Spionage-Zentrale Brüssel
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Vereine
Rom Augustus. Das ist die Colonna Mus
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Endlich, am 2. April, wälzte sich das Ungetüm unter dem Jubel der faszistischen Jugend, die aus dem ganzen Lande herbeiströmte, an den Strand. In Holz und Weihrauch, in Segenssprüche und Zeremonien aller Art wickelte man es ein, der Priester taufte es und am 23. Juni rutschte es langsam auf ein eigens konstruiertes Fährschiff hinüber, ein Stapellauf, zu dem die Regierung die römischen Vertreter der Weltpresse einlud. Alle Herzen pumperten im kritischen Augenblick: Wird der Einstein versacken oder nicht?
Er versackte nicht, er blieb seinem obersten Grundsatz der Bewegungslosigkeit treu. Aber noch sind nicht alle Gefahren überwunden.
Brav hielt sich das Meer. Rahm das große Wickelkind mütterlich in feine Arme und strahlte es mit blauen Augen an. Schuhbereit liefen ein paar Kriegsschiffe neben dem Schlepper her und geleiteten ihn bis an die Tibermündung oder vielmehr an dessen schiffbaren Seitenarm, der bei Fiumicino mündet. Hier warteten schon drei neue, festlich bewimpelte Schlepper, die sich an die fünfhundert Tonnen schimmernder Pracht heranmach- ten und sie sicher durch die Brandung, wo sich das Gelb des „blonden Tibers" mit dem Azur des Tyrrhenischen Meeres vermählt,hindurch in den Kanal lotsten. Der Koloß nahm die Freundlichkeiten mit stoischer Ruhe hin.
Sechsunddreißig Kilometer Flußfahrt trennten ihn nun noch von der Hrbs, von der Jsola Sacra bis zur Paulskirche hatte er zahllose Windungen zu überwinden. Aber diesen Weg hatten schon manche Vorgänger genommen, zuletzt der Obelisk, den die Fürsten Torlonia in ihre Villa nach Rom schaffen ließen, derselben Villa, die jetzt dem Duce als Sommerresidenz dient. Wahrscheinlich ist der Gedanke an eine Wiederholung des grandiosen Schauspiels, das seinerzeit Jahre hindurch die Techniker und Baumeister in Aufregung hielt, hier entstanden.
Ja, und da liegt er nun, der Himmelsweiser, vor der Basilika und wartet auf hohen Wasserstand, der ihm den heiklen Aufstieg durch die vierzehn Brücken Roms ermöglichen soll. Ob die Schwierigkeiten ihn reizen, ob er tückische Zwischenfälle im Traume ausbrütet, man weiß es nicht. Der weihe Riese schläft.
Was ist das für ein Ding? fragt wohl mancher, der unvermutet an den kleinen Flußhafen tritt. Was sollen die Fahnen? Was geht hier vor?
Das ist das Rom Mussolinis, antwortet der blonde Tiber, und ich verbinde es mit dem
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„Oer Todesdraht."
Von Heinrich Binder.
Als unsere IV. Armee in Flandern kämpfte, sprachen die Soldaten von der „flandrischen Hölle". Ein unterirdisches Feuer bedrohte tatsächlich alle: die Spionage. Wohl kein Volk hat im Weltkrieg mit so hemmungslosem, fanatischem Haß Spionage getrieben, wie das belgische Volk. Von den unglaublichen, aber wahren Begebenheiten dieses Kampfes auf Leben und Tod berichtet das soeben in der Hanseatischen Verlagsanstalt, Hamburg 36, erschienene Buch „Spionage- Zentrale Brüsse das Heinrich Bin- der nach Aufzeichnungen von Geheimagen- ten, die im Weltkrieg an der Westfront tätig waren, herausgegeben hat. Mit Genehmigung des Verlages teilen wir aus den Berichten mit, wie die Spione den gefürchteten „Todesdraht", die Absperrung der Grenze, überwunden haben.
Jetzt war Devos allein.
Um den senkrecht zur Grenze führenden Graben, der ein Grundstück flankierte, und der mit alten Weidenstumpen bepflanzt war, zu erreichen, mußte Devos erst etwa achtzig Schritte an der Obstwiese entlang gehen.
