Dank, intelligente Leute und man hört dort hinter den Kulissen keine raschelnden Weiberröcke." Tschechow Pflegte sich bei den Proben in einer Ecke zu verbergen und in sich vertieft, der Probe zu. folgen, ohne sich hineinzumischen. Eines Tages sagte ein Bühnenarbeiter, der in dem salopp gekleideten, bescheiden aussehenden Mann keineswegs den berühmten Dichter vermuten konnte, zu dem Autor der Werke, die den Ruhm des Moskauer Theaters begründet haben: „Was machst du hier, Väterchen? Du weiht doch, daß Unbefugten das Betreten der Bühne verboten ist! Mach, dah du nach Hause kommst." Ohne ein Wort zu sagen, ging Tschechow nach Haus."
„3m Jahre 1903 trat ich aus dem Verband des Moskauer Künstlertheaters aus", plaudert Meyerhold weiter, „und wurde Regisseur im Theater der Kommissarschewskaja, die ehemals Schauspielerin des Kaiserlichen Theaters in Petersburg war, und die man allgemein „die russische Düse" nannte. Als ich zum Regisseur des Kaiser
lichen Schauspielhauses in Petersburg ernannt wurde, ging ein Sturm der Entrüstung durch die Rechtsblätter. 3ch inszenierte dennoch mehrere Opernaufführungen, darunter eine Reueinstudie- rung von Wagners „Tristan". Meine Reuein- studierung wich von der Tradition des damals alleinherrschenden Wagnerstils stark ab, daß die berühmte Wagnersängerin Felia Litwin, die als 3solde gastieren sollte, beim Anblick der Dekoration des ersten Aktes in einen Weinkrampf verfiel. Als später der berühmte deutsche Wagnerdirigent Felix Mottl zu einem Gastspiel eingeladen wurde, fürchtete man, daß er sich als treuer Hüter der Bayreuther Tradition weigern würde, den „Tristan" in dieser Insze- nierung zu dirigieren. Der Intendant der Hofoper entschloß sich zu einem Trick: der berühmte Dirigent sollte bei der Generalprobe die Dekoration nicht zu sehen bekommen. Unter dem Vorwand, dah am Abend „Aida" gespielt werden sollte, wurde die Dekoration des ersten Aktes von
„Aida" aufgestellt, und der „Tristan" wurde im Anblick ägyptischer Bauten und unter Palmen durchgespielt! Während der Vorstellung kam dem Zaren, der anwesend war, der erste Akt zu lang vor. Er schickte seinen Adjutanten auf die Bühne, um zu fragen, wann denn der erste Akt zu Ende fein werde. Der Adjutant zupfte den hinter der Bühne aufgestellten Chordirigenten gerade in dem Augenblick, als er dem Chor das Zeichen zum Einsatz geben wollte: es entstand eine fürchterliche Kokophonie, an der der große Dirigent ganz unschuldig war!"
Heber seine Pläne befragt, erwiderte Meyerhold: „Ich habe die Absicht, mich in Deutschland auszuruhen und vor allem in einem Sanatorium eine Kur nach meiner schweren Erkrankung durchzumachen. Es ist möglich, dah ich später einmal eine Filmaufnahme leiten werde. Mit Theateraufführungen werde ich mich hier wahrscheinlich nicht beschäftigen."
Turnen, Gpori und Spiel.
Kugelstoßen: 1. Paulus, V.f.L. Wetzlar, 12,20 Meter, 2. Koch, D. f. L. Wetzlar, 10,72 Meter, 3. Schmelz, 1900, 10,19 Meter.
Leichiaihleiik.
Glänzende Erfolge der Tpiclvgg. 1900.
