Nr. 32 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vveryeffen)
Donnerstag, 7. Februar (929
Bauemparieien im Zn- und Ausland.
Don unserer Berliner Redaktion.
Bei der letzten Leichstagswahl haben wir in Deutschland eine starke Vermehrung .der offen für bestimmte berufliche oder StandeSinteressen gegründeten Parteien wahrgenommen, wenn sie auch nicht alle Erfolge an der Urne zu erzielen vermochten. Unter diesen Parteien sind immerhin die Deutsche Bauernpartei, die Sächsische Land- volkpartei und einige Splitter, die nachher größeren Parteien einverleibt wurden, deren Gründung vielleicht von vornherein als Auffang- Organisationen betrieben hatten, mit einer entsprechenden Mandatszahl in den Reichstag ein» getreten. Melleicht dieses Beispiel, vielleicht die allgemeine Rot der Landwirtschaft, die ja nicht auf Deutschland allein beschränkt ist, hat zu einer gleichen önttotdelung in anderen europäischen Ländern geführt. 3n der Tschechoslowakei gibt es zwei, eine deutsche und eine tschechoslowakische Bauernpartei' die rumänische, von dem derzeitigen Ministerpräsi- bentrn Maniu geführte, hat vor kurzem mit einem erfolgreichen und von der Volksmehrheit gebilligten Staatsstreich die Regierung an sich genommen; in Bulgarien haben die Bauernparteien ähnliche Bedeutung, in Holland, in Ska ndinavien besitzen sie immerhin ein« beträchtliche Geltung, und nun hat sich auch in Frankreich eine solche Interessenpartei gebildet.
Die Landwirte- und Bauernpartei, die soeben in Paris zu einer Gründungsfitzung zusammen- getoeten ist, sah Vertreter aus 77, also mehr als vier Fünfteln der französischen Departements. Sie steht als Aufgabe die Zusammenfassung der Landwirtschaft treibenden Bevölkerung und die Vertretuirg ihrer Interessen im Parlament vor sich, hofft aber, dabei nicht im Gegensatz, sondern durch Vermehrung der Kaufkraft ter Landbevölkerung. in wohlverstandenem Einvernehmen mit der Industrie arbeiten zu können, sie will e Landflucht bekämpfen und die Rationa^- sierung der — teilweise srellich austerordentlich rückständ.gen — französischen Landv i tschast durchfuhren Entsprechend dem Devölkerungsantell mühte die neue Partei, wie ihre Gründer glauben, etwa 350 Abgeordnete erhalten können. Das ist natürlich ausgeschlossen, weil noch ganz andere Gegensätze als die rein beruflichen, die Bevölkerung in Frankreich, wie anderswärts von- etnanter scheiden. Aber in der Tat haben sich z.D. für die Fragen des Weinbaues und der Wemcmssuhr gelegentlich schon etwa 250 Abgeordnete der bestehenden französischen Parteien zu einer Zweckgemeinschaft zufammenge- fünften, nimmt man die am Weinbau nicht beteiligten nördlichen Gebiete tes Landes hinzu, so könnte eine bäuerliche Arbeitsgemeinschaft auch ohne Bildung einer eigenen Partei sehr wohl gelegentlich die Hälft« aller Abgeordneten um- fassen
Und gerade deshalb ist die Gründung solcher eigenen Parteien bedenklich. Denn die reinen Stan test tagen erschöpfen niemals den Aufgabenkveis einer politischen Partei; ste mutz auch zu andern, rein weltanschaulichen, außenpolitischen, sozialen und kulturellen fragen Stellung nehmen Und gegenüber solchen Fragen versagt das Einheitsintevesse eines Berufsstandes, treten die trennenden Elemente stärker in Erscheinung und verurteilen die reinen Interessent« nparteien entweder zur Unfruchtbarkeit oder zu politischen Kuhhändeln, die in der Folge leicht wieder zu einem Zerfall der nach berufsständischen Gesichtspuickten Zusammengeschlossenen führen müsten Immerhin ist die Ueberrinstimmung ter parlamentarischen Tendenz der Bauernschaft in den meisten Ländern ein Beweis dafür, daß
Das große Grauen.
