Nr. 264 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberheffen)
Samstag, 9. November 1929
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Die Körner spielt also in diesem so schaffenen Stück — man kann das ja alles
jene Politik der kleinen Mentalität der Polen so trennend und die Völker Deutschland und Polen.
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Zum Schluß: „W eihnachtseinkäufe" von Schnitzler. Das ist der zweite der sieben Einakter im Zyklus „Qlnotol“ aus den Jahren 1889 und 1890, zu dem Hofmannsthal ein unvergeßliches Vorspiel schrieb. Früher Schnitzler also, aber echter Schnitzler. Wiener Dekadence in Reinkultur. Obwohl sie sich nicht immer so melancholisch, dafür aber oft genug frivoler gebärdet.
Immerhin: die typische Mischung aus Melancholie und Frivolität beherrscht auch hier die Szene, die im dramaturgischen Sinne kaum eine „Szene" genannt werden kann. Es ist eine Episode, eine Begegnung, ein Gespräch, ein Spiel mit Worten und Gefühlen, — „die Komödie unsrer Seele", wie Hofmannschal es nannte.
Erstaunlich, wie die Körner sich in dieser kurzen Szene verwandelt hat: nicht äußerlich, nicht im Kostüm allein, sondern vor allem im Ton. Wie die Stimme (und mit chr jedes Wort in diesem Spiel der halben Töne) — diese zuvor
Nadelstiche, die der sehr entspricht, stehen entfremdend zwischen Es scheint, als ob könne nie des Polen
Sie färbt gewissermaßen auf das Ensemble ab: man merkt es an Kleinigkeiten. Das Ensemble wirkt ungleich, im ganzen doch immerhin besser, als man es auf manchen anderen Prominentengastspielen zu sehen bekommt. Allerdings gibt es auch welche, die im Gesamtniveau niedriger stehen, aber im Zusammenspiel einheitlicher ar-
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Beginn der Spielzeit Donnerriaa, 14. Wo« vemv„ 16.15 llbr, im 11. (**., IModitraitt. Bc'vrechtmii Heil« nehmet imlelbft.
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andeuten — die Herzogin von Marlborough, eine Rolle eben auf der Linie der Elisabeth etwa, oder der Milford — nur in die leichtere, minder gefährliche Atmosphäre des Lustspiels überseht.
Man müßte nun, um zu beschreiben, wie sie wirkt, etwa den Eindruck einiger dieser im Theatersinne „großen" Szenen — im zweiten und im vierten Akt zum Beispiel — wiederzugeben versuchen. Wie da das Theaterspielen auf einem gewissen Gipfelpunkt angelangt ist, zunächst äußerlich, in der Airbahnung, Fortführung. Steigerung und raffinierten Zuspitzung eines Dialogs bis zur eleganten Pointe. Wie Sah um Sah, Wort für Wort, einem Räderwerk gleich, ineinandergreifen. Und wenn sie endlich, ganz zuletzt, rauschend im pompösen Staatslleid, schnellen Schrittes und erhobenen Hauptes hinausgeht, und im Verschwinden, aber sehr deutlich hörbar, das letzte Wort behält, ihren Trumpf gewissermaßen noch hinter der Kulisse ausspielt —: dies ist von einer außerordentlichen Wirkung.
reichste sind. Wohl nur noch ein geographisch europäisches Volkstum, die im zentralrussischen Reiche zusammengefaß^en, Osteuropa besiedelnden Vötterstäinme, übertreffen die Deutschen an seelischen Urkräften. Dagegen zeichnet die Deutschen, im Vergleich zr den Russen, eine kräftigere Entwicklung des Denkvermögens und des Willens aus. Ihr Streben nach der Ganzheit der Vernunft, ihr geistiger Ordnungssinn, macht das ausgesprochen Abendländische aus, das sie vom Osten unterscheidet. Aus diesem Sachverhalt folgt die Terechtigung, die Deutschen nicht nur geographisch, sondern auch geistig das Volk der Mitte zu nennen. Aus dieser Vielseitigkeit ihres We.cns schöpfen sie die die Außenwelt immer wieder vor Rätsel stellende Fähigkeit, auf verschiedenartigsten Gebieten Höchstleistungen zu vollbringen: anderersei.s umschließt diese umfassende Veranlagung die Gefahr der einseitigen K r ä f t e e n t w i ck - lung nach der einen oder anderen Richtung: bald nur geistig, bald nur militärisch, bald nur wirtschaftlich; selten aber politisch, waS alles zusammen wäre.
