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Nr. 2[5 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Mittwoch, si. September [929
Luxemburg.
Don Arnold Trapp.
Der erste Eindruck im Lande war doch der einer ziemlichen Fremdheit. Dies liegt am französischen Sprachfirnis der Dahnbeamten und auch am Typ der Menschen. Das einzige Erlebnis, wo diese Fremdheit gegenüber dem Reichsdeutschen unangenehm betont wurde, hatte ich schon in der ersten Stunde. Beim Mittagessen in Ettelbrück unterhielt ich mich mit der Wirtsfrau und fragte, wie sich die Leute mit den öfters durchkommenden Hunsrücker Dauern verständigten. Die Frau erklärte scharf: „Wir sind feine Deutschen; wir sprechen kein Deutsch." Sie meinte, ihre Landsleute hätten eine eigene Sprache: .Deutsch" bedeutet Hochdeutsch und wohl jede ihm untergeordnete Mundart. „Luxemburgisch" ist also etwas Besonderes. Tatsächlich ist Hochdeutsch dort in viel stärkerem Maße eine Fremdsprache, als bei uns auf dem Lande: es ist nicht die Kultur-, sondern nur eine Verkehrssprache. Zur Kultursprache dagegen hat sich ja seit den Tagen der französischen geistigen Vorherrschaft (17./18. Jahrhundert) das Französische erhoben. Bei uns ist dieses geistige Joch in den schweren Tagen der napoleonischen Bedrückung abgeschüttelt worden. Luxemburg hat wie auch das Elsaß, Lothringen und Flandern die deutschen Tiefen seiner Seele nicht mehr gefunden, geblendet von der Bähe des französischen Kulturherdes. Das Mit- erleben der deutschen Geschicke von 1815 bis 1867 weckte zwar starkes deutsches Bewußtsein, aber die Geschichte hat zugunsten Frankreichs entschieden. Seitdem hat sich das Bewußtsein seiner Son- Verstellung im Kopse des Luxemburgers befestigt und macht ihn darum heute zu einer eigenen Erscheinung.
Die Vorbedingung dazu bildet die Grenzlage gegen Frankreich. Deutschland ist für wenige ein Land, an das sich besondere Gefühle heften. Mit Frankreich dagegen sind die Verbindungen realer wie seelischer Art sehr stark. Das Land ist klein und in feiner Rordhälfte sehr arm. Wieviele Luxemburger haben ihr Brot in Frankreich gesucht. Ihre Deutschsprachigkeit ist dabei kein Hindernis gewesen. Sie lernen ja das Französische vom 2. Schuljahre an. Dies beruht teilweise auf Gründen der Sympathie: aber der Luxemburger sagt auch: warum sollen wir die Kenntnis der französischen Sprache aufgeben, wo wir zwischen beiden Ländern liegen? Wir handeln sowohl mit Frankreich als auch mit Deutschland und wollen keinen Vorteil verlieren. Auch hat es Luxemburg verstanden, aus seiner völkischen und erdräumlichen Grenzlage für sich eine bevorzugte Mittel- und Durchgangslage zu schaffen. — Der deutlichste Gegensatz ist vielleicht die Eifel. — Dies ist die begreifliche reale Grundlage für den Unabhängigkeitswillen der Luxemburger. Man trifft sehr oft die alten Luxemburger, die Iahr- zehyte in Frankreich zugebracht haben: auch ein Aufenthalt in den anderen romanischen Ländern ist nicht selten. Den Erwerb in Deutschland scheinen nur wenige gesucht zu haben. Frankreich ist ter natürliche, größere Wirtschaftsbereich. Wie stark dadurch Frankreich als das größere Vaterland empfunden wird, geht aus der Tatsache der unzähligen Legionäre unter Frankreichs Fahnen im Kriege hervor. Luxemburg zeigt ein Denkmal für die gefallenen Luxemburger, sowie eine Denk- malsanlage für die im Lande verstorbenen französischen Kriegsgefangenen: die letztere wird von Den Einheimischen mit allen Zeichen der Sympathie gepflegt. Ob auch nur e i n Soldat im deutschen Heere gedient hat, ist mir sehr fraglich. Uebrigens traf ich auch einen zum belgischen Unteroffizier emporgestiegenen Veteranen des vorigen Jahrhunderts. Es ist wie so vielfach bei den germanischen Randländern des Westens und Südens: die Freude am Kriegshandwerk führt sie in die fremden Heere. Die Einzelschicksale, aus denen ich diese Tatsache ablas, wurden mir ohne jedes Gefühl für ihre Unangenehmheit für deutsche Ohren erzählt. Man hat seine eigenen Schicksale und man teilt sie gerne mit.
