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Nachdruck verboten.

18. Fortsetzung.

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(Beißt du schon, baß ein großes llnglüd passiert ist? Der Regisseur hat eben mit der Stadtzentrale telephoniert, da hat man es ihm gesagt. Der llntergrundbahntunnel an der Pica­billystation steht in Flammen.

.Sind viele Tote?" fragte einer mit einer so gleichgültigen Stimme, als handelte es sich um einen Waggon Schlachtvieh.

Man weih es nicht, es war nichts heraus­zubekommen, aber ein paar Züge der Dahn sollen doch in dem Schlamassel stecken. Das wird ja toll aussehen, gerade die Züge, die in den Morgenstunden immer so beseht sind, die von Hoboken herunterkommen!"

.Natürlich, immer wenn etwas Passiert, sind wir nicht dabei, dann müssen wir hier dumme Aufnahmen drehen!" Der Mann, der das gesagt hatte, spuckte auf die Erde.

Jimmy faßte sich an den Kopf.

Betty!"

Betty war mit diesem Zug gefahren, der von Hoboken zur Stadt fuhr, er hatte sie selbst zur

Strafkammer Gießen.

Gießen, 7. 3uni. Der Geschäftsführer eines industriellen Unternehmens hatte es un­terlassen, dir seinen Arbeitern von ihrem Ar­beitslohn einbehaltenen Beitragsteile für die Invaliden - Versicherung und Krankenversicherung durch verkleben von Marken für die Dersicherung zu verwenden, bzw. diese Beträge an die Krankenkasse abzusühren. Wegen des ersten Falls war er durch das Amts­gericht Grünberg zu 10 0 Mark Geld st rase, evtl. 10 Tage Gefängnis verurteilt und wegen des anderen Falls freigesprochen worden. Seme Berufung hatte keinen Erfolg: dagegen wurde er auf die Berufung der Staatsanwaltschaft auch wegen Nichteinführens der für die Krankenver­sicherung bestimmten Lohnabzüge an die Allge­meine Ortskrankenkasse zu einer weiteren: Geldstrafe von 100 Mark, evtl. 10 Tage Gefängnis verurteilt.

Ein Fuhrmann, der für eine Firma das Ab­fahren von im Walde lagernden Holz an den Bahnhof zwecks Verladung übernommen hatte, hatte einen Teil einer Fuhre rechtswidrig einem Bekannten überlassen, indem er sich diesem ge­genüber als Eigentümer des Holzes ausgab. Wegen JInterschlagung war er deshalb durch das Amtsgericht Laubach zu 1 M o n a t Gefängnis verurteilt worden. Da ihm diese Strafe zu hoch erschien, verfolgte er Berufung, die aber ohne Erfolg blieb. Mit Rücksicht auf die Vorstrafen des Angeklagten hielt das Gericht die Strafe für angemessen und verwarf die Be­rufung.

Weil ein Autohöndler das ihm zugeteiltei Probefahrtkennzeichen widerrechtlich benutzt ha­ben sollte, hatte das Finanzamt Büdingen gegen ihn wegen vorsätzlicher Hinterziehung der Kraftfahrzeug st euer im Wege des Strafbescheids auf eine Geldstrafe von 70 Mark erkannt. Das Amtsgericht Büdingen, das in dem Verhalten des Angeklagten nur eine Steuergefährdung erblickte, verurteilte ihn zu der gleichen Geldstrafe. Auf seine Berufung wurde die Sache jetzt nochmals verhandelt. Das Ge­richt hielt seine Behauptungen, die btr. Fahrt habe nur den Zweck gehabt, das Fahrzeug aus­zuprobieren. nicht für widerlegt und sprach ihn unter Aufhebung des erstinstanzlichen Urteils frei.

Keinen Erfolg mit seiner Berufung hatte ein vor kurzem 18 Iabre alt gewordener Landwirt, der wegen gefährlicher Körperver­letzung durch das Amtsgericht Alsfeld zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt worden war. Während eines Tanzvergnügens hatte er sich ungebührlich benommen und war deshalb von dem Wirt aus dem Saale geworfen worden, wobei ihm von Angehörigen des Wirts einige Schläge versetzt wurden, da er sich freiwillig nicht entt lernte. Im Hofe angekommen, versetzte er plötz­lich dem Schwiegersohn des Wirts mit seinem Messer zwei Stiche, von denen der eine den Racken und der andere den linken Unterarm nicht unerheblich traf. Rur mit Rücksicht auf sein jugendliches Alter sah das Gericht von einer Erhöhung der Strafe ab und verwarf im übrigen kostenfällig die Berufung deS Angeklagten.