Dieser Mittelstellung ist das deutsche Volk untreu geworden: es wurde westlich. Unvermittelt stehen sich heute die entfesselten Urkräfte des Ostens und die unlebendige mechanistische Zivilisation des Westens gegenüber. Der Sinn des Abendlandes, das Christentum in seiner ureigenen zeitlosen Reinheit, ist deshalb bedroht. Europa ist ein absteröender Körper geworden, weil fein Herz nur noch schwach und unregelmäßig schlägt. Bleiben die Deutschen westlich, das heißt verstandesbeherrscht, so gibt es keinen abendländischen Geist, kein Europa mehr. Die Rückbesinnung der Deutschen auf ihr eigenstes Wesen entscheidet sonach das Schicksal der „Alten Welt". Heute geht es um die Rückkehr aus der Einseitigkeit in die innere Ausgeglichenheit der deutschen Seele. Rur Zeiten, welche eine solche Harmonie deutschen Wesens kannten, waren Blütezeiten: geistige und politische Entfaltung liefen gleich. So war Europas Höhepunkt das Mittelalter. Europas Rettung wird ein neues Mittelalter sein.
Heute treibt die Entwicklung einseitig dahin, weder das politische noch das geistige Leben in höhere Bahnen zu lenken. Sämtliche Spitzenleistungen liegen auf dem Gebiete der Technik und ihrer wirtschaftlichen Ausnützung. Hier tobt sich der irregeleitete Drang ins Grenzenlose aus. Hier erwuchs die furchtbare Täuschung, ein Volk könne sich mangels politischer und geistiger Kräfte mit Mitteln der Wirtschaft behaupten. Dieses Prachtbeispiel eines Trugbildes wird späterhin noch gewürdigt werden. Hier soll nur die Rotwendigkeit neuer Wertmahstäbe und realer Schau der Wirklichkeit gezeigt werden.
Wird der Deutsche wieder zum abendländischen Gottsucher, so wird er auch Vorkämpfer des
verlautet doch, daß der Verzicht auf das Rück- kaufsrecht auch dann nicht gegeben sei, wenn „schlechte Bewirtschaftung des Bodens" und ähnliche Gründe vorliegen. Daß man auf polnischer Seite solche Fälle mit Vergnügen und Geschick zu k onstruieren wissen wird, ist ohne weiteres jedem klar, der mit der polnischen Mentalität vertraut ist. Eine absolute Sicherheit und restlose Gewähr für die Wahrung deutscher vvltspolitischer Belange ist mithin nicht gegeben.