ö. Die Wettkämpfe in Weilburg am Sonntag wiesen die erwartete Besetzung auf — lediglich Frankfurt hatte absagen müssen — und wirkten, dank der guten Abwicklung und der Leistungen, in jeder Hinsicht werbend für die Leichtathletik. Die Spieloereinigung 19 0 0 konnte den im Vorjahre in Weilbura erworbenen guten Ruf befestigen und blieb in der Gesamtwertung wiederum weitaus bester Verein (45 Punkte) vor Koblenz 1900/02 und V. f. L. Wetzlar (je 21 Punkte). Relativ gut hielt sich der Veranstalter, Weilburger F. V., mit 16 Punkten. Dabei ist zu berücksichtigen, daß die 1900er ohne ihre besten Werfer und einen Teil der guten Sprinter die Reise antreten mußten. Die vorzüglichste Leistung boten sie in der 3X1000-Meter-Staffel, die sie in der Besetzung Bepperling, Tönaes, Peters, nach scharfem Kampf gegen Koblenz 1900 und Sportfreunde Siegen sicher in der ganz hervorragenden Zeit von 8,19 Minuten gewannen. Weiter sind beachtlich die 4,18 Minuten von Peters über 1500 Meter, die 200« Meter-Zeiten Geists und die 54,5 Sekunden Guyots über 400 Meter, wobei zu berücksichtigen ist, daß Guyot wohl der meistbcschäftigtste Mann der ganzen Veranstaltung war. Nachstehend die Wettbewerbe, in denen die 1900er siegten bzw. sich placierten:
Klasse I:
100 Meter: 1. Müller, Weilburg, 11,6 Sek., 2. Geist, 1900, 12* Set, 3. Hopfenmüller, 1900, 12,2 Sek. Geist kam infolge einer nicht ausgeheilten Zerrung schlecht in Schwung und mußte dem vorzüglichen Weilburger den Vortritt lassen.
200 Meter: 1. Geist, 1900, 23,9 Sek, 2. Guyot, 1900, 24,6 Sek. Eine sichere Sache für die beiden Gießener.
8 00 Meter: Romyk, Koblenz, 2 Min, 2. Worthmann, V. f. L. Wetzlar, 2,07 Min, 3. langes, 1900. Bepperling war nicht disponiert und gab auf, Tanges stoppte infolge eines Irrtums ab.
5000 Meter: 1. Paul, Sportfr. Siegen, 15:40,2 Min, 2. Gerhard, Weilburg, 16,02 Min, 3. Paul, 1900. Der 1900er kann gegen die erstklassige Zeiten laufenden bekannten Langstreckler nicht an und belegte den obligatorischen dritten Platz.
3X1000- Meter-Staffel: 1. Sp. Vgg. 1900 Gießen 8,19 Min, 2. Koblenz 1900/02, 3. Sp.- Freunde Siegen. Eines der schönsten Rennen des Tages. Don den Spielvereinigungsleuten lief jeder gleich tapfer und auch der Zeit nach gut (1000 in 2,46 Min.).
Klafse II:
100 Meter: 1. Landsrath, Koblenz, 12 Sek, 2. Gunot, 1900, 12,6 Sek, 3. Kuhn, Koblenz, 13,2 Sek. Guyot stolperte auf der aufgeweichten 100- Meter-Bahn schon kurz nach dem Start und büßte dadurch viele Meter ein.
200 Meter:!. Geist, 1900, 23,7Sek, 2. Guyot, 1900, 24,8 Sek, 3. Halfmann, Koblenz 26,4 Sek.
400 Meter: 1. Guyot 1900, 54,5 Sek, 2. Specht, Koblenz, 57,2 Sek. Guyots läuferische Zukunft scheint auf der 400-Meter-Strecke zu liegen.
15 0 0 Meter: 1. Reichmann, Sportfr. Siegen, 4:15,4 Min, 2. Peters, 1900, 4:18,2 Min, 3. Osbelt, Wetzlar. Die Zeiten sind sehr gut. Der Exmarathonmeister Reichmann gewann durch besseres Spurtvermögen.
4X200-Meter-Staffel: 1. Sp. Vgg. 1900 Gießen, 1:36,8 Mm, 2. V. f. L. Wetzlar, 1,38 Min, 3. S. C. 1900/02 Koblenz. Die Gießener liefen durch Seipp einen Vorsprung heraus, der von Hopfenmüller und Guyot gehalten und bann durch Geist noch vergrößert wurde.
Weitsprung: 1. Guyot, 1900, 5,75 Meter, 2. Capello, V. f. L. Wetzlar, 5,62 Meter, 3. Best, V. f. L. Wetzlar, 5,44 Meter. In Anbetracht der kurzen Anlaufbahn sind die Leistungen zufriedenstellend.
