Ausgabe 
10.5.1929
 
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Nr. 108 Erster Blatt

179. Jahrgang

Zreitag, 10. Mai 1929

Gietzener Anzeiger

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Gießener Familienblätter Heimat im Bild

Die Scholle.

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Churchill erklärt den Youngschen Verteilungsschlüssel für unannehmbar.

Nie britische Regierung ist in ihren Entschließungen völlig frei.

London, 9. 2Noi. (IDB.) Auf die Frage, ob sich die Zuständigkeit der Reparationssachverstänbigen auch aufAbunderungenimverleilungv- schema von Spa erstreckt, und ob die Regierung ihre Vertreter im Ausschuß über ihre Ansichten in dieser Frage unterrichtet habe, erklärte in der heu­tigen Unterhaussihung Schahkanzler Churchill: Der Sachoerständigenausfckmß, der gegenwärtig in Paris tagt, seht sich aus unabhängigen Ver­tretern der erschienenen beteiligten Länder zu­sammen. Ich habe mich natürlich während der aus­gedehnten Verhandlungen inFühlungmitden britischen Delegationsmitgliedern ge­halten. Dir haben jedoch niemals bestimmte Instruktionen an diese Herren geschickt, und wir wollen das auch bei dieser Gelegenheit nicht tun. Die Beschlüsse der Sachverständigen binden in keiner Weife die Regierung, die voll­st ändig frei bleibt und ihre eigenen Ent- schliehungen über die Arbeiten und die Empfehlungen des Sachverständigenausschusses fassen wird. Um Mißverständnisse im Ausland und Beunruhigungen im Inlande zu vermeiden, ist es vielleicht wünschens­wert, daß ich erkläre, daß jene Art von Vor­schlägen, die gestern in der Presse angedeutet wurden, nach unserer Meinung unannehmbar sind, und daß die Regierung sie sich unter keinen Umständen zu eigen machen wird. (Beifall.)

Wedgewood richtete dann weiter die Frage an Churchill: Werden wir nicht zu irgend­einem Geschenk verpflichtet werden, das von England den französischen Steuer­zahlern oder der französischen Regierung gemocht wird? Churchill erklärte hierauf: Ich habe im Un­terhaus die Antwort zu dieser Frage verlesen. Diese Antwort ist sehr sorgfältig und gewissenhaft beraten worden. Ls ist, wie ich meine, eine Antwort von einiger Bedeutung, und ich wünsche in keiner Weise, etwas hinzuzufügen. Nunmehr griff der Sprecher ein und erklärte: Ich glaube, es ist belfer, diese An­gelegenheit nicht weiter zu behandeln, hierauf erhob sich der Arbeiterparteiler Ben Smith, der ebenfalls eine Anfrage stellen wollte, jedoch vom Sprecher unterbrochen wurde, be­vor er feine Anfrage formuliert hatte. Der Sprecher erklärte, er sei davon verständigt worden, daß der Schahkanzler nicht vorbereitet fei, weitere Erklärun­gen abzugeben.

Beifall der Londoner presse.

London, 10. Mai. (WTB. Funkspruch.) Chur­chills Unterhauserklärung wird von der gesamten Morgenpresse an hervorragender Stelle gebracht und nachdrücklich unterstützt.Times" sagt in einem Leitartikel: Eine so deutliche und un­zweideutige Erklärung sollte dazu beitragen, den Sachverständigenausschuß zu veranlassen, diese ziemlich unglückliche Einmischung in eine diplomatische Rebenfrage, für die er tatsächlich n i ch t z u st ä n d i g ist, auf­zugeben. Aber trotz aller noch bestehenden Schwierigkeiten liegt guter Grund zu der Hoff­nung vor, dah zum mindesten in der Haupt­frage der deutschen Annuitäten eine Vereinbarung erreicht werden kann. Auf jeden Fall ist eine offene und ehrliche Mei­nungsverschiedenheit einer unbil­ligen Regelung entschieden vorzu­ziehen.