Am Graben angelangt, wartete er mit klopfendem Herzen einige Augenblicke, um sich zu vergewissern, ob nicht etwa eine holländische Grenz- Patrouille in der Nähe sei.
irgendwie wesentliche Streitfragen mit den Nachbarn und aus dem Kriege nicht mehr. Sie ist in einer freien und auch gesicherten Position, da sie es geschickt verstanden hat, zwischen England und Rußland unabhängig und neutral zu bleiben.
Die relative Ruhe, die heute über den nahen Orient liegt, von der Spannung in Aegypten, den Kämpfen in Persien und Afghanistan abgesehen, bietet im Zusammenhang mit der gleichen Situation in Südosteuropa, dem italienischen Ehrgeiz, dem Frankreich überall, wo es nötig ist, die Waage hält, keine Möglichkeit, vorwärts zu kommen. Auch die Lateran vertrüge, innerpolitisch ein großer Erfolg Mussolinis, werden außenpolitisch wenig bedeuten. Die Lateranverträge — das preußische Konkordat — die Frage der heiligen Stätten in Palä- tina, die der Vatikan wieder zur Debatte stellt — chließlich d i e Verständigung zwischen Staat und katholischer Kirche tn Mexiko am 21. Juni, sind für die Führung der katholischen Kirche höchst bedeutungsvolle Ereignisse. Außenpolitisch wichtig davon ist nur der Abschluß in Mexiko. Nicht umsonst hat sich darum der Botschafter Nordamerikas in Mexiko, M o r r o w , so lebhaft bemüht. Diese Arbeit aus Nordamerika zeigt, daß diesem am Frieden in Mexiko gelegen ist und nicht an Bürgerkrieg und einer Unordnung, die Dieb leicht die „Dollardiplomatie" locken könnte, aber große Gefahren in sich trüge. Drei Jahre lang hat der Kampf zwischen Staat und Kirche in diesem Land das Volk im Bürgerkrieg zerrissen. Der Abschluß ist ein wichtiges Ereignis für die Stabilisierung und Beruhigung der Verhältnisse in Mexiko und damit auch für eine wirtschaftlich.e Gesundung, die dem Lande zu wünschen ist. Auch auf Mexiko hat b i e Hoffnung des ru s s i s ch e n Bolschewismus geblickt, weil das Land im Bürgerkrieg war, und weil es dazu auch sozialpolitisch eine ziemlich radikale Politik machte. Umgekehrt also das Interesse Amerikas, daß hier endlich Ruhe werde, sich Mexiko wirtschaftlich entwickle und die dort angelegten großen amerikanischen Kapitalien Zinsen trügen. Wir glauben, daß man in Amerika die Idee, Mexiko würde einmal den Vereinigten Staaten ebenso angegliedert werden können, wie
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und der Colonna Trajans wetteifern wird an Größe und Herrlichkeit ...
Jrn Herbst, wenn die großen Regengüsse den heiligen Strom Italiens zum Steigen bringen werden, soll die jetzige Reise beginnen. Wie mag der Koloß an der Tiberinsel, an den gefährlichen Pfeilern der Engelsbrücke vorbeikommen? Wie, wenn die Strömung des Hochwassers zu reißend wird oder wenn es die Brückenbogen unerwartet rasch ausfüllt?
Hat er dann endlich sein Floß verlassen, so beginnt die Arbeit der Hochbauingenieure, denn in der Villa Farnesina beim Ponte Milvio, dem Forum Mussolini, soll er aufgestellt werden. Dicht an der für das Geschick Roms so bedeutsamen Drücke.
Hochschulnachrichten.
