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Donnerstag, N- April 1929

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)

Nr. 84 Dritter Blatt

Wechilanz 1928/29 des Arbeilsmiies Gießen

<1

Dom 1. Oktober 1928 an umfaßt der Bezirk des f brauchen in der Arbeitslosenversicherung auf Grund

mit

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heitlicher entwickelt.

Von K n u r, der den Leguerche zu spielen

Was wir gegen

Man befindet

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Die Rolle des (Softe

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Dies kann bloß nebenbei bemerkt werden: daß wir zur Zeit keinen Dramatiker haben, der das leistet, was Kaiser in seinen besten Dramen gestal­tet. Und derOktobertag" ist eines der besten, ine er je geschaffen hat: glänzendes Zeugnis für die Kunst des Denkspielers: aber auch ein Bekenntnis für seine dichterischen Kräfte: ein Gipfel der moder­nen Dramaturgie. (Man muß wohl bis zu Hebbel zu­rückgehen, um Aehnliches zu finden.)

Die Aufführung war die erste Arbeit des wieder­hergestellten Intendanten Dr. Prasch: eine aus­gezeichnete Arbeit-, wir freuen uns, dies ge­rade nach dem gestern gesehenen Gastspiel der Wie­ner seststellen zu können, und wir gratulieren.

Dies war die Aufgabe der Inszenierung: die Reali­tät der Vorgänge verständlich werden zu lassen und sie zugleich dem grellen Tageslicht ordinärer Wirk­lichkeit zu entrücken ins Traumhafte, ins Einmalige, ins Mystische. Das große Geheimnis muß spürbar werden und die Atmosphäre beherrschen. Man muß fühlen: etwas Außerordentliches begibt sich hier, das nicht mit einer Zeitungsnotiz oder einer Ge­richtsverhandlung aus der Welt zu schaffen ist. Transparenz der Vorgänge: das ist der Darztel- lungsstil, den das Schauspiel fordert, und der in dieser sehenswerten Aufführung verwirklicht wurde.

Die Rolle ist im Stil der Scanne d'Arc zu spie­len (nicht von Schiller, sondern von Shaw). Was von der Regie gesagt wurde, trifft im Schauspiele­rischen in allererster Linie auf sie: die Transparenz der Erscheinungen muß in ihren Worten und Ge­bärden zu empfinden sein. Sie ist eine visionäre Gestalt, eine demütige Besessene, eine Amokläuferin der Liebe, die niemandem etwas zuleide tut. Ein

ganz zartes und sanftes Geschöpf, das gleichsam geschlossenen Augen durch die Szenen ging.

Wer etwa eine chronique scandaleuse imOk­tobertag" findet, versteht ihn nicht. Wer über die Möglichkeit der Vertauschung nachgrübelt, dringt nicht zum Herzpunkt der Fabel vor. Wer nach dem Ausgang" desFalles" fragt und ein Dutzend unbeantworteter Fragen auf der Zunge hat, wenn der dritte Vorhang fiel, kann den untergründigen Sinn des Schauspiels, sein menschliches Gleichnis, nicht begriffen haben, Wer tzs mit dem modischen

zu einer schlichten ernüchternde Kälte

Für die Catherine ist in unserem Ensemble wohl nur eine Besetzung möglich: Trude Heß; und sie gibt hier, was man von ihr verlangt, __ -

das Stück zu sagen haben, ist so man es kaum vorzubringen

unbegreifliche Lachlust besten herauszufordern, in einem ernsten Stück.

sah man seit derTreibjagd" keine so fertige stung wie diese. Er stellt den Burschen hin, wie er ist: primitiv, brutal, gefährlich.

Anfänglich noch ein skrupelloser Händler und Unterhändler: zuletzt ein enttäuschtes und entfesseltes Tier, gegen das ein Scheck keine Waffe mehr ist, und gegen das nur noch entschlossenste Notwehr

Der Eindruck im Hause schien von einiger Un­ruhe und unangebrachter Heiterkeit abgesehen stark und überzeugend. Herzlicher Beifall rief zu­letzt den Intendanten mit den Darstellern wieder­holt an die Rampe. Dr.Thi ,

pörten, tobenden, strafgerichlverhängenden oäter nichts zu schaffen. Sie wurde von Ebert- G r as s o w sehr fein gegeben, obwohl man äußer­lich in ihn, nicht den französischen Typus findet, den man enoa nach dem Lesen erwartet.