Die Aufnahme bei den Leuten des Volkes ist sehr menschlich. Der Luxemburger hat eine gute Kenntnis seines eigenen Landes und eine leidlich
Gießener Giavitheater.
Marcel Pagnol: „Das große ABC".
„Richt für die Schule, sondern für das Leben lernen wir."
Das Merkwürdigste an diesem Stück ist seine Spannweite, die Geräumigkeit seines dramaturgischen Bezirkes, die (überaus theatergerechte) Mischung, aus der cs sich zusammenseht.
Mischung aus flacher Posse und Charakter- lomödie, Kreuzung aus Reißer und bitterster Zeitsatire.
Robert Reumann, der Deutsche, schrieb, von beklemmenden Visionen heimgesucht, weitaus- holend und filmhast rajenb zugleich, die posthume Chronik einer infernalischen Aachlriegszeit, das phantastisch-düstere Epos der Inflation.
Marcel Pagnol, der Franzose, sah das gleiche grandiose Motiv, lockend und abschreckend ^gleich, vor sich ... griff aber nur mit spitzen girgecn in den Hexenkessel hinein und fischte sch ein einziges, winziges Figürchen heraus aus der endlosen Revue jener von allen guten Geistern verlassenen Welt.
Dies Figürchen, lächerlich gering, eine Maro nette, ein Schicksal im Duodezformat heißt: Topaze.
Topaze ist Lehrer. An einem Internat. Er lehrt das ABC, das kleine und das große, und iranches andere noch dazu. Seine Lebensphilo- Ivphie ist in Sprichwörtern an die Wand geschrieben und lautet etwa: Geld macht nicht glücklich. Oder: Müßiggang ist aller Laster Anfang. Cter: Ueb immer Treu und Redlichkeit. Dies lehrt er und daran glaubt er.
Aber siehe: eines Tages kommt es über ihn . .. seine Zeit, sein Schicksal, der Zufall — wie soll ■man es nennen? — über diesen herzensguten, biedern, einfältigen, hilflosen Mann, der ans ideale" glaubt, an Ethos und sittliche Ordnung Itiner kleinen Welt.
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Er wird gewahr, daß das, was er bisher llchrte und woran er glaubte, ein Nichts war, <ine Seifenblase .ein Schaum, im besten Fall
gute der Rachbarländer. So sieht er gern Fremde und unterhält sich gern über die Verhältnisse Heer und dort. Man könnte sagen, es sind kleine Europäer noch Gesichtskreis und Anteilnahme ökscheih fast immer durch die hochdeutsche Sprache in leichter mundartlicher Färbung. Sie lernen dies in der Schule. Wie ich Jagte, ist Beherrschung von Sprachen ja eine wrer Hauptforderungen und ihr Stolz. Vornehmlich bei ihrer Mundart fallen französischer Satzakzent und Modulation auf. Ihre lebhafte körperliche Anteilnahme beim Sprechen und die Form ihrer lebhaften Bewegung muten mehr französisch als deutsch an. Dazu gehört auch die ganze liebenswürdige Gewandtheit, mit der der ®aft behandelt wird. Dies alles stimmt überein mit dem starken Vorhandensein französischer DHPen in bezug auf Körperbau und Erscheinung. Der Typ Rapoleons III. ist häufig, ebenso seine Darttracht. Sehr oft finden sich die dicken Köpfe, schweren Rümpfe und dicken, kurzen Gliedmaßen. „Germanisches" Aeußere ist recht, recht selten! Man wird gerne glauben, daß diese Erscheinungsform größtenteils auf die alten Kelten zurückzu- führen ist. Uebrigens las ich in einer Landes- gefchichte, daß der Rordteil wohl auch wenig vom Zustrom der Franken berührt worden ist.
