Wo<t' 10. Juli ieotke IV
Hr. 157 Zweites Blatt
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Das Gießener Schützenfest.
Montag, 8. Juli 1929
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3V. Verbandsschießen von Baden, Mittelrhein und Pfalz. - Ein glanzender Festzug. — Herzliche Aufnahme der Gchützengäste.
Gießen steht seit Samstag im Zeichen des Schießports. Es beherbergt das 3 0. Berbands- chießen von Baden, Mittelrhein und
Pfalz, das bis zum 14. Juli dauern wird. Außer- Drbentlid) reicher Flaggenschmuck in den Straßen ! »stundet den Schützengästen aus dem Berbands- jebiet, wie herzlich sie uns willkommen sind. Die gewaltigen Menschenmassen, die gestern beim Fest- ug die Marschstraßen des Zuges säumten, bildeten )cn lebendigen Beweis des freundlichen Widerhalls, )cn das Schützenfest in allen Teilen unserer Bürger- chnft gefunden hat. Leider war nur das Wetter bisher nicht ganz so schön, wie man es den Schutzen gewünscht hatte. Abgesehen von diesem Regiefehler Des alten Petrus, der sich hoffentlich noch gründ- ich bessern wird, klappte bis jetzt alles sehr gut, so baß der Träger des Festes, der Schützenoer- ein Gießen und sein unermüdlich und umsichtig Hassender Vorsitzender, Architekt Philipp N i c o - aus, der sich um diese Veranstaltung hohe Ver- lienste erworben hat, zufrieden sein können.
Nachdem am Samstagnachmittag die auswärtigen Säfte am Bahnhof empfangen worden waren, und der Schützenverein Gießen mit Musik das von Frankfurt a.M. hierher verbrachte Bundesbanner am Bahnhof abgeholt und nach der Volkshalle geleitet hatte, fand als Eröffnung des Festes ein Segrüßungsabenb in der Vo'k halle statt. Das Musikkorps unseres 1. Bataillons Jnf.- Negts. 15 unter Ler Leitung des Obermusikme sters Loder eröffnete den von etwa 1500 Personen besuchten Festabend mit einigen ausgezeichneten Kon- ;crtdarbietungen. Darauf hielt der 1. Vorsitzende des ochützenvereins Gießen
Architekt Philipp Nicolaus
die Begrüßungsansprache, in er u. a. tagte: Allen, insbesondere aber den Schützen, die bereits von nah und fern gekommen sind, um das Fest des 30. Verbandsschießens des badischen, rnittelrh.'inischen, pfälzischen Schühenbundes mit uns zu feiern, entbiete ich unseren deutschen Schühengruß und einen h e r z - iichen Will komm. Ein 3ahr ist es Her, als der badische, mittelrheinische, pfälzische Schützenbund dem Schützenverein Gießen die Ausrüstung des 30. Verbandsschießens über trug. Eine Fülle von Arbeiten galt es zu leisten, sollte das Vertrauen, das der Verband auf Gießen setzte, gerechtfertigt werden. Unserem Rufe folgend, stellten unserem Fest fast alle Vereine der Stadt Liehen aus ihren Reihen Mitglieder als Mitarbeiter zur Verfügung, 'um das Fest vorbereiten und zum Gelingen führen zu helfen. Alle waren beseelt von dem einen Willen, unseren Gästen D-w der Saar und der Pfalz, von Baden, dem Rhein und Main und aus unserem Hessenlande einen würdigen Empfang, unseren Brüdern aus dem besetzten Gebiet Tage der Befreiung holl den Fesseln der Besatzung, frohe Tage der Freiheit in der Feststadt Gießen zu bereiten. 5 ar um sei allen, die an der Erfüllung dieser hohen Aufgabe mitgewirkt haben, herzlicher Dank gesagt. Mit besonderem Danke gedenke ich des hessischen Staatspräsidenten, Herrn Dr. Adelung, der in liebenswürdiger Weise das Protektorat unseres Festes übernommen und uns durch die Stiftung einer herrlichen, wertvollen Ehrengabe geehrt und unterstützt hat. Vicht minder gilt mein Dank der Gießener Stadtverwaltung, die unserer Veranstaltung die weitgehendste Förderung und Unterstützung entgegenbrachte. Für die herrliche Stiftung von sechs wertvollen Ehrengaben seitens der Stadt Gießen danke ich der Verwaltung besonders und mit ihr auch dem Stadtrat. Die reiche Ausstattung unseres Gabentempels gibt beredtes Zeugnis von
Gchleichpfade der Liebe.
