Ausgabe 
10.7.1929
 
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Mittwoch, 10. Juli 1929

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gbertzeffen)

Nr. 159 Zweites Blatt

über die heft von heften Turnern den, die

Ich bin an einem großen Binnensee, wo die Segel wie Schmetterlinge übers Wasser ziehen. Das Schilf

an Paris zersprengt werden sollten. Auch diese Krise zeigt, daß es in dem Kampf Elsaß-Lothrin- gens mit den alten Parteiformeln nicht mehr geht; die Kampffronten laufen eben heute hier ganz anders, als es den schönen Schablonen ent-

vom 1. Oktober 1929 ab zum ordentlichen Pro­fessor für Hochbau und Entwerfen in der Hoch­bau-Abteilung der Technischen Hochschule zu Dresden ernannt worden.

Professor Dr. Edmund Mezger in Marb urg hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl des Strafrechts an der Universität Kiel als Nach» folger von Professor E. Schmidt abgelehnt.

Welchen Sport soll ich treiben?

Die Beantwortung dieser Frage hängt in be­deutendem Maß von der Konstitution ab, worauf leider sehr häufig nicht genügend geachtet wird. Man kann nur dann Sporterfolge erzielen, wenn man so gewachsen ist, wie es der gewähle Sport

Lochschulnachrichten.

Prof. Dr. jur., Dr. theol. h. c. Günther Hol­stein in Greifswald hat den an ihn er­gangenen Ruf nach Tübingen abgelehnt, hin­gegen nach Kiel als Rachfvlger Prof. W. 3et- lineks auf dem Lehrstuhl für Staats-, VerwcU- tungs-, Kirchen- und Völkerrecht angenommen. Prof. Dr. Phil, et med. Ernst G e l l h o r n in Halle hat den Ruf an das Departement ot Animal Biology der Staatsuniversität von Oregon (Ll.S.A.) angenommen. Der bis­herige o. Professor an der Technischen Hoch­schule in Karlsruhe. Hans Freese, ist

ist hoch, doch es gibt hier kleine Kanäle. Auf einem Punt" gleitet man langsam durch ihre Windungen und sieht sich plötzlich vor dem freien Wasser.

Da ist der See. Ja, das ist der Norden mit seiner herben Fläche. Waren nicht einmal Gebirge hier? Sah ich nicht Schneelasten über dem dunstigen Ufer? Nie waren Gebirge hier, nie haben sich in diesem dunklen Wasser Gletscher gespiegelt. Doch alle Wol­ken finden in ihm ihr Bild, die Sonne sinkt in ihm hinein, und die Schwalben spielen über seinen

spricht.

Die 'Versammlungen, die seit Befanden in den verschiedensten Orten abgehalten worden sind, zei­gen, daß von einer Beruhigung keine Rede sein kann. Eine rasche Amnestie hätte sie anbahnen können; aber es hätte ihr alsbald ein Programm von wirklichen Reformen folgen müssen. Doch Pa­ris denkt offensichtlich weder an eine Umstellung seiner Sprachen- und Schulpolitik, noch an sonsti­ges Eingehen auf die Forderungen der Heimat­bewegung. Man täuscht sich immer noch über die Tiefe des Konflikts hinweg, betrachtet unbegreif­licherweise die Autonomisten noch immer alseine Handvoll Unruhestifter" (so derTemps" in den letzten Tagen), gerade als hätte das Volk sich nicht immer wieder zu dieserHandvoll" bekannt und ihnen Mandate zur französischen Kammer, zu ben Generalräten und Gemeinderäten gegeben. Da Frankreich in seiner Verblendung beharren will, muß mit wachsender Verbitterung im Lande ge» rechnet werden. Der Beschluß der neuen Straß­burger Stadtverwaltung, für den französischen Nationalfeiertag (14. Juli) keine Kredite mehr zu bewilligen und auch die Kosten der üblichen Mün- sterbeleuchtung zusparen", sollte erkennen lassen, wie weit die Proteststimmung weiter entwickelt ' ' spiele

erkennenden Worten der Männer gedenkend, die den Zusammenschluß fertiggebracht hätten. Ein Vertreter des Lahntal-Sangerbundes über­brachte dessen Glückwünsche und forderte zur Treue zum deutschen Liede auf. Hierauf be­gannen die Gesangvorträge der einzelnen Ver­eine, die bis zum Schlüsse ein interessiert lau­schendes Publikum fanden und recht beachtliche Leistungen aufwiesen.