Kugelstoßen: 1. Schmelz, 1900, 10,65 Meter, 2. Koch, V. f. L. Wetzlar, 10,60 Meter, 3, Hopfenmüller, 1900, 10,01 Meter.
Klasse III:
100 Meter: 1. Müller, Weilburg, 12 Sek, 2. Hopfenmüller, 1900, 12,4 Sek, 3. Best, D. f. L. Wetzlar, 12,5 Sek.
400 Meter: 1. Erbe, Weilburg, 55,5 Sek, 2. Knigge, 1900, 58,2 Sek, 3, Kissel, Koblenz, 59 Sek.
4X100-Meter-Staffel: 1. Weilburger F. V. 48,1 Sek, 2. V. f. L. Wetzlar, 49 Sek. 3. Gießen 1900, 49,1 Sek, Die 1900er, die beim letzten Wechsel noch mit 4 bzw. 8 Meter vor Wetzlar und Weilburg Übergaben, muhten hier eine unerwartete Niederlage hinnehmen. Der Schlußmann war schlecht im Schwung und zog sich zudem noch eine behinderliche Zerrung auf der Strecke zu.
H o ch s p r u n g: 1. Philipp, V.f. L. Wetzlar, 1,52 Meter, 2. Hopfenmüller, 1900, 1,47 Meter, 3. Knigge, 1900, 1,42 Meter. Die weiche Absprungfläche machte den Springern viel Schwierigkeiten.
Speerwerfen: 1. Köll, Koblenz, 45 Meter,
2. Guyot, 1900, 44,37 Meter, 3. Koch, D. f. L. Wetzlar. Endlich scheint Gießen 1900 wieder einmal einen Speerwerfer zu haben, der an die 45-Meter-Grenze kommt.
B. f. B. Gietzen.
V. f. B. konnte infolge Verhinderung feiner besten Leichtathleten, darunter auch des in der Freitagsvorschau erwähnten Springers Steines, nur eine geringe Anzahl von Anfängern nach Weilburg entsenden, die sich dort gegen die starke Konkurrenz nicht durchzusetzen vermochten. Ein dritter Platz (M. Fischer, Weitsprung) war die Ausbeute.
Gießener Fußball.
Spielvereinigung 1900 Gießen.
ö. Die Ligamannschaft bewies am Sonntag auch im Spiel gegen den Verein für Leibesübungen Frankfurt a.M. - Sachsenhausen, daß sich die Spielstärke der Blauweißen gehoben hat. Lediglich die Stürmerleistungen konnten noch nicht recht befriedigen. 1900 konnte einen verdienten 3:2=Sieg erringen, obwohl es anfangs mit 2:0 Toren im Hintertreffen lag. Der Sturm leistete besonders in der ersten. Halbzeit wieder Unglaubliches im Auslassen von sicheren Torchancen. Boson- ders gilt dies für den Mittelstürmer. Angehend war das Spiel des linken Flügels im Angriff (Heilmann und Best), die auch fast immer die ausgezeichnetsten Torgelegenheiten schufen. Läuferreihe und Verteidigung schafften eifrig und unverdrossen. Ab und zu hatten die Abschläge weiter und genauer sein dürfen. Die Gäste begannen vielversprechend mit wunderschönem Flachspiel, konnten sich aber gegen die gute Gießener Hintermannschaft nicht durchsetzen, da sie meistens zu lange mit dem Ball doppelten. Allerdings hielt Sack im 1900er Tor wieder famos. An den beiden gegnerischen Treffern trägt er keine Schuld. Das erste Jor war ein teilweises Eigentor des rechten Gießener Verteidigers, das zweite ein glattes Abseitstor, was trotz Reklamation vom Schiri gegeben wurde. Noch vor dem Wechsel kam der Platzverein zum ersten Gegentreffer, anscheinend auch ein Eigentor der Gäste bei einem Gedränge. Kurz nach dem Wechsel glich 1900 aus. Die Süddeutschen bestritten den Erfolg und drohten mit Spielabbruch. Der Ball hatte aber tatsächlich die Linie überschritten, nur hatte der Schiedsrichter nicht sofort auf Tor erkannt. Das letzte und Siegestor der Gießener fiel durch den Linksaußen und war das schönste des ganzen Spieles. 1900 konnte das Spiel durchweg überlegen gestalten und gewann verdient, vielleicht sogar zu knapp.
