nur der Stand der Unteroffiziere, welcher 12 und mehr Jahre in der Truppe diente. Es war damals ein Leichtes, die abgehenden Unteroffiziere mit einer gewissen Vor­bildung in die mittlere Beamtenlaufbahn überzu­führen. An Disziplin und Pünktlichkeit gewöhnt, bildeten sie einen festen Grundstein im Gebäude des deutschen Reiches, Heute ist die Frage der Ueberführung in Zivilberufe infolge der großen Zahl der in regelmäßigen Zeiträumen Ausschei- denden wesentlich schwerer und ferner auch infolge des Ueberangebots an Arbeitskräften in allen Be­rufszweigen. Schließlich bestand in früheren Zei­ten wohl in allen Volkskreisen eine Neigung dazu, ehemalige, zur Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit erzogene Soldaten einzustellen, während dies heut­zutage nicht mehr in gleichem Maße der Fall ist, sondern oft andere Eigenschaften in Zioilstellungen höher bewertet werden. Es ist deshalb nicht mög­lich, alle ausscheidenden Hcerescmgehörigen als' Staats- oder Kommunalbeamte unterzubringen. Zu freien Berufen müssen ebenfalls Leute übergehen. Gemäß dem gesteigerten Angebot an Arbeitskräften sind in der Jetztzeit die Anforderungen an Vor­bildung und Berufsausbildung stark erhöht, so daß dem Soldaten des Reichsheeres und der Reichs­marine schon während seiner Dienstzeit Gelegen­heit gegeben wird, sich zu einem Berufe vorzubil­den. Derjenige, der sich, abgesehen von der eigent­lichen Beamtentätigkeit, einem rein kaufmännischen Zweige zuwenden will, nimmt bei der Truppe die Ausbildungsmöglichkeit in der Heeresfach- schule für Verwaltung und Wirtschaft in Anspruch. Will jemand ein Handwerk, einen tech­nischen oder sonstigen rein gewerblichen Beruf er­greifen, so steht ihm die Heeresfachschule für Technik und Gewerbe zur Verfügung. Solche, die in der Landwirtschaft unternommen wol­len, besuchen die Heeresfachschule für Landwirtschaft. Der erstgenannte Ausbü- dungszweig war im alten Heere bereits bekannt. Die beiden anderen sind neu gefebaffen, als die Kriegswirtschaft allmählich von bet Friedenswirt­schaft abgelöst wurde. Es ist erklärlich, daß die große Masse der Soldaten sich zunächst zur Beam­tenlaufbahn drängte. Der Grund dafür liegt einmal darin, daß man glaubt, als Beamter die gesicherteste Existenz zu haben, besonders wegen der Beamten- penfion; weiter zieht dieser Berufszweig mehr, weil er von vielen alsfeiner" angesehen wird als ein Handwerker, Kaufmann oder Landwirt. Schließlich liegt es im augenblicklichen Zug der Zeit, daß man vielfach glaubt, in den letztgenannten Berufszwei­gen sehr viel mehr arbeiten zu müssen. Wer aber nicht mit Scheuklappen, sondern mit offenen Augen durchs Leben geht, merkt sehr bald, daß es heute mehr oder weniger jedem Deutschen kümmerlich geht. Die durchaus unsichere Lage des Reiches über­trägt sieh nicht nur auf den Beamtenstand, sondern auf jegliche Existenz in der Wirtschaft. Und so kommt es, daß Soldaten sich auch zu freien Berufen entschließen, denn hier kann man sich immerhin, sofern man etwas leistet, eher über das kümmer­liche Niveau hinausheben. Selbst die sonst so oft mißachtete Landwirtschaft wird erstrebt. Daß ein praktischer Landwirt seinen 18jährigen Sohn erst einmal ins Heer schickt, damit dieser neben der Er­lernung der sonstigen gerühmten Eigenschaften sei­nen Gesichtskreis erweitert, ist verständlich. Ebenso verständlich ist es, daß dieser Sohn, ehe er wieder nach Hause geht, um später die Wirtschaft zu über­nehmen, von der landwirtschaftlichen Fachausbil­dungsmöglichkeit im Heer Gebrauch macht. Die dem Vater während der 12 Jahre entgangene Arbeits­kraft in seinem Betrieb wird wettgemacht durch die am Schlüsse der Dienstzeit zustehenden Abfindungs- gebührnisse. Wie steht es nun mit dem gleichfalls aus der Landwirtschaft stammenden Sohn, der den Betrieb aus irgendwelchen Gründen nicht über­nehmen kann? Sofern er Lust und Liebe zur Scholle und zum väterlichen Berufe hat, werden ihm durch seine Dienstzeit die Wege geebnet um sich selbständig zu machen. Durch Ankauf eines Betriebes auf dem freien Markt wird das meist schwer fein, weil wirklich gute Wirtschaften nur selten verkauft werden. Dagegen ist m Gegenden mit dünnerer Bevölkerung Siedlungsmöglichkeit ge­geben mit Hilfe der Abfindung und ganz billiger Darlehen, die das Reich dem Siedler hypothekarisch zur Verfügung stellt. Auf diese Weise sind bereits eine Reihe von Soldatensiedlungen entstanden, auf denen es sich zweifellos besser lebt als in manchem städtischen Beruf. Man ist eigener Herr auf eigener Scholle. Die staatlich gewährten Erleichterungen sind sehr wesentlich. Es gibt Landwirte, die von der Siedlung abraten, weil sie in der Lage sind zu be­weisen, daß man bei der augenblicklichen Krise der Landwirtschaft auf seiner Scholle nicht leben und nicht sterben kann. Man hört dies aber nur auf großen Betrieben. Der kleinere Betrieb ist besser daran, besonders aber der Siedler infolge der er­heblichen Steuererleichterungen. Ferner kann als feststehend angenommen werden, daß der Staat voll­kommen zusammenbricht, wenn die Krise der Land­wirtschaft nicht in absehbarer Zeit behoben ist. Denn es ist durch keine Derschleierungskunft oderhöhere