4- Grünberg, 9. 3uli. Am Sonntag begin­gen die Fünfzigjährigen eine Wieder­sehensfeier. Von den 41 des 3 a Ij r g a n » ges 1 8 7 9 befinden sich noch 31 am Leben, die sich auch alle, zum Teil aus weiter Ferne, ein­gefunden hatten. Am Morgen fand gemeinsamer Kirchgang statt, und der Geistliche, Dekan Schmidt, nahm in seiner Predigt über den Text: Apostelgeschichte Kap. 5 Vers 3442 Be­zug auf diese Veranstaltung. Hierauf begab man sich zum Friedhof, wo an den Gräbern der ver­storbenen Schullameraden Kränze niedergelegt wurden. Ebenso ehrte man auch durch Kranz- niederlegen das Andenken des Ehrers Reuß, bei dem damals die Schulentlassung erfolgte, und in gleicher Weise den damaligen Pfarrer Koch, der die Konfirmation leitete. Hierbei gedachte Zahntechniker H. Selb mit ehrenden Worten der beiden Männer, die noch heute in gutem Andenken bei ihren einstigen Schülern stehen. Der Rachmittag vereinigte nach einem Spaziergang durch das Drunnental die Fünfzig­jährigen mit ihren Angehörigen zu einer ge­meinsamen Zusammenkunft in derVilla Emilia". Unter ernsten und heiteren Ansprachen und Aus­tausch manches Erlebnisses aus der Schulzeit nahm die Feier einen schönen Verlaus, und man trennte sich mit dem Versprechen, nach fünf Zähren eine abermalige Zusammenkunft abzu­halten. Erwähnenswert ist noch, daß von den Fünfzigjährigen, soweit sie am Weltkriege teil- genommen haben, alle wieder glücklich zurück- gekehrt sind.

Kreis Friedberg.

2$. Dad-Rauheim, 9. 3uli. Der Stadt- r a t beschloß in seiner heutigen Sitzung den Beitritt zum Versicherungsverband hessischer Gemeinden, der zwecks Durch­führung der Unfallversicherung in den Gemein­den vom Minister für Arbeit und Wirtschaft durch Verordnung vom 29. 3uni 1929 gegründet worden ist. Zur Herstellung von Stra­ßen und Bürgersteigen in Reubau­bezirken wurden die angeforderten Kredite in Höhe von 14 000 Mk., 22,700 Mk. und 5400 Mk. bewilligt, ebenso 25 500 Mk. für die Kanalisie­rung eines neubebauten Strahenzugs. gür_ die Verbreitern ng der alten Usabrücke im Zuge der Lindenstraße wurden 14 000 Mk. be­reitgestellt. Die Bauausführung ist als ein Pro­visorium dringend notwendig, da die mit dem Staate gepflogenen Verhandlungen über Er­bauung einer großen modernen Drücke an dieser Stelle in nächster Zeit noch nicht zum Abschluß kommen werden. Die heutige Sitzung hatte viele Zuhörer angelockt. Der Punkt, der diese An­ziehungskraft ausgeübt, nämlich die bauliche Erweiterung des Konihkhstifts, war aber von der Tagesordnung abgesetzt worden.

Kreis Büdingen.

h. R i d d a, 8. 3uli. Am Samstag war für unsere katholischen Mitbürger und die Mitglieder des sehr ausgedehnten katholischen Kirchspiels Ridda ein besonderer Festtag. Zum ersten Male seit Bestehen der hiesigen katholischen Pfarrei seit 27 3ahren weilte der Bischof Dr. Ludwig Maria Hugo aus Mainz in unserer Stadt. Um 19 Uhr am Freitag hatten sich fast alle Katholiken von hier und der näheren Umgebung vor der Kirche versammelt, deren Hof und 3nneres mit gelbweihen und rotweitzen Fah-

Asaß-Lothringen ist nicht beruhigt

Von unserem Straßburger Mitarbeiter.

Straßburg, Juli 1929.

