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*• Generalmajor a. D. Cullmann beging kürzlich in voller Frische seinen 85. Geburtstag. Aus diesem Anlaß erhielt der alte Offizier in Anerkennung seiner Verdienste von dem
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Fettansatz im Sommer ist besonders lästig. Nehmen Sie dreimal täglich 2 bis 3 Toluba-Kerne, die unschädliche, dabet wirksame, den Fettansatz reduzierende Stoffe ent« halten. Sie erhalten die echten Toluba°5kerne in Apotheken. 1460V
früheren Kaiser ein herzliche« Glückwunschschrel» ben mit Bild und eigenhändiger Unterschrift»
•• Kreisausschuß > Ferien. Der Kreis- ausschuß des Kreises Gießen hält vom 15. Juli bis 15. September Ferien. Während dieser Zeit können nur besonders schleunige Sachen zur Verhandlung kommen. Auf den Lauf der gesetzlichen Fristen sind die Ferien ohne Einfluß.
"Fahrzeuge und Straßenbahn im engen Seltersweg. Das Polizeiamt weist wiederholt darauf hin, daß nach den Vorschriften für den Verkehr und den Schuh der städtischen elektrischen Straßenbahn in Gießen das Befahren des Selterwegs zwischen Kreuzplatz und M a i g a s s e mit Fahrzeugen von einer größeren Breite als zwei Meter während des Betriebs der Straßenbahn verboten ist. Die Polizeibeamten sind zur strengen Aeberwachung und zur Strafanzeige im LIebertretungsfalle angewiesen.
D i e Museen sind am morgigen Sonntag mit Rücksicht auf das Schützenfest geschlossen.
•• Vom Gießener Schützenfest. Der heutige Degrühungsabend in der Dollshalle wird — wie man uns mitteilt — mit dem Schützenmarsch und einigen weiteren Musikstücken der Militärkapelle unter der Leitung des Obermusikmeisters L ö b e r eingrleitet. Vach einer kurzen Begrüßungsansprache des Dorsitzetrden des Schützenvereins, Architekt V i c o l a u s , werden unter den Klängen des Fanfarenmarsches das Dundesbanner und die übrigen Fahnen in die Halle gebracht, wo die feierliche Liebergabe an den Gießener Schützenverein erfolgt. 3m weiteren Verlaufe des Abends wird die Militärkapelle ein sorgfältig ausgewähltes Programm zum Vortrag bringen. Auch am morgigen ersten Hauptfesttage wird die Militärkapelle durch Konzertdarbie- tungen mitwirken.
"ViehmärkteinGießen. Am kommenden Dienstag findet in unserer Stadt Rindvieh- (Rutz, vieh-) Markt statt, dem sich am Mittwoch Schweinemarkt anschließen wird.
** Diebstähle i n Gießen. Der heutige Polizeibericht meldet folgende Diebstähle: Am 7. Juni wurde an der Ecke Wetzlarer Weg und der zum Bahnhof führenden Fußgängerbrücke ein Thermometer mit der Aufschrift „Optiker Magnus, Gießen" gestohlen: in der Vacht zum 11. Juni wurde aus einem studentischen Ber- bindungshaus eine Geldkassette, braun mit grünen Streifen und Vickelgriff, entwendet, der Inhalt betrug 230 Mark: in der Zeit vom 17. bis 23. Juni stahlen Einbrecher aus einer Wohnung einen blauen Herrenanzug mit Kleiderbügel und Hosenträger: in der gleichen Zeit aus einer im ersten Stockwerk gelegenen Wohnung einen dunkelbraunen Herrenrock mit gleicher Weste: am 19. Juni wurde aus einem nicht verschlösse- , ncn Zimmer eine silberne Herren-Ankeruhr mit Double-Bier- und Weinzipfel gestohlen: am 28. Juni aus Mansardenzimmern ein Herrenanzug mit lila Grundton, ein Paar schwarze Herren-Halbschuhe, eine silberne, mit Goldrand versehene Herrenuhr mit 24-Stunden-Zifferblatt und daran befindlicher zweiteiliger Kette, eine goldene Herren-Repertoireuhr mit eingravierter Widmung auf dem Innendeckel: ferner in der Vacht zum 29. Juni ein an einem Hause in der Wil^lmstrahe angebrachter Briefkasten, und schließlich in der Vacht zum letzten Freitag aus einem im Seltersweg aufgestellten Auto eine dunkelbraune, wertvolle Lederjacke. Dor Ankauf wird gewarnt. Sachdienliche Mitteilungen erbittet die Kriminalpolizei Gießen.
Wettere Lokalnachrichken im 2. Blatt
Aus der Provinzialhaupistadt.