Er trifft den Charakterumriß eines vornehmen

unbedeutend, daß .... . - .

braucht: gelegentlich eine Wendung, die wie aus dem Französischen übersetzt klingt. Und vielleicht ist die Dialektik des Leguerche nicht überall so geformt, daß dessen gesellschaftliche Stellung schon in der Ausdrucksweise hinlänglich von der seiner Gegen­spieler distanziert würde. Das ist alles.

(Sie darf nicht überraschend kommen, wenn das Ganze nicht an Niveau verlieren soll.) Diese Rolle ist die schwerste: alle andern sind einfacher und

Hier ist nicht die bequeme Szenenfolge und Bil­derbogenmanier der Expressionisten und ihrer Nach­kommen. Hier sind drei Akte alten Stils nach den harten Gesetzen einer großen Dramenarchitektur liik- kenlos und mit innerer Folgerichtigkeit meisterhaft zum Ganzen gefügt. Uebrigens in einer viel reifer, klarer und einfacher gewordenen Sprache, die die Härten und Schlacken des Expressionismus abschliff, ..... Sachlichkeit gedieh und doch die der jüngsten Richtung vermied.

noch vorhanden.

Als besonders bemerkenswert darf hervorgehoben werden, daß aus höheren Lehranstalten 54 Schüler und Schülerinnen die Berufsberatung in Anspruch nahmen, davon 24 Schüler und 12 Schülerinnen mit und mehr als Obersekundareife: 5 Ratsuchende waren Abiturienten. Die Berufsberatungsabteilung hat ein berufskundliches Archiv auch für alle aka­demischen Berufe eingerichtet. Berufskundliche Nach­richten, von einer Zentralstelle herausgegeben, un­terrichten schnellstens über alle Veränderungen im Berufs- und Wirtschaftsleben.

Der Aufbau des Berwattuugsapparats

Die für die Verwaltung des Arbeitsamtes gefun­dene gesetzliche Form ist neuartig. Für die Arbeits­vermittlung und Berufsberatung stellt sie neben den Vorsitzenden einen Verwaltungskörper aus Ver­tretern der Arbeitgeber, Arbeitnehmer und der öffentlichen Körperschaften, während bei der Ent­scheidung über Arbeitslosenversicherung die Ver­treter der öffentlichen Körperschaften nicht mitroir- ken. Der wirtschaftlichen Selbstverwaltung des Ar- beitsamtes ist dadurch weitgehend Rechnung ge­tragen.

In dem ersten Halbjahr des Bestehens des Ar­beitsamts Gießen als VmtsfteUe der Reichsanstalt

Oie Arbeitsvermittlung.

Im Winterhalbjahr konnte das Arbeitsamt 2842 männliche und 956 weibliche, zusammen 3798 Per- sonen in Arbeit vermitteln. Dieses Vermittlungser­gebnis ist noch keineswegs befriedigend. Würde die Arbeitgeberschaft des Bezirks von unserer Ver- mittlungseinrichtung in vollem Umfang Gebrauch machen, so würden zweifellos wesentliche Erspar­nisse in der Arbeitslosenversicherung gemacht wer­den können. Das Arbeitsamt ist infolge der großen Zahl der Arbeitssuchenden qualitativ und quonti- I tativ in der Lage, fast alle Wünsche auf Zuweisung

ritterlichen Herrn aus altem Hause von gepflegter Tradition, eines Menschen mit empfindlichen Be­griffen, ruhigem Denken, klarer und fultitnener Wortwahl, mit feinstem Ehrgefühl und unbeding­tem Willen zu Anstand, Sauberkeit und geordneten Verhältnissen: eine taktvoll abgemessene Leistung.

helfen kann.

Doch sollte sich der Darsteller hüten, die ohnehin mancher Zuhörer im min-

versicherung angehören.