Zwei Tage nach dem Frei sprach von Be­ n $ o n hatte das französische Kabinett unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik den löblichen Entschluß gefaßt, dem Parlament die B e g n a - digung aller politischenVerbrecher" in Elsaß-Lothringen anzuempfehlen. Wer von Natur zu rosiger Weltanschauung neigt, sah darin den lang erwarteten Umschwung der Elsaß- Politik. Diesen Optimisten erschien es auch nur als Schönheitsfehler, daß die Begründung des Gesetz- entrourfs von beginnender Einsicht in die wirklichen Probleme sogar wenig (ober nichts) zeigte. Aber bann kamen einige Aufsätze besTemps", die kei­nerlei Wandlung der politischen Auffassung in Frankreich vermuten lassen, und bis heutigen Tages weiß man noch nicht, ob und wann die Kammer zu dem als besonders dringlich bezeich­neten Amnestieentwurf sich äußern wird. Nun mag die Frage der amerikanischen Schulden gewiß an einer Verzögerung Schuld tragen; aber man wird ben Verdacht nicht los, daß Poincarö mit dem Ge­setzesvorschlag nur eine Blendwirkung nach dem Ausland hin erreichen wollte (und tatsächlich vielfach erreicht hat), doch an ra­scher Beratung kein Interesse hat. Jnnerpolitische Schwierigkeiten spielen mit: die sozialistische Frak­tion will keine Teilamnestie für Elsaß-Lothringen, sondern eine allgemeine, und sie hofft daburch bie Kommunisten und die äußerste Rechte in ihren Entschlüssen schwankend zu machen. Jedenfalls hat man eine Woche lang nichts mehr von dieser dringlichsten französischen Aufgabe gehört.

Inzwischen hat hierzulande eine bezeichnende Reinigungskrise in der kommunisti - scheu Partei eingesetzt, die in ben vergangenen Jahren, besonders auch in ben kritischsten Zeiten der Autonomistenverfolgung den bürgerlichen Hei­mattreuen zur Seite gestanden ist, deren Pro­grammziel, die Selbstverwaltung, sie als Teillösung ihrer eigenen Forderungen betrachten konnte, welche bekanntlich in der Volksabstimmung gipfeln als der vollen Verwirklichung des Selbstbestim­mungsrechtes. Es gab aber stets einige Führer innerhalb der elsaß-lothringischen Kommunisten, die dasPaktieren" mit bürgerlichenKlassenfein­den" als Prinzipienverrat ansahen. Diese Grund­satzfanatiker bie dabei schlechte Kenner der wirklichen Dolksstimmung sind haben sich feit den Maiwahlen zu den Gemeinderäten besonders hervorgewagt. Sie erreichten bei der Pariser Par­teizentrale eine Verurteilung der Bündnisse mit den Autonomisten und einen Ausschuß derDiszi­plinlosen", die z. B. in Kalmar und hier in Straß- bürg ihrem Zusammengehen die bekannten gro­ßen Erfolge zu danken babem Nach dem Frei­spruch von Besan^on verschärften sich die Gegen­sätze. Sie sind nun Ende letzter Woche in einer kommunistischen Volksversammlung in Straßburg zu offenem Austrag gekommen, wo sich aber die namhaftesten Führer der elsässischen Kommunisten, der Straßburger Abgeordnete Maurer und der Straßburger Bürgermeister Hueber offen zu den Autonomisten bekannten und sich dadurch in Gegensatz zu den Pariser Parteibeschlüs­sen stellten. Das Parteiorgan, die deutschsprachige Humanitä", die in Metz gedruckt wird, befindet sich in Händen der Fanatiker des Klassenkampfes. Hier wird denn auch offen mit schärfsten Maß­regeln gedroht.

Man wird nicht annehmen können, daß dieser Riß nochmals völlig überkleistert werden kann. Sicher ist nur, daß die weitaus größte Mehrheit derer, die im Elsaß kommunistisch wählten, auch weiterhin mit den Autonomisten, selbst benkleri­kalen" Heimatrechtlern um Pfarrer Haegy gehen werden, auch wenn dadurch die Parteibindungen