Gießen, den 6. Juli 1929.
Halte, was du hast!
Auf meinem Schreibtisch liegt ein kleiner, viereckiger Briefbeschwerer aus weißem Marmor, auf dem mit Gvldbuchstaben eingraviert ist: 2alte, was du hastl Das ist ein sehr nach- d-tnklicher Spruch. Ich habe den Stein heute lange in der Hand gehalten, und da zogen mir q ar vielerlei Gedanken durch den Kopf.
Wenn man sich im Leben umschaut, dann lueht man, wie mancher Bekannte heute dies oder isnes treibt, morgen etwas anderes beginnt, um !i;nS übermorgen wieder strahlend zu verkünden, d-rh er sich jetzt auf etwas ganz Veues geworfen h-ibe auf etwas, was ihn bestimmt zum Ziele iLhre Lind nach kurzer Zeit muß er eingestehen, biß es doch nicht das Richtige gewesen ist. Wie cnn schwankes Rohr werden solche Menschen hin urd her geworfen. Die Zähigkeit, das Durch- Ixißen bei widrigen Lebensumständen fehlt ihnen iiollständig. Sie sollten, wenn sie etwas anfangen, nm den Spruch denken: Halte, was du hast!, denken auch an die Fabel vom Hunde, der ein
Fleisch im Maule trug und damit über ccne Drücke lief. Er verlor alles.
Selbst Alter schützt vor Torheit nicht. Oder uZar es keine Torheit, als sich die Eltern eines siudierten" Sohnes entschlossen, ihre alten Mö- l«l zu verkaufen (sprich: verschleudern) und sich modern einzurichten, damit sich die junge, vor- n«hme Frau des Sohnes auch „heimisch" fühle im Elternhaus ihres Mannes? Das gemütliche, bequeme Sofa, mit schwarzem Wachstuch überragen, mußte weichen, ebenso die schönen geschnitzten Bauernstühle, die Schranke mit den ci iigelegten Sprüchen, die Truhe, die alten, wertvollen, vertrauten Kupferstiche an den Wänden. 5>afür erschienen glatte, nichtssagende moderne Möbelstücke, weiche Sessel, ein Büfett, ein Ser- vrertisch und eine pomphafte Standuhr. Der alte Kuckuck mußte schweigen. An den Wänden hingen --Oelgemälde, auf denen man nur in einem Abstand von fünf Metern etwas erkennen konnte.
Run denke man sich die alten Herrschaften, tote |ie sich in diesen neuzeitlichen Zimmern bewegten I Wie sie nicht warm werden konnten zwischen ben neuen Sachen. Was sagten ihnen die Möbel? Vichts! Keine Erinnerungen knüpften sich daran, tc ine Geschichte konnte davon erzählen. Man wußte nicht, wer sie verfertigt hatte. Sie waren fein", sonst nichts. Der alte Mann getraute sich hum, sich auf das Sopha zu sehen. Seme getreue Pfeife burfte er im Zimmer nicht rauchen, weil sonst die Dorhänge gelb würden. Seine Vartenschuhe mußte er ausziehen, damit der Teppich nicht litte ... Alles hatten sie hergegeben, nur damit sich ihre Schwiegertochter, die einmal im Jahre einige Tage zu Besuch (am, wohl fühle. Es sollte bei ihnen nicht bäuerlich aussehen. Ist das nun Elternliebe, oder. . . Ich will das andere Wort gar nicht hierher letzen. Du, lieber Leser, tust es doch in Ge- - danken. Ob die alten Leute wohl ihren Irr- luin eingestanden? Vein! Sie dachten eben nur an das Glück ihres Sohnes, an die vornehme Schwiegertochter und die kleinen lieben Enkelkinder. Es war die reinste Selbstaufopferung. Hätten sie nicht vorher den Spruch beherzigen sollen: Halte, was du hast!? Vun wohnen sie schon einige Jahre da, wo es weder bäuerliche, noch moderne Möbel gibt ...