Oie große Arbeitslosigkeit.

Der allgemeine Konjunkturrückgang und die Aus­wirkungen des langen Winters und der strengen Kälte haben auch in unserem Bezirk während des Winterhalbjahres eine Arbeitslosigkeit herbeigeführt, wie sie den früheren Arbeitsnachweisämtern Gießen, Bad-Nauheim und Friedberg unbekannt war. In unserem Bezirk wurden von der Arbeitslosigkeit insbesondere die Industrie der Steine und Erden, die Metall- und Maschinenindustrie, das Holz- und Schnitzstoffgewerbe, das Bekleidungsgewerbe, Bau­gewerbe und die Lohnarbeit wechselnder Art betrof­fen. Im Baugewerbe kamen infolge des harten

Arbeitsamtes Gießen mit Ausnahme des sogenann­ten Schützer Landes und einigen Gemeinden des südlichen Teiles des Kreises Friedberg die bisheri­gen Bezirke der Arbeitsnachweisämter Gießen, Bad- Nauheim und Friedberg. Im Gebiet des Landes- arbeitsamtes Hessen ist der Bezirk des Arbeitsamtes Gießen mit einer Gebietsgröße von 3057 Quadrat­kilometer räumlich der größte Arbeitsamtsbezirk, mit einer Bevölkerungszahl von 304 749 Personen, von- denen 47 094 dem Personenkreis der Arbeitslosen-

heiten:

Im ganzen fanden 7 16 Beratungen (472 für Knaben, 244 für Mädchen) statt. Auf Grund der Be­ratung haben 74 (49 Knaben, 25 Mädchen) ihr Berufswunsch geändert. In 25 Fällen (bei 18 mi ben, 7 Mädchen) war besonderes ärztliches Gut- achten erforderlich. 9 2 (75 Knaben, 17 Mädchen) konnten in Lehrstellen vermittelt werden. 158 offene Lehrstellen (110 für Knaben, 48 für Mädchen) sind

der gesetzlichen Bestimmungen entgegenzuwirken. So hat es im Laufe des Winterhalbjahres in 2095 Fäl­len auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen Un­terstützungsgesuche abgelehnt, Unterstützungen ge- sperrt oder abgesetzt. Aus diesen Ablehnungen und Sperrungen haben sich bisher 639 Einsprüche beim Spruchausschuh ergeben, denen in 84 Fällen teil­weise oder ganz ftattgegeben wurde. Der Spruch- ausschuß hat in seiner Tätigkeit zweimal je einen Tag Haft wegen grober Ungebühr im Verhand- lungsraum und vier weitere Ordnungsstrafen ver- hängen müssen.

Frostes selbst Personen zur Entlassung, die in früheren Wintern von den einzelnen Firmen noch als Stammpersonal in Beschäftigung gehalten wur­den. Erst Mitte März setzte die Entlastung des Ar­beitsmarktes nur schwach und zögernd ein. Der Erd­boden war immer noch hart gefroren, so daß die Aufnahme der Außenarbeiten mit großen Schwie- rigteiten zu kämpfen hatte. Die Vermittlungen nah­men gegenüber dem Monat Februar zwar um das Doppelte zu, doch blieben die erhofften Massenab- rufe von Arbeitskräften leider noch aus. Ein merk­barer Rückgang der Arbeitslosigkeit gegen Ende des Monats März war lediglich in der Industrie der Steine und Erden, im Holz- und Schnitzstoffgewerbe und im Baugewerbe zu verzeichnen, lieber die außerordentliche Belastung des Arbeitsamtes und die Mitte März einsetzende rückläufige Bewegung qibt dte obige Kurve über die Arbeitslosigkeit im Bezirk des Arbeitsamtes Gießen Aufsschluß.

Das Vorgehen gegen Mißbräuche.