nen, Girlanden und Blumen prächtig geschmückt war. Pfarrer Gondlof von hier begrüßte in kurzer Ansprache ben Bischof, der sich alsdann mit der Versammlung in die Kirche begab und eine Andacht hielt. Samstag früh, 7 Uhr, fand bischöfliche Messe und Spendung der heiligen Kommunion statt. Aus den katholischen Pfar­reien Ridda. Büdingen und Lich hatten sich sehr viele Gläubige in der Kirche versammelt. Um 9 Uhr folgte ein levitiertes Hochamt mit Predigt des Bischofs. 3n diesem Gottesdienst wirkte auch der Kirchenchor unter Leitung von 3ustizinspek- tor D a p p e r durch seine vortrefflichen Chöre mit. Rach der Predigt wurden etwa 60 Kinder aus den angeführten drei Pfarreien gefirmt. Weiter folgte noch eine Religionsprüfung der katholischen Schüler in der Kirche. Mit einer Dankandacht wurden nachmittags die Feierlich­keiten beendet.

h. BadSalzhausen, 9. 3uli. 3n der Rächt zum vergangenen Samstag wurden hier zwei. Einbrüche ausgeführt. Man nimmt an, daß Einbrecher von auswärts mittels eines Autos hierher gekommen sind. Durch ein offenes Fenster drangen sie in das Kurhaus ein. Ferner drückten sie im Hotel 3rle eine große Scheibe ein und öffneten dann von Innen ein Fenster, um einsteigen zu können. Auffallend ist, daß der große Hofhund im Kurhaus nichts gemeldet hat. 3n beiden Häusern wurden wertvolle Ge­genstände gestohlen. Seit vielen 3ahren war hier kein Einbruch mehr vorgekommen.

4 Ortenberg, 9. Juli. Die Straße S e l - ters Ranstadt, welche bis zum Ranstäbter Berg gepflastert worben ist, ist fertiggestellt und wirb in aller Kürze bem Verkehr freigegeben. Wäh- renb bie Straße RanstabtNidda im vergangenen Jahre von Ranstadt bis auf ben Nibbaer Berg mit Kleinpflaster versehen wurde, wird augenblicklich der übrige Teil von der Höhe bis nach Nidda gepflastert. Die projektierte Pflasterung von Orten­berg nach Selters wurde verschoben unb bie schon angefahrenen Steine roieber wegtransportiert, ba zunächst eine Straßenverbreiterung, von welcher schon vor bem Kriege bie Rede war, vor­genommen werden soll. Der Zustand, der dadurch, daß die Bahn hier direkt neben der Straße herläust, entstanden ist, ist unhaltbar geworden.

'"Bleiben bad), 9. 3ult. Das Wertungs­singen nach Punktiersystem mit Diplomvertei­lung des hiesigen GesangvereinsSän­ge r l u st" für den 22. September ist zustande gekommen. Da noch einzelne Klassen offen sind und um Vereinen Gelegenheit zu geben, sich noch nachträglich zu melden, findet am 21.3uli ein zweiter Delegiertentag statt.

js W e n i n g s , 9. 3uli. Gestern und heute fand in hiesiger Gemeinde die Heugrasverstei­gerung statt. Aus weiter Umgegend hatten sich viele Kauflustige eingestellt. Zur Versteigerung kamen ungefähr 800 bis 900 Morgen, die seitens der Gemeinde gut gedüngt waren, so daß auch durchschnittlich vorzügliches Futter vorgefunden wurde. Die ersten Doppelmorgen kamen auf 80 bis 90 Mk. Dann wurde weitergeboten bis zu 130 bis 150 Mk. Drei Morgen erhielten den enormen Preis von 241 Mk. Zu bemerken ist noch, daß diese Wiesen nur einschürig sind: im Herbst weidet das Weningser Vieh daraus.

Kreis Schotten.

Y Gedern, 9. 3uli. Der neu eingelegte Schweinemarkt, der heute hier abgehalten wurde, erfreute sich eines auhergewöh: ch star­ken Zuspruchs, besonders an Käufern. Es waren insgesamt 286 Tiere aufgetrieben. Fünf bis sechs Wochen alte Ferkel kosteten 45 bis 50 Mark, sechs bis ad)t Wochen alte 50 bis 60 Mark, Läufer, je nach Qualität, 75 bis 120 Mark. Der Handel war äußerst lebhaft. Rach knapp zwei Stunden war der Markt ausverkauft.

verlangt. Eingehende Erhebungen an ausgesucht sporttüchtigen Personen haben Sporttypen ergeben, sich Pros. Dr. W. S e i f f e r t im Juli­

worben ist. Man hät den Einbruck, als Frankreich verwegen mit bem Feuer.