Etwas vorsichtiger äußert sich ..Financial Ti­mes", die erklärt, der Krieg liegt noch nicht so weit zurück, dah irgendein Engländer neue Zu­geständnisse an Deutschland begrüßt. Aber diese Zugeständnisse mögen der Mühe wert sein, wenn dadurch eine allgemeine Verein­barung erreicht wird, die alle Aussicht hat, ausgeführt zu werden. Unter diesen Umständen verlangt die gesunde Vernunft, daß alle etwa nötigen Opfer gemeinsam getragen werden.

Der Pariser Korrespondent derTimes" kommt zu dem Ergebnis, daß unter den gegenwärtigen Umständen die einzige Hoffnung in einer Ab­trennung der Frage der Verteilung von der Frage der Zahlungen liege. 3n dieser Richtung arbeiten, so sagt das Blatt, die briti­schen Delegierten. Der Pariser Korrespondent des Daily Chronicle" nennt die Lage hoffnungsvoll und meint, eine Weh rheit gegen die Pro­zentsätze Vvungs sei wahrscheinlich.

pariser Echo

der Churchillerklärung.

Paris, 10.Mai. (WTB. Funkspruch.) Zu den Erklärungen des englischen Schatzkanzlers Winston Churchill im Unterhaus nimmt auch die Pariser Morgenpresse ausführlich Stellung.Matin" kommt zu dem Ergebnis, daß ohne eine neue Bemühung zum allgemeinen Entgegenkommen der Erfolg der Konferenz, der einen Augenblick lang vorauszusehen

war, aufs neue gefährdet sein würde.Journal" sagt, zweifellos würden die Amerikaner die ersten sein, die anerkennen würden, daß sie ein wenig zu weit gegangen seien.Echo de Paris" er­härt, besonders bemerkenswert sei, daß man in Eng­land Frankreich für die Enttäuschung der eng­lischen Delegation verantwortlich mache. Sir Josiah Stomp habe doch voraussehen können, daß, als er der Annuität Poungs von 2050 Millio­nen zustimmte, Gefahr bestand, daß die e n g l i. schen Forderungen hinsichtlich der Dominien fallen gelassen werden würden.Petit Parisien" tritt der von einigen Engländern geäußer­ten Meinung entgegen, die Ziffernskala Poungs an­zunehmen und die Frage der Verteilung

Berlin, 8. Mai. (WB.) Der Verein der ausländischen Presse feierte heute den 23. Jah­restag feines Bestehens mit dem traditionellen Jlahresbankett im Hotel Adlon, zu dem die Reichsminister Stresemann, Curtius, Groe- ner, von Guörard und Stegerwald, das diplo­matische Korps mit dem Runtius Pacelli an der Spitze, der Generaldirektor der Reichs­bahn Dorpmüller, der Oberbürgermeister der Stadt Berlin, Böß, sowie hervorragende Vertreter des politischen Lebens, der Kunst und Wissenschaft, der Finanzwelt, des Handels und der Industrie sowie der Presse erschienen waren. Der Vorsitzende des Vereins der ausländischen Presse, Louis P. Lochner (Amerika), erinnerte in seiner Begrüßungsansprache an die zahlreichen reizvollen Aufgaben, die das vergangene Jahr auf allen Gebieten den in Deutschland wirkenden ausländischen Korrespondenten geboten habe, so der Ozeanflug derBremen", bte Amerikafahrt Graf Zeppelin", der Stappellauf der Riesen- schifseEuropa" undBremen", die wissen­schaftlichen Leistungen der Professoren Wieland, Windaus und Einstein und ging dann auf die politische Aufgabe des Auslandkorrespvndenten ein.

Reichsminister Dr. Stresemann

dankte für die Begrüßungsansprache des Vor­sitzenden und beschäftigte sich dann mit den Pariser Reparationsverhandlungen.3n der Tat," erklärte er,sind diese Verhandlungen von so überragender 'Bedeutung, dah sie im Au­genblick alle anderen Fragen überschatten. Es handelt sich um nichts weniger als um die wirtschaftliche und finanzielle Li­quidierung des Weltkrieges, also um ein Problem, das in seiner Tragweite unendlich weit über eine rein geschäftliche und zahlen­mäßige Behandlung von Schuld und Forderung hinausgeht, und dessen Regelung für die gesamte künftige Struktur von Weltwirtschaft und Welt­finanz mitbestimmend sein wird.

