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und damit Arbeitsniederlegungen, die in die ernsteste Rähe geruckt sind, vermeiden. Durch neue Verhandlungen, bei denen Vertre­ter der Spitzenorganisationen mitzuwirken eveck* tuell bereit wären, sei die Möglichkeit einer Ver­ständigung zu geben. Bislang hätten sich die Spitzengeweüschasten mit Erfolg für die Un­terlassung jeder gewerkschaftlichen Kampf­handlung bei den Eisenbahnerverbänden bis zum Abschluß der gewünschten neuen Verhandlungen eingesetzt. Zum Schluß erklären die Spihenver- bände, daß sie au einer Aussprache über even­tuell zu beschreitende Wege, die zu aussichts­reichen Verhandlungen führen können, jederzeit bereit sind.

Oie Reichsrichttinien für -en Wohnungsbau.

Berlin, 9. April. (V. D. Z.) 3m Reichstags- ausschuß für das Wohnungswesen wurde die Be­ratung des Entwurfs vonAeichsricht linien für das Wohnungswesen fortgesetzt. Es handelt sich um den Abschnitt B, der für den Wohnungsbedarf nach Zahl uni) Art der er­forderlichen Wohnungen Richtlinien festsetzt. Aus­nahmefälle von der Beschränkung auf höchstens vier Wohngeschosse sollen auch für einzelne Groß­städte nicht mehr getroffen werden. Bei der Pla­nung des Wohnungsbaues sind neben Kleinsied- lungsbauten und Eigenheimen in er st er Linie Zwei- und Dreizimmerwohnungen mit Küche und Bad vorzusehen. Gegen K l e i n st - Wohnungen bestehen die schwersten wohnungs­politischen Bedenken. Sie sind nur zulässig zur Unterbringung von Einzelpersonen oder alter kinderloser Ehepaare, deren größere Wohnungen hierdurch freigemacht werden können. Bei der Planung ist die Möglichkeit einer späteren Zusammenlegung mehrerer Kleinstwohnun- gen vorzusehen. Kleinstwohnungen sind nur zu­zulassen für vorübergehende Benutzung (Unter­bringung von Exmittierten), wenn Spielplatz und TageSunterkunft für die Kinder gesichert sind: für Alters- und Ledigenheime, für Familien mit Kindern usw. muh die Wohnfläche min­destens 48 Quadratmeter betragen, für kinderreiche Familien muß die Wohnfläche größer fein.

Weiter wird bestimmt: «Für kinderreiche Familien und für Familien, in denen tuber­kulosekranke Mitglieder vorhanden sind, sind Wohnungen in ausreichender Größe und in genügender Zahl bereitzustellen. Ledigen­heime sind vorzusehen insbesondere, um Fa­milienfremde aus überfüllten Wohnungen, na­mentlich Kleinwohnungen, herauszunehmen. Hier­zu wird noch ein Antrag angenommen, wonach der Dau von Ledigenheimen insbesondere auch seitens der Länder aus Mitteln der Ausgleichs­fonds zu unterstützen sei.

Das Gnadengesuch des Oberleutnants Schulz.

Beratung im RechtSausschutz des Preußischen Landtags.

Berlin. 9. April. (V.D.Z.) Der Rechtsaus- fchuh des Preußischen Landtags begann am Dienstagvormittag die Beratung der Eingabe des Rechtsanwalts Professor D r. Grimm, Essen, auf Begnadigung undStrafurlaub des Oberleutnants a. D. Paul Schulz. 3n dem Gutachten von Professor Dr. Grimm wird gesagt, daß nach der ganzen Persönlichkeit und dem hohen Verdienst des Schulz für das allgemeine Wohl nicht das geringste Bedenken bestehe, sämtliche Dvraus- setzungen des Schuld-Ausschließungsgrundes für den Eventual-Fall zu bejahen, daß entgegen der Ueberzeugung des Gutachters kein Beweis für die Anstiftung vorhanden sein könnte. 3m Gut­achten von Professor Dr. Krückmann, Münster, heißt es u. a., daß es gegenüber dem gemeinen Denunziantentum in Deutschland wohl kein selbst­verständlicheres Mittel gegeben habe, als die Verbände es gegen Verräter anwandten. Höch­stens könnte man wegen unnötiger Grausamkeit vvrgehen und allenfalls fahrlässige Tötung, nie- tnaß aber Mord annehmen.