Oberheffen.

Lar.rireis C'ctzen.

Träume an Binnenwassern.

Don Frank Thieß.

Währenb ich schreibe, schaut durch mein Fenster eine liebliche Landschaft, eine junge Wiese mit Wei- ben unb Erlen, am Ranb bes Blickselbes ein Boots­haus unb bann in silbrig schimmerndem Grün bie Bucht bes Sees. Dahinter eine anbere Wiese unb Gebüsch, Hügel unb blühenbe Pflaumenbäume.

Ich bin auf bem Boot, bas unten liegt, vor einer Stunbe hinausgerubert. Da war ein atmenber Mor­gen um mich, Sonne durchbrach die Nebel, der See glänzte auf, ringsum blühte das Land. Wie ich aber wendete, um heimzukehren, sah ich plötzlich die rie­sige Kette der Berner Alpen aus dem Horizont stei­gen. Ich hatte über ben zarten (Behüben vergessen, baß auch bie großen Berge ba sinb. Sie schwebten mit ihren beschneiten Kuppen unb Gletschern über bem grünen Ufer, weit unb magisch im Raum. Ich senkte bie Ruber unb sah sie an.

Niemanb war auf bem See außer mir. Von Hallwil her schlug bie Kirchenglocke zehn langsame Schläge. Sie waren noch in ber Luft, als bas Ohr sie schon vergessen hatte. Sie summten nach, unb bie glatte Wasserfläche erzitterte ein winziges Bischen. Dann kam ein Zitronenfalter über meinen Kahn hingetaumelt, unsicher wie trunken von bem Licht, nach ihm eine Hummel, beren Gebrumm rasch an­schwoll unb verlosch. Unb bann war ich allein.

Die Sonne rötete bie noch winterlich blasse Haut, ein kleiner Winb sprang burch bie Haare unb brachte ben Schall zweier Stimmen mit, die im Weinberg waren. Ich blickte auf, ja, ba arbeiteten zwei Ge­stalten, eine Frau und ein Mann.

Jetzt sah ich vor mid) hin: ba ist ein Boot und ein Rücksitz mit Lehne. Er ist leer, eine Kleinigkeit liegt auf ihm. Ein bequemer Rücksitz für eine Frau ge­zimmert, die in ihm ruhen sollte. Ich sehe sie vor mir, sie hat die Augen geschlossen und horcht in sich hinein. Ihr rechter Arm liegt auf dem Schoß, der linke hängt überm Rand des Kahns, zwei Finger­spitzen streifen leicht die Flut. Ich mochte ihr sagen, sie soll acht haben, baß ihr Ring nicht ins Wasser fällt, aber ein Wort ist zu laut für biefe Stunbe. Sie ist so still, baß mir es jäh bemerken unb uns anblicken. Unb werben befangen unb wissen nicht worüber.

Ich fahre mir über bie Augen unb greife zu den Rudern. Auf dem Rücksitz liegt nur ein Bries, den ich mitnahm, um ihn vielleicht auf bem Wasser zu lesen.

Ich rubere roieber unb halte nur inne, um bem Kuckuck zu lauschen, ber aus Brestenberger Gehölz mir zuruft.

schiede in ber Länge bes Körpers auszeichneten. Der größere Typ umfaßte vor allem die Springer, bie Werfer, bie Mittelstreckler unb Mehrkämpfer, der kleine Typ die Schwerathleten, Ringer, Lang- streckler unb Geräteturner. Innerhalb eines jeden Typus kommt selbstverstänblich jeder Kategorie wie­derum ihre besondere Körperbildung zu; der Sprin- .ger ist schlank, besitzt lange Beine unb ein schmales Becken, ber ebensolange Werfer hat eine ganz an­bere Körperfülle, einen größeren Brustumfang, ein breiteres Becken, der Ringer ist breiter unb musku­löser als ber Langstreckler uff. Der Zusammen­hang zwischen ben geschillerten sportlichen Typen und den jeweiligen spärlichen Leistungen leuchtet ohne weiteres ein. Je großer und leichter, also schlanker ein Mensch ist, um so hoher wird er sprin­gen. Der Werfer muß ganz natürlicher Weise einen um so weiteren Wurf erzielen können, je größer der Abstand des werfenden Armes vom Boden ist; von der Beschaffenheit seiner Muskulatur wird es wie- herum abhängen, ob er sich mehr zum Werfen leich­ter ober schwerer Geräte (Speer, Diskus, Kugel ober Stein) eignet. Für den Stemmer dagegen ist die kleine Körpergröße von Vorteil, denn sie ver­ringert den Weg, den die Last vom Boden aus hochzuheben ist. Der Läufer, gleichviel welche Stre­cken er bewältigt, darf feine kompakte Beinmus­kulatur haben, denn muskulöse Waden sind für ihn Bleigewichte beim Laufen. Daß unter ben Ringern, die bekanntlich nach Gewichten klassifiziert roer« ben, ber breite, gebrungene Mann dem ebenso schwe- ren, hochaufgeschossenen überlegen ist, läßt sich ebenfalls physikalisch ohne weiteres verstehen. Es sind also diese Sporttypen keineswegs Zufallsbe­funde, sondern werden ohne Schwierigkeit aus der Sportleistung begriffen."