Dem Arbeitsamt wurde während des Winterhalb­jahres öfter zum Vorwurf gemacht, daß es an Personen Unterstützung zahle, die für den Unter­stützungsbezug nicht berechtigt seien. Die sofortige Nachprüfung solcher Fälle ergab, daß die betreffen­den Personen sich unter Vorlage falscher Dokumente in den widerrechtlichen Bezug der Arbeitslosenunter- stützuna ge etzt hatten. Es muß deshalb darauf hin- gewiesen werden, daß Arbeitgeber oder deren Stell- Vertreter, die etwa aus Gefälligkeit ober um Unbe- auemlichkeiten zu vermeiden wahrheitswidrige Am gaben in den Arbeitsbescheinigungen machen, sich der Beihilfe zum Betrug schuldig machen. Das Ar­beitsamt erstattet in solchen Fallen Strafanzeige. Im übrigen ist das Arbeitsamt bemüht, den Miß-

Gießener Gtadttheater.

Georg Kaiser:vktobertag".

Er ist die Sphinx unter den modernen Dramatikern." Diebold über Kaiser.

Dies ist kein Kriminalstück, sondern, wie in einer szenischen Vorbemerkung von Kaiser selbst betont Ätrb, ein Liebesstück. Etwas ganz Altertümliches. In manchem Sinne fast: ein mittelalterliches Stuck, obwohl in modernen Kostümen dargestellt. So etwas gibt es also noch?

Das gibt es: und der begabteste unserer Drama­tiker der im Handwerk virtuoseste, der dichterisch schweifendste, der seine Phantasie durch alle Zelten und Schauplätze der Welt beflügelt, hat es geschrie­ben: so zwar, daß der realeFall" ins Unwirkliche verfinft, daß der kriminelle Unterton ganz unwe- ^es^bleibt nur die Idee der Fabel, die Magie der Handluna, die Begebenheit aus der großen und unerschöpflichen Geschichte des menschlichen Herzens.

Das Schauspiel hat allenthalben einen starken Erfolg gehabt. Die Kritik hat einhellig die außer­ordentliche Leistung anerkannt. Wem das nicht ge- 72 etoa über den Stoff stolpert, den man Heckel nannte -heikel" ist eigentlich ,eter Stoff: es kommt darauf an, in meßen Hande er flerat, und msTraus gemacht wird -, ter fei Karan er- innert, daß das Thema nicht heikler ist als m ter Kleistschen Novelle von terMarquise von O. Und daß eins der wichtigsten Motive, das der Ver­tauschung, schon im nochshakespeareschen Drama, bei dem Engländer Thomas Otway sich findet in dem TrauerspielDie Waise".*

An einem vierzehnten Oktober ist das Fräulein Catherine Coste, bester französischer ^ani.l'e ent­stammend, dreimal hintereinander m der kleinen ©tobt dem Leutnant Marrien begegnet: vor emem Juwelierladen, in der Kirche und abends in ter Oper. Sie kennt ihn nicht, wie er sie nicht kennt, ja nicht einmal bemerkt hat. Durch einen jungen Zufall erfährt sie seinen Namen, erblickt in der drei maligen Wiederholung der Begegnung 'M Tages­ablauf - die sie als Verlobung, Trauung und Hochzeitsfest deutet mehr als den Zufall, das Schicksal ihres Lebens. Sie liebt ihn und glaubt an eine vierte Begegnung mit ihm in der Nacyt.

Catherine bekommt ein Kind. Der Leutnant, vom Oheim des Fräuleins gestellt, leugnet die Vater­schaft und bietet Beweise an, ein Alibi, nachdem schon seine Angaben sich erschütterten. Da meldet sich, allen unerwartet, Leguerche, ein Metzgergeselle: der schlich in jener Oktobernacht ins Haus der Coste

von Arbeitskräften befriedigen zu können. Nach un­seren Berechnungen würbe bie Arbeckslosenversiche- rung in unserem Bezirk in einem einzigen Jahre rund 340 000 Mark sparen können, wenn alle Be­triebe ihren Bedarf an Arbeitskräften restlos durch unsere Vermittlungseinrichtung decken würden.

Oie Ausgaben.

Die Ausgaben haben in unserem Bezirk gegen­über der gleichen Zeitspanne des Vorjahres sich nahezu verdoppelt. Im einzelnen betragen die Kosten des Arbeitsamtes:

A. Verwaltungskosten: a) persönliche Kosten 100 763,81 Mk. = rund 3,6 o.H.; b) sächliche Kosten 37 263,79 Mk. -- rund 1,3 v.H.