Daß Polen aus die weitere Liquidation des Grundbesitzes deutscher Staatsangehöriger verzichten will, ist erfreulich, aber man darf anderseits nicht vergessen, daß der weitaus größte Teil aller Liquidationen l ä n g st durchgeführt ist. Unter diesem Gesichtspunkte mindert sich das polnische Zugeständnis, in Zukunft auf alle Liquidierungen zu verzichten, erheblich und — schließlich ist es nach den bisherigen Erfahrungen keineswegs sicher, ob Polen sich wirklich an das Abkommen halten wird, vielmehr besteht die Befürchtung, daß Polen auch in Zukunft unter dem Deckmantel der Agrarreform seinen Vernichtungskampf gegen den deutschen Grundbesitz in der abgetretenen Ostmark fortführen wird. Dieser Verzicht auf we'tere Liquidation aber wird erlauft mit der Verpflichtung, daß die zwischen Deutschland und Polen schwebenden Ansprüche und Forderungen als gegeneinander aufgerechnet und abgegolten angesehen werden, Forderungen, die infolge der Ausführung des Versailler Vertrages und der Abtretung deutscher Gebiete an Polen entstanden sind. Während die eigentlichen Gläubigermächte die Liquidationen ohne Entschädigung der be» trosfenen Deutschen vornehmen konnten, hatte Polen nach dem Friedensvertrage zwar auch das Recht, deutschen landwirt chaftlichen und industriellen Besitz zu liquidieren, aber gegen eine Entschädigung, die jedoch in den meisten Fällen lächerlich gering ausfiel. Die aus' dieser unzulänglichen und nicht ausreichenden „Entschädigung" entstandenen privaten deutschen Entschädigungsansprüche sollten nach den bestehenden Verträgen auf schiedsrichterlichem Wege ausgeglichen werden. Die Entscheidungen, die von dem deutsch-polnischen Schiedsgericht zu treffen waren, ließen einen für den deutschen Standpunkt günstigen Aus- gang erwarten, wie durch sie auch die schamlosen Methoden der polnischen Liquidationstätigkeit an den Pranger gestellt worden wären.
Runmehr übernimmt das Reich die Entschädigungspflicht hinsichtlich der Ansprüche deutscher Privatpersonen. Damit entsteht entweder eine neue starke Belastung desReichs- haushaltes, für die keine Deckung da ist, oder auch diese Geschädigten müssen ebenso mangelhaft abgefunden werden, wie die Kriegsund Nachkriegsgeschädigten und Verdrängten. Bei den deutschen Entschädigungsforderungen handelt es sich in der Hauptsache um Ansprüche geschädigte Rc-ichsang:h'rig:r, zu Unrecht verdrängter Dcmänenpächter, ent igachr deutscher Grund- und Fabrikbesitzer: auf polnischer Seite um Ansprüche, die zum größten Teil noch aus Kriegszeitcn stammen, deren Berechtigung zum Teil uncrwiesen oder strittig ist. Jedenfalls sind die deutschen Forderungen erheblich höher als die der Polen, so daß Polen bei der gegenseitigen Aufrechnung ein hoher Gewinn zufällt.
Daß finanzielle Opfer gebracht werden müssen, wenn es gilt, das betzrohte Deutschtum jenseits der neuen Grenzen zu sichern, steht außer Frage. Wird dieser Zweck aber durch das Abkommen tatsächlich erreicht? Das wird der Reichstag, dem das Liquidationsabkommen vorgelegt werden muß, in erster Linie zu prüfen haben. In jedem Falle aber wird zu fordern sein, daß Polen die weitgehendsten Garantien
Ende November erscheint im Verlag der | Deutschen Rundschau, Berlin, Dr. Edgar I. Jungs Werk: „Die Herrschaft der Minderwertigen, ihr Zerfall und ihre Ablösung durch ein neues Deutsches Reich" neubearbeitet und bedeutsam erweitert in zweiter Auflage. Wir sind in der Lage, im folgenden einen Vorabdruck aus dem Teil „Die Wiedergeburt der deutschen Seele" zu bringen.