Einsicht" wegzuleugnen, daß die Landwirtschaft das Fundament unseres Staates ist. Sollte aber doch der völlige Zusammenbruch kommen und schlimmste Zustände bei uns eintreten, so hat der Siedler seine Scholle, von der er sich mit seiner Familie er­nähren kann. Das russische Volk wäre seit 1917 längst ausgeftorben, wenn es nicht zu 92 v. H. aus Landwirten bestände. Nicht nur der Beruf des prak­tischen Landwirts in der geschilderten Form ist für den Soldaten zu erstreben und erreichen. Die mo­derne Landwirtschaft ist vielseitig und braucht auch andere vorgebildete Kräfte. Es gibt landwirtschaft­liche Heeresfcichschüler, die das Schlofserhandwerk erlernt haben. Sie find vornehmlich dazu berufen, Motorpflugführer zu werden. Ein zuverlässiger, gu­ter Motorpflugführer ist heute auf einem größeren Betriebe unentbehrlich. Der Betriebsleiter. gibt ihm daher eine entsprechende Stellung und Bezahlung. Gute Stellungen landwirtschaftlicher Beamter sind durch die landwirtschaftliche Krise selten. Dagegen können Landwirtschaftstechniker für Versuchs- und Musterbetriebe, sowie Kräfte für die landwirtschaft­lichen Versuchsstationen herangebildet werden. Leute, die Kammerbeamte ober Genoffenschaftsbeamte wer­den wollen, werden durch Sonberlehrgänge aus­gebildet.

Wenn dies in großen Zügen die Berufezweige in landwirtschaftlichen Berufen sind auch Gärt­ner werden in der Heeresfachschule für Landwirt- fdjaft vorgebildet so soll noch auf die Ausbil­dung selbst eingegangen werden.