B. Besondere Maßnahmen in der Arbeitslosen­versicherung und Berufsberatung 3890,20 Mk. - rund 0,1 v.H.

C. Arbeitslosenversicherung: a) Unterstützungen 1929884,72 Mk. - rund 68,9 v.H.: b) Kranken­kassenbeiträge 200 037,05 Mk. = rund 7,1 v. H.; c) Versicherungsbeiträge 222 Mk.: d) Kurzarbeiter­unterstützungen 6979,80 Mk. = rund 0,2 v. H.: e) Kosten des Spruchverfahrens 412,80 Mk.; f) Son­stige Aufwendungen 274,69 Mk.

D. Maßnahmen zur Verhütung und Beendigung der Arbeitslosigkeit 3089,67 Mk. = rund 0,1 v.H.

E. Sonberfürsorge: a) Unterstützungen 445 695,13 Mark = rund 15.9 v.H.: b) Krankenkassenbeiträge 21 978,65 Mk. - rund 0,8 o. H.

F. Krisenunterstützungen: a) Unterstützungen 39 494,10 Mk. = rund 1,4 v. H.; b) Krankenkassen­beiträge 3865,60 Mk. = rund 0,1 v. H.; c) Versiche­rungsbeiträge 286,60 Mk.; d) Reisekosten 459,10 Mk.

G. Einmalige Ausgaben 5397,42 Mk. = rund 0,2 v. H. (Erstmalige Anschaffung von Geräten.)

Der Höhepunkt ihrer Leistung ist die große besszene mit Marrien; den spielt Arzdorf, auch er gibt in dieser Szene fein Bestes her. Er war überhaupt gut im äußern Bild, in Tonfall und Haltung, und was entscheidend ist für seine Be­wertung er begreift und gestaltet die einschnei­dende Wendung und Wandlung im zweiten Akt.

I Kriminaldrama verwechselt, tut es auf eigene Gefahr. Wer sich nur am Theaterstück freut, vergißt das Beste.

zum Stelldichein mit einer Zofe. Catherine, die un­erschütterlich ist im Glauben an ihr geheimnis­volles Schicksal und an ihren Geliebten, nahm | Leguerche unerkannt für Marrien.

Der Metzger, von seiner Braut, der eifersüchtigen Zofe, aufgehetzt, kommt als Erpresser. Coste, der Oheim, bewilligt, um den Skandal zu vermeßen, die Forderung. Da zerreißt Marrien, wie aus einem Traum erwachend, den Scheck: die Magie des vi­sionären Gefühls der Catherine ist auf ihn über- gesprungen, entzündet auch ihn. Der Schicksalsring schließt sich um sie beide, er liebt Catherine und er will, daß ihr Kind auch sein Kind sei.

Er verläßt in einem Augenblick, der alles in ihm über ben Haufen wirst, fein ganzes bisheriges Leben, das Regiment, die Stellung, bie Familie, den Ruhm, um mit Catherine zu fliehen... ms Ungefähr, auf eine Insel der Verheißung, ins Gluck, irt ben Traum. Den mit zwiefach gesteigerten For- berungen wieberkehrenben Leguerche ersticht der Leutnant Marrien, in äußerster Bebrängnis, um sich und dem Mädchen ben Weg frei zu machen.

Dies ist das Wunderbare: daß die forensische Be­deutung der Fabel ins Nebensächliche versinkt. Nach dem Totschlag wird nicht mehr gefragt. Der Ring ist geschloßen. Diemystische Union" Coste wah t einmal mit Bedacht diesen mittelalterlichen Begriff zur Kennzeichnung der Gefühlslage im Drama ist vollendet.

Das Unzeitgemäß-Außerordentliche ist hier: die Absage an die nüchterne Aufgeklärtheit der Gegen- wart; der geistigste Dramatiker, der uns beschieben ist, erweist sich hier, wie schon oft zuvor, etwa mit demBrand im Opernhaus", als der ge­heimnisvollste, als Magier und Herzspieler.