Als Berichterstatter erörterte Abgeordneter Dr. Kriege (DBP.) zunächst eingehend die drei er­gangenen Urteile, nämlich bas des Berliner Schwur­gerichts, der Revisionsentscheidung des Reichsgerichts und das ablehnende Urteil über die Wiederaufnahme des Berfahrens. Im zweiten Fall erörterte er die Frage, ob die Persönlichkeit des Schulz, selbst wenn er schuld wäre, Anlaß zu besonderer Begnadigungsaktion biete. Diese Frage bejahte der Berichterstatter, in dem er sich auf die Urteile bezog, die die früheren militärischen Vorgesetzten über den Oberleutnant Schulz abgegeben haben. Im übrigen behielt er sich seinen endgültigen Antrag als Berichterstatter vor.

Der Vertreter des Justizministeriums, Ministerial­rat Herrmann, teilte mit, die neuen Verteidi­ger des Schulz hatten vor der Eingabe an den Landtag und vor Beantragung des Wiederauf­nahmeverfahrens die umfangreichen Gerichtsakten gar nicht eingesehen und seien so zu einer ganzen Reihe irriger Schlußfolgerungen ge­langt. Zur Zeit schwebten übrigens noch zwei an­dere Fememordsachen; auch sei heute der Haupttäter Büsching in Amerika verhaftet worden und auf dem Wege nach Deutschland. Weiter sei die Beschwerde im Wiederaufnaymeverfahren für Schulz noch nicht rechtskräftig erle­digt. Niemand im Ausschuß könne sagen, daß an Schulz keine Schuld sei. Die Regierung bitte den Ausschuß, die Gnadeneingabe zurückzuwei - fen. Weiterberatung Mittwoch.

Der Könia von Bulgarien beim Reichspräsidenten.

Berlin, 9. April. (WB.) König Boris von B u l g a r i e n , der sich zur Zeit inkognito in Berlin aufhält, stattete heute dem Reichspräsidenten von Hindenburg einen Besuch ab. Der König, der von seinem Adjutanten, Oberst Draganow, und dem bulgarischen Gesandten in Berlin, Dr. P o - poff, begleitet um 12 Uhr im Hause des Reichs­präsidenten eintraf und von einem zahlreichen Pu­blikum freundlich begrüßt wurde, verweilte in einer etwa dreioiertelstündigen Unterhaltung beim Reichs­präsidenten. Der Reickspräfi dent wird den Besuch des Königs nicht erwidern können, da er immer noch Rekonvaleszent i ft Der Reichspräsident wirb jedoch durch Staatssekretär Meißner seine Karte abgeben lassen.

Oer Bombenanschlag in Delhi.

Was sagt England?

Die Bomben, die im Hause der gesetzgebenden Bersammlung in Delhi vom Rang herunter gewor­fen wurden, haben in London sehr starke Erschütte­rungen hervorgerufen. Begreiflich genug. Der Eng­länder hat sich daran gewöhnt, an Schwierigkeiten, die in Indien entstehen können und die auch oft ge­nug bereits greifbar waren, oorbeiAubenten. Die Sache ist ihm sehrunbeha glich. Also schaltet er sie, wenigstens soweit er nicht in der Regierung sitzt, aus seinen Kalkulationen aus. Seit Jahrhunderten ist es schließlich alles gut gegangen, warum soll das nicht weiter so laufen? Tatsächlich haben die Englän­der als Kolonialvolk es ja auch glänzend verstan­den, des indischen Problems Herr zu werden, wenn man von den wenigen Aufständen absieht, ist diese Bevölkerung von dreihundert Millionen mit einem verhältnismäßig kleinen Heer in Schach gehalten worden. Voraussetzung dafür war freilich, daß das Prinzip des Teilens und Herrschens bis in die letzten Feinheiten durchgeführt wurde, und auf diesem Klavier haben die Engländer spielen gelernt. Gäbe es in Indien wirklich so etwas wie ein einheitliches Volk, dann wäre die ganze englische Herrschaft längst weggeblasen. Aber das Glück für England war, daß auf diesem uralten Kulturboden sich Völker, Rassen und Religionen in einer Gemengelage befanden, die ein unent­wirrbares Chaos brachte, jedenfalls dazu führte, daß bei den scharfen inneren Gegensätzen

stets der eine Teil gegen den andern ausgefpielt werden konnte.