Roman von H. A. von Byern.
Urheber-Rechtsschutz d. rch Verlag Oskar Meister, Werdau.
1 Fortsetzung. Nachdruck verboten
.^Unzufriedener Mensch! Ich wollte, ich könnte so ein Stückchen Vorarlberg mit nach Rordteutsch- land nehmen!"
3n Serpentinen zog sich die breite Landstraße hin, zwischen schattenden Wäldchen von Edelkastanien und Platanen. Darm tauchten zerfallene Mauerreste auf, eine altersgraue, von Wildrebe und Epheu umsponnene Ruine, dahinter blau-schwarzes Radelholz, zackig ausgerissene Jelsspitzen. Mit dritter Geschwindigkeit stürmte das Auto vorwärts, eine graue, wirbelnde Staubwolke fegte hinter uns her, eintönig stampfte und Hämmerle ter Motor.
Run waren wir schon tief drinnen im österreichischen Land, dem westlichen Zipfel ter Doppettnonarchie. 3m Wirbeltanz huschten flechtenbehangene Stäuune vorüber, ein Wild- wasser schäumte auf, schoß in sprühenden Kaskaden über moosbewachsene Felsblöcke vorbei. Mit jeder ^Biegung wechselte die Szenerie; wie cin_ Film von ungeheuren Ausmaßen rollte sich Stück um Stück ter wildgrotesken Landschaft ab, schob sich kulissenartig ein Gebirgsstock vor den anderen.
In dem scharfen Lustzug war jede Unterhaltung unmöglich. Erst als die Schlagbäume in den Tiroler Landesfarben austauchten, mäßigte ter Vierzylinderwagen seine Geschwindigkeit und bog dann in einen engen Talpah ein.
„So schweigsam? Du redst ja gar nichts, schaust nur alleweilI"
»Sei mir nicht böse, mein Kerlchen, ich muß mich erst wieder an die österreichische Lebhaftigkeit gewöhnen, wenn man so ganz allein für sich haust — — —"
„Warum hast nit g'heirat', Zeit wird s eh'l"
»Dasselbe könnte ich dich fragen!“
„Ah, i, dös is ganz was anders, ich hab' fein’ Beruf, bin heut hier, morgen da, aber schau.
Reichsreform und Kirche.
Jur Frage des Zusammenschlusses der hessischen Kirchen.
Von Pfarrer Dr. Heckmann, Frankershausen.
3n jüngster Zeit haben die Erörterungen über die Frage eines Zusammenschlusses der verschiedenen evangelischen Landeskirchen in den Grenzen ter Provinz Hessen- Rassau und im Freistaat Hessen weit über die beteiligten Kirchen hinaus Beachtung gefunden. Wir geben, ohne Stellung zu nehmen, einem Kenner ter Verhältnisse zur Darstellung jener interessanten Vorgänge das Wort.