Der durch die Emeritierung des Prof. H. Grimme an der Hniberfität Münster erledigte Lehrstuhl der orientalischen Philologie ist dem a. o. Professor Dr. Joseph Schacht in Freiburg i. B. angeboten worden. Dr. Schacht habilitierte sich 1925 in Freiburg i. D. für semitische und türkische Philologie. Hier erhielt er auch einen Lehrauftrag und 1927 die Ernennung zum planmäßigen Extraordinarius und Direktor des Orientalischen Seminars. — Der durch die Emeritierung des Geh. Rats A. Philippson an der Bonner älniverfität erledigte Lehrstuhl der Geographie wurde Leo Waibel in Kiel angeboten. Prof. Waibel nahm 1911 an der Forschungsreise der Deutschen Kolonialgesellschaft nach Kamerun teil. 1914 trat er im Auftrage des Reichskolonialamtes zusammen mit Prof. Jaeger (Berlin) eine neue Forschungsreise nach Deutsch-Südwestafrika an, die sich durch den Krieg bis Herbst 1919 erstreckte. 1920 habilitierte sich Dr. Waibel an der Hniversität Köln und siedelte 1921 als Assistent von Geheimrat Penck an die Universität Berlin über. Ostern 1922 erfolgte seine Ernennung zum ordentlichen Professor an der Mniberfität Kiel.
Der Lehrstuhl der neueren deutschen Literaturgeschichte an der Hniversität Münster (an Stelle von Prof. H. Schwerins) ist Professor Dr. Ernst Beutler in Frankfurt a. M. Angeboten worden. Beutler, der seit 1925 als Direktor des Goethe-Museums in Frankfurt a. M. tätig ist, ist Schüler von Albert Köster und wurde 1912 Dibliotheksrat an der Staats- und älniversitätsbibliothek in Hamburg. Zugleich habilitierte er sich in Hamburg für deutsche Philologie. 1925 übernahm Deutler die Leitung des Frankfurter Goethe-Museums und erhielt später | die Ernennung zum Honorarprofessor,
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verstärkt. Die Schutzdrähte, die auf beiden Seiten, etwa ein Meter von dcr Starkstromleitung diese flankierten und die der gewöhnlichen Einfriedigung einer Wiese glichen, waren die gleichen geblieben und boten somit kein erneutes Hindernis. _
Wie ein mächtiger Tiger hockte Devos jetzt im hohen Gras des Grabens. Seine Augen folgten dem Lichtkegel des Scheinwerfers, der spielend über den Grenzstreifen glitt, ohne daß er, durch irgendeinen Zufall, auf holländisches Gebiet herüberleuchtete.
Es war ausfallend, daß Devos keinen Grenzposten entdeckte, die sonst im Lichtkegel des Scheinwerfers, selbst auf weite Entfernungen hin, wie geisterhafte Silhouetten mit unheimlicher Deutlichkeit sichtbar . waren.
Jetzt, nach endlos scheinenden Sekunden, wurde der Scheinwerfer endlich wieder herumgeworfen« Vor dem Spion lag tiefes Dunkel und Schweigen. Er zog seine Gummimütze über die Ohren, griff zu seiner Jsolierscherc und svrang in atemloser Spannung auf den Todesdraht zu.
Er durchschnitt die beiden senkrechten Verbindungs- drähte, bog die Enden blitzschnell nach oben und unten und schlüpfte hindurch. Er sprang auf, um in gewaltigen Sätzen auf die andere Seite zu gelangen.
Da läutete auch schon das Alarmwerk mit schrillem Klang. Alle Wachen waren alarmiert. Ruse wurden laut; von allen Ecken schrie es wild in die Nacht hinein: „Achtung! Halt! Spion! Schmuggler!"
Da kam auch schon unerbittlich, wie das Schicksal, der Lichtkegel des Scheinwerfers, um nach der schadhaften Stelle den Sperrdraht abzusuchen.
Devos hatte mittlerweile etwa vierzig Sprünge gemacht. Aber er lief wie wild weiter und war etwa noch zehn Meter vom Stacheldrahtzaun entfernt, der die Hundert-Meter-Zone einfriedigte. Auf einmal erfaßte ihn der Lichtstrahl des Scheinwerfers.
Und schon fielen die ersten Schüsse.
In seiner Todesnot sah er jetzt auch die Statten der deutschen Grenzposten auf» tauchen, die, wie aus der Erde gewachsen, in der Dunkelheit standen.
In drei großen Sätzen hatte er den Draht erreicht.