Ls muß sich jetzt zeigen, ob die grundsätz­liche Linfte11ung derjenigen fireife, die für die Gestaltung der internationalen Be­ziehungen in erster Linie maßgebend find, überall fo weit vorgeschritten ist, dah sie sich bei den zu treffenden Entscheidungen nicht bloß von den nächsten eng ft en Sonber- i n t e t e f f e n leiten lassen, sondern ihren Blick weilausschauend auf die für alle Teile gleichen, allgemeinen Gesichtspunkte richten.

3ch habe die bestimmte Hoffnung, daß dies der Fall fein wird. Der Dawesplan, der sich selbst als einen vorläufigen Versuch der Reparationsregelung bezeichnete, hat seine Funk­tion erfüllt. Er hat zweifellos wesentlich zur Kon- folibierung der Verhältnisse in Deutschland und darüber hinaus in ganz Europa beigetragen und hat im Laufe seiner nahezu fünfjährigen An­wendung diejenigen Erfahrungen gezeitigt, die jetzt eine Reuregelung notwendig machen. Die übereinstimmende Auffassung aller beteiligten Regierungen über diesen Punkt ist es gewesen, die zur Einberufung der in Paris tagenden Sachverständigen geführt hat, und ich erwarte deshalb, dah die Einsicht in die auf dem Spiele stehenden gemeinsamen 3nteressen auch weiterhin die Oberhand behalten und zu einem ersprieh- lichen Ergebnis führen wird.

Als sich auf dem Gelb- unb Devisenmärkte Schwierigkeiten heraussiellten unb a l a r mie­te n b e Gerüchte bie Oefsentlichkeit burch- liefen, ist uns von führenben Plätzen bes Aus- lanbes ganz spontan unb ohne jebe beuIsche Initiative in fairster Form jebe Unter­stützung angebaten worben. Wenn es in diesem Falle einer solchen Unterstützung auch

offen z u lassen unb die späteren Verhandlun­gen zwischen den Alliierten vorzubehalten.

DasPetit Journal" schreibt, die Unzufriedenheit der englischen Delegierten sei gewiß verständlich, aber wenn sie der Ansicht seien, daß der Bericht sgoungs in seiner gegenwärtigen Form unannehm­bar sei, so bedeute bas nicht, daß seine Durchfüh­rung unüberwindliche Schwierigkeiten Hervorrufe. Oeuvre" schreibt: Wie wäre doch alles einfach, wenn die Vereinigten Staaten und wir sprechen dabei nicht einmal von den interalliierten Schulden die Eleganz besitzen würden, ihre Forderungen hinsichtlich ber rütfftänbigen Besatzungskosten nicht aufrechtzuer­halten.

nicht bebutfle, ba bie Schwierigkeiten ohne wei­teres von uns selbst aus eigener firaft behoben werben konnten, so haben wir blefen Beweis bes Geistes folibarischer Zusammen­arbeit doch mit großer Genugtuung begrüßt. Leiber muß ich aber auch hinzufügen, baß bie Haltung, bie bei biefec Gelegenheit von an­beten Stellen des Auslanbes eingenom­men würbe, nicht von be m gleichen Geiste beseelt war.

Wenn sich meine Hoffnung auf einen günsti­gen Ausgang der Pariser Verhandlungen er­füllt, dann ist der Weg freigemacht für eine gemeinsame Inangriffnahme aller der großen wirtschaftlichen Aufgaben, vor die sich die Re­gierungen in allen Ländern gestellt sehen. Dar­über hinaus toirb sich alsdann ohne weiteres auch die Lösung derjenigen politischen von der Reparationsfrage unabhängigen Probleme er­geben, die, schon längst zur Losung über­reif, noch als Lleberbleibsel aus dem Kriege in die Gegenwart hineinragen.