3n den letzten 3ahren aber hat sich darin mancherlei geändert. Es ist offenbar so etwas wie ein indisches Rationalgefühl ent­standen, das die Gegensätze zwar noch nicht über­brückt. aber doch gemindert hat. Immer noch ist es so, daß dem Hindu seine Kuh heiliger und wichtiger ist als alles andere, daß er in leiden­schaftlichem Haß sich gegen die Mohammedaner wendet, sobald er irgendwo einen Angriff auf seine Religion auch nur vermutet. Dennoch aber ist die Wirkung G h a n d i s nicht spurlos an der Bevölkerung vorbeigegangen, und vor allen Dingen die Russen haben es ausgezeichnet verstanden, den verschiedenen Rassen und Re­ligionen begreiflich zu machen, daß sie doch einen gemeinsamen Feind in England haben. Die verschiedenen Strömungen beginnen also, in ein Bett zu laufen, hat sich diese Ent­wicklung vollzogen, dann muh der Wassersturz über England hinweggehen. Deshalb die verzwei- felten Versuche der englischen Regierung, zu retten, was noch zu retten ist. Sie toben sich jetzt in einem vergeblichen Kampf gegen die Kommunisten aus. Sie treffen damit nur die Symptome, aber nicht die Krankheit selbst. Der Fehler, daß auch die indischen Regimenter in Europa fochten, macht sich bitter bemerkbar, In­dien ist das Gespenst im englischen Hause ge­worden.

Die Regierungskrisis in Oesterreich.

Berlin, 9. April. (Eig. Meldung.) Bekannllich wird jetzt in Oesterreich der Versuch unternommen, mit den Sozialdemokraten zu einem Ausgleich und zu einem gemeinsamen Arbeitsprogramm zu gelangen. Die Hauptstreitpunkte, die bisher die Arbeit des Parla­ments lahmgelegt haben, sind bekanntlich das Mie- tengefetz, das Wohnbaugefetz, und die Neuregelung der Zuständigkeit zwischen dem Bund und den Län­dern, also die Verfafsungsreform. Man rechnet in Oesterreich noch mit einer längeren Dauer der Kri­sis, wobei gegenwärtig die Aussichten einer gewissen Einigung mit den Sozialdemokraten nicht un­günstig erscheinen. Der Führer der Heimwehren, Dr. S t e i d l e, hat auf der Tagung der Reichs­parteileitung der Christlich-sozialen Partei den Standpunkt seiner Organisationen ausführlich dar­gelegt und der Auffassung Ausdruck gegeben, daß im Falle einer Nichteinigung mit der Opposition ein Kampfkabinett gebildet wer­den müsse, um den Widerstand der Opposition mit parlamentarischen Mitteln zu bezwingen. Dabei soll sich eine einheitliche Auffassung innerhalb des Reichs- parteivorstandes der Christlich-sozialen Partei er­geben haben, insbesondere auch eine völlige lieber- einftimmung mit den politischen Auffassungen des zurückgetretenen Bundeskanzlers Dr. Seipel,

Oesterreich und Italien.

Politische Folgen eines Wiener Fußballspiels.

R o m, 9. April. (Privatmeldung.)Giornale d'3talia" veröffentlicht einen aus Wien datierten und mit S. T. gezeichneten Artikel über einen Fußballkampf Italien Oesterreich, der am vergangenen Sonntag in Wien ftattfanb, und bei dem es nach der Behauptung des Ver­fassers infolge der feindseligen Hal­tung des österreichischen Publikums zu ZwischenfäUen kam, denen das Blatt offenbar eine symptomatische Bedeutung beilegt. Der Ver­fasser des Artikels führt darüber Beschwerde, daß die italienischen Fußballspieler von der Wiener Polizei nach Hause geleitet werden muhten. Der Artikel polemisiert ferner gegen die Berichte der Wiener Blätter über das Match und deutet an, daß der italienische Gesandte wegen der Zwischenfälle einen Schritt bei der österreichischen Regierung unternommen habe,©iornale d'3talia" nimmt zu den Aus­führungen seines Wiener Berichterstatters noch in einem besonderen Artikel Stellung, in dem er­klärt wird, daß derHatz Oesterreichs gegen Italien die Zwischenfälle verschuldet habe. Auch einige italienische Blätter beschweren sich über den Mangel an Gastfreundschaft, den die Wiener bei dem Fuhballkampf an den Tag gelegt hätten. Dagegen erkennen die Berichte der »Stampa" und der ..Regime Fascista" an, daß die österreichische Mannschaft ihren Sieg wohl verdient habe.