Wie er hindurchgekommen war, wußte er nicht mehr, als sich seine Erregung gelegt halle. Seine wertvollen Gummikleider waren zerrissen; feine Drahtschere hatte er verloren, er fühlte, daß marines Blut an seiner rechten Hand herunterrieselte. Hinter ihm krachten Schüsse, über ihm kreiste das helle Licht; er aber hatte nur einen Gedanken: Auf die nahe Tannenschonung zuzurennen, die ihm die einzige Rettung bieten konnte.
Wohl klatschten die Schüsse an die schlanken Bäume, aber sie trafen Devos nicht, der wieder einmal, wie durch ein Wunder, die rettende Schonung erreicht hatte.
In all dieser Erregung hatte er es gehört und voller Stolz empfunden, daß deutsche Soldaten seinen Namen gerufen hatten!
In der Tannenschonung konnte er sich nicht lange aufhalten, denn er wußte, daß es für bie deutschen Wachttruppen keine Nachtruhe gab. Sie wurden in allen nächstliegenden Dörfern alarmiert, um einen engen Kreis zu ziehen, den er bei lagesgrauen nicht mehr würde durchbrechen können.
Er lief daher, so schnell wie möglich, die Zugangswege meidend, seinem Versteck in dem Dorfe Stefens zu. Das Haus, in dessen Stall er sich umziehen konnte, gehörte einem alten Flachsschmuggler, als der Todesdraht noch nicht gelegt war, hatte er ihm oft beim Schmuggeln geholfen.
Devos wollte ihn nicht in Gefahr bringen, aber dieses Mal mußte er doch eine Ausnahme machen. Schon oft hatte er sich in dem Stall umgezogen, ohne daß der Schmuggler von seiner Anwesenheit etwas gemerkt hatte. Weil aber seine Hand stark blutete, sollte er ihm dieses Mal helfen.
Nachdem sich Devos als feldgrauer Landsturmmann umgekleidet hatte, klopfte er leise an das Fenster der Schlafkammer, die sich auf ebener Erde neben der Küche befand.
betrachtete jener Papst Sixtus V. noch als eine i Anmaßung. Er setzte den Apostel Petrus auf die Säule und ließ ihn seine Himmelsschlüssel schwingen. Sie sind so groß wie ein Mordschwert, furchterweckend sieht das aus.
Die Katzen scheren sich freilich nicht darum. Die Katzen sind bekanntlich — nein, viele Fremden wissen das nicht — die heiligen Tiere Roms und werden daher ebenso gehätschelt wie die Hunde mißhandelt. In dem Daugerümpel, das uns die Alten hinterlassen haben, wie im Pantheon oder im Trajanussorum, genießen sie Asyl- recht und nützen es aus, indem sie sich so sprichwörtlich wie die Kaninchen benehmen. Es wimmelt von unsagbaren Rassen in den Tempeln oder Markthallen (den Kunsthistorikern geht es zuweilen wie den Geologen und Anthropologen) des abgesetzten Kaisers. Obwohl sämtliche Anwohner und viele Vorübergehende mehr oder minder genießbare Abfälle in das Forum hin- unterwerfen, in dessen Mille die Säule steht, herrscht manchmal Hungersnot unter der Miezenarmee. Daher werden sie feit einiger Zeit amt • l i ch gespeist. Rom tut etwas für feine Sehenswürdigkeiten.
Die dritte Säule ist natürlich Mussolini geweiht. Da der Cäsar noch keinen Kriegslorbeer in der Scheune hat, wird man von dem Schlachtenfilm der Trajans- und Marc-Aurels-älmgänge nehmen, vorerst wenigstens. Wahrscheinlich wird es überhaupt keine runde Colonna werden, wenn sie auch schon Colonna Mussolini heißt, sondern ein Obelisk, ein Himmelsweiser. Die abenteuerliche Geschichte seiner Aufrichtung hat bereits begonnen.
Ein Geschenk der Marmorherren von Carrara, hat man den untadeligen 30 Meter hohen, von keiner Ader getrübten schneeweißen Kolossalblock in einem Vruch gewonnen, der 800 Meter über dem Meere liegt. Im Gegensatz zu den Säulen altmodischer Cäsaren, die aus Übereinanberge» stülpten Trommeln bestehen, kann er sich rühmen, ein Monolith zu fein. Ein Einstein, dem die Relativitätstheorie Wurscht ist.