H Lollar. 9. 3uli. Die Sängerver­einigung Lollar, bie dem Lahntalsänger- bunb angehört unb Mitglied des Hessischen und Deutschen Sängerbundes ist, beging am Sams­tag und Sonntag eine Doppelfeier. Der Sams­tagabend brachte einen Kommers auf dem Fest- plah. Turnerische Vorführungen, Radreigen, Ge- sanavorträge und Konzert der Kapelle der Frei­willigen Feuerwehr Lollar füllten in guter Weise den Abend aus. Der erste Vorsitzende des feft» gebenden Vereins, Georg Schnell, begrüßte die Sänger und Festgäste und gab einen kur­zen Rückblick auf die Vereinsgeschichte, dem zu entnehmen war, daß der heutige Verein sich vor zehn 3ahren aus den bis dahin getrennt bestehenden Vereinen MännergesangvereinGer­mania" und GesangvereinLiedertafel" gebildet habe und daß der älteste Verein, der in die Sängervereinigung eingegliedert ist, der Männer- gesangverein bei selbständigem Fortbestehen auf fünfzig 3afjre seines Wirkens zurückblicken könnte. Dieser Tlmstand habe den 3ubelverein veran­laßt, eine schlichte Feier zu veranstalten. Die Ehrung von zwei verdienten Sängern, Peter Freudenberger und Heinrich E s p i ch , die ununterbrochen vierzig 3ahre den Männer­gesang ausüben, schloß sich an. Die Grütze und Glückwünsche des Hessischen Sängerbundes über­brachte 5>err Emil Koch (Gießen), dabei den Wk-rt des Liedes als deutsches Volks­gut hervorhebend, das zu pflegen und vor un­reinen Einflüssen zu bewahren, Aufgabe des Männergesanges sein müsse. Am Sonntagmittag bewegte sich ein stattlicher Festzug durch die Ortsstrahen, an dem sich neben den Ortsvereinen 14 auswärtige Gesangvereine beteiligten. Auf dem Festplah begrüßte der Vereinsvorsitzende im Anschluß an das unter Leitung des Diri­genten, Lehrers Rohde (Marburg), von der Sängervereinigung gesungene Degrühungslied die Festteilnehmer. Bürgermeister Schmidt sprach den Willkommengruh für die Gemeinde aus und beglückwünschte den 3ubelverein, dabei mit an-

Nun ist es Mittag unb eine panische Helle in ber Luft. Die Bucht, aus ber mein Boot ins Freie trat, zeigt keinen Menschen, nur fern ben Wald. Aber ich höre Gelächter babenber Frauen, Kinberrufe, vorn unsichtbaren Dorf her ben Hahn krähen.

Ich lege ben Anker aus unb will langsam vom Ranbe bes Kahnes aus ins Wasser gleiten. Die Füße tauchen ein. Es kühlt unb ist hoch von ber Sonne leicht gewärmt. Eine rote Libelle setzt sich blitzenb auf meine Schulter, ihre Flügel sirren wie Propeller. Derschwunben ist sie. Ich blicke ihr nach, boch bie Sonne flimmert zu stark, bas Auge er» mübet, nichts ist zu sehen außer glitzernber Flut. Unb aus Trägheit lasse ich mich fallen.

Wie ich nun auf bem Rücken schwimme, sehe ich nichts als ben Raum, zwei, brei winzige weiße Wol­ken in ihm; sie gleichen zerfließenben Schneebällen. Ein Wölkchen wie jenes hoch oben schenkte ich einst einem Mäbchen, als wir roanberten. Viele waren am Himmel, sie brauchte sich's nur auszuwählen, unb sie wählte eine kleine, süße Kinberwolke unb schaute hinauf zu ihr. Dann blickte sie roieber auf ben Weg unb ich auch, unb mir gingen weiter ...

Das war im ©üben, weit fort von hier.

Unb nun, wie ich im Wasser biefes nörblichen Sees liege, überfällt mich jenes Bilb mit einem Sprunge bie Dinge verschwimmen ineinanber, bas Gewesene tritt geisterhaft in bie Gegenwart. Ich blicke um mich: ba flimmert bie Sonne auf win­zigen Wellen. Da schwimmt mein Kahn.

Unb immer noch ist bas Gelächter babenber Frauen hörbar, aber zwischen mir unb ihnen liegen viele Buchten.

Sonnenwenbe ist lange vorüber, bie Tage sinb reif wie Aehren. Es hat geregnet, unb nun sinb bie Wolken von einer unsichtbaren Hanb fortaefdjoben worben, ber Himmel ist grün mit violetten Gebilben, Träumen, Drachen, ein magischer unbeweglicher Himmel, ber ruhig im bunflen Wasser sein Antlitz spiegelte.

Die Frösche quarren wie im Mai, das bedeutet wohl, daß dies Wetter nicht halten wirb. Freuen wir uns benn ber stillen, warmen Stunde, freuen wir uns des Abends, der unmerklich in die Nacht ein­taucht.

Ein Jüngling und ein Mädchen stehen auf dem kleinen Bootssteg, silhouettenhast, doch ich weiß, daß ihr Haar kupferfarben ist und ihr kluges Gesicht braun mit vielen Sommersprossen. Sie hat seinen Arm genommen und weist, leicht an ihn gelehnt, mit dem Kopf nach oben: da ist ein smaragdener Stern aufgegangen.

Und dann sehe ich den Jüngling ein Boot vom Steg lösen, und sehe, wie er ihr die Hand reicht unb sie einsteigen läßt. Er folgt ihr unb stößt mit dem Ruder das Boot in die See. Ich höre das gleich­mäßige Eintauchen der Schaufeln in bas mattschim- mernbe Wasser. Ich folge ihnen mit ben Augen, sehe sie sich entfernen, sehe, wie er bie Riemen hebt und nach oben blickt. Und ich höre ihre Stimme überm Wasser, aber was sie sagen, kann ich nicht verstehen.

Ich setze mich auf eine Bank am Wege und denke an ben seltsamen Traum: Ich sah mich mübe von langer Wanberung an einem unbekannten Weiher. Eine farblose Stunbe, nicht Morgen, nicht Dämme­rung. Da überkam mich eine Lust zu schwimmen und zu tauchen, wie ich als Kind getan. Und ich schaute mich um, ob niemand mich beobachtete; keiner war da, aber ich erkannte eine öde Urlandschaft, wie ich sie in Büchern über die Entstehung ber Erbe abge­bildet gesehen und mich ergriff Angst vor geheimnis­vollen Tieren. Doch kein Tier war weit und breit. Zugleich aber sah ich es unter mir im Wasser sich bewegen und bückte mich und erkannte ein fremdes, böses Gesicht im Wasser und erschrak und riß mich zurück, denn ich wußte, es war mein Spiegelbild, das ich da gesehen hatte, und ich war ein Fremder geworden und war in eine fremde Hülle gefahren, die ich nicht kannte.

Dies war der Traum. Ich grübelte über feine Be­deutung und war unruhig. Die Tiefe der Welt trat in mein Bewußtsein, und der abendliche See hatte etwas Drohendes und Fernes.

Es verstreicht eine lange Zeit. Ich höre Schritte. Der Jüngling und das Mädchen gehen Arm in Arm an mir vorüber. Ich kann ihre Gesichter nicht erkennen, denn es ist über meinen Träumen Nacht geworden.

Velhagen & Kinsings Monats- äußert:Untersuchungen an Münchner ließen zunächst zwei Gruppen unterschei- sid) am auffälligsten durch ihre Unter-

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