Polen.

Ein neues Kabinett in derBildung begriffen

Warschau, 9. April. (WB.) Der von wüsten Beschimpfungen und Anklagen strotzende Artikel Marschall Pilsudskis hat die innerpolitische Lage Polens bedeutend verschärft. Viel beachtet wurde der Umstand, daß gestern amtlicherseits die Absicht einer Konferenz mit Marschall Pilsudski, dem Staatspräsidenten und Dr. Bartel energisch be­stritten wurde. Das regierungsfreundliche Blatt Kurjer Poranny" macht Stimmung für ein Ka­binett Switalski. Dr. Kasimir Switalski gilt als Exponent der parlamentsfeindlichen und halb- faschistischen sogenanntenObersten Gruppe'. In den Wandelgängen des Sejms verbreitete Gerüchte wollten sogar wissen, daß sich der Staatspräsident gegen eine Regierung Switalski ausgesprochen habe. Als Handelsminister empfiehlt das gleiche Blatt General Gorecki, als Innenminister General Skladkowski und als Minister für soziale Fürsorge Oberst Kolloncay bzw. den Chef des Kabinetts des Marschalls Pilsudski, Oberst Prygor. Marschall Pil- sudski würde als Kriegsminister, Zaleski und Car als Außen- bzw. Justizminister in einem solchen Kabinett verbleiben.Kurjer Porannn" behauptet sogar, daß Switalski bereits die Mission erhalten habe, eine Regierung zu bilden.

Oie Niederwerfung des Aufstandes in Mexiko.

N e u y o r k, 8. April. (WB.) An der mexikanischen Grenze hat seit Samstag kein Kampf statt- gesunden. Nach einer amtlichen Meldung ist General Calles in Guadalajara eingetroffen. Er begibt sich von dort nach Mazatlan, wo er fein Hauptquartier aufschlagen wird. An der Westküste bringt die Bundesarmee des Generals Cardenas gegen die Re­

bellen weiter vor. Auch der Vormarsch der Bundes­truppen gegen die Stadt Chihuahua dauert an, ohne daß es zu Kämpfen gekommen märe.

Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags.

Darmstadt, 9. April. Gemäß Artikel 15 Abs. 1 und 2 des Sondergebäudesteuergesetzes vom 11. Dezember 1928 für das Rechnungsjahr > 1929 unterbreitete heute der Minister für Arbeit und Wirtschaft dem Finanzausschuß die von ihm geplanten Ausführungsbestimmungen über Mietunter st Ätzungen und Son­dervergütungen. die im Gesetz vorgesehen sind. Die Ausführungsbestirnrnungen sollten eine einheitliche Regelung durch alle Kreisfürsorgeverbände sicherstellen. Der Ausschuß beschäftigte sich eingehend mit den Ab­sichten des Ministers und regte zu einzelnen Punkten Verbesserungen an. Der Minister wird, ehe die Bestimmungen an die Kreisämter und Kreisfürsorgeverbände hinausgehen, die Bestim­mungen dem Ausschuß nochmals unterbreiten. Da im übrigen die Arbeit des Finanzaus­schusses erledigt ist, wurde eine neue Sitzung noch nicht anberaumt.

Aus aller Welt.

Line wiener Jubiläumsfeier für Theodor Billroth.