Die eingangs erwähnte Fremdheit lag für mich vor allem auch im Anblick ihrer Siedlungen. Das Gepräge erhalten sie durch die hohen, weiß- ge tüncht en Wände der Häuser, über die ziemlich flache Dächer sehr wenig hervorragen. Unser schweres Dach pflegt den Eindruck der Siedlungen ganz anders zu gestalten. Auf den Friedhöfen machte ich folgende Feststellungen: die Grabinschriften der Bauern pflegten deutsch zu sein: in einer der etwa 12 kleinen Städte fand ich knapp 2/^ deutsche Grabsteine, französisch waren auf alle Fälle die der Wirtsleute. Auf hem großen Luxemburger Friedhof hatte ich Mühe 7 oder 8 deutsche Grabsteine herauszufinden. Hierunter waren einige von katholischen Orden. Bei der Echternacher Cpringprozession sah ich übrigens Dutzende von Geistlichen. Der Typ des Dorfgeistlichen herrschte durchaus, und man versteht es, daß sie mit ihrem Volke so eng verwachsen sind. Ich lernte am Abend einen solchen kennen, einen äußerst lustigen und umgänglichen Mann, der mir versprach, mich gelegentlich in seinem Auto durchs Land zu fahren.
Einem Reichsdeutschen ist es immer wieder ganz gesund, wahrzunehmen, wie wenig zwei
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.
Die Ermahnung.
(g) Rom.
Vor einem Jahre etwa hat Mussolini, der ja auch sein eigener Krieg-rninister ist, in einem besonderen Erlaß die Offiziere der italienischen Armee darauf hingewiesen, daß ein besonderes vertrautes und kameradschaftliches Verhältnis zwischen Vorgesetzten und Untergebenen wesentlich zur Erhöhung der moralischen Schlagkraft des Heeres beitrage.
Dieser Rat wird seitdem von den italienischen Kompagnieführern, Bataillons- und Regimentskommandeuren mit rührendem Eifer und verschiedenem Geschick befolgt. So erzählt jetzt eine italienische Wochenschrift eine niedliche Geschichte, die sich jüngst bei einer Rekrutenbesichtigung eines in der Lombardei stehenden Infanterieregiments abgespielt hat.
Der Herr Oberst schreitet die Front der jungen Rekruten ob und richtet an jeden von ihnen leutselige Fragen nach dem Befinden, nach besonderen Wünschen, über Herkunft, Heimat, Beruf usw. Er kommt auch an einen Rekruten mit „Intelligenzbrille", der einen etwas schüchternen Eindruck macht.
„Run, nun, du zitterst ja, mein Sohn?" „Zu — zu — Befehl, He — Herr Oberst!" „Aber du brauchst bei meinem Anblick doch nicht zu zittern, mein Sohn! Sieht dein Oberst so furchterregend aus? Ich bin doch nur dein Kamerad mit etwas höheren Dienstbefugnissen!
ein ganz kleines, unverbindliches ABC für Kinder und Greise und Leute von ehegestern.
Das große ABC nämlich, der Katechismus und das Glaubensbekenntnis der wirklichen Welt, oder doch der herrschenden Gegenwart, die ihn in ihren Strudel hineinzieht, lautet ganz anders. Ganz andere Sprichwörter sind da an die Wand geschrieben: Zeit ist Geld, zum Beispiel. Oder: Die Welt will betrogen sein. Oder: Sag, was du willst — man kann alles in Prozenten ausdrücken.