Es ist kein Zufall, daß die Auseinandersetzung zwischen der gesetzesreligiösen und der protestantischen Seite des Christentums auf deutschem Boden stattgefunden hat, daß das deutsche Volk also z im Träger der Ganzheit christ - lichen Lebens geworden ist. Denn vielge- st a l t i g wie die deutsche Landschaft ist auch die deutsche Seele. Die sich verströmende nordische Seele mischt sich in ihr mit der still- ruhenden ostischen. Zahlreiche Hinzumischungen anderen Rassegutes, bedingt durch die europäische Mittellage, vollendeten die Mannigfaltigkeit deutscher Eeelennot. Das Land, das die Deutschen bewohnten, hatte ebenso wenig feste Grenzen wie die deutsche Innenwelt. Grenzenlosigkeit und Neigung zu innerer Verschwendung muhte eine solche Landschaft fördern. Im Herzen des Abendlandes pulsierte das gesamte Leben der Christenheit, jede Regung und jede Störung verstärkt empfindend. Der Ausgleich zwischen seelischen Urkräften und vernunftgemäßem Eestaltungswillen vollzog sich in der deutschen Seele, wurde ausgekämpft auf dem Boden Deutschlands. Es wurde zum geistigen und militärischen Kampfplätze, auf welchem die Kräfte des Abendlandes um höhere Einheit rangen. Deutsche Ritter, deutsche Dauern und Bürger kolonisierten den Osten Europas. Sie türmten den lebendigen Wall gegen Mongolen und Türken. Deutsche Heere zerfleischten sich für die Reinheit der christlichen Lehre, wie sie die Heiligen Stätten mit ihrem Blute getränkt hatten. Auch der blutmäßige Anteil an der Uebersee- kolonisation ist bedeutend. Aber jeder Einsatz geschah vers ch wend er isch: die Blüte der Ritterschaft sank im Morgenlande dahin, die deutschen Städte des Ostens wurden ver- slawt, die kulturformenden Kräfte der Reformation kamen den Angelsachsen zugute, die überseeischen Kolonien erhielten ihre politische Prägung von nichtdeutschen Staaten. Deutschland selbst war das Schlachtfeld Europas, seine blühenden Städte, sein bestes Blut, die Denkmäler seines Geistes wurden durch Krieg vernichtet, die fremde Böller auf deutschem Boden austrugen. Kein Land, kein Volk ist im wahren Sinne des Wortes so europäisch wie das deutsche.
Die geistige Mittellage des deutschen Volkes berechtigt zu der Anschauung, daß die Deutschen unter den Völkern des abendländischen Kulturkreises das seelisch umfassend sie und
beiten. (Hier spürte man, bei aller Geläufigkeit, ein paar textlich und szenisch lockere Stellen.)
Von den Partnern gewinnt der ernsthafteste Gegenspieler im Stück, Heinz Leo Fischer (Bolingbroke), auch künstlerisch den besten Anschluß an die Meisterin: gelassen, gescheit, gefährlich: so ist der Mann, der hier gebraucht wird. Die große Paktszene des zweiten Altes spielt er ausgezeichnet.
Bei Anneliese Götz (der Tochter der Körner) spürt man Einfluß und Abhängigkeit am stärksten. Ihre Queen Ann, anfangs etwas flattrig und blaß, wurde zum Schluß immer besser. Eine sehr muntere Naive: Gisela Zidek (Abigail): während Hanns Nagl als Mashamdurchaus im konventionellen Fahrwasser steckenblieb. —
gut wie abgeschlossen sind. Völlig abwegig aber ist die hier und da vertretene Auffassung, als ob mit dem Abschluß eines Handelsvertrages wie des Liquidationsabkommens nun auch eine Gesamtbereinigung der zwischen Deutschland und Polen schwebenden Probleme begonnen habe oder gar bereits erfolgt sei. Davon kann solange keine Rede sein, ehe nicht die Korri- Vorfrage und das oberschlesische Problem ihre Lösung zu einem für Deutschland erträglichen Sinne, e.je nicht die brutale Unterdrückung des Deutschtums in Polen ihr Ende gesunden hat.
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für die Einhaltung der eingegangenen Verpflichtungen gibt und das Höchstmaß an realer Sicherung für den Schuh der Deutschen in Polen erreicht wird. Das ist um so dringender notwendig. als die nationalistischen Kreile in Polen heute schon gegen den Verzicht auf die ßiqui- dationen Sturm laufen, mit ter Begründung, daß die Zahl der in Polen befindlichen deutschen politischen und wirtschaftlichen Niederlassungen noch viel zu groß sei, als daß Polen auf die Waffe der Liquidation verzichten könne.