Die von der Akademie der Wissenschaften, der medizinischen Fakultät der Universität, der Gesell­schaft der Musikfreunde und der Gesellschaft der Aerzte aus Anlaß der hundertjährigen Wiederkehr des Geburtstages des Chirurgen und Organisators der Krankenpflege, Theodor Billroth im Zeremo­niensaal der Hofburg veranstaltete Festver­sammlung gestaltete sich zu einer einmütigen Huldi- gung für den großen Gelebrten. Mit dem B u n - despräsidentenMiklas, den Vertretern der Regierung, dem deutschen Gesandten Grafen Lerchenfeld und den Mitgliedern des Diplomati­schen Korps war alles erschienen, was einen Rang und einen Namen auf dem Gebiete der Wissen­schaft hat. Auch zahlreiche ausländische Gelehrte fan­den sich ein, besonders aus Deutschland. Professor E i s e l s b e r g hielt die Festrede, in der er eine Schilderung des Werdeganges und der Persönlich­keit Billroths gab, die unvergeßlich fortleben werde, solange es eine geistige Geschichte der Menschheit gebe. Eifelsberg erinnerte an die Liebe und die Ver­ehrung der Nachwelt für den großen Meister, die heute hier so hervorragende Persönlichkeiten ver­einige, und die zeige, daß Billroth auch weiterhin im Andenken der medizinischen Welt fortlebt. Sodann schilderte er die Bedeutung Billroths als Forscher, Gelehrter, Lehrer und Arzt und schloß: Worte ver­mögen Billroths Werk und feinem Wesen nicht ge­recht zu werden. Er war unter Millionen von Men­schen einer, der unwiderbringlich ist. Sein Werk ge­wann ihm die Unsterblichkeit. Wir beugen uns dank­bar vor feiner Größe.

Der Lokaltermin auf Schloß Jannowih.

3 annowih, 9. April. (WB.) Bei dem Lokal­termin. der heute auf Schloß 3annowih ftattgefun» den hat, hat Gras Christian Friedrich versucht, vor der Äntersuchungskornrnission die S i t u a t i o n z u rekonstruieren, wie sie war. als Graf Eber­hard von dem tödlichen Schuß getroffen wurde. Er demonstrierte auch dabei seine Bewegungen mit dem Gewehr, das er, wie aus seinen früheren Aussagen bekannt ist, in der fraglichen Rächt auf glattes Funktionieren der Ladeeinrichtung unter­suchen wollte. Bei dem Versuch wurden heute Exerzierpatronen gebraucht. Die Sachverständigen stellten fast, daß tatsächlich Ladehem­mungen leicht möglich sind. Bei dem Ver­such. die Kammer des Gewehres zu offnen, soll diese hochgeschlagen sein, wobei die Möglichkeit bestand, daß sich ein Schuß löste. Der von der Verteidigung herangezogene Schießsachverständige P r e u h hat heute wiederholt erklärt, es bestehe große Möglichkeit dafür, daß die Vorgänge sich so abgespielt haben, wie der Verhaftete sie schil­dert. Weitere Versuche erstreckten sich auf die Rachprüfung der Schußrichtung. Graf Christian Friedrich erllärt, daß er das Gewehr nicht an die Schulter gesetzt habe, sondern daß sich der Kolben in der Gegend der Brust befand. Die Sachverständigen sollen die Angaben des Grafen Christian Friedrich als durchaus glaubhaft und zumindest nicht widerlegbar bezeichnet haben. Cs ist dem­nach nicht unwahrscheinlich, daß die Anklage nur wegen fahrlässiger Tötung erhoben werden wird. Der Verteidiger des Grafen Christian Friedrich beabsichtigt, die Haftentlassung seines Mandanten zu beantragen.

Der Kapitän der ,,3'm alone freigesprochen.

In Neu-Orleans wurden die Gerichtsvorverhand­lungen gegen Kapitän Randall vom kanadischen SchonerJ'm alone" und die sieben Mann starke Besatzung dieses Schiffes wieder ausgenommen, die angeklagl waren, eine Verschwörung gegen dasBrohibitionsgesetz angezettelt zu haben.

Kapitän Randall und feine sieben Mitangeklagten wurden auf Antrag des Staatsanwaltes freige- sprachen. Bei feiner Beantragung der Freispre­chung betonte der Staatsanwalt, es fei selbstverständ­lich, daß die Zurückziehung der Anklage das Recht des Küftenschiffes, auf das Schmugglerschiff zu schie­ßen und es in Grund zu bohren, keineswegs in Frage stelle. Es wird vermutet, daß das Justiz­ministerium in Washington den Bundesbehörden empfohlen hatte, die Anklage zurückzuziehen.

Räuberischer Aeberfall auf eine Chicagoer Synagoge.