Von Walter Hueck.
Die Frauen fürchten sich vor allzu vorzeitigen uub brüsken Liebeswerbungen. Sie wollen mit verbundenen Augen unmerklich zum Abgrund der Liebe geführt werden. Daher war der Mann von jeher genötigt, auf allerlei Schleichpfaden und Umwegen der Liebe zu wandeln.
Am beliebtesten war von altersher die Maske unverfänglicher Freundschaft. Wenn wir hartnäckig fortfahren, nur den Menschen in einer Frau platonisch zu bewundern, dann wird sich eine8 Tages das Werb in der Frau vernachlässigt fühlen, und sich nun freiwillig erschließen. Dann wird uns die Liebe als Lohn unsrer Freundschaft zuteil: die Frau belohnt uns fo gern, wenn sie nur das Empfinden hat, den Liebeslohn aus eigenem Willen und aus freiem Herzen auszuhändigen.
Wer das Mitleid einer Frau wachruft, der spekuliert auf ihre mütterlichen Instinkte. Hierher gehören die zahlreichen Liebesaffären der Krankenpflegerinnen. Wenn die Frau gewöhnt ift, Pen Kranken zu pflegen, zu betreuen, zu Wösten und zu streicheln, dann kann sie ihre inütterliche Liebkosung dem Rekonvaleszenten nicht plötzlich entziehen und steht eines Tages der Liebesforderung des Gesunden wehrlos und hin- pezeben gegenüber. Vielleicht ist es die schönste und edelste Form der Frauenliebe, die dem Mitleid entspringt: sie behält immer einen Akzent selbstloser, überlegener Mütterlichkeit und vermag dem Manne unendlich viel zu geben. . Ungleich wilder, leidenschaftlicher und dämonischer ist jene Liebe, die dem Haß entspringt. Eine Frau wird von einem Manne beleidigt, sie brütet Rache, sie zwingt sich oder ist gezwungen, immerfort an die Beleidigung, die Vergeltung und Bestrafung des Mannes zu denken. Gerade dadurch gerät sie in ein Abhängigkeitsverhältnis zu ihm. Wenn eine Frau überhaupt aus ihrer Gleichgültigkeit herausgetrieben wird, wenn sie in irgendeine Affektverbundenheit zum Manne tritt, dann ist sie schon halb in den Stricken der Liebe gefangen — ganz gleichgültig, ob diese Affekte zunächst positiv oder negativ sind, ob es sich um Mitleid, Bewunderung, Furcht oder Haß handelt.
Wahre und tiefe Leidenschaft ist sogar ohne Furcht und Haß undenkbar. Eine Liebe, die nur au8 den positiven Faktoren der Bewunderung,
der Opferfreudigkeit der Behörden, öffentlichen Körperschaften, Handel, Gewerbe und Industrie und Privaten, durch die wir unsere Scheiben mit reichen, wertvollen Gaben ausrüsten konnten. Allen, die uns in dieser Weise unterstützten, sei unser herzlichster Dank ausgesprochen. 3n liebenswürdiger Weise hat die Presse mitgeholfen zu werben für unser Fest. Für diese wertvolle Unterstützung sage ich der Presse den herzlichsten Dank. Vicht vergessen will ich die Cin - wohnerschaftGießens. die c urch Schmücken der Straßen und Häuser unserer Stadt ein festliches Gepräge gegeben und dadurch an den Herzen unserer Schühengäste bei ihrem Eintreffen sofort die Feststimmung geweckt hat. Möge ein guter Verlauf unseres 30. Verbandsschießens der Lohn sein für alle die Opfer, die im Interesse unserer Veranstaltung gebracht worden sind, möge die Erinnerung an die Gastfreundschaft der Stadt Gießen unauslöschlich eingegraben bleiben in dem Gedächtnis und in den Herzen unserer Gäste. Besonderen Dank zum Schluß sage ich unserem Verband Baden, Mittelrhein und Pfalz für das Vertrauen, das er unserem Gießener Schützenverein und der Stadt Gießen entgegengebracht hat durch die Liebergabe dieses Festes. Diesem Danke unserem Bund gegenüber wollen wir Ausdruck geben durch den Ruf: der badische, mittelrheinische, pfälzische Schützenbund lebe hoch!
Prof. Dr. Popp, Frankfurt a. M., der Vorsitzende des Verbandes Baden, MiNelrhein, Pfalz
dankte im Warnen des Verbandes herzlich für die Begrüßung durch den Vorredner und betonte, daß der Schühenverein Gießen bei der Herrichtung dieses Festes große Opferfreudigkeit an den Tag gelegt habe, um alle Schwierigkeiten zu überwinden und das Fest würdig aufzuziehen. Er wünschte, daß die Mühen und Opfer des Vereins nicht umsonst gewesen sein möchten. Sein Hoch galt dem Schützenverein Gießen.
Vach einigen weiteren schneidigen Darbietungen der Militärkapelle unter Obermusikmeister Löbers Stabführung fand der Einmarsch der Fahnenabordnungen unter den Klängen des Präsentiermarsches statt, anschließend erfolgte die Liebergabe des Bundesbanners an den
Schühenverein Gießen.
Der Derbandsvorsihende, Prof. Dr. Popp (Frankfurt a. M.), hielt dabei eine Ansprache, in der er sagte: Zum Auftakt des 30. Verbands- schießens Baden, Mittelrhein und Pfalz überbringt unsere Deputation des Frankfurter Schützenvereins euch das Banner unseres Verbandes. Dieses Danner wurde, entsprechend einem in Frankfurt a. M. 1926 gefaßten Beschluß und auf Antrag des Mittelrheinischen Schühenbundes, durch die Karlsruher Schühengesellschaft besorgt und tritt heute zum ersten Male an die Oesfent- lichkeit. Es soll ein Wahrzeichen unseres Verbandes sein, der Vereinigung der im Südwesten unseres lieben deutschen Vaterlandes dem edlen Schützensport obliegenden Vereine. Die Fahne, die je nach ihrer Form und Aufhängungsart auch Standarte, Banner oder Wimpel sein kann, ist das Symbol der Zusammengehörigkeit Gleichgesinnter. Auf sie schwuren zu alten Zeiten die in Regimentern und anderen Vereinigungen zusammengeschlossenen kampffähigen Männer. Sie wurde als ihr Heiligtum hochgehalten und verehrt. 3m Borbeiziehen wurde sie ehrerbietig gegrüßt, und sie zu verlieren, galt als eine Schande. Darum setzte auch jeder seine ganze Kraft und sein Leben ein, um die
Hochachtung, Freundschaft, Zärtlichkeit und Zuneigung besteht, ist ein armseliges Ding und vermag keinen Menschen im Tiefsten auszufüllen und zu beherrschen. Erst die negativen Momente, wie Haß, Furcht und Grausamkeit, Ohnmacht und Vergewaltigung, Eifersucht, Enttäuschung und Rachedurst machen die Liebe zu einer gewaltigen, uferlosen Leidenschaft.
Verführe eine Frau zum Haß, und du wirst sie zur Liebe verführen.