Alle drei oben erwähnten Ausbildungszweige be­dingen eine dreijährige sog. Pflichtfchule, in der die früher erworbenen Volksschulkenntnisse ver­tieft und erweitert werden. Mit dieser Grundlage treten die Schüler in den landwirtschaftlichen Be­rufszweig ein. Der Plan hierfür entspricht etwa demjenigen einer landwirtschaftlichen Schule in et­was erweiterter Form, soweit es sich um Theorie handelt. Dazu tritt eine Ausbildung in praktischen Betrieben. Die theoretische Ausbildung umfaßt drei Vierteljahrskurse, die mit einer Abschlußprüfung am Ende des dritten Vierteljahres absolviert ist. In dieser Prüfung werden vier schriftliche Klausur­arbeiten in einem Zeitraum von je 4 Stunden ge­fordert und zwar aus dem Gebiet des Acker- und Pflanzenbaues, der allgemeinen und besonderen Tierzucht, der Betriebslehre und der landwirtschaft­lichen Ehemie und Physik. In dem mündlichen Teil der Prüfung wird außer den genannten Fächern noch Obst-, Garten- und Gemüsebau sowie Volks­wirtschaftslehre und Rechtskunde geprüft. Die Prü­fung erfolgt vor einem Ausschuß, dem außer dem Lehrkörper Vertreter der zuständigen Landwirt­schaftskammern, der genossenschaftlichen Körper­schaften, der Siedlungsgesellschasien, der praktischen Landwirtschaft, der Kulturämter sowie sonstiger in­teressierter Institute umfaßt. Die praktische Ausbil­dung soll mindestens ein Jahr dauern, wovon das erste Vierteljahr vor der theoretischen Ausbildung liegt. Sie geschieht entweder auf Privatgütern ober auf staatlichen Betrieben. Da leicht ber Fall eintritt, daß die Güter die Soldaten nur als Arbeitskräfte ausnützen und ihnen nicht die Stellung von Eleven einräumen, werden auch reichseigene Heercsfach- fchulbetriebe mancherorts mit Erfolg geführt. Auch ist solchen Schülern, die siedeln wollen, die Mög­lichkeit gegeben, auf Betriebe in die Siedlungs­gebiete wahrend der praktischen Ausbildungszeit kommandiert zu werden, damit sie mit den dor­tigen landwirtschaftlichen Verhältnissen vertraut wer­den. Leute, die Kammer-, Genoffenschaftsbeamte oder ähnliches werden wollen, erhalten nur eine dreivierteljährige Praxis. Das vierte Vierteljahr ist einem besonderen Kursus zur Erlernung von Ge­schäftsverkehr, Schreibmaschinenschrift, Kurzschrift, Wirtschaftsgeographie, Buchführung, Steuerkunde, Handels- und Warenkunde, Gesetzes- und Staats­bürgerkunde vorbehalten. Auch dieser Kursus wird mit einer Prüfting beendet. Während die oben­genannte theoretische Ausbildung 35 Wochenstunden umfaßt, werden bei letzterem Kursus nur 26 Stun­den pro Woche erteilt.

Da im Berufe eines praktischen Landwirts auch die Frau eine wichtige Rolle spielt und im allgemei­nen erheblich zur Rentabilität oder Unrentabilität eines Bauerngutes beiträgt, so sollen auch die Sol­datenfrauen Gelegenheit haben, in Anlehnung an die Ausbildung ihrer Männer für sich selbst An­eignung und Erweiterung landwirtschaftlicher Kennt­nisse zu betreiben. Denn die Eignung der Frau wird bei ber Siedlungsbewerbung mit beurteilt. In den zivilen landwirtschaftlichen Schulen sind Lehrgänge für Landwirtstöchter vielfach bereits im Gange. In den landwirtschaftlichen Heeresfach- schulen ist man bis jetzt über Ansangsversuche aus Mangel an Geldmitteln noch nicht herausgekom­men. Die bis jetzt abgehaltenen Lehrgänge erstreck­ten sich auf Viehhaltung, Garten- und Gemüsebau, Kleintierzucht, Kochen und Einmachen, Nähen, Flicken und Kinderpflege. Die Hauptschwierigkeit bei der Durchführung ber Frauenlehrgänge besteht bann, wenn in ber Ehe bereits kleine Kinder vor­handen sind, die der Pflege bedürfen. Zu den Lehr­gängen können sie nicht mitgebracht werden. Es gehört Geld dazu, das in ber Jetztzeit nicht aufzu­bringen ist.