Anlaß, die Frage einer Vereinigung ter Evangelischen Kirchen tn Hessen-Kassel, Frankfurt am Main, Dassau. Wack>eck und im Freistaat Hellen zu erörtern, gab ter Wunsch des zur Landeskirche Hellen • Kaßel gehörigen Kirchem reifes Dockenheim, an die Frankfurter Landestirche angeschttss.en zu werden. Der Landeskirchentag in Kassel hatte zwar grundsätzlich bereits im Zrüh.ahr vorigen 3ahres die Berechtigung des Bockenheimer Wunsches anerkannt, da die Zustände der kirch.ichen Versorgung in diesen der Stadt Frankfurt unmittelbar benachbarten Gemeinden — es kam noch die Gemeinde Fechenheim hinzu — unhaltbar waren. Trotzdem aber tonnte man sich nicht entfchtiehen, die Frage lediglich vom Gesichtspunkt ter Bockenheimer 3n- terc|)en zu lösen, da man fürchtete, andere Amputationen (Rmteln, Schaumburg) würden unter Umständen folgen und die Lebensfähigkeit der Hessen-Kasseler Landeskirche könnte damit in Frage gestellt werten. Aus diesem Grunde wurde die Kirchenregierung unter Vertagung tes Bocken Heimer Antrags beauftragt, mit ter Frankfurter Landeskirche und g.eidjjeitig auch mit den Landeskirchen von Hessen-Ra,,au und Hessen- Darmstadt Fühlung zu neymen und zu untersuchen, in welcher Form sich wohl eine nähere Verbi n d u n g der Kirchen ermöglichen liehe. Der Geftanke. dabei üaer die Grenzen ter politischen ou,ammengehorigleit hinaus,ugreisen und die nicht-preußtsche Landeskirche im Freistaat Heften einzutez ei;en, hat den Marburger K.rchenyijto- riker ttniverfttäts-Pro'ef.or D. Hermelink zum Da.er, ter an das gemeinschast.iche kirchen- geschichttiche Gut tes allen Groß-Hessens dachte. Es kam daraufhin zur Gründung der Marburger Konferenz, die vierteljährlich zusammentritt und aus je einem Mitglied ter fünf Kirchenreg.erungen von Rassau. Darmstadt. Waldeck, Frankfurt und Hellen-Kassel besteht. Den Vorsitz führt gegentoärtig ter Präsident ter Hessischen Kirchenregierung Prälat L>. Diehl, Darmstadt. Die Konferenz, die zur ständigen Einrichtung geworden ist, hat mm nach Wegen gesucht, wie eine Bereinigung ter Kirchen zustande- kommen konnte. Die Verbindung wird zunächst nur eine föderative werten können. DaS heißt, jede Landeskirche würde für sich bestehen bleiben und eine Zusammenfassung ter Kräfte
nur bei bestimmten Ausgaben (z.D. sozialen und Prelle-Ausgaben) erfolgen.
Auf dem letzten Landeskirchentag von Hessen- Kassel im Rovember 1928 wurde nun ter Beschluß ter Abtretung des Kirchenkreises Bockenheim an die Frankfurter Landeskirche gefaßt. Die Vertreter ter Frankfurter Landeskirche wurden zu den Verhandlungen hin- zugezoaen und stimmten einer an Hessen-Kassel zu zah.enten Entschädigungssumme zu, deren erste Hälfte sofort, die zweite nach Ablauf von drei Jahren zu zahlen wäre, falls nicht bis dahin ter Zusammenschluß der betten Kirchen erfolgt ist. Run aber traten die Verhandlungen über einen Zusammensch.uß der fünf Landeskirchen in ein neues Stadium durch einen Antrag tes ehemaligen Kultusministers Exz. v. T r o 11, ter sich über eine Vereinigung über Vie politischen Grenzen Preußens hinaus aussprach und ter Kirchenregierung den Auftrag erteilen wollte, gleichzeitig mit ter Änschluhbcweguna innerhalb ter Provinz die Frage eines Anschlusses an Altpreußen zu erwägen und als Ziel ins Auge zu fassen. 