Maus um Ellinor.
Vornan von Senta Neckel.
Copyright bei Greiner & Co., Berlin NW 6.
19. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Jimmy nickte ihr freundlich zu:
„Sie haben vollkommen recht, gnädige grau, die Männer benehmen sich heute unmöglich!"
Die Frau blickte 3immy begeistert an:
„Hast recht, mein Zunge! '
3n diesem Moment kam der Schaffner und forderte das Fahrgeld.
3immy kramte feine Taschen um und um.
„Ich habe doch noch eben bestimmt, vor einer Minute hatte ich den Dollar noch, bestimmt, einen Moment noch, Herr Schaffner, ich muß ihn gleich haben."
Jimmy sah die Frau suggerierend an. Wie unabsichtlich stieß er sie liebevoll mit dem Knie und lächelte dabei.
Die dicke, häßliche Frau fühlte sich sehr geschmeichelt. Sie wollte dem höflichen jungen Mann gern helfen. Behutsam griff sie in die Tasche und ließ einen Dollar zu Boden fallen.
Jimmy hatte sie scharf beobachtet.
Er bückte sich rasch und hob den Dollar auf, wobei er nicht verfehlte, der Frau dankbar zuzunicken, was diese mit einem Grinsen quittierte.
„Da ist er ja," rief Jimmy erfreut, „ich wußte doch, daß ich den Dollar eben noch gehabt hatte!"
Mil der Miene eines Grandseigneurs hielt Jimmy dem Schaffner den Dollar hin.
Jimmy bekam eine Anzahl Cents zurück und steckte sie befriedigt in die Tasche. Er hob sich diesen Aotgroschen auf, man konnte nie wissen, wozu er gut war.
An einer der nächsten Stationen stieg die Frau aus und warf Jimmy aufmunternde Blicke zu, aber Jimmy reagierte auf nichts, er hatte feinen Zweck erreicht, alles andere interessierte ihn nicht.
Er dachte wieder an Betty.
Irgendein Geheimnis hatte das Mädel, irgendeine Atmosphäre umgab sie, die ihm fremd war.
Eines Tages war sie aufgetaucht in der Pension der Mrs. Buttler, und niemand wußte, wo sie herkam. Dann hatte sie immer Geld, er konnte sich das nicht erklären. Eine Stenotypistin in Reuyork hat nicht so viel Geld! Da mußte etwas dahinter fein.
Jimmys weltverlorener Blick hing an dem Plakat, das an einem dünnen Faden hing und bei den Bewegungen der Straßenbahn hin- und herpendelte.
Er hatte dieses Plakat schon oft gesehen, es hing ja überall, er hatte mit Betty zusammen schon oft darüber gelacht.
Da war eine Frau, die 100 000 Dollar verschenkte! Rein, das war doch zu drollig. Wie kam ein Mensch dazu, 100 000 Dollar so mir nichts dir nichts, zu verschenken7
100 000 Dollar für Ellinor!
Jimmy kniff die Augen zusammen. Sein Magen meldete sich schon wieder, er hatte seit dem Dünnen Morgenkaffee bei Mrs. Buttler noch nichts weiter gegessen, aber er hatte auch jetzt kein Geld, sich etwas zu kaufen.
Betty hatte immer gelacht, wenn sie gesehen hatte, mit welcher Wonne er das Gesöff, das Mrs. Buttler Kaffee nannte, herunterschlang, aber was sollte man tun, wenn man Hunger hatte.
Das Plakat schaukelte hin und her.
100 000 Dollar für Ellinor!
Er würde einfach hingehen und sich das Geld abholen: dann würde er aber leben! Fabelhaft würde das werden!
Zunächst kriegte dann Betty einen ganzen Wagen voll Blumen, sie liebte ja die Blumen so sehr, auch Teerosen, die so unverschämt teuer waren. Das war ihm dann ganz egal, mit 100 000 Dollar war man ein sehr reicher Mann.
Ja, aber erst mußte diese Ellinor doch gefunden werden. So ohne weiteres konnte man sich die 100 000 Dollar doch nicht abholen.
Jimmy seufzte auf. Sein schöner Traum zerrann.
