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Nr. M Zweites Blatt

Oie slowakische Frage.

Zum Prager Hochverratsprozetz Tuka.

Von unserem ns-Berichterstatter.

Nachdruck, auck mit Quellenangabe, verboten. Prag, August 1929.

Ende Juli hat vor einem Strafsenat des Kriegs­gerichtes in Preßburg, der Hauptstadt der Slowakei, der größte politische Prozeß begonnen, den die tschechoslowakische Republik in den zehn Jahren ihres Bestandes erlebt hat. D r. Bela Tuto, Professor des internationalen Rechtes an der slowakischen Uni­versität in Preßburg, der Hellste Kops unter vielen hellen Slowakenköpfen und der einflußreichste Mann in der slowakischen Volkspartei bis 1. Januar 1929, sitzt aufderAnklagebank. Die Anklage sagt: Hochverrat, begangen durch die Schaffung ge- Heimer militärischer Organisationen und die Vor­bereitung der gewaltsamen Loslösung der Slowakei aus dem tschechoslowakischen Staatsverbande. An die 50 Seiten zählt die Anklageschrift. Ein Roman könnte nicht spannender sein. Keine raffiniertere Anklage wurde je bei einem Gerichte eingebracht. Sie stützt fid) auf das Gesetz zum Schutze der Republik, jenem tschechoslowakischen Ausnahmegesetze, dessen Ter­minologie so engmaschig ist, daß es kaum eine Aeußerung oder Regelung aus oppositionellem oder nationalem Minderheitenlager geben könnte, die nicht strafrechtlich zu verfolgen wäre.

Wie immer dieser Prozeß ausgehen, nach Wochen das Urteil gefällt werden mag, daß es Tat­sache werden kannte, beweist allein schon, wie weit es her ist mit der politischen Konsoli­dierung der Tschechoslowakischen Republik, die eine rührige Auslandpropaganda gerne glauben machen möchte. Und vor allem: in dem Staat, der seinen Namen auch nach dem Volk der Slowaken trägt, gibt es eine slowakische Frage. Ein politi- sches Paradoxon! Wie manches andere auch im Moldauftaat. Viel dürfte der normale Mitteleuro- päer van der Slowakei nicht wissen. An die 400 Kilo­meter östlich von Prag beginnt sie, wo das Wald­gebirge der Karpathen aus dem Boden wächst, zu­gleich Grenze zwischen denhistorischen Ländern" Böhmen, Mähren und Schlesien und dem einstigen Königreich Ungarn. Zwischen hohen Bergen zieht der bis zum Jahre 1918 königlich-ungarische Land­strich am Innenrande der Karpathen ostwärts, schließlich verlängert durch das autonome .Jarpathen- rußland" bis an die rumänische Grenze. Das Volk der Slowaken war einmal sehr arm. Viel hat sich daran auch bis heute nicht geändert. Der hausierende slowakischeRastelbinder" mit seinen Mausefallen aus Draht und die slowakischenSchumlierer" mit ihren gellenden Dudelsäcken waren vor dem Kriege in der ganzen Donaumonarchie bekannte Gassen­figuren. Diele Slowaken waren auch übers Meer gefahren und manch einer von den ebenso verwahr­losten wie intelligenten Gesellen hat es in Amerika zu Wohlstand, ja Reichtum und Einfluß gebracht.