Fünf maskierte und mit Revolvern und Schrot-, flinken bewaffnete Banditen drangen in die erstes rumänische Synagoge ein und beraubten die dort, anwesenden etwa 80 Männer und Frauen um ' Geld und Juwelen. Cs ist dies der erste Raub- Überfall, der in Chicago jemals auf ein Gottes­haus ausgeführt worden ist. Zur Zeit des Heber- falles sand im Ernpfangsraurn der Synagoge, in dem seinerzeit auch die Königinmutter Marie von Rumänien bei ihrem Besuch in Chicago emp­fangen wurde, eine festliche Veranstaltung statt. Ein Vertreter der rumänischen Regierung, Victor Philipps, hielt gerade einen Vortrag über die Zehnjahrfeier des vereinigten Rumäniens, als die Banditen hereinstürmten und alle Anwesenden zwangen, sich an der Wand aufzustellen. Die Banditen rissen den Frauen die Arm­bänder und Ringe von den Armen und Händen und nahmen dem Rabbi Goldstein seine Geldbörse ab. Als sie jedoch bemerkten, daß diese den Ramenszug des Besitzers trug, gaben sie die Börse dem Rabbi zurück. Dem rumänischen Ehrengast Philipps nahmen sie 60 Dollars ab, übersahen jedoch 500, die er in einer Geheim- lasche bei sich trug. Bei der Durchsuchung, die etwa eine halbe Stunde dauerte, wurden einige der Anwesenden von den Banditen versehentlich übergangen. Unter diesen befand sich auch der rumänische Vizekonsul von Chicago. Rachdem die Banditen mit ihrem Raub geflüchtet waren, verrichtete der Rabbi ein Dankgebet dafür, daß niemand verletzt oder getötet worden war.

Erdrutsch am Corner See.

Der Hafen von A r g c g n o am Corner See wurde von einem Erdrutsch in der Länge von etwa hun­dert Meter z e r ft ö r t. Man nimmt an, daß der Bergrutsch durch den tiefen Wasser st and verursacht wurde, welcher einen Erdrutsch unter der Wasserlinie zur Folge hatte, sowie durch den star­ken Wind. Zuerst verschwand der Leuchtturm und sodann der Hafendamm in einer Breite von 25 Meter. Menschenleben wurden nicht gefährdet. Die Katastrophe, durch die zwei Drittel des Hafens vernichtet wurden, hat einen Schaden von 300 000 Lire verursacht.

250 Morgen Waldschonung niedergebrannt.

3n den jungen Kulturen der staatlichen Wal­dungen bei Siegburg brach am Dienstag ein großer Waldbrand aus, dem etwa 250 Mor­gen junger Tannen- und Fichtenkulturen zum Opfer fielen. Erft den fieberhaften Bemühungen der Feuerwehren von Lohmar und Siegburg so­wie der Forstbeamten und einem ArbeitsLom- mando des Gefängnisses zu Siegburg gelang es, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken und ein ilcbergrcifen des Brandes auf den Hochwald zu verhindern. Der Schaden ist beträchtlich. Heber die Entstehungsursache ist bisher nichts bekannt geworden. Eigenartigerweise befand sich der Brand an derselben Stelle, wo vor etlichen Jah­ren sich der Herd zu einem gewaltigen Hoch- waldbrand entwickelte.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Das skandinavische Tiefdruckgebiet hat sich süd­wärts entwickelt und lag mit seinem Kern heute morgen über Rord- und Mitteldeutschland. Die gestern an feiner Südseite eingeströmten Warm­luftmassen hatten starke Erwärmung gebracht, und gestern abend setzten Regenfälle ein. Durch die Südwärtsverlagerung des Tiefs haben bei uns die Winde nach Westen umgedreht. .Unter dem Zustrom maritimer Luftmassen an der Rückseite des Tiefs nimmt unser Wetter weiter­hin einen unfreundlichen Charakter an. Die Tem­peraturen gehen noch etwas zurück und Regen­schauer treten auf.

Wettervoraussage für Donnerstag: Unfreundliches, wechselnd wolkiges Wetter, kühl und Regenschauer, westliche bis nordwestliche Winde.

Wettervoraussage für Freitag: Noch unbeständiges Wetter.

Lufttemperaturen am 9. April: mittags 12,2 Grad Celsius, abends 7 Grad; am 10. April: morgens 4,7 Grad. Maximum 12,4 Grad, Minimum 3 Grad. Erdtemperaturen am 9. April: abends 10,3 Grad; am 10. April: morgens 5,4 Grad Celsius. Nieder­schlag 3,5 mm. Sonnenscheindauer b3A Stunden.