Das Liquidationsabkommen ist nur ein Vorläufer des deutsch-polnischen Handelsvertrages, über den die Verhandlungen so
Eine Mischung aus Liebe und Staatsaktion, aus Jntrigue und Verwirrung, mit repräsentativen Gebärden, mit großen Szenen, mit dauernder Spannung, mit Minen und Gegenminen und fabelhaften Trümpfen und ungemein effektvollen Abgängen. Das sitzt, das- knallt, das federt, das macht Spaß, das amüsiert und unterhält diesseits und jenseits der Rampe.
Was geschieht? Nichts. Oder so gut wie nichts. Weihnachten in Wien. Auf der Straße. Vor den Schaufenstern. Im Schneefall. Anatol trifft Gabriele. Anatol ist — typisch — der „leichtsinnige Melancholiker", zwischen zwei Frauen. Der Mondänen in der „großen Welt", wo er nur verstanden wird, und dem süßen Mädel in der „kleinen Welt", in der Dorstadt, wo er nur geliebt wird. Er erzählt der mondänen Dame Gabriele feine anspruchslose Liebesgeschichte, sie will ihm helfen, ein Weihnachtsgeschenk für „die Kleine" zu finden ... und gibt ihm zuletzt nur ein paar Dlumen für sie mit und ein paar resignierte Worte: daß die große Dame vielleicht ebenso hätte lieben können, wenn sie den Mut dazu gehabt hätte.
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Cpeteiie in 3 einen von Aktor Vcon und Veo Stein.
Munt von vr üessr. Tiencstag, 42-^.
Gießener Etaitttheaier.
(Gastspiel Hermine Körner.
„Wir spielen immer; wer - weiß, ist klug."
Schnitzler.
Heinz Leo Fischer bestand auch hier, als Anatol, neben der großen Partnerin in allen Ehren. Er hat da, von Natur aus, den ganz unversälschten Wiener Akzent und er trifft in Haltung und Umriß diesen einst fast berühmt gewordenen „Helden" des Oesterreichertums in der Literatur mit einer feinen und unvordringlichen Einfühlungsgabe. —
Uebrigens zeichnete er auch für die Tourneeleitung verantwortlich: wie weit die Regie darin einbegriffen ist, wissen wir nicht.
Das Haus war gut besucht, der 'Beifall (für hiesige Verhältnisse) sehr herzlich. Dr. Th.
Von Eugene Scribe weih man, daß er. 1791 in Paris geboren, 1861 daselbst gestorben, feit 1834 Akademiemitglied war, daß er etwa vierhundert Bühnenstücke hinterlassen hat und im zweiten Viertel des vorigen Jahrhunderts auf den Pariser Theatern den Ton angab.
Von seinen Stücken, die er sozusagen im Fabrikbetrieb r^nd mit einem Stabe von Mitarbeitern verfertigte, ist heute nicht mehr viel übrig. Gerettet und behauptet hat sich außer seinen Opern- texten (vor allem für Meyerbeer) eigentlich nur „Le verre d’eau“ — immerhin feit dem Jahre 1840.
Das alles mag ja noch Routine sein. Aber man bemerkt im Laufe des Abends doch manches, was mehr ist. Da ist einmal die Stimme: eine sehr ruhige, dunkle, sympathische Stimme — sympathisch noch in ihrer ganzen Ueberlegenheit, ihrer Kühle und ihrer Schärfe, wenn die Trägerin den Gegner in die Enge treiben, matt setzen, lächerlich machen, erledigen will ...
Und dann, wir kennen nur wenige Schauspielerinnen, bei denen man das gleiche Gefühl hat: wie sehr sie jederzeit über der Sache steht, wie sehr sie chre Leute um sich herum beherrscht, nicht aus Technik, sondern in der Reife und der geistigen Führerschaft ihrer Persönlichkeit.
Stadttheater
Lonning, von U' <-15, Uhr ßnimoliflc 2lufiüü: rung. Steine x ieile. L imi im Sommer«
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Dr. örirör. Handle u. fritba Nimeb Swlöori iönn/imJO.i'iov., Wer Wonne inent i'rrMiöenuoiuellimg SnlSbte 20’1. UW
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Hochschulnachrichten.