3m großen Ausschuß tes Lan- testirchentages ging dieser Antrag durch. Das Plenum strich jedoch das Wort „gleichzeitig", in ter Einsicht, daß die Hessen-Kasseler Landeskirche nicht allein hier vorgehen kann, wenn ein Zusammenschluß ter Provinzialkirchen innerhalb Hesten - Aassaus zustan bekommen sollte. Außerdem machten sich auch Bedenken geltend, daß die geschichtlich gewordene Eigenart ter Hessen-Kasseler Kirche unter einem Anschluß leiten könnte, ter die doch kleine Kirche zu einem Anhängsel ter großen Landeskirche ter älteren preußischen Provinzen machen würde. Es wurde dabei nicht verkannt, daß ter Evangelische Ober- tirchenrat m Berlin in dankenswerter Weise stets auch die Interessen ter Hessen-Kasseler Kirche tem Staat gegenüber vertreten hall
Zunächst bleibt also das Ziel ter Provinzialkirche, ob und in welcher Form die Kirche im Freistaat Hellen da^utcitt, ob es zur Gründung ci.es mitteldeutschen Ktrchendlocks kommt, das wird auch davon abhängen, tote die po.itischen Verhältnisse in Hessen-Darmstadt sich gestalten. A.s letztes Ziel wurde von dem Kasseler Lantes- kirchentag die Vereinigung aller evangelischen Landeskirchen Deutschlands als erstrebenswert bezeichnell 3m Hellenland gehen die Ansichten über die ganzen Probleme des Zusammenschlusses z. Zeit noch stark auseinander. Gleichwohl dürfen die Vorgänge schon heute unter kirchlichen, kulturellen und politischen Gesichtspunkten das Interesse tes evangelischen Deutschland für sich in Anspruch nehmen. Möglich, daß sich auch von hier aus eine bessere Grundlage findet, die ftnanziellen Ansprüche der Hessischen Kirche gegen den Staat geltend zu machen.
sie »in« besser» Vertretung brauchen und daß alle Parteien gut daran täten, sich ernstlich um die Aufgaben zu kümmern, die auS ter Agvarrwt erwachsen.
Oie Organisation der Stenern
Die Haupteinnahmequellen des Reiches sind neben den Zollen die Steuern. Aus diesem Grunde wird auch immer dann, wie es auch jetzt ter Fall ist, auf die Erhöhung derselben zurückgegriffen, wenn in ter Haushaltskasse ein böses Defizit zu decken ist. Mit der Zeit hat man deshalb ein Steuersystem entwickelt, das derart organisiert ist, daß in gewissem Umfange jeder Reichshaushalt mit einem feiten Steuereinkommen rechnen kann. ®ateimuh aber bedacht werten, daß man diese Methode ter staatlichen Geldbeschaffung früher nicht in dem Umfange nötig hatte, da noch bis ins
jetzt fan man schon in der Oed, hier fangt mei* Revier an, und drüben grenzt ter Perneggf an der andern Seit'n 's Aerar an.“
Hoch droben über den Firnseldern flirrte die Lust, klar unft scharf umrissen hoben sich die zerschlissenen, grauen Gipfel von tem blassen Blau des Himmels ab. Run noch ein weit vorspringender Hch nzug, gigantisch, g eich einem ungeheuren Maulwursshau en, dann wettete sich das Tal zu einem Kessel, Häuser tauchten auf, darüber, in halber Höhe tes Felsens, tote ein Schwalbennest angeflebt, wuchtige Mauern, massive Rund türme.
Vinzenz legte mir die Hand auf den Arm.
»Schloß Tervsal; sogar geflaggt hab' ich dir zu Ehrenl“
Träge wehte im lauen Südwest vom Burg- ftied daS blauweiße Panier mit den drei Lilien und den gekreuzten Schlüsseln im Mittelfeld, daneben die gelbschwarzen österreichischen Farben, Ich richtete mich auf: „Herrgott, ist das malerisch, wie eine verwunschene Märchenburgl''
„Mit einem noch immer unerlösten Junggesellen als Schloßherr, gelt?"
Knatternd und fauchend keuchte das Auto über die letzte, stelle Steigung empor, die schnurgerade Kastanienallee entlang, donnerte durch die überwölbte Toreinfahrt und hielt vor der von zwei in Sandstein gehauenen Pikören flankierten Freitreppe.
Vinzenz sprang heraus.