Iimmy wurde es plötzlich siedend heiß.

Wenn Betty etwas passiert war.

Man mußte sich erkundigen.

Aber in diesem Moment rief der Regisseur Aufnahme!", und die Apparate fingen an zu spielen.

Iimmy klopfte das Herz bis zum Hals. Er konnte nicht bleiben, er muhte sehen, was aus Betty geworden war.

Er wandte sich an den Regisseur:

Ich möchte für heute um Llrlaub bitten, ich muh sofort zur Stadt zurück!"

Der Regisseur hörte nicht auf ihn, er besprach mit dem Ausnahmeleiter gerade eine neue Pose.

Iimmy faßte ihn am Arm.

Hören Sie, ich möchte gern fortgehen, ich muh unbedingt jetzt zur Stadt!"

llntoillig drehte sich der Mann um:

Das ist Unfinn, das geht jetzt nicht. Sie müssen bleiben. Gehen Sie sofort auf Ihren Platz zur Aufnahme!"

Iimmy drehte sich unschlüssig um. Er wußte genau, wenn er jetzt nicht gehorchte, dann war es hier mit seinem Engagement aus, dann setzte man ihn auf die Straße, dann konnte er sehen, wie er satt wurde.

Iimmy dachte mit Grauen an das wochenlange Herumsitzen auf den Agenturen, ehe man eine Anstellung bekam. Er kannte diese Zeiten, wo man vor Hunger nicht aus noch ein wuhte und wo Mrs. Buttler jeden Tag mit Hinausschmeihen drohte, weil man die Miete nicht bezahlen konnte.

Mechanisch stellte sich Iimmy wieder in seine Reihe. Die Scheinwerfer flammten auf und sta­chen ihn wie mit Messern in die Augen.

Rheinhessen.

Kommunaler Abbau in Mainz.

Berliner Börse.

Berlin, 10. Juni. (WTB. Funkspruch.) Der Beginn der neuen Woche ist wieder freundlich. Bei den Banken liegen verschiedentlich schon Kauforders vor, und auch bei der Spekulation scheint einiges Interesse zu bestehen. Man glaubt, daß der heute zur Veröffentlichung gelangende Reichsbankausweis für die erste Juniwoche eine zufriedenstellende Ent­lastung bringen wird. Man hört Farben 262 Geld und Siemens 410 Geld.

Danach überbrachte Dekan Hofprediger Wid­mann (Gedern) die Grüße der Behörden und rief in zündenden Worten die Jugend zum Weg auf die Höhe auf. Der Ortsgeistliche Fritsch sprach eben­falls ein herzliches Grußwort. Alsdann begann ein fröhliches Treiben: Jugendgruppen boten mehrstimmige Lieder, Volkstänze, Reigen: eine Spielschar führte unter regstem Interesse dieZau- bergeige" auf, und für die Kinder fehlte es nicht an Abwechslungen mit Sack-, Eierlauf usw. Der ein- tretende Regen machte der Veranstaltung vorzeitig ein Ende. Pfarrer Trabandt (Herbstein) sprach im Schlußwort die Absicht aus, das Treffen auf der Herchenhainer Höhe zu einer alljährlich wieder­kehrenden Veranstaltung zu machen. Was im Vater- Bender-Heim Unterschlupf sand, blieb noch längere Zeit bei jugendlichem Frohsinn bei einander.

Kreis Lauterbach.

Mindestmaß herabgesetzt werden.

Hessische Polizeiwache.

WSR. D a r m st a d t, 8. Iuni. Rachdem

WSR. M a i n z, 8. Iuli. Die S t a d t M a i n z ist unter dem Druck der anhaltenden Besahungs- lasten in eine ernste Finanzlage geraten, die zu weitgehenden Einschränkungen zwingt. Es ist beabsichtigt, 10 Prozent der bei der Stadt Mainz im Angestelltenverhältnis Be­schäftigten zu kündigen. Auch die Zahl der beruflichen Beamten soll auf

Dahn gebracht.