Seit einem Jahrzehnt nun ist dieses Volk von 3,5 Millionen aus seiner Abgeschiedenheit in die Geschichte eingetretcn. Die tschechischen Emigran­ten in Paris. Moskau, London und Reuhork unter der Führung des landflüchtigen Prager Llniversitätsprofessors Thomas G. Masaryk hatten früh schon Verbindung gesucht mit den recht gut organisierten Bauernsöhnen aus der Slowakei, die ihre Heimat nicht vergessen hatten. Masaryk und sein Schüler Denesch, der nach­malige, und noch heute amtsführende Außen­minister der Tschechoslowakei, wußten die Grün­dung eines Slowakischen Rationalrates in Szene zu sehen und die stammverwandten Emigranten selbst für einen unabhängigen aber gemeinsamen Staat der Tschechen und Slowaken zu begeistern. Am 30. Mai 1918 schloß Masaryk mit den Ver­tretern des Slowakischen Rationalrates zu P i t t s b u r g in USA. einen feierlichen Vertrag. Der enthielt das gemeinsame Programm: selb­ständiger Staat der Tschechen und Slowaken; doch volle Autonomie für die Slowaken, eigene Verwaltung, eigenen Landtag, eigene Ge­richte, in Schule, Amt und Oeffentlichkeit soll das Slowakische die offizielle Sprache seinl

Rascher als selbst Masaryk es geahnt, kam der Zusammenbruch. Am 28. Oktober wurde in Prag der unabhängige Staat der Tschechen proklamiert. Drei Tage später verkündeten slowakische Poli­tiker in St. Martin in einer feierlichen Dekla­ration die Unabhängigkeit des slowa­kischen Siedlungsgebietes und seinen Anschluß an diehistorischen Länder". In Paris

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

agierten die Tschechen, Denesch voran. Die Pa­riser Vorstadtverträge brachten den Tschechen die Erfüllung ihrer politischen Wünsche und noch mehr: uen Staat der Tschechen, die Slowakei mit einaeschlossen, hinfort genanntTschecho­slowakische Republik", und dazu noch 3,5 Millio­nen Deutsche, 1 Million Ungarn, 250 000 Polen. In die neuen Staatsverträge schon hatten die tschechischen Unterhändler den Vegriff der tschechoslowakischen Ration" und der tschechoslowakischen Sprache" einge­schmuggelt. Die Machthaber daheim in Prag organisierten den straffsten Zentralismus. Pater Andreas Hlinka, der Priester und alte Führer der Slowaken, der schon im Vorkriegs-Ungarn den Regierenden manches Kopfzerbrechen ver­ursacht hatte aber immer als Kavalier behan­delt worden war, auch wenn man ihn ab und zu verzweifelt und ratlos auf eine Festung setzte war sein erstes Opfer; weil er es gewagt hatte, auf eigene Faust nach Paris zu reisen und zu versuchen, verbriefte Rechte in den Friedens­verträgen verankern zu lassen, mußte er in den Kerker.

Die slowakische Heimat selbst war führerlos. Ihr fehlte die Intelligenzschicht, die hätte die Führung ergreifen können. Zu gründlich hatte das ungarische Regime einst gearbeitet, das ein­mal keinerlei höhere slowakische Schulen gedul­det hatte. Die wenigen zur Führung fähigen Slowaken hatten ihre Dildung und akademischen Würden in Budapest. Wien, Prag oder im Auslande erworben. Einer dieser Männer war Adalbert T u k a , dessen Vater noch eine un­garisch-slowakische Bibel herausgebracht hatte, nach erfolgreichem Studienabschluß Konzepts­beamter der Budapester Polizei, noch in jungen Jahren an magyarischen Hochschulen in der aka­demischen Karriere, zuletzt in Preßburg. Als die Prehburger Hniversität nach der politischen Reuordnung slowakisiert wurde, machte Tuka diese Wandlung mit. Hm 1920 beginnt sein Auf­stieg in der Partei Andreas Hlinkas, der Slo­wakischen Volkspartei, die die nationalbewußten Slowaken sammelt und im Sinne des Vertrages von Pittsburg und der Deklaration von St. Mar­tin die Idee des slowakischen Autono- m i s m u s verficht. Im Kampfe gegen den Pra­ger Zentralismus, der in der Slowakei zunächst eine brauchbare Kolonie sieht, und an die Stelle der geflüchteten ungarischen Beamten Tunicht­gute und Protektionskinder letzter Garnitur sen­

det, steht Tuka bald an erster Stelle. Als Ge­neralsekretär organisiert er die zerfahrene Par­tei, lernt vom italienischen Faszismus und unter­baut sie mit militärischen Organisationen, den ..Rodobranci" (Heimwehren) und legt sich auch keinerlei Zügel auf, als die Partei zum ersten Kompromiß mit Prag schreitet und gegen eine Reihe von Konzessionen im Januar 1927 zwei Minister in die Prager Regierung emsendet.