Das Denkspielerische, das Technische, das geniale Handwerk versteht sich bei ihm von selbst. Die Kon- struktion der Akte, mathematisch genau, von gläser­ner Durchsichtigkeit, ist umkleidet von Romantik, ist erfüllt vom Wunderbaren; denn diese Idee ent­rückt das Schauspiel der nüchternen Stofflichkeit an der man sich nicht verfangen darf: wie der dichter hinter dem Alltag ter Dinge das Einmalige und Besondere, hinter dem tausendfältig platten Zufall das unentrinnbare Schicksal aufspürt.

für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung tagte der geschäftssührende Ausschuß zwölfmal.

Der geschäftsführende Ausschuß, der aus je einem Arbeitgeber-, Arbeitnehmer- und Behördenvertreter mit dem jeweiligen Stellvertreter besteht, beschäftigtc sich in seiner ersten Sitzung mit ben Vorschlägen des Vorsitzenden über ben bezirklichen Aufbau des Ar­beitsamts. Der Schwerpunkt des 'Arbeitsamts liegt nid)t etwa in der Stadt Gießen, sondern er liegt, da Gießen einen ausgesprochen ländlichen Bezirk bar­stellt, auf bem Lande, in der Provinz. Um nun neben anderen wichtigen Aufgaben, bie das Arbeitsamt zu erfüllen hat, feine Hauptaufgabe, nämlich eine rich­tige Arbeitsvermittlung, durchführen zu können, wurde einstimmig beschlossen, Nebenstellen zu er­richten. Im Laufe des Winterhalbjahres konnten Nebenstellen eröffnet werden, und zwar am 5. Fe­bruar 1929 in Salz, am 12. Februar in Eulersdorf, am 25. Februar in Gießen für die Landgemeinden, am 5. März in Bad-Nauheim, am 18. März in Friedberg, am 21. März in Heldenbergen und am 25. März in Rodheim v. d. H.

Die Eröffnung der anderen 15 'Nebenstellen soll in rascher Reihenfolge vorgenommen werten, so daß innerhalb der nächsten Wochen sämtliche Nebenstellen errichtet sind. Durch ihre Eröffnung werden 396 Gemeinden abgelost und bie Kosten für diese Nebenstellen sind geringer, als die bis­herigen Kosten, die mit dem Verkehr mit ben Bürgermeistereien entstanden sind. Durch die De- fetjung der Nebenstellen wird auch keine Ver­mehrung der Veamtenzahl eintreten.

Am 12. November 1928 tagte der große Ver- waltungsausfchuß des Arbeitsamtes. Er beschäf­tigte sich vor allem mit ter Genehmigung der vom Geschäftsführenden Ausschuß schon durchberatenen Haushaltspläne für 1928 und 1929.

Oie Sondersürsorge.

Das Gesetz über eine Sonderfürsorge bei berufs­üblicher Arbeitslosigkeit vom 2. Dezember 1928, die Verordnung hierzu vom 18. Dezember 1928 und die Anordnung vom gleichen Tage brachten dem Arbeitsamt eine außerordentücheMehrarbeit. die nur unter Hinzunahme von Aeberarbeit be­wältigt werden konnte. Die Zeit der berufsüb­lichen Arbeitslosigkeit wurde vom Derwaltungs- ausschuh des Landesarbeitsamtes Hessen mit Wirkung vom 16. Dezember 1928 bis 30. März 1929 festgesetzt. Alle diejenigen Arbeitnehmer, die am 16. Dezember 1928 bereits arbeitslos ober an diesem Tage arbeitslos geworden waren, hatten nach den neuen gesetzlichen Bestimmungen, soweit sie ter Gruppe der Saisonarbeiter ange­hörten, einen Anspruch auf versicherungsmäßige Arbeitslosenunterstützung von nur 6 Wochen. Sie schieden somit am 26. Januar 1929 aus der ver­sicherungsmäßigen Arbeitslosenunterstützung ans und nur, wenn bei ihnen Bedürftigkeit an­erkannt wurde, konnten sie eine Sonderunterstüt­zung beziehen bis zur Dauer der festgesetzten berufsüblichen Arbeitslosigkeit, selbstverständüch nur unter ter Voraussetzung, daß sie bis zu diesem Zeitpunkt noch arbeitslos waren.