Wieder dachte er an Betty, und die Angst kam in ihm hoch. Man sprach in der Straßenbahn von der Katastrophe. Gott sei Dank war es lange nicht so schlimm, wie er es sich gedacht hatte. Tote gab es überhaupt nicht, auch keine Schwerverletzten, nur ein paar Frauen waren an Rauchvergiftung erkrankt und ins Krankenhaus gebracht worden.
Gott sei Dank, es war mehr Aufregung gewesen, als Grund vorhanden war.
Die Stadt hatte sich schon wieder beruhigt. Man lebte so schnell, daß man in der nächsten Stunde schon vergessen hatte, -was in der vorherigen war. Die Zeit sauste mit einem davon, man wußte nicht wie.
Jimmy dachte daran, dah er nun eigentlich feine Stelle umsonst verloren hatte, aber sonderbarerweise ärgerte er sich gar nicht. Er hatte das bestimmte Gefühl, dah ihm heute noch etwas sehr Schönes begegnen würde.
Betty glaubte auch an das große Wunder, warum sollte er nicht daran glauben?
Betty hatte gesagt, manche Leute laufen an ihrem Glück vorbei und^wissen es nicht. Run, erwürbe jetzt die Augen aufmachen, damit er nicht an feinem Glück vorbeirannte.
Das Plakat schaukelte verheißungsvoll hin und her.
,.100 000 Dollar für Ellinor!"
Jimmy drehte dem Schild resigniert den Rücken! Das konnte einen direkt toll machen, wie einem da die Dollars vor der Rase herum- fcaumelten.
100 000 Dollar!
3immt) setzte sich auf einen freigetoorbenen Platz. Der Herr, der ausgestiegen war, hatte die „Cvening Review" liegen lassen. Jimmy griff interessiert nach der Zeittrng. Er konnte sich selbst
keine laufen, aber er hamsterte alle Blätter, die ihm in die Finger kamen.
Gleich auf der ersten Seite stand in fetten Lettern:
Heute muß Ellinor gefunden werden, heute ist der letzte Tag.
„100 000 Dollar für Ellinor!"
Jimmy runzelte die Stirn.
Wieviel Stunden hat der Tag?
Zwölf!
Wieviel Stunden sind schon vergangen?
Da die Ahr eben elf schlug, konnte er sich orientieren.
Es waren also nur noch ein paar Stunden Zeit, dann waren 100 000 Dollar unweigerlich dahin. Dann konnte er Betty keine Blumen kaufen oder sie ins Theater führen. Ach, wenn er 100 000 Dollar hätte, dann würde Betty ihn vielleicht auch heiraten, obwohl er zwei Jahre jünger war als sie, aber bei so viel Geld spielte das wohl keine Rolle, und Betty würde den mysteriösen Bräutigam, den sie vorgab zu lieben und der noch nie in Erscheinung getreten war, vergessen.
Jimmy dachte angestrengt nach.
Er studierte eifrigst den Steckbrief, der heute noch einmal ganz ausführlich in den Zeitungen stand. Daneben waren verschiedene große Abbildungen.
Ellinor Stanley in ihrem Auto, Ellinor Stanley auf dem Golfplatz, Ellinor Stanley im Frack, wie sie den Reuyorkern in der Metropolitan Opera ein Schnippchen geschlagen hatte und Ellinor Stanley in der Gesellschaftstoilette.
Jimmy studierte die Bilder ganz genau.
Diese Ellinor war ein sehr hübsches Mädchen, diese Ellinor war genau so hübsch wie Betty, und das wollte doch schon allerhand heißen. Diese Ellinor sah übrigens der Betty außerordentlich ähnlich.
Ellinor hatte blonde Haare — Betty hatte die schönsten blonden Haare, die man sich träumen konnte.
Ellinor hatte grünlich schimmernde Augen und bei Betty konnte man auch nie wissen, waren diese schönen Augen eigentlich grün oder grau. Er wußte, in diese Augen hatte er sich zuerst verliebt und dieselben Augen sollte diese Ellinor haben.
Das war glatte HeBertreiBung. Diese Augen konnte nur ein Mensch auf der Welt haben.
Jimmy wurde vor Aufregung ganz heiß.