„Roch einmal, allerherzlichst Willkommens" llnd mit einer Handbewegung nach einem tadellos befrackten Herrn, der wie ein englischer Lord aussah: „Hau Hofmeister White!“
In der riesigen Halle, deren dämmernde Kühle mich zusammenschauern ließ, hing Geweih neben Geweih. Gamskrucke an Gamskrucke. Daneben breitete ein Steinadler seine Schwingen, leuchtete tes schneeige Weih eines Berghasen zwischen blaugrün schillernden Auerhahnstöhen und den Sicheln der Dirlhahnsviele, lautlos ver ank der schreitende Fuß in gestreiften Zebratecken. harschen Saufchwarten, graubraunen Bärenfellen.
„Donnerwetter!"
..Ganz nett, gelt? Ater das Beste hängt droben im Saal: nun ruh' nur erst mal a bisserl, spül dir den Reifestaub ab, a Bad is schon her
ooriae Jahrhundert hinein di« Staaten selbst Unternehmer waren, die eigene ErwerbSeinkünste bezogen. Dieses System mußte naturgemäß mit ter Jett immer weiter zurückgedrängt werten, so daß heute kaum ein Staat eine gut funktionierende Steuerorganisation vermissen kann.
Aus diesem Grunde erscheint es doch einmal angebracht, in großen Zügen diese Steuer- orgamssation zu betrachten. Zunächst tellen sich die Steuern in sogenannte direkte und indirekte Steuern. Direkte Gleuetn sind diejenigen, die unmittelbar das Einkommen und das Vermögen erfassen. Da ist einma« die sogenannte Einkommensteuer, die auf Grund der Erzbergerschen Finanzreform von 1919/20 auf das Reich überging, dann die sogenannte Vermögenssteuer, ebenfalls eine Reichssteuer, die das Vermögen trifft, wenn es 5000 Mk. übersteigt. Die Einkommensteuer selbst zerfällt in drei Gruppen: tn den Lohnabzug, in
gericht', um halber sieben nachtmahlen wir Dann.“
Arm in Arm stiegen wir die läuferbelegte Treppe empor, gingen einen langen Flur hinab:
„So. mein Alterle. Wohnraum, Schlafzimmer. Ankleiücckabinctt, — wenn du irgend an' Wunsch hast; llmständ werden nit g'machtl“
lleberrascht blieb ich auf ter Schwelle stehen: „Mcnschenskind, das ist ja einzig schön!“ Durch die hoben, gotiichen, spitzbogigen Fenster flutete das Gold der Rachmittagssonne, gab den schweren, gepreßten Letertapeten, den klobigen Eichenmöbeln einen warmen Hauch, wurde zu- rüdgetoorfen von einem hohen venezianischen Pfeilerspiegel und lag wie ein Meer voll Licht und Glanz über den ruhenden Wäldern drunten im Tal, den himmelanstrebenden Dergriesen, deren Häupter aufglühten in tiefem Purpurglanz.
„Wahrhaftig, wie in einem MärchenI"
„G'fallt dills? Ro, is recht.“ Wein Freund öffnete die Tur zu dem temetenliegenten Ankleideraum, dem Schlafzimmer: „A Kist'l Zigaretten hab' ich dir hing'stellt, von Simon Arzt aus Kairo, is doch noch immer deine Lieblingsmarke, gelt? Ain’ was zum Lesen, falls d' net gleich emschlaf'n kannst, Ganghoser. Löns, an Jahrgang vom „Deutschen Jäger“.
„Du lieber, lieber, alter Kerl!“ Ich konnte nicht anders, gab ihm einen herzhaften Kuh. — Der Vinzenz lachte.
,3 bin doch fei’ Madel, du narrischer Zwick'!; aber mir scheint, dö norddeutsche Steifheit laßt scho nach, dös liegt an ter Luft, und nun — Ander!! - Ander!!!"