Zu den Genfer Verhandlungen über die Frage der allgemeinen Abrüstung sagte der Minister: Die Hoffnung, die ich im vorigen 3ahre an dieser Stelle aussprach, ist. das muh ich in aller Deutlichkeit feststellen, nicht erfüllt worden. Die Dinge liegen nach dem Verlauf der letzten Genfer Beratungen so, daß man äußerlich zwar von einer gewissen Beschleuni­gung des Tempos sprechen kann, dah sich aber in der sachlichen Behandlung der Probleme eine Perspektive eröffnet hat, die in weitgehendem Mähe ein Versagen der Grundidee der allgemeinen Abrüstung befürchten läßt. Mit dem Gedanken einer graduellen und etappenweisen Lösung dieses Pro­blems haben wir uns in Deutschland immer einverstanden erklärt.

Aber auch die auf einer ersten Lntrvaffnungs- konferen; zu erreichende nächste Etappe muß doch selbstverstänblich darin bestehen, daß eine fühlbare Herabsetzung des gegen­wärtigen Rüstungsstandes in allen feinen wefentlichenFaktoren zu Lande, zur See und in der Luft erfolgt. Werden dagegen we­sentliche Rüstungselemente beifeite gelassen, fo kann nur eine Sdjeinlöfung zustande kommen. Auch derjenige, der sich niemals näher mit den Einzelheiten befaßt hat, muß ohne wei­teres erkennen, daß auch nut von dem B e - ginn einer wirklich ernsten Abrüstung nicht die Rede fein kann, solange zwei der we­sentlichsten Rüstungsfaktoren, nämlich die aus­gebildeten Reserven und das firiegsmatetial völlig unberück­sichtigt bleiben.

3ch kann nur meine völlige Ucbereinftimmung mit dem deutschen Delegierten Graf Dernstorsf erklären, wenn er von den Genfer Beschlüssen weit abgerückt ist und die Verantwortung für ihre Folgen denjenigen Regierungsvertretern zugewiesen hat, die für die Beschlüsse gestimmt haben. Auch die Regierungen, deren Augenmerk sich infolge der besonderen Lage ihrer Länder in erster Linie auf die Marineabrüstung richtet, können nicht übersehen, dah es letzten En­des doch das gemeinsame 3nteresse aller Völ­ker verletzen würde, wenn die Landabrüstung mißlänge und wenn infolgedessen namentlich in Europa ein Zustand der Rüstungen aufrechterhal­ten bliebe, der mit einer dauerhaften Sicherung des Friedens nicht ver­träglich ist. Versagen jene Regierungen dem dringenden Wunsche aller Völker nach Abrüstung auch weiterhin ihr Gehör, so tragen sie die Ver­antwortung für eine Entwicklung, der ich meiner­seits nur mit ernster Sorge entgegensehen könnte.

Enttäuschungen und Hoffnungen der deutschen Außenpolitik.

Stresemann spricht über Reparationskonferenz, Meinlandräumung und Abrüstung.

ftoung bittet um Intervention Amerikas?

Wenig Wahrscheinlichkeit für ein Eingreifen Washingtons.

London, 9. Mai. (TU.) Wie die Pariser Ausgabe derRewyork Herald Tribüne" berich­tet, soll die amerikanische Botschaft in Paris ein Telegramm an bie Regierung in Washington gerichtet haben, in dem darauf hingewiesen werde, daß Owen PoungsLage gegenwärtig nahezu hoffnungslos fei, wenn er nicht einige Zugeständnisse in der Form einer Verminderung der amerikanischen Forderungen machen könne. Obwohl die amerikanische Botschaft in Paris selbst nicht mehr tun könne, als Berichte über den Stand der Pariser Verhandlungen nach Washington zu senden, so laufe das Telegramm an die Washingtoner Regierung doch auf ein Ersuchen hinaus, dah Washington inter­venieren und Owen Voung ermächtigen solle, durch eine Verminderung seiner eigenen Forde­rungen eine Einigungsmöglichkeit zu schaffen.

Die Agentur Havas veröffentlicht eine Depesche aus Washington, wonach Staatssekretär Stirn- s o n erklärt habe, daß die Aeparationssachver- ständigen an die amerikanische Regierung kein Ersuchen gerichtet hätten, Konzessionen an den den Vereinigten Staaten zustehenden Be­trägen zu machen, um zu einer Lösung zu ge­langen. Das Staatsdepartement erhälte täglich Berichte über die Beratungen der Sachverstän­digen. Wie verlautet, hätten die Beamten deS Schatzamtes über die Frage der Kon­zessionen konferiert. Bisher sei eine Mit­teilung hierüber nicht ausgegeben worden.