Iimmychen!" hatte sie noch freundlich zu ihm gesagt, und ihn mit ihrem lieben Lächeln geschaut,sei recht fleißig, mein Iunge!"

Ihm war es, als höre er noch genau Tonfall, in dem das gesagt wurde.

Ruhig, nur nichts überstürzen!

Iimmy stand der Schweiß auf der Stirn.

Immerfort dachte er an Betty.

Wenn man wenigstens telephonieren könnte, dann würde er den Portier bei WeUton gleich anrufen und fragen, ob Betty Glynn da ist, aber er konnte nicht vom Fleck. '

Der Regisseur probte die Szene immer wieder von neuem.

Er tutete durch ein großes Megaphon und bellte seine Befehle in die Luft.

Iimmy war gar nicht bei der Sache, er machte nur ganz mechanisch nach, was die anderen ihm vormachten.

Verdammt noch mal, passen Sie doch gefälligst ein bißchen auf!" schnauzte der Regisseur, als Iimmy sich einmal nach der falschen Seite drehte.

Iimmy dachte krampfhaft an die drei Dollar, die er sich für seine Arbeit nachher abholen konnte.

Er nahm sich vor, Betty heute einen Veilchen- ftraufe zu kaufen, er wollte den schönsten aus-- suchen, den er bekommen könnte. Sie würde sich sicher darüber freuen.

Betty konnte sich so herzllch freuen. Erst neu­lich, als er üjr gesagt hatte, dafe er, wenn er einmal reich wäre, oder in einer Woche einmal besonders viele Sonderausnahmen hätte, würde er ihr etwas ganz Schönes schenken, da hatte sie zu ihm gesagt:

Iimmy, du bist ein Prachtkerl!"

2a, das hatte sie wirklich gesagt, und dabei war sie ihm mit einem festen Griff in die Haare gefahren, dafe es ihm beinah weh getan hatte. Aber es war himmlisch gewesen.

.Unb nun konnte sich die Betty vielleicht gar nicht mehr freuen, nun war sie vielleicht verun­glückt und lag irgendwo ganz hilflos und ver­lassen.

Iimmy konnte es nicht mehr aushalten, er mußte auf jeden Fall Klarheit haben.

Darf ich einmal telephonieren?" fragte er.

Sie sind wohl verrückt geworden, junger Mann," lachte der Regisseur,erst wollen Sie weglaufen, dann wollen Sie telephonieren! Was denken Sie sich eigentlich, Sie sind doch nicht zum Vergnügen hier!"

Iimmy bekam einen roten Kopf.

Er haßte auf einmal diesen dicken Regisseur, der mit den Menschen umsprang, als seien sie Puppen, die nach seiner Flöte tanzen müßten für ein paar lumpige Dollar.

Iimmy drehte sich langsam um und ging auf die Ankleidebaracke zu.

Er wußte ganz genau, dafe man ihn nun her- ausschmeifeen würde, es war ihm egal, er dachte immerfort daran, dafe Betty ihn brauchen würde.

Der Regisseur sah dem Iungen erstaunt nach. Er begriff nicht sofort, als er aber sah, dafe Iimmy sich mit ruhigen Schritten immer weiter entfernte und sich auf seinen Anruf noch nicht einmal umdrehte, wurde er blafe vor Wut:

o Schlitz, 9. Iuni. Unter dem Vorsitz ihres Direktors, Bürgermeister Dr. R i e p o t h, und in Anwesenheit von Kreisdirektor Dr. Michel als Vertreter der Aufsichtsbehörde hielt die hiesige Dezirkssparkasse ihre diesjährige Mitgliederversammlung ab. Der Bericht des Vor­sitzenden gab ein Bild von weiterer günstiger Entwicklung der gemeinnützigen Anstalt im Ge- schästsjahr 1929. Die Einlagen im Spar- und Giroverkehr sind in 1928 gestiegen von 1 073 369 Mark auf 1 325 266 Mk. Die reinen Spareinlagen wuchsen bei einem Steigen der Zahl der Sparer von 1390 auf 1690 von 786 202 Mk. auf 1 190 933 Mark an. Der Gesamtumsatz betrug 22 350 000 Mark gegenüber 20 999 000 Mk. in 1927. Die Bilanzsumme hat sich von 1 215 223 Mk. auf 1 504 205 Mk. erhöht. Die Aufwertung alter

Weillaus um Lllmvr.