Erreicht der Haß eine genügende 3ntimität, so reiht er alle anderen Affekte mit sich fort. Was ist denn Haß? Haß ist der brennende Wunsch, ein fremdes Wesen zu vergewaltigen. Sv werden die Grenzen durchbrochen, Vergewaltigung des fremden, Hingabe des eigenen Wesens vereinen sich, Haß und Liebe fließen zusammen, Leidenschaft ist eine Polarität.
Die Frauen kennen ihr eigenes Herz schlecht so gut sie auch das Herz ihrer Freundinnen durchschauen. Sie neigen zur Freundschaft, sie geben sich gerne dem mütterlichen Mitleid hin und lassen sich leicht zum Haß beleidigten Frauenstolzes verführen — ohne doch bei sich selbst zu zu fühlen, daß Haß, Mitleid und Freundschaft allzu oft nur Vorstufen der Liebe sind.
Zannings' Kampf gegen das „glückliche Ende".
Das „happy end'1, der glückliche Filmausgang, galt in Amerika für eine unbedingte Notwendigkeit des Erfolgs, bis 3annings mit seinem ersten Film „Der Weg alles Fleisches" diesem Vorurteil ein Ende bereitete. Der Optimismus des Amerikaners, sein von praktischen Beweggründen diktierter Wunsch, den Vächsten „glücklich zu machen", ließen das „happy end“ fast als ein nationales 3deal erscheinen. 3annings aber setzte sich mit der ganzen Kraft feiner Persönlichkeit dagegen ein und erfocht den Sieg. Wie ihm dies gelang, davon erzählt er selbst in „Scherls Magazin: Mein erster Film, den ich drüben spielte, „Der Weg allen Fleisches", wurde zugleich der größte Erfolg, den je ein Film in Amerika gehabt hat. Man hatte in den 3ahren vorher den Deutschen in der Filmdarstellung unter den Vachwirkungen der Kriegspropaganda in seinem Wesen nach der unangenehmen Seite hin verwischt. 3eht sah das Volk drüben plötzlich einen deutschen Mann, der in diesem Film wie ein Amerikaner leidet und liebt und für feine
Fahne in Vot zu retten und zu verwahren, denn die Fahne repräsentiert die Macht; und Macht gibt Recht, wie wir ja alle leider zu unserem Vachteil jetzt erfahren haben, ilnfere Standarte soll die Macht repräsentieren, welche wir südwestdeutschen Schützen im Deutschen Schützenbund darstellen, einig und ft art, im De w ußtsein unserer Kraft, zur A u f r e ch t e r h a l t u n g unserer Sonderart im Kranze der in unserem Schühenbund zusammengeschlossenen deutschen Kameraden aus anderen deutschen Gauen und weiter auch im Kranze der anderen im Reichsaus- schuh für Leibesübungen zusammengeschlossenen Verbände. Möge diese Fahne, wo sie auch auf» gerichtet wird, eine Anziehungskraft ausüben, auf die in unserem Verband zusammengeschlossenen Drudervereine und ihre Mitglieder, möge sie sie allzeit zu edlem Sport begeistern und weiter zu treuer Vaterlandsliebe und Kameradschaft. 3n diesem Sinne und mit diesem Wunsche übergebe ich die Fahne dem Giehener Sck)ühenverein zu treuen Hängen.
Der Vorsitzende des Schützenvereins Gießen, Architekt Nicolaus, übernahm das Bundesbanner mit folgenden Worten: „Dreißig Jahre sind es, daß zum letzten Male der Badisch-Mittelrheinisch- Pfälzische Schützenbund in Gießens Mauern tagte, um ein Verbandsschießen durchzuführen. Damals waren es Zeiten, in denen unser liebes deutsches Vaterland noch in Glanz und Herrlichkeit erstrahlte. Diesen Zeiten folgten Jahre schwerster Entbehrungen,, tiefster Not und Demütigung. Ungebrochen aber blieb der Geist, der im Jahre 1861 durch die Gründung des Deutschen Schützenbundes in den Herzen deutscher Schutzen geboren wurde. Und dieser Geist, der Gei st schützenbrüderlicher Liebe und deutscher Treue vereint uns zu dieser Stunde um unser Banner. Das Banner als SymbolderVerbundenheitsoll weben das unzerreißbare Band, das uns Schützen des Verbandsgebietes Baden - Mittelrhein - Pfalz umschlingt. Ihm wollen wir folgen mit dem Gelöbnis: „Wir wollen fein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen noch Gefahr". Und so übernehme ich denn mit diesem Gelöbnis das Bundesbanner aus dem Schutz unseres Frankfurter Brudervereins in die Obhut des Gießener Schützenvereins. Mit diesem Wahrzeichen wollen wir gleichzeitig pflegen den Geist, der dient dem Wohl und der glücklichen Zukunft unseres lieben deutschen Vaterlandes. Anschließend brachte der Redner ein begeistert aufgenommenes Hoch auf das deutsche Vaterland und den Reichspräsidenten o. Hindenburg aus. Gemeinsam wurde dann der erste Vers des Deutschlandliedes gesungen.
Einen Gruß aus Dem besetzten Gebiet überbrachte bann in treubeutschen Worten ber hochbetagte Schütze H e e r b t - Mainz, ber dabei auf die Treue unserer Drüber und Schwestern im besetzten Gebiet hinwies und versicherte, bah bie Liebe zu unserem deutschen Vaterlande dort stets die Herzen erfüllen werde. Zum Schlüsse brachte der Redner ein Hoch auf den Deutschen Schützenbund aus.
Der weitere Verlauf des Abends war mit den Darbietungen unserer 15er Kapelle in bester Weise ausgefüllt. Lebhafter Beifall dankte der eifrig musizierenden Kapelle und ihrem Leiter, und gab diesem Anlaß zu zahlreichen, dankbar begrüßten Einlagen.
Oer Kestzug
Familie lebt, und da das Publikum drüben unendlich naiv und gläubig ist, seelisch viel jünger und eindrucksfrischer als bei uns, so identifizierte es diesen deutschen Mann auf der Leinwand, der ihm sehr sympathisch vorgelegt wurde, mit dem Deutschen überhaupt, und das war gut für unser Land. Diese psychologische Wirkung der Eroberung der amerikanischen Seele für das Deutschtum war mindestens ebenso kräftig wie mancher diplomatische Schritt ... Dazu muh man wissen, daß für den Amerikaner der Film das Hauptvergnügen darstellt, denn das Theaterwesen ist viel weniger ausgebildet als bei uns. 3ch wollte zunächst diese Rolle in dem „Weg allen Fleisches" nicht übernehmen, weil sie mir zu bürgerlich und einfach, zu primitiv erschien, aber die amerikanischen Produzenten haben mir prophezeit, daß gerade diese einfache Rolle das Richtige wäre für die Mentalität ihres Volkes."
„Die einzige Differenz," fährt 3annings fort, „die es zwischen mir und den Produzenten bezüglich dieses Filmes noch gab, nachdem ich. ihren Standpunkt anerkannt hatte, war die, daß es mir gegen den Strich ging, den Film m i t einem „happy end“ zu schließen. 3ch stellte mir das Ende so vor, daß der Held des Stückes nach vielen 3ahren, als er wieder zum Heimatshause zurückgeirrt ist, durch das Fenster beobachtet, wie sich inzwischen ein anderes Glück eingestellt hat und unbemerkt wieder verschwindet. Das war meine 3dee. Die 3dee der Amerikaner dagegen war es, daß ich in das Haus hineingehen soUte, dort erkannt würde und nach einer großen Versöhnungsszene unter dem Weihnachtsbaum ein „happy end“ fände.
Aber da setzte ich meinen Kopf auf und hielt an meinem Standpunkt fest, hauptsächlich deshalb, weil ich mir sagte: Dieser Film kommt doch sicherlich auch nach Deutschland, und was werden die Deutschen dazu sagen, wenn der Schluß so kitschig ist! — 3ch stellte den Leuten vor Augen, daß der Schluß des Films ./Bartet 6", der doch drüben auch einen so großen Erfolg hatte, auch nicht ein „happy end“ zeige, und brachte sie nach langem Zureden doch dazu, meinen Schluß zu akzeptieren. Vun aber kommt etwas 3nteressantes. 3n der ersten Zeit nach der Premiere des Films bekam ich etwa 20000 Briefe, von denen etwa 15 000 das Bedauern darüber enthielten, daß der Schluß des Films so merkwürdig ausgefallen wäre, und dir Frage auf stellten: Warum haben Sie sich am Ende nicht versöhnt? ... Die Amerikaner wollen eben keine Probleme lösen, sie wollen sich
sich den Zug anzusehen, und sie hielten auch aus, als vorübergehend leider gerade während des Zuges Regen eintrat, der jedoch zum Glück nicht allzu lange andauerte. Der Festzug war in drei Abteilungen eingeteilt. Drei Herolde zu Pferde eröffneten den Zug, dann folgten hinter unserer Militärmusik das Dundesbanner, zahlreiche Wagen mit Ausschuhmitgliedern, die Fahnenabteilung der auswärtigen Schützenvereine, dann die Schützenvereine von Mainz, Höchst a. M., Cron» berg, Wiesbaden, Frankenthal, Frankfurt a.M., Offenbach, Frankfurt-Dvckenheim, Lambrecht, Karlsruhe, Wiesloch. Heidelberg und die Gießener Schühengesellschaft 1926. 3n der zweiten Abteilung marschierte zunächst die Freiwillige Gailsche Feuerwehr, dann kam der Kavallerieverein Gießen geritten, der eine hübsche Römische Kriegergruppe zu Pferd und zu Fuß zusammengestellt hatte, hierauf Musik der Kapelle Weller, sodann folgten die Fahnenabteilung der Militärvereine, der Verein ehern. Leibgardisten, Verein ehern. 116er, der Kriegerverein Gießen, Leibdragoner, Marineverein, 3ungmarine, der Artillerieverein mit einem wohlgelungenen Festwagen und Artilleristen in der alten Uniform, der Verein ehern. Kavalleristen, Musik der Kapelle Weller, die Fahnen der Gesangvereine, der Bauersche Gesangverein, die Bürgergesellschaft, Concordia, Frohsinn, Harmonie-Gemütlichkeit, Heiterkeit und der Quartettverein Gießen. An der Spitze der dritten Abteilung ging die Gießener Freiwillige Feuerwehr, dann ein Trommler- und Pfeiferkorps, hierauf die Kapelle Topp, sodann in feiner Aufmachung auf geschmückten Rädern Radfahrerverein Fortuna, Radfahrerverein 1885, mit reichgeschmücktem Wagen der Oberhessische Automobilclub. sodann die Bäckerinnung, Fleischerinnung, Metzgergehilfenverein, Musik, Fahnen aller Sportvereine, Gießener Turnerschaft, Rudergesellschaft von 1877, Verein Rudersport Gießen, Ruderclub Hassia, Wassersportclub Hellas, Spielvereinigung 1900, Musik, hierauf in der schon beim Gleibergfest gezeigten Aufmachung, eindrucksvoll, ein Altgermanischer 3agdwagen, ein Marketenderwagen, eine alte Kanone, weiter Musik der Friedberger Feuerwehrkapelle und schließlich der festgebende Schühenverein Gießen und drei Herolde zu Pferd. Die opferfreudige und dankenswerte Mitwirkung aller Vereine und Personen brachte mit diesem Zuge ein schönes Schauspiel zustande.
Vach dem Festzuge vereinigte ein Festessen in der Volkshalle etwa 600 Personen bei vortrefflichem Mahle. Hierbei sprach zunächst
Bürgermeister Dr. Geib
als Vertreter der Gießener Stadtverwaltung. Ec sagte u. a.:
Es ist mir eine hohe Ehre, namens der S t a d t Gießen und im Auftrage der Provinz Oberhesfen, sowie des Kreisamts Gießen Sie alle aufs herzlich st e willkommen heißen zu dürfen. Stolz und Freude erfüllen uns, daß Sie in so großer Zahl zu uns gekommen sind. Gleich herzliche schühenbrü- derliche Grüße habe ich 3hnen zu übermitteln namens des Ehrenausschusses, der wünscht, daß das 30. Verbandsschießen zu 3hrer vollen Zufriedenheit verlaufen möge. Ein besonders herzlicher Gruß gilt den Herren Vertretern des Deutschen Schützenbundes, sowie dem Herrn Derbandsvorsihenden und den Herren Der- tretern der Verbände Baden, Mittelrhein und Pfalz; ferner heiße ich aufs herzlichste willkommen alle übrigen hier erschienenen Schützen. Leider hat die LänderkonferenK in Berlin es unserem Protektor, dem Herrn Staatspräsidenten Dr. Adelung, zu seinem großen Bedauern
abends glücklich ins Bett legen und streben immer nach einer Auflösung und Befriedigung. Dieses Ende, das gar nicht „happy“ war, ging ihnen gegen die Hutschnur. Da aber der Erfolg in künstlerischer und geschäftlicher Beziehung — namentlich das letztere ist drüben das Ausschlaggebende — so groß war, daß er alle Rekorde brach, so hatte ich mit einem Schlage freie Bahn gewonnen, und man ließ mir viel freiere Hand von nun an. 3a, die Amerikaner sahen sogar in meinem „unhappy end“ eine besondere Spezialität von mir.“
Hochschulnachrichten.
Zur Wiederbesehung des durch die Emeritierung von Prof. F. Oppenheimer an der Universität Frankfurt a. M. erledigten Lehrstuhls der Soziologie ist der Ruf an Professor Dr. jur. et rer. pol. Emil Lederer in Heidelberg ergangen. Prof. Lederer war zunächst im 3ustiz- dienst in Wien tätig, später Sekretär des nieder- österreichischen Gewerbevereins und von 1910 ab Redaktionsfekretär am Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik in Heidelberg, wo er fich auch 1912 für das Fach der Rational- okonomie habilitierte. Er wurde 1917 nach Berlin berufen als Mitarbeiter im Reichsamt des 3nnem zur Bearbeitung der österreichisch-ungarischen Kriegswirtschaft, kehrte später nach Heidelberg zurück und erhielt 1918 den Titel eines außerordentlichen Professors. Vach Ablehnung eines Rufes nach Leipzig (1922) wurde Lederer zum Ordinarius ernannt. 1923 25 wirkte Lederer als Profeffor an der Universität Tokio.
Der Tübinger Privatdozent Dr. jur. Eugen Ulmer hat einen Ruf als ordentlicher Professor für deutsches Recht an die Universität Rostock erhalten. Ulmer wurde 1928 Fakultätsassistent an der Universität Berlin bei Prof. M. Wolff, später Assistent in Tübingen und erwirkte dort 1928 feine Zulassung als Privatdozent.
Das durch die Emeritierung des Prof. 3uL Kaerst an der Universität Würzburg erledigte Ordinariat der alten Geschichte ist dem ord. Professor Dr. 3oseph Vogt in Tübingen angeboten worden. Vogt erhielt 1923 in Tübingen die venia legendi, unternahm eine Studienreise in 3talien, Aegypten, Palästina und Griechenland und war seit 1925 mit der Stellvertretung des Prof. W. Weber in Tübingen beauftragt. 1926 erfolgte seine Ernennung zum Ordinarius. . v\
am gestrigen Sonntagmittag war der glanzvolle Höhepunkt dieses Tages und ein starker Erfolg des Schützenvereins Gießen. Diele Tausende hatten in den Straßen Aufstellung genommen, um