Hoffnung auf einstimmige Annahme.

Die Verteilung soll später geregelt werden.

London, 10. Mai. (WTB. Funkspruch.) Deu­ter meldet aus Paris: Reuerdings heißt es, daß mehrere Gegenvorschläge zu Boungs Verteilungsplan ausgestellt werden, von denen vermutlich jeder anders lauten wird. Dies nötigt aber durchaus nicht, mit einem unbedingten Fehlschlag der Konferenz zu rechnen, es weist vielmehr logischer Weise auf eine Lösung hin, die der britischen Auffassung ent­spricht, wonach die Konferenz zur Erörterung einer Abänderung der bestehenden Prozentsätze schreiten müßte. Es bleibt durch­aus möglich, daß der endgültige Bericht des Ausschusses einschl. der deutschen Annuitäten ent­sprechend dem Boungplan und einschl. mehrerer Sicherungen für Deutschland, die Dr. Schacht vor- schlägt, einstimmig angenommen wird. Damit würde die Konferenz ihre Aufgabe, die derpsche Schuld endgültig festzusehen, gelöst haben. Was die Frage der Verteilung betrifft, so würde es zweifellos mindestens eine Mehrheit (Großbritannien, die Vereinigten Staaten, Sta­llen und 3apan) geben, die eiruzx Anhang an- nehmen würden, wonach die Verteilung einer späteren Erörterung unter den al­liierten Regierungen überlassen bleiben sollte. Falls auch Frankreich und Bel­gien zustimmen, würde die Annahme des An­hangs ebenso einstimmig sein, wie die des Be­richtes selbst.

Nie Reichsanleihe.

Die Wünsche der Länderminister.

Berlin, 10. Mai. Wie wir hören, hat die Besprechung der Länderminister mit dem Reichsfinanzminister über die geplante Reichs­anleihe in Höhe von 500 Millionen, die unter absoluter Steuerfreiheit aufgelegt werden soll, deshalb noch zu keinem Abschluß geführt, weil die Finanzminister von Bayern, Würt­temberg und Baden an dieser Sitzung nicht teilnehmen konnten, so dah die süd­deutschen Kabinette ihren Standpunkt bis Frei­tag darlegen müssen, damit der Reichsrat noch am Freitag den Gesetzentwurf verabschieden kann, und der Reichsfinanzminister in die Lage gesetzt wird, schnellstens mit den Banken die Verhand­lungen aufzunehmen. Von feiten der Länder wird an und für sich der Anleihe gegenüber keine grundsätzlich ablehnende Hal­tung eingenommen, doch sind von den Ländern verschiedene Aenderungsanträge zu erwarten, die am Freitag im Reichsrat zur Abstimmung kom­men sollen. 3m Vordergrund steht namentlich der Plan, einen Deckungsfonds zu schaffen, der den öaucrnöen Kassenkalamitäten vorbeugen soll. Ein anderer Antrag verlangt ähnliche steuerliche Begünstigungen, wie sie für die neue Reichsanleihe vorgesehen sind, für bie Anleihen der Länder, mindestens eine Be­freiung von der Kcft)italertragssteuer. Auch aus den Kreisen der Länderminister wird aber die Rvtwendigkeit betont, dem Reich sofort zu helfen und durch die notwendigen Maßregeln für eine Beendigung der Kassenmisere zu sorgen. Der Reichsfinanzminister hat in diesem Zusammen­hänge, wie wir erfahren, angekündigt, dah er nach den Pariser Verhandlungen mit einem um­fassenden finanziellen Ref ormpro- gramm vor die gesetzgebenden Körperschaften treten wolle, bei dem anscheinend die Reichs­regierung stärker als bisher die Führung übernehmen will. 3n den Rahmen dieser großen Finanzreform wird nach unseren 3nfoc- mationen dann auch die endgültige Regelung' der