Er kennt nur die absolute Praxis, er ist schwer, furchtbar schwer. Davon könnten die dreißig Paare Düffel, die ihn ans Meer schleppten, ein Lied brüllen. Hundertzwanzig der urweltlich anzu- schauenden Hörner unterm Joch, es war wirklich ein cäsarisches Bild. Vorher zitterte schon der Derg unter der rechteckig behauenen Lawine, war doch das Gefälle ein sechzigprozentiges und volle dreizehn Kilometer lang!
Hm den Transport zu ermöglichen, mußten Straßen abgestochen und Drücken abgebrochen | werden, darunter sogar eine Eisenbahnbrücke.
SS sä® S nbes faßt einge.
vor einem halben Jahrhundert seine nördlichen Teile, das heutige Texas, Neu-Mexiko, Arizona, Kalifornien, aufgegeben ist. Man sieht ein, daß die Selbständigkeit der großen mittel- und südamerikanischen Staaten nicht zu brechen ist und daß dies auch das Gegebene für die Union ist, wenn diese Länder zahlungsfähige Abnehmer für Nordamerikas Jndustrie- crzeugnisse werden.
Hat die mexikanische Regierung und die, die sie tragen, gleichfalls ein Interesse an der Aussöhnung ebenso mit Nordamerika wie mit der Kirche, so kommt diese Beruhigung der katholischen Kirche im Land und darüber hinaus auch zugute. Der Kirchenkampf in Mexiko muhte zur Verwilderung, ja zu Rückfällen der Indianer in das Heidentum führen. Nunmehr kann die katholische Kirche, mit dem Staat versöhnt und von ihm unterstützt, mit Energie an ihre eigentliche Aufgabe gehen. Sie hilft zur Konsolidierung des Staates mit und nimmt durch diese Position in Mexiko überall in Südamerika am Ansehen zu.
Das sind in jeder Beziehung bedeutungsvolle Vorgänge, für den Vatikan wie für die katholische Kirche, wie für Nordamerika und für die Weltpolitik und Weltwirtschaft überhaupt. Einer ruhigen Z u s a m . menarbeit von Norden und Süden auf dem amerikanischen Festlande stand doch natürlich immer entgegen, daß rein geographisch ein großes und reiches Land, eben Mexiko dazwischen lag in Unordnung, in Sorge vor dem amerikanischen Imperialismus, innerlich zerrissen und wirtschaftlich nicht vorwärts kommend. Daß die Vereinigten Staaten im übrigen Mittelamerika und vor allem im westindischen Archipel eine Vormachtstellung haben, damit findet sich Südamerika ebenso wie Mexiko ab. Aber dessen Selbständigkeit ist Voraussetzung und Hauptsache für eine Zusammenarbeit auf der Grundlage der Gleichberechtigung. Die Selbständigkeit wiederum hatte zur Voraussetzung Beruhigung und Stabilisierung im Innern. Dafür ist jetzt eben ein wichtiger Schritt getan. Ist es schon zu weit gegangen, wenn man darüber hinaus I immerhin daran denkt, daß auch der Anschluß Mexikos an den Völkerbund, dem es nicht angehört, I denkbar märe?
Drei Säuien: Marc Aursl, Trajan und Mussolini.
Von Gustav W. Eberlein.
Außer den aus dem Pharaonenlande geholten Obelisken, wie sie riesenhaft und rätselhaft auf allen bedeutenden Plätzen der Roma stehen, jeder von einer abenteuerlichen Geschichte über seine Aufrichtung umwittert, fangen den Dlick des Fremdlings zwei kolossale Säulen. Turmhoch, dicker als eine Dampfwalze, vom ersten Filmband umkleidet und hohl, so daß man im Innern auf das Kapitäl hinausklettern und von dort aus die Aussicht bewundern oder Selbstmord durch Herabstürzen begehen kann.
London hat etwas Aehnliches in seiner Säule zur Erinnerung an das „große Feuer". Hm die Jenseitskandidaten von dem noch schrecklicheren Fegefeuer zu bewahren, ist der Säulengipfel vergittert worden. In Rom wurde der Aufgang überhaupt verboten. So steht man am Fuße des runden Turmes und starrt mit jener ab» schätzenden Winzigkeit zu ihm hinauf, die sicherlich jedem Turm etwas lächerlich erscheint. Wir Menschlein machen nun einmal neben der steinernen Wucht eine komische Figur.
Die Säule des Marc Aurel steht auf der Piazza Colonna, dem Herzen Roms. Die Piazza teifot, nebenbei gesagt, nicht wegen der Colonna so, sondern nach dem Patriziergeschlecht dieses Namens. Sie ist rund 30 Meter hoch und ihr Reliefband, der erste Film, zeigt in mustergültiger -Darstellung die Eroberungen des Kaisers in Deutschland, angefangen von der Rheinüberquerung auf Pontons bis zum Häuserbau. Dazwischen Schlachten, nichts als Schlachten. Im sechzehnten Jahrhundert baute Papst Sixtus V. Den Kaiser ab und stellt dafür den Apostel Paulus auf. Man sieht den Säulenheiligen von ollen erhöhten Punkten der Stadt aus.
Ob Trajan, dem auch schon rebellische (Stämme Beschäftigung gaben, seinen Rachfolger eigentlich überboten oder unterboten hat, ist nicht so leicht zu sagen. Rach dem Dadeker ist seine Säule nämlich bloß 27 Meter hoch, nach dem Grieben aber 43. Die Schätzungen der Geologen und Anthropologen gehen ja öfters auseinander. Jedenfalls zeigt die Säule nach den Geometern die Höhe des Berges an, den der Kaiser abtragen lieh, weil er ihm bei seinem Forumbau im Wege lag. Dieser Berg war der . achte Hügel Roms, sozusagen das fünfte Rad am Wagen. Zum Ausgleich lieh dann Trajan seine Asche in einer goldenen Hrne in dem Säulensockel beifetzen. Auch diese Bescheidenheit
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Außenpolitische Umschau.
Qon Dr.Otto Hoehsch, o. Prof, der Geschichte an der Universität Berlin, M. d. jl
Am 25. Juni hat Japan den Kelloggpakt ratifiziert. Damit ist dieser in Kraft getreten, da und) die letzte der ersten Signatarmadjte Dom 21 August 1928 die Ratifikation vollzogen hat und b«r Pakt mit den Ratifikationen aller dieser ersten Signatare in Kraft treten sollte. Es 'st von ihm l) mte stiller geworden, aber Hoover hat sich nacy- biüdlid) zu ihm bekannt, und im Verlauf der Ab- niftungsgefprädje wird dieser Pakt wieder hervor- »eten so gut, wie er ja auch sofort hervortrat in d kn Äeußerungen der jetzt in England die Re- q erung bildenden Partei. Diese hat mit der Thronrede am 2. ihr Programm kundgegeben. Sie war vorsichtiger, als man erwartete, aber sie lagt in den entscheidenden Fragen dock) immerhin q.mug. Die wiederum geradezu vorbildliche Behänd- jung im Parlament im ganzen zeigt, daß die eng- lilchen Parteien alle in den großen Fragen der nun !> craufziehenden Konferenz geschlossen sein wollen.
Mit der Vorbereitung dazu geht cs langsamer, als Optimisten dachten. Frankreich befindet sich in einem erheblichen Wirrwarr und hat sich darin 3U einem von vornherein zum Scheitern verurteilten Vorgehen entschlossen, nämlich bei Amerika um die Verlängerung des F ä 11 i g k e i t s t e r - •nin s für die bekannte Schuld zu ersuchen. Poin- c«rs wird die Ratifikation wohl durchsetzen, aber diese Verhandlungen ziehen sich immerhin länger f) in. Und sie können auch auf die innerpolllifche Sage im Sinne einer Umbildung des Kabinetts Poin- rcr6 zurückwirken. In diesem Wirrwarr tritt jedenfalls das hervor, daß die neue Regelung, die die t deutschen Reparationszahlungen im Poung-Plan staden sollen, aufs engste mit dem Netz der ^interalliierten Schulden verwoben i[t. Das ist für Frankreich nach der einen Seite an- q «nehm, nach der anderen aber nicht, weil es nun auch aus England hort, daß auch dieses Wünsche aus der Schuldenfrage an Frankreich hat und sich ini Kabinett Macdonald mit der Regelung der Bal- fournote nicht unbedingt abfinden will. In die Gespräche zwischen London und Paris über die Konferenz und ihren Ort hat die deutsche Regierung mit der Erklärung ihres Standpunktes eingegriffen, lins ist London, wenn ein deutscher Ort nicht in Frage kommt, natürlich lieber. Der Zeit nach ist Inon unserer Seite gesagt worden, daß die Konferenz
-wischen dem 15. Juli und 15. August beginnen möge. Eine einfache Rechnung sagt dann, wann ungefähr, zumal auch auf die Volker- . bundsversammlung vom 9. September an Rücksicht
genommen werden muß, an einen Abschluß und an die Reichstagsverhandlung darüber gedacht werden kann.
Nun dürfen wir aber nicht ganz vergessen, was ■1 sich draußen vollzieht. Die Türkei hat am 22. Juni mehrere Abkommen mit Frankreich vollziehen können, mit denen alle Schwierigkeiten im Verhältnis der beiden Staaten beseitigt find. Daran A schließen sich Verhandlungen über einen Freund- jchafts- und Schiedsvertrag beider Länder, und ist das ausgeglichen, was Italien etwa an Vorsprung in Angora erobert hatte. Mit begreiflicher Genugtuung tonnte der türkische Außenminister vor seinem Parlament feftfteUen, daii nunmehr die Grenzen der neuen Türkei gegenüber allen Nachbarländern festgelegt seien, und es keine wesentlichen Streitfragen inehr zwischen der Türkei und den betreffenden Regierungen des Auslandes gäbe. Auch mit Griechen l a n d verhandelt man über einen Schieds- v ertrag. Desgleichen nähern sich die Bereinigungs- Verhandlungen über die Orientbahnen dem Abschluß. Wirklich, die Türkei, unser Kriegsbundes- genosse, ist in einer glücklicheren Lage als wir! Sie hot den Frieden von Neuilly längst abschütteln können und den Frieden von Lausanne als freier und souveräner Staat geschlossen. Sie hat
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Diese Zeit benützte er, um seine Pistole zu entsichern und die Gummihandschuhe an^uziehen.
Obwohl sich das Gewitter verzogen hatte, regnete es ganz fein. Und es war so finster geworden, daß Devos kaum bis zum nächsten Baumstumpen sehen konnte.
Nach seiner Berechnung hatte er sich dem T o - desdrahtscionaufetwafünfzigMeter genähert.
Wie eine Wildkatze schlich er vorwärts. Jetzt schien er zu torfein, jetzt warf er sich nieder, jetzt schritt er wieder mit tastenden Armen in die Dunkelheit, da auf einmal blitzen drüben die Scheinwerfer auf, die das Gelände regelmäßig nach allen Richtungen hin absuchen.
Devos hatte den letzten Baum des Grabens erreicht, und ein nur etwa vier Meter breiter Weg trennte ihn noch von dem Todesdraht. Aber wie das Raubtier auf das gelähmte Opfer, kam der Lichtschein näher und näher. Jetzt beleuchtete er die Stelle, die Devos zum Ueberschreiten benutzen mußte.
Der Spion hatte sich flach auf den Boden geworfen, und in dieser Lage verharrte er so lange regungs- und atemlos, bis der Lichtkegel über ihn hinweggeglitten war.
Jetzt schlich er an den Todesdraht.
Zu seinem Schrecken sah er eine Veränderung, die den Weg erschwerte. Vor acht Tagen, als er zum letztenmal durchgekrochen war, war der Draht doch leichter zu bewältigen gewesen.
Jetzt hatte man die Spanndrähte zwischen je zwei Pfählen durch senkrecht laufende Verbindungsdrähte
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