Die Kosten für die Sonberfürsorge trägt zu vier Fünfteln das Reich und zu ein Fünftel die Reichs- anstatt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenver- cherung. Diese Regelung war eine Notwendigkeit, weil sonst die Reichsanstalt finanziell noch viel schwe­rer, wie es bisher der Fall ist, belastet worden wäre.

Oie landwirtschaftlichen Kleinbesitzer.

Große Schwierigkeiten hatte das Arbeitsamt and) mit den landwirtschaftlichen Kleinbesitzern, die in regelmäßiger Wiederkehr im Sommer als Saison­arbeiter eine unselbständige Tätigkeit übernehmen und bann, wenn sie aus saisonmäßigen Gründen ihre unselbständige Beschäftigung verlieren, in ihren landwirtschaftlichen Betrieb zurückkehren.

Diesen landwirtschaftlichen Kleinbesitzern mußte das Arbeitsamt auf Grund einer ergangenen Scnatsent- scheidung die Arbeitslosenunterstützung versagen. Das Arbeitsamt Gießen ist deshalb von vielen Seiten

Gesamtausgaben im Winterhalbjahr 1928/29 2799 995,13 Mark.

Oie Berufsberatung.

Die Abteilung Berufsberatung besteht nun vier Monate. Manches ist noch zu organisieren, und es darf gesagt werden, vieles ist schon geschehen. Be­sonders hat sich die Zusammenarbeit mit den Volks­schulen sehr erfreulich entwickelt. Das ist in erster Linie den Herren Kreisschulräten und den Herren Leitern der Gießener Schulen zu danken, die sich sofort mit regstem Interesse für die öffentliche Be­rufsberatung eingesetzt haben. Auch die Herren Ent­laßklassenlehrer unseres ganzen Arbeitsamtsbezirks (Oberhessen), deren Mitarbeit vor allem durch Aus­füllung der Schüler-Personalbogen zugleich eine ver­antwortungsvolle Mehrarbeit bedeutet, bringen in überwiegender Mehrheit der Berufsberatung größ­tes Interesse entgegen.

Die notwendige Zusammenarbeit mit den Wirt­schaftsvertretern, Arbeitgebern und Arbeitnehmern, kann ebenfalls als sehr erfreulich bezeichnet werden. Die Anmeldung von bisher 254 offenen Lehrstellen bei der Berufsberatungsabteilung find ein beachtens­werter Anfang für das Ziel, möglichst alle offenen Lehrplätze bei einer Zentralstelle zu sammeln, um im Interesse der Berufssucher, der einzelnen Arbeit­geber und der ganzen Volkswirtschaft den nötigen Ueberblid über den Lehrstellenmarlt zu erhalten.

Handwerksmeister und Industrielle haben wieder­holt die Vornahme von Eignungsprüfungen ge- wünscht. Doch fehlte noch die nötige Apparatur und der Prüfraum, um diesen Wünschen Rechnung tra­gen zu können. Da nunmehr das Landesarbeitsamt die erforderlichen Mittel bereitgestellt hat, wer- den alsbald die Eignungsprüfungen vorgenommen werden.

Die Jugendämter, die viele Fürforgezöglinge und Waisenkinder zu betreuen haben, nehmen nicht selten die Berufsberatung in Anspruch. Es ist zu roün- schen, daß sie allmählich alle unter ihrer Obhut und vor der Berufswahl stehenden Knaben und Mäd­chen unserer Abteilung zur Beratung und Bermitt- lung zuführen. Dies wird erleichtert werden nach Einrichtung regelmäßiger Sprechstunden in sämt­lichen Kreisstädten des Arbeitsamtsbezirkes. Aus der bisherigen Berufsberatungs- und Bermittlungs- tätigfeit ergeben sich zusammen folgende Einzel»

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Ott Artel tsfosWU hi Bezirk des Arbeitsamt», Slessea Winterhalbjahr. 1929/2»