Er vergaß, daß er eigentlich schon längst hätte aussteigen müssen, er vergaß, daß er der einzigste Fahraast war. Er hielt die Zeitung umklammert und las und las.
An der Endstatton der Straßenbahn schmiß ihn der Schaffner raus. Jimmy stand in irgendeiner fremden Gegend, wo er noch nie gewesen war.
Er schaute sich verblüfft um.
„Wann geht die nächste Bahn zurück?" fragte er den Schaffner.
Der Mann lachtet
Die Ligareserve trat die Fahrt nur mH 10 Spielern nach Frohnhausen a. b. Dill an unb verlor hoch mit 6:1 Toren (Halbzeit 2:1). Die brei Schlußleute waren ersetzt, und ber Ersatztorwart zeigte sich als Hanbballer bem Fußball in keiner Weise gewachsen. Der Gastgeber hatte seine Elf burch zahlreiche Ligaspieler verstärkt.
Durch bie erforderlichen Umstellungen hatte auch bie 3. Mannschaft nur 10 Spieler zur Stelle. Für bie abermals absagenben Garbenteicher wählte man in letzter Minute Großen-Busecks erste Elf. Das Spiel fanb in Großen-Buseck statt unb sah einen Sieg bes Gastgebers, ber in ber Höhe von 5:2 Toren bem Spielverlauf nach verbient gewesen ist.
Die Alten Herren warteten auf ben verpslich. teten Gegner, ben Wetzlarer Sportverein, vergebens.
Die 1. 9 u g e n b verlor in einem harten Treffen bas Rückspiel in Struthütten mit 3:1 Toren.
1900s 2. Jugend verlor auch bas Rückfviel gegen Sinns 1. Iugenb nach miserablen Leistungen 3:0 auf eigenem Platz.
Lichs 1. 3 u g e n b konnte ihren Vorspielsieg (5:1) gegen 19 0 0s 3. 3 u g e n b nicht wiederholen. Diesmal hieß bas Enbresultat 2:2.
Die 1. Sdjülerelf blieb in Frohnhausen an ber Dill mit 3:0 Toren siegreich.
Hoch verlor bie 2. Schü 1 erelf gegen die Schü- Icr Großen-Busecks. Auf bem fremben Platz hatten bie neun Gießener nichts zu bestellen und verloren mit 7:0 Toren.
V. f. B.
Die Ligamannschaft enttäuschte am Sonntag erneut: sie lieferte den Marburger „Germanen" ein schwaches Spiel und verlor mit 1:3. Wenn sich schon im Lokaltreffen gegen die Spielvereinigung eine gewisse Müdigkeitserscheinung in der Spielweise der Platzmannschaft bemerkbar machte, so trat es am vorigen Sonntag deutlich zutage, dah die Elf zur Zeis eine Schwächeperiode durchmacht und außer Form gekommen ist. Sie ist überspielt, was nach der anstrengenden Derbandsspielsaison und den zahlreichen nicht minder schweren Gesellschafsspielen eigentlich nicht wundern kann, sondern als natürliche Folgeerscheinung der vorausgcgangenen Anstrengungen betrachtet und erwartet werden
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mußte. „Germania" Marburg zeigte zwar keinen Klassefußball, wußte aber doch recht gut zu gefallen, und spielte auf jeden Fall besser, als bei den letzten Begegnungen beider Mannschaften.
Dom Anstoß an entwickelte sich sofort ein flottes Spiel, das beide Mannschaften abwechselnd im Vorteil sah. Während die Platzelf in Punkto Ballbehandlung und Zuspiel eine Kleinigkeit besser war als Marburg, zeigte sich dieses in der körperlichen Verfassung bedeutend überlegen und paarte dies mit einem rühmenswetten Eifer, der den Gastgebern als Vorbild hätte dienen können. Bei wechselvollem Spielverlauf kamen beide Tore öfters in Gefahr, ohne dah von der einen oder anderen Partei, deren Stürmerrechen zu weich und unentschlossen spielten, ein Erfolg erzielt wurde, bis der linke Verteidiger durch eine unglückliche Abwehr bei Dalles diesen selbst ins eigene Tor lenkte. V. f. 2. forcierte das Tempo und versuchte, den Ausgleich herzustellen, was ihm den auch noch vor der Pause gelang. Rach dem Wechsel hatte Gießen eine zeitlang etwas mehr vom Spiel Seine Angttffe wurden aus der Läuferreihe überlegt aufgebaut und vom Sturm flott uor- getragen. Auf diese Weise wurden eine ganze Reihe guter, zum Teil sogar sicherster Chancen herausgearbeitet, die jedoch sämtlich von ben schußunsicheren Stürmern ausgelassen wurden. Die Gäste waren in der Auswertung ihrer nicht ganz so zahlreichen Torgelegenheiten bedeutend glücklicher und konnten bis zum Schluß noch zwei Erfolge buchen, von denen einer allerdings eben»
„Sie fahren wohl zum Vergnügen Straßen» I bahn!"