Der ordentliche Professor Dr. Franz 'Bewerte iinGreisswald hat einen Ruf auf den Lehrstuhl des deutschen bürgerlichen Rechts an der Universität Frankfurt a. M. als Nachfolger von Geheimrat K. Durchard erhalten. "Berufungen nach Königsberg, Frankfurt (1920), Bonn und Heidelberg hat der Gelehrte abgeleynt. Dey- erles Arbeiten betreffen besonders Rechtsgeschichte und schweizerisches Zivilrecht. — Professor Dr. Theodor Süß in Göttingen hat einen Ruf als Extraordinarius für bürgerliches Recht an der Universität Dr esl au erhalten. — In der medizinischen Fakultät der Universität Marburg ist der Privatdozent für Hygiene Dr. Hans Schmidt zum nrchtbeamteten außerordentlichen Professor ernannt worden. Dr. Schmidt ist erst kürzlich beauftragt worden, an der Marburger Universität im Wintersemester 1929 1930 die Hygiene in Vorlesungen und Uebungen zu vertreten. Der aus Düsseldorf gebürtige Hygieniker leitet das Institut für experimentelle Therapie „Emil von Behring" in Marburg.
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Ausgleich mit polen?
Daß die Beziehungen Deutschlands zu Polen schlechter, man könnte sagen gespannter, als zu irgend einem anderen seiner Nachbarländer, Frankreich eingeschlossen, sind, ist eine nicht forkzuleugnende Tatsache. Dom Tage seines Bestehens an, hat sich der junge polnische Staat überall und bei zeder Gelegenheit in einen bewußten und betonten Gegensatz zu Deutschland gestellt, dem er doch in erster Linie feine Befreiung von der russischen Herrschast verdankt. Die großen politischen und territorialen Fragen, wie die Grenzführung im Osten durch Versailles, die Korridor- und die Oberschlesien- frage, die unerhörte Verfolgung und Bedrückung der deutschen Minderheit und letzten Endes auch
so flare, kühle, oft schade und sehr beherrschende Stimme ganz weich wird, sich verschleiert, ohne im mindesten an Deutlichkeit zu verlieren, wie sie nicht mehr geistig akzentuiert, sondern gefühlsmäßig gefüllt wird: vollkommener Ausdruck der leisesten Regung im Innern. Und wie sie im Abbrechen, in llebergängen, im Wiederansetzen das Unausgesprochene, das „Zwischen und hinter den Worten" spiegelt, auf das es ja bei Schnitzler und den Dichtern seiner Art so sehr ankommt.
Auch diese Leistung ist nicht, wie manche wollen, nur und allein aus der Könnerschast, aus der in allen Sätteln -gerechten Wandelbarkeit und Anpassungsfähigkeit eines kühl-bewußten oder gar berechnenden Schauspielertums zu erzielen. Menschliche Reife und ein ganz echtes Frauen- gefühl haben in dieser vorüberwehenden Gestaltung zum mindesten: „mitgespielt".
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jablutiö neiutbi. Ange« 7211 on nz. erb.
Wenn man dieses „Glas Wasser" heute betrachtet, versteht man sehr wohl seine Un- erschöpslichkeiL Es ist natürlich ein Erzeugnis seiner Zeit, es ist ein Stück mit alten Mitteln, ein Stück mit alten Requisiten, mit Beiseite» sprechen und Kniesall, mit Galanterie und Hutschwenken, mit „Lesen Sie diesen Brief!" und .Ach, da kommt sie ja!"
Das schadet aber nichts. Denn es hat im übrigen genau die Mischung, die dem Publikum im Theater gefällt und die der Schauspieler auf der -Bühne immer wieder gerne darstellen wird.
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Hermine Korner: sie ist, unter den prominenten deutschen Schauspielerinnen der Gegenwart, vielleicht die einzige wirkliche Heroine alten Stils uno zugleich großen Formats.
Sie ist, vielleicht, d i c Elisabeth: sie ist, ganz sicher, die Milford: und da es, unzweifelhaft, heute niemanden in Deutschland gibt, der ihr die Herzogin von Marlborough (bei Scribe- nachspielt, so war es klug von ihr, sich diese Rolle für die Gastspielreise auszusuchen.
Noch klüger aber: der Marlborough die Schnitz- lersche Gabriele gegenüberzustellen — nicht nur des pikanten und interessanten Kontrastes wegen, sondern weil sie im Nebeneinander und Nacheinander dieser beiden Rollen die ganze Spannweite ihres Könnens wundervoll zu zeigen vermag.
Hier wird mit zwei polaren Beispielen ein Rollenregister abgesteckt, dessen Umfang wohl mancher zuvor nicht vermutet hätte, und dessen Beherrschung eben doch mehr voraussetzt als nur Routine und die souveräne Geste einer modernen Neuberin. —
doch zu einem Hande lsvertrage mit dem östlichen Nachbar zu gelangen. Aber diese Bereitschaft hat auf polnischer Seite nie Widerhall gesunden, sie prallte ab an der polnischen Intransigenz, die sich frei jedweder Gelegenheit geltend machte.
Die Haager Verhandlungen über den "Boung- plan und das von Macdonald ausgegebene Stichwort von der „Liquidierung der Der - g a n g e n h e i t" haben auch dem Ausgleich mit Polen neuen Auftrieb gegeben und zu deutsch- polnischen Verhandlungen über eine Reihe von finanziellen und damit zusammenhängenden anderen Fragen geführt. Niederschlag dieser Verhandlungen war das deutsch-polnische Liquidationsabkommen vom 31. Oktober. Die mit ihm getroffenen Abmachungen zerfallen in drei Teile, einmal das polnische Rück- kaussrecht auf deutsche ^Bauerngüter, ferner den polnischen Verzicht auf weitere Liquidierung deutschen Grundbesitzes und schließlich den Verzicht beider Staaten auf ihre gegenseitigen Entschädigungsansprüche.
Um was geht es hier im Einzelnen? Bei dem Rückkaufsrecht handelt es sich um eine Bestimmung aus der Zeit vor Gründung des polnischen Staates. Die preußische Ansiedlungskommission hatte sich bei der Ansehung von Siedlern in den östlichen Provinzen das Recht Vorbehalten, im Falle des Verkaufes oder des Crbganges ein Siedlunqs- oder Rentengut wieder zurückkausen zu können. Die polnische Auffassung ging nun dahin, daß mit der Erlangung der Souveränität über die abgetretene deutsche Ostmark die polnische Regierung auch in die Rechte der früheren Ansiedlungskommission ein- getreten sei. Auf dieses Rückkaussrecht — es handelt '*H um ungefähr 12 030 Güter, bzw. Dauernstellen mit ungefähr 50 000 Hektar Doden - ist jetzt in den Erbfällen ersten und dtrei.cn Erades, nid)', aber anderen Grades verzichtet worden. Der polnische Verzicht beseitigt ohne Zweifel ein Moment der Unsicherheit, schwebte doch bisher immer das Damoklesschwert des von Polen angemaßten Rückkauss- richtes im Erbfalle über dem Haupte der deutschen Ansiedler. Aber das polnische Zugeständnis wird entwertet durch die Deschrän- fung des Verzichtes. Und auch weitere Hintertüren scheint sich Polen ofsenlassen zu wollen,
das Wort, der Deutsche .
Freund sein und umgekehrt, auch heute noch Geltung besitzt. Des Reiches und seiner Regierung 6d)uli> allerdings ist es nicht, daß die Spannung zwischen den beiden Nachbarländern unvermindert scharf anhält. Auf deutscher Seite hat immer der Wille zu gerechtem Ausgleich bestanden — und nicht besser kann diese Aus- gleichsbereitschast dokumentiert werden als durch die sorgesehten deutschen Bemühungen, trotz aller von polnischer Seite gemachten Schwierigkeiten
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