Vornan von Senta Neckel.

Copyright bei Greiner & Co., Berlin NW 6.

Aber die Stunden, wo man dran war, da ging eS noch, viel schlimmer war die Zeit, wo man wartete, und bet Filmkomparse wartet den aller» größten Teil seines Lebens.

Iimmy hatte die Uniform eines österreichischen Offiziers an. Der eng anliegende Rock paßte dem schlanken jungen Mann ausgezeichnet. Verliebt betrachtete er fein Bild in einem kleinen Ta­schenspiegel.

Dumm, daß man die Uniform nachher aus- ziehen mußte, wenn die Ausnahme vorbei war, wie schade, daß alles nur gespielt war und dafe, wenn man sich abgeschminkt hatte, der schöne Traum von Reichtum und Glück vorbei war.

Iimmy hatte Sehnsucht nach dem Leben er wollte gern heraus aus den engen Verhältnissen, in denen er ausgewachsen war. Er hatte durch den Film so viel gesehen, wie es sein konnte, wenn man ein wenig Glück hatte, daß ihn die Sehnsucht nach Schönheit und Sorglosigkeit wie ein Fieber packte.

Aber wie konnte man reich werden? Er hatte Dollar auf Dollar gelegt, hatte sich alles abge­spart, was er nur irgend konnte, und doch waren feine Ersparnisse so wenig, daß sie kaum zu einem üppigen Mittagsmahl gereicht hätten.

Was hatte er da neulich für einen Unsinn ge­redet, er wollte Betty Glynn mal in cm wirk­liches Theater führen.

Er lachte bitter auf. Rein, das ging wirklich nicht, er hatte ja gar feine Möglichkeit, in so ein Theater hereinzukommen. Das Billett patte man noch allenfalls erstehen können, vielleicht bekam man auch einmal eins geschenkt, aber was sollte man damit machen, er hatte ja feinen guten Anzug!

Mit resigniertem Lächeln dachte Iimmy an seinen grauen Anzug, der in der Komparsengar­derobe hing.

Rein, damit konnte man keinen Staat machen. Damit liefe man ihn gar nicht hinein in so ein Theater.

Die Pfeife des Regisseurs trillerte.

Iimmy hüpfte von seiner Kiste herunter und begab sich zur Ausnahme.

Vielleicht hatte er heute Glück, dann nahm ihn der Regisseur für eine Sonderaufnahme dran, bann bekam er zwei Dollar mehr, bas war eine Menge Gelb.

2llS er sich in Reih unb Glieb aufstellte, denn es sollte aerobe eine Szene auf bem Ka­sernenhof gebreht werben, für irgenbeinen Kitsch­silm mit einem Erzgroßherzog und einem fußen Mäbel, ba sagte ihm sein Rachbar:

ist, sucht man den Schädling mit Kainit zu be­kämpfen.

Leihgestern, 8. Iuni. Dieser Tage wurde am 2Lend die hiesige Freiwillige Sani- tätSkolonne vom Roten Kreuz durch ihren Kolonnenführer Gg. Held alarmiert. In erstaunlich kurzer Zeit waren die Sanitätsmann- Ichasten, sowie der Kolonnenarzt Dr. Speck, Vroßen-Linden, in ihrem DepotZum Bahnhof" erschienen, so baß 20 Minuten nach dem Alarm die Uebung es wurde ein Eisenbahnunfall angenommen beginnen konnte. Die getroffenen Maßnahmen, sowie die angelegten Rotverbände wurden von Dr. Speck lobend besprochen. Er gab dem Wunsche Ausdruck, daß die Kolonne so weiter arbeiten möchte im Dienste der Näch­stenliebe. _ -

> Holzheim, 9. Ium. Die Bautätig­keit in unserer Gemeinde ist in diesem Iahr besonders rege. Beben der Aufführung von zahlreichen Nebengebäuden sind die Arbeiten an fünf neuen F a m i l i e n h ä u s e r n (drei Einfamilienhäuser und ein Doppelhaus) in An­griff genommen worden. Wie man hört, sollen die Arbeiten im hiesigen S t e i n b r u ch, die seit einem Iahr ruhen, wieder ausgenom­men werden. In Anbetracht der sich dadurch bietenben Arbcitsmöglichkeit wäre bies sehr zu begrüßen, zumal der hiesige Basalt an Druck­festigkeit mit an erster Stelle in Oberhessen steht.

# feungen, 9. Iuni. Der Ober hessische Schäferverband veranstaltet im Verein mit der Ortsgruppe Gießen des Vereins für Deutsche Schäferhunde Ende dieses Monats das erste oberhessische Preishüten, für das vom Hessischen Ministerium für Arbeit und Wirtschaft, der Landwirtschaftskammer, dem Tierzuchtinstitut der Universität Gießen und den Städten Nidda und Hungen Preise und Ehrenpreise gestiftet wurden.

s. Aus dem mittleren Horlofftal, 9. Juni. War bisher schon äußerst starke Nachfrage, nach Krautsetzpflanzen, so macht sich nach Eintritt des langersehnten Regenwetters der Man­gel an solchen noch fühlbarer. Die eigenen Anzucht­beete der Landwirte sind durch die langanhaltende Trockenheit in verheerender Weise von den Erd­flöhen heimgesucht worden. Die wagenumher­ziehenden Händler werden geradezu gestürmt, ob­wohl die Setzpflanzen bereits vier Pfennig je Stück kosten. Selbst die Herzen ausgesetzter größerer Kohl­pflanzen werden noch von den Erdflöhen gefressen. Auf den Graswuchs der Wiesen hat der Regen wohl keinen wesentlichen Einfluß mehr, da­gegen kommt er für bie Äleef elber äußerst gün­stig. Auch dem Fruchtansatz der Obstbäume tat die Feuchtigkeit sehr nötig. Sommer« wie Winter­frucht stehen ausgezeichnet, der Roggen beginnt bereits zu blühen.

Kreis Friedberg.

Sofort kommen Sie zurück! Sofort!"

Aber Iimmy hörte nicht. Er ging kein bißchen schneller und kein bißchen langsamer.

Er ging wie ein Mensch, der nichts mehr zu verlieren hat.

Der Regisseur sandte ihm den Aufnahmeleiter nach. Er wollte den begabten Iungen nicht ver­lieren und er wußte, baß Iimmy keinen Cent in bet Tasche hatte.

Sagen Sie ihm, er ist sofort ohne einen Cent entlassen, wenn er nicht gleich zurückkommt. Nie wieber nehme ich ihn zu einer Aufnahme!"

Aber Iimmy schüttelte nur ben Kops, als bet Aufnahmeleiter ihn bestürmte, zurückzukommen.

Es hatte nun keinen Zweck mehr. Er mußte Betty zu Hilfe kommen, auch wenn er daburch seine Stellung verlor.

Er lächelte ein wenig krampfhaft, als er dem Garderobier seine Uniform ablieferte und seinen schon etwas blanken Anzug dafür wieder bekam.

Nie wieder würde er einen so hübschen Anzug haben, er mußte still sein und sich freuen, wenn sein einziger Anzug noch ein paar Wochen hielt.

Der Mann am Schaltet zahlte ihm selbstver­ständlich keinen Cent aus, denn er hatte ja keine Anweisung vom Regisseur.

Iimmy rannte zur nächsten Haltestelle.

Et hatte keinen Cent mehr in der Tasche, aber wenn er die weite Strecke zur Picadillystation zu Fuß gemacht hätte, dann hätte er Stunden gebraucht.

Et mußte sehen, ob er die Kunst des Schwarz­fahrens noch tonnte, in der die Gassenjungen aller Welt Meister sind, und es wat noch gar nicht so lange her, daß er zu dieser Legion von Iungen gehört hatte.

Der Wagen sauste heran.

Die vordere Plattform wat ganz leer, da konnte er sich nicht hinstellen, ohne zu bezahlen, da hätte ihn der Schaffner gleich erwischt.

Iimmy quetschte sich in den Wagen. Hier stan­den die Leute dicht gedrängt.

Ein junger Dandy mit hellgelben Schuhen drängte sich rücksichtslos noch als letzter in den Wagen. Dabei stieß er eine alte Frau, die mit einem großen Paket in der Mitte des Wagens saß, heftig an.

Die Frau schaute wütend auf:

Können Sie sich nicht entschuldigen, Sie oller Dussel!"

Der Dandy machte ein hochmütiges Gesicht unb zuckte mit ber Achsel:

Person!" murmelte er verächtlich.

Aber er hatte nicht mit dem schlagfertigen Munbwerk einer Neuyorker Kleinbürgerin ge­rechnet. Die Frau kollerte wie ein gereizter Puter:

Sie finb Wohl verrückt geworden, wie können Sie eine Dame beleidigen!"

Die Stimme der Frau schrillte wie daS Quiet­schen der Kreide auf der Schultafel.

(Fortsetzung folgt)

Butzbach, 10. Iuni. Der Inhaber ber hie­sigen Maschinenfabrik Tröster, Fabrikbesitzer A. I. Tröster, kann am morgigen Dienstag, 11. Iuni, in voller geistiger unb körperlicher Rü­stigkeit seinen 7 5. Geburtstag begehen. Der weithin bekannte unb hochgeschätzte alte Herr grünbete vor etwa 50 Iahren als gelernter Schmieb sein Unternehmen, besscn Maschinen­erzeugnisse heute in allen Teilen ber Welt be­kannt finb. In dem Unternehmen würben an­fangs Dreschmaschinen repariert, später baute ber unternehmungslustige Inhaber Sägewerke, Bren­nereien unb Dampfmaschinen. Da für biefe Ein­richtungen aber nicht stänbig Arbeit vorhanben war, würbe die Schrotmühlenfabrikation begon­nen, ber sich dann ber Drill- unb Hackmaschinen­bau anschloß. Drillmaschinen wurden ber Haupt­sabrikationszweig ber Firma, bie heute runb 230 Beamten unb Arbeitern Beschäftigung bretet. ------- --- . . - t

Um bie Aufwärtsentwicklung ber Stadt Butzbach Spareinlagen mit 12,5 Prozent ist durchgefuhrt.

hat sich A. 2. Tröster ebenfalls in hohem Maße verdient gemacht, wofür ihm allgemein größte Wertschätzung zuteil wird.

Kreis Büdingen.

Echzell, 8. 2uni. Bei der am 1. 2uni vorgenommenen amtlichen Viehzählung ist in der Wctterau in säst allen Orten eine Abnahme ber Schweine festgestellt wor­ben. Hier beträgt bieselbe 200 Stück, da nur 743 Tiere gezählt wurden. 2n Bisses wurden nur 90 Borstentiere verzeichnet, gegen 300 Stück bei sonstigen Zählungen.

L Calbach, 9. Juni. Hier feierte am 6. Juni die ä 11 e ft e Bewohnerin unseres Ortes und wohl auch des Kreises Büdingen, Katharina Elisabethe Kleh Witwe, ihren 9 9. Ge­burtstag, wozu ihr von zahlreichen Bewohnern unseres Dorfes, von Freunden, Verwandten und Bekannten aus der Ferne Glückwünsche und Ge­schenke überbracht wurden. Im Namen der hessischen Regierung erschien Kreisdirektor Dr. G a ß n e r und gratulierte der Greisin, Pfarrer Göbel von Wolf sprach ihr im Auftrag der obersten Kirchenbehörde und des Kirchenvorstandes die besten Glück- und Segenswünsche aus. Die Gefeierte ist noch sehr rüstig. Es ist deshalb die Hoffnung begründet, daß sie auch ihren 100. Geburtstag noch feiern kann.

Kreis Schotten.

Herchenhain, 9. Juni. Nachdem das E v. Landesjugendpfarramt für Hessen in den letzten Jahren in den beiden anderen Provinzen allgemeine über- und außerbündifche Jugendtreffen veranstaltet, fand ein solches Jugendtreffen auf der Herchenhainer Höhe statt, zu dem aus allen Teilen des Vogelsberges außerordentlich viele Teilnehmer erschienen waren, die vielfach eine Wanderung damit verbunden hat­ten. In der g o t t e s d i e n st l i ch e n Feier, die unter Mitwirkung des Stockhäuser Posaunenchores und der Kirchengefangvereine Herbstein und Crain­feld liturgisch reich ausgestaltet war, sprach im An­schluß an Pf. 16,11 der Landesjuaendpfarrer Lic. v. d. 21 u über das Thema:Dem Leben entgegen."

Teilnehmer der Hessischen Polizeiwoche in Darm- stadt einen vom Wetter begünstigten Ausflug nach bem Obenwalb (Linbenfels) unternommen hatten, wurden gestern bie Vorträge fortgesetzt. Sie begannen mit den Referaten des OberregierungS» rates Degenharbt vom preußischen 2nnen» ministerium überFragen aus bem poli­zeilichen Bilbungswes en" unb bes Kriminalpolizeirats Dr. R i /m a n n -Berlin überDie Tatbestandsaufnahme bei einem Kapikalverbreche n", gezeigt an dem Fall Hußmann-Knoll in M.-Gladbach. Der Redner gab einen Abriß über den von der Polizei bei einem solchen Kapitalverbrechen einzuleitendenAngriff" und feine Unterteilung in die Feststellung des ob­jektiven und subjektiven Tatbestandes. Das Publi­kum müsse immer wieder darauf aufmerksam ge­macht werden, daß es die Feststellung von Ver­brechen stets sofort der Polizei mitteilen und den Tatort völlig unberührt lassen müsse.

Professor Dr. Müller-Heß (Bonn) schloß die Vortragsreihe mit einem Abriß über dieS exu - alpsychologie d e r ,J u g e n d 1 i ch e n". Die Sexualpsychologie der Jugendlichen sei noch stark im Fluß. Aerzte, Pädagogen, Juristen und Polizei stän­den sich da zum Teil noch gegenüber. Der Redner ist der Auffassung, daß man über das jugendliche Straf­alter von 16 Jahren nicht hinausgehen solle, daß aber stets der Gerichtsarzt bei Straftaten Jugend­licher zur Begutachtung herangezogen werden müsse. Der Redner behandelte abschließend noch eine Reihe von Fällen hysterischer weiblicher Jugendlicher.

Heute fand bie Veranstaltung ihren Abschluß. Ministerialbirektor Dr. Falck erläuterte zu- nächst an zahlreichen interessanten Bilbstreifen bie Mitwirkung ber Ortspolizei bei ber Film- zensur. Wenn auch bas in ber Reichsverfas­sung ausdrücklich vorgesehene Lichtspielgesetz bie Filmzensur ben Reichsprüfungsstellen übertrage, so sei bie Ortspolizei doch zur Mitarbeit berufen, wenn es sich um Bilbstreifen mit rein lanbschaft- lichen Darstellungen ober Tagesereignissen han­delt. Ebenso sei bie Zulassung ber Lichtspiel­reklame ber Ortspolizei übertragen, wobei be- sonbers ber Gesichtspunkt bes 2ugenbschutzes zu beachten sei. Dem schwer um seine Existenz ringenben Lichtspielwesen müsse jeboch von ber Polizei jede zulässige Mitarbeit bei ber Auf­nahme von Tagesereignissen, Sehenswürbigkei- ten usw. zuteil werben.

Senatspräsibent Professor Dr. D e r s ch - Ber­lin behanbelte bie Mitwirkung ber Polizei bet ber Ausführung bes Arbeitszeitschutz­gesetzes.

2m Namen ber Freien Vereinigung für Poli­zei- unb Kriminalwissenschaft bankte Polizei­oberstleutnant Bartels -Berlin als Geschäfts­führer ber Vereinigung ben Teilnehmern, beson- bers ber hessischen Staatsregierung unb bem Mi­nisterium bes 2nnern für bie weitgehende Fär­be rung unb LInterstühung. Polizeibirektor II f i n- ger - Darmstadt schloß bann bie Polizeiwoche unb bankte insbesonbere ben Referenten unb ber Presse für ihre tatkräftige Mitarbeit an bem Gelingen der Veranstaltung. ___________