Halte, was du hast! kann man auch unseren Bauernfrauen zurufen, die zur Zeit ihre alte, praktische Tracht ablegen und vornehme Kleider tragen wollen. Ich spreche hier nicht von den jungen Mädchen. Daß diese nichts mehr von der Tracht wissen wollen, daß sie sich äußerlich bald nicht mehr von den städtischen Damen unterscheiden, das ist ein Dorgang, den niemand
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Deutschen luden. FSä Sn? Wina- „5 Eesse erweckte di« lwfs neue w Wucher berjch, "ach Rumänien. Iroh Jtyn Zustande ist die wirt, »en ouherordentlich kritisch 'fc Rot, besonders in M ™ hat bereits vor einiger für dos Hilfswerk in M gilt aber, den Juden Ru- w Wie zu bringen, sie bei «nen ökonomischen Umschich. 1 und zu unterstützen. Sehr Förderung des Schulwesens, r dem Kriege bereits unter, lsführende Ausschuß bevil- ll. für die kulturelle Arbeit 1000 Mk. für die sanitären jüdischen Kolonien in Süd. orten des Hilfsvereins, in der aine, sind bereits im Sau. e Auswondererfurforg«, die Verhältnisse besonders fom< • im engften Einvernehmen esbefjörben -urchMr/, ent» erfyebfitffem MKe bie bt- tutioiM innerhalb Deutsch-
aufhalten kann. (Man kann die Sache natürlich auch von der anderen Seite betrachten und fragen: Was sollen die Florstrümpfe beim Kartoffelausmachen?) Wie ist's aber, wenn Frauen von vierzig und mehr Jahren ihre Trachten ablegen und sich städtisch anziehen? Frauen, die ihre Kindheit und ihre glücklichsten Tage in einem Kleide verlebt haben, das sie einst von der Mutter erbten? Das waren Stoffe, an denen kein Dergang war. Wenn sie als junge Mädchen konfirmiert wurden, dann war die Kleiderfrage gelöst für das ganze Leben. Sie hatten eben „alles". Jetzt fangen einige an — trotz der schlechten Zeiten! — und tragen sich städtisch, und sie bekommen Vachfolgerinnen. Ganz abgesehen von der geldlichen Seite ist dieses Beginnen doch sehr merkwürdig. Auch das Kleidertragen will gelernt sein. Wenn sie sich wohl in ihrem neuen Staate fühlen, dann in Gottes Vamen! Ich glaube es aber nicht, habe auch schon verschämte Klagen gehört. Den andern aber sollten wir zurufen: Halte, was du hast!
Lins allen aber gilt der Spruch erst recht, wenn wir an, unsere Freunde denken. Wahre Freunde sind selten, und wir wollen sie halten, solange wir können. Der Weinhändler spricht von gepflegten Weinen. Warum sollen wir nicht auch von gepflegter Freundschaft sprechen? Halte, was du hast!
Auch deinen Kindern präge den Spruch bei Gelegenheit ein. Sind sie fahrig und wollen stets was anderes, dann erzähle ihnen die Geschichte vom Hunde mit dem Fleische im Maule oder eine ähnliche. Du kennst sicher aus dem Leben Beispiele genug von Leuten, die nicht nach dem guten Spruche handelten. Immer noch ziehen Alchändler hinaus auf stille Dörfer und kaufen alte, wertvolle Gegenstände, die irgendwo auf dem Speicher liegen. Schöne Schränke, Leuchter, Truhen usw. wandern für einige Mark in die Stadt. Warum denken die Landleute nicht an die Mahnung: Halte, was du hast!?
Lind ehe du selbst etwas Veues beginnst, überschaue nachdenklich das Alte. Cs ist gewiß nicht immer das Beste, aber ein Teil wird doch schon gut gewesen sein, sonst wärst du nicht darauf verfallen. Lind toerm wir etwas von unseren Dorfahren übernommen haben, dann überlege es dir dreimal, ehe du änderst: denn so dumm, wie manche glauben, waren die Doreltern doch nicht! Sie wußten wohl, was sie taten. Mache es auch so! Halte, was du hast! V—k.
Den Gießener Schützengästen.
Don heute ab bis zum Ende der kommenden Woche wird unsere Stadt zahlreiche Schützen aus dem Mittelrheingebiet, aus Baden, der Pfalz und der Saar als Gäste beherbergen. Den Anlaß dieses Schühenbesuches gibt das 3 0. Ver - bandsschießen, das heute abend in der Dolkshatte eröffnet wird. Von der Festleitung, wie auch von weiten Kreisen der Bürgerschaft sind umfangreiche (Borbereifungen getroffen worden, um den Gästen im grünen Schühenrvck den Aufenthalt in unserer Stadt so angenehm wie möglich zu machen. Für die Ausübung des Schießsportes hat der Gießener Schühenverein unter Aufwendung erheblicher Mittel eine ganze Anzahl neuzeitlicher Anlagen geschaffen, von denen die Festleitung eine erfolgreiche Durchführung der Schießwettbewerbe erhofft. Daneben hat man eine Reihe von Veranstaltungen vorgesehen, die dazu dienen sollen, nach den Stunden des Wettkampfes am Schützen st and auch die frohgestimmte Geselligkeit nicht zu vernachlässigen. Durch alle diese Vorbereitungen und durch den Schmuck der Straßen bekunden der Schützen- Verein und die Bürgerschaft, wie hoch sie den Besuch der Schühengäste einschähen. Mit besonderer Freude erfüllt es unsere Bevölkerung aber, daß unter den zahlreichen Gästen auch viele aus dem besetzten Gebiet in den nächsten acht Tagen unter uns weilen werden. Wer die vielfachen
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seelischen und wirtschaftlichen Vöte unserer Dolls- genvssen im besetzten Gebiete kennt, wer sich durch eigenes Erleben in diesem deutschen Landesteil unter der Herrschaft der fremden Militär - getoalt ein Bild machen kann von dem, was dort unsere Brüder und Schwestern im Interesse des ganzen deutschen Dolles an Leid und Entbehrung auf sich nehmen, der wird doppell ermessen können, wie froh die Schützenbrüder aus dem besetzten Gebiete sein werden, daß sie wieder einmal im freien Deutfchland als freie Deutsche ihrem schönen Sport und einer ungehinderten deutschen Geselligkeit sich widmen können. Zwar wissen wir, daß unsere Brüder und Schwestern am Rhein, an der Mosel und Saar in opfervoller Treue ausharren werden bis zu dem Tage, an dem der deutsche Rhein und bte deutschen Lande an unserer Westmark wieder frei sein werden, aber wir glauben doch recht zu handeln, wenn wir bei diesem Gruß an alle unsere Schühengäste ein besonderes Wort des Willkommens den Brüdern vom Rhein, von der Mosel, der Saar und der Nahe widmen mit dem herzlichen Wunsche, daß ihnen recht bald die Stunde der Freiheit schlagen möge, und dann auch ihr edler Schießsport wieder ungehindert in chren Heimatorten zur Ausübung kommen kann. Mögen alle unsere Gäste während des Gießener Schützenfestes nicht nur ihre sportlichen Hoffnungen erfüllt sehen, sondern auch ungetrübte Freude haben an allem, was der Gießener Schühenverein und die Gießener Bürgerschaft ihnen in gern geübter Gastfreundschaft darbieten! Mit diesem Wunsche heißen wir alle Schühengäste in den Mauern unserer Stadt herzlich willkommen!
Taten für Sonntag, 7. Juli.
Sonnenaufgang 3.52 Uhr, Sonnenuntergang 20.17 Uhr. — Mondaufgang 3.51 Uhr, Monduntergang 21.30 Uhr.
1855: der Dichter Ludwig Ganghofer in Kauf, beuren geboren (gestorben 1920); — 1860: der Dirigent und Komponist G. Mahler in Kalischt geboren (gestorben 1911).
Daten für Montag, 8. Juli.
1621: der Fabeldichter Jean de Lafontaine in Chateau-Thierry geboren (gestorben 1695); — 1836: der Staatsmann Josef Chamberlain in Chamberwell geboren (gestorben 1914); — 1838: Ferdinand Graf von Zeppelin in Konstanz geboren (gestorben 1917); — 1838: der amerikanische Großindustrielle John Davison Rockefeller geboren.
Gießener Wochenmarktpreife.
Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 190—200, Matte 30—35, Wirsing 30 bis 35, Weißkraut 30—35, Gelbe Rüben 30, Rote Rüben 10—20, Spinat 30—35, Römischkohl 15 bis 20, Bohnen, grüne, 35—70, gelbe 50—80, Dicke Bohnen 30-35, Erbsen 25—30, Mischgemüse 10—15, Tomaten 30—80, Zwiebeln 10—25, Rhabarber 10—15, Kartoffeln, alte 5,05, neue 15 bis 20, Aepfel, ausl., 45—70, Dörrobst 35-^40, Kirschen 40—60, Sauerkirschen 45—50, Heidelbeeren 45—50, Stachelbeeren 20—25, Johannisbeeren 30—35, Erdbeeren 60—90 Pfennig das Pfund, Walderdbeeren Schoppen 55 bis 60 Pfennig, Aprikosen 50—60, Pfirsiche 75—80, Honig 40—50, Junge Hähne 120—130, Suppenhühner 100—120 Pf. das Pfund; Tauben 70—90, Eier 13 Pf. das Stück; Käse 10 Stück 60—140 Pf.; Blumenkohl 30—80, Salat 5—10,
• Salatgurken 25—50, Einmachgurken 8—15, Ober- Kohlrabi 10—15, Lauch 10—15, Rettich 10 bis 25, Sellerie 10—15 Pf. das Stück; Gelbe Rüben 10—20, Radieschen 10-15 Pf. das Bund: Kartoffeln per Zentner 4.50 Mark.
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