Ein Lakei trat ein, ein frischer, junger Mensch mit Kreuzerschneckerln, schwarzen Augen:
„Is' Bad herg'richtet? Schön, dann mach dir's einstweilen bequem, Alterle, und auf Wieder- schau'n hernach, i will mich erst mal nach meine anderen Gäst umtun, in a Stund' hol' ich dich!"
Der Ander! räusperte sich diskret.
„Wann Ew. Gnaden befehlen, dö Puffern fan draußen —"
„Gut, packen wir erst mal aus. Sind Sie schon lange hier im Dienst?“
„Ret g'rad lang, erst a Halbs Jahr —", und nun erfuhr ich nacheinander die ganze Lebens-
ten Steuerabzug vom Kapitalertrag und in die Einkommensteuer auf Grund ter Veranlagung. Die Erträge aus Grund- und Hausbesitz gehören dabei nicht hierher, sie werden vielmehr durch die sogenannten Real steuern festgesetzt. Zu beachten ist ferner noch, daß auch die kollektiven Gebllde, tote die Aktiengesellschaften ufto. ihre Steuern veranlagen müssen, die unter die Kategorie ter Körperschaftssteuer fallen. Don ter Einkommensteuer behalt das Reich 25 Prozent, während 75 Prozent an die Länder und Gemeinten überwiesen wertem Insgesamt bringt die Einkommensteuer ungefähr den dritten Teil ter Reineinnahmen ein. Schließlich gehört hierher noch die Grbschafts- und Schenkungssteuer und dann die Steuern vom Grundbesitz und Gewerbebetrieb, Letztere sind Ländersteuern, die von diesen selbst geregelt werten.
Die übrigen Steuern fallen glattweg unter die sogenannten i ndirekten Steuern. Hierher gehört die Umsatzsteuer, die Grunderwerbssteuer und ter ganze Komplex ter sogenannten Dermögensverkehrssteuern. Eine wettere Gruppe bilden die Steuern vom Verkehr, wozu die Beförderungssteuer und die Kraftfahrzeugsteuer geboren. Die Desörterungssteuer geht tem Reich fast gänzlich verloren, well davon rund 300 Millionen jährlich dem Generalagenten von ter Reichsbahn zu überweisen sind. Schließlich sind in dem Steuersystem nc»ch die Verbrauchs- und Aufwand steuern zu erwähnen. Die Verbraachs- fteuem sind die Getränkefteuem, die Diersteuer, die Schamnwei n[teuer, das Spiritusmonopol, die Tabaksteuer und die Zucke rsteuer. Zu den Aufwandssteuern gehören die Vergnügungssteuer und die Hundesteuer. Mag dieses System auch gut organisiert erscheinen, so wäre es doch verfehlt, von einem endgültigen deutschen Steuersystem zu sprechen. Gerate die letzte Zeit hat zur Genüge bewiesen, wie notwendig es ist, noch einmal eine grundlegende Steuerreform durchz^- führen. Man darf nur hoffen, daß Steuer- vereinheitlichungsgeseh und Finanzausgleich dafür die Basis bieten.
Oberhessen.
Landkreis Gießen.
8> Alten-Duseck, 6. Febr. Bei der am Montag in den hiesigen Waldungen abgehaftenen Holzversteigerung wurden folgendeDurch- schnittkprei e erzielt: 2 Raummeter Vuchenscheit 38 bis 40 Mk., Duchenftöcke 10 bis 12, Sannen» knüppel 21 bis 24. Buchenwellen (5 Meter) 21 bti 24 Mk. Die in oiefer Höhe bis jetzt noch nicht gekannten Preise dürsten ihre Ursache in ter Hauptsache wohl in tem anhaltenden strengen Winter, der die Drennmaterialvorräte stark erschöpft hat, haben. — Bei der Verpachtung unserer Gemeindejagd, die aus xtoa Gebieten besteht, blieb ter seitherige Pachte^ Fabrikant Rinn (Heuchelheim) mit 1100 Mk. Höchstbietender. Da weitere ernsthafte Bewerber zu tem Verpachtungs termin nicht erschienen waren, blieb das Höchstgebot weseullich hinter der Taxe, die noch unter dem Pachtpreis der Vorkriegszeit siegt, zurück. Insolgetessen schweben über den enftgültigen Dachtprets zur Zett noch Verhandlungen zwischen den beteiligten Stellen.