Wird sich die Einrichtung der Heeresfachschule für. Landwirtschaft weiter gut fortentwickeln, so wird sie sich zum Nutzen des Heeres und des Einzelnen aus- ivirken, gleichzeitig auch zum Nutzen der Landwirt­schaft und damit zur Erstarkung unserer produktiven Kraft und zur Erreichung ber Unabhängigkeit des Vaterlandes.

hauS abgehalten. Die Einrichtung der wöchent­lichen Märkte bestand bis gegen das Ende des 19. Jahrhunderts. Damals gingen sie ein, weil ihnen die Vevölkerung nur noch geringes Inter­esse entgegenbrachte. Jetzt muß sich zeigen, ob sich der wiedererstandene Wochenmarkt als le­bensfähig erweist und als Bedürfnis empfunden wird.

Kreis Alsfeld.

=er. Homberg a. b. Ohm, 11. Sept. Der Auf­trieb auf dem heutigen Schweinemarkt betrug 352 Stück Ferkel. Es wurden für sechs bis acht Wochen alte Ferkel 32 bis 40 Mark und für acht bis zehn Wochen alte Tiere 45 bis 50 Mark be­zahlt. Da ber Hanbel im allgemeinen schleppenb war, verblieb Ueberftanb. Der nächste größere Markt ist ber sog. Kalte Markt: er finbet am 23. Oktober statt, mit ihm ist auch ein Schweinemarkt oerbunben.

Rheinhessen.

WSR. Dingen, 11. Sept. Wie die ..Mittel- rheinische Volkszeitung" mitteilt, hat der Papst den Dekan und Geistlichen Rat E i ch von Bin­gen zum Prälaten (päpstlichen Geheimkäm­merer) in Ansehung seiner Verdienste als Diö- zesanpräses der katholischen Männer- und Ar­beitervereine der Diözese Mainz ernannt. Fer­ner hat nach dem gleichen Blatt der Papst be­schlossen. der Binger Pfarrkirche, die gleichzeitig mit dem Hildegardisfest ihr 1500jähri- ges Bestehen feiert, die Titel und Vorrechte einer Basilica minor zu übertragen. Die feier­liche Erhebung der Pfarrkirche wird aller Vor­aussicht nach am Hildegardisfest erfolgen.

Nreußen.

Kreis Wetzlar.

WSR. Wetzlar, 11. Sept. Die Lahn hat schon wieder ein Opfer gefordert. Gestern be­merkte im städtischen Flußbad in Wetzlar der Badewärter, als er die Zellen nach Schluß der Badezeit schließen wollte, daß an einem Haken noch Kleidungsstücke eines Mädchens hingen. Der Fluß wurde abgesucht, und man fand gegen Mitternacht außerhalb des Geländes der Bade­anstalt die Leiche eines zehnjährigen Mädchens, die Tochter eines Expedienten aus Wetzlar. Das bedauernswerte Kind hatte ver- suchr, das gegenüberliegende Hfer der Lahn zu erreichen und war mitten im Fluß von einem Herzschlag betroffen worden.

Q Lützellinden, 11. Sept. Aus der jüngsten Sitzung des Gemeinderates ist folgendes zu berichten: Die von dem hessischen Forstamt Schiffenberg zu Gießen aufgestellten Wirtschafts- und Kulturpläne für den in der Gemarkung Großen-Linden gelegenen Mark- wald der hiesigen Gemeinde für das Wirt­schaftsjahr 1930 wurden vom Gemeinderat gut- geheitzen. Bei derBeratungdesHaus- haltsplanes für das Rechnungsjahr 1929 hatte der Gemeinderat eine gewisse Summe für die Vornahme von Wasserschürfungen im oberen Surbachtal zwecks Gewinnung von Wasser für eine Gemeindewasserleitung zur Verfügung gestellt. Auf die durch das Bürgermeisteramt in Groß-Rechtenbach erfolgte öffentliche Ausschrei­bung der Arbeit waren zehn Angebote eingegan­gen. Der Gemeinderat beschloß die ursprünglich beabsichtigte Llbteufung von Versuchsschächten nicht auszuführen, fondern Bohrungen vornehmen zu (affen? Die Ausführung der Bohrungen wurde dem Ingenieur D e r l i ch in Wetzlar übertragen. Für Wegebauzwecke wurden in den Haushaltsplan für das laufende Rechnungsjahr 5000 Mk. eingestellt. Der Gemeinderat beschloß, diesen Betrag restlos zum Eindecken verschiedener Straßen mit Kleinschlag zu verwenden. Cs sollen neue Kleinschlagdecken erhalten: die Hnterländer- Dorsstraße und dieSchwarze Hohl", falls die vorhandenen Mittel ausreichen, auch dieWeber­gasse". Schließlich beschloß der Gemeinderat noch den Ankauf eines Simmentaler Bullen auf der am 14. Oktober in Lauterbach stattfindenden Auktion des Verbandes Mittel­deutscher Rotviehzüchter.

0 Ebersgöns, 11. Sept. Nach 16jähriger Hnterbrechung wurde am Sonntag und Montag zum ersten Male wieder das Kirchweihfest der hiesigen Gemeinde unter großer Beteiligung der Ortseinwohner gefeiert.

Kreis Marburg.

WSR. Marburg, 11. Sept. Bei einem Auf­trieb von 150 Pferden, darunter acht Fohlen, wurde gestern auf der Bürgerwiese der dies­jährige Herb st- Pferdemarkt abgehalten. Bei schwachem Handel wurden für leichte und mittlere Pferde 400 bis 700 Mk., für schwere Pferde 800 bis 1000 Mk. und darüber, für Schlachtpferde 100 und 150 Mk. und für Fohlen 150 bis 300 Mk. bezahlt.

J) Fronhausen a. d. L., 11. Sept. Nach län­geren Beratungen sah sich unsere Gemeinbevcr- tretung veranlaßt, eine Aenberung unserer Schulhausverhältnisse zu beschließen. Bei einer Einwohnerzahl von etwa 1400 Personen und bei ungefähr 300 schulpflichtigen Kinbern reichten bie bestehenben Schulräume bei weitem nicht aus, um ben Erfordernissen zu entsprechen. Zur Zeit sind zwei Klassen in ber Schule in der Schulstraße un­tergebracht, bie im Jahre 1891 erbaut würbe, eine brittc Klasse befinbet sich im Rathause, bie vierte unb fünfte Klasse in Nebenzimmern einer Gastwirt­schaft. Obwohl unsere Gcmeinbe burch bie Stoffen ber Felbbereinigung, bie jetzt ihrem Enbe entgegengeht, unb ber Lahnregulierung stark belastet ist, hat sie sich bennoch ber Notwendigkeit eines Schulhaus­neubaues nicht verschlossen. Die Kosten dieses Baues sind auf 75 000 Mark veranschlagt, wovon etwas über 21 000 Mark auf ben Rohbau entfal­len. Baron Gunthram Schenck unterstützt babei in bankenswerter Weise bie Gemeinbe da- burch, baß er ihr ein Kapital zu bem Schulhaus­neubau gegen geringen Zinsfuß zur Verfügung ge­stellt hat. In bem neuen Schulhause werben vier Schulsäle eingerichtet, ferner Dampfheizung untz ein Schulbab geschaffen und im Dachgeschoß eine Wohnung für eine Lehrerin untergebracht. Gestern vormittag fand nun bie feierliche Grund st ein- l e g u n g für bas neue Schulhaus statt. Zu dieser Feier hatten sich der Gemeinberat, bie Gemeinbever- tretung, ber Schulvorstand, bie Lehrer mit ben Schülern, ber Architekt un.b Bauleiter, Ingenieur Stork zu Marburg, zugleich als Vertreter bes ßanbratsamtes, unb Einwohner eingefunben. Die Schüler ber oberen Klassen unter Leitung bes Leh­rers Immel eröffneten bie Feier mit einem Gesang, barauf hielt Bürgermeister Schnabel eine An­sprache, in ber er auf ben Zweck bes neuen Schul» gebäubcs hinwies unb wünschte, baß in biefem Bau Menschen erzogen werben möchten, bie stets bereit finb, bem Wohle ber Gemeinbe unb bem deutschen Vaterlande zu dienen. Alsdann sprach