Wir werden in die Regierung gehen, so wie man in eine feindliche Burg eindringt, um sie von innen zu erobern." So hatte der Sprecher der Slowaken im Parlament verkündet. Die Par­tei freilich, nach den Parlamentswahlen 1925 der mächtigste Faktor in der Slowakei, litt schwer unter dem Kompromiß, das den radikalisierten Massen unverständlich blieb. Tuka blieb un­versöhnlich. Anläßlich des zehnjährigen Staats­jubiläums am 28. Oktober 1928 veröffentlichte er einen ArtikelVacuum jur Ls": Zehn Heber- gangsjahre, in einer Geheimklausel der Dekla­ration von St. Martin verbürgt, sind vorbei. Mit ihrem Ablauf ist ein rechtloser Zu- st a n d eingetreten, die Slowakei, von den Tsche­chen um ihre Rechte betrogen, ist wieder Herrin ihrer Geschicke. Richt mehr und nicht weniger verkündete Tuka! Wüst war der Widerhall; maßlos die Angriffe von tschechischer Seite und seitens der zentralistisch (aus kulturpolitischen Gründen) eingestellten sozialistischen Parteien.

Die Partei deckte Tuka. Als man ihn im Parlament als Hochverräter, der im ungarischen Solde den Abfall der Slowakei vorbereitete, bezeichnete, stellte ein Parteiausschuß nach durch­geführter Untersuchung das Gegenteil fest. Aber Prag lieh nicht mehr locker. Am 1. Januar 1929 wurde Tuka vom Schreibtisch weggeholt. Er ver­ließ das Gefängnis nicht mehr. Sechs Monate suchten die Schergen im ganzen Lande, am mei­sten in den Klöstern und Pfarreien. Das Ergeb­nis war dürftig genug. Der Prozeß hat jetzt begonnen. Angeklagt sind Tuka und zwei seiner engeren Mitarbeiter, verurteilt werden soll der slowakische Autonomismus. So stellt sich Prag die Lösung einer Frage vor, die zu den Grundfragen des Staates gehört. Die Prager Machthaber haben alle Vorsicht gebraucht, selbst die alte ungarische Strafprozeßordnung, sehr | zweckdienlich und bequem im vorliegenden Falle, wird praktiziert. Tschechischer Rationalstaat oder Tschecho-Slowakei, darum geht es in Wahr- I heit in Prehburg.

Donnerstag, 8. Angnst 1929

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Gleichstellung der Studienanstalten und Ober­lyzeen mit den Knabenschulen und ihre Einbe­ziehung in das öffentliche Dildungssystem hat die Mädchenschule ein Ziel erreicht, das sie jahrzehntelang erstrebt hat. Unb doch befrie­digte die Reform nicht, da der andere Zweig des Mädchenschulwesens, die Frauenschule, gar nicht berücksichtigt wurde. Die Gesamtlage der Mäd­chenbildung war aber so, daß der Frauenschul­gedanke unbedingt weiter entwickelt werden mußte.

Die Stellung der Frau war durch die Wei­marer Verfassung gegen früher völlig geändert; sie trat dem Manne gleichberechtigt zur Seite. Damit erwachsen ihr neue Aufgaben im öffent­lichen Leben. Soll sie ihnen genügen, so bedarf sie einer Vertiefung gerade der dem weiblichen Geschlecht eigentümlichen, oben kurz skizzierten Anlagen. Es ist im Interesse des Volksganzen unbedingt notwendig, daß Frauen herangebildet werden, die auf dem ureigensten Gebiete der Frau führen, hier kulturfördernd und kultur- schaffend wirken, die die neuen Aufgaben und Pflichten der Frau im Leben der Familie, des Volkes und der Gesellschaft klar erkennen und den anderen den Weg' weisen. Dieses Ziel kann aber nur durch die Frauenschule erreicht werden.

Ein weiterer Anstoß zur Weiterentwicklung der Frauenschule ging von den Männern und Frauen aus, die im Gewerbe- und Berufsschul­wesen tätig waren. Die Anregung, die von dieser Seite kam, muhte um so nachhaltiger fein, als die Derusssrage für die Mädchen nach dem Kriege eine ganz andere Rolle spielt als vorher. Damals ergriff nur die Minderheit der Mädchen einen Beruf, heute ist es die überwiegende Mehr­zahl, die sich daraus vorbereitet. Raturgemäh widmen sich die meisten den vorhin schon er­wähnten rein weiblichen Berufen, von denen wiederum derjenige der Gewerbelehrerin, we­nigstens in Rorddeutschland, an erster Stelle steht. Gewerbelehrerinnen nennt man in Rorddeutfch- land diejenigen Lehrerinnen, die den Hnterncht in Hauswirtschaft, Radelarbeit, Säuglings­pflege usw. an technischen Seminaren, Frauen­schulen geben. Ferner unterrichten sie an den Fortbildungsschulen, dort Berufsschulen genannt. Bei uns sind dies die technischen Lehrerinnen. Diese haben eine zweijährige Dorbereitungszeit, wahrend die Gewerbelehrerinnen jetzt im ganzen sechs Jahre brauchen, um zum Ziele zu ge­langen. Diese lange Vorbereitungszeit der Ge­werbelehrerin ist bedingt durch die Bedeutung, die sie gewonnen hat. Die Ausdehnung der Schulpflicht bis zum 18. Jahre hat der Fortbil- dungs- bzw. Berufsschule für die Volkserziehung eine ganz andere Wichtigkeit als früher gegeben. In der Mädchenfortbildungsschule .kommt der Gewerbelehrerin eine entscheidende Rolle zu, denn gerade in den Fächern, die sie vertritt, kann sie erzieherisch wirken. Sie bedarf daher nicht nur großer praktischer Tüchtigkeit auf wissen­schaftlicher Grundlage, sondern auch einer gründ­lichem Durchbildung in Pädagogik, Psychologie, Deutsch und Staatsbürgerkunde. Ihrer volks­erzieherischen Aufgabe kann sie aber nicht ge­recht werden, wenn sie nicht die Verhältnisse, die Sitten und Gewohnheiten der Schichten kennt, aus denen ihre Schülerinnen Herkommen. Zu ihrer Berufsausbildung gehört also, daß sie längere Zeit an Wohlfahrts- oder Fürsorge­ämtern, in Fabrikbetrieben tätig ist, damit sie mit den Dolksschulschichten in Berührung kommen. Aehnlich liegen die Verhältnisse bei den anderen obengenannten weiblichen Berufen. Die an sie ge­stellten Anforderungen wurden immer höher, und demgemäß auch die an ihre Vorbildung. Aus der Praxis der Seminare, in denen die Mädchen ihre Berufsausbildung erhielten, wurde daher die Forderung erhoben, daß sie eine über das Lyzeum hinausgehende Bildung nötig hätten, wenn die Seminarausbildung wirklichen Erfolg haben soll.

Cs ist für unsere Zeit, in der alles nach dem Reifezeugnis drängt, fast natürlich, daß es auch für die Gewerbelehrerinnen und verwandte Berufe verlangt wird. Dies um so mehr, als für eine ganze Anzahl männlicher Berufe, für die seither Obersekunda-, bzw. Primareife ge­nügte, jetzt das Reifezeugnis verlangt wird. Die entsprechenden weiblichen Berufe also eine Min­derbewertung in der öffentlichen Meinung be­fürchten mußten, wenn sie nicht auch das Reife­zeugnis verlangten.

Alsbald aber erhoben sich aus den Kreisen der Berufsschule selbst die gewichtigsten Bedenken gegen daswissenschaftliche" Reifezeugnis. Mußte

Die Frauenoberfchule.

Von Oberstudiendirekior Or. W. Kalbfleisch.

Hm die Wende des 19. Jahrhunderts be­ginnt in Deutschland eine Reuentwicklung des Bildungswesens für die weibliche Jugend: es gleicht sich dem für die männliche an, geht ander­seits aber auch seine eigenen Wege. Die bis dahin siebenjährige höhere Mädchenschule, heute Lyzeum genannt, wird zur Vollanstalt (Studien­anstalt, Oberlyzeum) ausgebaut. Damit ist den Mädchen die Möglichkeit gegeben, sich das Reife­zeugnis zu erwerben und zu studieren. Glück­licherweise waren sich die Kreise, die sich für das Mädchenbildungswesen verantwortlich fühlten, darüber klar, daß für Mädchen der Weg durch die Studienanstalt nicht der einzige sein konnte, der zur Reife führte. Reben den zum Studium vorbereitenden Anstalten mußte eine Schule ge­schaffen werden, die auf die spätere Lebens­aufgabe der deutschen Frau Rücksicht nahm. Hier konnten die dem weiblichen Geschlecht eigen­tümlichen Anlagen, von der heutigen Jugend­psychologiepflegerisch" genannt, entwickelt wer­den: das Mütterliche, das Bewahrende, das Für­sorgliche.

Ziel einer solchen Schule konnte nicht das Studium sein, sondern die Lebenstüchtigkeit. Diese Gedanken zu verwirklichen, wurde die Frauenschule gegründet. Sie baute sich auf die letzte Klasse des Lyzeums auf. Reben allgemein bildenden Fächern hatte sie auch praktische, die natürlich nur insoweit betrieben werden konn­ten, als sie den jungen Mädchen die geistige Einstellung auf die fpezifischen Aufgaben und Pflichten der Frau im Leben gaben. Die neue Schule sollte leine Fachschule für bestimmte Be­rufe sein und hatte daher keine Berechtigungen. Sie konnte aber naturgemäß die Vorbereitung für

die. rein weiblichen Berufe übernehmen: die technische Lehrerin, die Gewerbelehrerin, die Iu- gendleiterin, die Hortnerin, die Kindergärtnerin, die Fürsorgerin usw.

Die Frauenschule sollte zwei Klassen umsassen. In Preußen hat sich aber die zweijährige Frauenschule nicht durchgeseht, während dies in Hessen der Fall war. Bei uns wurden Frauen­schulen in Darmstadt, Mainz, Worms und Offenbach begründet. In Gießen sah man davon ab, wohl mit Rücksicht auf die Aliceschule. Trotz mancherlei Mängel, die wie jeder menschlichen Einrichtung auch der Frauenschule anhafteten, blühte das Frauenschulwesen mächtig auf. Er erwies sich als ein überaus lebenskräftiger und notwendiger Zweig des Mädchenschulwesens. Hm so größer war das Erstaunen all derer, denen es am Herzen lag, daß es bei der nach 1919 ein» sehenden Reformbcwegung völlig unbeachtet blieb. Der Ausgangspunkt für die Hmgcftattung der Mädchenschulen war die recht dürftige Ent­schließung der Reichsschulkonferenz von 1920. Darnach sollte das Mädchenschulwesen nach den­selben Grundsätzen geregelt werden, wie das Knabenschulwesen; Frauenschulen sollten nach Bedarf angegliedert werden. Diesem Grundsatz entsprachen die praktischen Folgerungen, die die einzelnen deutschen Staaten zogen, als sie von 1923 ab daran gingen, ihr Schulwesen umzubilden. Der Zweig der höheren Mädchen­schule, der zur Hniversität führte, wurde end­gültig und vollständig in das gesamte höhere Schulwesen eingegliedert. Er ist gleichwertig neben die höhere Knabenschule getreten. Studientafeln, Lehrpläne und Arbeitsweise sind für die Mäd­chen dieselben wie für die Knaben. Durch die

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