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Das Stück hat einen echt dramatischen Kem: seine Fabel — Zusammenbruch einer Weltanschauung — ist umgesetzt in die stufenweise zu verfolgende Entwicklung eines Menschen: wie aus dem wegen seiner anständigen Gesinnung entlassenen Schullehrer erst der ahnungslose und gänzlich überrumpelte Strohmann einer mit allen Wassern gewaschenen Schiebergesellschaft wird, dann aus dem Lehrer wieder ein Schüler, der ganz von vorne anfangen muh und dennoch schließlich so gut begreift, daß er seinen Meister glatt an die Wand drückt. Er hat bas große ABC gründlich gelernt
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Leider ist das alles ein bißchen zu deutlich gemacht, mit erhobenem Zeigefinger gewissermaßen, handgreiflich, mit sinnfälliger Symbolik und schärfsten Kontrasten... und außerdem mit ganz ungleichen Mitteln.
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Das Beste und zugleich Bitterste in diesem Stück geschieht sozusagen nebenbei. Etwa wenn der Oberschieber, bei dem Topaze in die Lehre geht, den plumpen Erpressungsversuch des Abgesandten eines Pariser Skandalblattes mit einer lächelnden Parade per Telephon erledigt und mit „besten Empfehlungen an Madame Hanau" den Hörer abhängt — das ist glänzendes Theater und bissigste Demaskierung verrotteter Zustände.
Oder die Geschichte mit dem „kleinen Häuschen" und den verschiedenen hauptstädtischen Cafes..., eine Episode, die man nicht gut wiedergeben kann und die auch wirklich höchst unfein ist — aber wie das auf der Szene abgerollt wird, ist unglaublich witzig: die Pariser müssen sich gekrümmt haben vor Vergnügen und Schadenfreude.
Kulturen voneinander zu trennen sind, wenn beider Anziehungskraft groß ist: und hier hatte man oft den Eindruck, Paris ist nahe und hat Diel zu bieten, wogegen Berlin nicht auskommen kann. Man mag auch daraus sehen, wieviel verteilte Kulturzentren für das flächenhaft so sehr ausgedehnte deutsche Volk bedeuten mögen. Eine Wirkung auf die Luxemburger in Richtung der deutschen Gemeinschaft kann nur vom Rhein ausgehen und nur von Menschen der Rachbar- landschast, die in ihrer Lebensart dem Luxemburger sichtlich am nächsten stehen. Die im Ländchen arbeitenden Deutschen kommen meistens aus der Mosel- und Rheingegend. Für mich hatten sie in ihrer Lebensart viel Gemeinsames mit ihren Gastgebern.
VUe verlockend das Leben in diesem unbelasteten kleinen Eigengemeinwesen ist, sah ich in der Unterhaltung mit einem deutschen Bauern aus dem Saarland, der sich vor den ©teuer» und Geldentwertungsnöten auf ein luxemburgisches Landgut geflüchtet hatte. Er war ein beschaulicher Mensch, der hier im stillen Genuß seiner Arbeit lebte, die ihm auch wirklich zugute kam und ihn in den Stand setzte, ungeheht seiner nachdenklichen Anlage zu folgen.
Der Aufbau der Bevölkerung ist fast durchgängig bäuerlich. Dies begünstigt die Einheit ihres politischen Sondergefühles. Sie haben ihren Doden und schalten über ihn: so haben sie auch ihren kleinen Staat. Sie wissen, was ihrem Doden nottut und wo sie Hand anlegen müssen: sie durchschauen auch — wenigstens in höherem Maße als wir — die Bedürfnisse ihres Landes und stehen so in dauernder stärkerer Verbindung mit der Arbeit für die Gesamtheit. Z. D. kennen sie genau Wege und Ziele ihres Absatzes. Den Industriewinkel bei Esch habe ich nicht besucht. Er bringt meinem Vermuten nach die steuerlichen Ueberschüsse, die eine uns unglaublich erscheinende Entlastung des Grundbesitzes von Steuern ermöglichen.
Die Frage der Zollanschlüsse wird ganz nach dem Gesichtspunkte des Vorteils behandelt. Persönlicher Abneigung erfreuen sich die belgischen Zollbeamten. Mit den genauen Deutschen haben sie es in dieser Hinsicht lieber zu tun. Ihre Liebe gilt übrigens Frankreich, Belgien liegt ihnen wenig. Zwischen Deutschland und Luxemburg stand zu sehr die politische Angst: seit 1918 haben wir anderseits für ein nüchtern eingestelltes Volk viel Anziehungskraft verloren.
zu versiegeln. Das Personal lieh den Mann nicht eintreten; hatte es doch dem Testamentsvollstrecker hoch und heilig versprochen, feine „fremde Seele" in die Wohnung zu lassen. Rach- dem der Beamte eine halbe Stunde hindurch im Ramen des Gesetzes seinen Einlaß forderte und nicht erreichte, versiegelte er, um nicht ganz unverrichteter Dinge von dannen ziehen zu müssen, einfachheitshalber die Wohnung selbst. Die Eingangstür wurde also plombiert und die Angestellten waren mit einem Male — Gefangene deL Staates! Das geschah am Donnerstag. Die unfreiwilligen Häftlinge erwogen wohl die Flucht durch die Fenster, gaben es aber bald auf; statt halsbrecherische Freiübungen vorzunehmen, fügten sie sich lieber in ihr tragikomisches Schicksal. Am Samstag endlich erschien der Testamentsvollstrecker, um die Haushälterin und die Dienerschaft aus der Haft zu befreien. Das war aber schneller gedacht als getan. Er hatte nicht das gesetzliche Recht, die Amtssiegel auszubrechen. Er holte einen Schuhmann. Der gewissenhafte Hüter der öffentlichen Ordnung erklärte aber, ebenfalls nicht zuständig zu sein. „Sie müssen sich schon an den Gerichtshof wenden, Monsieur", sprach er und entfernte sich würdevollen Schrittes vom „Tatort". Ratürlich wandte sich der Testamentsvollstrecker unverzüglich an die GerichtSstcl e. Unverzüg ich, aber doch zu spät: der zuständige Richter hatte bereits seine Wochenend-Partie angetreten. Cs war eben Samstag . . . So mußten die Angestellten des weiland Herrn Villerois auch noch den Samstag und Sonntag in der versiegelten Wohnung verbringen. Erst am Montag konnte der von seiner wochenendlichen Erholungsreise glücklich heimgekehrte Richter die Entfernung der Siegel an* ordnen. Die Plomben wurden feierlich entfernt und die Leutchen aus ihrer viertägigen Einkerkerung entlassen— zum größten Triumph des in der französischen Presse ost verpönten Bureau- kratismus.
Der Meister des Tamtams.
(a) Reuhork.
Dem auch in Europa bekannten Regisseur Cecil D. de Mille wird in Hollywood nachgesagt, daß er wie kein Zweiter die Propaganda nicht nur seiner Filme, sondern auch seiner eigenen werten Persönlichkeit versteht. Er trägt dabei dem Geschmack der breiten Massen Rechnung und sorgt stets für eine geradezu trommelfeuerähnliche Reklame. Selbstverständlich benutzen die Sterne am Hollywooder Flimmerwandhimmel jede Gelegenheit, den großen „Meister des Tamtams" zu verulken, und diese kleine Anekdote, die man Chaplin zugeschrieben hat, hat auch ihre tiefere Bedeutung: Als Charlie Chaplin gelegentlich mit einigen Bekannten zusammen sein Mittagessen verzehrte, ertönte in der Rachbarschaft ein Katzenkonzert sondergleichen. Man hörte in wildem Durcheinander Saxophone blasen, Männerstimmen brüllen, Trompeten schmettern. Trommelwirbel gab dem Radau den Unterton, es war ein Tohuwabohu, wie man es selbst in Hollywood nur selten erlebt. Chaplins Tisch- genossen sprangen entsetzt von ihren Sitzen auf. um sich nach den Ursachen des fürchterlichen Rummels umzusehen, Charlie ließ sich aber nicht stören und aß ruhig weiter. „Was ist da um Himmelswillen geschehen?", fragten ihn die übrigen. „Richts von Bedeutung", erwiderte Chaplin, „ich glaube, Cecil B. de Mille hat sich einige Zigaretten gekauft!"...
Genaue Zeit.
(r) Amsterdam.
Es scheint, daß der Mensch niemals so sehr das Bedürfnis gehabt hat, zu wissen, „wie spät es ist", wie heutzutage. In früheren Zeiten stand man mit der Sonne auf, ging mit den Hühnern schlafen und dem Glücklichen schlug keine Stunde. Unser Jahrhundert mit dem Schlagwort „Time is Money“ und dem Achtstundentag, Five of clock Tea usw. hat erst erkannt, was die Zeit ist! Wir leben nach der Uhr und wer nicht weih, wieviel es geschlagen hat, zählt nicht mit. Wie ein Bürger unserer Städte ohne allzu große Mühe stets die genaue ■Seit wissen kann, ist eine Frage, die sich die
Topaze: Ebert-Grasso w. Er verabschiedete sich mit einer Bombenrolle. Vor ihm haben sie Pallenberg und Klopfer gespielt. Ebert- Grassow kostete die schillernden Möglichkeiten der Figur mit Behagen aus: zwar theatralisch bis zur Reige, im Komödienhaften, im Menschlichen nur unvollkommen: im ersten Alt schwang stets ein leiser Ton eigener Belustigung mit, eine ganz kleine Selbstironie, die durchaus fehlen muß, wenn es auf mehr als einen Bühnenscherz abgesehen ist.
Und eben das, was die Rolle so interessant macht, ihre innere Bewegung und Entwicklung — die schrittweise Verwandlung —, gelang nur szenenweise, geschah im Ganzen und gerade im auftrumpfenden Schlußakt zu geflissentlich und deshalb unglaubwürdig.
Vortrefflich gerieten die meisten Szenen des zweiten und dritten Aktes, — wenn er wie ein Fabelwesen aus längst verschollener Welt mit einem ausgestopften Eichhörnchen auf dem Arm die Arena feiner stürmischen Zeit betritt.
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Eine brillant hingesehte Figur, scharf profiliert, der Hauptschieber Laurent Castel des Herrn Hais — zwei Akte lang; im letzten, wo er die Ueberlegcnheit verliert, die Trümpfe abgeworfen hat und nur noch Kontrastpartner ist, wirkte er sofort schwächer. —
Ein raffiniertes Luder (mit Verlaub!) hat Liselotte Fuhrmann zu spielen; sie tut es mit Vergnügen, routiniert, schlagfertig, mit prompten Einsätzen und einem bemerkenswerten Garderobenaufwand.
Ein paar hübsche Chargen: Hub, Arzdorf, Linkmann.
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Der Erfolg war groß. Intendant und Hauptdarsteller mußten zuletzt wiederholt erscheinen, ben Dank des gutoesetzten Hauses entgegenzunahmen. Dr. 'ist.
Hochschulnachrichien.
Der außerplanmäßige a. o. Professor Dr. für. Ernst Wolgast in Königsberg hat einen 9iuf als ordentlicher Professor für öffentliches Recht an die Universität 9t o ft o d erhalten. —
Geschichten aus aller Welt.
Auch du kannst einmal Oberst werden. Schaue mir frant und frei ins Gesicht, wie es sich unter Männern und Vaterlandsverteidigem geziemt! So, und nun gib mir deine Hand. Siehst du, ich schüttele sie dir freundschaftlich! Denke dir, wenn du jetzt stolz nach Hause berichtest: mein Oberst hat mir die Hand geschüttelt— dein Vater wird den Brief bei allen Bekannten und Verwandten herumzeigen: Der Oberst hat meinem Jungen die Hand geschüttelt! Wird das eine Freude für den alten Herrn seinl Was ist denn eigentlich dein Vater?"
„General, Herr Oberst!"
Eine Wohnung wird versiegelt...
— Paris.
Der Pariser Kunstsammler Charles Villerois hat auf einer Erholungsreise das Zeitliche gesegnet. Sein bester Freund, den er noch rechtzeitig zu seinem Testamentsvollstrecker ernannte, eilte in die Villa des Verstorbenen und gab der alten Haushälterin, sowie dem übrigen Personal strenge Anweisung, bis zu seiner Rückkehr keine fremde Seele in die Wohnung einzulassen, da sonst leicht einige Kunstschähe abhanden kommen konnten. Dann setzte er sich in den Zug und fuhr zur Beerdigung des Monsieur Villerois. Zwischendurch setzte sich langsam die „staatliche Maschine" in Bewegung; als erste Folge hiervon erschien in der herrenlos gewordenen Villa in der Rähe des Monceau-Parkes ein Gerichtsbeamter und begehrte Einlaß, um im Sinne der gesetzlichen Vorschriften die einzelnen Möbelstücke
Der erste Akt ist langatmig und stellenweise mehr als harmlos; eine umständliche Vorbereitung. Die Schulstunde des Herrn Topaze erinnert abwechselnd an die verstaubte Szenerie im „Flachsmann" und an die nachgerade ungenießbaren Schulwihe aus dem lustigen Marcell- Salzer-Duch.
Dagegen die erste Begegnung des Topaze mit den Zeitgenossen vom großen ABC der Schieberherrlichkeit: grotesk. Roch grotesker: wenn er hinter dem verdammt unsentimentalen Antrag der Herrschaften verkappte Wohltätigkeit, taktvolles Mitleid wittert und ablehnen mochte ..., während jene schon glauben, Topaze habe die ganze Lumperei ihrer Geschäfte durchschaut... Wenn er zum Staatsanwalt will in überschäumender Ehrlichkeit und von der gerissenen Freundin seines „Chefs" alsbald entwaffnet und um den Finger gewickelt wird.
Ans Tragikomische streift die kurze Szene, wo Topaze endlich innerlich soweit ist, daß er begriffen hat, worauf es ankommt („im Leben"), und den Schritt ins neue Dasein — „Geschäft ist Geschäft" und „Zeit ist Geld" — damit beginnt, daß er sich vor dem Bureauspiegel mit der Papierschere seinen vorsündflutlichen Vollbart stutzt. . .
Der Schlußakt ist dann wieder glattes, geläufiges, wirksames Lustspiel, das eine publikumssichere Lösung bringt — aber die innere Spannung schon wieder verloren hat. Merkwürdig, aus wie verschiedenen Bestandteilen dieses Stück zusammengesetzt ist . . .
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Und schwierig, sie unter einen Hut zu bringen. Der Inszenierung des Intendanten Dr. Prasch ist dies nicht völlig gelungen, obwohl sie allenthalben von ausgesprochener Bühnenwirksamkeit war. Die beiden Mittelakte: blendend, witzig, aggressiv; dagegen der erste, schwächste, für unser Gefühl viel zu breit. Der Text ist so handgreiflich, daß man nicht mit dem Zaunpfahl zu winken braucht (auch wenn's dem Publikum Spaß macht); manches hätte da konzentrierter und minder deutlich gegeben werden können.
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