„Ree, ich bin nur zu weit gefahren!"
„Ra, dann setzen Sie sich noch ein Momentchcn in den Warteraum, wir fahren erst in zwanzig Minuten!"
Jimmy ging in den Warteraum. Hier roch es nach Kaffee und Schmalzstullen, denn die Schaffner nahmen hier ihren Freilunch.
Jimmy hatte keinen Hunger mehr. Er hatte keine Zeit mehr, an das Essen zu denken.
Er breitete die Zeitung auf dem Tisch der Halle aus und vertiefte sich mit großem Eifer in sie hinein.
Also diese Ellinor, die das viele Geld verschenkte, hatte die Freiheit, zu behaupten, fit habe ein ganz kleines Muttermal in Form eines Herzens am linken Oberarm. Das war doch gc- radezu toll, denn Betty hatte dasselbe Mutter- mal, er hatte es ganz deutlich gesehen an ben Morgen, als er Betty schon um 8.30 Uhr früh aus den Federn geholt hatte, weil er sie j» George Wellton in die Spinnerei bringen wollte So einen ganz dünnen feinen ©eibenmorgenrod hatte Betty angehabt unb bas niedliche Heim Muttermal hatte durch die rosa Seide geschimmert
Woher hatte bie kleine Stenotypistin Betti Glynn, bie in Hoboken in dem schäbigen Boarding- haus der Mrs. Buttler wohnte, nur so einet
Das biesjä Kreis V banbeß n Sonntag in flung ber ^endliche 6 M«n unb i lulammengef fireis^ugenb 3ugenbtrcffer .zichung als i Ber oerhinbei iagabenb gep iHen holzf 'm Sonntag iiner Mor Kaiserpfalz | galt (®e!n
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Jimmy verglich die Bilder. Wenn, man bii Betty in so eine Gesellschaftstoilette steckte, bant sah sie genau so aus, wie biefe Ellinor.
Jimmy hielt bas Blatt ganz dicht vor bii Augen. Wie ein Vexierbild kam ihm die Sach« vor. eben war da noch Ellinor Stanley abgebildet gewesen und jetzt sah er ganz deutlich daß es Betty Glynn war.
„Ich glaube, ich habe Hungerphantasien,' stöhnte Jimmy und trocknete sich mit einer zweifelhaft sauberen Taschentuch die Stirn.
Aber das Bild blieb. Es war nicht länger verheimlichen: Ellinor Stanley und die Heim Betty Glynn, die vor einer Woche zu Mrs. Butt' ler in baä Boardinghaus gezogen war, toaif eine und dieselbe Person!
Jimmy war erschüttert von seiner Entdeckung
Sein Kops faßte es noch nicht ganz.
„Mancher merkt es nicht, daß er neben seines Glück herläuft, daß er nur zuzufassen braucht um 100 000 Dollar zu gewinnen," hatte Dettl gesagt.
Ja, er war nebenhergelaufen, er war fogat mit dem Glück im Kino gewesen, und hatte d nicht gemerkt. Unb dieser Ellinor Stanley, obe: Betty Glynn, wie sie sich genannt hatte, hall! er ein Theaterbillet schenken wollen. Dieser Frau die sicher nicht mehr zählen konnte, wie oft fu schon im Theater und sogar in der Metropolitan- Opera gewesen war, hatte er vom Theater vor' geschwärmt und getan, als ob er etwas davor. verstände, so eine Dummheit, sie mußte scho'- innerlich gelacht haben über ihn und seine Vc-- geifterung. (Schluß folgt)
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