V Mainz l a.r, 6. Febr. Unser Kindergarten, ter schon wieterhosi vor seiner Auflösung stand, hat nun dieser Tage seinen Betrieb eingestellt. Obwohl sich Im Spätsommer tes vergangenen Jahres em Verein gebildet und es sich zur Ausgabe gestellt hatte, ten Garten zu erhalten, ist ihm dies infolge verschiedener Umstände nicht gelungen. In einer voraus- gegangenen Besprechung tes gesamten Vorstandes, in ter hauptsächlich die finanzielle Frage zur Erörterung stand, hat man eine befriedigende Lösung nicht finden können, da man zu einer früheren Betastung ter Mitglieder nicht teck zvrückkehren wollen Auch bHeben die freiwillige« Beiträge hinter den gehegten Grwariungen zurück. Es wird aflgemein bedauert, daß der Garten ter Allgemeinheit nicht erhalten werten konnte, zumal ter Verein über 80 Mitglieder zählt.
geschichte, während sich meine Koffer wie durch Zauberei leerten. —
Ein halbes Stündchen später schlüpfte ich in ten Smoking, brannte mir eine PapyroZ an und trat ans Fenster. Draußen lagerten schon die ersten, weichen Schatten des beginnenden Abends. Rosiger Widerschein färbte die von wildem Wein überwucherten Mauern, drunten, im Tal, wallten ziehende Rebelschwaden auf, aber drüben flammten die Schroffen und Schrunden wie von rinnendem Blut übergosfen, violette Tinten geisterten über die Steilhänge hin, und nur die höchsten Spitzen des Urgesteins waren umwoben von einer flimmernden Strahlenkrone. Dort oben, wo In Rissen und Runsen der Firnschnee hastete, schienen Rosen aufzublühen, Myriaden roter Rosen, ein Feenreich, geheimnisvoll und lockend, em Märchenland, umwoben von tem Zauber unberührter Reinheit.
So versunken war ich in ten Anblick, daß icb ein leises Anklopfen ganz überhörte. Eine Han? legte sich von rückwärts auf meine Schulter, ich fuhr herum:
.Vinzenz! Entschuldige, ater ----“
.Brauchst dich net entschuldigen, Alterle — afi — was seh' ich „en grande tenue“, Bratenrock und Lackschuh'! Du, tefe gibt s in Schloß Terofal net, mir san alle an 's Iagdhabit g wöhnt, no» jatzt woll'n ma mal ’rütergeb'n.“
Wieder schritten wir den Korridor entlang bis zu dem Artettszimmer tes Hausherrn, ein Diener öffnete die Tür. 3m Erker standen drei Herren im Gespräch teifammen. Der Vinzenz schob mich vor: „®raf Pürkstein, Rittmeister Graf Pernegg, Ritter von Molnar!“
„Hab' die Ehr'!" — „Sehr angenehm!" Gdt Händeschütteln, Verbeugung. — Der schlante Vir- kenseld-Dragoner llemmte sein Einglas fest:
„3 glaub, wir hab'n uns schon amal g'seh'n, Baron, vor sieben oder acht Jahren, bei ter Pardubitzer Steeplechase. Sö ritten an „ Fuch^ und i an Dunkelbraunen, waren S' nit Königin- Husar, blauftlber?"
„3awohl, ganz recht, Heyten-Lcnten gewann damals das Rennen, Rosenberg tourte Zweiter — —"
Die Verbindung war hergestellt, Gras Pürkstein räusper-r sich:


